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Central vereine der

Berlin, Mittag eine

Landwirthschastslehrers Reichelt von Friedberg über

Obftbaumpflege".

Die Vereinsmitglieder und Freunde des Obstbaues werden zu zahlreichem Besuch freundlichst eingeladen. Die Herren Bürgermeister von WeiterShain und der Nachbarorte ersuche ich um gefällige ortsübliche Bekanntmachung.

ließen, 23. Februar 1893.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirk» Gießen des Oberhesüschen Obstbauvereins.

Nebel, Amtmann.

Deutsche» Reich.

Bei den inBerlin vorgenommenen Wahlen zum Gewerbegericht, bei denen 210 Beisitzer auS der Klasse der Arbeitgeber und 210 Beisitzer auS der Klasie der Arbeit« nehmer zu wählen waren, haben die Socialdemokraten einen durchschlagenden Erfolg errungen. Sämmtllche gewählte Bei« sitzer auS der Klasse der Arbeitnehmer gehören der Social« demokratie an, außerdem wurden auch aus der Klasse der Arbeitgeber neun socialdemokratische Beisitzer gewählt.

Die Nationalliberalen We st Preußens wollen sich neu organisiren. Ein Comitv erläßt zu diesem Zwecke einen Aufruf.

östlichen Provinzen. Herr

Depeschen deS Bureaufcerolb*.

22. Februar. Der Kaiser empfing heute Deputation der landwirthschaftlichen

totale* rrn- proolnstette*.

Sieben. 23. Februar 1893.

* Theater Berei«. Ueber die gestrige Aufführung de« DramaSGaleotto" der Darmstädter Hofschauspieler im hiesigen Theaterverein wollen wir für heute nur kurz mir« theilen, daß die geschätzten Gaste mit ihrem Spiel einen durchschlagenden Erfolg erzielten und sich im Fluge die Sympathie des hiesigen Publikums errangen. Eingehender Bericht in folgender Nummer.

Fernsprechverbindung Frankfurt Berlin. Man ist eben innerhalb der Stadt mit Herstellung der Leitung für die neue Fernsprechverbindung Frankfurt a. M.« Leipzig-Berlin beschäftigt. Eine wahrend dieser Arbeit vielleicht ab und zu eintretende kleine Störung dürfte daher von Seiten der Betroffenen zu entschuldigen sein.

* Neue8 Papiergeld. Die Bank für Süddeutschland wird, wie dasD. Tagbl." meldet, demnächst neue Hundert« Markscheine auSgeben.

Iu Amerika verstorbene Hessen. New«York, Eity: Georg Funk, 51 Jahre alt, auS Gedern- Earl Koch, 73 Jahre alt, aus Alsfeld. Astoria, L. I.: Philipp HauS, 70 Jahre alt, auS Alzey. Baltimore, Md.: Adam Schäfer, 69 Jahre alt, au« Schlitz - Elisabeths Krau«, 46 Jahre alt, aus Babenhausen. Brooklyn, N. Y.: Maria Weiß, geb. Christ, 56 Jahre alt, auS Wörrstadt. LouiSville, Ky.: John I. Krausgrill, 35Jahre alt, au« Nieder-Weisel. Pittsburgh, Pa.: Sonrad Herchenrvther, 90 Jahre alt, aus Düdelsheim.

* tzerbstübuugeu im Jahre 1893. Es ist bestimmt worden, daß baß 8. (rheinische)', 14. (badische) und 16. (lothringische) ArmeecorpS Kaiser-Manöver halten, jede« Armeecorps große Parade für sich. Beim 8., 16 , 3. und 10. ArmeecorpS wird je eine besondere Cavalleric Division ausgestellt. Dem 16. ArmeecorpS wird eine Luftschiffcr- Abtheilung zugetheilt. Für die zu den Kaiser-Manövern nicht herangezogenen ArmeecorpS haben die Herbstübungen unter möglichster Berücksichtigung der Ernteverhältnisse stattzufinden, und ist sowohl bei Auswahl de« UebungSgeländeS wie bei Ausführung der Hebungen auf möglichste Verringerung der Flurschäden Bedacht zu nehmen. Bei dem Gardecorp«, dem 1., 2., 6., 7., 8., 11., 14., 15. und 16. ArmeecorpS finden GeneralstabSreisen, bei dem 17. ArmeecorpS eine Festung«« GeneralstabSreise statt. Die Rückkehr der Fußtruppen in ihre Standorte muß bi« zum 30. September, welcher der späteste EntlassungStag ist, erfolgt sein.

* Militärisches. Durch Allerhöchste EabinetSordre ist bestimmt worden, daß auch bei den Train-Bataillonen Offiziers-Aspiranten eingestellt werden dürfen.

nn. Darmstadt, 22. Februar. Zweite Kammer der Stände. Die Verhandlungen werden um 1)110 Uhr eröffnet. Das Haus tritt in die Berathung der Vor« stellung und Bitte de« Hessischen Landeslehrer Verein« und der Ludwig und Alice st ist ung um Erhöhung der Pensionen der Lehrer Witlwen und um Gewährung von Waisengeldern für minderjährige Lehrer-Halbwaisen. Der Ausschuß erachtet eS für durchaus angezeigt, daß den minder­jährigen Halbwaisen ebenfalls wie den Kindern von CivilftaatSdienern >/, deS WittwengehalteS zuerkannt werde. Die Großh. Regierung will die Sache näher prüfen und erforderlichen Falls Zuschüsse zur Schullehrer Wiltwenkasse in da« nächste Budget einstellen. Demgemäß erklärt da« Hau« die Vorstellung für erledigt. Ein Gesuch des Lehrers Schneider und Genossen zu Eastel um Aufbesserung ihre« Gehaltes gemäß der in Hessen verbrachten Dienst­zeit bi« zu 2000 Mk. wird ebenfalls für erledigt erklärt, nachdem die Großh. Regierung bemerkt, daß von Seiten der oberen Schulbehörde, bei dem Gemeinderath zu Eastel zu einer günstigeren Regelung der dortigen Lehrergehalte hingewirkt worden sei, daß aber in Folge de« Widerspruch« des dortigen Gemeinderaths ein günstiges Ergebniß leider bi« jetzt noch nicht erzielt worden fei. Zu einer Petition der Mainzer Katholiken-Berfammlung, betreffend die Aufhebung de« Jesuitengesetzes, deS OrdenSgefetzeS vom Jahre 1875 und de« BolkSschnlgesetzeS ergreift Abg. Rackö da« Wort. Er bedauert, daß die Petition in so später Stunde, am Schluß der Session, in die Kammer gelangt sei. Er weist auf die segensreiche Thängkeit der Barmherzigen Schwestern für das Volk hin und beklagt eS tief, daß diese durch da« Gesetz so hart getroffen seien. Er bade aber die Hoffnung, daß die Regierung in möglichster Bälde auf die Fragen, welche hier angeregt seien, eingehen werde, um zu zeigen, daß sie gewillt fei, gerechten Beschwerden einer großen

flila, 22. Februar. Der »Köln. BolkSztg.^ wird au* Rom gemeldet, die in Aussicht genommene Audienz der Pilger von Uruguay, Schottland und von Ungarn fei wegen leichter Heiserkeit de« Papste« verschoben worden. Gestern Abend find der französische Barsch ast er und der Herzog von Norfolk vorn Papste empfangen worden.

München, 22. Februar. Der Prinzregent bewilligte den durch die Donauüberschwemmung bei Regensburg hart betroffenen Gemeinden und minder bemittelten Emwohuern 15,000 Mk.

Nürnberg, 22. Februar Eine öffentliche Versammlung deS Fränkischen BeremS der Colportage-, Buch- und Kunst« Händler beschloß, eine Petition an den Reichstag gegen die Einschränkung deS HaufirhandelS zu richten.

Wien, 22. Februar. Der einstige EabinetSchef v. S ch m e r ling ist infolge eine« neuerlichen Schlaganfalle« ganz ge­lähmt. Der wiederholt angekündigte Strike der Glas­arbeiter de« Jsergebirge« beginnt am 6. März. Die Fabrikanten bezeichnen d,e Forderungen der Arbeiter al« un­annehmbar.

Budapest, 22. Februar. Der sehr bekannte Feldz:ug- meister'Baron SdelSheim-Gyulai liegt im Sterben.

Neueste Nachrichten.

Wolff« telegraphische« Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 22. Februar. Congreß der deutschen Landwirthe. v. Manteuffel eröffnete mit einem Hoch auf den Kaiser und die Bundesfürsten die Sitzung. Er betonte, der Kaiser empfange soeben, wie er höre, eine Abordnung de« ostelbischen landwirthschaftlichen Cemralvereins; die Land­wirthe dürften deßhalb mit freudiger Hoffnung in die Zukunft schauen. Der Landwirthschaftsminister begrüßte die Ver­sammlung: Ich habe geglaubt, sagte er, in Ihrer Mitte erscheinen zu sollen, weil man neulich auö der Thatsache, daß aus zufälligen Gründen eine Betheiligung meines Ministerium« an dem landwirthschaftlichen Genossenschaftstage nicht möglich war, der Wirklichkeit nicht entsprechende Schlußfolgerungen gezogen habe. Ich habe geglaubt, durch mein heutiges Er­scheinen die falschen Schlußfolgerungen öffentlich widerlegen zu sollen. Er habe oft den landwirthschaftlichen BerufS- genoffen gesagt: Legt selbst Hand an! Organisirt euch, so daß es ganz ausgeschlossen ist, daß meine Theilnahme nicht auch derjenigen Genossenschaft zugcwendet wäre, welche mit einer Organisation den Anfang machte. Ich schließe mit dem Wunsche, daß die heutige Versammlung einen kräftigen An­trieb zur weiteren Entwickelung deS landwirthschaftlichen GenossenschastSwesettS gebe. (Lebhafter Beifall.) Hierauf trat die Versammlung in die Tagesordnung. Commissare sämmt- licher Ministerien wohnen der Berathung bei.

Berlin, 22. Februar. Der Congreß deutscher Landwirthe nahm eine Resolution an, in der gesagt wird, die Abänderung der Verbrauchsabgabe auf Spiritus von bis­her 0,50 refp. 0,70 Mk. auf 0,55 oder 0,75 Mk. enthalte eine Schädigung des schwer darniederliegenden Brennerei­gewerbes. Die übrigen Bestimmungen des Gesetzentwurfs erkennt der Congreß als für daS Interesse des Brennerei­gewerbes und der Landwirthfchaft erforderlich an. Der Con­greß ermächtigte schließlich den Vorstand, eine Verschmelzung deS CongresseS deutscher Landwirthe mit der Vereinigung der Steuer- und Wirthschaftsreformer anzubahnen.

Harburg, 22. Februar. Der Schnellzug auß Hannover erlitt heute Morgen 6 Uhr kurz vor Harburg eine etwa zwei- stündige Verspätung, weil ein Wagen eines vorauf- gefahrenen Güterzuges entgleist war und das Geleise ver­sperrte. Der Schnellzug wurde rechtzeitig zum Stehen gebracht, die Passagiere mußten an der Unfallstelle umsteigen.

Rendsburg, 22. Februar. Seit heute Morgen haben wir heftigen Schneesturm. Der Bahnverkehr nach Norden stockt.

v. Below überreichte dem Kaiser mit einer Ansprache eine Denkschrift, welche um Förderung der Landwirthfchaft bittet. Der Kaiser erwiderte, daß die vorgetragenen Wünsche von der Regierung aufs Eingehendste geprüft und nach Möglich­keit berücksichtigt werden würden.

Berlin, 22. Februar. Der Kaiser verlieh gestern nach Beendigung der Vorstellung im Königlichen Opernhause dem Componisten derCavalleria nisticana, Ma «cagni, den Kronenorden dritter Klasse und sprach ihm in schmeichelhaftester Weise seine Anerkennung auß.

Berlin, 22. Februar. Gegenüber den Preßerörterungen über die Frage der Hinausschiebung der Entscheidung bezüg­lich der Militär Vorlage biß zum Herbste bemerkt die Post", in leitenden Kreisen werde eine solche Möglichkeit al« nicht ötßcutabel bezeichnet.

Berlin. 22. Februar. Die Beerdigung Bleich« röder« hat heute Nachmittag unter ungeheurer Betheiligung stattgefunden. Zahllose Blumenspenden schmückten den Sarg. 80 Wagen folgten.

Berlin, 22. Februar. Eine stark besuchte Versammlung von weiblichen Handlungsgehilfen faßte den Be­schluß, einen scharfen Protest gegen die geplante Verlegung der SonntagSardeit auf den Nachmittag zu erbeben und er­klärt, daß gegenwärtige Gesetz fei nur ein Nothbehelf für die Freigabe deS ganzen Sonntag«.

Deutscher Ueichstag.

49. Sitzung. Mittwoch, 22. Februar 1893.

Vor Eintritt In die Tagesordnung bemerkt Präsident o. Leoetzow, daß, wie er au« dem Protokoll ersehe, gestern ein Mitglied des Hause« (Bebel) einen Reichsangehörigen (den Rheder Schiff in ElS- fleth), der im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte und jedenfalls nicht wegen Morde« bestraft fei, einen Massenmörder genannt habe. Er beschränke keinem Mttgliede de« Haufe« da« Recht, hier Thatsachen vorzubringen, namentlich wenn sie bewiesen werden können; er könne e« aber nicht al« der Würde des Reichstag« für angemessen erachten, fo weitgehende Folgerungen zu ziehen und erblicke darin einen Miß­brauch der den Abgeordneten zustehenden Rechte. Er bemerke dies für die Zukunft, damit nicht au« feinem gestrigen Schweigen ein Präjudiz gezogen werde. (Beifall.)

Der Gesetzentwurf betr. die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung wird in dritter Lesung unverändert ange­nommen.

Sodann wird die Berathung de« Etat« de« Innern beim Statistischen Amte fortgesetzt.

Abg. Dr. Hirsch (dir.) wünscht eingehendere statistische Nach­weise über den Zu- und Abgang bei den Krankenkassen und Angaben über etwaige den Kassen Seiten« der Gemeinden -ufließende Sub­ventionen. Er habe zu seinem Erstaunen gehört, baß die Berliner Maurer Krankenkasse vom Magistrat 30000Mark Unterstützung erhalte. Unterstützungsgesuche freier Hilfskassen ^würden schwerlich Erfolg haben.

Siaaissecretär v. Bötticher: Dm Wünfchm de« Vorredner« fei schon zum Tbeil entsprochen. Man dürfe die Krankenkassenbeamten nicht mit statistischen Arbeiten überlasten. Die Maurer-Krankenkasse sei dadurch in schwierige Lage gekommen, daß derselben ein größerer Unternehmer mit Beiträgen durch die Lappen gegangen. Don einer Subventionirung dieser Kasse sei ihm nichts bekannt.

Abg. Schrader (bfr.) wünscht möglichste Ausdehnung der statistischen Erhebungen, um unsere Arbeiteroerhättntfse genau zu ermitteln.

Abg. Dr. Buhl (natl.): Die Ermittelungen müßten so erfolgen, daß die Arbeiter selbst an der Richtigkeit der Ergebnisse nicht zweifeln könnten. Mit Rücksicht auf die Ueberlaftung der SelbstverwaltungS- organe seien indeß die statistischen Erhebungen auf das Nolhwendigste zu beschränken.

Beim Capitel AichungSamt befürwortet Abg. Gold­schmidt (bfr.) obligatorische Aichung der Bierfässer.

StaatSsecretär v. Bötticher erwidert, daß augenblicklich fest­gestellt werde, ob ein Bedürfniß oder doch ein wirihschaftlicher Dortheil de« AichzwangS vorliege.

Beim Eapiiel Gesundheitsamt wünscht Abg. Rosicke Auskunft über die Ergebnisse der Erhebungen betreffs eines Verbots der Surrogate bei der Bterbereltung. Dm obergährigm Brauereien könne ja die Benutzung von Surrogaten gestattet werden, falls sie nur ihre Biere als obergährige kennzeichnen. Auch für Exportbiere, die über See gingen, könnten Ausnahmen zugelassen werden.

Siaaissecretär v. Maltzahn: Die Verwendung von Malz- surrogaten sei in Norddeutschland nur noch gering. Eine Vorlage auf Verbot der Verwendung von Surrogaten habe s. Z. nicht die Zustimmung de« Reichstags gefunden.

Abg. Dr. Meyer (bfr.): ES gebe Leute, die reinen Wein trinken und deshalb Anderen verwehren wollten, canbtrten ober (baptaliftvten Wein zu trinken. Da« fei Unrecht. Unb wmn man Biertrinker zwingen wolle, auf weniger echtes Bier zu verzichten, so I verweise man sie auf den SchnapS. Weshalb Brauereien zu Grunde richten, die Zucker zum Bier verwenden? ES gebe durchaus gute Biere, welche auS Zucker hergestellt seien. Ueberhaupt solle man nicht die Technik festlegen, die vielleicht mit der Zelt noch bessere Biere schaffe, al« wir sie jetzt haben. Hopfensurrogate wolle er auch Vor­boten wissen, nicht aber Zucker und Reis.

Abg. Goldschmidt (bfr.) wünscht ein Surrogat-Verbot, ba der Mangel desselben die norddeutsche Brauerei mit einem gewissen Odium belaste.

StaatSselretär. v. Maltzahn: Ob ein Verbot der Surrogate allein au« gesundheitlichen Gründen sich empiehle, habe der Bunde«- rath erwogen, die Frage aber verneinen müllen.

Abg. Möller (natl.) tritt für die Beschränkung eine« Surrogat­verbots auf Lagerbier ein.

Abg. Röficke wundert sich, daß der Urheber des geflügelten Worte» von dem Bier,das feinen Beruf verfehlt hat", die Surrogate vertheldlgen könne. Die obergährigen Biere anlangmb, fo würden zum Berliner Weißbier keine Surrogate verwendet. Von rund tausend Brauereien, die er befragt habe, wünschten neunzehntel daS Verbot.

Abg. Fürst Hatz sei di (Np) befürwortet da« Surrogat-Verbot unter Hinweis aus die Qualität der bayrischen Biere.

Auf eine Anfrage de« Abg. Dr. Lingens (Cir.) erwidert StaatSsecreiär o. Bötticher, daß nach angefteUten Untersuchungen an Leichen Cholerabacillen sich nicht lange in der Erde wirksam erhalten. Milzbrandgift bleibe länger wirksam; aber deshalb fei ja auch schon Desinfektion der betr. Threrleichen vorgeschrieben.

Abg. Dr. Lingen« (Str.) bedauert, daß sich der Hamburger Smat der Leichenverbrennung zugänglich erwiesen, die da« christliche Gefühl verletze.

Abg. Goldschmidt (bfr.) legt Verwahrung gegen letztere Aeußerung ein unb hofft, daß die oetbünberen Regierungen der facultatioen Feuerbestattung wohlwollend gegenüberstehen.

StaatSsecrteär o. Bötticher erwiden, daß da« Reich mit der Sache nichts zu thun bade. Da« Reich begrabe "Niemanden und verbrenne 9liemanbcn. (Heiterkeit.)

Abg. Schröder (bfr.) verweist darauf, daß e» den Städten Immer schwerer werde, Begräbnißplätze zu beschaffen. Durch die hohen Grundstückspreise werde man zur Erhebung von Gedührm gezwungen, die geradezu da« (Gefühl verletzten.

Abg. Dr. Baumbach (bfr.) kündigt einen Antrag auf Zu­lassung der facultatioen Feuerbestattung an. Die Feuerbestattung lei in Zeiten von Epidemien gar nicht zu entbehren.

Abg. Fr ohme (Soc.): Ueber die Lebensfähigkeit der Bacillen unter der Erde fei die W ssenfchast nicht einig; sicher vernichtet würden sie nur durch hohe Temperatur. Hingen« habe gewiß noch keine Beerdigungen bei Epidemien gefeben, fönst würde er nicht über Ver­letzung de« Gefühle bei Feuerbestattung sprechen. Dem Reich«- gefundheitsamte fehle e« an den nöthigen Comoeten-en, um bei einem Wieberaustreten der Eholeraepidemie fo einzutreten, wie man ba« wünfchen müsse. Die übertriebene De«infection, auf die man fo große« Gewicht lege, habe btrecl zu Erkrankungen geführt. Man sollte lieber nach den Leben«Verhältnissen bet Volke« forschen unb der WohnungShvziene mehr Aufmerksamkeit schenken. ES müßten all­gemein gültige Grundsätze über die WohnungShyglene erlassen werden. Mtt der Besserung der Lebenshaltung der Arbeiter werde der Seuchen- gefahr in wirksamster Weise vor gebeugt.

Abg. Dr. Endemann (natl.): Der KommabacilluS frage nicht nach der Eompeten; de« Reich« ober Einzelftaaten. Andererseits unterschätze der Vorredner da«, wa» zur Abwehr der Eholera ge­schehen sei. Ohne autglbige DeSinfection war nicht« zu erreichen.

Abg. Dr. Lingens (Etr.): Die Feuerbestattung stehe schon deshalb im Widerspruch mit dem Ehristenthum, well dessen Begründer nicht verbrannt, sondern beerdigt worden sei. Auch die Rücksichten der RechtSpsiege sprächen gegen die Leichenverbrennung.

Abg. Dr. L-ngerhanS (bfr.) tritt für bte Feuerbestat­tung ein.

StaatSsecreiär v. Böti.icher: DaS Reich könne die Leichen­verbrennung nur einführen, wenn deren sanitäre Nothwendigkeit fest- gestellt fei. Dann aber würde die Maßregel nur den einen Zweck haben, wenn sie obligatorisch gemacht würde. Dem würden sich aber die größten Schwierigkeiten entgegenstellen. Das ReichS-Gesundheitk» amt sei keine Executlobehörde.

Abg. Metzger (Soc.) fordert strenge Aussicht über die Trink­wasserversorgung der Städte. In Hamburg habe das LeitungSwafser wesentlich zur Verbreitung der Eholera beigetragen.

Abg. Dr. Buhl (nl.) bittet um Erlaß von Bestimmungen darüber, welche deutschen Weine zum Verschnitt mit italienischen zuzulassen seien.

StaatSsecretär v. Maltzahn sagt solche Bestimmungen zu. Weiterberathung morgen.