Abg. Stadthagen (Soc.) vermipr ein- 'leihe no'.hwendigcc Bestimmungen in der Vorlage. T-.x Besitzer des .'^za^lungSgeichäfts muffe für die Angaben seiner Agenten verantwortlich ft in; dem Käufer muffe strls ein Eremplar des Contracts ausgekändigt werden; die (Sonoentionalftrafe müsse beseitigt werden; der Käufer müsse wenigstens dann das Recht haben, von dem Vertrage zurückzutreten, wenn er einsehe, daß er hereingelegt worden :c. Allen MttzdiäuchlN werde allerdings kein Riegel vo geschoben werden können, hätten dieselben doch ihre Wurzel tn der ganzen heutigen Ordnung.
Abg. Schrader (bfr.): Die Vorlage bedürfe einer gründlichen Correciur, wenn der Zweck derselben erreicht und das anständige Abzahlungsaeschäft ausrechterhallen werden soll.
Die Vorlage wird an eine 21er-(sommtfnon verwiesen
Montag; Gvchergesetz, einheitliche Zeit, Vorlage betr. Derrath militärischer Geheimnisse. — Am Donnerstag beginnt die Einzel- derathung des Etats.
Norrcste 2Tac$rfcbteih
WolffS telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 22. Januar. Heute Nachmittag ist Prinz Friedrich Carl von Hessen, der Bräutigam der Prinzessin Margarethe von Preußen, hier eingetroffen und im Königlichen Schlöffe abgestiegen. — Heute Abend 7 Uhr ist bei den Majestäten größere Familientafel, an welcher fast sämmtliche hier anwesende fürstlichen Gäste theilnehmen. — Heute Nachmittag 5 Uhr trifft der Grobherzog von Hessen mit Prinzessin Alix, Abends bald nach 8 Uhr der Erbgroßherzog von Sachsen mit Gemablin hier ein. — In der Begleitung des am 24., Abends 9*/2 Uhr, hier eintreffenden Großfürsten-Thronfolgers von Rußland befinden sich Generaladjutant Graf Touchkine, der General ä la suite Fürst N. Dolgoruckt und der persönliche Adjutant Hauptmann Fürst Rohoubey. In Eydtkuhnen wird der Großfürst vom Ehrendienste, Generalstabschef Graf Schlieffen II. und Oberst Frhr. v. Bülow, Commandeur des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiments empfangen und nach Berlin geleitet. Ehrendienst und Dienerschaft sind gestern Abend nach Eydtkuhnen abgereist.
Berlin, 22. Januar. Gestern und heute fanden hier unter Vorsitz des Abgeordneten v. Schenckendorff Sitzungen des Central-Ausschusfes zur Förderung der Jugend- und Volksspiele in Deutschland statt, die aus allen Theilen Deutschlands zahlreich besucht waren. Seitens des Unterrichts-Ministeriums wohnte Geh. Regierungsrath Köpcke der Versammlung bei, welcher die lebhafte Sympathie des Ministers Dr. Bosse übermittelte, die Militär- Verwaltung war durch den General-Jnspecteur des Militär- Erziehungshauses, General der Infanterie v. Keßler und den Commandeur des Cadettencorps General v. Amann vertreten. Neben einer Reihe die innere Arbeit fördernden Berathungs- gegenständen kamen zur Verhandlung: Die Stellung des Ausschusses zur deutschen Turnerfchaft, Abg. v. Schenckendorff- Inwiefern nützen die Jugend- und Volksspiele der Armee, Sanitätsrath und Abgeordneter Dr. Graf und Dr. med. Schmidt-Bonn - Die Fortschritte der Bewegung auf statistischer Grundlage, Geheimer Ober-Regierungsrath Blenck- Die neuere Sonntagsruhe und die Volksspiele, Schulrath Platen- Magdeburg und über die Einrichtung von Wettspielkämpfen durch den Ausschuß, Prof. Dr. Koch, Braunschweig. Sämmtliche Verhandlungsgegenständc führten zu eingehenden Debatten. An der Debatte über den Einfluß der Spielbewegung auf die Wehrfähigkeit des Volkes beteiligten sich in anerkennender Weise auch die Vertreter der Militär-Verwaltung.
Rewyork, 23. Januar. (Privatdepesche.) Bei einem gestern in der Nähe der Station Alton erfolgten Eisenbahnunglück explodirten gleichzeitig 3500 Gallonen Petroleum. Die Häuser Altons sind voller Verwundeter. Bis jetzt sind acht Todte und 94 Verwundete, davon elf sterbend, gezählt.
Nom, 23. Januar. (Privatdepesche.) Gestern Abend explodirten zwei Höllenmaschinen, eine in der Claudiusstraße und eine in der Via Borgogna. Die Fenster und Möbel der betroffenen Häuser sind zertrümmert. Als Ursache des Legens der Höllenmaschinen wird Rache vermuthet.
totales unb provinzielles.
Gießen, 23. Januar 1893.
— Zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers findet in hiesiger Garnison am 26. d. Mts. Abends zwischen 8 und 9 Uhr Zapfenstreich, am 27. zwischen 6 und 7 Uhr Rcveillc auf folgendem Wege statt: Neue Kaserne, Sicher-, Grünberger-, Ludwigs-, Alice-, Frankfurterstraße bis zur Wohnung deS Garnison-Aeltesten, von hier sodann Seltersweg, Wallthorstraße, Brandgasse, nach der Zeughauskaserne. — Am 27. um 7 71 Uhr früh wird ein Clwral vom Thurm der Stadtkirche geblasen. Um 9 */2 Uhr findet Gottesdienst in der katholischen, um 93/t Uhr in der evangelischen Kirche statt. Hieran schließt sich um l l'/z Uhr Parade auf OSwaldsgarten, bei welcher Plätze für Zuschauer offen gehalten werden. Um 2 Uhr findet ein Festessen im Clubgebäude statt. Die Compagnieen des Regiments Kaiser Wilhelm halten ihre Festlichkeiten am Abend deS 27. in folgenden Localen ab: Leib-Compagnie (Safe Leib, 2. Compagnie Lenz'scher Felsenkeller , 3. Restauration „Zum goldenen Löwen", 4. Restauration „SckützenhauS", 5. Turnhalle des Turnvereins, 6. Lahn- ftein, 7. Restauration Pfau, 8. Lonys Bierkeller, 9. Restauration Schiffenberger Thal, 10. und 11. Steins Garten, 12. Compagnie Restauration Postkeller. — Die Einwohnerschaft dürfen wir wohl bitten, zur Feier von Kaisers Geburtstag ihre Häuser mit Fahnen rc. zu schmücken.
— Die Eisenbahn - Direetion (rechtsrheinisch) macht be» fannt, daß in ihrem Bezirk vom 1. Februar ab Signale mit der Stationsglocke nicht mehr gegeben werden, fortan erfolgt die Aufforderung zum Emsteigen durch Abrufen in den Wartcsälen.
— Einen Schneesturm, wie den am SamStag Mittag plötzlich aufgetretenen, erlebt zu haben, können sich wohl wenige auö unserer Einwohnerschaft erinnern. Der Nieder
schlag war stoßweise so dicht, daß den auf der Straße befindlichen Personen kaum das Athmen ermöglicht wurde, Luft und Licht schienen zeitweise wie abgeschnitten. Nach Berichten von auswärts ist die Anhäufung der durch den Sturm herbeigeführten Schneemaffen derartig, daß Verkehrsstockungen, besonders auch bei den Eisenbahnen, eintraten. Merkwürdig an dieser Witterungserscheinung ist, daß der Schneesturm von einem Gewitter begleitet gewesen, von dem man zwar hier wenig verspürte, deffev Anzeichen aber, Donner und Blitz, an vielen Orten bemerkt wurden. An den gegenwärtigen Winter mit seiner großen Kälte und seinem Schneereichthum wird man noch lange denken.
— Theater-Verein. Von bestunterrichteter Seite erfahren wir, daß die für Januar geplante Theateraufführung aus geschäftlichen Gründen abgesetzt werden mußte. Dafür bietet uns der Vorstand im Februar zwei Abende; am Donnerstag den 9. spielen die alten Frankfurter Freunde, am Mittwoch den 22. die Mitglieder des Darmstädter Hoftheaters. Für diese beiden genannten Spiel- abende sind feste Abschlüsse erzielt worden, so daß wir, wenn nicht ganz Unvorhergesehenes eintritt, zwei hervorragend genußreichen Abenden entgegensehen, die zu hoch intereflanten Vergleichen Gelegenheit bieten. Wir können uns nicht versagen, der Geschäftsleitung des Theatervereins unsere ganz besondere Anerkennung für ihre Thätigkeit auszusprechen, zwei so hervorragende Körperschaften in einer so kurzen Zeitspanne zu Gesammtgastspielen zu gewinnen, ist ein voller Erfolg und manch andere größere Stadt dürste uns um dieses Vorkommniß, oder besser gesagt Ereigniß beneiden. Hoffen wir nun noch, daß auch bei der Wahl der Stücke ein gleich glücklicher Stern walten möge.
K. Theater. In ihrem fünfactigen Lustspiel „Krieg im Frieden" stellen uns Moser und Schönthan ein Stück aus dem Leben dar, wie es frischer und natürlicher nicht gedacht werden kann. Das Manöver hat das Militär in eine Gegend geführt, deren weibliche Bewohner insgesammt diesen Zeitpunkt nur herbeigesehnt zu haben scheinen, um die ganze Gluth ihrer liebeSbedürstigen Herzen über die ankommenden Soldaten auszugießen. Vorzüglich ist dabei die Beobachtungsgabe der beiden Autoren, die sich sehr oft nur in Kleinigkeiten zeigt, deren Wirkung aber unübertrefflich ist, so z. B. das Gebühren der beiden Backfische beim Herannahen des ersten Lieutenants, die eine sagt, mich kleidet der Hut ' bester, die andere, nein ich bleibe unbedeckt, das steht mir schöner u. s. w. Nun das Stück ist den Gießenern ja nicht mehr fremd, gehört es doch hier, wie an allen Bühnen mit Recht zu jenen, die sich in jeder Saison auf dem Repertoir finden. Die Wiedergabe desselben am gestrigen Abend war, was das Einzelspiel anbelangt, eine vorzügliche. Unser Gast Herr W. v. Hoxar hatte die Stelle des Reif-Reiflingen übernommen und führte sie in einer wahrhaft grandiosen Weise durch. Die Rolle dieses blasierten leichten Lebemannes führt leicht zur Uebertreibung und wirkt dann unangenehm. Doch der gestrige Reiflingen zeigte davon nichts, einfach und natürlich in Haltung und Sprache und eben dadurch brillant in der Wirkung. Zwei allerliebste Figuren waren die beiden Backfische „Ilka und Else" (Frau Director Reiners und Fräulein Kroll), deren Spiel ebenfalls unser uneingeschränktes Lob gespendet sei. Herr Martiensen gab den General, eine ungemein schwierige Rolle, wirklich meisterhaft. Zum Schlüsse sei noch Herr Rupp (Henkel) lobend erwähnt, dessen Erscheinen schon wahre Beifallsstürme entfesselte. Die übrigen Mitwirkenden thaten sämmtlich ihre volle Schuldigkeit. Schade war es deshalb, daß bei diesen guten Einzelleistungen das Ensemblespiel nicht in derselben Weise klappte, des Oefteren machten sich Stockungen bemerklich, vielleicht wäre ein weiteres „Pröbchen" hier von großem Nutzen gewesen. Das Publikum war in ziemlich großer Anzahl erschienen, allerdings hätten die guten Plätze noch etwas dichter besetzt fein können; sollte da vielleicht das vorausgegangene Concert eingewirkt haben?
— Neues Theater. Wir wollen nicht verfehlen, auf das morgen, Dienstag, den 24. Januar, stattfindende Benefiz für Fräulein Sabine Brii nner besonders aufmerksam zu machen. Fräul. Brünner hat für ihren Ehrenabend ein sehr beliebtes Stück „Die Waise ans Lowood" gewählt, welches Stück ihr sicher großen Erfolg und ein volles Haus verschaffen wird. Mittwoch, den 25. Januar, auf Wunsch Vieler, zum letzten Male „Die Orient reife".
— Auszeichnung. Am 12. Januar wurde der Karoline Uhl aus Ober-Schmitten, in Diensten der Familie Theobald (Hotel Trapp) zu Friedberg i. W. die silberne Medaille des Ludwigs-Ordens verliehen.
— Am Montag fand in Darmstadt eine Versammlung der jungen hessischen Barbiere und Friseure statt, welche sehr zahlreich aus allen Theilen des Landes besucht war. ES wurde unter dem Vorsitze des Herrn Herrmann in Offenbach, nachdem sich sämmtliche Anwesenden gegen die jetzt bestehende Sonntagsruhe in den Wintermonaten ausgesprochen hatten, auf Vorschlag des Vorsitzenden beschlossen, eine Petition an Großh. Ministerium einzureichen um Gewährung einer längeren Geschäftszeit in den Wintermonaten.
— Eine Zone strengster Kälte, so schreibt die deutsche Seewarte am Mittwoch, erstreckt sich von Südsrankre.ch, nordostwärts über Deutschland nach der Odermündung hin. Clermont meldet als tiefste Temperatur 20, Mülhausen 22, München 25, Bamberg 28, Chemnitz 21, Swine- münde 30 Grad unter Null. In Berlin sank das Thermo- meter in der Nacht zum Mittwoch bis auf 22 Grad.
r. Grohen-Bufeck, 22. Januar. Heute fand die in diesem Blatte angekündigte Versammlung der Mitglieder und Freunde deS „O b e r h esf i s ch e n O bst b a uv er e in S" zu Großen-Buseck im zahlreich von einheimischen und auswärtigen Gästen besuchten Brück scheu Saale statt. In der Versammlung dielt Herr Landwirthschaftslehrer Reich eit von Friedberg einen intereffanten, lehrreichen Vortrag über „Pflege und
Schnitt junger Obstbaume". Der Vortragende erörterte zu- nächst die vor der Verpflanzung junger Obst bäume nöthigen Wurzelschnitte zwecks Ausschnitts kranker Wurzelrheile und der sich an der Schnittfläche aus dem Cambiumfafte neu- bildenden, zur Ernährung so nothwendigen Saugwürzelchen, verbreitete sich dann über Herstellung des Pflanzloches, die Beschaffenheit, Art und Weife der bei der Pflanzung zu verwendenden Erde und ging darauf über zur Erklärung der zur Erzielung einer schönen Krone vorzunehmenden Schnitte, wobei durch zahlreiche zeichnerische Darstellungen den Zuhörern die Auffaffung des vorgetragenen Stoffes erleichtert wurde. Nach dem Vorträge forderte Herr Dr. med. Böckler die Anwesenden auf, sich behufs Beitrittserklärung zum Ober- hessischen Obstbauverein in die aufgelegte Liste einzuzeichnen.
K. Aus dem Niddathal, 21. Januar. Auf die große Kälte, die seither herrschte, in unserem Thale 23—240Rv folgte heute ein so starkes Schneegestöber, mit Blitzen und Donnern verbunden, wie man cS hier noch nid)t erlebt hat. Der Schnee liegt so hoch, wie er seit Menschengedenken noch nicht gelegen hat."
t Büdiugeu, 22. Januar. Dor einiger Zeit bezog eine hiesige Familie einen Papagei aus Hamburg, welcher einige Tage nach seiner Ankunft verendete. Baid darnach wurden der Besitzer des Papageis, ein Messerschmied, seine Frau und Kinder, von einer Jnfeetionskrcwkheit befallen und auch Personen, welche in der Familie verkehrten, sowie die Ehefrau eines Hausfreundes, der den Vogel auSgestopft hatte, sind erkrankt. Der Messerfchmied ist vor einigen Tagen feinen Leiden erlegen und die übrigen Erkrankten sind noch nicht außer Lebensgefahr. In hiesigen Kreisen ist nun die Ansicht verbreitet, der Papagei habe den AnsteckungSkeim eingeschleppt. Ob dies begründet oder nur Dermuthung ist, mag von zuständiger Seite entschieden werden- jedenfalls dürfte aber das Vorkommniß zur Vorsicht beim Bezug von Sachen aus inficirtcn Gegenden mahnen.
— Diebach am Haag, 21. Januar. Heute wurde unser neugewählter Bürgermeister Friedrich Gerth IV. als O r tS - gerichtsvorsteher und Standesbeamter verpflichtet und in seinen Dienst eingewiesen.
Darmstadt, 19. Januar. Die RevisionS-Verhandlung gegen die von dem Schwurgericht zum Tode verurtheilten Angeklagten Schreck und Stramm findet am 6.Febr. vor dem Reichsgericht in Leipzig statt. Als Gründe der Einsprache werden u. '21. geltend gemacht, daß bei der Schwurgerichtsverhandlung Artikel aus dem „Frankfurter Gencral'Anzeiger" vorgelesen wurden und nicht die Redacteure persönlich vorgeladen waren, daß die Verhandlung bis zum Sonntag gedauert habe und hauptsächlich, daß bei dem zweiten Protokoll der Geschworenen nicht die Abweichungen zwischen diesem und dem ersten Protokoll erkennbar waren.
Darmstadt, 19. Januar. Man erinnert sich wohl noch jenes Unfalls, der vor wenigen Jahren auf dem Perron der Main-Neckarbahn zu Darmstadt sich ereignete, indem bei der Dunkelheit ein Herr Pfalz von Stuttgart, der den Abort aufsuchen wollte, in einen offenen Schacht stürzte und infolge einer hierbei erlittenen Gehirnerschütterung starb. Seine Wittwe hat die Main-Neckarbahn gerichtlich belangt. Die Beweiserhebungen hatten das Resultat, daß die Bohn sich im Vergleichswege entschlossen hat, der Hinterbliebenen als Entschädigung eine Capitalabfindung von 60000 Mk. auSzuzahlen.
nn. Darmstadt, 22. Januar. Ein ganz eigenthiim- licher ©tri Ec ist feit einigen Tagen in einem Orte unseres vorderen Odenwaldes auSgebrochen (Wersau). Zu den Dienstobliegenheiten der dortigen Lehrer gehört u. A. auch die Verpflichtung, daß sie im Winter für das nöthige Feuer in ihren Schulen zu sorgen und dasselbe während den Unterrichtsstunden zu unterhalten haben, da cS an einem Schuldiener mangelt. Bei der nun seit einigen Tagen herrschenden strengen Kälte scheint diese Verpflichtung den Herren Lehrern sehr schwer gefallen zu sein, denn sie wandten sich beschwerdeführend an den Gemeindcrath. Dieser hat jedoch ihrer Beschwerde nicht nur nicht entsprochen, sondern sie auf ihre Verpflichtung hingewiesen und die Bestellung eines Schuldieners abgelehnt. Infolge dieses Beschlusses weigerten sich die Lehrer, die Heizung der Schule weiter u besorgen, so daß die Schule auögesetzt werden mußte. Darob große Freude unter der Schuljugend. In gewissen interefsircuu Kreisen ist man nun gespannt, wie dieser Strike zu Ende geführt wird.
Darmstadt, 22. Januar. Der von 31 Abgeordneten em gebrachte Gesetzantrag auf Ermöglichung der freu erbe ftattung geht in neun Artikeln dahin: Anstalten zur Verbrennung von Leichen dürfen in der Regel nur auf den Fried- Höfen der Gemeinden errichtet werden. Zur Errichtung an anderer Stelle ist die Genehmigung unseres Ministeriums des Innern und der Justiz erforderlich. Der Betrieb der Anstalt untersteht der Ueberwachung der Gemeindebehörde. Jede Leichenverbrennung muß von einem Beauftragten desjenigen, der den Petrieb der Anstalt übernommen hat, ober wenn dieser der Gemeinde zusteht, von einem Beauftragten der letzten geleitet werden. Keine Verbrennung darf erfolgen ohne eine von der OrtSpolizei ertheilte schriftliche Genehmigung. Diese Genehmigung soll nur ertheilt werden, wenn 1. die Feuerbestattung von dem Verstorbenen selbst angeordnet worden ist oder von denjenigen, die für die Bestattung zu sorgen haben, gewählt wird, und 2. durch amtsärztliche Leichenschau und die etwa erforderliche Oeffnung der Leiche festgestellt worden ist, wodurch der Tod des Verstorbenen eingetreten und der Verdacht eines gewaltsamen TodeS ausgeschloffen ist, sowie eine Bescheinigung hierüber vorgelegt wird. Nach Beendigung der Verbrennung wird die Asche sorgfältig gesammelt, in eine geeignete Aschen-Urne geschüttet und barm verschloffen. Die Urnen müssen außen die Dor- und Zunamen des Verstorbenen, beffen Asche sie enthalten, tragen und au8 widerstandsfähigem Stoffe bestehen. Die Aschen-Urne wird ' demjenigen übergeben, der für die Bestattung Sorge ge-


