anknüpfte und sich weiter über die Reichsverfasiung, sowie über alten und neuen Cours eingehend verbreitete. Zum Schlüsse brachte Fürst Bismarck ein Hoch auf die deutschen Dynastien und speciell auf die Thüringer Fürsten au».
Metz, 21. August. Heute begann die 22. Versammlung deutscher For st männer. Sie zahlt über 250 Theilnehmer, besonder» au» dem RcichSlande und aus Bayern. Zum ersten Vorsitzenden wurde Ministerialrath v. Ganghofer aus München, zum zweiten Obersorstmeister Earl au5 Metz gewählt.
Arrrlarrd.
Bern, 21. August. DaS schweizerische Volk nahm den Initiativantrag gegen da» Schächten an. Soviel bi» jetzt bekannt, sind 155 000 Stimmen für da» Schächtverbot und 70 000 dagegen. Auch die Mehrheit der Eantone erklärte sich für die Annahme de» Antrag».
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphische» Korrespondent- Bureau.
Berlin, 21. August. Der Statthalter der ReichSlande, Fürst Hohenlohe, wurde heute Abend zum Kaiser nach Potsdam besohlen. Er wird auch an der Abendtafel theil- nehmen.
Posen, 21. August. Nach einer Bekanntmachung de» Regierungspräsidenten wird die russische Grenze von heute ab gesperrt. Der Uebergang wird nur in Strzal- kowo, Pogorzelice und Podsamsche gestattet. Der Uebergang ist indessen auch dort nur nach ärztlicher Untersuchung möglich. Russische Auswanderer oder sonst verdächtige Personen werden bis auf Weiteres an der Grenze zurückgehalten. Zur Durch, führung dieser Maßregel wird die Gensdarmerie verstärkt, außerdem sollen Steuerbeamte zu diesem Dienste herangezogen werden. Für Schiffer und Flößer sind in Pogorzelice, Schrimm und Posen Controlstationen eingerichtet, ebenso für den Eisenbahnverkehr in Posen, Liffa und Bentschen. Weitere Controlstationen sind für Podsamsche, Ostrowo und Wreschen in Aussicht genommen. Nach der „Posener Zeitung" soll die Regierung telegraphisch ersucht werden, ein Einfuhrverbot für gebrauchte Leibwäsche, alte Kleider und Lumpen unver- züglich zu erlassen. Morgen werden sich der Regierungspräsident Kimly und der Medicinalrath Gerönne wieder nach der Grenze begeben, um Genaueres festzustellen.
Budapest, 21. August. Offiziell wird mitgetheilt, daß der Orient-Expreßzug wegen der dreitägigen Cholera- Quarantäne in Zaribrod und Mustapha Pascha von heute an nur von Paris bis Belgrad geleitet wird.
Rom, 21. August. Ein Circular des Ministers deS Innern an die Präsecten besagt: Wenn auch die ersten Demonstrationen als AuSbruch der durch die Vorfälle in AtgueS-MorteS hervorgerufenen Bewegung begreiflich feien, so würden dieselben doch bei Fortdauer die Aufgabe der Regierung erschweren, deren dieselbe sich voll bewußt sei. DaS Circular wiederholt die Weisungen betreffs Aufrechterhaltung der Ordnung und fordert die Präsecten auf, an die Mitwirkung der Bürger zu apelliren.
Rom, 21. August. Sechs Demonstranten vom SamStag wurden zu 26 bis 16 Lire Strafe verurtheilt, einer wegen Beleidigung der Wache mit 25 Tagen Arrest bestraft. Der Student, welcher das päpstliche Wappenschild von dem französischen Seminar Santa Chiara entfernte, wurde mangels eines Klageantrages der verletzten Partei freigesprochen. — Eine Gruppe von 500 Arbeitern, welche heute auf der Piazza Colonna demonstriren wollte, wurde zerstreut. Die Polizei verhaftete mehrere Lärmmacher. Der Syndaco. erließ ein Manifest, worin er die Bevölkerung zur Ruhe und Ordnung auffordert.
Neapel, 21. August. Die Erregung dauert fort. Biele Häuser hängen Trauersahnen au». Seit Mittag durchziehen Gruppen von Demonstranten die Stadt und veranlaffen
Stuttgart fliehenden Dichter die Noth und die Flucht zwangen. Emil PalleSke und neuerdings Otto Brahm haben in ihren Schillerbiographien gerade dieses Capttel mit liebevoller Gründlichkeit behandelt. E. Mentzel gibt dem beim Sachsenhäuser Storchenwirth Steiner incognito wohnenden Schiller Gelegenheit, einen jungen, im Hause befindlichen Gehilfen, den Der- lobten der WirthStochter, von seinem überspannten Räuber- ideal, daS er sich aus dem Schiller'schen Drama herauSgelesen, zu curiren und gleichzeitig die gestörte Harmonie zwischen den LiebeSleutchen wieder herzustellen. Ferner wird angedeutet, da» die Figuren der Ochsenwirthin und deren Tochter Luise dem Dichter für sein spätere» Drama „Luise Millerin" Modell stehen sollen.
SS ist gut, daß die Autorin den Hauptnachdruck auf die derben volkStypen und daS Sachsenhäuser Milieu gelegt hat und nicht in die Literaturcomvdie hineingerathen ist. Denn welche Schwierigkeiten e» bereitet, einen unserer klassischen Dichterheroen in unverkümmerter Größe für die Coulissenwelt zu gewinnen, hat schon Laube herauSgesühlt, al» er über den „KarlSschülern" sann, und Carl Gutzkow ließ sich au» denselben Gründen im „Königslieutenant" an dem Knaben Goethe genügen.
Herrn Bolz fiel bei der Darstellung de» Mentzel'schen BolkSstücke» die Aufgabe zu, die Gestalt unsere» Lieblings- dichterS zu verkörpern. Er that e» mit edlem Anstand und in der entsprechenden Maske. Die Figur de» prächtigen Andreas Streicher trug Herr Wallner.
In die Sachsenhäuser Typen theilten sich die Herren Str oh eck er, A. Meyer und die Damen Freund und Wen darf.
Darsteller wie verfafferin wurden durch Hervorruf ausgezeichnet.
Zur Erinnerung an die erste Auffübrung der „Zauberst öte" in Frankfurt vor hundert Jahren ging am letzten
die Verhüllung französischer Inschriften. Mehrfach wurden solche Inschriften herabgenommen.
Messtna. 21. August. Der Präfect drückte dem sran- zösischen Consul sein Bedauern au» über die Verunglimpfung de» französischen Wappenschilde» und setzte mit ihm die Formalitäten der Ehrenbezeugungen bei Wiederaabringung desselben fest.
Genua, 21. August. Zahlreiche Personen wurden wegen Beschädigung von Tramwaywagen der französischen Gesellschaft verhaftet und sofort dem Gerichte übergeben. Die Untersuchung ergab, daß zwei gestern umgeworfene Tramwaywagen infolge Zerbrechens der Lampen in Brand geriethea. — Etwa 50 italienische Arbeiter sind von Aigue»- Morte» angekommen; einige sind infolge der Mißhandlungen noch leidend. Die Arbeiter werden von den Behörden in ihre Heimath befördert.
Pari», 21. August. Die „Agence HavaS" theilt mit : Der italienische Botschafter hatte eine Unterredung mit Dupuy, worin er von der in Italien infolge der Vorgänge in Aigue»-Morte», sowie der Proklamation des Maires dieser Stadt entstandenen Erregung Mittheilung machte. Der Botschafter drückte offiziell sein Bedauern über die Demonstrationen in Rom und Messina auS und kündigte die Untersuchung der Vorfälle, die Amtsenthebung de» Präfekten von Rom, sowie die übliche Genugthuung wegen der Beleidigung de» Consulats in Messina an. Dupuy wiederholte daS Bedauern der französischen Regierung über die Vorfälle in Aigues-Mortes, betonte, daß die Sicherheit der italienischen Arbeiter gewährleistet sei und daß dieselben Hilfe und Unterstützung erhielten. Dupuy fügte hinzu, die eingeleitete Untersuchung bewies, daß die Italiener die Angreifer gewesen seien. Was den Maire von Aigues-Mortes anlange, so habe derselbe sich durch die Proklamation eine ziemlich schwere Verantwortung aufgebürdet. Dupuy kündigte die Amtsenthebung de» Maire» an.
Pari», 21. August. AuS Aigues-Mortes wird ge- meldet: Zum Schutze der in den Salinen beschäftigten Arbeiter sind noch immer Truppen aufgeboten, da erneute Zusammenstöße befürchtet werden. Die Stadt beginnt wieder ihr gewöhnliches Aussehen anzunehmen. Der Generalsekretär der Präfektur und die nach AlgueS-MorteS entsandten Gerichtspersonen verbleiben daselbst bis zum Abschlüsse der Untersuchung.
Pari», 21. August. In den hiesigen politischen Kreisen werden als Ergebniß de» ersten Wahlganges besonders herrorgehoben der erste Wahlausfall bei den Ralliirten und den Socialisten, sowie die Bildung der RegierungS-Mojorität. Man glaubte, daß eine beträchtliche Anzahl von Ralliirten und Socialisten gewählt werden würde- statt dessen sind nur 13Ralliirte und 9 reine Socialisten gewählt. Die Erlangung einer um etwa 65 Stimmen gewachsenen Regierungs-Majorität wird als ein großer Erfolg im Hinblick auf die Zukunft, sowie auf die Stellung des Ministerpräsidenten Dupuy betrautet. — Der „Moniteur" äußert sich dahin, die nicht bekehrten Conservativen hätten ihre Stellung aufrechterhalten, die Republik habe kein Terrain gewonnen. Nach dem„UniverS" wird der Wahlausfall die Beständigkeit der Regierung und den religiösen Frieden begünstigen.
Kopenhagen, 21. August. Der König von Schweden hat den König von Dänemark und sämmtliche fürstlichen Gäste des dänischen Hofes eingeladen, an den gegen Schluß dieses Jahres auf der Insel Hoen stattfindenden Hasenjagden theilzunehmen.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 21. August. Am SamStag Abend und Sonntag früh fanden anarchiftischeVersammlungen statt, welche äußerst stürmisch verliefen. Die gestrige Versammlung wurde von der Polizei aufgelöst.
Kisfingen, 21. August. Bismarck verläßt den Ort am 28. August, trifft Abends 10 Uhr in Berlin ein, von wo er
Sonntag Mozarts unsterbliches Werk, günstig besetzt und flott einstudirt, in Scene. Mit den Bezeichnungen „unsterblich", „ewig" muß man gerade auf dem Gebiete der Kunst sehr vorsichtig umgehen. Zwanzig Jahre genügen, um in der Musik eine totale Geschmacksänderung herbeizuführen. Was für Siege und was für Niederlagen im Reiche der Tonkunst haben wir nicht erlebt fett dem Tage, da „Die Zauber- flöte" zum ersten Male da» Wiener Publikum entzückte. Aber der Jugendfrifche diese» Werkes, zu dem sowohl SaraftroweiSheit wie Papagenoeinfalt die Erklärungen geschrieben, haben alle diese Revolutionen nichts anhaben können. Von der Mozartmusik in der „Zauberflvte" gilt noch immer der sinnige DichterauSspruch:
„®cnn bi« Andern uns ergreifen Mit der Quelle vollem Schwall — Löstest Du ein Tröpfchen trlufen — Und es spiegelte da» All!"
Die Frankfurter Opernbühne besitzt Sänger, die noch Mozart zu singen verstehen. Die Rolle de» Sarastro befindet sich in den bewährten Händen deö Herrn Grees, Herrn Pichler» voller und sympathischer Tenor liefert einen ansprechenden Tamino.
Fräulein Blätterbauer verfügt zwar nicht über jene staunenSwerthe Mittel, wie sie Mozart» Schwägerin besaß, da er für sie die Partie der „Königin der Nacht" berechnete, bietet aber doch eine recht achtbare Leistung. Die „Pamina" wird von Fräulein Jäger mit großer Anrnuth und Lieblichkeit behandelt. Eine allerliebste Papagena ist Fräulein Sch ar ko, welche auch eine der Damen zu singen hat.
Den Papageno bringt Herr Baumann, soweit die Rolle seinem künstlerischen Naturell zusagt, zu einschlagender Wirkung.
Die Worte de» Sprecher» trägt Herr Nawia»ky sehr weihevoll vor.
sofort nach der Ueberführung nach dem Stettiner Bahnhof nach varzin mciuneift.
Weimar, 21. August. Die hiesigen Socialdemo- (raten beschloss« gegen die geplanten Reich »steuern einen Protest im Großherzogthum chrcnliren zu lasten.
Brü^, 21. August. Stele nordböhmische und süddeutsche Kohlenfirmen fordern ihre Kundschaft auf, sich mit größeren Kohlenvorräthen zu versehen, da in nächster Zeit ein allgemeiner Strike auSbrechen werde.
Innsbruck, 21. August. Ein cvmrnercieller Bediensteter der hiesigen Landes-Ausstellung ist nach Unterschlagung einer größeren Geldsumme flüchtig geworden.
Rom, 21. August. Der französische LegationSiecretär dankte dem Polizeidirector für die getroffenen Maßregeln und den Schutz der französischen Gesandtschast. Die Aufregung dauert fort.
Rom, 21. August. Telegramme au» Neapel, Turin, Como, Genua und Messina melden, daß Straßenkundgebungen wegen der Vorgänge in AtgueS Morte» statt» sanden. Die italienische und deutsche Hymne wurde unter dem frenetischen Beifall der Menge überall gekpielt.
(»ennt, 21. August. Bei der gestrigen antt-französifchen Kundgebung fand ein Zusammenstoß mit der Polizei statt, wobei zwei Polizisten schwer verwundet und zwei Pferdebahnwagen von den Manifestanten in Brand gesteckt wurden.
Pari», 21. August. Hier wurden nur 10 Wahlen erledigt, e» finden 27 Stichwahlen statt. Die Boulangiste, Ernest Roche und Mery wurden gewählt, ferner sieben Radicale und ein Republikaner. AuS den Departement» wird gemeldet, daß sämmtliche Minister wiedergewählt wurden. Ricard, der ehemalige Justizminister, welcher den Panamaproceß eingcleitet hatte, wurde in Rouen wlcdergewählt. Der Socialist Lafargue kommt in Lille in die Stichwahl, ebenso Elemenceau im Departement War, jedoch scheint seine Wahl gesichert. Wilson wurde in Loche», Bourgeois in Chalon», Jule» Roche in Chambery gewählt.
Paris, 21. August. Der Ministerpräsident hat den Präsecten und den Bürgermeister von Aigue»- MorteS hierher berufen und wird dieselben morgen empfangen.
London, 21. August. Trotz der Abnahme de» AuSslande» dauern die Unruhen an einzelnen Orten fort.
Newyork, 21. August. Nach einem Telegramm au» Sartillo (Mexiko) hat bortfelbft eine blutige Schlacht zwischen den Aufständigen und den Regierungstruppen statt- gefunden, worin beiderseits viele getödtet und verwundet wurden. • ___________
* Rom, 22. August. Gestern Abend wurden die D e monstrationen wiederholt, wobei die Anarchisten hervortraten. E» waren drei kleine Barrikaden gebaut, davon wurde eine angezündet. Gegen die einschreitenden Truppen wurden einige Steine geworfen. Die Ordnung wurde alsbald wieder hergestellt. In Genua wurden mehrere Om- nibusse angezündet und in den Fluß geworfen, drei KioSke verbrannt. In Mailand entstand in einem öofe Conflikt zwischen Offizieren und Anarchisten. Die Truppen schritten ein, mehrere Soldaten wurden verwundet. Auch au» zahlreichen andern Städten werden Demonstrationen gemeldet.
Cocains nnö provinzielle»,
Gießen, 22. August 1893.
* Organisation der Unsallverficherung betreffend. An Stelle deS aus feinem bisherigen Amt als Großh. Kreis- amtmann auögefchiedenen nunmehrigen Großh. Oberconsistorial- affefforS Nebel ist der Großh. KreiSamtmann Dr. Wal lau in Gießen zum stellvertretenden Vorsitzenden de» für den Bezirk der Großh. Direction der Oberhessischen Eisenbahnen bestehenden Schiedsgericht» ernannt worden.
Als eine schöne, ächt patriotische Feier kann die am SamStag Abend in den Sälen des Restaurant Kruse „Zum Lahnstein" von Seiten des „Marinevereial" zu Ehren dcS Geburtstage» Sr. Kgl. Hoheit de» Prinzen Heinrich von Preußen abgehaltene angesehen werden. SS hatten sich viele Gäste eingefunden und nachdem die Feier durch ein Vaterlandslied eröffnet war, hielt der Vorsitzende eine kernige Ansprache, worin er die Bedeutung des Geburtstage» für die Marine darlegte und mit einem brausenden Hoch aus Se. Kgl. Hoheit endete. Nachdem noch verschiedene vaterländische Lieder erklungen und donnernde Hoch» aus Kaiser und Großherzog erschallt waren, wurde auch ein gemüthliche» Tänzchen arrangirt, wo» die versammelten bi» früh Morgen» zusammenhielt.
• * Witterung. Der gestrige Nachmittag brachte un» nach längerer Trockenheit, die sich namentlich in den letzten Tagen zu enormer Hitze steigerte, ein Gewitter. Diesem ging ein nicht lange andauernder, aber sehr heftiger Sturm varau». Wenn auch die Temperatur kaum merklich abgekühlt wurde, so wurde den auSgetrockneten Fluren doch ein ziemlich ergiebiger, der Pflanzenwelt wohlthuender Regen zu Theil.
»• Son der Witterung. Seit neun Tagen, so wird au» London gemeldet, hat der Wärmemeffer de» asttonomiichen Observatoriums in Greenwich auf 80 Grad Fahrenheit im Schatten gestanden. Sine fo anhaltende Periode ausnahmsweise hoher Hitze im August ist seit fünfzig Jahren in London nicht vorgekommen. Gewiß hat e» in den letzten zwanzig Jahren in London noch heißere Tage gegeben, al» wir sie diese und vergangene Woche erlebt haben. Am 11. August 1884 verzeichnete das Thermometer 94 Grad Fahrenheit tm Schatten und erreichte am 15. Juli 1881 sogar 97,1 Grad in London. Nur neunmal in den letzten dreizehn Jahren hat London eine Wärme von 90 Grad und darüber gehabt. Jrn Lager von Lydd erlagen bei der Parade mehrere Soldaten dem Sonnenstich. Im Lager von AdlerShot war man practischer. Verschiedene Regimenter rückten in Hemdärmeln aus. In einer Beziehung


