Ausgabe 
1.6.1894 Zweites Blatt
 
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Nr. 125

Erstes Blatt.

Freitag den 1. Juni

1894

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Die unterm 5. Mai l. I». verfügte Sperrung der Areisftraste StaufenbergMainzlar wird hierdurch aufgehoben.

Gießen, den 29. Mai 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

__________________v. Gagern.__________________

Hungen, am 27. Mai 1894.

Betr.. Den Steuerausschlag für 1894/95.

Das

Grotzh. Steuer - Kommissariat Hungen an die Grostherzoglicheu Bürgermeistereien des Steuer-Commissariatsbezirks.

Sie wollen in Ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen, daß mit Genehmigung Grobherzoglichen Mmisteriums der Finanzen in unserem Bezirk, mit Rücksicht auf die verspätete Zustellung der Steuerzettel, die allgemeine Frist für Vorbringung von Reclamationm gegen die directen Steuern für dieses Jahr bis Mitte Juni 1894 erstreckt worden ist.

S n e l l.

Deutscher Reich.

Darmstadt, 30. Mai. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin empfingen heute J.J. EE. den Grafen und die Gräfin zu SolmS-Laubach nebst den Gräfinnen-Töchtern Marie und Luitgarde, sowie den lSrbgrasen, welche hierauf an der Großherzoglichen Tafel Ihellnahmen.

Berlin, 30. Mai. Der Kaiser wohnte am DienStag einem Festmahle des OffiziercorpS der 2. Garde-Infanterie« Brigade bei. Im Verlause deS DinerS hielt der hohe Herr eine Ansprache an die Anwesenden, in welcher der erlauchte Sprecher etwa Folgendes ausführte: Der heutige Dag, der 29. Mai, an dem cs ihm dereinst vergönnt gewesen sei, die zweite Garde-Jnfanterie-Brigade vor seinem Herrn Vater, dem Kaiser und König Friedrich, vorbeidefiliren zu lassen, werde in den Annalen dieser Brigade unvergeßlich bleiben. Er habe diesen Tag zur Feier der Erinnerung an Höchstseinen verewigten Herrn Vater inmitten der zweiten Garde-Jnfanterie-Brigade auSerseben. Offiziere wie (Irena- diere derselben würden diesen Tag in hohen Ehren halten zum Angedenken an den Sieger von Köntggrätz, Wörth und Sedan. Abends 9'/, Uhr empfing der Kaiser auf Bahnhof Friedrichstraße den König von Sachsen und geleitete sodann seinen hohen Gast nach dem königlichen Schlosse. Hier nahm der König Absteigequartier, auch der Kaiser übernachtete im Schlöffe. Am Mittwoch Vormittag nahm der Kaiser, umgeben von einem glänzenden Kreise von Fürstlichkeiten, die große Frühjahrsparade über die Truppen der Berliner Garnison ab, woraus am Donnerstag die Parade der Potsdamer Garnison im Lustgarten zu Pots­dam folgte.

Herr Leist, der bisherige Kanzler für Kamerun, ist in Berlin eingetroffen und har sich im Auswärtigen Amte gemeldet. Das Disciplinarverfahren gegen Kanzler Leist wird nunmehr unverzüglich seinen Anfang nehmen, wie wenigstens halbosficiöse Berliner Meldungen versichern.

Der zwischen England und dem Congostaate abgeschloffene jüngsteAfrikavertrag" wird, wie be­stimmt verlautet, von der deutschen Regierung in aller Form beanstandet werden. Man soll in den leitenden Der« liner Kreisen zu der Ueberzeugnng gelangt sein, daß dieser Vertrag in der Thal die deutschen Interessen im östlichen Afrika schädige und zugleich eine Verletzung der Congo-Acte in sich schließe. Es heißt daher, daß ein offizieller Protest Deutschlands gegen den Vertrag bevorstehe. Hoffentlich tritt das Berliner Eabinet mit dem nöthigen Nachdruck auf, damit England wie der Congostaat gewahren, daß es Deutsch­land durchaus Ernst ist mit der Wahrung seiner bedrohten afrikanischen Interessen.

Berlin, 29. Mai. Heute trifft hier der Für st «Erz­bischof von Olmütz, Dr. Cohn, mit großem Gefolge ein. Abends findet ihm zu Ehren ein Diner im CultuS- Ministerium statt, an welchem der Reichskanzler, die Minister und verschiedene hohe Beamte theilnehmen. Der Fürft- Zrzbischof wird morgen vom Kaiser empfangen werden.

Berlin, 29. Mal. Auf Veranlassung deS Finanzministers

werden jetzt von den Steuerbehörden Gutachten darüber ein­gefordert, inwieweit eS sich empfehle, die Einrichtung der berittenen Steueraufseher fallen zu lassen. ES besteht die Absicht, daS Fahrrad auch für die Steueraufseher nutzbar zu machen. Die Hauptsteuerämter haben bis zum Juli an die Provinzialsteuerdireclionen Bericht zu erstatten.

Berlin, 29. Mai. Redakteur Polstorff vom Kladderadatsch" wurde am SamStag auS der Klinik entlassen, bedarf jedoch vorerst noch der Schonung.

Mannheim, 29. Mai. Infolge mehrerer starker Wolken­brüche, die in der Schweiz, besonders am Bodensee nieder­gegangen sind, sind der Rh ein und der Neckar in rapidem Steigen begriffen.

Ausland.

Für Frankreich ist dieministerlo se, schreckliche Zeit", welche dem Sturze deS Ministeriums Casimir-Psrier folgte, anscheinend wieder vorüber. Dem Vernehmen nach hat Herr Dupuy, der bisherige Kammerpräsident und Vor­gänger Casimir »PerierS in der Ministerpräsidentschaft, die Ausgabe, das neue Cabinet zusammenzubringen, glücklich gelöst. Die Zusammensetzung desselben soll die folgende sein: Dupuy, Präsidium, Inneres und CultuS- Guorin, Justiz- Hanotan oder Cambon, Auswärtiges- Poincarre, Finanzen- LeygueS, Unterricht- Mercier, Krieg - Felix Faure, Marine- Borthon, öffentliche Arbeiten- Delcassv, Colonien; LoutierS (?) Handel und Biger, Ackerbau. Das neue Cabinet würde, wie aus Paris weiter gemeldet wird, lediglich die Politik des Cabinets Casimir-Pörier fortsetzen und demnach ebenfalls ein Ministerium der gemäßigten Republikaner sein; dann lohnte sich der Sturz des CabinetS Casimir«Psrier freilich wahrhaftig nicht.

Während in jüngster Zeit unter den Staaten der Balkan­halbinsel Serbien durch den neuesten Staatsstreich des Königs Alexander und durch die sich hieran knüpfenden Ereignisse fast ausschließlich die Aufmerksamkeit auf sich zog, macht jetzt auch Bulgarien wieder von sich reden. Das Cabinet Stambuloff hat seine Entlassung gegeben, und zwar fast im selben Momente, wo Fürst Ferdinand mit seiner jungen Gemahlin aus Oesterreich wieder in Sofia eintraf. Die Demission deS Cabinets Stambuloff kommt keineswegs überraschend, längst existirten in dessen Schooße Meinungsverschiedenheiten, die vor einigen Wochen bereits zum Ausscheiden des Kriegsministers Sawav sührten, hierzu kamen tiefgehende Differenzen des CabinetSchefs Stambuloff mit dem Fürsten Ferdinand selbst, lieber die Frage, wer vom Fürsten mit der Bildung des neuen Cabinets betraut werden wird, ist noch nichts bekannt, es verlautet jedoch, daß keiner der bis­herigen Minister in das neue Cabinet eintreten werde. Stam­buloff hat sich auf seinem Posten als Leiter der Geschicke Bulgariens unter dem /Regime des Coburgers ganz auS- gezeichnet bewährt, alle Freunde Bulgariens können daher nur dringend wünschen, daß der energische, begabte und geschickte Stambuloff durch eine Persönlichkeit von gleichen Eigenschaften aus dem bulgarischen Ministerpräsidentenposten ersetzt werden möge.

Sßien, 29. Mai. DiePol. Corr." meldet aus Rom, daß der Papst mit der Ausfertigung einer Encyclica be­schäftigt sei, welche die Frage der Vereinigung der katholischen mit der orthodoxen Kirche betreffe.

Rom, 29. Mai. Zur hundertjährigen Gedacht- nißfeier der Geburt des Papstes PiuS IX. sind gestern und heute etwa 1500 Pilger hier eingetroffen. Heute Abend werden weitere 2500 Pilger erwartet.

Antwerpen, 29. Mai. Nach fortgesetzten Streitig­keiten zwischen Diamantenhändlern und den Ingenieuren der Ausstellung über die Benutzung der electrischen Betriebs- kraft haben nunmehr die Diamantenhändler ihre Abtheilung geschlossen. Sie werden dieselbe erst wieder eröffnen, wenn die Ingenieure sich den Wünschen der Aussteller geneigt zeigen.

Charleroi, 29. Mai. In FleuruS hat in voriger Nacht ein Dynamitattentat stattgefunden. Aus der Thür- schwelle des HauseS eines GrubeuingeuieurS explodirte unter heftiger Detonation eine Dynamitpatrone, welche großen Schaden anrichrete. Ein Thetl des Gebäudes wurde zerstört. Von dem Thäter fehlt bis jetzt noch jede Spur.

Salonichi, 29. Mai. Drei bulgarische Briganten- Horden fielen in türkisches Gebiet ein, plünderten große Ortschaften vollständig aus und setzten die Häuser in Brand. Der Dali entsandte Militärtruppen zur Verfolgung der Räuber.

Washington, 29. Mai. Die enbgiltige Abstimmung tm Senat über die Tarifbill wird Mitte Juni erfolgen.

Neueste Nachrichten»

Wolff« telegraphische» Korrespondenz- Bureau.

Berlin, 30. Mai. Die CtvilgesetzbuchS- Com­mission beendete heute die Berathung deS Familienrecht» und begann die deS Erbrechts. Dies ist daS letzte Buch deS Entwurfes. Die Vollendung deS ganzen Werkes steht somit nahe bevor.

Rom, 30. Mai. Der König erschien gestern uner­wartet in der Universität, während die Studenten den Jahre», tag der Schlacht bei Curtatone feierten. Minister Baccelli geleitete den König in die Aula und erklärte den Studenten, daß der König, eingedenk der Theilnahmc deS Studenten- bataillonS an jenem Gefecht, in ihrer Mitte erschienen sei. Die Studenten bereiteten dem König stürmische Ovationen.

Brüffel, 30. Mai. Die von der Regierung eingebrachte Gesetzvorlage schlägt als Eingangszoll für 100 Kilo­gramm Margarine 25 Francs, Hafer 2, Mehl l1/«/ ®e» müse-Conserven 10, Hafermehl 3, Fleisch-, Wildprer- und Geflügel-Conserven 30 und ebenso verschiedene Zölle für Ge- webe vor.

Madrid, 30. Mai. Dem Vernehmen nach weigerte sich die SenatScommission, trotz der bestimmten Aufforderung der Regierung, in dieser Session über die Handelsverträge mit Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien Bericht zu erstatten. ___

Depeschen de» Bureau .Herold".

Berlin, 30. Mai. Der Ausenthalt deS Schahs vou Persien hier wird acht Tage dauern- daS Schloß Bellevue dient als Wohnung. Die Anwesenheit deS Schahs in Europa überhaupt wird sich auf die Zeit von drei Monaten erstrecken.

Berlin, 30. Mai. Der Lan dwirt h s ch aftS mi nist e r v. Heyden gab gestern ein Abendessen, zu dem Ein­ladungen an die Mitglieder der Agrar-Conferenz ergangen waren. Finanzminister Miquel wohnte der Festlichkeit bei. Die Unterhaltung drehte sich hauptsächlich um landwirthschast- liche Fragen. Der Finanzminister trat in Privatgesprächen mit Wärme dafür ein, Verschuldungsgrenzen einzuführen und daS Anerbenrecht zu begünstigen.

Loudon, 30. Mai. AuS San Francisco wird ge­meldet, daß infolge von Ueberschwemmung durch AuS- treten deS FraserfluffeS die große Brücke der Canada- Pacificbahn bei Revelstock, sowie zahlreiche kleinere Brücken eingestürzt sind.

Belgrad, 30. Mai. ES ist nunmehr beschlossene Sache, daß während der bekanntlich Mitte Juni erfolgenden Reise des Königs Alexander nach Konstantinopel der Ministerrath die Regentschaft übernimmt und Exkönig Milan eine Erholungsreise inS Ausland macht.

Ein eigenes Heim.

Ein Landmann betrat mit seinem Sohne den eben renovirten, für LuxuSpferde bestimmten Stall eines Gutsherrn, betrachtete mit Vergnügen und auch stillem Neid die hoch gewölbten und lichten Räume und äußerte bann zu seinem Sprößlinge:Du, Jörg, wenn unsere Stube nur halb so schön wäre, wie dieser Pferde ft all, wie glücklich könnten wir unS schätzen!"

i Und in der That: wie mancher Gütler, der ein unan­sehnliches Häuschen fein Eigen nennt, wie mancher Arbeiter, der in einer dumpfen Kellerwohnung ober in einem engen Dachstübchen sein Dasein fristet, wäre herzlich froh, in einem herrschaftlichen Pferdestalle wohnen zu dürfen.

Man klagt, und zwar nicht mit Unrecht, häufig über die Abnahme der ländlichen Arbeiterbevölkerung, wobei wohl nie genügend inS Auge gefaßt wird, daß der Arbeitermangel nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ und letztere» vielleicht noch mehr fühlbar ist.

Mit dem FreiheitSdrange, der mit gesteigerter, man könnte fast sagen: erwachender Intelligenz auch zu dem länd­lichen Arbeiter gedrungen ist, find bei ihm, wie bei allen Schichten der Gesellschaft, die Lebenshaltungsansprüche auch gestiegen, und da diesen, sagen wir eS offen heraus, leider nur theilweise entsprochen werden konnte leidet doch der kleine Landwirth ebenso, wenn nicht mehr, unter den gegen­wärtigen Verhältnissen! ist Unzufriedenheit und Undot- mäßigkett eingezogen, die sich in Unlust und Unbehagen de» Arbeiters äußert.

Die besten Arbeiter, denen die heimathliche Scholle daS nickt bieten kann, was sie erhoffen, ziehen nach der Stadt auch auf die Gefahr hin, dort einem schlimmeren Loose ent­gegenzugehen, als auf dem Lande. Es ist aber bet diesem unbestimmten FreiheitSdrange im letzten Grunde die überall.