gelehrten Naturforscher verschiedener Meinung gewesen, wenn auch die Mehrzahl der letzteren, ebenso wie viele Bienenzüchter, unter anderen auch der Altmeister Dzierzon, der Ansicht huldigen, Honigthau sei nichts anders als die Ausscheidungen der Blattläuse. Unter den gewichtigen Stimmen dagegen, die für die Ansicht eintreten, der Honigthau trete bei geeigneter Witterung direct aus den Pflanzenblättern her- vor, befand sich diejenige v. Berlepschs und zwar auf Grund zahlreicher Beobachtungen und wissenschaftlicher Gutachten (vergl. S. 124 u. ff. seines Werkes). Gegenwärtig dürfte wohl die Mehrzahl der Bienenzüchter geneigt sein, der letzteren Ansicht beizutreten, wie aus den zahlreichen, theilweise auch in der »Zeitschrift" registrirten Preßstimmen der letzten Zeit erhellt.
Auch ich schloß mich auf Grund meiner Beobachtungen seit Jahren diesen an, obwohl es mir bislang nicht genügen wollte, mich durch einen unumstößlichen Beweis zu überzeugen. Heute bin ich jedoch in der glücklichen Lage, diesen Beweis erbringen zu können.
Schon oft hatte ich Blattlaushonig (wenn mau die betreffende Schmiere so nennen darf) aus Laubhölzern in Menge beobachtet, aber noch nie gefunden, daß er den Bienen wirklich etwas nützte. Sie trugen ihn eben nicht ein und wenn auch die Dorflinde in den Morgenstunden förmlich davon triefte. Wirklichen Honigthau in Menge zu beobachten und als solchen festzustellen, war mir indeß noch nicht gelungen, besonders nicht auf Nadelhölzern.
Auch in diesem Jahre von etwa Mitte Mai an sind die Blätter der Eichen, Weißbuchen rc. von BlattlauS-AuSspritz- ungen auf der oberen Seite förmlich überzogen. Aber Honig ist das nicht, denn die Bienen nehmen keine Notiz davon. Oft nahm ich Blätter mit, auf denen dicke flüssige Tropfen standen, herrührend von einer in der Nähe befindlichen Blatt- lauscolonie. Aber so oft ich auch dieses Zeug den Bienen vor die Fluglöcher legte, sie verschmähten es jedesmal, ja wichen förmlich davor zurück, und wenn wohl einmal vereinzelte Bienchen sich an Laubhölzern zeigten, so machten sie sich meist auf der unteren Seite der Blätter zu schaffen, wo doch wenigstens der Blattlaushonig nicht zu finden ist. Der Geschmack des letzteren ist schwach süßlich, wie mit Salz ver- mischt und hat mit dem des Honigs wenig Aehnlichkeit.
Ein Spaziergang am Morgen des 4. Juni d. I. brachte mich endlich auf die rechte Spur. Ein Nadelholzwäldchen durchwandernd und mit ganz anderen Gedanken beschäftigt, hörte ich in den Aesten einiger Fichten (Rothtannen) gewaltig summen und bemerkte auch bald zahlreiche Bienen, wie sie an- und abflogen und auf den Zweigen umherliefen. Aha, dachte ich, da haben wir ja wohl den berühmten Tannenhonig, der im vorigen Jahre unseren süddeutschen Jmkerbrüdern die Honigtonnen bis zum Ueberlaufen füllte. Und so war eS. An den Nadeln und Zweigen hingen crystallhelle Tröpfchen und Tropfen in Menge, die die Bienen emfig aufsogen. Merkwürdig und ganz anders wie beim Blattlaushonig erschien es mir sofort, daß die Tropfen alle eine runde, blasenförmige Gestalt hatten. Die Nadeln waren wie mit Perlen besetzt, die theilweise die Dicke und Gestalt einer Erbse erreichten. Sie schmeckten sehr süß, wie Rohrzucker, und viel feiner als sogen. Blattlaushonig.
Ich schloß sofort, daß Honigtropfen in dieser kugelrunden Form und in dieser Größe nicht wohl von Blattläusen angespritzt worden sein könnten, zumal ich, wo ein dickerer Tropfen stand, keine Spur des Zusammenlaufens mehrerer entdecken konnte. Vielmehr konnten solche Honigperlen, die wie förmliche Bläschen vereinzelt und ohne Zwischenspuren an den Nadeln hingen, nur aus diesen hervorgetreten sein. Aber den strikten Beweis dafür hatte ich noch immer nicht, zumal Blattläuse (Tannenläuse) allerdings auch vorhanden waren. — Zu Hause angekommen, bemerkte ich, daß die Bienen fieberhaft thätig waren, wie kaum zuvor und tüchtig Honig von ziemlich heller Farbe in die Waben goffen. Auch beleckten sie den mitgebrachten perlenbesetzten Fichtenzweig sehr eifrig, bis kein Tröpfchen mehr daran zu sehen war. Am zweiten Tage darauf wusch ein tüchtiger, lang ersehnter Regen die Honigperlen weg und die Bienen bewiesen fast eine Woche hindurch durch matten Flug, daß diese Mahlzeit einstweilen ein Ende hatte, trotzdem die Blattläuse noch immer da waren. Sonntag den 11. Juni dagegen, einem sehr kühlen Tage, dem einige heiße vorausgegangen waren, zeigten die Bienen durch ihren Flug trotz der kaum 13 Gr. R., daß wieder etwas loS sein mußte. In Gesellschaft eines benachbarten Collegen und dessen Frau, die ich ohnehin eine Sttecke zurückbegleiten wollte, wurde die Suche vorgenommen und zwar mit bestem Erfolg. In einer Anpflanzung ganz junger Fichten perlte es nur so, daß eS eine Lust war. Zwar hatten die Bienen der eingetretenen Kühle wegen bereits den Flug einstellen müssen, allein wir schmeckten lämmtlich, daß eS süßer Nektar war- nur die Tropfen, welche an den jungen Tannen- zäpfchen hingen, schmeckten unangenehm stark nach Harz oder Tannin. Die mitgenommenen Zweige wurden wieder von den Bienen gierig beleckt.
Nun wurde ein von den Bienen völlig reingeleckter Zweig von sämmtlichen daran sitzenden Blattläusen befreit, wobei die scharfen Augen meiner Kinder mithalfen und ich nochmals mit der Loupe Nachschau hielt, so daß sicher keine LauS daran geblieben ist. Dann wurde der Zweig aus der Abendkühle ins warme Zimmer gebracht und ans Fenster gestellt. Und siehe da wir sahen die Honigperlen am Zweige vor unseren Augen entstehen. ES dauerte kaum eine halbe Stunde, da waren die Tröpfchen, gleich Bläschen an den Nadeln hängend, wahrscheinlich durch den Temperaturwechsel und die feuchtwarme Zimmerluft hervorgerufen, fast wieder so zahl- reich wte vorher. BiS zum nächsten Morgen hatten sie sich noch vergrößert und vermehrt und wurden wieder als ächter Honigthau von den Bienen verspeist. An den folgenden Tagen machte ick den versuch noch öfter und meist mit gleichem Erfolg. Ich harte einzelne honigschwitzende Nadeln durch Abschneiden der Spitze gezeichnet und bemerkte, daß die Tröpfchen häufig an derselben Stelle wieder hervortreten, aber immer
an der unteren Seite der Nadeln oder an der Spitze und dem Rande. Vielleicht findet sich der wirkliche Honigthau der Laubhölzer auch an der unteren Seite der Blätter.
Ob die Blattläuse durch Anstechen der Blatter indirekt mitwirken, ist eine noch offene Frage,- aber dafür, daß der ächte Honigthau von den Pflanzen selbst auSgeschicden wird und nicht von den Blattläusen, habe ich den Beweis ad oculoe. Mögen ihn recht viele gegebenen Falles eontroltren. — Nach Niederschrift des Vorstehenden sah ich heute Morgen (14. Ium- zahlreiche Bienen auch die Blätter der Eichen und anderer Laubhölzer umschwärmen. Meine Untersuchung verschiedener Blätter ergab, daß richtig an einzelnen Honigperlen an der unteren Seite und am Rande saßen, meist in der Nahe des Blattstieles. Characteristisch ist auch hier die Blüschenform, die besonders unter der Loupe deutlich hervortritt, während die Blattlausausscheidungen, wohl häufig vermischt mir herabgeträufeltem wirklichen Honigthau, breit auf der oberen Seite der Blätter liegen. Da der Honigthau bann entsteht, wenn bei trockener Witterung auf heiße Tage kühle Nächte folgen, noch mehr, wenn die Witterung plötzlich, ohne Regen, abkühlt, so scheint die Ursache die zu sein, daß der im Pflanzensaft vorhandene Zuckerstoff wegen Stockung deS WachSthumS nicht vollständig in Stärkemehl und andere Zellensubstanz umgewandelt werden kann und daher auf diese Weise ausgeschieden wird.
So ist auch in Zeiten der Noth, wenn die blühenden Pflanzen verwelken, den zur Befruchtung derselben so nütz- lichen und unentbehrlichen Bienen rc. oft reichlich der Tisch gedeckt.
„Alles muß ineinander greisen,
Eins durch das Andre gedeih'n und reisen." (Zeitschrift f. Bienenzucht von A. Alberti.)
Cocalcs rrri- provinzieller.
Gießen. 28. August 1893.
• • Herr Proviuzialdirector Freiherr v. Sagern ist von seiner UrlaubSreise zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Provinzialdirection und des KreiSamts wieder übernommen.
* * Ernennungen. Ernannt wurden: am 16. August l. I. der Heizer bei den Oberhesfischen Eisenbahnen Georg G e r n a n b zum Lokomotivführer, unb ber Hilfsheizer Karl Wei big aus Gießen zum Heizer bei diesen Bahnen, — beide mir Wirkung vom 1. September l. I. an.
• • Perfoualveränderungen in der Militär - Berwaltnng. Morgen, Kasernen - Jnsp. in Gießen, nach Schöneberg, Schulz, Kasernen-Jnsp. in Schöneberg, nach Gießen versetzt, Weise, Proviantamts-Rendant in Butzbach, aus Anlaß seines Uebertritts in den Ruhestand der Charakter als Proviantmeister verliehen.
* * Durchreise. Gestern Nachmittag mit Schnellzug 56 reisten S. K. H. der Großfürst Alexis Michaelowitsch von Rußland von Berlin über Kassel nach Frankfurt a. M. Ankunft hier 5,52, Abfahrt 5,57 Nachmittags.
• * Für die Schwurgerichtsverhandlungen des III. Quartals, welche am Montag den 25. September d. I. ihren Anfang nehmen sollen, sind zu Vorsitzenden bestimmt: 1) bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg in Darmstadt Herr Oberlandesgerichtsrath Förchs 2) bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen in Gießen Herr Landgerichtsrath Kull- mann II., 3) bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen in Mainz Herr Landgerichtsrath Obenauer.
* * Nach einer Bekanntmachung in Nr. 190 des „Gießener Anzeigers" soll die Löwensteiu'sche Hofraithe in der Schloßgasse am 29. l. MtS. zur öffentlichen Versteigerung gelangen. Die Räumlichkeiten in dem zu der genannten Hofraithe gehörigen Nebenhause, welches nur von geringen Leuten bewohnt wird, befinden sich indeß in solchem Zustande, daß höchstwahrscheinlich deren weitere Benutzung als Wohn- und Schlafräume nach den gesundheitS- und sonstigen polizeilichen am 1. April 1894 in Kraft tretenden Vorschriften ausgeschlossen werden muß.
* * Allarm. Heute früh 4 Uhr wurde die hiesige Garnison allarmirt. Nachdem das Regiment auf dem Trieb gestellt war, marschirte dasselbe zum RegimentS-Excercieren in der Richtung nach Steinberg ab. Die Rückkehr in die Stadt erfolgte gegen y210 Uhr.
* * Haussuchung. Bei einer vorgestern in einer am Schiffenbergerwcg gelegenen Wohnung vorgenommenen polizeilichen Durchsuchung fand man unter Anderem einige einer hiesigen Brauerei gehörige Bierfäßchen, sowie eine größere Anzahl Patent Bierflaschen vor. Die Bierfäßchen, tion welchen die betreffende Firma sauber abgehobelt, dienten als Bohnen- säßchen.
* * Vergiftung. Am Freitag voriger Woche fanden Kinder aus Hausen auf einer Ruhebank in der Nähe des FarstgartenS eine Anzahl Aepfel, von welchen sie genossen. Fünf der Kinder sollen bereits erkrankt sein. Man vermuthet Vergiftung der Aepfel.
• * Schlägerei. Gestern Abend, nach Schluß der Tanz- musik auf dem Chausseehaus, fand auf der Sttaße eine solenne Keilerei statt, wobei diesmal das zugeklappte Messer eine Rolle spielte.
• • Metallarbeiterversammluug. Die gestern Vormittag im Gafe Leib stattgehabte Versammlung der Metallarbeiter war wider Erwarten von nur 47 Personen besucht.
* * Vom Sorger'schen Thierpark. vor einiger Zeit besuchte ein reicher ungarischer Magnat, um einen Rundblick über unsere alte Stadt Gießen zu haben, die „Schöne Aussicht^. Diese Wirtschaft wird in diesem Jahre al- Aussichtspunkt von den hier in den Hotels am Bahnbof Station machenden Touristen in den Vormittagsstunden sehr stark fnquentirt. Der Ungar freute sich besonders über die bort vorhandene Collection Thiere und nachdem er sich gar weidlich mit Speise und Trank gelabt, versprach er dem ihn persönlich
bedienenden Besitzer Sorg er, wenn er in die Heiwath zurückkomme, zur Bereicherung seines Thierparks eine Sendung zu machen. Der Wirth Sorger hatte da» versprechen nicht ernst genommen. Doch der ungarische Graf Hane die „Schöne Aussicht" nicht vergeffeu. vor 14 Tagen erhielt deren Besitzer Sorger zwei wundervolle Exemplare ungarischer Störche, welche nunmehr in dessen Thierpark untergebracht sind. Meister Langbein wird besonders von der Kinderschaar als Bringer des Brüderchens oder des kleinen Schwesterchen» bewundert und auch der Erwachsene sinder beim Anschauen der Thiere sein Vergnügen, wenn dieselben ganze Stunden auf einem Beine zstehend gar ernst unb gravitätisch d,e Besucher bes Etablissements anblicken.
Aus Lberhesien. 24. August. Anläßlich ber alljährlich mieberkehrenden Klagen über ben sogenannten Dachlschaden an Kartoffeln veröffentlicht Herr Forstmeister Reuß im „Wett. Bote" einen längeren Artikel, worin er auf Grund sorgfältiger unb langjähriger Beobachtungen feststellt, daß ber Dachs, der selbst keine Kartoffeln, dagegen mit Borliebe Engerlinge frißt, niemals, auch nicht durch Zufall, eine Kartoffel ausscharrt, an der nicht ein Engerling sitzt. Der Dachs erweise sich somit lediglich als ein Wohlihüter der Landwirthe, denn ein Engerling frißt, wie wiffenschasrllch fest, steht, im letzten Stadium seiner Entwickelung täglich mehr als fein eigenes Gewicht beträgt. Der Nutzen, den der Dach» durch Vertilgung ber Engerlinge bringt, ist nach Ansicht deS Herrn Forstmeisters Reuß, wie er durch Zahlen nachzuweifen sucht, weit bettüchtlicher als der angebliche Schaden durch Herausscharren der Kartoffeln, welche doch verloren wären. Schließlich theilt der Herr Forstmeister folgendes drastische Beispiel aus feiner Praxis mit: vor drei Jahren war genannter Herr in der Lage, eine DachSschadenklage zu beur- theilen. Der betreffende Landwirth hatte Klage geführt, daß er zwei Säcke Kartoffeln, von Dächfen auSgescharrt, aufgelefen habe. Herr R. versprach demselben unbesehen 1 Mk. für jede Kartoffel, die nicht angefressen fei. Dieselben wurde» in der Scheuer auSgeleen, sorgfältig untersucht, und eS sand sich keine einzige nicht angefreffene Kartoffel. Diese Thatsachen dürften doch durchschlagend fein. E» erscheint als ein unberechtigtes verlangen, Wildschaden für von Dächfen auSgescharrte Kartoffeln zu fordern. Wenn diese mit dem Engerling nicht auSgescharrt worden wären, hätte jeder Engerling noch 1 bis 2 Kartoffeln dazu gefressen. Besser eine angefreffene Kartoffel, als eine auSgefreffene Schale. ES erscheint hiernach auch unrichtig, die Schonzeit dieses nützlichen ThiereS, des Dachses, abzukürzen oder ganz aufzuheben und kann nur auf die Uukenntniß deS großen Nutzen», den ber Dachs durch Vertilgen der Engerlinge der Lanbwirthfchaft gewährt, zurückgeführt werden.
0. Aus der mittleren Wetterau. 27. August, vor einiger Zeit wurde in dieser Zeitung darauf hingewiesen, daß eß in diesem Sommer schon in der zweiten Augustdekade reife Trauben nördlich der Mainlinie gegeben hat. Gate andere Erscheinung zeigt sich aber noch weiter an ben Traubenstöcken, welche nicht minber interessant ist, nämlich: eine zweite Weinblüthe. Diese erscheint an ganz roilbem Holze, den s. g. Geizen sehr häufig dieses Jahr und beweist die große Fruchtbarkeit und die weit vorgeschrittene Ausbildung des Tragholze» gegen gewöhnliche Jahre. Da die Reise deS Fruchtholzes die erste und unerläßliche Bedingung für die nächste Weinernte und diese Reife bi» jetzt — Ende August — weit vorgeschritten ist, darf auf einen guten Ertrag pro 1894 gerechnet werden. Gut auSgezeitigteS Rebholz erträgt die Winterkälte viel besser als schlecht außgerciftefl Holz.
Darmstadt, 26. August. Von unserer Gendarmerie wurden gestern auf dem Griesheimer Lager vier schulpflichtige Knaben von hier dingfest gemacht und mitgenommen, welche schon einige Zeit dem Elternhaufe und der Schule aufl dem Wege gehen. Drei andere Jungen gleicher Güte konnten noch nicht ergriffen weiten Die hoffnungsvollen Bürschchen hatten u. A. an der Turnsesthalle auf dem Exerzierplatz eine große Zahl Fensterscheiben zertrümmert, im Innern der Halle Guirlanden in Brand gesetzt und sich alsdann in die nahen Wälder geflüchtet.
A Mainz, 27. August. Mit Rücksicht auf die am Niederrhein vorgekommenen Cholerafälle ist Seiten» der hiesigen Sanitätsbehörden wieder eine strenge SchiffScontrolle angeordnet und muß sich feit gestern da» Personal aller vom unteren Rheine kommenden Schiffe genau wie im vorigen Jahre einer ärztlichen Untersuchung unterordnen. Die hiesigen Aerzte haben zu diesem Zwecke wieder einen regelmäßigen Dienst eingerichtet, wie Überhaupt bereit» alle Schritte gethan, um bei dem Näherrücken de» unheimlichen Gaste» nach jeder Richtung gewappnet zu fein. — Im Hinblick auf die beabsichtigte Neubesteuerung de» Weine» ist von angesehenen Weinproducenten und Weinhandlungen der diesseitigen Provinz angeregt worden, nächster Zeit eine Interessenten- Versammlung aus dem ganzen Großherzogthum hierher zu berufen. ES soll diese Versammlung, bei welcher man auf die Betheiligung der hessischen Handelskammern große» Gewicht legt, bezwecken, schon vor dem Zusammentritt der geplanten Dorconferenz von Vertretern der bei der Steuervorlage interessirten Staaten Protest gegen die Neubelastung zu erheben und zwar soll der Protest in einer Form abgefaßt werden, daß sämmtliche Interessenten Deutschland» sich demselben anschließen können, unbeschadet ob e» sich nur um eine Besteuerung der feinen Deine, ober eine allgemeine Besteuerung de» Weine» handelt. Vorbesprechungen haben schon stattgehabt.
Rierfleiu. 25. August. Gestern Abend gegen 10 Uhr verließ Philipp Seif von hier die Wirthschaft zur „Eisenbahn" mit dem Bemerken, sich noch haben zu wollen. Oberhalb der Heugasse entkleidet sich derselbe, ging in ben Rhein unb ertrank. Heute früh würbe bie Leiche be»felben nahe am Ufer au» dem Rhein gezogen. Seif, ber einen Stelzfuß hatte, war 48 Jahre alt, verheirathet, bereit» 25 Jahre in


