Hoheit der Großherzog Platz genommen, ritt ein Zug der Leib-Dragoner als Ehren-Cortöge. In mehreren Wagen folgten die Herren des Gefolges. Auf der Fahrt nach dem Großherzoglichen Residenzschloß durch die reichbeflaggte Rheinstraße wurden die beiden Fürsten enthusiastisch vom Publikum begrüßt. Bei der Einfahrt in das Großh. Refidenzschloß stieg auf demselben die Flagge Sr. Königl. Hoheit des Prinz- Regenten empor. •
Berlin, 21. November. Der Bundesrath hielt am Montag eine wichtige Plenarsitzung ab. In derselben wurden vor Allem die neuen Reichssteuer-Vorlagen definitiv genehmigt und zwar vorwiegend nach den Anträgen der Ausschüsse. Die vielverbreitete Annahme, die Steuergesetzentwürfe seien schon im Bundesrathe auf größere Schwierigkeiten gestoßen und es ließe sich darum der Zeitpunkt der Erledigung dieser Vorlagen in genannter Körperschaft noch nicht feststellen, hat sich also als unzutreffend erwiesen,- wenn aber wirklich gewisse Hinderniffe existirten, so sind dieselben rasch genug überwunden worden. Wetter genehmigte der Bundesrath in seiner außerordentlichen Sitzung vom Montag noch die Vorlage über die Neuregelung des Finanzwesens im Reiche, den Gesetzentwurf, betreffend die Gewährung von Unterstützungen an Invaliden aus den Kriegen vor 1870 und an deren Hinterbliebene, die Vorlage über den Schutz von Waarenbezeichnungen, sowie die Novelle zum Unrerstützungswohnsitzgesetz. — Mit diesen unverzüglich an den Reichstag gelangten Vorlagen ist für p a r l a m e n t a r i s ch e n Berathungsstoff auf lange hinaus gesorgt und werden die ersten Lesungen aller dieser gesetzgeberischen Sachen und daneben auch die Generaldebatte über den Etat genügen, den Reichstag bis zum Eintritt der Weihnachtspause zu beschäftigen. Außerdem hat aber das Haus die neuen Handelsverträge mit Spanien, Rumänien und Serbien, welche bekanntlich auf der Tagesordnung vom Donnerstag zur erstmaligen Erörterung stehen, noch im laufenden Jahre zu erledigen, da die jetzt geltenden handelspolitischen Abkommen Deutschlands mit jenen Ländern mit Anfang nächsten Jahres erlöschen. Ob da der Reichstag in der verhältnißmäßig kurzen Frist, welche ihm bis zu den Weihnachtsserien zur Verfügung steht, in der Lage sein wird, sich auch noch mit kleineren Vorlagen, Anträgen, Interpellationen usw. beschäftigen zu können, erscheint allerdings fraglich. Nach der ersten Lesung der Handelsverträge soll übrigens nicht die Generaldebatte über den Etat, sondern zunächst diejenige über die Steuervorlagen folgen; man nimmt in parlamentarischen Kreisen an, daß diese allgemeine Debatte über die Steuerprojecte mindestens eine Woche ausfüllen würde.
— Graf Eduard Bethusy-Huc, einer der Begründer der sreiconservativen Partei, ist im Alter von 64 Jahren auf seinem Gute Bankau in Oberschlesien gestorben. Der Verstorbene wirkte bon 1862 an im preußischen Abgeordnetenhause als Mitglied der von ihm mitbegründeten Partei und gehörte später auch dem Reichstage an. Seit 1880 verzichtete er auf jede parlamentarische und politische Thätigkeit.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Korrespondenz- Bureau.
Rom, 21. November. Der Ministerialrath beschloß, angesichts des Ausstandes der Telegraphisten sofort mehrere Jahrgänge beurlaubter Militärtelegraphisten ein« zuberusen und diejenigen Beamten, welche den Ausstand angeregt und gefördert haben, zu entlaffen. Bezüglich der anderen Ausständigen, welche den Dienst innerhalb vier- undzwanzig Stunden nicht wieder aufnehmen, behält sich der Ministerrath vor, entsprechende Maßnahmen zu treffen.
Kopevhageu, 21. November. Ein starker Sturm wüthete vorige Nacht und heute Morgen an der Nordwestküste Jütlands. Biele Fischerboote sind verunglückt und 37 Fischer ertrunken. Die Noth der Küstenbewohner ist groß. ______________
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 28. November. Zu dem im „Reichsanzeiger" veröffentlichten Abkommen Deutschlands mir England über das Hinterland von Kamerun schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", daß das Hinterland in finanzieller Bedeutung der Küste nicht nachstehe. Schon jetzt betragen die Einnahmen jährlich 660000 Mark. Die Sicherung der deutschen In« tereffen sei nur Nachtigall zu verdanken, wenn man auch noch langwierige Verhandlungen habe führen müssen, um England zu einer Concession zu veranlassen. Nunmehr seien aber alle Uebergriffe ausgeschlossen und Deutschland stände das Gebiet bis zum Toadsee am Flußgebiet des Schari offen.
Berlin, 21. November. Der Kaiser hat Mittag« im Neuen Palais das ReichstagSpräsidium empfangen und demselben den Wunsch eines guten gesegneten Fortgangs der parlamentarischen Arbeiten ausgesprochen.
Berlin, 21. November. Sämmtliche Reichssteuer« und Finanzreformgesetzentwürfe sind heute dem Reichstag zugegangen.
Berlin, 21. November. Zu der Blättermeldung über die Unterhaltung des R e i ch s k a n z l e r s mit dem Abgeordneten Manteuffel wird officiös erklärt, der Reichskanzler habe in der Unterhaltung versichert, die verbündeten Regierungen und speciell die preußische Regierung seien bereit, für die Landwirthschaft zu thun, waö sie thun könnten; ferner bemerkte der Reichskanzler, ein wesentlicher Grund für die gegenwärtige Calamität liege in der Verschuldung durch Erbtheilungen, bet welchen zeitweise eine über den realen Werth hinausgehende Steigerung der Güterpreise erfolge.
Berlin, 21. November. Am Donnerstag den 23. November finden in Berlin sechs große Volksversammlungen gegen die Tabaksteuer statt. Molkenbuhr, Meister, Legten, Herbert, Elm und Schmelfeld werden sprechen.
Berlin, 21. November. In der heutigen Sitzung des Tabakarbeitercongresses ist eine Resolution ein« gegangen, in der auf das Entschiedenste gegen die geplante Tabakfabrikatsteuer und gegen jede weitere Mehrbelastung',deS Tabaks protestirt wird. Die Resolution, in welcher ferner der Reichstag dringend gebeten wird, alle diesbezüglichen Vorlagen abzulehnen, ist« damit begründet, daß durch die Steuer ein ConsumrÜckgang um 331/3 Procent eintreten werde, wodurch wiederum viele Arbeiter beschäftigungslos werden würden und auch der Tabakhandel geschädigt werden würde. Am Schluffe der Begründung der Resolution wird behauptet, daß die Tabakindustrie nach Annahme der Steuer in eine geradezu entsetzliche Lage gerathen würde.
Köln, 21. November. Von der russisch-polnischen Grenze wird der „Köln. Ztg." bestätigt, daß der Noth st and zu nehme. Handel und Wandel stockt vollständig - auf den Märkten stehen Tausende von Kühen und Pferden, ohne Käufer zu finden. Die Landeserzeugnisse sind auf einen unerhört niedrigen Preisstand gesunken, der Wucher blüht. Man sehe recht ungeduldig dem Ausgang der Zollverhandlungen entgegen, denn in den weitesten Kreisen habe sich die Meinung festgesetzt, die gegenwärtige wirthschaftliche Noth rühre hauptsächlich vom Zollkriege her. Die Stimmung unter den Grundbesitzern ist eine recht verzweifelte.
Lübeck, 21. November. Wegen Hochwassers ist der Verkehr auf der Lübeck-Travemünder Eisenbahn eingestellt.
Hamburg, 21. November. Unweit Helgoland ging der englische Dampfer Electra unter; die gesammte Mannschaft wurde gerettet.
Wien, 21. November. Wie die Zeitungen melden, hat die Gräfin-Wittwe Hartenau unter der Bedingung eingewilligt, daß der Leichnam des verstorbenen Grafen Hartenau nach Bulgarien überführt wird, wenn auch sie nach ihrem Tode an der Seite ihres Gatten beigesetzt werde.
Wien, 21. November. Einzelne Blätter erwähnen in auffälliger Weise, daß der russische Hof seine Abneigung gegen den verstorbenen Fürsten Alexander auch nach dessen Tode documentirt, indem, trotz der nahen Verwandtschaft, von Petersburg bisher keine Beileidskundgebung eingetroffen fei.
Graz, 21. November. Die Grabrede des bulgarischen Ministers Grekow machte einen tiefen Eindruck. Der Minister betonte, der verstorbene Fürst Alexander habe durch die freiwillige Niederlegung der bulgarischen Krone nach der Schlacht bei Slivnitza zum ersten Male Bulgariens Freiheit und Unabhängigkeit gerettet.
Paris, 21. November. Der Kriegsminister hat 400 Begnadigungen unterzeichnet, der Justizminister 18 Begnadigungen von Schuldigen aus den Unruhen des Quartier Latin.
Paris, 21. November. Im Canal La Manche wächst der Sturm immer mehr- fortwährend laufen neue Nachrichten über Schiffbrüche und Menschenverluste ein. Der telegraphische Verkehr ist glücklicherweise nicht gestört worden.
London, 21. November. Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" aus Petersburg glaubt man in dortigen ein- geweihten Kreisen, daß dem in Aussicht genommenen Besuche des russischen Mittelmeergeschwaders in Konstantinopel eine russisch-türkische Alliance folgen werde. Nelidow arbeite schon lange auf ein solches Bündniß hin. Der Vertrag würde die Verbürgung der Besitzungen des Sultans im Falle eines Krieges enthalten, während Rußland für alle Zeiten das absolute Recht der Dardanellendurchfahrt für seine Kriegsschiffe eingeräumt werde.
1893
Donnerstag den 23. November
Mr. 276 Erstes Blatt
Kenerat-Ztnzeiger
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Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren
Hratisbeikage: Gießener Aamittenölätter
Amtlicher Theil
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v. Gagern.
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Innahmr von Änjtigen zu bet Nachmittag« für den felgen!en Tag erscheinenden Nummer bi« Sonn. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Äu«(anbe« nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Johannes Pfeffer von Münster ist zum Wasen- «ristcr der Gemeinden Munster und Ettingshausen ernannt »ad in dieser Eigenschaft verpflichtet worden.
Gießen, den 21. November 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Schönes Logis zu txrml' „Schöllt AE
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Mentt Anzeiger .richetnt täglich, •d Ausnahme be« Montag«.
Bekanntmachung,
die Anstellung eines Wasenmeisters für die Gemeinden Münster und Ettingshausen.
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Gießen, den 21. November 1893. 'Jetn: Den Wiesengang.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
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Soweit Sie unserer Verfügung vom 18. October l. I. — Kreiöblatt Nr. 246 — noch nicht nachgekommen sind, ninnern wir Sie an deren Erledigung binnen 8 Tagen.
v. Gagern.
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Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Arbeiten an dem SelterSthor ist ^er Verkehr mit Fuhrwerk vom SelterSthor bis zur Wolken- ,gaffe von Donnerstag den 23. l. M. an auf einige Tage gesperrt.
Gießen, den 22. November 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Familien-Lcgis zu wm. olllll. Wtve.,» Ein schön möblirl»/'---' fferen Henn per-'rJ-
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Deutsche» Reich.
Darmstadt, 21. November. Zum Empfange Sr. Königl. .Hoheit deS Prinzregenten Luitpold von Bayern lütten sich an dem Bahnhof der Main-Neckar-Bahn kurz vor 2 Uhr eingefunden Se. Kgl. Hoheit der Großherzog, Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm, Se. Hoheit Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, die Generalität, sowie zahlreiche Offiziere, Se. Excellenz Staatsminister Finger, die Obersthofchargen. Auf dem Perron hatte eine lombinirte Ehrencompagnie deö Großherzogl. Leib-Garde- Regiments mit Fahne und der Regimentsmusik Aufstellung genommen, während auf dem Platze vor dem Bahnhof eine (j&cabron des 2. Großh. Hess. Drag. - Regiments (Leib- Dwag. - Regts.) Nr. 24 aufgestellt war. Die Dragoner trugen die Lanzen mit den roth-weißen Fähnchen. PräciS 2 Uhr fuhr der Sonderzug unter den Klängen der bayerischen .-lönigShymne im Bahnhof der Main-Neckar-Bahn ein. Se. ASnigl. Hoheit der Großherzog eilte auf den Salonwagen, welchem Se. Königl. Hoheit der Prinz-Regent entstieg, zu und war die Begrüßung der beiden Fürsten eine überaus herzliche. Nach Vorstellung der Herren des beiderseitigen Ätfolges sowie der anwesenden hohen Functionäre schritt Äe. Königl. Hoheit der Prinz Regent die Ehrencompagnie ab-, worauf dieselbe im Parademarsch mit der Musik defilirte. D'ie höchsten Herrschaften bestiegen sodann den vierspännigen Wrrgen, dem zwei Spitzenreiter vorausritten und setzte sich brr Zug in Bewegung. Vor und hinter dem Wagen, in wslchem Se. Königl. Hoheit der Prinz-Regent und Se. Königl.
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Bahnhosstraße 6:3. gtrxf .
Näheres NeM
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Bekanntmachnng,
bett. Maul- und Klauenseuche zu Langd.
Nachdem feit dem Erlöschen der Maul- und Klauen- Iruchr in der Gemarkung Langd Seuchenfälle nicht mehr aus- zrtreten sind, haben wir Großh. Bürgermeisterei Langd die trlaiibnife zur Ausstellung von Gesundheitsscheinen für Rind- rith, Schafe, Ziegen und Schweine, welche von Händlern msgeführt werden, ertheilt.
Gießen, den 21. November 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
___v. Gagern.__________________
Gießen, am 21. November 1893. 19elT.; Den Nundgang der Feldgeschworenen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
te die Grssth. Vürgermeiftereie« des «eeifes.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 3. October l. I. — Kreisblatt Nr. 237 — noch nicht nach- -gekommen sind, erinnern wir an Erledigung derselben binnen 8 Tagen.
Greßener Anzeiger W


