werden könnten, um dieser schlimmsten Art von Wucher zu begegnen. Seine Freunde stimmten der Vorlage ,u und würden nur einige Erwetterungen derselben beantragen. (Bravo rechts.)
Abg. Dr. Horwitz (frt) bestreitet mit Berufung auf die Justizstatistik, datz der Wucher dermaßen überhand genommen habe, um ein neues Gesetz nolhwendig zu machen. Tas moralische Niveau deS Bewucherten stehe in den meisten Fällen dem des Wucherer- gleich. Mit Wuchergesetzen treffe man auch zumeist den Hauptschuldigen nicht: man treffe den Vermittler, nicht den eigentlichen Geldgeber. Tas Gesetz werde große Hemmnisse im Geschäftsverkehr zur Folge haben; der Darleiher werde damit von vornherein verdächtig gemocht und derselbe sei nie sicher, daß nicht das Gesetz zu einer Handhabe der Bosheit gegen ihn gemacht werde.
Staatssecretär im Neichsjustizamt Hanauer: Tie verbündeten Regierungen seien bei der Vorlage durch Wünsche des Hauses be- einstußt gewesen. Es handle sich auch nicht um eine Umgestaltung, sondern um eine Ergänzung des bestehenden Gesetzes. Die bervor- getretenen Klagen über den Wucher könnten nicht unberücksichtigt bleiben. Wenn man sie nicht ganz beseitigen könne, so sei dies kein Grund, die Hände müßig in den Schooß zu legen- Bei Ausstellung des Entwutss würden Bedenken laut, ob man bezüglich des Sachwuchers so weit gehen dürse, als es in der Vorlage geschehen. Das legitime Geschäft solle ja nicht getroffen werden. Die Fassung des Entwurfs schließe aber eine Beschränkung des legitimen Geschäfts aus.
Ahg. Frhr. o. Buol (Ekr.) stellt sich in Bezug auf die Tendenz auf den Standpunkt des Entwurfs, indem er den vorgeschlagenen Erweiterungen desselben nicht zustimme und andererseits die Bedenken gegen den Entwurf selbst nicht thetlen könne. Ein einmaliger Fall von Sachwucher könne schon den Charakter des Gewerbsmäßigen tragen, in welchem Falle nach der Vorlage die Bestrafung eintrete. Dr. Giese habe eben gewerbsmäßig und gewohnheitsmäßig verwechselt. Die Vorlage bilde eine nothwendige Ergänzung deS Wuchergesetzes.
Weiterberathuna morgen 1 Uhr. Außerdem Vorlagen betr. die Begründung der Revision in bürgerlichen Rechtsstretligkeiten und betr. den Verrath militärischer Geheimnisie. Wahlprüfungen.
Neueste Uac^ricbtcn.
Karlsruhe, 23. Januar. Hoscapellmeister Vincenz Bachner starb gestern Nachmittag um 4*/2 Uhr an den Folgen deS am vorigen Donnerstag erlittenen Schlaganfalls.
Wie«, 23. Januar. Die „Sonntagszeitung" kündigt die Einbringung einer Vorlage betreffs Erhöhung des Friedens ft andes des Heeres an.
Wien, 23. Januar. Fürst Ferdin and von Bulgarien verbleibt 14 Tage in München. Als seine zukünftige Braut wird eine bayerische Prinzessin oder eine Verwandte der Herzogin Clementine bezeichnet.
Rom, 23. Januar. Der Director der hiesigen Filiale der Bank von Neapel wurde als Priester verkleidet verhaftet.
Paris, 23. Januar. Die Vorstellungen des österreichischen Botschafters über die Bezichtigung der Pariser Preffe, die Diplomatie des Dreibundes habe die Verdächtigung MohrenheimS inspirirt, machten einen erheblichen Eindruck, zumal das Gerücht hartnäckig circulirte, der Botschafter Mohrenheim solle durch einen gewöhnlichen Geschäftsträger ersetzt werden.
Paris, 23. Januar. Der Untersuchungsrichter Franque- ville erließ einen Verhaftsbefehl gegen Arton, dessen Aufenthalt verrathen wurde.
Amsterdam, 23. Januar. Zahlreiche Hausbesitzer erhielten Drohbriefe, worin angekündigt wird, ihre Häuser würden mit Dynamit in die Luft gesprengt, wenii nicht den Arbeitslosen eine größere Summe gewidmet werde.
Saint Louis, 23. Januar. Die Großniederlagen von Carondelet sind vollständig verbrannt, eine Million Korn und V2 Million Oelfrüchte wurden vernichtet.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 23. Januar. Der Kaiser hat die Wahl des Rechtsanwalts Kirschner (Breslau) zum zweiten Bürgermeister von Berlin bestätigt.
Berlin, 23. Januar. Zu Ehren der Prinzessin-Braut Margarethe fand heute Nachmittag ein Retterfest statt, veranstaltet vom 1. Gardedragoner-Regiment, an dem Kaiser, Kaiserin, Braut und Bräutigam, Friedrich Carl von Hessen, sowie sämmtliche hier anwesenden Fürstlichkeiten, darunter der König von Sachsen, theilnahmen. Das Fest nahm einen glänzenden Verlauf. Abends 7*/2 Uhr war Galatafcl beim Kaiserpaare, wozu 300 Einladungen ergangen sind.
Paris, 23. Januar. Der „Soir" schreibt: Da De la- haye in der Sitzung der Panama Commission vom 21. d. M. keine Beweise für seine Beschuldigungen gegen 104 Deputirte geliefert habe, so müsse die Commission ihre Arbeiten abschließen und Delahaye als Ehrabschneider brandmarken.
Paris, 23. Januar. Der Minister des Aeußeren suchte gestern den Botschafter Graf Münster auf, um sein Bedauern über die verleumderischen Angriffe der französischen Presse auf andere Vertreter der Dreibundmächte auszusprechen.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 23. Januar. Das Hofmarschallamt hat ein wiederholtes Gesuch Berliner Zeitungen um Zulassung von Berichterstattern zu den Hoffestlichkeiten abschlägig geschieden und zwar, wie behauptet wird, auf directen Befehl des Kaisers.
Berlin, 23. Januar. Die „Nationalliberale Corresp." meldet: Im Reichsamt des Innern wurden heute die Be- rathungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag wieder ausgenommen. Vorschläge von Rußland liegen augenblicklich nicht vor. Ohne entsprechende Gegenconcessionen dürfte die Gewährung ermäßigter Getreidezölle nicht zu erwarten sein. Die Wiederbelehnung russischer Werthe durch die Reichsbank steht nicht in Frage.
Berlin, 23. Januar. Wie die „Börsenzeitung" erfährt, finden Seitens der Conservativen Verhandlungen mit dem Centrum statt, deren Zweck die Gewinnung des Centrums für den Antrag auf Einführung eines Rohspiritus- Monopols, um so die Kosten für die Militärvorlage zu decken. Man hofft so das Centrum geneigt zu machen, die Vorlage anzunehmen- daß die Regierung dem Anträge zustimmt, ist zweifellos.
' Berlin, 23. Januar. Der Polizeipräsident ermächtigte die Heilsarmee, angesichts des Nothstandes ihre Versammlungslocale zu Wärm eh al len und Nachtasylen einzurichten.
Nietleben, 23. Januar. Gestern erfolgten 12 Erkrankungen und 4 Todesfälle. Die Gesammtzahl beträgt bis jetzt 84 und 30. Heute findet eine Conserenz des Oberpräsidenten und des Regierungspräsidenten mit Vertretern der Behörden, sowie medicinischcn Sachverständigen statt. Petten- kofer aus München wird erwartet.
Leipzig, 23. Januar. Ein Großfeuer zerstörte die in der JohanniSallc belcgene Buchdruckerei von Fischer und Wittich, die Schriftgießerei von Nummrich und die Gravir- anstalt von Born. Der Schaden ist bedeutend.
Leipzig, 23. Januar. Eine von 2000 Personen besuchte Versammlung von Arbeitslosen beschloß heute Vormittag nach dem Vortrag deS Abgeordneten Geyer Petitionen an die städtischen Behörden, an das sächsische gcsammte Ministerium und die Reichsregierung zu richten, um zu veranlassen, daß dieselben für die Linderung des Nothstandes sorgen. Der Redner kritisirte scharf die Aeußerung v. Böttichers im Reichstage, wo. ach die Verhältniffe Sachsens günstige geworden seien und bezeichnete dies als der Wahrheit nicht entsprechend.
München, 23. Januar. Infolge starker Schneeverwehungen und deS immer dichter fallenden Schnees ist der Betrieb auf dcu Bahnstrecken LandSberg-Schongau, Traunstein-Trostberg,. Roth-Greding, Schwaben Erding und auf der Jsarthalbahn für unbestimmte Zeit eingestellt worden. Stimmt- liche Züge treffen mit großen Verspätungen ein. Die Schnecmaffcn auf der Strecke München-Freising liegen drei- vicrtel Meter hoch.
Cocatcs uttb provinzielles.
Gieße«, 24. Januar 1893.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 2 6. Januar 1893, Nachmittags 4 Uhr: 1.» Errichtung eines neuen Pferdeschlachtraumes und eines Pferdestalles. 2. Unterhaltung des Schulhauses auf dem Oswaldsberg (Aliceschule). 3. Ausbau der Nordanlage. 4. Unterhaltung des Schulhauses am Asterweg (Erweiterte Handwerkerschule). 5. Herstellungen im Leichenhause auf dem Friedhöfe. 6. Vergrößerung des Friedhofs. 7. Beschaffung von Straßenschildern und Hausnummern. 8. Verkauf der Restparzelle des Plockischen Hospitals Flur X und VII Nr. 103 867/iooo an die Stadt. 9. Baugesuch des Gottlieb Nauheimer für die Bleichstraße. 10. Decretur von Kostenrechnungen. 11. Gesuch des Friedrich Kröll zu Gießen um Wirthschaftsconcession für die Reichshalle, Schützenstraße 1. 12. Sonntagsruhe im Handelsgewerbe- hier: Wahl einer Commission..
— Neues Theater. Morgen Mittwoch findet und zwar im Abonnement, eine nochmalige und letzte Aufführung des so sehr beliebten Schwankes „Die Orientreise" statt. Diejenigen, welche das lustigste aller Stücke noch nicht gesehen haben, sollten diese Gelegenheit nicht unbenützt vorübergehen lassen, sich einen vergnügten Theaterabend zu verschaffen. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß außer den noch in Aussicht stehenden Gastspielen einiger Berühmtheiten nur noch 5 bis 6 Abonnements - Vorstellungen bis zum Schluß der Saison (17. Februar) stattfinden.
— Der Bericht über das Concert des Gießener Concert» Vereins vom Sonntag den 22. Januar mußte wegen Raummangel für die nächste Nummer zurückgestellt werden.
— Unter dem Protektorat Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Ludwig vonBattenberg findet Ende Februar ds. Jahres ein Vortrag von Fräulein Dr. Ella Mensch statt, der die Culturbedeutung der Chicagoer Weltausstellung für die allgemeine Frauenarbeit erörtern und im Anschluß hieran eine Charakteristik der Entwickelung geben wird, welche im Groß- herzogthum Hessen in diesem Jahrhundert die Frauenarbeit in humanitärer, pädagogischer und künstlerischer Hinsicht genommen hat und wie die hierbei erzielten Resultate die vom Chicagoer Comitö dringend gewünschte Beitragstellung der Frauen unseres Großherzogthums thatsächlich erfordern. Alle Diejenigen, welche theoretisch oder praktisch dem Thema in irgend einer Weise nahe getreten sind, werden daher höflichst ersucht, ihre diesbezüglichen Mittheilungen nebst kurzem biographischem Abriß an Frl. Dr. Mensch (Darmstadt, Sandstraße 22) gelangen zu lassen, damit diese durch solche Unterstützung im Stande ist, ihr Thema möglichst erschöpfend durchzuführen. — Tag, Stunde und Local des Vortrags, zu welchem man im Interesse der Sache eine große Betheiligung erhofft, wird durch Inserat bekannt gegeben werden.
— Unglück. Gestern Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr wurde zwischen hier und Großen-Linden in der Gemarkung Klein-Linden der Bremser Fischer von hier von dem Zug, in dem er selbst als Bremser fuhr, überfahren und sofort g etöb tet. Fischer ist während der Fahrt von seiner Bremse herunter auf das Geleise gefallen. Der Verunglückte hinterläßt Frau und einige Kinder.
— In Haft genommen wurden gestern zwei Leute wegen Obdachlosigkeit und zwei wegen Bettelns.
§ Groß Felda, 23. Januar. In der vorgestrigen Nacht brach gegen 4 Uhr Feuer in der Scheuer der Frau Kaufmann Seip Wittwe aus und legte sie in Asche. Den Anstrengungen der Feuerwehr gelang es, das dicht an die Scheuer grenzende Wohnhaus zu schützen. In der brennen den Scheuer lagerten ein Faß Pulver und Pettoleum. Noch rechtzeitig konnten die gefährlichen Stoffe in Sicherheit gebracht werden.
§ Gnnzenau, 22. Januar. Gegen die hier stattgefundene Bürgermeisterwahl wurde Reklamation erhoben, da der neu gewählte Bürgermeister Johann Georg Möller eine Gastwirthschaft betreibt. Der Reklamation wurde vom Kreis Ausschuß des Kreises Lauterbach nicht entsprochen und verfügt, daß die Wirthschaft durch Herrn Möller provisorisch , weiter betrieben werden kann.
§ Wallearod, 22. Januar. Die erhobene Reklamation gegen die Beigeordneten Dahl wurde vom KreiS-Ausschuß des Kreises Lauterbach verworfen und die Reklamanten in die Kosten, sowie Zahlung von 5 Mk. zur KreiSkaffe, verurtheilt.
§ Vom höheren Vogelsberg, 22. Januar. Infolge deS gestrigen Schneesturmes, welcher eine fast gleichmäßige Schneedecke von zwei Fuß Höhe über die Gegend auSbreitere, ist der Verkehr sehr erschwert worden. Die Kälte hat nach- gelaffen, und wäre zu wünschen, daß bald andere Witterung eintritt, denn hier sind sämmtliche Waffermühlen eingefroren- selbst wohlhabende Landleute, die den Speicher voll Frucht haben, müffen infolge der Unthätigkeit der Mühlen Mehl kaufen, um Brod zu bekommen, kleinere Landwirthe fahren nach entfernteren Großmühlen, um ihre Frucht mahlen zu laffen.
Darmstadt, 23. Januar. Der von dem Abgeordneten W o l s s k e h l erstattete Bericht des Finanzausschusses über den Entwurf eines neuen Einkommensteuergesetzes empfiehlt der zweiten Kammer, den Entwurf, deffen wesentlichste neue Bestimmung die Einführung der Declarationspflicht ist, anzunehmen. Der Bericht schlägt gleichzeitig eine Reihe von Aenderungen vor, die namentlich auf eine stärkere Heranziehling der Einkommen über 20,000 Mk. ab- zielen. Auch wird vom Ausschuß analog dem Vorgänge in Preußen vorgeschlagen, daß die von dem Steuerpflichtigen gesetz- oder vertragsmäßig zu entrichtenden Kranken-, Unfall-, Invaliden- rc-, sowie LebenöversicherungSprämien unter 600 M. jährlich am E nkommen abzuziehen sind.
Darmstadt, 23. Januar. Der zweiten Kammer ist eine Regierungsvorlage zugegangen, die zur Beschaffung von Mittel« zur Gewährung von Darlehen aus der LandeScreditkaffe die Aufnahme einer weiteren Anleihe im Nennwerthe von zwei Millionen Mark, zu 3*/2 Procent verzinslich, fordert
Darmstadt, 22. Januar. Lieutenant Graf Sandizell von den hiesigen Gardedragonern, der jüngst durch einen Sturz vom Pferde sich eine Verletzung am Kopfe zuzog, ist nach hiesigen Blättern gestern Nacht plötzlich tobsüchtig geworden. Er warf die werthvollsten Stücke feines Mobiliar- zum Fenster hinaus und feuerte mehrere Schüsse ab. Der BedauernSwerthe wurde in das Krankenhaus verbrach:.
Darmstadt, 23. Januar. Gestern Abend zwischen 8 imö 9 Uhr geriete en in dem Hofraume eines Gastwirthschaft in der großen Ochsengaffe mehrere Bäckergehilsen und ein erst hier zugereister Maler aus Rostock in Streitigkeiten. Nach kurzem Wortwechsel erhielt letzterer hierbei einen Messerstich in den Unterleib. Der Gestochene starb, bevor er in das städtische Hospital gebracht werden konnte. Die betr. Bäckergehilfen wurden sofort fest genommen.
Gernsheim, 22. Januar. Fast unzählig war die Menge Derer, welche heute aus Nah und Fern schaarenweise herbeigeeilt waren, um die feststehende Eisdecke des Rhein- zu überschreiten. Die Restauration „zur guten Ouelle" am jenseitigen Ufer war nicht im Stande alle aufzunehmen, welche sich durch ein gutes Glas Rheinwein zu erquiclen beabsichtigten. Schon feit einigen Tagen ist der Verkehr mit Schlitten und sogar mit Lastwagen zu bewerkstelligen. Gestern wurde ein Faß, welches nach Amerika bestimmt ist, von Küfermeister Müller und seinen mackeren Gesellen Philipp und Jakob auf der Eisdecke des Stromes verfertigt und ist dasselbe zur Ansicht ausgestellt. Auch einige Radfahrer ließen es sich nicht nehmen, die Eisdecke zu Rad zu passiren und ist als erster Herr Kaufmann Medikus von hier zu nennen. Hoffentlich wird die soeben bestehende stehende Brücke ohne weitere Gefahr für die Rheinbewohner wieder verschwinden.
Mainz, 22. Januar. Trotz des eingetretenen milderen Wetters bewegen sich noch Tausende von Menschen auf dem Eise des RhetneS- es herrschte ein ordentliches Volksfesttreiben, bei dem auch nicht die Carroussels, die Buden und sonstige volksthümliche Belustigungen fehlten. Die gestern vom Schnee verwehten Eisbahnen waren wieder in Ordnung gebracht worden, so daß sich Alt und Jung dem Sport de- Schlittschuhlaufens hingeben konnte. Man unternahm Spaziergänge auf dem Rheine bis nach Biebrich, wo ein reger Verkehr herrschte - die sonst bei dem Mangel einer Brücke und einer ausreichenden Fahrgelegenheit von einander abgetrennten Ufer sandten sich gegenseitig fortwährend Besucher. Ungemein stark war der Besuch des RheingaueS- Bingen und Rüde heim sahen Fremde in solcher Zahl, wie kaum im Sommer. Bemerkt sei übrigens, daß man allenthalben Vorbereitungen trifft, um dem zu erwartenden starken Ei-gange wirksam zu begegnen.
Vom Nhei«, 21. Januar. Angestellte Berechnungen der Rhein ft rombau-Verwaltung haben ergeben, daß am 19. d. M. die Eisdecke des Rheines von Dortrecht bi- Düsseldorf 234, von Unkel diü Hönningen 13 und von der Loreley bis Speier 152, mithin insgesammt 339 Kilometer lang gewesen ist.
Darmstadt, 24. Januar. (Privatdepesche.) Der zum Tode verurtheilte Schreck erhängte sich im Provinzialarresthause.
Der „Obcrhessischc (tzeschichtSvcrein" in Wetzlar. (Schluß.)
Der zweite Vortrag des Abends war von Herrn Rector Luerssen in Wetzlar übernommen worden. In Ausführung seines Themas „Zur Geschichte des Reichskammergerichtwährend des Rechtsstillstandes 1690 biö 25. Mai 1693* gab Redner eine Uebersicht über die Schicksale deo Gericht- in den 80er Jahren des.17. Jahrhunderts, über seine Flucht nach Frankfurt und seine endliche Ucberfiebelung nach Wetzlar. Hatten sich anfangs, al- die Verlegung des Kammergericht- au- Speyer der KriegSunruhen halber nothwendig wurde, verschiedene Städte ganz energisch geweigert, dem Gericht m ihren Mauern Aufnahme zu gewähren, so wollte später dieses seinerseits die ihm von Wetzlar eifrigst angebotene


