unzweifelhaft als treibendes Moment zu erkennende Hoffnungslosigkeit des kleinen Mannes zu finden.
Man gebe aber einem, auch nur über einen Funken sittlicher Kraft verfügenden Manne ein bestimmtes Ziel, eine erreichbare Hoffnung, und — sei auch ein halbes Menschenalter zum Erringen nöthig. — von 1000 Menschen werden 900 die größten Anstrengungen und Entbehrungen gerne ertragen, um bescheiden glücklich zu sein.
Und diese eine Hoffnung, welche die Mehrzahl der Menschenkinder erfaßt und durchdringt, ist die Hoffnung nach einem, wenn auch noch so bescheidenen Heim. Dieses Sehnen nach einer Stätte, sei sie noch so klein und armselig, wenn man weiß, daß man des Nachts ruhig sein Haupt dort niederlegen darf, dieses Sehnen läßt uns bei allem sittlichen und physischen Jammer, der in den Wohnungsverhältnissen begründet ist, noch muthig in die Zukunft schauen.
Taglöhner, die durch ihrer Hände Arbeit, durch glückliche Erbschaft oder sonst einen günstigen Umstand in die Lage gebracht wurden, ein paar Morgen Landes zu erwerben, sind herzlich froh, sich ein Heim zu erwerben und schaffen noch mehr und mühen sich noch intensiver ab — haben vielleicht auch noch mit Schulden zu kämpfen — um nur dieses eigene Heim zu behaupten.
Es ist doch etwas Schönes, Beruhigendes, eine Wohnstätte zu besitzen, die man sein Eigen nennen darf! Der kleine, seßhafte Manu beneidet nicht die Reichen um ihre vornehmen Gemächer, die Fürsten um ihre großartigen Paläste, — er findet seine Zufriedenheit in der kleinsten Hütte, im bescheidensten Kämmerchen, und fühlt sich darin ebenso glücklich, wie ein Fürst.
Will man aber die Zufriedenheit im Lande festigen, hat man das ernste Bestreben, ein unter drückenden Verhältnissen um seine Existenz ringendes Völkchen nicht dem Verderben zu weihen, dann sorge man redlich dafür, daß das Heim des kleinen Mannes demselben nicht entriffen werde! ....
Wir theilten in Nr. 120 mit, daß im Sinne Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs gehandelt würde, wenn die anläßlich seiner Vermählung mit je 1000 Mk^ beschenkten jungen Ehepaare diese Gnadengabe als Beihilfe zur Erwerbung eines Häuschens verwenden würden. In den Landgemeinden wird dies möglich sein, in den Städten aber (und auch hier in Gießen) ist durch die Bauordnungen die Errichtung und damit die Erwerbung kleiner Häuser unmöglich. Hoffentlich wird darin bald Wandel geschaffen, sonst bleibt es bei frommen Wünschen.
totales unb jptwhtsicöes.
Gießen, den 31. Mai 1894.
** Provinzialausschuß Sitzung. Samstag den 2. Juni d. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Die Enteignung des zum Umbau und zur Erweiterung des Bahnhofs Gießen erforderlichen Geländes. 2. Antrag der Stadt Gießen auf Enteignung des Bellof'schen Hauses, Sonnenstraße Nr. 26; hier Ausspruch der Enteignung.
** Theater. Der gestrige zweite Gaftspielabend des Ensembles von Mitgliedern der Casseler Hofbühne bot den vorzüglichen Schwank von Laufs und Jacobi: „Der ungläubige Thomas". Der Inhalt dürfte durch die vergangenes Frühjahr gebrachte ausführliche Besprechung cnr läßlich der Aufführung seitens der Direction Reiners hier noch im Gedächtniß sein, weßhalb wir auf dessen Wiedergabe verzichten. Wir können nur constatiren, daß die zwerchfellerschütternde Wirkung des Stückes von dem Gastspiel Ensemble voll und ganz zur Geltung kam. Ganz besonders hervorgehoben seien die vorzüglichen Leistungen der Herren O ppm ar (Ignaz Döll), Jürgensen (Dr. Puschel), Hartmann (Dr. Wagner, Arzt) und Jaritz (Conservatorist Wenglein), sowie der Damen Frl. Berel la (Franziska) und Frl. Harke (Adelheid).
** Concert des Zithervereins „Alpenröscheu". Am Samstag Abend findet auf Lonys Bierkeller ein Concert des Zithervereins „Alpenröschen" statt. Der seit ca. zehn Jahren bestehende Verein hat in letzter Zeit einen tüchtigen Aufschwung genommen und leisten seine Mitglieder im Ensemble- sptel Anerkennenswerthes, so daß der Besuch dieses Concertes Freunden der Zühermusik sehr zu empfehlen ist, um so mehr, als für die Jugend nach dem Concerte ein Tsnzkränzchen stattfindet.
** Einbruch in das Bürgermeistereigebäude. In verstossener Nacht wurde im Bürgermeistereigebäude ein Einbruch ausgeführt. Der Dieb ist von der Wieseckböschung aus durch die Gärten in den A>f des Bürgermeistereigebäudes gelangt, hat eine Fensterscheibe zum Zimmer des Armen- kafferechners eingedrückt, ist durch dieses Fenster eingestiegen und hat das Schloß einer nach dem Corridor führenden Thüre mittelst eines Werkzeugs losgelöst, hat die Thüre aber, jedenfalls wegen einer eingetretenen Störung, nicht aufgebracht. Wahrscheinlich wollte der Dieb durch diese Räume nach der Stadtkaffe Vordringen. Im Zimmer des Armenkasierechners hat er den Pult erbrochen und daraus circa 170 Mk. entwendet. In den übrigen Schubfächern, die er einer Visitation unterzog, fand er nichts. Das Gebäude hat der Dieb auf demselben Wege durch die Gärten wieder verlaffen.
** Verlorener Geldbriefbeutel. Am 5. Mai d. I. ist bei dem Kaiserlichen Bahnpostamte in Dir sch au ein Geldbriefbeutel mit einem Werthinhalt von 19 277 Mk. 75 Pf. in Verlust gerathen, über dessen Verbleib bis jetzt noch jede sichere Spur fehlt. In dem Beutel sind unter Anderem enthalten gewesen 1 3^ °/o Pfandbrief von der Neuen Westpreußischen Landschaft in Marienwerder (Westpr.) II. Serie Lit. F Nr. 05150 über 200 Mk., 1 desgleichen Lit. F Nr. 05197 über 200 Mk., 1 desgleichen Lit. E Nr. 10403 über 300 Mk., 1 desgleichen Lit. E Nr. 01557 über 300 Mk.,
1 desgleichen Lit. v Nr. 12283 über 500 Mk., 1 desgleichen ' Lit. B Nr. 06882 über 2000 Mk. Auf die Ergreifung des unbekannten Thäters und Wiederherbetschaffung des verlorenen Gutes ist eine Belohnung von 500 Mk. ausgesetzt worden.
* * Militärdienstnachrichten. Dr. Lautert, Assistenzarzt 2. Kl. der Res. vom Landw.°Bez. Gießen zum Assistenzarzt 1. Kl. befördert.
* * Pfarrperfonaluachricht. Dem Pfarrverwalter Georg Zimmermann zu Gräfenhausen wurde die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen.
* * Vom 1. Juni ab ist der Krebsfaug in allen offenen Gewässern des Großherzogthums Hessen wieder gestattet und zwar bts zum 31. October incl. — Mit dem 9. Juni geht die für das Großherzogthum Heffen angeordnete Frühjahrsschonzeit für Fische zu Ende.
* * Die diesjährigen Herbstübuugeu im Bereiche der 25. Division finden in der Provinz Starkenburg statt, und werden sich auf den Rodgau, den vorderen und mittleren Odenwald erstrecken. Zu diesem Behufe verlassen die Regimenter 115, 116 und 117 voraussichtlich am 22. August ihre Garnisonen und begeben sich, die beiden letzteren per Eisenbahn, nach dem Manövergelände, wo bei Dudenhofen in der Zeit vom 23. bts 28. August für die beiden ersten Regimenter, und während derselben Zeit bei Groß-Umstadt und Habitzheim für das Regiment 117 das Regimentsexerzieren stattfindet. Das Regiment 118 marschirt bereits am 16. August aus und hält sein Exerzieren vom 20. bis 28. August, ebenfalls zwischen Groß-Umstadt und Habitzheim, ab. Die Dragoner-Regimenter 23 und 24 rücken erst am 5. September, und zwar direct zum Brigade-Exerzieren, aus, während die 3. und 4. Schwadron des letzteren Regiments von Butzbach bereits am 21. August ausrückt und an dem Regiments- und Brigade-Exerzieren bts zum 4. September auf dem Griesheimer Schießplatz rheilntmmt. Während des Exerzierens der Kavallerie auf dem Griesheimer Uebungs- platz werden die Butzbacher Dragoner (3. und 4. Schwadron Regts. 24) im Lager bet Griesheim untergebracht. Die 1. und 3. Abtheilung Feld - Art. - Regts. 25 rückt am 1. September aus und manövrirt die 1. Abtheilung vom 3. bis 5. September bei Groß-Zimmern, die 3. Abtheilung in derselben Zeit in der Gegend von Reinheim—Rieder- Kainsbach—Wiebelsbach—Ueberau, die 2. Abtheilung, welche bereits am 31. August die Garnison Darmstadt verläßt, manövrirt vom 3. bis 5. September zwischen Fränkisch- Crumbach und Mörlenbach. Die 2. Pionier-Compagnie des 11. Pionier-Bataillons in Castel verläßt erst am 6. September per Eisenbahn ihre Garnison und nimmt alsbald am Brigade- Exerzieren theil. Bon den vierten Bataillonen der Jnf.-Regtr. werden nur diejenigen der Regtr. 115 und 117 am Manöver thetlnehmen und am 6. September ihren Regimentern in das Manövergelände nachfolgen, während die vierten Bataillone der Regimenter 116 und 118 in der Garnison zurückbleiben. Das für das Exerzieren der 49. Inf.-Brigade (Regt. 115 und 116) vom 30. August bis 4. September in Aussicht genommene Gelände liegt auf beiden Seiten der Chaussee Dudenhofen—Jügesheim. Dieselbe manövrirt dagegen vom 7. bis 11. Sept, in dem Bezirk Babenhausen—Eppertshausen—Eberstadt—Ober - Beerbach—Ernsthofen—Lichtenberg —Brensbach—Mümling - Grumbach—Bayrische Grenze und bringt am 11. September ihre Truppen in der Gegend Gundernhause.n—Eberstadt—Rohrbach unter. Der 49. Brigade werden außer den genannten Jnf.-Regimentern 115 und 116 während der Zeit des Manövers noch folgende Truppen zugetheilt: Stab der 25. Cavallerie Brigade, Stab des Feld- Arttllerie-Regts 25, das Drag. Regt. 24, die 1. und 3. Abtheilung des Feld - Art. - Regts. 25, die 2. Pioniercompagnie (vom Pionierbat. 11 in Castel) mit Schanzzeugwagen und dem dazu gehörigen Traindetachement Nr. 1, außerdem ist der Brigade noch 1 Krankenwagen mit dem Tramdetachement Nr. 2 beigegeben. Die 50. Inf. - Brigade (Regt. 117 und 118) exerziert vom 30. Aug. bis 4. Sept, in dem Gelände von Groß Umstadt—Semd—Habitzheim—Lengfeld und manöverirt vom 7. bis 11. Sept, in dem Bezirk Bensheim— Beedenkirchen—Billings—Nonrod—Nieder - Kainsbach—Wallbach—Etzengesäß—Michelstadt—Erbach— Birkenau — Heppenheim-Bensheim. Dieselbe beendigt ihre Manöver am 11. Sept., so daß die Truppen am nordöstlichen Rande des genannten Bezirks untergebracht werden können. Während des Manövers sind an Truppen der 50. Brigade noch zugetheilt: das Drag.-Regiment 23, die 2. Abtheilung des Feld- Art. Regt. 25 und 1 Krankenwagen mit dem dazu gehörigen Traindetachement Nr. 3. Vom 11. bezw. 13. Sept, ab beginnt das Divisionsmanöver in der Gegend zwischen Reinheim und Reichelsheim mit verschiedenen Biwaks und dauert bis 19. Sept., wo die Truppen wieder in ihre Garnisonen zurückkehren und zwar werden die Regimenter 116, 117 und zwei (1. und 2.) Bataillone vom Regt. 118, ferner die Pionier • Compagnie per Bahn zurückbefördert, während die anderen Truppen den Weg in ihre Garnison per Fußmarsch zurücklegen. Die Verpflegung der Truppen während der Einquartirungen werden voraussichtlich die Quartierwirthe zu tragen haben, jedoch ist Bestimmtes hierüber noch nicht festgesetzt. Vor diesen großen Manövern wird am 17. und 18. August in der Gegend von Darmstadt eine Uebung der Fuß-(Festungs-) Artillerie mit Bespannung stattfinden, an welcher die Inf. - Regimenter 115 und 118, außerdem eine Schwadron Dragoner, eine Abtheilung vom Feld - Artillerie- Regiment 25 und ein Detachement Pioniere thetlnehmen werden. Im Anschluß hieran wird das Feld-Art.-Regt. 25 am 25. August eine Schießübung im Gelände bet Roßdorf abhalten.
* * Bahn Salzschlirf-Schlitz. Das preußische Herrenhaus genehmigte den Staatsvertrag zwischen Preußen und Hessen betreffs der Eisenbahn Salzschlirf-Schlitz, so daß nunmehr der Bau dieser Bahn gesichert ist.
* * Lebensmittel-Preise Ende April 1894. Nach einer- Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes-- statistik kosteten:
Ochsenfleisch per Pfund
Rindfleisch per Pfund
Kalbfleisch per Pfund
Schweines!, per Pfund
Hammelfleisch per Pfund
Gemischtes Brod
Roggen- Brod
Butter per Pfund
Milch 1 Liter
Eier
1 Stück
Städte mit Octroi Darmstadt
72
66
70
70
66
13
11,5
100-110
18
5-7
Mainz
69
56
70
70
55
12,5
11,5
90-114
18
5-6
Offenbach
70
56
70
70
60
13
12,5
110-120
21
5-8
Worms
68
66
68
68
64
10
10
103-114
17
5-7
Gießen
72
64
60
69
60
13
11
92-106
18
5
Städte ohne
Octroi Bingen
75
65
60
75
50
11,5
11
108-120
19
5-7
Bensheim
68
64
66
60
60
115
10
110-120
17
5-6
Alzey
65
64
64
64
60
15
10
102—110
17
6-7
Friedberg
70
63
55
60
55
12
10,5
105-110
18
5-6
Alsfeld
65
56
60
59
—
12,5
10
90-100
16
4-5
Lauterbach
60
60
—
60
56
12
9
120
16
5
* * Nach einer Entscheidung des Reichsversicherungsamts können auch Kinder, wenn sie bei einer Arbeit verunglücken, eine Unfallrente erhalten. Einem Knaben, welcher Garben an eine Dreschmaschine getragen hatte und,dabei verunglückte, ist eine solche mit folgender Begründung zugesprochen worden: „Weder die Entstehungsgeschichte noch der Wortlaut der Unfallversicherungsgesetze sprechen für eine Beschränkung des Begriffes „Arbeiten" auf solche Personen, welche ein bestimmtes Alter besitzen. Unter Umständen können daher auch schulpflichtige Kinder als Arbeiter angesehen werden. Auch ist es daher ohne erhebliche Bedeutung, ob die Dienstleistung der Kinder gerade als eine wesentliche Arbeitsleistung zu bezeichnen ist oder nicht, vorausgesetzt nur, daß es sich um eine ernste Thätigkeit und nicht nur um eine spielartige, tändelnde Beschäftigung handelt. Es gibt eine große Zahl von Dienstleistungen, welche weder große Körperkraft, noch auch technische Vorbildung voraussetzen und deßhalb häufig von Kindern verrichtet werden."
* * Elftes deutsches Bundesschießen in Mainz. Nach Mit- theilung aus Berlin wird das Bundesbanner des deutschen Schützenbundes am 10. Juni im Rathhause zu Berlin abgeholt und in feierlichem Zuge zum Bahnhof verbracht. In Mainz trifft dasselbe am 12. Juni ein. Die Schützen aus Berlin und Umgebung treffen mit Sonderzug am 16. Juni früh neun Uhr in Mainz ein. An dem gleichen Tage wird auch der Wiener Schützenverein, begleitet von den Tiroler, Mährischen, Steyerischen, Ungarischen, Ober- und Niederösterreichischen Schützen, init Sonderzug fahrend, erwartet. Gestern fiel der erste Schuß auf dem Festplatz für das 11. deutsche Bundesschießen. Die Schützen^ Gesellschaft hatte nämlich einige auswärtige Sachverständige zur Prüfung der Schießeinrichtung berufen. Zu dem gleichen Zweck ist in Gemäßheit der Bundesfatzungen die Schießordnungscommission des deutschen Schützenbundes eingeladen. Zu den drei Commersen, welche am SamStag, Dienstag und Freitag Abend stattfinden, haben Mainzer und auswärtige Poeten so zahlreiche Chorlieder eingereicht, daß manche schöne Dichtung leider keine Verwendung finden kann. — Das Interesse für den historischen Festzug wächst von Tag zu Tag in erfreulichstem Maße. Im Laufe dieser Woche haben außer dem Buch- und Druckgewerbe, dessen Gruppe „Gutenberg und seine Leute" eine der prächtigsten im Zuge zu werden verspricht und außer den Gold- und Silberschmieden, welche die Kunst ihrer mittelalterlichen Vorfahren zur Schau stellen werden, nun auch noch die Vertreter der Mainzer Möbel-Industrie einen Prachtwagen zum Zuge angemeldet. So könnte die eine Gruppe 4 im historischen Festzuge „Blüthe von Kunst und Handwerk im mittelalterlichen Mainz" einen Zug für sich abgeben.
- g. Lich, 30. Mai. Seine Durchlaucht der Fürst zu Solms - Hohensolms - Lich hat seinen langjährigen Hausarzt Herrn Dr. Stamm vor Kurzem zum Hofrath ernannt.
Grünberg, 28. Mai. Im Beisein des Herrn Amtmanns Dr. Wallau aus Gießen fand gestern Nachmittag hier eine Hauptübung der Feuerwehr statt, wozu sich auch auf Einladung durch den Feuerwehrinspector die Obmänner und deren Stellvertreter, sowie zahlreiche Mannschaften der Pflichtfeuerwehren aus den umliegenden Orten eingefunden hatten. Die verschiedenen Exercitien an den Geräthen, sowie die an einem Hause auf dem Marktplatz vorgenommenen Lösch- Übungen wurden exact und in größter Ordnung ausgesührr und wurde dies von Herrn Wallau nach Beendigung der Uebung in einer Ansprache lobend anerkannt. Der Redner empfahl sodann den erschienenen Pflichtfeuerwehrmännern, durch Einrichtung der Hebungen in der vorgeführten Art und Weise das heute Gesehene für ihre Gemeinden nutzbringend zu verwerthen und wies darauf hin, wie unentbehrlich die häufig als unnöthig angesehenen Hebungen für ein geordnetes Löschwesen seien.
Mainflingen, 28. Mai. Die hiesige, am Freitag durch Blitzschlag beschädigte Pfarrkirche soll demnächst mit einem Blitzableiter versehen werden. Diese Schutzvorrichtung wurde schon längst von unserem Herrn Pfarrer Hammann beantragt, aber mit der seltsamen Motivirung abgelehnt, daß der Blitz in Mainflingen noch niemals eingeschlagen. „Wenn die Kuh gestohlen ist, verschließt man den Stall," sagt schon ein altes Sprichwort.
* Die Folgen des Bierverrnfs in Berlin gegen die sieben Brauereien ziehen weite Kreise in Mitleidenschaft und stiften überall Feindschaft und Erbitterung. Am fchwersten werden davon die zahlreichen kleinen Schankwtrthe getroffen, deren Gäste oft eine uneingeschränkte Controlle aller Geschäftseinrichtungen, der Bierbücher, Vorrathskeller re. beanspruchen,


