Neueste Nachrichten»
Wolfis telegraphisches Correspondenz- Bureau.
Berlin, 29. August. Die „Norbb. Allg. Ztg." meldet: TDer vom König Humbert bei dem Galadiner zu Ehren deS Prinzen Heinrich an Bord der „Savoja" ausgebrachte Toast schloß mit den Worten: „Ich trinke ans daS Wohl meines besten Freundes, deS Kaisers Wilhelm".
Kiel, 29. August. Prinz Heinrich ist heute Abend 7 Uhr hier eingetroffen.
London, 29. August. Die Grubenbesitzer weigern sich, gemeinschastlich mit den Bergarbeitern die Erhöhung der Kohlenverkaufspreise zu erwirken und dadurch eine entsprechende Lohnerhöhung herbeizuführen. Sie lehnen ferner ab, die Löhne auf der Höhe zu erhalten, auf der dieselben sich befanden, als die Grubenbesitzer den Bergarbeitern von der beabsichtigten Lohnabänderung Mittheiluog machten. Die Grubenbesitzer erklären, die Haltung der Grubenarbeiter verhindere jeden Vergleich.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 29. August. Dem „Reichsanzeiger" zufolge wurden in Potsdam, Eberswalde, Berlin und Fürstenwalde ärztliche Control st ationen errichtet.
Berlin, 29. August. Der „Reichsanzeiger" publicirt ein Verbot betr. Einfuhr von Heu und Stroh aus Rußland für den Regierungsbezirk Gumbinnen wegen Befürchtung der Einschleppnung der Rinderpest.
Berlin, 29. August. Ein neuer Cholerafall ist in Berlin nicht vorgekommen.
Berlin, 29. August. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge fand am 18. August am Kilimandscharo ein heftiger Kampf statt, wobei daS befestigte Lager des Sultans Meli gestürmt wurde. Lieutenant Axt wurde getödtet, ein Feldwebel schwer verletzt, ebenso 23 ASkaris.
Spandav, 29. August. Der linke Flügel der Kaserne deS vierten Garderegiments ist abgebrannt.
Wilhelmshaven, 29. August. Die in Kiel verhafteten Spione sind vor zehn Tagen auch hier gewesen und haben die AußenfortS photographisch ausgenommen.
Kiel, 29. August. Die als französische Spione Verhafteten wurden gestern Nachmittag verhört- sie leugneten, daß sie Offiziere, und erklärten Geschäftsreisende zu sein.
Bromberg, 29. August. In Schulitz wurde ein Fall von Cholera asiatica constatirt.
Kisfingen, 29. August. Fürst Bismarck hat seine Abreise nach Varztn infolge eines leichten Anfalles von Ischias um einige Tage verschoben.
Wien, 29. August. Ein im hiesigen Franz-Joseph-Spital eingelieferter Arbeiter ist, wie amtlich festgestellt wurde, an der Cholera gestorben.
Neapel, 29. August. Gestern erkrankten hier fünf Personen an der Cholera und fünf Todesfälle wurden constatirt.
Rotterdam, 29. August. Neuerdings wurden ein Erkrankung-- und zwölf Todesfälle amtlich constatirt.
totales ttnö provinzielles.
Gießen, 30. August 1898.
• * Anß dem Zustizdieost. Mit Allerhöchster Ermächtigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde der Großh. LandgerichtSrath Karl Pückel in Gießen für die Dauer der Verhinderung des Großh. MintsterialrathS Dr. Dittmar mit AuShilfeletstung im Ministerium deS Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, beauftragt. — Durch Entschließung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz wurde der Großh. Landgerichtsrath Pückel in Gießen beauftragt, für die Dauer der Verhinderung
Nichtigkeit unterworfen fei. Der Vogt sei aber da, um den Herrn Landgrasen wegen des Reichs zu repräsentieren. Aber der Rath habe dem hessischen Untervogt in seinem Amt und Gebühr stetigen Abbruch und Hinderung gethan, sich auch die Execution, die ihm nicht gebührt, thatlich und wider das Herkommen angemaßt. Ohne Wissen des kaiserlichen Erbvogtes hat der Rath mit den benachbarten Herrschaften Grenzen auf- gerichtet, er hat daö dem heiligen Reiche cigenthümlichc Schloß Calschmidt vorsätzlich verwüstet, und zuletzt noch dem Landgrafen zu unerträglichem Schimpf die Stadtpfortcn und Straßen versperrt, ja, sich selbst unterstanden, sich nach einem anderen Schutzherrn umzusehen.
Infolge aller dieser Excesie beschloß der Landgraf als Träger seiner Reichölehnpflicht in eigener Person nach Wetzlar zu ziehen und den Rat seines Abfalls wegen glimpflich zur Rede zu stellen, die Anstifter der Widersetzlichkeiten zu erkundigen, auch den früheren Vogt ab- und einen neuen einzusetzen. Aber etliche RathSpersonen haben die Burger heftig ermahtü, von den Stadtmauern tapfer auf die Hessischen Feuer zu geben, Trotzdem hat beim Abzug deS Landgrafen von Wetzlar der Rath sowohl wie die Bürgerschaft S. F. Gnaden gnädige Affection mit Dank gerühmt und durch drei vornehme nach Gießen geschickte RathSpersonen noch besonders Dank gesagt- diesen ist auch der fürstlich hessische Schutzbrief Überantwortet worden. Um so mehr ist eS zu verwundern, wie nun der Rath zu solchen Anzapfungen gekommen ist. S. F. G. soll arinata manu die Stadt überfallen und die beklagten Bürger einem fremden Herrn die Stadt geöffnet haben. Da ist aber den übrigen guten Leutchen ein blauer Dunst vor die Augen gemacht worden, damit sie Alles stillschweigend gehn zu lasten, wie cü gehe- sollten sie sich doch vielmehr erinnern, daß Rath und Bürger allesammt dem kai- serltchen Lrbvogt auch wegen seiner vom heiligen Reich habenden Dogtei, Gericht, Schutzes, Schirms und Pfandschaft ge- huldigt, gelobt und geschworen haben, getreu, hold, gewärtig und gehorsam zu sein.
(Schluß folgt.)
des Großh. MinifterialrathS Dr. Dittmar bei den Staats- Prüfungen ün Justiz- und VerwaltuugSsach die Prüfung im bürgerlichen Recht (einschließlich der freiwilligen Gerichtsbarkeit) der rechtsrheinischen Provinzen vorzunehmen.
• • Die Hanstverfammlung bei fiereiilbejitfl Gießen bei Qberhesfischeu CWen-Sereinl fand gestern Nachmittag unter ziemlich zahlreicher Betheiligung von Mitgliedern auf LonyS Bierkeller statt. In Folge Ernennung zum Lberrvnfiftorial- affeffor hatte der seitherige KreiSamtmann Herr Nebel da» Amt des BezirkSvereinSpräsidenten niedergelegt- an seine Stelle wurde sein Nachfolger im Amt, Herr KreiSamtmann Dr. Wallau, gewählt. — Herr Dr. v. Peter referirte hierauf über die von der Hauptversammlung deS Oberhessischen Obstbauvereins am 12. Juli gefaßten Beschlüsse. Wir haben in Nr. 163 d. Bl. eingehend über den Verlauf der Haupt- Versammlung berichtet. ES sei an dieser Stelle noch ergänzend hinzugefügt, daß die diesjährige ObstauSstellung in Alsfeld stattfindet. — Herr Dr. v. Peter theilte bezüglich der in diesem Jahre in BreSlau ftattfindenden ObstauSstellung u. A. mit, daß sich der Oberhessische Obstbauverein daran behelligen werde, derart, daß die Geschäftsstelle in Friedberg von den Mitgliedern daS auszustellende Obst entgegennehmen und nach getroffener Auswahl an seinen Bestimmungsort, aus Kosten deS Verein-, bringen werd:- die Mitglieder wurden aufgefordert, die Sache nach Kräften zu fördern, damit der oberhessische Obstbau eine würdige Vertretung in BreSlau finde. — ObsthandelsauSftellungen in Verbindung mit Obst- Märkten finden in diesem Jahre in Friedberg (13. September) und in Butzbach (14. September) statt. Da der Zweck derselben ist, den Verkehr zwischen Obstverkäufern, Consumenten und Producenten einfacher und billiger zu gestalten, als dies sonst möglich, auch die Auswahl der Sorten uub der Umsatz in größeren Mengen erleichtert wird, wird eine allseitige Bethel- ligung der Obstbauer al- sehr wünschenSwerth bezeichnet. — Herr Landwirthschastslehrer Reichelt hielt hierauf einen Vortrag über Obstbaumschädlittge. Es sei wichtigste Ausgabe Derjenigen, welche Obstbau treiben, diese Schädlinge zu bekämpfen. Die besonders den jungen Trieben und Blüthen so gefährlichen Blattläuse bekämpfe man am besten dadurch, daß man gewöhnlichen Tabak in Wasser aufweiche und in die so erhaltene Brühe die Zweige der Zwergobstbäume tauche. Die Blutlaus fei ber gefährlichste Schübling, sobald er epidemisch auftrete- sie finde sich in alten Baumwunden und sei erkenntlich durch den an diesen hastenden weißen Flaum - ihre Vermehrung sei eine riesige, ihre Verbreitung von Baum zu Baum finde durch geflügelte Läuse statt. Sie zu vertilgen, empfehle es sich, die Bäume richtig abzuschaben, die Wunden auSzuschneiden und mit Seifen- oder Amoniakwasser auszuwaschen, auch Ueberstreichen ber Baumwunben mit Theer ober Baumwachs sei von Erfolg, beSgl. ein Gemisch von Seife, Fuselöl, denaturirtem Weingeist unb Wasser, noch besser aber Terpentin mit Terpentinöl, Schwefelkohlenstoff unb Milch. Ein an Zwergbäumen unb Reben, Johannisbeeren, Pfirsichen zc. häufig vorkommendes Jnsect sei die Schild laus. Diese zu bekämpfen, sei nicht schwer- man entferne die alte Rinde im Herbst ober Frühjahr, ba bie LauS barunter ihre Schlupfwinkel habe, doch solle man die Rinde nicht unter dem Baum liegen lassen, sondern verbrennen. — Von größeren Thieren, welche dem Gartenbau schädlich sind, bezeichnet Herr Reichelt den Engerling, ber besonberS ben Erdbeeren nachgehe. Gegen diesen Feind empfehle sich der Schutz der Raben unb Maulwürfe, sonst sei, besonberS auf dem Felde, eine Bekämpfung deS Engerlings durch Menschenhand nicht möglich. Dem Obstbau schädliche Jnsecten sind ferner der Frost, nachtspanner, der Apfelwickler und der Apfel- blüthenstecher. ES empfehle sich, die im Herbste gegen den Frostnachtspanner angelegten Klebgürtel auf der Innenseite zu untersuchen, man werde sehen, daß sich unter dem Gürtel viele schädliche Jnsecten befinden, weil der Klebgürtel ihnen willkommenen Schutz vor der Witterung biete. Auch gegen diese Schädlinge empfehle sich das Abschuppen der Bäume. Schmetterlinge, Gespinnstmotten seien ebenfalls Pflanzenschädlinge und deren Vertilgung zu empfehlen. An diesen Vortrag schloß sich eine kurze Besprechung, in welcher besonders die Ansichten über den Nutzen ber Raben auseinander- gingen, dagegen schien man darin einig zu fein, daß der Maulwurf und der Dach- ungerechter Weise als Feinde des Landwirths betrachtet und verfolgt würden. — Auf besonderen Wunsch auS der Mitte der Versammlung verbreitete sich Herr Reichelt noch eingehend über die Obstverwerthung. Trotzdem alljährlich riesige Summen für Obst inS Ausland gingen, klagten in guten Obstjahren die Landwlrthe darüber, daß sie für ihr Obst nichts bekämen - auch in diesem Jahre würden wieder große Summen ins Ausland gehen, trotz der guten Ernte. Dies käme daher, weil man nicht allenthalben eine rationelle Obstverwerthung kenne. Württemberg brauche allein 46®/0 deS in Deutschland verwertheten ObsteS, eS werde aber in diesem Jahre seinen Bedarf auS Oesterreich beziehen, weil der Bezug von dort sich infolge der niederen Frachtsätze viel billiger gestalte, als aus Oberhessen. ES sei sonach in diesem Jahre schwer, mit Oesterreich auf dem Obstmarkte auch in Norddeutschland zu concurrieren, reell z. B. Böhmen auf dem billigen Wasserwege (ber Elbe) seinen Obstreichthum nach Norbbeutschlanb abschiebe. Wollten wir in Oberhessen concurrieren, so müßten wir billige Frachtsätze -n erreichen suchen. DaS Obst re erbe auch durch die Sorglosigkeit, mit der eS behandelt werde, entreenhet. In erster Linie empfehle sich die Derwerthung des ObsteS zur Weinbereitung, hier liege ber Segen in ber Selbstverwerthung. Man trinke in Oberheffen theuereö Bier unb heueren Schnaps, kaufe auch ben Apfelwein theuerer, ohne zu bebenfen, daß man sich das letztbezeichnete Getränk billiger selbst bereiten könne. Ebenso gehe eS unS mit Dörrobst - man kaufe im Frühjahr gedörrte Apfelschnitzen unb Zwetschen zu hohen Preisen beim Kaufmann, nachbem man bie Früchte im Herbste vorher habe verderben lassen. Obstpressen und Obstoörren seien fast unbekannte Dinge geworden. Hier sollten bie Gemeinden eingreifen : und dafür sorgen, daß in jeder Gemeinde eine Obstpresse,
eine Mahlmuhle und eine Obstdarre vorhanden seien, daS dafür ausgrwandte Capital trage reichlich Zinsen. — Auch an diese Mittheilungen schloß sich eine Besprechung, im Verlauf deren Herr Dr. v. Peter besonder- da- Dörren bei Obste» empfahl und darauf aufmerkam machte, daß in dem letzten Therl de» ObftbaucurseS an der Landwinhschastlichen Schule zu Friedberg auch die Lbstverwenhung behandelt, sowie eine Obstdarre in Betrieb gesetzt werde. Der Antrag aus Verbilligung der Eisenbahnfrachten werde vom Oderhessischen Obstbauverein wiederholt gestellt werden. Denn die Neubauten für die LandwirthschaftSschale fertig gestellt feien, werde man auch der Absicht, ObftverwerthungScurse für dieHauS- freuen einzurichten, näher treten; diese Mittheilung sand allgemeinen Beifall. Herr KreiSamtmann Dr. ® all au schloß hieraus mit dem Ausdruck deS Danke» für da- an den Verhandlungen seitens der Erschienenen genommene Interesse die Versammlung.
• • Manöver. Da- Großh. Leibgarde-Regiment Nr. 115 trifft nächsten Freitag in mehreren Sxtrazügen hier ein. Stab und RegimentSmufik bleiben hier, während da» Regiment felbft in den Orten Dorf-Gill, Garbenteich, Grüningen, Haufen, Leihgestern, Lich, Steinbach, Watzenborn und Steinberg Quartiere bezieht. An den Hebungen ber 49. Infanterie- Brigabe nehmen zwei fchwebsschc Offiziere theil. Die zu berfclben Brigade commanbirten Marburger Jäger beziehen compagnieweise Quartiere in Albach, Annerob, Burkhardsfelben und Oppenrod.
• • Reichskanzler Graf v. titprini, über dessen Befinden sich vielfach widersprechende Nachrichten verbreitet wurden, befindet sich in beste» Wohlsein. Der Reichskanzler wird einem Theil der Truppenübungen bei Trier beiwohnen, auch bei ber Anwesenheit befl Kaisers in Coblenz zugegen sein. Er reist bereits morgen früh von Berlin ab, trifft mit dem Schnellzug 5 Uhr 52 Min. Nachmittag- über Cassel hier in Gießen ein unb fährt um 6 Uhr 2 Min. nach Coblenz weiter. — Auch Se. Majestät ber Kaiser wird wahrscheinlich auf ber Reise nach Coblenz die hiesige Station passiren. Der Kaiser reift mit Gefolge, wie un» privatim auS Berlin mitgetheilt wirb, morgen Abend mittelst SonderzugS von Berlin ab, so daß er am Freitag morgen hier eintreffen dürfte. Die Weiterreise erfolgt sofort nach vorgenommenem Maschinenwechsel. Ein Theil deS kaiserlichen Marstalle» wird ebenfalls mittelst SonderzugS nach Coblenz befördert. Da» Tafelgeschirr ging bereit- dieser Tage dahin ab.
* • In der gestrigen Echoffengerichtlfitznng wurde gegen einen jüdischen Bettler auS Riga verhandelt. Derselbe wurde beschuldigt, hier in Gießen zu seinen Glaubensgenossen gegangen zu sein, nur, wie er angab, um diesen GotteSsegen zu wünschen, wie der Herr AmtSanwalt aber behauptet, um zu betteln. Der Angeklagte leugnete, doch wurde demselben nachgewiesen, daß er unzählige Mal wegen diese- Vergehen» vorbestrast, ferner wegen Hausfriedensbruch und Diebstahl eine Strafe hinter sich hat und zu jener Sorte silbischer Schnorrer gehört, welche eine wahre Vanbplage für unsere jübischen Mitbürger in ganz Deutschland geworben sinb. Der Angeklagte erhielt vier Wochen Gesängniß mit ber Heber- Weisung an bie Lanbe-Polizeibehörbe nach Verbüßung seiner Strafe.
* * Wie uns mitgetheilt wirb, sind bie Verbannungen zur Erwerbung bet Quellen zu Queckborn dehnfl Zufahrt»» zu unserer Quellwasserleitung gestern zum Abschluß gelangt. Die näheren Details wollen wir vorerst nicht mittheilen, bis bie Angelegenheit ber Stabtverorbneten Versammlung vorgelegen hat.
• • Im Hinblick auf bie bebrohliche Ausbreitung der Cholera in den Niederlanden und auf die von dorther bereit» eingetretenen Verschleppungen der Seuche in das Reichsgebiet hat der Reichskanzler Veranlassung genommen, für die preußische und hessische Strecke des Rheinstroms und die mit derselben in Verbindung stehenden Wasserstraßen eine gleiche gesund- heitSpolizeiliche Heberwachung des Schifffahrt» Verkehrs, wie sie im vorigen Jahre stattgefunden hat, votr Reichswegen einzurichten und hat zu diesem Behuse den Königlich Preußischen Landrath Gcscher zum ReichScommissar für die bezeichneten Stromstrecken mit dem Sitz in Coblenz bestellt.
• • Bor den Haufireru mit Leiueuwaareu ihre Kunden zu warnen, empfiehlt der „Confectionär" den Detail - Geschäften in kleinen Städten: ES ist nämlich, wie ba» Blatt schreibt, ein neuer Schwindel aufgetaucht. Seit einiger Zeit werden mit Quecksilber - Appretur versehene Handtücher, Tischtücher und Servietten von hausirenden Händlern zum Kauf geboten. Durch die Appretur wird bewirkt, daß die an unb für sich auS geringem Material leicht gewebten Stosse eine größer^ auf Täuschung berechnete Schwere unb ein viel reinen# glänzendes Aussehen als die wirklich reelle Maare annehmen. Um zum Kauf zu reizen, bieten die Nepper ein allerdings nur ganz geringes Quantum reeller Maare zu einem Spottpreise an, um alsdann mit Leichtigkeit die Schwindelwaare zu verkaufen. — Wer Bedarf hat, kaufe in Geschäften am Platze, er kauft vortheilhafter und giebt fein Geld nicht für Schundwaare an Auswärtige au».
Bildet, 28. August. In einem Wirth»hause zu Harheim hatte eine Gesellschaft von zwanzig Burschen in Gegen- wart eine» dortigen Lehrer» ba» bekannte Volkslied „DaS arme Dorfschulmeisterlein- gelungen. Der Lehrer fühlte sich durch daS Lied in seiner StandeSehre gekränkt und stellte gegen sämmtliche Sänger beim Amtsgericht in Vilbel Klageantrag. In seiner letzten Sitzung hat da» Schöffengericht alle Angeklagten zu je 15 Mk. Geldstrafe unb in bie Kosten bei Verfahren» verurtheilt.
Val dem Cbeuealb Der Nestor ber hessischen Juristen, Lanbrichter unb Bezirklstrafgericht» - Director L P. Herr Karl Strauß, starb am 20. I. Mt». im nahezu vollendeten- 87. Lebensjahre zu Michelstabt. Am 2. September 1806 würbe er in Erbach, wo fein Vater Gräflicher Kammer- birector war, geboren. Im Jahre 1831 würbe er Assessor


