Ausgabe 
2.2.1894 Erstes Blatt
 
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Versammlung der Gießener Omnibus-Gesellschaft statt. Unsere Stadt wird in Kürze dadurch um ein von Vielen längst begehrtes Verkehrsinstitut reicher werden und darf man somit annehmen, daß das Unternehmen die zu seinem Fort­bestehen nöthige Unterstützung des Publikums finden wird. Die Personenbeförderung erfolgt, soviel wir aus den Erläuterungen des Projects erfahren konnten, zu einem sehr mäßigen Preise, auch soll in Bezug auf Bequemlichkeit der Fahrgäste, innere und äußere Ausstattung der Wagen alles Mögliche aufgeboten werden. Die Stadt bat durch ihren Beitritt mit einem Drittel des Gründungscapitals bewiesen, daß sie Interesse an dem Zustandekommen und Bestehen des Unternehmens hat und die Verkehrsverhältniffe unserer Stadt zunächst im Rahmen des Erreichbaren und Zweckdienlichen zu fördern bestrebt ist.

** Amateur Photographie. Die immer wachsende Aus« breitung der Amateur-Photographie, die sich auch am hiesigen Orte bemerkbar macht, hat den Gedanken eines Zusammen­schlusses der Interessenten nahegelegt. Wie wir hören, ist dahier am 30. v. Mts. im Cafe Ebel eine größere Anzahl hiesiger Herren zu einerVereinigung Gießener Amateur- Photographen" zusammengetreten. Zweck der Vereinigung ist, durch gegenseitigen mündlichen Austausch der Erfahrungen, freie Besprechung aller den Amatcur.Photographen interessirende Angelegenheiten, namentlich der neuesten Fortschritte der Photo­graphie, Vorzeigen von Bildern, sowie das Halten fach­licher Zeitschriften den Mitgliedern diejenige Anregung und weitere Ausbildung zu ermöglichen, die bei bloßem Einzel­studium nur selten zu erreichen ist. Von besonderem Interesse für die Betheiligten werden auch die in Wandermappen periodisch circulirendeu Photographien des Verbandes der deutschen und österreichischen Amateur-Photographen-Vereine sein, die den Mitgliedern durch Anschluß der hiesigen Ver­einigung an den Verband zugänglich gemacht werden. Wir wünschen dem jungen Unternehmen besten Erfolg in der Hoffnung, daß sich bald noch recht viele Theilnehmer zu demselben bei Herrn Provinzial - Ingenieur Stahl dahier melden mögen.

* Die Zahl der LehramtS-Acresfisten und Affesfore» im Großherzogthum Hessen beträgt nach einer jetzt erschienenen Statistik insgesammt 131. Hiervon find 44, die größten« theils erst ihren Acceß ablegen, noch ohne Verwendung. Die LehramtS-Candidaten finden durchschnittlich zwei Jahre nach dem Examen Anstellung mit einer Anfangs-Besoldung von 1700 Mk. Die Zahl der definitiven Stellen beläuft sich auf 239, wozu nach dem Voranschlag für 189497 noch 13 weitere treten dürsten.

* * D r Hessische Vereiu für facultative Zulassung der Leicheoverbrennung hat zwei Eingaben zur Unterschrift auf­gelegt. Die eine ist an die Hessischen Kammern gerichtet und bittet um Verwendung der Regierung dahin, daß letztere die Erbauung und Inbetriebnahme von Leichenverbrennungs­öfen nicht länger verhindere. Die zweite Eingabe ist an den Reichstag gerichtet und ersucht in den Gesetzentwurf, bett, die Verhütung gemeingefährlicher Krankheiten, Bestimmungen aufzunehmen, welche in allen Bundesstaaten und zu allen Zeiten die Einäscherung von Menschenleichen gestatten.

* * Die vom Kaiser gestifteten Faogschuüre als neue Schützen.Auszeichnungen werden, wie von auswärts gemeldet wird, den Mannschaften bei ihrer Entlassung als Eigenthum verbleiben und somit eine dauernde Erinnerung an die Soldatenzeit bilden.

* * Ernennung. Am 20. Januar wurde der Kreisschul- iaspector Johannes Bauder zu Schotten zum Kreisschul- inspettor für den Kreis Groß-Gerau ernannt.

* * Nachtheilige Wirkungen des Radfahrens. Die krumme Haltung der Radfahrer, die gewöhnlich auf dem Stahlrad die Form eines lateinischen C annehmen, wenn sie sich nicht ganz vornüber legen, sodaß sie einem liegenden gleichen, ist schon viel von Aerzten besprochen und getadelt worden. Nun aber erhebt sich ein berühmter englischer Radfahrer, der selbst Arzt ist, Sir Benjamin Richardson, öffentlich gegen die Mißbräuche beim Fahren. Er sagt u. A.:Der Brauch, daß sich mehr oder minder alle Radfahrer über die Lenk« stange beugen, führt zu den gesundheitschädlichsten Folgen. Es läßt sich nicht leugnen, daß das Fahren uns unwillkürlich zu dieser Haltung verleitet, und es erfordert immer einen gewiffen Zwang und stetige Ueberwachung, wenn man sich gerade halten will, wie ich aus eigener Beobachtung weiß; aber die krumme Haltung ist nicht bloß unschön, sondern sie führt auch unabweislich zu einer Verkrümmung der Wirbel­säule. Auch die Brust wird geschädigt, der Brustkasten kann den fortwährenden Druck nicht aushalten. Die Lungen werden gehemmt und dadurch der ganze Blutumlauf gestört. Es liegt auf der Hand, daß alle diese Folgen genügen dürften, um die Radfahrer zu veranlassen, sich einer besseren Haltung zu befleißigen.

** Das Läugerwerden der Tage wird im Volksmund durch folgendes Sprüchlein angedeutet:Der Tag um einen Schritt, Zu Neujahr vorwärts tritt, Und am Dreikönigstag Um einen Stundenschlag." Und in der Thal beginnen jetzt die Tage bereits merklich länger zu werden. In der ersten Hälfte des Monats Januar nahmen die Vormittage um sieben Minuten, in der zweiten Hälfte nahmen sie um 21 Minuten zu, die Nachmittage in der ersten Hälfte um 19, in der zweiten um 29 Minuten. Die Nachmittage sind während des ganzen Monats länger als die Vormittage, in der ersten Hälfte beträgt der Unterschied 8, in der zweiten Hälfte des Monats 28 Minuten.

+ Ruppertenrod, 31. Januar. Die Großherzogliche Sternwarte zu Karlsruhe stellt gegenwärtig Ermittelungen an über den Verlauf des Meteors und bittet alle Beob­achter des Phänomens, ihre dabei gemachten Beobachtungen gütigst an dortige Stelle gelangen laffen zu wollen, damit es später möglich werde, die Bahn des Meteors zu berechnen. Herr Dr. F. Ristenpart hat uns brieflich um die sehr wich­tige Mittheilung gebeten, wie lange es dauerte, bis nach dem !

Erlöschen des Meteors das donnerähnliche Rollen vernommen wurde, da sich hierdurch aus der Geschwindigkeit des Schalles die Höhedes Meteors direkt berechnen ließe. Wir sind leider nicht in der Lage, diesem Ersuchen entsprechen zu können, oder viel­leicht ist es ein oder der andere geschätzte Leser dieser Zei­tung. In diesem Falle wolle er im Interesse der Wiffen- schaft hierüber seine Beobachtung kund geben.

D Ans dem Ohmthal, 31. Januar. Nachdem die Jagd auf Rebhühner mit dem 1. des vorigen Monats ihr Ende erreicht, schließt mit dem heutigen auch die Jagd auf Hasen und es ist wieder allgemeine Hegezeit für das Wild eingetreten. Der Jäger oder Jagdbesitzer sieht diesmal am Schluß der Jagd vielfach auf nicht besonders günstige Jagd- ergebniffe zurück. Die Feldhühner waren bei Eröffnung der Jagd meist schon sehr stark, indem der trockene Jahrgang ihre Brut und Entwickelung gefördert. Sie hielten in Folge dessen dem Jäger schlecht. Die Haien waren beim Beginn der Jagd so selten im Felde zu erblicken, daß die Jäger hier allerorts Klagen darüber ergehen ließen. Die Feldjagd wurde dann durch das durch den Futtermangel veranlaßte Aussäeu der Felder mit Futterpflanzen ziemlich erschwert. Wenn auch die Jagdergebniffe mit dem Näherrücken der Hegezeit sich besserten, so wurden sie durch den tiefen Stand der Wildpretpreise ungünstig beeinflußt. Sank doch der Preis für große feiste Hasen auf 2,50 Mk. und letzthin sogar auf 2.20 Mk. herab. Auch die Preise für das Rehfleisch diffe- rirten gegen diejenigen anderer Jahrgänge- sie gingen auf 45 Pfg. und 40 Pfg. per Pfund herunter. Unter solchen Umständen wurde vielfach die Jagd seitens der Jäger be­schränkt und ihre Ausübung lange vor der Hegezeit eingestellt.

0 Orteuberg, 31. Januar. In hiesiger Oberförsterei wurde eine bedeutende Brennholzversteigerung abgehal« ten, welche 2 Tage dauerte. Es kam Buchen-, Fichten- und Kirschbaumholz zur Versteigerung. Kauflustige waren aus der Wetterau (Dauernheim, Mockstadt, Blofeld, Leidhecken, Staden, Stammheim) sowie aus dem Vogelsberge (Wallern­hausen, Bobenhausen, Ranstadt) erschienen, doch überwogen die Kauflustigen aus der Wetterau, welche in dem District Wanne" häufig ihre Holzbedürfnisse zu decken pflegen. Das Buchenscheitholz 1. Klasse kam pro Raummeter im Durch­schnitt auf 6 Mk. 50 Pfg., 2. Klaffe auf 4 Mk. 80 Pfg., Knüppel auf 4 Mk., Fichtenholz kam auf 1 Mk. 20, Kirsch­baum auf 4 Mk. Die Versteigerung wurde sogleich geneh­migt, denn es wurden mindestens 15 bis 20% über den Tarispreis erzielt.

Friedberg, 31. Januar. In einer am 26. d. M. statt­gehabten Generalversammlung wurde die Gründung eines Bauvereins auf Grund des Gesetzes vom 1. Mai 1889 endgiltig beschlossen. § 1 der Statuten lautet: Die Ge­nossenschaft führt die Firma: BauvereinEigener Herd ist Goldes werth", eingetragene Genoffenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Gegenstand des Unternehmens ist die Erbauung von Wohnhäusern und deren Uebergabe zum allmählichen Erwerb derselben als.Eigenthum zunächst an Veretnsgenoffen, und dann auch an wenig bemittelte andere Bewohner Fried­bergs. Bis jetzt gehören dem Vereine 50 Mitglieder an. Der Geschäftsantheil eines Genossen beträgt 200 Mark. Ein Genosse kann sich mit mehreren, doch nicht über 15 Geschäftsantheilen an dem Unternehmen betheiligen. § 48 der Statuten lautet: Der Gewinnanteil der Genoffen darf 4 pCt. ihrer Geschäftsguthaben nicht überschreiten. Etwaige Ueberschüsse werden dem Reservefond zugeschrieben. Wer die Zustände in den hiesigen kleinen Miethwohnungen einigermaßen kennt, muß die Gründung des Vereins mit Freuden begrüßen. Mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes, betreffend die Wohn- und Schlafstätten, müssen Räume, die ost allem anderen, nur keiner menschlichen Wohnung gleichen, von den Insassen verlassen werden. Hoffentlich ist dann der Verein in der Lage, soweit es in seiner Macht steht, helfend Eingreifen zu können. Wir wünschen demselben ein fröhliches Gedeihen.

Aus Oberhesseu, im Januar. Auch in diesem Jahre werden die vereinigten Kirchengesangvereine von Gelnhaar, Ortenberg, Usenborn und Wenings ein Bezirks- Kirchengesangsfest in der Kirche zu Wenings, und zwar am 27. Juni, veranstalten. Die Damen Frau Ober­amtsrichter Meisel zu Ortenberg und Frau Pfarrer Haacke zu Wenings haben die Solts zu übernehmen die Güte gehabt- Herr Lehrer Pfaff zu Wenings wird sich mit einem Cellovortrag betheiligen. Die Leitung der Ge« sammtchöre ist Herrn Lehrer Schäfer zu Gelnhaar über­tragen.

Frequenz der Großherzoglichen Technischen Hochschule zu Darmstadt im Wintersemester 1893/94. Die Gesammtzahl der Studtrenden und 'Hospitanten beträgt 576. Auf die einzelnen Abtheilungen vertheilt sich diese Zahl folgender­maßen :

500 76 576

Stand im Wintersemester 1892/93 ..... 492

1.

Studirende

Hospitanten

Summa

Bauschule

47

11

58

2.

Ingenieurschule

60

5

65

3.

Maschinenbauschule

132

14

146

4.

Chemisch-technische Schule (Chemiker, Electrotechniker

unb Pharmaceuten)

68

15

73

5.

Mathematisch-naturwissen­schaftliche Schule

16

10

26

6.

Electtotechnische Schule

187

21

208

dlus dem Odenwald, 30. Januar, berichtet ein Reporter folgende Geschichte, die sich, wenn wir nicht irren, schon in einer älteren Ausgabe des bekanntenMeidinger" befindet. Immerhin möge das Histörchen hier Platz finden: Der zu einem mit starkem Fieber behafteten Bäuerlein nach Ober- ] Öfter n gerufene Arzt legte seinem Patienten zur Ermittelung der Fiebergrade kunstgerecht das Thermometer an, traf seine sonstigen Anordnungen, vergaß aber beim Weggehen die Ent­

fernung des Wärmemessers. Bei Erneuerung des ärztlichem Besuches nach drei Tagen entdeckte der Arzt sein vergeblich gesuchtes Instrument genau an demselben Verstecke, in welches er es dem Patienten gebracht hatte. Der fast ganz genesene Bauer aber schreibt bombenfest demGlasröhrchen" wunderbare Heilkraft zu. N. H. V.

Mainz. 29. Januar. In Folge der zum Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers erlassenen Amnestierung von solchen Mannschaften, die sich geringe Vergehen haben zu Schulden kommen lassen, sind am Samstag eine ganze An­zahl von Soldaten der hiesigen Regimenter aus dem M'litär- gefängniß entlassen worden. Unter denselben befand sich ein Soldat, der zu mehreren Wochen strengen Arrestes verur- theilt worden ist, weil er als Poften vor Gewehr ein­geschlafen war.

A Mainz, 31. Januar. Neber den am Montag vor­gekommenen Selbstmord eines Oberprimaners des hiesigen Gymnasiums wird jetzt von authentischer Seite als Grund mitgetheilt, daß der Schüler sich Kameraden gegenüber ge­rühmt habe, bei seiner griechischen Examenarbeitgespickt" zu haben, was dem Director zu Ohren gekommen und zur weiteren Folge gehabt habe, daß dem Primaner am Montag vor versammelter Klasse durch den Director im Beisein der übrigen Lehrer die Mittheilung gemacht wurde, daß er von der Fortsetzung des Maturitätsexamens ausgeschlossen sei. Un­mittelbar nach dieser Mittheilung habe der Schüler die Klasse verlassen und vor der Thür derselben den Schuß auf sich abgefeuert. Der Vorfall wird hier selbstredend viel be­sprochen und in einem Theil der hiesigen Localpresse stark getadelt, daß das Vergehen, welches sich der Schüler zu Schulden kommen gelassen, mit der harten Strafe des Aus­schlusses von der Prüfung geahndet worden. Uebrigens scheint der Primaner geistig nicht ganz normal veranlagt ge­wesen zu sein, worauf verschiedene hinterlassene Schriftstücke hindeuten.

Worms, 31. Januar. Heute Morgen stürzte sich eilt hiesiger Kaufmann, Besitzer einer Seifensiederei, aus der Dachluke seines Hauses auf das Pflaster und war sofort tobt. Er soll in der letzten Zett an Verfolgungswahn gelitten haben.

DermiMtcs.

* Mannheim, 31. Januar. Der Staatsanwalt hat über den Concurs der Firma Maas die Untersuchung ein­geleitet. Der Chef des Bankhauses, Wilhelm Maas, bestand bereits ein längeres Verhör und wurde heute Abend v erh astet.

* Köln, 28. Januar. In schrecklicher Weise ist ein zehn Monate altes Kind ums Leben gekommen. Die Mutter desselben hatte es gestern in gewohnter Weise in Kissen auf zwei neben dem brennenden Küchenherde stehende Stühle gebettet. Nachdem sie sich auf kaum 5 Minuten ins Schlafzimmer begeben hatte, fand sie bei ihrer Rückkehr die Küche voller Rauch, das Bettzeug, in welchem das Kind lag, kohlte und stand theilweise in Flammen. Die Mutter suchte, das Feuer nicht achtend, das Kind zu retten und zog sich hierbei selbst bedenkliche Brandwunden an den Händen zu. Das Kind hatte aber am ganzen Körper schon derartige Ver­letzungen erlitten, daß es wenige Stunden nach seiner Ueber- führung in das Krankenhaus an der Schönsteinstraße verschied. Wie nicht anders anzunehmen, war das Bettzeug 1 :m Küchen­ofen zu nahe gekommen.

* Ein Distaozntt Frankfurt - Kassel. Die Lieutenants v. Schenck und v. Fink im 13. Husaren-Regiment, die in Bockenheim gamisonirt sind, haben die Strecke Frankfurt- Kassel, 210215 Kilometer, zu deren Zurücklegung eine Schwadron etwa acht Marschtage braucht, in weniger als 24 Stund en genommen. Sie ritten in der Nacht zum 24. Januar, um 12% Uhr in Bockenheim ab und schlugen die große Straße ein, die über Friedberg, Hungen, Grünberg, Homberg, Treysa, Ziegenhain, Friedendorf und Wabern nach Kassel führt. In Neustadt wurde Vormittags 11 Uhr eine zweistündige Rast gemacht. Nachts 1% Uhr trafen die Reiter in Kassel ein. Die Pferde waren, obgleich fast 24 Stunden auf den Beinen, noch sehr frisch, sie zeigten sich in keiner Weise müde und nahmen sofort Futter an. Die Wege waren zum Theil sehr schlecht. In der Gegend von Frankfurt regnete es, im Vogelsberg lag Schnee, ebenso auf der Strecke zwischen Treysa und Wabern. Beide Pferde sind Chargenpserde, 9 Jahre alt. Das Pferd des Herr« v. Schenck trägt Trakehner Brand. Den beiden Offizieren, die 21% Stunden im Sattel waren, ist der Ritt ebenfalls gut bekommen.

Beiträge jur Hauswirthschast.

R. Rheinhessen, im Januar 1894.

In Ihrem geehrten Blatte findet sich häufig die Rubrik:Lanb- wirihschasttiche Winke und Rathschläge". Sie haben aber auch wiederholt schon hauswirthschastlichen Angelegenheiten Ihre Spalten geöffnet, was den Schreiber dieser Zeilen veranlaßt, Einiges über Behaudiuug der Weine, Süsser und Masche« mitzutheilen.

Man hört häufig flogen, daß Wein, den man bezog, trüb wurde und an Geschmack verloren habe, und ist dann geneigt, diese Fehler dem Lieferanten in die Schuhe zu schieben. ES kann schon sein, daß es unsolide Weinhändler gibt, denen es nur ums Geld­verdienen ist; die meisten Lieferanten sind aber mit peinlichster Sorg- salt bemüht, ihre Kunden fein zu bedienen. Kommt es hie und da vor, daß der Wein üble Erscheinungen zeigt, bann ist in vielen Fällen der (Empfänger die unschuldige Ursache der Fehler und zwar dehhalb, weil er von der Behandlung der Weine, Fässer und Flaschen feinen rechten Begriff hat. Wir glauben dem verehrlichen Publifum einen Gesallen zu thun, wenn wir über obige Punfte furze Mit­theilungen machen, und sind überzeugt, daß viele fteundliche Leser manches davon verwerthen können.

Nehmen wir an um ganz von Anfang an zu beginnen es sei soeben ein Fäßchen Wein angekommen. Nun sind die Eisen­bahnen in Bezug auf derartige Sendungen sehr streng. Die Wein- Händler sind deßhalb bemüht, ihre Sendungen in| durchaus tadel­losem Zustande zu expediren. Zeigt sich bei der A«k««ft de^ w* irgend eine Beschädigung, Veruntreuung (NB. ein Wein- saßchen ist ein gar angrifflich Ding in den Güterhallen und manche