Ausgabe 
25.3.1893 Erstes Blatt
 
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ausgeliefert wurden, sind außer Verfolgung gesetzt und frei« gelassen.

Moskau, 23. März. Das Stadthaupt Alexejew ist heute Morgen halb vier Uhr seinen Verletzungen erlegen. Der Generalgouverneur von Moskau, Großfürst SergiuS, welcher sich seit einiger Zeit in Petersburg aufhielt, hat sich gestern von dort hierher zurückbegeben.

Deveschen bei Bureau .Herold*.

Berlin, 23. März. Die conserva tive Partei be­absichtigt, sich neu zu organisiren und ernannte eine Com­mission, welche sich mit der Dorberathung dazu beschäftigen soll. Mitglieder der Commission sind v. Manteuffel, v. Lirn- burg-Stirum und Mehnert.

Berlin, 23. März. Heute sand im CultuSministerium unter dem Vorsitz des DireciorS der Medicinalabtheilung, Bartsch, eine Conferenz von Vertretern der betheiltgten Ministerien statt, welche über die Maßregeln, falls die Cholera wieder auSbreche, berieth und die Grundsätze über die zur Abwehr der Seuche erforderlichen Kosten vereinbarte.

Spandau, 23. März. Ahlwardt hat gestern Abend Hierselbst in einer Versammlung des antisemitischen Verein- gesprochen, welche sehr zahlreich, meistens von Beamten der königlichen Behörden und Arbeitern aus den Milltärwerkstätten, besucht war. Er betonte, er halte alle im Reichstage vor- gebrachten Anklagen aufrecht und werde den aelenmäßigen Beweis liefern. Nach Schluß der Rede AhlwardtS wurde ihm vom Hauptmann a. D. Herter ein Lorbeerkranz aufs Haupt gesetzt.

Görlitz, 24. März. Gestern Nachmittag sand eine zahl­reich besuchte Protest Versammlung freisinniger Land- wirthe gegen denBund der Landwirthe" statt. Der Reichstagsabgeordnete Wisser sprach unter ungeheurem Bei­fall, eine von ihm vorgeschlagene Nesolut'on wurde einstimmig angenommen.

Paris, 23. März. DerGauloiS" veröffentlicht einen Bries ReinachS, worin dieser sich beklagt, daß LessepS ihm gewisse Summen nicht auSzahle. Reinach droht mit einem Prozeß, welcher einen ungeheuren Seandal nach sich ziehen würde, da er sich nicht ruiniren ließe. Die Erklärungen Bourgeois' auf die Interpellation Millevoye werden mit Spannung erwartet. Zehn Depulirte nehmen an der Dis- eussion theil. DasJournal des Debats" und andere Zeitungen halten die Lage des Cabinets der Interpellation gegenüber für sehr schwierig. DerFigaro" sieht den Sturz de- CabinetS voraus.

Saint Dio, 23. März. Große Vorbereitungen wurden zum Empfange der Leiche JnleS Ferrys getroffen. Die Stationsgebäude sind schwarz ausgeschlagen. Eine Tribüne ist an der Grust errichtet, wo Ferry neben seinem Vater und seiner Mutter beigesetzt wird.

Stockholm, 23. März. In hiesiger Umgegend sind in letzlec Zeit 234 Erkrankungen an Influenza vorgekommen.

Localer und provinzieller.

Gießen, 24. März 1893.

Herr Professor Dr. Carl Bogt ist von Genf zu kurzem Aufenthalt in Frankfurt a. M. eingetroffen.

* * Verfügung über die Bahnhofsuhren. DerReichs- onzeiger" schreibt: Aus der zum 1. April d. I. bevor« stehenden Einführung der mitteleuropäischen Zeit als gesetzlicher Zeit in Deutschland erwächst den Eisenbahnen die Ausgabe, dem richtigen Gange der Stationsuhren eine erhöhte Fürsorge um so mehr zuzuwenden, als zahlreiche Ortschaften gewohnt und darauf angewiesen sind, ihre öffentlichen Uhren nach den Eisenbahn Stationsuhren zu stellen. Bisher ist es vielfach üblich gewesen, daß nur die auf der Bahnseite angebrachten Stationsuhren die richtige Zeit angeben, dagegen die Uhren aus der Zugangsseite der Stationen im vermeintlichen Interesse des Publikums einige Minuten vorgehen zu lassen. Die Ortsbehörden wiederum haben nicht selten aus übertriebener Vorsicht ihre Uhren noch einige Minuten vorgestellt, sodaß Unterschiede von zehn und mehr Minuten zwischen der richtig gehenden inneren Bahnuhr und den Uhren in den Ortschaften bestanden haben. Nach Inkrafttreten deS neuen Gesetzes, daS Uebereinstimmung in den Angaben der öffentlichen Uhren im ganzen Reiche verlangt, sind derartige Abweichungen von der gesetzlichen Zeit nicht zulässig. Im westlichen Reichsgebiet muß künftig ein Vorgehen der öffentlichen Uhren auch deshalb sorgfältig vermieden werden, weil die mitteleuropäische Zeit schon ohnedies je weiter nach Westen desto mehr gegen die soge­nannte mittlere Sonnenzeit voraus ist, und dieser Unter­schied durch ein Vorgehen der Uhren noch vergrößert werden würde. DaS ReichSeisenbahnamt hat deshalb die Eisenbahn- Verwaltung darauf hingewiesen, daß fortan ein Unterschied in den Zeitangaben der Uhren auf der Zugangsseite der Stationen und der Uhren auf der Bahnseite nicht mehr be­stehen darf, daß vielmehr alle StationSnhren überein­stimmend und genau nach der gesetzlichen Zeit gerichtet werden müssen«

* * Herbstübungen. ES verlautet, daß die diesjährigen Herbstübungen der Großh. Division in der Umgebung von Gießen abgehalten werden, und daS hiesige Regiment während der Dauer der Uebungen in Gießen verbleibt.

* * Die Spitzbuben werben mit jedem Tage frecher. So sind in der vorletzten Nacht in der Südanlage ver- schiedene Dachkau del rohre abgerissen und ent­wendet worden. Außerdem wurde in den Keller eines Schutzmanns eingebrochen und aus demselben einige Flaschen Wein rc. entwendet.

* * vlnmenpflege in Arbeiterfamilien. Nach dem Vor­gänge deS Garten bauvereins in Darmftadt, sowie der Bereinigung von Blumeitfreunden in einer Anzahl anderer J Städte des Reiche- hat der Erfurter Verein der Blumen« , freunde und Kunstgärtner im Frühjahr vorigen Jahres an \ Kinder der Volksschule hauptsächlich also an Arbeiter- 5

kinder 1200 Blumenstöcke leihweise überlassen, um so den kleinen Leuten eine Anregung zur gärtnenfeben Ausschmückung ihrer Wohnungen zu geben. Bei der Rücknahme dieser Blumenstöcke im Herbst konnten an 90 pCr. der Kinder zur Belohnung für besonders gute Pflege derselben kleinere Prämien Bücher, Spielsachen u. s. w. vertheilt werden. Da der eingeschlagene Weg augenscheinlich großen Anklang gesunden hat und bereit- beginnt, gute Früchte zu tragen, insofern als die Freude an ter Blumenpflege sich in Arbeitetkreisen merklich zu heben beginnt, hat der Verein kürzlich wieder ein größere Anzahl solcher Blumenstöcke den Kindern zur Pflege übergeben.

ß Handwerkerschnle. Wir machen auch hier noch beson­ders aufmerksam auf die im Schulhause Afterweg 25 sich befindende Ausstellung der im verflossenen Wintersemester von den Bau- und Handwerkerschülern gefertigten Zeichnungen und schriftlichen Arbeiten. Mancher Vater wird durch den Besuch dieser ^Ausstellung vielleicht eine Richtschnur für die Zukunft seine- Sohnes finden.

Se. Konigl. Hoheit der Großherzog trafen gestern Nach« mittag 6 Uhr mit dem Münchener Schnellzuge in Stuttgart ein, von dem Könige, den Prinzen, dem Ministerpräsidenten, der Generalität mit militärischen Ehren empfangen. Der König geleitete den Großherzog nach dem Residenzschloß- er wurde lebhaft vom Publikum begrüßt. Im Schlosse war Begrüßung durch die Königin und die Prinzessinnen. Abend- ist Festvorstellung im Hoftheater.

Militärdienstnachrichten. Prinz Friedrich Karl von Hessen Hoheit, See.-Lt. ä la suite des 1. Garde- Drag.-Regts. Königin von Großbritannien und Irland, mit der Berechtigung zum Tragen seiner bisherigen Uniform, zu den Offizieren L la suite der Armee versetzt- v. Biege- leben von der Reserve des 1. Großherzoglich Hessischen Dragoner-Regiments (Garde-Dragoner Regiments) Nr. 23, v. Schwertzcll von der Res. des 2. Großh. Hess. Drag.- RegtS. (Leib Drag.-Regts.) Nr. 24, Windecker von der Cav. 1. Aufgebots des Landw.-Bezirks Gießen, Michel von der Cav. 1. Aufgebots des Landw.-Bezirks Mainz zu Pr.-LtS. befördert. Klump, See.-Lt. von der Inf. 2. Auf­gebots deS Landw.-Bczirks I. Darmstadt, Ufinger, Sec.- Lieut. von der Feld-Art. 1. Aufgebots des Landw.-BezirkS Mainz der Abschied bewilligt. Die Unteroffiziere Frhr. Haller v. Haller st ein vom 2. Großh. Hess. Drag. Rgt. (Leib-Drag.-Regt.) Nr. 24, v. Voigts-Rhetz vom Großh. Hess. Feld Art.'Regt. Nr. 25 (Großh. Art.-Corps), zu Port.-Fähnrichs befördert.

Bund der Landwirthe. Dem Vernehmen nach ist es in der am 16. ds. Mts. in Berlin stattgehabten Ausschußsitzung desBundes der Landwirthe" gelungen, die Interessen der süddeutschen Landwirthschaft in solcher Form zu wahren, daß nunmehr jeder süddeutsche Landwirth vertrauensvoll dem Bund der Landwirthe" beitreten kann. Der Mitgliedsbeitrag ist auf 5 Pfennige pro Morgen, aber nicht unter Mk. 1. und nicht über Mk. 100. festgesetzt. Die für Samstag den 25. März d. I., Nachmittags 3 Uhr in der Stadthalle zu Mainz stattfindende Versammlung wird, nach den bereits ausgegebenen Eintrittskarten zu urteilen, außerordentlich stark besucht werden, da an derselben jeder Landwirth theilnehmen kann.

Bei dem schönen Wetter, das nunmehr gekommen ist und die Natur auS dem Winterschlafe erwachen läßt, gibt es auch Bekümmerniß. An den Bäumen lockt die Sonne nicht nur das frische Grün, sondern auch an denselben nistende Raupen heraus. ES ist darum die höchste Zeit, daß Garten­besitzer mit aller Energie gegen die Raupenplage vorgehen. Hauptsache ist, alles alte, an den Bäumen hängende und auch umherliegende Laub, wie auch abgeschnittenes Holz zu sammeln und zu verbrennen, weil diese die meisten Raupennester be­herbergen. Wird jetzt nichts gethan, so wird die in diesem Jahre zu erwartende Obsternte schon im Keime durch das überhandnehmende Ungeziefer vernichtet.

Ostereier zu färben. DaS Färbemittel bringe man mit Wasser aufs Feuer, lasse eS etwa 5 Minuten kochen, lege alsdann die Eier hinein und nehme sie nach 58 Minuten aus der kochenden Brühe wieder heraus. Man färbt grün mit einer Handvoll frischer Roggensaat oder frischer Spinat- blätter, gelb mit Zwiebelschalen und Safran, strohgelb mit Mandelschalen, citroncngclb mit Brennnesselwurzeln, rotb mit Pernambukwurzeln, violett mit den getrockneten Blumenblättern der schwarzen Malve, blau mit Blauholzspänen und braun mit Krapp. Legt man Blätter von Petersilie, Schafgarbe oder dergleichen auf das Ei, bindet sie mittel- Leinwand­lappen fest und kocht sie in der Pernambukholzflüssigkeit, so erhält man bunte Eier mit weißen Blättern. Schneidet man Figuren aus Zwiebelschalen und bindet diese auf die Eier, so bekommt man rothe Eier mit gelben Figuren. Zarte- Rosa bis Purpurroth erhält man aus mehr oder weniger gepulverter Cochenille. Marmorirt färbt man mit gezupften ©eiben» flöckcheit, welche am Ei feftgebunben unb in Wasser gekocht werben. Blau färbt man mit Lackmus, wozu ein Körnchen Soba gefügt werden kann. Auf so gefärbten Eiern lassen sich mit verdünntem Essig rothe Zeichnungen anbringen.

Dolmetscherdienst. Da- Auswärtige Amt hat dem Seminar für orientalische Sprachen eine Notiz, betreffend die Dolmetscherlaufbahn, mitgetheilt, welche die für die Einberufung von Referendaren zum Dolmetscherdienst an den kaiserlichen Gesandschaften und Consulaten maßgebenden Grundsätze wie folgt barlegt:Für ben Eintritt in die Carriöre als Dolmetscher Eleve gilt zunächst al- Bcbingung, baß ber Bewerber außer grünblicher allgemeiner Bilbung eine ausreichende Kenntniß der französischen unb englischen Sprache nachweist, sowie baß er bie Fähigkeit besitzt, in frembe Jbiome sich leicht unb schnell hineinzuleben. Die Bewerber aber müssen nicht bloß Befähigung für Sprach- ftubien, sonbem auch Brauchbarkeit für ben praktischen Dienst besitzen. ES gilt beShalb für ben Dienst der Dolmetscher-

Eleven die Regel, junge Juristen einzuftellen, welche wen gftenS daS erste Examen btftanbm haben. Außerdem wirb verlangt, baß ber Bewerber feiner Jndioualnät nach geeignet erscheint, inSbesonbere eine kräftige Körperconstituno» besitzt, welche eine Gewähr dafür bietet, daß er bie Be­schwerben be- Klimas ohne Nachtheil zu ertragen vermag - auch wird vorausgesetzt, baß er seine Militärbienstpflicht er- füllt hat. Fall- ber Bewerber allen biefen Vorbedingungen genügt unb dienstlich ein Bedürsniß vorhanden ist, erfolgt die Annahme für den Dienst al- Dolmetscher-Eleve unter ber Bebingung, baß er sich verpflichtet, von dem Zeitpunkte ber Dollenbung seiner AuSbtlbung ab dem Reiche mmbcf::n6 zehn Jahre zu bienen, ober aber, wenn er innerhalb bitter Zeit auf seinen Antrag an- dem Dienste ausscheidet, bie auf seine Entsendung unb AuSbilbung verwendeten Kosten zurück- zuerstatten. UebrigenS erwächst keinem Bewerber durch die Zulassung als Dolmetscher-Eleve ein Anspruch auf definitive Anstellung im Reichsdienste. Nachdem das Seminar für Orientalische Sprachen in Berlin eröffnet worben ist, sollen künfttghin Aspiranten für ben Dolmetscherdienst des Aul- roärtigen Amts, welche die am Seminar einzuführende Prüfung bestanden haben und im Uebrigen den vorstehenden Bedingungen und Anforderungen entsprechen, bei eintretenben Vacanzen oder anderen Aspiranten vorzugsweise berücksichtigt werden."

+ Lich, 23. März. Gestern unb heute fanb bie Ent­lass ungSprüfung an Großh. Präparanden-Anstalt bahier burch bie Herren ©eminarbirector Schäfer au- Friebberg unb schulrathBüchner auS Gießen statt, ©ämmtlichen Abiturienten, 24 an ber Zahl, wurde bie Reife zum Eintritt in da- Schul­lehrer Seminar zuerkannt.

** Butzbach, 23. März. Vom herrlichsten Frühling-- wettet begünstigt, konnte man ben heute hier abgebaltenen Diehmar kt zu einem ber besten hier abgebalteren Märkte zählen. Faselochsen und Rindvieh, sowie Schweine waren sehr zahlreich aufgetrieben unb war der Absatz besonder- bei den beiden ersten Gattungen em flotter zu nennen. Daß auch die Qualität dieser beiden Biehgattungen eine gute war, konnten wir bei der stattgehabten Prämiirang constatiren. Die Bewohner der Umgegend waren in ©chaaren heute Hierher geströmt unb bachte vielleicht mancher, sich gleich seinen Gewinn bei ber auch gleichzeitig stattfinbenden öerloofung mitzunehmen, boch war diese- Glück sehr Wenigen beschieben.

§ Ober Ohmen, 23. März. Ein Mutterschaf de- hiesigen ©chasbesitzer- Philippi brachte gestern ein ganz sonderbares Junge zur Welt. Dasselbe hatte sieben Beine, zwei Schwänze und einen Kopf. Offenbar stellte das Geschöpf zwei in einander gewachsene Lämmer bar, bei denen ber Kopf des einen, wie ersichtlich, in die ©eite des anderen gewachsen war. Noch kurz nach der Geburt lebte da- Geschöpf, daS der hiesige Schäfer heute nach Grünberg dem stellvertretenden Veterinärarzt von Gießen überbrachte.

D Vom Sogeilberg, 23. März. Der Frühling hat vorgestern nicht nur seinen kalendarischen' sondern auch seinen wirklichen Einzug gehalten, obgleich sein Rock noch ciSbezavft war Die Temperatur ist mit dem Gestrigen ganz erheblich gestiegen und eS ist wirklich warm geworden. Ueberall knospets unb keimt-. Die ersten Veilchen blühen unb Schneeglöckchen läuten ben Frühling ein. Au- bem Walbe schallt ber reizenbe Frühlingsgesang der Drossel. Neues Leben regt sich überall. Die Überaus strenge Macht deS Winters scheint nach dem letzten Gefecht feiner Nachhut mit den jungen Truppen des Lenze- endlich gebrochen zu fein. Nur oben im Gebirge liegen noch ansehnliche Schnee» reste von den haushoch ausgeschippten Schneernassen an den Hohlwegen unb Schluchten, Trümmer von ber zu­sammengebrochenen Macht be- gewaltigen Winter- 1893.

A Mainz, 23. März. In ben hiesigen Actienbrauereien, berMainzer Actienbrauerei", derRheinischen Brauerei", berMcyer'schen Actienbrauerei" unb terActienbrauerei Schöfterhos-DreikönigShos" haben heute Mittag die Bierbrauer unb theilweise auch die Hülföarbeiter die Arbeit nieder­gelegt. Mitte Februar hatten die demVerband der deutschen Brauer" angehörenden hiesigen Bierbrauer, 113 an der Zahl, den Brauereibesitzern eine Reihe von Forderungen unterbreitet, welche neben Lohnerhöhung auf eine Aeitderung der Arbeits­zeit, sowie auf eine anderweitige Regelung ber Kost- unb Logisverhältniffe abzielten. Die Actienbrauereien haben diese Forderungen rundweg abgeschlagen, worauf in einer gestern Abend abgehaltenen Versammlung ber Gehülsen bat Ult'matum gestellt würbe, wenn um 12 Uhr heute Mittag bie festgesetzten Forberungen nicht bewilligt, gemeinschaftlich bie Arbeit niederzulegen. W e vorauSzufehen war, blieben die Brauereien auf ihrer ablehnenden Stellung unb fo er­folgte denn heute Mittag ber angedrohte Schritt der Ge- Hülsen, denen sich die HüisSarbeiter theilweise anschlossen. Die wenigen hier noch bestehenden Privatbrauereien dürften von der Bewegung unberührt bleiben, indem deren gering- zähligeS Arbeitspersonal zum größten Theil nicht bem Brauerbunb angehört und in den Privatbrauereien im Allge­meinen wesentlich andere Berhältmsse bestehen, al- in ben hiesigen Actienbrauereien.

Bingen, 22. März. Am Schluffe deS Schuljahre» 1892/93 war die Großh. Realschule (Director Dr. Salier) von 256 Schülern frequentirt, darunter 155 Einheim sche. 67 Nichthessen u. f. w., ferner der Confefsion nach 198 Katholiken, 65 Evangelische, 68 Israeliten. Neben bem Director wirkten noch 12 Lehrkräfte an der Anstalt. DaS neue Schuljahr beginnt am 11. April b. I. Dem Pro­gramm sind pädagogische und localgeschichtliche Beiträge von dem Director und den Lehrern Gottfried Erckmann unb Dr. Siegmund Feist beigegeben. __________

DermHAtc».

- Hanau. 21. März. Ein merlroürbi ger Fall von Adoption, ber schon mehr an Kindesraub grenzt,