Ausgabe 
23.11.1893 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

fconlon, 21. November. Die englische Presse fordert allgemeine Vermehrung der Flotte, namentlich im Mittelmeere. Die Handelskammerberichte, sowie die Ergeb­nisse der Verwaltungen begründen eine Verstärkung der Schiffszahl. Man schätzt die Kosten dieses Flottenzuwachses auf nahezu 23'/z Millionen Pfund Sterling. ImNational Review" will der ehemalige Marineminister Hamilton nähere Einzelheiten über den Plan veröffentlichen.

Petersburg, 21. November. Obschon die Ernte in Rußland in diesem Jahre sehr gut war, so haben doch die Gouvernements Olonaz für 235,000 Rubel, Petersburg für 50,000 und Nowgorod für 60,000 Rubel Getreide­darlehen zur Saat und DolkSernährung von der Regierung erbitten müffen.

Localer und provinzieller,

Gießen, 22. November 1898.

Verzeichuiß der Geschworenen für die am 4. Tecember beginnenden Schwurgerichts-Sitzungen. 1. Ferdinand Pröscher In Schotten, 2. Philipp Rühl in Trohe, 3. Lorenz Kremer II. in Ober-Mörlen, 4. Jacob Schimpf in Butzbach, 5. Eberhard Döll in Alten Buseck, 6. Johannes Dippel in Reibertenrod, 7. Friedrich Fendt in Büdingen, 8. Gottfried Repp III. in Homberg, 9. Ernst Katz in Atzenhain, 10. Konrad Eurich in Unter-Wegfurth, 11. Heinrich Rühl in Freienseen, 12. Hein­rich Leihmann in Maulbach, 13. Beigeordneter Höhler in Angenrod, 14. Dr. Gg. Ludwig Adolf Mettenheimer in Gießen, 15. Heinrich Birkenstock III. in Ranstadt, 16. Ludwig Kattrein in Gießen, 17. Heinrich Konrad Schäfer in Altenstadt, 18. Karl Wilhelm Nowak in Gießen, 19. Karl Steuernagel in Unter-Sorg, 20. Wilhelm Schmidt in Rödgen, 21. Graf Waldemar von Oriola in Büdesheim, 22. Konrad Rockemer in Schotten, 23. August Hermann in Winnerod, 24. Georg Dern VI. in Leihgestern, 25. Wilhelm Völzing IV. in Groß- Felda, 26. Ludwig Petri II. in Gießen, 27. Heinrich Konrad Schneider in Ulfa, 28. Richard Bornemann in Trais-Horloff, 29. Georg Straub II. in RüdingShain, 30. Georg Kuhl in Dorf-Gill.

* * Auf das Concert Barth-Spengel möchten wir unsere Leser hiermit noch einmal ganz besonders Hinweisen, wir hatten uns schon früher darüber empfehlend geäußert und können heute auch nur der Sache Förderndes hinzusügen. Beide Künstler dürfen sich Virtuosen im besten Sinne nennen, da­runter darf man jedoch im vorliegenden Falle keineswegs an das sogenannte moderne Virtuosenthum denken, das flitter­artig die mangelnde Innerlichkeit durch fingerzerbrecherische Kunststückchen zu verdecken sucht und das seine Erfolge nur manueler Geschicklichkeit verdankt. Gerade das Gegentheil pflegen und bezwecken die gedachten Künstler. Der technischen Fertigkeit, der sie auch nicht entbehren und entbehren können, bedienen sie sich als Mittel zum Zweck, nicht als zum Zweck selbst, ihr ganzes Streben geht dahin, gewiffenhafte, geistreiche Interpreten unserer genialen Meister zu sein. Herr Professor Barth ist in musikalischen Kreisen zu wohl bekannt und be­darf unserer Einführung wohl nicht, dagegen entbehrt Herr Jul. Spengel dieser Bekanntschaft eher und ist es daher angebracht, von ihm einige Notizen zu bringen. Wir glauben das ganz kurz thun zu können, um ihn unserem Leserkreis am besten vorzustellen, wenn wir mittheilen, daß kein Ge- ringerer als der Altmeister Joachim mit ihm wiederholt zusammengespielt hat. So finden wir in angesehenen Ham­burger Zeitungen aus ganz letzter Zeit (19. October d. I.) Notizen, welche einem Concert entstammen, wo beide Künstler zusammen wirkten, lieber Herrn Spengel, der unö ja im Moment allein iuteressirt, schreibt der berufene Kritiker Sittard:Von diesem Beifall (den Joachim bekam) dürfte Herr Julius Spengel mit vollem Recht einen Theil auf sich übertragen, denn sowohl in beiden Sonaten (Mozart B-dur, BrahmS D-moll), wie in der technisch überaus schwierigen Phantasie (Schubert C-dur) brachte er von seinen pianistischcn und musikalischen Eigenschaften wieder einmal einen überzeugenden Beweis. ES gewährte eine ungetrübte Freude, dem Zusammenspiel der beiden Künstler zu folgen." Aber auch F. P o h l urtheilt übereinstimmend mit Vorstehendem in denHamburger Nachrichten":Herr Spengel behandelte den Clavierpan mit bemerkenswerther Feinfühligkeit und namentlich für Brahms stand ihm eine reiche Scala weicher, dämmender Anschlagsnummern zur Verfügung, wie sie die Eigenart des Brahm'schen Clavierstils erfordert. Schubert und Mozart spielte Herr Spengel mit blitzblanker Sauberkeit des Passagenwerkes, mit Nobleffe und geläutertem Geschmack." Dasselbe Unheil fällt Goby Eberhardt imGeneral- Anzeiger" :Herr Spengel, der in sämmtlichen Stücken den Clavierpan übernommen hatte, zeigte sich aufs Neue als äußerst feinfühliger Pianist, der mit schönem, weichem An« Anschlag eine ungemein durchgebildete Technik verbindet und dcffen musikalischer, empfindungsvoller Vortrag ausS Ange­nehmste berührte." Bei solcher Uebereinstimmung dürfen wir an der wahren Künstlerschast keinen Zweifel hegen, fühlen unS vielmehr verpflichtet, daS Concertunternehmen hiermit warm zu empfehlen.

* * Wie wir hören, hat sich am 20. dS. MlS. ein neuer Nalfahr-Berein in unserer Stadt gebildet, der den Namen RadsahrclubHafsia".Gießen führt. Vorsitzender L. Franke, Schriftführer und Kassirer PH. Meyerhofs, Fahrwart Hrch. Plank, Beisitzer C. Herber. Verein-local ist SteinS Garten. BereinSabende Donnerstag Abend 9 Uhr. '

* Vereinfachte Gabelsberger Stenographie (System Schrey). Unter den verschiedenen Systemen der Kurzschrisr oder Steno­graphie ist da- die Basis bildende System von Babelsberger, welches seit 1834 veröffentlicht, da- am meisten verbreitetste und in Erkennung ihrer Bedeutung und Nutzens als facul- tativer Lehrgcgenstand an vielen höheren Unterrichtsanstalten eingeführt. Diesem Grundsystem haften jedoch noch verschie­dene, zum Theil sehr empfindliche Mängel an, welche GabelS- * 1 berger selbst keineswegs verkannt, sondern die Hoffnung ge- 1

äußert, daß sein System noch namhaftere Vervollkommnung erblühen möge. DaS Problem nun, alle vorhandenen gra­phischen Vorzüge, sichere Lesbarkeit, Kürze und Schreib­flüchtigkeit mit großer Einfachheit und daher leichter Erlernbar­keit zu verbinden, ist gelöst durch die vereinfachte Stenographie, aufgestellt von dem früheren practischen GabelSberger-Stenographen, Herrv F. Schrey in Berlin. Sofort bei dem Erscheinen der vereinfachten Stenographie trat eine sehr große Anzahl bedeutender Anhänger des GabelSberger und anderer Systeme zu denelben über, ihre großen Vorzüge anerkennend. So äußert sich, unter vielen Urtheilen früherer Gabelsbergianer, u. A. Hauptlehrer Emst Kühler in Repeln bei MörS:Obgleich ich mich schon lange Jahre der GabelSberger'ichen Stenographie bedient habe und für mich genügend damit fertig werden konnte, so muß ich jetzt bekennen, nachdem ich nur kurze Zeit zur Erlernung und Hebung der vereinfachten Stenographie verwenden konnte, daß ich dieses System lieber als da- GadelSberger'sche an- wende." Ferner: Herr Dr. A. Stamm, Ehrenmitglied des GabelSb. Stenographen-Dereins zu Iserlohn schreibt u. A. : Die vereinfachte Stenographie geht ganz und gar von den Grundsätzen GabelSbergerS aus, erweitert und ergänzt aber dieselben aus Grund eingehender, mehrjähriger, gründlicher Studien der gewiegtesten Kenner in überzeugender Weise. Einfachere und einleuchtendere stenographische Grundsätze kann

Schlitz, 20. November. Man schreibt derDannft. Ztg.K» Die hiesige Firma 9g. L angb einrich, die in Schlitz unb Umgebung über 250 Arbeiter beschäftigt, stellte in Chicago ihre Fabrikate in Tischzeugen und Handtüchern in Drill, Jacquard und Damast aus. Im Jndustriepalast batte sie fo geschmackvoll becorirtet Coje ihre Erzeugnisse, sowie eine Sammlung von Flächsen und ein Spinnrad, wie el nr Schlitzerlande die Bauern heute noch in den Spinnnuben te Gebrauch haben, zur Anschauung gebracht. Hauptsächlich be­wundert, und zwar in erster Linie von der Damenweb, wurden, nach einem Bericht derJll. StaatS-Ztg." die ae der Mittelwand der Coje angebrachten, mit blauem Seiden- Plüsch eingerahmten Servietten. ES fanden sich darunter Muster nach Motiven eines Deckengemälde- im Palazz, Borghese in Rom, ferner der berühmten Malereien 'Jiafadl in den Loggien deS BaticanS u. f. w. Durch ihre außer» ordentliche Feinheit, und kunstgemäße Ausführung zeichneten sich besonders au- zwei neue Damastgedecke im Rocoeo- und Barockstil, die auch Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit der internationalen Jury waren.

Darmstadt, 21. November. Beigeordneter La Uten- fth I 5g er ist an einem KrebSleiden gestorben.

Pcrmrfcbrc#.

man sich nicht denken. Und so ist die vereinfachte Steno­graphie als daS Zeichen einer wirklich natürlichen und ge­sunden Entwickelung auf das freudigste zu begrüßen. Auch in hiesiger Stadt hat die vereinfachte Stenographie schon Anhänger gefunden und wird demnächst der zweite Anfänger- CursuS unter Leitung des Herrn C. Herber beginnen, auf welchen hierdurch ganz besonders aufmerksam gemacht wird (f. Inserat). Jede gewünschte Auskunft wird bereitwilligst ertheilt und sind Gäste an den jeden Dienstag Abend siatt- findenden Uebungsabenden tm Local desSolmser Hof" will­kommen.

* * Kirchliche Dienstnachrichlen. Der am 12. November von Seiner Erlaucht dem Herrn Grafen von Schlitz, ge­nannt von Görtz auf die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Hutzdorf präsentirte Pfarrverwalter Georg B e r n b c ck daselbst wurde von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog für diese Stelle bestätigt.

* * Auf den Staatsbahnen wird an Stelle der jetzigen Westinghousebremse, die den gestellten Anforderungen nicht entspricht und namentlich im Winter einfriert, die Karpenter- bremse wieder eingeführt.

* Ein Zeichen der Zeit. Unter den 396 Abiturienten der Provinz Schlesien befinden sich nur 17, die das Schul­fach ergreifen (Philologie), einschließlich 2, die neben der Theologie Philologie studieren. Auf der Universität Rostock befinden sich unter 92 Neuimmatriculierten nur zwei Mathe­matiker und kein einziger Philologe.

* * Lebensmittel-Preise Ende October 1893. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes- statistik kosteten:

Ochsenfletsch per Pfund

Rindfleisch per Pfund

Kalbfleisch per Pfund

Schweines!, per Pfund

Hammelfleisch per Pfund

Gemischtes Brod

Roggen- Brod

Butter per Pfund

Milch 1 Liter

Eier

1 1 Stück

Städte mtt Octrot Darmstadt

72

66

60

70

60

13

11

111-121

19

6-8

Mainz

68

50

60

70

55

13,5

12

105-120

21

69

Ostenbach

70

56

60

70

60

13,5

13

119-12»

21

6-8

Worms

64

56

60

68

52

12

10,5 11

104-117

17

5-8

Gießen

Städte ohne

67

55

55

69

50

12

103-113

18

7

Octrot Bingen

70

60

60

70

50

12

11

108-128

19

7-8

Bensheim

60

50

60

60

60

12,5

11

113-126

17

7-8

g&t9

55

50

60

60

60

15

10

105-117

17

8-9

70

60

55

60

55

12,5

11,5

110-130

18

7-8

Alsfeld

55

40

40

58

12,5

10

100-105

20

6-7

Lauterbach

50

50

50

66

50

12

9

120

16

6

K. Ranstadt, 19. November. Der oberhessische Volksbildungsverein hat auch in hiesiger Gemeinde einen Zweigverein gegründet- er hat eine Volksbibliothek auf­gestellt und vor einigen Tagen eine Volksbühne errichtet. Gestern Abend sand die erste Theatervorstellung statt, der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Vorsitzende des oberhessischen Volksbildungsvereins, Herr Dr. Leopold Ritter v. Sacher-Masoch, hielt vor Eröffnung der Vorstellung eine Rede, in welcher er den Zweck und die Bedeutung des Vereins klar machte, auch sprach er über die Thätigkeit seit der Gründung, Januar 1893. AuS letzterer Ausführung entnehmen wir: In den Kreisen Büdingen und Friedberg sind an 28 Orten Zweigvereine gegründet, 16 Volksbiblio­theken und 4 Volksbühnen aufgestellt, ein Musikverein von 16 Mitgliedern begründet und mit Instrumenten bet heiligt, Stipendien für die LandeSbaugewerkschule zu Idstein (zu 100 Mk.), Haushaltungsschule zu Lindheim (zu 100 Mk.), Gewerbeschulen zu Büdingen und Nidda (zu 50 Mk.), die Ackerbauschule zu Büdingen (zu 50 Mk.), im Gesammtbetrag zu 400 Mk. auSgetheilt und für die Volksschule daS Mang'sche Telurium lunarium (55 Mk.) und ein Stereoskop (45 Mk.) angeschafft. ES sanden in diesem Zeitraum eine Vorlesung, drei Concerte und sechs Theatervorstellungen statt. Schon in nächster Zeit werden sechs weitere Volksbibliotheken aus­gestellt und im Laufe deS Winters noch zwölf Theatervor­stellungen und 50 Vorlesungen stattfinden. Nach dieser Dar­legung fand die Vorstellung statt. ES wurden aufgeführt Die Geschwister" von Göthe,Einer muß heirathen" und Nur nicht fluchen". Sämmiliche Stücke sanden den Beifall deS Publikums. DaS sichere und gewandte Auftreten und die reine Sprache der Mitwirkenden, Herr und Frau v. Sacher- Masoch, des Fräulein Jablonski und deS Herrn Förster von Nidda, zeigten die künstlerische Begabung derselben.

* Fraakeoberg, 20. November. Am letzten Donnerstag Morgen stürzte die Frau deS Maurer-Bohland in Somplar beim Herunterwerfen von Fruchtgarben durch die Luke in die Scheunentenne und erlitt solch schwere Verletzungen, daß sie noch an demselben Tage verstarb. Die Verstorbene hinterläßt einen Mann mit vier unmündigen Kindern.

* Berlin, 10. November. 31399 Wohnungen und (Belafit sind beim jüngsten QuartalSwechiel in Berlin unvermiethet geblieben. Umzüge haben 103 353 stattgefunden- Mieths- erhöhungen sind bei 3666 Wohnungen bewirkt worden, da- gegen sind bei 8810 MiethSermäßigungen eingetreten. A» 1. October 1892 belief sich die Zahl der Umzüge auf 99 197, der MiethSerhöhungen auf 4694, der Ermäßigungen auf 5081, während die Zahl der unvermietheten Wohnungen mtd Gelaffe 28 639 betrug. Auch Charloltenburg hat 4916 leere Wohnungen zu verzeichnen und zwar 1144 große (Lder vier Zimmer), 1100 mittlere (über zwei Zimmer) und 2672

i kleine (bis zwei Zimmer).

* Berlin, 20. November. DaS Schneefchuhlaufen in der preußischen Armee entwickelt sich stetig weiter. Neuer­dings sind auf Anordnung des Krieg-Ministerium- vier Jäger- bataillone mit Schneeschuhen ausgerüstet worden, so daß jetzt insgesammt sieben Jägerbataillone mit Schneeschuhen ver­sehen sind.

* Berlin, 20. November. Auf directe Beranlaffung bei Magistrat- werden in diesem Winter wahrscheinlich aus allen größeren Schulhöfen Berlin- künstliche Eisbahnen her­gestellt werden, die ausschließlich nur für die Schüler uni Lehrer der betreffenden Anstalten reservirt bleiben. D«F Schlittschuhlaufen soll hier an allen schulfrelen Nachmittagen unter Aussicht der Lehrer stattfinden.

* Schneidemuhl, 21. November. Oberhauptmann Freund läßt so lange feinen KieS in den Unglück-brunnen schütten, als die Aufschüttung nachsinkt.

Ein neuesgeflügeltes Wort" ist gegenwärtig in Berliner Hoskreisen vielfach in Gebrauch. Die betreffende Redensart:DaS ist feene dumme Idee", stammt von de« Maurerparlier Lucke her, welcher im Sommer diese- Jahrtt den Bau der Miniaturfestung beimNeuen PalaiS", weiter der Kaiser große- Jntereffe zuwendete, leitete. AIS der 8oa sich seinem Ende näherte, wurde er von dem Kaiser besichtigt, wobei der Monarch zu Lucke sagte, daß er die Absicht baW, den zahlreich bei dem Bau thätigen Arbeitern ein Festessen zo geben. Lucke platzte darauf in seiner ungezwungenen We'ie mit den Worten heraus:DaS iS feene dumme Idee!" Der Kaiser lachte herzlich darüber und erzählte die Geschichte werter. Am Hofe bis herunter zur Dienerschaft und dem Marstall- personale, wird seitdem bei jeder paffenden ober auch nicht paffenden Veranlassung da- Lucke'sche Kraftwort angcroenlet und dasselbe ist auch bereit- außerhalb deS Neuen PalaiS in vieler Leute Munde.

* London, 21. November. Die heftigen Stürme, die gestern über Großbritannien hereinbrachen, haben viele» Schaden angerichtet und viele Unglücksfälle herbeigeführt. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag erhob sich ein ungeheurer Sturmwind, Schnee fiel in großen Flocken und bedeckte bald die Straßen der Metropole mit einem weißen Mantel. An vielen Orten hob der Sturm die Dächer von den Häusern und die Straßendämme waren mit Schutt uni Mauerwerk bedeckt. Die Telegraphenverbindung mit Schott­land, Irland und Wale- war zeitweilig, aber nur auf kurze Zeit, unterbrochen. In Leith zerschellten drei Fahrzeuge, wo­bei ein Mann umkam. In der Bucht von Joe-, Cornwall, verloren acht Seeleute ihr Leben. In Londonderty touxM die Landungsbrücke von den tosenden Fluthen fortgeriffra; im Tay bei Dundee strandete ein mit Sand beladener Segler, wobei vier Matrosen ihr Leben verloren. Der w gerichtete Schaden läßt sich noch gar nicht übersehen. den neuesten Berichten hat der Orkan, der noch jetzt fort­tobt, seit Jabren nicht seines Gleichen in unseren Breite» gehabt. ES will schon wa- sagen, wenn Eisenbahnzüge zum Stillstand gebracht werden, eine Locomotive in den ichomfLen Hochlanden umgeworsen wird und ein Riesendampfer, wie der Cunarde-Lucania", sich um volle 26 Stunden verspätet.

Freiburg im Brei-gau, 18. November. Eine Familientragödie. Eine schreckliche That spielte sich gestern Nachmittag in Ihringen (Amt Breisach) ab, indem der dort wohnhafte Dr. Carl Schelldorf feine Frau durch gewaltrame- Eingießen von Gift ermordete. Dr. Schelldorf war erst kurze Zeit verheirathrt, hat stch aber in derselbe» als ein Unmensch gegenüber seiner jungen Frau gezeigt uni 1 dieselbe so mißhandelt, daß sie genötigt war, zu ihrer hier ; lebenden Mutter, Haupilehrer Epp Wwe., ihre Zuflucht zu