Ausgabe 
25.4.1893 Erstes Blatt
 
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Mannheim, lieberlafie man die Entscheidung über die Wobnung»- verhältatffe der Eantxtgdefcgebung und dm localen Behörden, so müffe man dafür sorgen, daß auch für die Landtage und Gemeindevertretungen da» allgemeine Stimmrecht eiogesührt werde, damit nicht die tatet-- efluten Besitzer das mtscheidmde Wort haben. Durch Reichsgeietz sei vorjuschrcibm, wie viel Raum eine Wohnung haben muß und baß überall für gesunde» Trtnkwasier zu sorgen ist.

Hamb. Senator Borchard: Wenn, wie der Vorredner sage, /* der Hamburger Bürgerschaft au» Besitzern bestehe, fo feien doch diese Besitzer keine Bauspeculantm, und gegen die Bausveculation richte sich die neue Bauordnung. Senat und Bürgerschaft Hamburg» seien einig in dem Bestreben, gesunde WohnungSverhältaisie zu schaffm.

Abg. Schrader (dfr.) begrüßt die Vorlage al» einen ersten Schritt der Rückkehr zu den Aufgaben der öffentlichen Gesundheit», pflege und de» allgemeinen Wohlergehen». Er wünsche lebhaft, daß da» Reich die Medic>nal - Reform in die Land nehme, wozu es nach der Vetsasiung berechtigt sei. An der Gesundheit eine» Lande­in Deutschland sei jede» andere deutsche Land tater eifert; unter der vorjährigen Epidemie in Hamburg habe ganz Deutschland xu leiden gehabt. An der Vorlage habe er zu tadeln, daß sie dem Reiche nicht gmügend weitgehmde Functionen einräume. Bei der Rinderpest sei dem Reiche da» Recht de» directm Einschreiten» gegeben; bei Seuchen, welche die Mmschen erfassen, sei da» nothwendiger. Er wünsche bringen!) da» Zustandekommen de» Gesetze»; et würde e» beklagen, wenn die Cholera wieder ausbtechen sollte und dem Reiche nicht die Befugnisie eingeräumt mären, die zur Bekämpfung der Seuche erforderlich seien.

StaatSiecreiär v. Bötticher vertheidigt die Einrichtung eine» Reich»gesundheit»rathS neben dem ReichSgesundheitSamt gegen Dr. Höffel und Schrader, ©eiten» de» Hamburger Senat» eien dm Anordnungen der ReichSoerwaltung bei der Choleraepidemie nicht die geringsten Schwierigkeitm gemacht woidm.

Die Vorlage wird an eine 21er Commission verwiesen.

Hierauf wird Vertagung beichlossm.

Abg. Frhr. o. Manteuffel (conf.) richtet an den Vräsidmtm die Anfrage, ob der Abg. Ahlwardt da» versprochene Material ein- gereicht habe.

Präsidmt v. Leveho w erwidert, daß ihm der Abg. Ahlwardt nach bisher ersolglosm Verhandlungen einen Antrag übergeben habe auf Einsetzung einer 21er Commission, welche zu prüfen habe, ob und inwieweit der Inhalt der von Ahlwardt übergebenen Acten dessen früheren Beschuldigungen mispricht. Die Acten habe Ahlwardt aber noch nicht überreicht; er habe da» Hau» verlassen, um sie zu Holm, sei aber noch nicht zurückgekehrt.

Auf Vorschlag des Präsidenten wird derselbe ermächtigt, .den Antrag Ahlwardt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu fetzm, vorausgesetzt daß inzwischen die Acim eingehm.

Nächste Sitzung DimStag. Abzahlungsgeschäfte, Verrath mili­tärischer Geheimnisse, eomt. Antrag Ahlwardt.

Hcucfk Nachrichten.

Wolff» telegraphische» Correspondmz-Bureau.

Rom, 23. April. Gegen 10 Uhr Vormittags begaben sich Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge nach der Capelle der deutschen Botschaft, um daselbst dem Gottesdienste beizuwohnen. DaS Wetter ist prachtvoll.

Rom, 23. April. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen um 2 Uhr 50 Min. beim Batican ein und verließen im Corte di Damaso den Wagen, wo Allerhöchft- dieselben von dem Großmeister Fürsten RuSp o li empfangen wurden. Hierselbst meldeten sich auch die vom Papste zum Ehrendienste bestimmten Majordomus Monsignore della Volpe und Gehelm-Kämmerer Graf Alborghetti und wurden durch den Gesandten v. Bülow den Majestäten vorgestellt. Im Clementino Saale wurden die Majestäten durch den Cere- monienmeister Sambuceitl und den Oberstkämmerer Azevedo empfangen. Die Adelige Leibgarde und die Schweizergarde erwiesen den Majestäten die militärischen Ehren. Der Papst ging den Majestäten bis zur Thür des Gelben Saales ent­gegen. Se. Mäjestät der Kaiser und die Kaiserin und der Papst nahmen hier in Sesseln Platz und verweilten etwa eine Viertelstunde im Gespräch. Darauf wurde das Gefolge Ihrer Majestät der Kaiserin in den Saal geführt und dem Papste vorgestellt. Nachdem sich sodann Ihre Majestät die Kaiserin nebst Gefolge zurückgezogen hatten, um die Sixtinische Capelle und andere vatikanische Sehenswürdigkeiten zu be­sichtigen, verweilte Se. Majestät der Kaiser noch etwa eine halbe Stunde mit dem Papste allein. Hierauf wurde das Gefolge Sr. Majestät in den Saal geleitet und von Sr. Majestät dem Papste vorgestellt. Se. Majestät der Kaiser verabschiedete sich sodann von dem Papste, welcher Allerhöchst- demselben bi» zur Thür des Saales das Geleit gab. Um 4 Uhr 40 Min. verließen die Kaiserlichen Majestäten nach dem gleichen Ceremoniell wie bei der Ankunft den Vatikan und begaben sich gemeinsam in einem vierspännigen preußischen Hofwagcn nach der preußischen Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhle zurück.

Depeschen de» Suretu .Herold*.

Rom, 24. April. An einer Säule des Capitols fand gestern eine Dynamitexplosion statt. Der angerichtete Schaden ist sehr bedeutend.

Paris, 24. April. DemTempS" zufolge platzte gestern vor dem Feuerwehrposten deS Capitols in Rom eine Petarde, ohne großen Schaden anzurichten.

London, 24. April. Der Correspondent derTimes" sagt, ein Prälat aus dem Gefolge deS Papstes theilte mit, es circulirc daS Gerücht, der deutsche Kaiser suche eine Ver­ständigung zwischen dem Quirin al und dem Vatikan anzubahnen, waö auch zu erreichen sei, wenn Rom dem Papste wiedergcgeben würde. Auf einer anderen Grund­lage zu verhandeln, dürfte verlorene Mühe sein.

Main;, 24. April. Die Generalversammlung der Hessischen LudwigSbahn beschloß die Bertheilung einer Dividende von 41/« pCt., genehmigte weiter sämmtliche An­träge deS VertvaltuugSrathe, wählte die auSscheidcnden Mit- glieder wieder und Commcrzieurath valkenburg WormS neu in den VerwaltungSratb.

Nom, 24. April. Bei dem gestrigen Besuche überreichte der Papst der Kaiserin ein au» den Ateliers deS Vatican» hervorgegangenes Mosaikbild der Basilika auf dem PeterS- platze. Der Kaiser schenkte dem Papste ein colorirteS photographisches Gruppenbild der kaiserlichen Familie. Der Papst, sehr erfreut, bemerkte, er werde daS Bild neben das­jenige Kaiser Wilhelms I. stellen, welches ihm nach dem Tode

deS Kaisers von der Kaiserin Augusta zugesandt worden. Der Papst geleitete den Kaiser in Abweichung vom Cere- moniel durch mehrere Säle.

London, 24. April. Eine im Victoriapark abgehaltene große Versammlung der GewerkichaftSvereinler nahm eine Resolution an, nach welcher die Hüller ausständigen Arbeiter unterstützt werden sollen. In Hulk fanden in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag wiederholt ernste Zusammenstöße Strikender mit der Polizei statt. Beiderseits gab es mehrere Verwundungen. Nachmittags wurde von den Strikenden ein großes Holzlager angezündet. Die Polizei-Beamten und Seeleute suchen dem Feuer Einhalt zu thun. Abends fanden abermals Ruhestörungen statt, wobei die Strikenden den Dampfer Wighi angriffen- sie wurden von der Polizei jedoch zurückgeschlagen.

Cocains und provinzielle».

«.eßen, 24. April 1893.

* Theater. Carl Maria von WebersFreischütz" hatte gestern ein äußerst zahlreiches Publikum in daSNeue Theater" gelockt. Und mit Recht das, haben wir doch wenige Opern, die derartig mit dem Gemüthe des Volkes verwachsen sind, deren Melodien in so hervorragender Weise den un* getheilten Beifall der Allgemeinheit gefunden haben. Deshalb ist derFreischütz" ein Stück geworden, daS zu dem eisernen Repertoir einer jeden Opernbühne gehört, und wahrlich eS hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man anfangen, von den musikalischen Schönheiten desselben zu sprechen. Die gestrige Aufführung ließ nach mancher Seite hin zu wünschen übrig. Herr Neu sch alsMax" ließ sich gesanglich' viel­leicht noch hören, wenngleich auch da die scharfe Aussprache der Zischlaute oft störend wirkte, schauspielerisch jedoch zeigte die Leistung sehr wenig Routine. DerMax" darf, wenn er auch von Aerger und Kummer bedrückt ist, doch niemals einem geknickten Rohre gleichen und sich in allerlei unmög- lichen Stellungen auf der Bühne umherwinden. Die Part- nenn des Herrn Neusch, Fräulein Kronegold, ward als Agathe" ihrer Aufgabe eher gerecht. Einzelne Partieen, wie z. B. das herrlicheLeise, leise" wurden mit Bravour durchgeführt, obwohl sich eine kleine Heiserkeit bei der Sängerin zeigte, die manchmal, besonders in der Mittellage daS Volle und Runde der Stimme missen ließ. Ganz allerliebst war daSAennchen" des Fräulein Ziemanu. Sowohl im Spiel wie Gesang gelang die Darstellung dieses ausgelassenen Backfisches vorzüglich. Auch Herr Kicker (Kaspar) verdient unser volles Lob, nur würden wir dem Herrn rathen, etwas mehr Sorgfalt auf das forte zu verwenden, indem er dabei leicht in Gefahr kommt, seine sonst recht sympathische Stimme durch ein häßliches Quetschen der Töne zu verunstalten. Tadellos war Herr Schulhofs in Gesang und Spiel als Ottokar"- obwohl seine Partie sehr klein war, so gehörte sie doch zu dem Besten des ganzen Abends. Weniger zufrieden warenwirmit Herrn Thiemann (Cuno) und Herrn Schlegel (Samiel). Ersterer zeigte in den Einsätzen oft ganz bedenk­liche Mißgriffe und Letzterer faßte seine Rolle viel zu ge- müthlich auf. Volles Lob dagegen verdient das Orchester unter Herrn Frenzels Leitung. Wenn wir in dieser Hin­sicht noch einen Wunsch äußern dürften, so zielte dieser dahin, daß die Hörner noch etwas mehr abgedämpft würden, denn bei der geringen Anzahl der sonstigen Instrumente machen diese sich oft nicht gerade zum Vortheil des Ganzen laut be­merkbar. Die Chöre waren im Allgemeinen befriedigend, nur in dem Chor der Brautjungfern störte die theilweise zu breite Aussprache der Vokale. Die Wolfschluchtscene war dafür, daß man keine Maschinen zur Verfügung hatte, ja leidlich durchgesllhrt, wenngleich wir die Existenzberechtigung des Goldregens, der vom pyrotechnischen Standpunkte aus vielleicht ganz interreffant war, hier nicht völlig begreifen.

** Die 3. Ruder Regatta der Gießener Ruder-Gesellschaft findet am 30. Juli d. I. statt. Vorgesehen sind 11 Rennen, darunter eines (Vierer) um den Ehren-(Wander) - Preis der Stadt Gießen und eines (Achter) um den Ehrenpreis Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs- der vom Deutschen Ruder-Verband gestifteteLahn-Pokal" wird im Einser ausgerudert. Melde­schluß am 1. Juli, Nennungsschluß am 15. Juli.

Militärpersonalnachrichten. Cel lariuS, Pr.-Lt. von der Inf. 1. Aufgebots des Landw.-Bezirks Arolsen, in die Categorie der Rest-Offiziere zurückversetzt und als solcher dem Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 wieder zugetheilt.

** Bei Beginn der stärkeren Reisezeit wird darauf hinge­wiesen, daß Anträge auf Bewilligung von Fahrpreis­ermäßigungen für Gesellschaftsfahrten miitdesteuS fünf Tage vor der beabsichtigten Fahrt bei der zuständigen Eisen- bahnbehörde eingegangen sein müssen, wenn auf Erledigung mit Bestimmtheit gerechnet werden soll. Zuständig ist in der Regel dasjenige Eisenbahn-BetriebS-Amt, in dessen Bezirk die Reiseantrittsstation belegen ist. Zu Pfingsten werden indessen Fahrpreisermäßigungen an Gesellschaften und Schüler in Begleitung von Lehrern nicht gewährt.

** Während bei unS zur Zeit eine hochsommerliche Temperatur herrscht, kommen aus Rußland Meldungen von starken Schneefällen. AuS Petersburg wird ge­meldet:Nach Meldungen auö KoSlow ist die Bahnver­bindung mit Tambow und Worenesch durch Schneeverwehungen unterbrochen. Unweit KoSlow blieb ein Personenzug im Schnee stecken und seine Insassen wurden mit Pferden nach KoSlow geschafft. AuS Nischnh - Nowgorod wird ebenfalls starker Schneefall und die Wiederherstellung der Schlittenbahn telegraphiert- selbst in Sebastopol auf der Krim ist Schnee gefallen." Hoffentlich bleiben wir von dieser Bescheerung verschont; aber ein tüchtiger Regen wäre dringend nothwendig. Die trockene Witterung hält nun schon seit fünf Wochen an.

Der Getreidemarkt. Der Getreidemarkt stand in der abgelaufenen Berichtswoche ersichtlich unter dem Einflüsse der ungünstigen inländischen Saatenstandsberichte, die flau

lautenden amerikanischen Getreideberichte vermochten diese» Einfluß so gut rote gar nicht zu paralysiren. Die Tendenz war demnach im Allgemeinen eine ziemlich feste, welche Stimmung namentlich im Roggen- und «eizengeschäft durch anziehende Preise zum Ausdruck gelangte- auch die Umsätze waren Anfang- recht lebhafte, später gestalteten sie sich aller­dings etwa» schwächer. Hafer dagegen war meisten» ver­nachlässigt, er verkehrte zu sinkenden Preisen und bei schwachen Umsätzen. An der Berliner Productenbörse notirren: Weizen per 1000 K logramm von 150158 Mk , Roggen von 128134 Mk, Hafer von 144159 Mk., Gerste von 115175 Mk.

Die Heften im Kriege 187071. Da»Militär- Wochenblatt" enthält in einem zu Gunsten der Militärvorlage geschriebenen Artikel Mittheilungen über die Verluste im Kriege von 1870/71, wie diese in solcher Vollständigkeit noch niemals in die Orffentlichkeit gekommen sind. Wir ent­nehmen d esem Artikel folgende Hauptzahlen: E- fielen auf dem Schlachtfelde und starben an ihren Wunden auf deutscher Seile 1881 Offiziere und 26,397 Mann - verwundet wurden 4239 Offiziere und 84,304 Mann. vermißt wurden 127 Offiziere und 12,257 Mann. Der Geiammrverlust be­trägt also 6247 Offiziere und 123,453 Mann. Unter den Vermißten müssen die sogenanntenNoch Vermißten", d. h. diejenigen, über deren Schicksal bi» zum Jahre 1882 keinerlei bestimmte Nachricht eingegangen war, zu den lobten gerechnet werden- ihre Zahl belief sich auf rund 4000. Unter Zu­rechnung dieser, sowie der 17,105 Köpfe, welche die Armee während de» Kriege- an Krankheiten verloren hat, sind rund 49,400 Deutsche für das Vaterland gestorben. Die Franzosen dagegen verloren rund 2900 Offiziere und 136,000 Manu durch den Tod, wovon 17,663 in deutschen Lazarethen starben. Berechnet man den Antheil der durch feindliche Gewalt Ge- töbteten in ben einzelnen Truppengattungen, so ergiebt sich, daß die Infanterie ganz unverhältnißmäßig mehr zu leiden hatte, al» die andern Waffengattungen. Es fielen von der Infanterie, wenn man die Durchschnitts­stärke zu Grunde legt, 4,47 pCt., von der Cavallerie 1,40 pCt., von der Artillerie 1,28 PCt. und von den Pio­nieren 0,37 pCt. Sondert man die einzelnen Kontingente von einander, so ergiebt sich, daß die Hessen für die Herstellung der Einigung de» Deutschen Reiche» daS meiste Blut bezahlt haben, e» fielen von ihnen 5,97 pCt., von den Bayern 5,58 pCt., von ben Sachsen 5,40 PCt., von ben Preußen 4,85 pCt., von ben Badensern 3,76 pCt- unb von ben Württembergern 3,51 pCt. Eine sehr große Anzahl beutscher Soldaten mußte nach bem Kriege als invalibe erklärt werben. Bi» Ende 1884 wurden

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69,895 Unteroffiziere und Mannschaften im mobilen deutschen Heere von 1870/71 als krieg-invalide anerkannt. Es sind dies 6,28 pCt. aller überhaupt mobil gewordenen deutschen Soldaten.

** Maikäfer. Die kürzlich ausgesprochene Voraussicht auf einen starken Maikäfers lug in diesem Jahre scheint ich zu bestätigen. Trotzdem die Waldbäume noch sehr wenig Laub zeigen und namentlich da- junge Eichenlaub, die Lied- lingöspeise der braunen Schädlinge, noch völlig in den Blatt- knospen verborgen ist, konnte man an den beiden letzten warmen Abenden schon sehr zahlreiche Maikäfer besonder- in den Wäldern bemerken, wie sie in ihrer bekannten Unbeholfenheit ummend und brummend die Luft durchzogen, um al-balb läppernd gegen die Bäume anzusl regen unb auf beut Erbboben m rasselnden Laub sich wiederzufinden. Nach kurzem Auf­enthalte aber treibt den braunen Burschen der LiebeSdrang wieder in die Höhe, bis er nach völligem Eintritt der Dunkel- heit sich an einem Blatte zur Ruhe nieberiäßt. Die meiste Freude an den Maikäfern hat die Jugend, welche eine ganze Anzahl verschiedener Abarten unterschetdet je nach Größe, Farbe, Behaarung :c. Selbst als Speise findet der Maikäfer, be­sonders Kops und Dorberleib, eine Anzahl Liebhaber, welche behaupten, daß diese Theile Nußgeschmack hätten. Kein Freund deS gefräßigen braunen Burschen ist bagegen ber Vanbmann unb ber Forstmann. Beide hassen ihn, Oa er sowohl im Larvenzuftande als Engerling, wie auch als Safer ihren Pfleglingen bedeutenden Schaden zufügt. Das beste Mittel, feinen Schädigungen entgegenzuarbeiten, ist Sammeln ber Käfer durch Abschütteln ber Bäume in ber Morgenfrühe, sie geben ein ausgezeichnete- Futter für Schweine unb Hühner. In vielen Gegenben, namentlich wo Rübenbau betrieben wirb, werden von ben Communen Prämien auf ba- Einsammeln unb vernichten ber Schüblinge au-gefetzt, was befonber» durch bie Kinber mit Vorliebe besorgt wirb.

f Tonbringen, 21. April, vor einiger Zeit geneth bem hiesigen Schafhirt beim Hüten ein Schaf in die Vumba. ber Schäfer bemühte sich vergeblich, biese» an- Trockene zu bringen unb konnte zuletzt nur noch dem armen Thtere ben Kopf mit ber Schäferschtppe über Wasser halten. Da kam ein Schornsteinfeger hinzu, ber auf be» braven Schäfer» ver­gebliches Bemühen aufmerksam geworben- ohne Säumen ver­suchte er zuerst mit ber Leiter bem Schäfer behilflich zu sein, al» bieS nicht ging, sprang er in» tiefe kalte Wasser und brachte ba» werthvolle Thier an» Lanb.

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Lübeck, 22. April. Ein heute au» bem Gesängniß entlassener Glasergeselle kam heute Nachmittag wegen einer Unterstützung zu bem Gesängnißgeistlichen Pastor Becker unb gab aus denselben fünf R e v o lv e r s ch Ü sf e ab. Der Pastor ist schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Der Attentäter ist verhaftet.

Ans Bayern, 21.-ipril. In vil»hof en in Nieder- bayern erweckt ber Tob eines braven jungen Mädchen» allgemeine» Mitgefühl. Die 19)ährige Fischer-tochter Kres­zenz Gerhatinger hatte vorige- Jahr in der Pfingstwoche einen Spenglergehilfen vom Tode be» Ertrinken» in ber BilS mit eigener Lebensgefahr gerettet, aber babei fo viel Aufregung

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Derselbe hat i'.wt Geschwi Schmuck ju unb Kathan Schmuck zu i 27. Mr; 1881 v> .-fterbenen « Wübd beerbt.

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