Ausgabe 
25.5.1893 Erstes Blatt
 
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der bisherigen Trockenheit noch solche Rieienhalme gedeihen, ist fast ein Wunder. UebrigenS belehrt ein Gang durch die Fluren, daß eS Fruchtäcker giebt, die in Bezug auf Fülle und WachSthum nichts zu wünschen übrig lassen, wogegen wieder andere Grundstücke so gut wie gar nichts hervorzu- bringen vermögen. Auch in der Gießener Gemarkung sind einige mit Korn bestellte Aecker abgemäht worden.

** PlatowS Muse»«. Auf Grund eigener Anschauung können wir das naturhistorische Museum des Herrn Platow auf dem Oswalds Garten, worüber wir schon kürzlich berichtet haben, nur auf'S Beste zum Besuche empfehlen. Bei der Reichhaltigkeit des Gebotenen ist es rein unmöglich, sich ein­gehend über das Ganze zu äußern- man komme und staune selbst! Wir wollen nur daS gestehen, daß wir noch in keiner derartigen Sammlung so schöne Präparate, so außerordentlich rein und zart behandelte Thierskelette, so prachtvolle exotische Schmetterlinge und Käfer angetroffen haben. Diese allein schon sind, abgesehen von allen anderen Raritäten, eines Be­suches würdig.

* Zusammenstellung der bis zum 1. April 1893 ein­gegangenen Beiträge für das Landesdenkmal für weiland Ludwig IV. von Hessen. Aus den Kreisen Darmstadt 29,508 Mk. 27 Pf., Bensheim 2531 Mk., Dieburg 2304 Mk. 75 Pf., Erbach 700 Mk., Groß-Gerau 2663 Mk. 83 Pf., Heppenheim 1643 Mk. 61 Pf., Offen­bach --, Gießen 7054 Mk. 25 Pf., AlSfeld 2733 Mk.

91 Pf., Büdingen, Friedberg, Lauterbach 1603 Mk., Schotten 1540 Mk., Mainz 8500 Mk., Alzey 1600 Mk., Bingen 3476 Mk. 40 Pf., Oppenheim--,

Worms, von außerhalb Hessens wohnenden Gebern 377 Mk. 50 Pf. Gesammtsumme 66,236 Mk. 52 Pf.

** Die niedere Jagd verspricht allem Anscheine nach dieses Jahr eine recht gute zu werden. Das trockene Früh­jahr ist für die Vermehrung derHasen äußerst günstig. Die ersten Junghasen sind früh gesetzt worden und fast alle hochgekommen. Ebenso haben die Hühner bei dem schönen Wetter ihr Brutgeschäft früh begonnen, und man hofft auf eine gute Hühnerjagd im Herbst.

** Zn Gebrauchsmustern fanden letzthin für im Großherzogthum Hessen wohnende Erfinder u. A. folgende Eintragungen^statt: Fingerhutartiger Feder- oder Blei­stifthalter: Karl Döring, Lehrer in Stockhausen (Post Mücke), 4. April 1893.

** Der Postzwang, d. h. das Verbok der Beförderung von Briefen zwischen Orten mit Postanstalten gegen Bezahlung auf andere Weise, als durch die Post, besteht, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, auch für die briefliche Corre- spondenz zwischen der Fabrik und dem in einem anderen Orte mit einer Postanstalt befindlichen Comptoir einer und der­selben Firma. Eine in Hamburg domicilirte Firma hat in Harburg ihre Fabrik und eS wurden zwischen der Fabrik in Harburg und dem Comptoir in Hamburg in verschlossener- Mappe durch einen Geleglnheitsboten, der nicht ausschließlich im Jntereffe der Correspondenz zwischen Fabrik und Comptoir hin- und herfuhr, theilS schriftliche Mittheilungen auf losen Zetteln, theilS bei der Fabrik, bezw. dem Comptoir ein- gegangene, bereits geöffnete Briefe ausgetauscht. Die In­haber der Firma wurden wegen Verletzung deS Postregals verurtheilt und die Revision derselben wurde vom Reichs­gericht verworfen.

+ Hungen, 20. Mai. Ein heute Nachmittag in nord­östlicher Richtung über unsere Stadt ziehendes Gewitter brachte unseren Fluren einen lang ersehnten, ergiebigen Regen. Freilich ist derselbe nicht hinreichend, dem herrschenden Futter­mangel, wie auch dem mangelhaften Stand der Feld- und Gartengewächse abzuhelfen, doch sind hoffentlich die Pflanzen, dadurch erquickt, vor dem Verdörren eine Zeitlang geschützt.

O Södel, 21. Mai. Während des Gottesdienstes starb dahier der hiesige Kirchendiener. Derselbe war bei der Orgel mit Balkentreten beschäftigt, als er sich plötzlich unwohl fühlte, und kaum durch einen anderen Mann abgelöst, sank er lobt hin. Der Gottesdienst wurde durch dieses jähe Er- eigniß unterbrochen und beendigt.

Hörgenau, 23. Mai. Für das am 4. Juni hier statt­findende fünfte Sang er fest desVogelsberger Sänger­bundes" ist solgendes Programm festgestellt: Vormittags von ^/zlO Uhr ab: Empfang der auswärttgen Bundesvereine, Vgll Uhr. Bundesversammlung, V,12 Uhr: Probe der Ge- sammtchörc, von 12 Uhr an: Festessen, um l/2 Uhr: Auf­stellung an dem Turnplatz, Zug durch die Straßen des OrtS nach dem Heiligenwalde, dann Festconcert, Abends: Bankett und Tanzvergnügen.

N. Nidda, 22. Mai. Es scheint, daß unsere Gegend in diesem Frühjahre besonders stark von der Diphtheritis heimgesucht wird, denn was von Echzell und Bingenheim vor Kurzem in Ihrer Zeitung berichtet wurde, trifft in ver­stärkterem Maße für unser Städtchen zu. Wir haben in diesem Frühjahre wohl dreißig Kinder an der mörderischen Seuche verloren, welche in jüngster Zeit nicht allein kleine Kinder, sondern auch ältere vom 7. bis 14. Lebensalter er- preist und schnell wegrafft. Wiederholt sind Fälle vorge­kommen, daß gesunde, starke SHnber binnen dreimal vterund- zwauzig Stunden verloren waren, nachdem man vorher gar keine Ahnung hatte, daß eine Erkrankung nur vorhanden sein könnte. Wir sind überzeugt, daß viele Eltern zu sorglos in Bezug aus Verhütung und Vorsicht der Epidemie gegenüber handeln, denn alle Fälle zeigen, daß sie durch Ansteckung, die vielleicht verhütet hätte werden können, herbeigesührt wurden. Wir machen hier auf ein einfaches und billiges Verhütungs mittel aufmerksam: auf das Gurgeln mit Salzwaffer, zwei- biS dreimal des Tags. Daö Salzwaffer reinigt die Mund­höhle und stärkt die Organe derselben, wodurch sie wider standSfähiger gegen bic Seuche werden. Auch das Ein schlürfen von Salzwaer in die Nase ist sehr zu empfehlen. Nicht bloß Kinder, auch Erwachsene sollten daö höchst einfache und billige Mittel stets anwenden. Ist die Seuche aber

wirklich bei einer Person ausgetreten, dann hole man unver­züglich den Arzt, weil daS Salzwaffer nur Verhütung-- und Schutzmittel ist. Von Seiten aller einsichtigen Personen aber sollte erwartet werden, daß sie die Unverständigen aus die Gefahren der Verschleppung der Seuche aufmerksam machen und zur Vorsicht mahnen. Welche Mühe gibt man sich oft, um Viehseuchen, Maikäfer, Mäuse, obstverderbende Raupen und andere Uebel zu bekämpfen, wie viel wichttger ist eS aber, Menschenleben bedrohende Seuchen hintan zu halten. Die Herren Geistlichen, Lehrer und Ortsvorstände mögen eS als besonders schöne Pflicht ansehen, Unkenntniß und Trägheit in obiger Beziehung zu bekämpfen.

E. Echzell, 23. Mai. Heute Nachmittag von 3 Uhr an fand im Saale des Herrn Schultheiß die erste Reichs­tagswahlversammlung der nationalliberalen Partei statt. DerCandidat der letzteren, Herr Meinert-KonradS- dorf, war erschienen. Er entwickelte sein Programm mit entschiedenem Geschick, verbreitete sich über die Militärvorlage, die sociale Gesetzgebung, die Börsen-, Branntwein- und Bier­steuer, die gedrückte Lage der Landwirthe, sowie über eine Anzahl weiterer Punkte und sand am Schluffe seiner Rede lebhaften Beifall. Ihm trat der Vertreter der anttfemitischen Volkspartei, Redacteur desReichsherold", Herr G. aus Marburg, entgegen und suchte die Ausführungen deS Herrn Meinen zu entkräften. Herr G. wies darauf hin, daß die antisemitische Partei diejenige sei, welche daS eigentliche Volks- intereffe am richtigsten vertrete. DerBund der Landwirthe" sei von Berlin und den norddeutschen Großgrundbesitzern er­schaffen und bei uns eingeführt worden, und waS von dort herkäme, habe für uns geringen Werth. Dieser Ansicht trat Herr Rechtsanwalt Dr. Fuhr auS Gießen mit großem Ge­schick entgegen, indem er nachwieS, daß die Candidaten der antisemitischen Volkspartei auS Frankfurt, Marburg, Dresden u. a. O. stammten und von der Landwirthfchaft und den Verhältniffen der Landwirthe herzlich wenig verständen, sich aber trotzdem als die Retter und Beglücker dieser Bürger gerirteu. Reden und Gegenreden folgten aufeinander volle drei Stunden lang. Herr Meinert und der Candidat der Antisemiten, Herr Köhler-Bettenhausen, betheiligten sich daran, aber es fehlt der Raum, um näher darauf einzugehen. Herr Lehrer Hof leitete die Versammlukig, welche wohl vier­hundert Köpfe stark war, mit Umsicht und Geschick und brachte schließlich ein dreifaches Hoch auf Kaiser und Großherzog auS. Die Versammlung stimmte begeistert ein und fang darnach dieWacht am Rhein". Auch die Hochs auf Herrn Meinert, sowie auf den antisemitischen Candidaten fanden ebenfalls Beifall. Heute Abend findet noch eine antisemitische Versammlung im Herzberger'schen Saale hier statt. Herr Meinert und Herr Dr. Fuhr begaben sich nach Nidda, wo auch heute Abend Herr Dr. Böckel, welcher in Stamm- beim redete, erwartet wird. Herr Meinert kann mit seinem heutigen Erfolge wohl zufrieden fein.

Friedberg, 20. Mai. Rechtsanwalt Grünewald in Gießen hat die Candidatur für den Wahlkreis Friedberg- Büdingen angenommen.

R. Reichelsheim i. d. W., 22. Mai. Da die Diphthe­ritis im Pfarrhause zu Bingenheim noch nicht erloschen ist, hat unser Herr Pfarrer Fischer am ersten Pfingstseier- tage bie Konfirmation der Kinber in Bingenheim vorgenommen. Die Confirmanben an letzterem Orte bebauem, baß sie von ihrem sehr beliebten Geistlichen, welcher die Kinder in großer Liebe und Gewiffenhasttgkeit vorbereitet und unterrichtet hat, nicht confirmirt werden konnten und Herr Pfarrer Frank bedauert es doppelt im Hinblick,auf die Konfirmanden und seine heimgesuchte Familie. Möchte recht bald wieder Ge­sundheit und damit Friede und Glück im Pfarrhause einziehen und die schwere Sorge verscheucht werden, welche jetzr dort eingekehrt ist. Am Pfingstsamstage hatten wir gegen Mittag ein Gewitter mit Regenguß, leider aber nicht genügend, denn die zwei trocken heißen Feiertage haben die Feuchtigkeit schon wieder verschlungen. Der Futtermangel sängt an manchen Orten an, in Futternoth überzugehen. Es gibt Plätze, wo die Leute dem Vieh Laub vorsetzen müssen. Andere Landwirthe mähen Korn ab und benutzen es als Viehfutter, in der Hoffnung: möchte doch vielleicht in aller Nähe feuchtes Wetter eintreten und Futter nachwachfen. Dies kann aber recht bedenklich werden, wenn eS weiter dürre bleibt, denn bann wächst kein Futter unb daS Korn ist auch fort. Unsere Molkerei finbet in bem geringeren Fettgehalte ber eingeliefcrten Milch beutlich die Trockenheit und di» mangelhaftere Ernährung des Milchviehes heraus. Wahrscheinlich werden die Landwirthe mit dem Milchpreise aufschlagen und man kann es ihnen gewiß nicht verübeln, denn wenn der Centner Heu 6 Mark kostet, muß die Milch mehr kosten, als wenn daS Heu nur 2 Mark kostet. Schlagen die Bäcker, Metzger unb anbere Geschäftsleute nicht auch auf, wenn sich bic Preise ihres Rohmaterials verboppeln ober verdreifachen?

* * Darmstadt, 20. Mai. In letzter Zeit wurden von im Großherzogthum Hessen lebenden Erfindern u. A. Pa­tente wie folgt angemeldet: Formmaschine: Eisenwerk Hirzenhain H. R. Buderus in Hirzenhain, 8. März 1893. Zweitheiliger Ofenrost zur Reinigung des FeuerS von Schlacke: Carl Buderus in Gießen, 18. Juni 1892.

Michelstadt, 22. Mai. Der hiesige Kriegerverein stellte zur Berathung auf der Delegirtenversammlung der Hassia" am 3. Juni zu Heppenheim den Antrag, die 25jährige Gedenkfeier an Gravelotte dadurch zu begehen, daß auf Kosten der Hafsiakaffe am 18. August 1895 ein Extra­zug zum Besuche der Gräber der bei Gravelotte gefallenen Angehörigen der hessischen Division veranstaltet werde.

Mainz, 23. Mai. In der Fabrik deS Vereins für chemische Industrie bei dem nahen Mombach brach gestern Abend in den Maschinenräumen Großfeuer auS. In vielen leicht brennbaren chemischen Producten fand daS Feuer reiche Rahruug und gewann alsbald ziemliche AuSdebnung. Da mehrere Stunden ein heftiger Sturm lobte, so drohte

das Feuer für den ganzen dorttgen Fabrikdistrict sehr ver- hängnißvoll zu werden, doch gelang eS schließlich gegen Mitternacht den vereinten zur Hilfe herbeigeeilten Kräften, dem verheerenden Elemente Halt zu gebieten. Der entstandene Schaden ist ein ziemlich beträchtlicher. Dte diesjährige Mainzer Regatta findet am 24. unb 25. Juni statt. Meldeschluß ist den 26. d. MtS.

Pmmfcbkf.

** Frankfurt a. M., 24. Mai. Einem umlaufenden Gerücht zufolge soll bei dem gestrigen Wäldcheß-Tage ein Wirth (angeblich auS der Neugafle) erschlagen worden sein.

* Frankfurt, 20. Mai. Auf dem Hauplbahnhof ist feit einigen Tagen ein electrischer Zugabrufer in Thättgkeil und zwar zunächst im linksseitigen Wartesaal 1. unb 2. Klaffe. Nachdem der Portier die Abfahrt auSge- rufen, steckt er einen Schlüssel in ein Schallbrett, worauf unter lautem Klingeln über dem Buffet die Abfahrt in weit­hin sichtbarer Schrift erscheint. Fährt der betreffende Zug ab, so laßt der StationSassistenl deS betefjenben Perron- durch einen Druck die Schrift im Wartesaal wieder ver­schwinden. ES ist die- die erste Anwendung dieser Neuheit in Europa.

Esten, 23. Mai. Auf Ersuchen der Hamburger Krimi« nalbehörde wurden heute Morgen auf dem hiesigen Schlacht- Hofe mehrere Viehhändler auS Anlaß de- Hamburger Billei- fchwindelS verhaftet.

* Spanbau, 23. Mai. In einem hiesigen Vergnügung-- locale, derNeuen Welt", gaben zwei Seiltänzer Vor­stellungen auf dem hohen ©eile; einer verlor daS Gleich­gewicht und stürzte fo unglücklich, daß er über das aus« gespannte Sicherheitsnetz hinaus und einem kleinen Knaben von 10 Jahren mit solcher Wucht auf den Kopf fiel, daß dieser nach zehn Minuten starb. Der Seiltänzer war nur leicht verletzt.

* Metz, 17. Mai. Vor der Strafkammer de- hiesigen Landgerichts wurde gestern ein BestechungS-Proceß ab- geurlheilt, welcher für weitere Kreise Interesse haben dürfte. Der Tuchfabrikant Richard Ruhr in Euskirchen halte vertrags­mäßig größere Lieferungen für daS Bekleidung-- amt des 16. Armeecorps; am 13. December v. I. traf die erste größere Sendung im Werthe von 15000 Mark ein. Die Prüfung unb Abnahme sollte durch den Vorstand unb Rendanten des BekleidungsamlS stattfinden. Am 11. December kam nun der Buchhalter deS Ruhr, Namens Heinrich Schmitz, zu dem Packmeister Kamenzien, fragte, ob die Tuche ange kommen seien und wann deren Abnahme statlsände. Bei dieser Gelegenheit suchte S. dem Beamten Geld in bic Hand zu drücken, und als das nicht ging, legte er 30 Mart auf den Tifch und bat K., ihn von dem Abnahmelermin in Kenntniß zu fetzen. K. schickte das Geld anderen Tage» zurück. S. ging auch zu dem Rendanten Schrader und übergab dort einen Brief seines Principal- mit doppeltem Umschlag, in dem sich mindesten- 200 Mark befanden, welche ebenfalls zurückgewiesen wurden. Bei der Abnahme wurden indessen die Tuche als gut befunden und nur eine geringe Stückzahl (10 von 130) nicht abgenommen. Schmitz erklärte diese Handlungen im Auftrage seines Chefs auSgeführt zu haben. Beide Angeklagte bestritten die Bestechung; sie wollen das Geld bloß behufs flotter und rascher Abnahme unb Be­zahlung angeboten haben. Ruhr wurde indessen wegen Be­stechung in idealem Zusammengehen mit Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1000 Mark eöent. 100 Tagen Gefängniß, Schmitz wegen Beihülfe zu 100 Mark event. 10 Tagen Ge- fängniß unter Annahme mildernder Umstände verurtheilt. Außerdem wurden die 200 Mark, welche Ruhr dem Rendanten anbot, als bem Staate verfallen erklärt.

* Paris, 20. Mai. Der Äriegßminifter erteilte bem in Verdun garnifonirenben 1. Jägerbataillon den Befehl, bei der demnächst flattfuibenben Exhumirung der bei Saint Privat gefallenen, in Saint Ail begrabenen deutschen Soldaten die militärischen Ehren zu erweisen. Bei der Zeremonie werden auch die Spitzen des 6. Armeecorps vertreten fein.

Ein verkanntes Genie machte diefer Tage dem Schöffen­gerichte München seine Auswartung. Es war ein älterer Mann mit intelligentem Gesicht, graumelirtcm Lockenhaar, tausend Furchen im Gesichte. Auf den Aufruf tritt der An­geklagte in seinem schäbigen Gewände stolz wie ein spanischer Grand vor den Richlenisch, macht eine vollendet höfischc Ver­beugung, obwohl seine defeclen Stiefeln einen quieksenden SchmerzenSlaui von sich geben, und setzt sich bann mit einem wahren Feldherrnblick in Positur, als sollte er ein Helben- gebicht vom Stapel lassen. Amtsrichter:Sie heißen Julius August Friedrich Tröltzsch, sind Schauspieler, Tapezierer und Lackirer, aus Remscheid gebürtig ?" Angeklagter:Za dienen, mein Herr!" Amtsrichter:Wo sind Sie de- heirnalhel?" Angekl.:lieberall, wo die deutsche Zunge klingt. Zuletzt ist mir die Heirnath in Straßburg zugewiesen worden." AmlSr.:Sie haben eine Unzahl von Bettel- fünfen auf Ihrer Straflifte. Fast alle deutschen Gerichte haben Sie schon abgewandell." Angekl.Mir geht ei wie dem blinden Harfner, nur daß keine Mignon für mich sammelt. Dadurch kommt, nenn ich den Nord ober Süd mein Vaterland, ich komme von der Scvlla in die Charybbys. Dcßwcgen sind meine Strafen nichts Ehrverletzendes und ick kann sagen: Ein Biedermann wird immer noch gefunden, doch zeigl mir ein treue- Weib." Aml-r.vermögen besitzen Sie keine-?" Angekl.:Arm und klein ist meine Hätte unb ein wenig Weißzeug brtn." AmtSr.:Lassen Sie biefe Sprüche. Denken Sie benn gar nicht an bie Zukunft unb Ihr verfehltes Leben ?" Angekl.:Ein guter Baum, der gute Früchte trägt, wünscht niemals feine Blüthenzeii zurück." Aml-r.:Nun habe ich- satt. Sie ermähnen und belehren zu wollen. Haben Sie Legitimation ober können Sie sich ausweisen, in der letzten Zeit gearbeitet zu haben?" Angekl.:Auch noch Geschriebenes forderst Du,