Ausgabe 
1.5.1894 Erstes Blatt
 
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der amerikanischen Eisenbahnen hat ihren Mitgliedern auf­gegeben, sich dem Bahnarbeiterstri k'e anzuschließen.

Athen, 28. April. Bet dem gestern Abend stattgehabten Erdbeben sind abermals zahlreiche Unglücksfälle vorge­kommen. Die Zahl der getödteten und verwundeten Personen ist noch nicht bekannt, jedoch soll dieselbe sehr bedeutend sein. Außerdem sind viele Häuser eingestürzt, andere zeigen be­denkliche Riffe. Unter den beschädigten Gebäuden befindet sich das königliche Palais, das Hadrianthor, das Denkmal des PhiloPapuS und die Akropolis. In Theben fließt aus den durch das Erdbeben entstandenen Erdspalten heißes Waffer mit heißem Sand vermischt. Das Dorf Kastri ist durch die Erdrevolution vollständig zerstört worden.

Nerreste Nachrichten.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Lattich, 29. April. Gestern Abend um 9^Uhr eplo- dirte an der EingangSthür der Kirche Saint Jacques eine Bombe, welche auf einen Haufen Steine gelegt war. Mehrere Fensterscheiben der Kirche und der benachbarten Häuser wurden zertrümmert- Personen sind nicht verletzt worden.

Petersburg, 29. April. Anläßlich des Auftretens der Cholera in den österreichischen an Podolten angrenzenden Gegenden verfügte der Minister des Innern die Eröffnung von Sanitätsstationen in Jffakowzy, Gusjatin, Gakow und Saianow.

Berlin, 30. April. Der Kaiser ernannte den Director des preußischen Staatsarchivs, v. Sybel, anläßlich seines 50jährigen Profefforenjubiläums zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Prädicat Excellenz.

totales iinö prot>itt$lelles#

Hießen, den 30. April 1894.

** Audienzen. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog empfingen am 28. April u. A. den Rentner Heß von Gießen, den Rentner Jacob Worret von Worms und den Director Kübel von Mainz, als Vorstände für die ver­schiedenen Gewerbeveretne im Großherzogthum. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin empfingen um 113/< Uhr die Freifrau von Nordeck zur Rabenau.

** Diez-Feier. Theater-Verein. Am 15. März waren hundert Jahre verstrichen, seit Friedrich Diez, der Be­gründer der romanischen Philologie, in unserer Stadt das Licht der Welt erblickte. Bonn, in welchem Gießens großer Sohn einen namhaften Theil seines arbeite« und srtaffensreichen Lebens vollbrachte (er starb dort am 29. Mai 1876) beging am 15. März die hundertste Wiederkehr dieses für die Wissenschaft so bedeutsamen Tages durch eine große Feier. Gießen, durch den Schluß der Universität behin- brrt, mußte sich damit begnügen, das Geburtshaus festlich zu schmücken und durch seine Journalistik auf die Bedeutung des Tages hinzuwetsen. Es ist nicht unsere Absicht, an dieser Stelle noch einmal die Verdienste dieses Gelehrten um die Wiffenschaft zu schildern, hervorheben wollen wir nur, daß dieser echt deutsche Geistesheld nerdlos von den romanischen Stämmen, seien es Spanier, Italiener oder sogar Franzosen, als Autorität auf dem Gebiete ihrer reichen Literatur, ihrer eigenen Sprache anerkannt wird. Den Manen eines solchen Mannes eine würdige und zugleich alle Kreise interessirende Gedenkfeier zu veranstalten, haben sich Universität und Theaterverein zusammengelhan, dem sich die Stadt- behörden anschlossen. Am Samstag den 5. Mai wird nach dem Vortrage eines auf den Zweck des Tages bezüg­lichen Prologes, gedichtet von einem Mitgliede der Diez'schenFamilie, Herrn RudolfPresber aus Frankfurt, eine Theateraufführung stattfinden. Die Ausführung hat das Casseler Hoftheater, das wiederholt mit größtem Beifall hier auftrat, übernommen. Selbstverständlich ist das Werk eines romanischen Dichters in Aussicht genommen und, da eine, wenn auch nachträgliche, Geburtstagsfeier unbedingt eine freudige ist, ein Lustspiel. Die Wahl fiel auf das bedeutendste Werk des Spaniers Augustin Moreto y Cabana, geb. 1618 zu Madrid, gest. 1668 zu Toledo. Der Titel des Lustspiels wurde von dem Dichter ursprünglich mit El deaden con el desden (Sprödigkeit gegen Sprödigkeit) bezeichnet- in Deutschland ist er allgemein als Donna Diana oder Stolz und Liebe bekannt. Das Werk, welches allgemein in der vorzüglichen Uebersetzung von C. A. West zur Aufführung gelangt, ist jahrelang die Zierde der deutschen Bühnen gewesen und heute noch auf dem Repertoir leistungsfähiger Theater. Wir kommen auf die Bedeutung dieses gewählten Stückes in einem besonderen Artikel zurück, bemerken heute nur noch, daß Nichtabonnenten des Theater-VereinS zu empfehlen ist, sich baldigst bei Herrn Challier Plätze zu sichern, da eine verhältnißmäßig kleine Anzahl nur zu vergeben ist und der Andrang ein großer sein wird.

** Mufikprüsung. Im Saale des Hotel Einhorn hatten sich gestern Nachmittag die Schüler und Schülerinnen der Clavierlehrerin Fräulein Minna Körner versammelt, um vor ihren Angehörigen Zeugniß abzulegen, waS sie im ver- floffenen Winter gelernt. Daß sie gelernt und begriffen haben, konnte man so recht beobachten und zwar nicht allein an den älteren, sondern auch bis zu den jüngsten herunter. Es war eine wahre Lust, zu hören, wie Jedes wetteiferte, sein Theil zum Gelingen beizutragen. Neben einfachen Claviervorträgen bot das reichliche Programm Piecen zu 4 Hand, Vorträge von Liedern mit Clavlerbegleitung, sowie Clavier und Violine. Alles wurde recht brav gespielt. Das Gebotene zeigte so recht, daß Frl. Körner es aus dem Grunde versteht, ihren Schülern gerecht zu werden und die­selben nicht allein in die Technik des Clavierspielens ein- zuweihen, sondern ihnen auch das nöthige Verständniß hierfür beizubringen. Möge eS ihr auch für die Folge immer mehr

gelingen, so weiterzuarbeiten, der Dank der Eltern ihrer Schüler wird ihr alsdann nicht fehlen.

* In der am Samstag Abend stattgehabten ordent­lichen Generalversammlung des Kaufmännischen Vereins Gieße« legte der Vorstand den Rechenschafts- und Kaffenbericht über das abgelaufene Vereinsjahr vor, welch letzterer einer Prü- fungs Commission, bestehend aus den Herren H a s s e und K ö s e r überwiesen wurde. Punkt 3 der Tagesordnung, Statuten­änderung, wurde von der Tagesordnung abgesetzt und einer Commission, bestehend aus den Herren Köser, Vaubel, W. Wagne^r, Wetter und Wiegelmann überwiesen,die in Verbindung mit dem Vorstand die neuen Statuten auszu- Qxbelten und einer zweiten Generalversammlung vorzulegen hat. Dieselben Herren bilden zugleich einen Ausschuß für die Kaufmännische Fachschule und das Lehrlingsheim. In den Vorstand wurden mit großer Majorität, theilweise fast ein­stimmig, wieder gewählt die Herren C. Hrbig (Vorsitzender), O. Meyer (Stellvertreter), K. Ob er müller (Schrift­führer), Gg. Böhm (Kassirer) und neu A. Rayko wsky (Bibliothekar). Den Aufnahme-Ausschuß bilden die Herren Ehr mann, Mootz, Vaubel, W. Wagner und Wiegel - mann. Der Voranschlag für 1894/95 wurde nach längerer Debatte in Gemäßheit des Vorschlages des Vorstandes ge­nehmigt.

* In den Räumen des Lenz'schen Felsenkeller hielt der Marine-Verein am Samstag Abend sein zweites Stiftungsfest ab, welches den herrlichsten Verlauf nahm. Der Vorsitzende, Herr Kaiser, hielt zunächst eine Ansprache, in welcher der­selbe in kurzen Zügen das Vereinsleben schilderte, die deutsche Seemacht in ihrer heutigen Bedeutung beleuchtete und schließlich ein brausendes Hoch auf Se. Majestät den deutschen Kaiser ausbrachte. Von Seiten des Veteranenvereins, welcher in stattlicher Mitgliederzahl erschienen war, sprach Herr Schwan in warmen Worten den Dank für die Einladung aus und toastete auf den Marine-Verein. Musikpiöcen, ab­wechselnd mit humoristischen Vorträgen, wurden nunmehr in vortrefflicher Weise aufgesührt und gebührt den Herren Geil­fuß, Krämer, Seeger und Hüttenberger vollste Anerkennung. Im weiteren Verlauf des Abends wurde auf Se. Königliche Hoheit den Großherzog ein Hoch, auf Se. Königliche Hoheit den Prinzen Heinrich von Preußen ein dreifachesHurrah" ausgebracht. In frohester Weise hielten die Thellnehmer und Theilnehmerinnen bei dem nun folgenden Tanzvergnügen aus bis zur frühen Morgenstunde.

** Bezirkstag der Kriegerkameradschaft Hasfia, Bezirk Gieße«. Die Bezirksversammlung wurde gestern Nachmittag 2Vr Uhr vom 1. Bezirksvorsitzenden Herrn Mayer eröffnet. Derselbe berührte nach Begrüßung der Vertreter der ver­schiedenen Vereine zunächst das frohe Ereignlß der Ver­mählungsfeier unseres allverehrten Großherzogs. Gleichzeitig erwähnte Herr Mayer das Ergebniß der sehr regen Samm­lung der Kriegervereine zum Hochzeitsgeschenk. Hierauf wurde in die Tagesordnung übergegangen. Besonders erwähnt sei hierbei die Verlesung eines Schreibens der oberen Berg­behörde an das Präsidium der KriegerkameradschaftHassia", laut welchem der Vorstand der Knappschaftskaffe des Gießener Braunsteinbergwerks dahin verständigt wurde, daß die von dem Kriegerverein Hassia an Mitglieder der vorerwähnten Kaffe verabreichten Unterstützungen nicht an dem von der Knappschaftskasse zu gewährenden Krankengeld in Abzug zu bringen seien, da die Angehörigkeit zu einem Krieger­verein an sich nicht als Versicherungsverhältniß im Sinne des § 26a des Krankenversicherungs - Gesetzes betrachtet werden könne. Die Knappschaftskasse hatte sich nun damit entschuldigt, daß dieselbe seither im guten Glauben gehandelt, und daß übrigens die dem Kriegerverein angehörigen Kassenmitglieder die Bezüge, welche ihnen aus der Kriegervereinskaffe gewährt wurden, aus eigenem Antrieb bei dem Vorstand der Knappschaftskaffe angemeldet haben. Hierzu wurde von einem Mitgliede der Bezirksversammlung die Bemerkung gemacht, daß diese Leute zu diesen Anmeldungen ausdrücklich verpflichtet sind, was früher nicht der Fall war. Die Bezirksversammlung stattete ihrem Vor­sitzenden für die große Mühe bei Vertretung dieser Vereinsintereffen einstimmig ihren Dank ab. Das nächste Bezirksfest soll im Juni in Lollar stattfinden und mit der Feier des fünfzigjährigen Bestehens des dortigen Krieger­vereins verbunden werden. Die Vorstandsneuwahl ergab wieder das alte Resultat, nämlich Herr Mayer-Gießen, 1. Vorsitzender- Herr Leicht-Watzenborn-Steinberg, 2. Vor­sitzender- Herr Volckmann-Heuchelheim, Beisitzer und Herr Keller-Gießen, Schriftführer. Mit einem Hoch auf den obersten Kriegsherrn fanden die Verhandlungen des Bezirkstages ihren Abschluß.

** Schlägerei. Bei einer gestern stattgehabten öffent­lichen Tanzmusik in der Frankfurterstraße entwickelte sich eine Kellerei, welche sich auf der Straße dis zum Seltersthor fortsetzte und wobei auch Frauen blutige Köpfe davontrugen. Gestern Abend geriethen ein Heizer und ein Schaffner in der Bahnhofstraße in Wortwechsel, wobei der eine seinem Widersacher mit der Coupirzange auf den Kopf schlug und verletzte. Anzeige wurde erhoben.

* Der Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hatte im Juni v. I. einen Preis ausgeschrieben für die beste Arbeit über die Frage:Was kann die Schule und besonders der Lehrer zur Förderung der Mäßigkeitssache thun? Es sind daraufhin 112 Arbeiten eingegangen. Der Preis, der 300 Mk. beträgt, ist dem Lehrer Heinrich Dr o st e in Meschede zugefallen - derselbe erhält außerdem den von der Mäßigkeits-Commission des westfälischen Städtetages für die beste westfälische Arbeit gestifteten Nebenpreis von 100 Mk. Von Ertheilung zweiter Preise und ehrender Hervorhebung anderer Abhandlungen mußte wegen der großen Zahl der habet in Frage kommenden vortrefflichen Leistungen leider abgesehen werden. Die preisgekrönte Arbeit wird vom Verein veröffentlicht werden.

Schlitz, 29. April. Se. Majestät der Kaiser wohnte heute Vormittag mit Allerhöchstseinem Gefolge dem Gottes­dienste bei.

H Au8 dem Horloffthale, 27. April. Herr Bürger­meister Schmidt von Reichelsheim ist in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstage (25./26. er.) gestorben und wurde heute unter großer Betheiligung von nah und fern beerdigt. Der Verstorbene war ein angesehener, biederer Mann, desien Verlust allgemein bedauert wird. Man hat in unserem Thale mit der Grünfütterung: Futterroggen, Wiesen­gras, Luzerneklee, begonnen. Da das Futter sehr weich und zart ist, wird es vom Vieh, welches ein derartiges Futter­mittel viele Monate lang entbehrte, ohnehin sehr gierig auf­genommen, wodurch leicht Aufblähen (Trommelsucht) herbei geführt wird. Daß dieses das Zerplatzen des Magens, also den Verlust des Thieres nach sich ziehen kann, weiß jeder Landwirth. Um das Aufblähen zu verhindern, mischt man das Grünfutter mit Futterstroh, wodurch man auch mit dem Grünzeug weiter reicht. Obgleich die abgelaufene letzte Aprilwoche sehr warm war, wollen sich doch keine Maikäfer zeigen, ein Beweis dafür, daß wir kein Flugjahr haben werden. Dagegen wimmelt es in dem Erdboden von Enger- lin.en. Gestern ließ der Schreiber dieser Zeilen einen Acker pflügen, welcher mit Rangen (Dickwurzeln) besetzt werden soll. In jeder Ackerfurche kamen 30 bis 40 der gefräßigen, scheuß­lichen Engerlinglarven zum Vorschein, welche gesammelt und vernichtet wurden. Verschiedene Nachbarn und Bekannte deS Einsenders haben ähnliche Ersahrungen gemacht, und laffen nun hinter dem Pfluge Personen hergehen, welche die Jn- secten aufsammeln. Wir rachen dringend zum Vertilgen der Engerlinge, denn dadurch wird der Maikäferplage am sichersten entgegengearbeitet. Welchen Schaden das wider­wärtige Gewürm anzurichten vermag, haben wir in dem Mißjahre 1893 sehr bitter empfinden müssen. Es wurden ganze Dickwurzel- und Kartoffeläcker, die zum zweitenrnale gesetzt werden mußten, leer gefreffen, so daß viele Bauern von zwei Aussaaten nichts ernteten. Die Vernichtung der Engerlinge rentirt sich also in jeder Beziehung. Unsere Imker haben, obgleich wir noch im April sind, bereits schöne Resultate zu vermelden, indem Manche schon dieser Tage schöne Schwärme erzielten. Das hat man auch nicht alle Jahre zu beobachten die Gelegenheit. Ein kräftiger Strich­regen brachte heute Nacht den nach Feuchtigkeit verlangenden Gewächsen ziemliche Erquickung, es herrscht ein Wachswetter, wie man sich es nicht besser wünschen kann.

Mainz, 29. April. Wie bestimmt verlautet, wird der Gxoßherzog mit seiner jungen Gemahlin gegen Mitte des nächsten Monats hierher kommen und für einige Tage in dem hiesigen Palais seine Residenz aufschlagen. Seitens der städtischen Verwaltung sind größere Empfangs­feierlichkeiten in Aussicht genommen und erwartet man nur noch nähere Mittheilungen von Darmstadt, um sich über die Art des Empfangs schlüssig zu machen. Die Neuwahl eines besoldeten städtischen Beigeordneten an Stelle des zum Bürgermeister avancirten Dr. Gaßner beschäftigt eben die maßgebenden Kreise unserer Stadtverordnetenversammlung. Nach den bei der Bürgermeisterwahl gemachten Erfahrungen ist man von der Idee, die Stelle öffentlich auszuschreiben, vollständig abgekommen, wogegen sich unter der Hand die Zahl der Candidaten täglich vergrößert. Die größte Chance scheint indeß nach wie vor der Amtmann Braun von dem hiesigen Kreisamt zu haben, der schon ganz zu Anfang als Candidat genannt wurde und welcher auch im vollen Maße die zur nicht so leichten Stellung als ersten Bürgermeisterei­beigeordneten erforderlichen Eigenschaften besitzt.

Mainz, 29. April. Samstag vor Pfingsten, den 12. Mai, wird der Kölner Männergesangverein auf seiner Reise nach Zürich hier eintreffen und am Abend in dem Concerthaus der Liedertafel zum Besten des Orgelfonds der Mainzer Liedertafel unter Mitwirkung des Fräuleins Charlotte Huhn, der vortrefflichen Altistin und des Concertmeisters Emil Bars ein Soncert veranstalten, zu welchem ein hochinteressantes Programm ausgestellt ist. ______

Vermischtes.

Siege», 27. April. Die Wiederaufnahme des Pro­zesses gegen den Vorstand des Siegener Bankvereins mußte auf unbestimmte Zeit vertagt werden, da der Erste Staatsanwalt Sprengler in Arnsberg, der bie Anklage erhoben hat, krank darniederliegt.

* Als großmulhiger Geschenkgeber zeigte sich dieser Tage ein Einwohner in Straßburg l. E. Derselbe erhielt eine Geldzahlung mittels Postanweisung, unterschrieb dieselbe und sagte dann zu dem Briefträger:Ich verzichte auf den «Be­trag und schenke Ihnen die ganze Summe!" Der Brief- träger dankte verbindlichst und zog mit der Summe ab. Dieselbe drückte seine Tasche jedoch nicht allzu sehr, denn sie bestand aus einem Pfennig! Die Steuerbehörde hatte nämlich an den Herrn 26 Pfennige zu zahlen, wovon sie 20 Pfennige für die Postanweisung und 5 Pfennige Bestell­geld abzog- blieb also genau 1 Pfennig.

* Bremerhaven, 28. April. Der frühere Bankbuchhalter Georg Krüger, welcher feiner Zeit wegen Unterschlagung von 10 000 Mk. aus Berlin geflüchtet ist und steckbrieflich verfolgt wurde, ist auf einem englischen Dampier, wo er als Schiffsjunge angestellt war, in Hast genommen worden. Bei der Festnahme Krügers fand man noch 7000 Mk. bet ihm vor.

* Hummern im Ueberrock. DieWiener Deutsche Ztg. erzählt: Frau F. ist gar nicht so, wie man sonst die Schwieger­mütter an die Wand matt, sondern verständig und gutmüthig. Nur hat sie eine kleine Elgenthürnlichkeit: siemogelt" gern, und zwar auf Kosten ihres reicheren Schwiegersohnes, des Kaufmanns Z. zu Gunsten ihres weniger wohlhabenden Schwiegersohnes, des Beamten Herrn W. Vorigen Sonntag die beiden Schwiegersöhne saßen in Herrn Z s Salon und plauderten kam eine Sendung exquisiter Büchsen-