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26.3.1893 Zweites Blatt
 
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Nr. 73. Zweites Blatt. Sonntag deu 26 März 1893

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Durch die Post bq»f« 2 Mark 60

Netadien, tpebHUe trab Druckerei:

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61.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.

! Hratisöeikage: Gießener Aamitienökätter.

rlnrtlicher Theil.

Bekanntmachung, da» Erfatzgefchüft pro 1893 betreffend. Die Musterung und Loosziehung der Militärpflichtigen des Kreises Gießen für das Jabr 1893 findet an den nach. benannten Tagen statt und zwar/

I. Zu Sich im Rathhaussaale.

Dienstag den 4. April, Vormittags von 9 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Albach, Allendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eber­stadt, Ettingshausen, Garbentcich und Großen-Linden;

Mittwoch den 5. April, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Grüningen, Hausen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Langd, Lang-Göns und Langsdorf;

Donnerstag den 6. April, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Leihgestern, Lich, Muschenheim, Münster, Nieder-Bessingen, Nonnenroth, Obbornhofen, Ober- Bessingen, Ober-Hörgern und Rabertshausen;

Freitag den 7. April, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Rodheim, RöthgeS, Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen und Watzenborn mit Steinberg.

Samstag den 8. April, Vormittags von 9 Uhr an:

Loosziehung

II. Zu Gießen in dem Schulhause in der Schulstraße.

Montag den 10. April, Vormittags von 8 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen-Buseck und Klein-Linden;

Dienstag den 11. April, Vormittag von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen der beiden ältesten Jahrgänge (1891 und 1892);

Mittwoch den 12. April, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1893) der Stadt Gießen und derjenigen der Gemeinden Hattenrod und Heuchelheim­

Donnerstag den 13. April, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reis­kirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d.Lda., Trohe und Wieseck;

Freitag den 14. April, Vormittags von 8 Uhr an:

Loosziehung.

III. Zu Grünberg im Gasthaus zum Rappen.

Samstag den 15. April, Vormittags von 8 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Belters­hain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach, Lauter und Lindenstruth;

Montag den 17. April, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshausen, Saasen, Stangen­rod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain.

Dienstag den 18. April, Vormittags von 8 Uhr an:

Loo-ziehung

Besondere Bestimmungen.

1) Zur Musterung haben sich, bei Meldung der gesetz­lichen Strafen, zu stellen:

Diejenigen, dem Großherzogthum Heffen oder einem andern Staate des deutschen Reiches angehörigen Militär­pflichtigen, welche

a) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil ihre Heimath oder ihren ständigen Wohn- fitz haben und sich nicht in einem andern Theile des Großherzogthums Heffen oder einem andern Staate in einer her nachstehend unter b) ange­gebenen Eigenschaften aufhalten;

b) in einer Gemeinde des Kreises Gießen sich als Dienst­boten, Haus- oder Wirthschaftsbeamte, Handlungs. diener und Lehrlinge, Handwerksgesellen und Lehr­burschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, oder die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstalt in einer Gemeinde des Kreises Gießen besuchen;

c) in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder während ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren sind, und weder im Großherzogthum Heffen,

noch in einem andern deutschen Staate Domicil be­sitzen oder sich aufhalten;

und im Jahre 1873 geboren find;

ferner

Sämmtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1891 bezw. 1892 zur ückgestellt worden, oder nach ihrer gezogenen Num­mer disponibel geblieben, d. h. nicht ein­berufen worden sind.

Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder Be­rechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst ertheilt worden ist.

2) Diejenigen Militärpflichtigen, welche zum zweiten- oder drittenmale erscheinen, haben ihre Loosungsscheine mitzubringen.

3) Wenn von einem Militärpflichttgen, oder für einen solchen von seinem Vater, oder seiner Mutter Zurück« stellung in Anspruch genommen wird, so für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforder­lichen Nachweise und Zeugniffe vor dem zur Musterung an- beraumten Termine zu sorgen. Die Zeugniffe müffen amt­lich ausgestellt oder beglaubigt sein.

Wenn die Zurückstellung auf die Arbeitsunfähig­keit eines Familienangehörigen gegründet wird, so hat der betreffende Familienangehörige sich selbst persönlich im Termin vor der Ersatz-Commission ein­zufinden.

Noch nicht eingereichte Aurücksteüuugsanfprüche sind bei der Großherzoglichen Bürgermeisterei vorzubringen und die Verhandlungen baldigst unter allen Um­ständen vor Beginn de» Ersatzgefchüfte» an die Ersatz-Commission einzusenden. Verspätete Gesuche haben keinen Anspruch auf Berücksichtigung.

4) Wenn ein Militärpflichtiger an Gebrechen leidet, die äußerlich nicht wahrnehmbar sind, z. B. Taubheit, Hart­hörigkeit, Kurzsichtigkeit, Geistesschwäche u. s. w., so ist dies durch amtlich ausgestellte oder beglaubigte Zeugniffe des Arztes, sowie des Bürgermeisters, Geistlichen, Lehrers u. s. w. nachzuweisen. Da» Vorhandensein von Gpilepste ist durch die eidliche Erklärung von mindesten» drei glaubwürdigen Zeugen zu erhärten.

5) An der Loosziehung persönlich Theil zu nehmen, steht jedem Militärpflichtigen frei; für Diejenigen, welche bej

Feuilleton.

Sine Rcisrbkksnntschaft.

Novelle von Fred. Vincent.

(2. Fortsetzung.)

Verzeihen Sie, Fräulein," fuhr er fort,daß ich Sie da mit Dingen langweile, die Sie gewiß nicht interessiren- doch Sie sind durch Ihre Frage eigentlich selbst schuld daran. Ach, da sind wir am Ziel, an dem meinen wenigstens. Und nun eine Bitte. Wir haben ein paar heitere Stunden zu- sammen verlebt und wenn wir uns auch vielleicht im Leben nicht Wiedersehen, so werde ich doch manchmal an diese Reise zurückdenken, und ich möchte wissen, wer meine liebenswürdige Begleiterin war. Hier ist meine Karte. Darf ich um die Ihre bitten?"

Der Zug fuhr eben in die Station ein, als er ihr die Karte gab. Rasch nahm sie dieselbe entgegen und zog ein kleines Täschchen hervor, aus dem sie eine ebensolche nahm und sie ihm reichte. Ein rascher Blick darauf undAdieu, Fräulein Walter," ries er,vergessen Sie mich auch nicht ganz!"

Gewiß nicht, Herr Rößler, leben Sie wohl, und viel Glück bei Ihrem Unternehmen."

Auch ich wünsche Ihnen den besten Erfolg," sprach er noch im Aussteigen, und bald war er im Gedränge ihren Augen entschwunden.

Das lustige Lächeln von vorhin spielte wieder um die Lippen des jungen Mädchcns, das ganz allein im Coup« zurückgeblieben.

Er ist es also wirklich gewesen," flüsterte sie, indem ffe die Karte in ihren Händen drehte,Ferdinand Rößler, der Name hebt ja jeden Zweifel auf, den ich noch hätte hegen können. Es ist wirklich köstlich, und daß ich gerade die Karte von Elise Walter bei mir hatte und ihm geben konnte, das traf sich prächtig, denn hätte er erfahren, daß ich Bertha Lindner bin, so hätte aller Spaß ein Ende gehabt. Es tft zu nett!" Und sie lachte fröhlich vor sich hin.

Unter diesen Betrachtungen war auch sie an ihren vor­

läufigen Bestimmungsort angekommen, wo sie zu ihrer großen Freude ihren Bruder vorfand, den ein unvorhergesehenes Ge­schäft nach London geführt und der sie hier erwartet hatte. Er brachte sie zuerst in sein Hotel, wo ein Frühstück für sie bereitstand, und nach wenigen Stunden der Ruhe fuhren sie nach dem Euston Square Bahnhof, von wo der Zug sie in kurzer Zeit nach Exton, dem Wohnorte ihres Bruders, brachte.

O, Amalie!" rief sie nach der ersten Begrüßung ihrer Schwägerin zu,wenn Du wüßtest, mit wem ich von Vlissingen herübergefahren bin !"

Nun, darf man nicht erfahren, wer die interessante Persönlichkeit war?" fragte Herr Lindner, während seine Frau der Ankommenden Hut und Mantel abnahm.

Du nicht, liebster Bruder- Amalien will ich es nach­her unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit mittheilen."

So, so? Na, Ihr Frauenzimmer habt ja immer Ge­heimnisse miteinander, also plaudert nur zu, ich gehe noch einmal ins Comptoir, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Beim Essen sehen wir uns dann wieder. Lange werde ich ja doch nicht in Unwissenheit bleiben, denn Damen können ja bekanntlich keine Geheimnisse bewahren."

Diesmal sollte sich Herr Lindner jedoch getäuscht haben, denn eS vergingen mehrere Tage, ohne daß man ihn zum Vertrauten gemacht hätte. Oft fand er seine Frau und Bertha in eifrigem Gespräch, das bei seinem Eintritt sofort abgebrochen wurde.

Ich möchte nur wissen, was die ewige Geheimnißkrämerei bedeutet," rief er einmal fast ärgerlich.

Die Herren der Schöpfung sind nicht neugierig, lieber Otto," meinte da Bertha lachend,das ist ein ganz weiblicher Fehler, den Du uns überlassen mußt."

Eines Morgens fand er die beiden Damen bei dem Lesen eines Briefes, der sie sehr zu amüsiren schien, denn schon vor der Thür hatte er Berthas Helles Lachen gehört, und auch Frau Amalie zeigte eine sehr heitere Miene, die sie jedoch in eine ernste zu verwandeln strebte, als er eintrat.

Hier ist ein Bries von Ferdinand," sprach sie und reichte ihm das Schriststück.

Er meldet wohl seine Ankunft?"

Ja, er ist schon seit vierzehn Tagen in London und wird morgen hierherkommen."

Vierzehn Tage? Da muß er ungefähr zur selben Zeit wie Bertha herübergefahren sein- schade, daß man das nicht wußte, sonst hätten die beiden ja zusammen fahren können."

Meinst Du?" lackte Bertha.Wer weiß, ob ihm daS recht gewesen wäre- da hätte er am Ende die interessante Reisebekanntschaft nicht gemacht, von der er so viel schreibt."

Was, hat der auch eine interessante Reisebekanntschaft gemacht? Nun, dann wird Amalie wohl zu weiter nichts mehr Zeit haben, als die Vertraute zu spielen- bald wird sie mit Dir in einer Ecke flüstern, bald mit Ferdinand. Recht unterhaltende Aussichten für mich."

Wer weiß?" meinte seine Frau,vielleicht wählt er Dich zum Vertrauten. Einstweilen aber lies seinen Brief, der wird Dich über die Hauptsache schon aufklären. Du aber siehst Dich unterdessen ein wenig in der Küche um, Bertha!"

So, so," sprach Herr Lindner nach beendigter Lectüre, da scheint mir also Dein Lieblingsplan so ziemlich ins Wasser gefallen zu sein. Geschieht Dir schon recht. Warum müßt Ihr Damen Euch immer mit Heirathsprojecten tragen?"

O, ich gebe die Hoffnung noch nicht auf."

Nun, mir scheint, als ob diese Hoffnung auf sehr schwachen Füßen stände - schreibt er doch, er werde dies Fräu­lein Walter suchen bis ans Ende der Welt."

Ja, aber es ist sehr die Frage, ob er sie findet."

Selbst dann wird er sich nicht bewegen lassen, eine Andere zu nehmen."

Und ich sage Dir, Ferdinand und Bertha werden ein Paar!" rief Frau Amalie und verließ das Zimmer.

Merkwürdig," brummte ihr Gatte,selbst die vernünf­tigste Frau wird verrückt, sobald sie sich einen Heirathsplan in den Kopf gesetzt. Uebrigens begreife ich noch nicht recht, worüber die beiden eigentlich so gelacht haben."

(Schluß folgt.)

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