Ausgabe 
24.11.1893 Erstes Blatt
 
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Nr. 277 Erstes Blatt. Freitag den 24. November

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend die Schasräude zu Lich.

Nachdem unter der Gemeindeschafherde zu Lich (Schäfer Christian Habermehl) die Räude festgestellt ist, haben wir diese Herde unter Sperre gestellt. Es dürfen Schafe aus vorgenannter Herde nur zur sofortigen Abschlachtung und mir mit unserer jedesmal besonders einzuholenden Geneh­migung weggebracht werden.

Gießen, den 21. November 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_________________v. Gagern._________________

Gießen, am 22. November 1893.

Letr.: Die Vorschriften des Arbeiterschutzgesetzes vom 1. Juni 1891 über die Arbeitsbücher und die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzev an die Oroßh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Wir sehen der Vorlage der in Gemäßheit der Vorschrift unter C Ziffer VII der gedruckten Anweisung vom 26. März 1892 an uns einzureichenden Uebersicht der in Ihren Gemeinden rmrhandenen Fabriken und diesen gleichstehenden Anlagen, in welchen Arbeiterinnen oder jugendliche Arbeiter beschäftigt merken, unter Verwendung der Formulers G (s. Ausschreiben vvm 7. Februar d. I., Anzeiger Nr. 35) bis zum 15. De- crmber d. I. entgegen.

Als den Fabriken gleichstehende Anlagen sind anzu- sr hen:

1. Hüttenwerke, Zimmerplätze und andere Bauhöfe, Werfte und solche Ziegeleien, über Tage betriebene Brüche u nd Gruben, welche nicht blos vorübergehend oder in geringem Umfange betrieben werden, Bergwerke, Salinen und Auf- brreitungsanstalten, unterirdisch betriebene Brüche oder Gruben.

2. Werkstätten, in deren Betrieb eine regelmäßige Ver­wendung von Dampskraft stallfindet und in denen durch elementare Kraft (Gas, Wind, Wasser, Electricität) bewegte Triebwerke nicht blos vorübergehend zur Verwendung kämmen.

Sollten in Ihren Gemeinden Fabriken und denselben g^leichstehende Anlagen, in denen Arbeiterinnen oder jugend­liche Arbeiter beschäftigt werden, nicht vorhanden sein, so ist dies binnen der oben genannten Frist berichtlich anzu- zeigen.

v. Gagern.

Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung einer landwirthschaftlichen Ver- loosung zu Butzbach während des dortigen FrühjahcSfasel.

Marktes in 1894.

Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz hat bie Genehmigung zur Vornahme einer, mit dem am 19. März k. Js. stattfindenden Frühjahrsfaselmarkte in Butzbach zu verbindenden Verloosung von Faseln, Rindern, Schweinen, Geflügel und landwirthschaftlichen Geräthen unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 13 000 Loose a 1 Mark ausgegeben werden dürfen und (abzüglich eines Betrags von 350 Mark für Prämiirung) mindestens 70 pCt. des Bruttoerlöfes aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.

Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Ober- Hessen gestattet.

Gießen, den 22. November 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

____________________v. Gagern.__

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß Samstag den 25. November I. I. aus Anlaß des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs die Geschäftsräume der unterzeichneten Behörde geschloffen sind.

Gießen, am 20. November 1893.

Großherzogliches Hauptsteueramt.

Bornscheuer.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 22. November. Bei dem gestrigen Empfang mm Bahnhof zeichnete Se. Königl. Hoheit der Prinzregent De. Excellenz den Staatsminifter Finger durch eine huldvolle

Ansprache aus, ebenso den bayerischen Gesandten Graf Tauff­kirchen, Herrn Jägermeister Ministerialrath Muhl und Herrn Bürgermeister Morneweg. Die Galatafel begann um 5 Uhr im Weißen Saale des Großherzoglichen Residenzschloffes und gewährte schon die Auffahrt der Herrschaften, welche durch das Portal vom Marktplatz aus erfolgte, ein glänzendes Bild. Den Ehrenplatz in der Mitte der Tafel nahm Se. Königl. Hoheit der Prinzregent ein. Höchstdemselben zur Rechten saßen: Se. Königl. Hoheit der Großherzog, Freifrau v. Messen und Se. Hoheit Prinz Albert 'zu Schleswig-Holstein. Zur Linken saßen : Ihre Großh. Hoheit Prinzessin Alix, Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm. Den Platz Sr. Königl. Hoheit dem Prinzregenten gegenüber nahm Se. Excellenz Staatsminister Finger ein. Seine Königliche Hoheit der Großherzog brachte einen warmen Trinkspruch auf seinen Hohen Gast und das gesammte bayrische Königshaus aus, worauf Se. Königliche Hoheit der Prinzregent mit einem solchen auf Sc. ^Königliche Hoheit den Großherzog und das Großherzogliche Haus dankte. Die Tafelmusik hatte die Capelle des Großh. Leibgarde- Regiments unter Leitung des Herrn Hilge gestellt. Heute früh besuchte Se. Königl. Hoheit der Prinzregent die katholische Kirche und verweilte längere Zeit in stillem Gebet am Grabe der Großherzogin Mathilde, an welchem er einen Kranz niederlegte. Sodann fuhr Se. Königl. Hoheit nach dem Mausoleum auf der Nosenhöhe, wo er ebenfalls einige Zeit verweilte und dann im Herrngarten das Grab der großen Landgräfin aufsuchte. In den Vormittagsstunden besichtigte Se. Königliche Hoheit der Prinzregent unter Führung Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs die Sammlungen des Museums. Um 1 Uhr ist für die Fürstlichkeiten Luncheon im Neuen Pala-s, für die Cavaliere im Großherzoglichen Residenzschloß. Um 3 Uhr erfolgt die Rückreise nach Aschaffenburg, von wo Se. Königliche Hoheit der Prinzregent sich zu einer Jagd im Spessart nach Rohrbrunn begeben wird. Dem Vernehmen nach sind zahlreiche Ordensauszeichnungen erfolgt.

Berlin, 22. November. Die Kaiserin Friedrich empfing gestern Vormittag anläßlich ihres Geburtstages die Glückwünsche der nächsten Familienmitglieder und der Hof­staaten. Gegen Mittag trafen der Kaiser und die Kaiserin aus Potsdam ein.

Berlin, 22. November. Miquel soll einflußreichen Mit­gliedern des Reichstages gegenüber seine persönliche Anschauung dahin ausgesprochen haben, daß es empfehlenswerth sei, die erste Berathung des Gesetzentwurfs Über die Neuregelung der Reichsfinanzen der ersten Berathung über den Reichshaushaltetat für das nächste Rechnungsjahr vorangehen oder der ersten Berathung über die Handelsverträge folgen zu lassen. Die von der Börsenenquetecommission eingesetzte Untercommission für die statistischen Erhebungen wird am Samstag nochmals zusammentreten, um die Arbeiten definitiv abzuschließen. Im Tabaksteuergesetz betragen die nächsten Steuersätze nunmehr für Cigarren 9 Mark pro Tausend, für Cigarretten 3.50 Mk. pro Tausend, Kautabak 88 Mk., Schnupftabak 24 Mk., Rauchtabak 44 Wit. pro 100 Kilogramm.

Ausland.

Wien, 21. November. DasFremdenblatt" schreibt bezüglich der Nachricht, daß Verhandlungen zwischen den europäischen Staaten über ein gemeinsames Vorgehen gegen die Anarchisten im Zuge seien:So wünschenswerth es wäre, daß die Staaten sich zu einer wirksamen Bekämpfung dieser verbrecherischen Partei einigten, so ist in hiesigen unterrichteten Kreisen doch nichts bekannt, daß von irgend einer Seite eine diesbezügliche Anregung bereits thatsächlich erfolgte."

Paris, 21. November. In der Kammer verlas der Ministerpräsident Dupuy eine Erklärung des Ministeriums, welche besagt, das Land habe sich bei den letzten legislativen Wahlen für eine practische Politik erklärt, welche die auf­regenden Fragen theoretischer Discussioncn vermeide. Die Regierung werde die auf Verfassungsrevision gerichteten Be­strebungen, die Trennung der Kirche vom Staate, die Ab­änderung des Wahlmodus, die Einführung einer einheitlichen, inquisitorischen und progressiven Besteuerung bekämpfen. Wir werden Niemand, der das allgemeine Stimmrecht, das Privat- eigenthum, die individuelle Freiheit und die Freiheit der Arbeit mißachtet, als Freund ober politischen Verbündeten anerkennen. Wir werden alle Doctrinen bekämpfen, welche die anonyme Alleinherrschaft des Staates an die Stelle der individuellen Bethätigung und der freien Vereinigung setzen wollen. Wir werden nachdrücklich jeden Versuch einer Agitation ober Aus­schreitung aller internationalen Umsturzbestrebungen unterdrücken.

Wir betrachten das Schulgesetz und das Militärgesetz als festen Besitz und werden diese Gesetzgebung durch sociale Gesetze vervollständigen, besonders in Bezug auf ärztliche Hülfe, hygienische Einrichtungen, Kinderschutz, Sparkassen, Unter­stützungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit, cooperative Genossen­schaften und Arbeiter-Pensionskassen.

Neueste Nachrichten.

WotffS telegraphisches Correspondenz - Bureau.

Potsdam, 22. November. Se. Majestät der Kaiser ist heute Nachmittag 2 Uhr 47 Min. mittelst Svnderzuges von der Wildparkstativn nach Kiel abgereist.

München, 22. November. Die heutige Festsitzung der Königlichen Akademie der Wissenschaften, welcher Prinzessin Therese und Cultusminister Dr. v. Müller bei­wohnten, wurde mit einigen kurzen Worten von dem Präsi­denten Professor v. Pettenkofer eröffnet. Hierauf folgte die Verkündigung der Namen der neugewählten Mitglieder der Akademie. Zu corresvondirenden Mitgliedern wurden ernannt: Der Professor der Philologie Vitelli-Florenz, der Secretär des archäologischen Instituts Dr. Helbig-Rom, der Akademiker Wesselofski-Petersburg, der Professor der Physik Hertz-Bonn, der Professor der Kunstgeschichte Justi Bonn, der Professor der Botanik Warning-Kopenhagen und der Botaniker Director Dr. Treub Java. Den Schluß der Feier bildete ein Fest­vortrag des Professors Dr. Rüdinger überGehirnforschung".

Genua, 22 November. Ein gestern auch hier aus- gebrochener Strike der Telegraphist en ist bereits wieder beendet.

Paris, 22. November. Nach einer Meldung desFigaro" aus Barcelona sind daselbst auf einem Baugrunde elf Bomben gefunden worden. Dieselben wurden dem städtischen Laboratorium zur Untersuchung übergeben.

London, 22. November. DerTimes" wird aus Teheran vom gestrigen Tage gemeldet, daß die Erderschütter­ungen fortbauern. Die Stäbte Meiched unb Kaschan würben zerstört- großer Verlust an Menschenleben unb Eigenthum ist zu beklagen.

Sofia, 22. November. Die Leiche des Grasen Hartenau soll mit der Einwilligung der Familie auf Staatskosten hier­her überführt und in der ältesten orthodoxen Capelle beigesetzt werden.

Kopenhagen, 22. November. Der König hat einen so­fortigen Bericht über den Umfang der an der Westküste Jütlands durch die Stürme verursachten Unfälle einge- sordert. Zur Unterstützung der Hinterbliebenen unb der Geschädigten wurden Subscriptionen eröffnet, an deren Spitze die Prinzessin Waldemar und die Gemahlin des Minister­präsidenten Estrup stehen. An der Börse wurden sofort 8500 Kronen gezeichnet. Außerdem werden noch weitere private Veranstaltungen beabsichtigt.

Petersburg, 22. November. Auf der Newa ist starker Eisgang- die Schifffahrt gilt als beendet.

Der Kalender der ersten franzöfischen Republik.

(Nachdruck verboten.)

Der 24. November ist ein ganz eigenartiger Gedenkkag. Hundert Jahre sind nämlich an diesem Tage verflossen, seitdem der französische Nationalconvent, dessen Bestreben dahin ging, gänzlich mit Allem, was an frühere Zeiten und besonders an das Christenthum erinnern könnte, zu brechen, für die neu entstandene Republik auch einen neuen Kalender einzuführen beschloß.

Zur Grenze oder Epoche dieser neuen republikanischen Zeitrechnung nahm man die Herbstnachtgleiche des Jahres 1792 an, welche nach dem Meridian von Paris den 22. September Vormittags 9 Uhr 18 Minuten 30 Secunden einfiel. Genauer bestimmte man, daß jedes Jahr mit der Mitternacht beginnen sollte, welche der wahren Herbstnachtgleiche voranging. Man batirte demnach am 24. November 1793 die neue Zeitrechnung um ein ganzes Jahr zurück, sodaß man sich bei der Einführung derselben bereits im dritten Monate des zweiten Jahres der glorreichen Republik befand. Diese Zurückrechnung wurde damit begründet, daß der 22. September 1792 der Tag gewesen sei, an welchem das erste Decret im Namen der neuen Re­publik erlassen worden sei.

Nach dieser republikanischen Zeitrechnung bestand das Jahr aus 12 Monaten, jeden zu 30 Tagen gerechnet. Da man aber mit diesen 360 Tagen den Zeitraum eines vollen Sonnenjahres nicht ausfüllen konnte, so wurden am Ende eines gemeinen Jahres fünf, am Ende eines Schaltjahres sechs besondere Tage angefügt. Je vier Jahre wurden zu