Ausgabe 
1.5.1894 Erstes Blatt
 
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1894

Dienstag den 1. Mai

Erstes Blatt

Nr. 100

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Amts- und Zlnzeigcblatt für den Kreis <ßiefjeit

Hratisbeikage: Gießener Aamikienökätter.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Sonn. 10 Uhr.

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Die Gießener P.mirienvsLller werden dem Anzeiger «SchentUch dreimal beigelegt.

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Äetretbeconcurrenz nicht mehr so groß wie jetzt sein wird. LS ist dies der natürliche Gang der Entwickelung, wie ja and) Deutschland noch vor wenig Jahren ein Getreide expor- ttrendes Land war und inzwischen ein importirendes geworden ist. Auf die Preisgestaltung muß dieser Umschwung einen bedeutenden Einfluß auSüben, er treibt die Preise in die y»irhe. Möglich ist es nun, daß inzwischen noch neue Getreide- ^2oductionsländer austauchen, indesien ist dies nicht sehr vrhrscheinlich, da man in Südamerika und in Australien mehr zur Viehzucht neigt und eS dort auch an Unternehmungs-

geift, Capital und Arbeitskräften, sowie auch an Eisenbahnen zur Förderung deS Getreidebaues noch für Jahrzehnte hinaus ehlen wird.

Ter Gießener rrfcheint täglich, mit AuSnahmr des Montag».

zu Steinheim.

2. Sitz derselben :Steinheim".

3. Gegenstand des Unternehmens Entwässerung der Fluren V und VI der Gemarkung Steinheim.

4. Die von der Genossenschaft ausgehenden Bekannt­machungen werden unter der Bezeichnung:Bruch. weg-Genossenschaft" zu Steinheim im Kreisblatt für den Kreis Gießen bekannt gemacht und vom Vor- fteher unterzeichnet.

Gleichzeitig wird Tagfahrt zur Wahl des Ge- vosfcnschafts-Vorstands auf Donnerstag, den 24. Mai, Nachmittags 4 Uhr, in das Gemeindehaus zu Lteinheim anberaumt und zu derselben die General­versammlung der Genossenschaft» - Mitglieder hierdurch einberufen.

Gießen, den 28. April 1894.

Grobherzogliche» Kreiramt Gießen.

v. Gagern.

Bnugkrlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Psg.

Redaction, (Frpfbitioir und Druckerei:

-ch»sftr«ße Ur.7.

Fernsprecher 51.

Heber die Grenzen der amerikanischen (tzetreideconcurrenz.

Da heutzutage nicht mehr die einheimische Ernte und der inländische Markt, sondern die Welkproduction und der Weltmarkt maßgebend für die Bildung der Getreidepreise geworden sind, so entsteht die Frage, ob das außerordentlich große, ja abnorm zu nennende amerikanische Getreideangebot nicht bald seine Grenzen in der eintretenden Beschränkung billiger Anbauflächen, in der Erhöhung der ProductionSkosten und in der Vermehrung der amerikanischen Bevölkerung finden wird. Wenn verschiedenen amerikanischen Urtheilen und Be­richten Glauben zu schenken ist, so wären die Vereinigten Staaten von Nordamerika, also die wichtigsten Getreide-

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General-Anzeiger.

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Fläche betrug 220 Millionen Acres, sodaß 18 Millionen zum Export übrig bleiben. Der jährlich versandte Tabak und die Baumwolle wird auf 13 Millionen Acres gewonnen,

Alle Annoncen-Bureaux de» In- und An»laude» nchmra Anzeigen für denMießener Anzeiger- entgegen.

,, iodaß für Getreideausfuhr aller Art noch etwa 5 Millionen Acres verfügbar bleiben. Letzteres ist nicht der Rede werth, und so ergiebt auch diese Untersuchung, daß es mit der großen Concurrenz Amerikas in Getreide nicht mehr viel auf sich hat. Im Jahre 1900 würde also danach der Ge­treide - Export überhaupt zu Ende sein. Wir wollen indessen annehmen, daß durch beffere Bodenbearbeitung und sonstige Fortschritte auch der amerikanische Getreidebau dann noch einet Steigerung fähig ist, wenn der geschilderte Ausgleich srrttgefunden hat. Immerhin geht aber aus diesen Aus­führungen hervor, daß in 5 bis 10 Jahren die amerikanische

1. Name der Genossenschaft:Bruchweg-Genossenschaft"

productionSländer überhaupt, nur noch 6 bi« 7 Jahre im Stande, bedeutend mehr Getreide über ihren eigenen Bedarf . zu erzeugen, alfo große Mengen zu exportiren. Die Regie- rungzu Washington hat eine Untersuchung über die zurErnährung - der dortigen Bevölkerung erforderlichen Ackerflächen angestellt- dieselbe ergab, daß pro Kopf und Jahr 1,1 Acre MaiS, 0,779 Heu, 0,445 Weizen, 0,412 Hafer, 0,134 Baumwolle, 0,134 Kartoffeln, Tabak, Roggen, Gerste und Buchweizen, zusammen also 2,973 Acres bestellt werden muffen. Von der letzten Ernte sind rund 68 Millionen Menschen zu ernähren, die sonach 202 Millionen Acres bedürfen. Die bestellte

Bekanntmachung, betreffend Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschast für die Fluren V und VI der Gemarkung Steiuheim (II. Sache).

Nachdem Großherzogliche» Ministerium de» Innern und der Justiz durch Verfügung vom 4. April 1894 zu Nr. M. I. 9439 dem Statut der rubricirten Wassergenossenschaft die Genehmigung ertheilt hat, wird in Gemäßheit des Art. 38 oes Gesetzes vom 30. Juli 1887 nachstehender Auszug aus demselben unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß ge­bracht, daß das Statut mit seiner Verkündigung in Kraft

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Ausland.

Wie», 28. April. Der Falschspieler Lichtner wurde heute zu fünf Jahren Zuchthaus, 800 Gulden Geldstrafe und Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt. Lichtner legt gegen daS Urtheil Berufung ein.

Budapest, 28. April. Der Handelsvertrag von Rumänien gelangte in dritter Lesung im Abgeordneten- Hause zur Annahme.

Pari», 27. April. Prozeß Henry. Bei demZeugen- verhör wurden zunächst die Personen vernommen, welche zur Verhaftung deS Angeklagten beigetragen hatten. Der Prä­sident rühmte besonders den Muth deS Polizeibeamten Poiffon. Sodann wurden zahlreiche Personen vernommen, die bei dem Attentat verwundet worden waren; mehrere derselben konnten nur mit Mühe gehen. Der Leiter des städtischen Laboratoriums tagte auS, daß die Explosion im Cafe Terminus größeren Schaden angerichtet haben würde, wenn der Deckel der Bombe

besser geschlossen hätte. Hierauf wurden die Zeugen bei dem Attentat in der Rue des bons Enfants vernommen. Die weitere Verhandlung wurde aus morgen vertagt.

Pari», 28. April. Die heutige Verhandlung in dem Processe gegen den Anarchisten Henry wurde um 12 Uhr Mittags unter starkem Zudrangc deS Publikums eröffnet. Die Vernehmung der Zeugen wurde fortgesetzt. Der Director des Laboratorium«, Girard, erklärte, Henry hätte die in der Rue des bons Eefants explodtrte Bombe nicht allein an- fettigen können. Henry versicherte dagegen, daß er der allein Schuldige sei. Nach der Vernehmung von Lehrern und Mit­schülern Henrys, welche zu seinen Gunsten auüsagen, be- hauptet ein der Familie Henrys befreundeter Arzt, Henry sei wahnsinnig, wogegen Letzterer lebhaft protestirt. DaS Zeugenverhör ist damit beendigt.

Paris, 28. April. Der Staatsanwalt beantragte in seinem Plaidoyer die Todesstrafe gegen Henry, der für feine Thai in vollem Maße verantwortlich sei. Henry entwickelte die Motive zu der That in einer halbstündigen aus dem Gedächtniß gesprochenen, wohlgefetzten Rede. Er fei in der bürgerlichen Moral erzogen, aber Anarchist geworden, na»- dem er eingesehen, daß die Gesellschaft auf Lug und Trug basirt fei. DaS Attentat gegen die Compagnie Carmaux habe er begangen, um die Freude der reichen Bourgeois über das Nachgeben der Arbeiter zu stören, nachdem der Strike dank dem Eingreifen der Socialisten mißlungen, und um den Arbeitern zu zeigen, daß die Anarchisten ihre wahren Freunde seien. Die Anarchisten sitzen nicht im Parlament wie die Socialisten, sondern gehen lieber aus die Guillotine. Das Attentat im TerminuS-Cass habe er begangen, um gegen die unmenschliche Repression zu proteftiren, welche auf die Attentate Vaillants folgte. Ebenso wie die Bourgeosie bie ganze anarchistische Partei für die That des einzelnen Vaillant verantwortlich gemacht, ebenso habe er die ersten besten Bour­geois, die er im Cas« gefunden, als Sühneopfer gewählt. Die Anarchisten, die die Gesellschaft durch den Tod bekämpfen, wiffen ihn zu erdulden. Nach mir werden andere Köpfe fallen, aber die Anarchie wird nicht sterben und Euch schließlich tödten. (Große Bewegung.) Die Jury berieth dreivtertel Stunden und bejahte alle Schuldftagen. Darauf sprach der Gerichts- Hof das Todesurtheil gegen Henry aus. Et nahm eS lächelnd hin und tief im Abgehen: Muth, Kameraden und hoch die Anarchie!

Pari», 28. April. Wie sich jetzt hetauSgestellt hat, leider der in Marseille verhaftete Hauptmann von Seel au Ver­folgungswahn. Der Polizeicommissar, welcher den Offizier in Haft nahm, erkannte auS den Reden desselben fofort, daß er einen Geistesgestörten vor sich habe. Die Behörden hielten eS für nöthig, von Seel noch unter ärztlicher Aufsicht zu lassen. Seine Freilassung dürfte aber unzweifelhaft fein.

Paris, 28. April. Aus Befehl des Gouverneurs von Paris wurde gestern Abend die Garnison alarmirr. Heute früh wurde eine Truppenrevue abgehalten. Die Truppen hatten in der Nacht auf dem Plateau Sators campirt.

Paris, 28. April. Die Polizei verhaftete gestern drei Anarchisten, wovon einer wiederum Ministerialbeamter sein soll. In St. Denis hielt die Polizei bei zwei Freunden des verhafteten Anarchisten Setard eine Haussuchung ab und entdeckte eine große Menge verbotener Schriften, Sprengstoffe und Bombentheile. Fericou erklärte dem Untersuchungsrichter, er leugne nicht, an der anarchistischen Propaganda rege theil- genommen zu haben.

Pari», 28. April. Der verhaftete Anarchist Fericou gestand im Verhör beim Untersuchungsrichter, daß er zwischen den Londoner und Pariser Anarchisten den Vermittler ge­spielt habe.

Mous, 28. April. Heute Morgen riß bei der Einfahrt in die Grube daS Seil des Fahrstuhles, in dem sich 16 Arbeiter befanden. 13 derselben wurden getö dtet, die übrigen schwer verwundet.

Gent, 28. April. In der Tuchfabrik in Wetteren ist ein Generalstri ke auSgebrochen, nachdem der Besitzer dieser Fabrik die Löhne verkürzt hatte. Die Arbeiter ver­halten sich ruhig und erklärten sich entschlossen, den Kampf so lange fortzusetzen, bis ihnen ihre Forderungen zugestandeu sein werden. Die Behörden haben heute eine Versammlung unter freiem Himmel untersagt. Die Zahl der Ausständigen beläuft sich auf 1000.

Rom, 28. April. In Pavia platzte im Kasernenhofe des Genieregiments eine große Petarde. Verwundet wurde Niemand, aber das Gebäude arg beschädigt. In der Stadt entstand große Aufregung.

New York, 28. April. Die Vereinigung der Beamten.

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Deutsches Reich.

Berlin, 28. April. Die feierliche Einweihung deS neuen ReichStagSgebäudeS ist, wie bereits gemeldet, für den 18. October geplant, allerdings aber wird eS ander­seits als unmöglich angesehen, daß die Regierung mit ihren Arbeiten für die neue ReichstagStagung bis zu diesem Zeit­punkt zum Abschluß gelangen kann. Es ist deshalb jetzt in Aussicht genommen, den Reichstag zur Einweihung zu berufen, ihn dann aber bis zur letzten Novemberwoche zu vertagen.

Berlin, 28. April. Die Kaisermanöver werden diesmal durch große Cavallerie-Unternehmungen eingeleitet werden, wobei das Hauptaugenmerk auf Lösung besonderer strategischer Aufgaben gelegt werden wird. Wie verlautet, gedenkt der Kaiser biefe Hebungen persönlich zu leiten und zu gewissen Zeitpunkten den Befehl über die beiden Cavallerie- divisionen abwechselnd zu übernehmen.

Berlin, 28. April. Wie dieNotdd. Allgem. Ztg." erfährt, ist gestern ein Verbot der Ausfuhr von Schafen und Schweinen vom hiesigen Centralviehhofe durch den Königlichen Polizeipräsidenten von Berlin ergangen. Der Grund hierfür dürfte in einer Anzahl seuchenverdächtiger Fälle zu suchen sein, welche Vorsichtsmaßregeln erforderten und zwar auch im Interesse des Viehexports über die deutsche Grenze.

Berlin, 28. April. In der heutigen Sitzung des Herrenhauses wurden die einzelnen Etats in der Special­debatte berathen und genehmigt. Ferner wurden die Etats­gesetze und schließlich der Etat nebst den dazu gehörigen Gesetzen im Ganzen genehmigt. Das HauS vertagte sich auf unbestimmte Zeit.

Berlin, 28. April. Wie in unterrichteten Kreisen ver­lautet, ist die Reichsregierung nicht abgeneigt, in eine Ber- tängerung der Frist de« Handelsprovisoriums mit Spanien zu willigen, wenn ein derartiges Ersuchen von ©eiten der spanischen Regierung, welche große Schwierig­keiten im Senat zu überwinden hat, an sie ergehen sollte. Es würde sich bann aber auch um die letzte Verlängerung der Frist handeln.

Berlin, 28. April. Die Huldigungsfahrt aus Thüringen zum Fürsten Bismarck in FriedrichSruh ist einem Beschlüsse des Erfurter Cornitss zufolge auf Freitag den 15. Mai in Aussicht genommen.

Berlin, 28. April. Die Ausführung ber Entschließung des Kaisers, die Schack' sche Gallerte in München zu belassen, dürfte noch auf practische Schwierigkeiten stoßen, denn der Kaiser hat das HauS nicht mitgeerbt und daS Testament enthält die Bestimmung, daß die Gallerte nach Berlin, Weimar ober Gotha übergeführt werden soll.

Wilbparkstation, 28. April. Die Kaiserin ist mit den Prinzen heute Nachmittag 4.55 Uhr hier eingetroffen, von dem zahlreich versammelten Publikum enthusiastisch begrüßt. Sie begab sich sofort nach dem Neuen Palais.

Coburg, 28. April. Die Königin von England ist heute Abend 7 Uhr obgereift, von ber herzoglichen Familie zum Bahnhof geleitet, woselbst ein herzlicher Abschieb erfolgte. Die Prinzessin Heinrich von Battenberg reifte mit ber Königin.

Frankfurt a. DL, 28. April. Nach bemFtnanzherold" soll beim neuen russischen Ministerium ber Lanbwirthschaft auch ein Lanbwirthschaftsrath aus Gutsbesitzern unb Pächtern fungtren. Geplant werben zwei Sessionen jährlich von sechs Wochen.

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