Ausgabe 
23.3.1893 Zweites Blatt
 
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das öffentliche Interesse in Paris an dem Panarna-Be-

auch die schwache Vertretung deS Publikums in der Montags«

Abg. Ahlwardt: Es sei Thatsache, daß damals solche Machi­nationen hinter den (Souliffen gespielt; er bade Actenstücke, darüber eines mit der Unterschrift deS Finanzministers, welche Nachweisen, daß die schlimmsten Dinge pjfftti seien. Wenn cfl sich darum bandle, die Juden zu schützen, fänden sich immer Leute, auch solche, die ihr eigenes Volk verrathen, um von den großen Leuten etwas abzu- bekommen.

Staatssecretär v. Maltzahn: Ahlwardt habe sich nicht ent- blödet, die schwersten Dorwürfe gegen den Fürsten Bismarck und die verbündeten Regierungen und die damaligen Mitglieder des Hauses zu wiederbolen, daß dieselben das Land durch Verhandlungen hinter den Coultssen verrathen hätten. Er habe diese Vorwürfe wiederholt, obwohl er nicht einmal versucht habe, dieselben zu begründen. Es bleibe ihm nichts anderes übrig, als zu erklären, daß die Angaben Ahlwardts der Wahrheit direct widersprechen.

Präsident v. Levehow erklärt, einen solchen directen Vorwurf gegen die Regierungen und den Reichstag nicht herauSgehört zu haben.

Abg. Ablwarbt: Jener Vorwurf M nur gegen Angehörige deS jüdischen Volkes schlechthin gerichtet. Er besitze allerdings Akten­stücke, die er auf dem Lisch des Hauies ntederlegcn werde.

Abg. Richter: Ahlwardt habe vorhin wörtlich gesagt, die Regierungen hätten hinter den Coultssen geheime Abmachungen mit Börsenjuden gegen das Jntercsie d s Reiches getroffen. Jetzt ziehe er sich hinter allgemeinen Wendungen zurück. Der Herr müsse in seine Schlupfwinkel verfolgt werden, sticht schweigen, sondern anS Licht ziehen müssen wir Alles! (Beifall.)

Abg. Rickert (dfr.) beantragt sofortige Vertagung, damit morgen Ahlwardt sein Material vorlegen kann. Der Vorwurf dürfe auch nicht 24 Stunden auf der Regierung von damals hasten bleiben.

Abg. o. Manteuffel (cons.) schließt sich diesem Anträge an.

Der Antrag Rickert wird einstimmig angenommen.

Fortsetzung morgen.

Staatssekretär Frhr. o. Maltzahn: Wäre jene.Behauptung richtig, so würde die Schuld die verbündeten Regierungen und den Reichstag treffen. Die Commission des Reichstags hätte von solchen Machtnationen naturgemäß erfahren müsien. Es war, und zwar gleich in dem ersten Entwurf deS Fürsten Bismarck, überhaupt und von vornherein nur in Aussicht genommen, den Fonds so hoch zu bemeffen, daß der Verbrauch nicht nur die Zinsen, sondern auch deS Capttals der Fonds bis zum Tode deS letzten Invaliden reichen müsie. Daß der Fonds demgemäß hoch genug bemessen worden, gehe daraus hervor, daß jetzt noch 100 Millionen über den Bedarf übrig seien. Der Insinuation AhlwardtS müsie er auf daS Ent­schiedenste widersprechen.

XuslanO.

DaS jähe Hinscheiden JuleS Ferrhs hat u. A. auch

sitzung des Prozesses, die im Uebrigen durch die Reden der Vertheidiger vollständig auSgefüllt wurde.

In Spanien haben am Sonntag die Wahlen zum Senat stattgesunden. Bis Montag früh waren als ge­wählt bekannt 84 Ministerielle, 23 Konservative, 5 Repu­blikaner, 2 konservative Dissendenten, 1 Carlist, 1 Unab­hängiger- 64 Wahlen standen noch auS.

Stuttgart, 22. März. Reichstagswahl im siebzehnten wiirttembergischen Wahlkreis. Bisher: Rembold (Eentrum) 8612, Lauter (Volkspartei) 3949, Müller (nationalliberal) 750, Tauscher (Socialist) 513 Stimmen. AuS dem Bezirke Riedlingen fehlen noch die Resultate sämmtlicher Landbezirke, auS dem Saulgau 31 Landorte.

Rew-Aork, 21. März. In einer Getreidemühle der Ort­schaft Litchfield in Illinois entstand heute infolge der Ent­zündung von Mehlstaub eine Explosion, wodurch vierzig Häuser zerstört wurden. Zwei Elevatoren mit 200,000 Bushels Getreide, sowie zwölf Eisenbahnwaggons verbrannten. In der ganzen Umgegend sind die Fensterscheiben zertrümmert; eine große Anzahl von Personen wurde schwer verletzt. Todt ist nur der Müller. Schaden 1,150,000 Dollars.

Depeschen deS Bureau .Herold'.

Berlin, 21. März. DieBörsen-Zeitung* erfähn auf Petersburg, es verlaute mit großer Bestimmtheit, die Regierung habe im Prinzip beschlosien, auf eine erhebliche Ermäßigung der russischen Einfuhrzölle auf Steinkohlen, Eisen und vornehmlich Maschinen und Maschinentheile gegen« über Deutschland einzugehen.

Berlin, 21. März. Zahlreiche Ovationen werden heute dem General von Meerscheidt-Hülle s fern anläßlich seines 50jährigen Dienstjubiläums dargebracht. Der Kaiser gratulirte persönlich und überreichte die Urkunde zu einer Meerscheidt-Hüllesiem-Stiftung für mildtbätige Zwecke. Der Kronprinz brachte ebenfalls seine Glückwünsche dar.

Berlin, 21. März. Cardinal Kopp, der Fürstbischof von Breslau, ist Nachmittags hier eingetroffen und wird vom Kaiser in den nächsten Tagen in besonderer Audienz empfangen.

Pari», 21. März. Panama - Prozeß. Die Ge­schworenen sprachen Carl de Lesieps, Blondin und Baihaut schuldig- LesiepS und Blondin erhielten mildernde Umstände zugebilligt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.

totale» nnö provinzielles.

Gießen, 22. März 1893.

** Jahresbericht der Alice Schule. Mit Befriedigung kann auch dieses Jahr die Alice« Schule auf ihre Leistungen zurückblicken. 203 Schülerinnen besuchten die­selbe in den beiden Semestern. Nachdem im Sommer der Schwerpunkt der Schule im Lehrerinnen-CursuS lag, hatten im Winter der Weißzeug- und Kleider-CursuS den meisten Zuspruch. Der neu errichtete WeihnachtS-Arbeiten CurfuS hat im Verein mit dem Stick-CursuS ganz Annehmbares geleistet, was die WeihnachtS-AuSstellung bewies, nnb ist der Anfang gemacht, auch weiblicher Kunstindustrie eine würdige Stätte zu bereiten. DaS Waschen und Bügeln von feinen Woll- und Seidensachen erregt, namentlich bei den Ausstellungen, allgemeine Anerkennung- es kann den Gießener jungen Damen nicht genug empfohlen werden. Der Zeichen.CursuS ist durch eine große Anzahl neuer herrlicher Vorlagen, welche'die Großh. üeutralnelle für Gewerbe auSgegeben hat, besonders anregend geworden. Um endlich zum jüngsten Zweige der Anstalt zu gelangen, zur Kochschule, so ist diese durch allseitiges opferwilliges Entgegenkommen recht schön eingerichtet und erfüllt alle ge­stellten Anforderungen und Erwartungen. Die ordentlichen Ausgaben für die Schule sind auch dieses Jahr reichlich gedeckt worden, und auch die durch den Bau und die Ein­richtung der Kochschule, sowie deS Bügel- und Wasch-CurseS herbeigesührten außerordentlichen Ausgaben wurden durch außerordentliche Einnahmen gedeckt. Die unS bekannte»

I allgemeinen Krankenhauses ist die Maul- und Klauen- I leuche amtlich constatirl.

Hamhnr,, 21. März. Infolge der Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in Dänemark ist die Sin- fuhr von Schafen auS Dänemark verboten. Die Einfuhr von Rindern und Schweinen aus Dänemark ist lediglich zweck» Abschlachtung in dem hiesigen öffentlichen Schlachthof gestattet. Die Einfuhr von Wiederkäuern und Schweinen aus Schweden wird gestattet, sobald eine vor der Landung vorzunehmende 1 thierärztliche Untersuchung ergibt, daß sämmtliche Thiere an Bord gesund sind.

Lagos, 21. März. Reutermeldung. Der König von Dahomey, Behanzin, publicin ein an die civilisinen Nationen gerichtetes Manifest, worin er den Ursprung der Feindseligkeiten mir Frankreich darftellt. Die Feindseligkeiten feien grundlos von den französischen Gouverneuren vayol und Ballot begonnen. Er rüst die Sympathie der europäischen Mächte an für seine Sache.

Bathurst, 21. März. Reutermeldung. Ein französischer Offizier entfernte die engl ischc Flagge auf englischem Gebiete am Gambiafluß. Ein englisches Kriegsschiff fuhr den Gambiafluß hinauf. Einzelheiten fehlen.

Paris, 21. März. Die Untersuchung» - Com« Mission vernahm heute den früheren Minister bei Innern, Loubet. betreffs der zur Verhaftung von Arton getroffenen Maßnahmen. Loubet erhärte, eS seien alle Vorsichtsmaßregeln zur Verhaftung AnonS getroffen, über Einzelheiten oder über die hierbei verwandten Personen verweigerte jedoch Loubet Auskunft zu geben.

Loudon, 21. März. Heute Mittag erfolgt in Cam­bridge die feierliche Verleihung des ShrendoctoratS der Naturwiffenschaften Seitens der Universität an den Ge- heimerath Profesior Dr. Virchow.

Rom, 21. März. Heute Nacht explodirte in der Einfahrt zum Palais deS Marchese Sach et ti, Obersthof - marschallö deS Papstes, eine große Petarde, wodurch viele Fensterscheiben zertrümmert wurden. Eine zweite Petarde ist heute Nacht auf der Treppe eine» HauseS in der Via Quattro Fontane, bevor sie explodirte, entdeckt und beschlag, nahmt worden.

Uwwfk Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau.

Berlin, 21. März. Zu Ehren deS Generals Meer- scheidt-Hüllessem war heute im Kaiserhof ein Liebes­mahl, woran der Kaiser in der Uniform des Elisabeth- Regiments, desien Commandeur der Jubilar früher war, theilnahm. Der Kaiser saß zwischen Hülleffem und General­oberst Pape. ES waren rund hundert Theilnehmer, darunter die Generale des GardecorpS, die Commandeure der Regi­menter und Bataillone, sowie die Offiziere ä la suite des CorpS. Der Kriegsminister war verhindert. Bei der Tafel brachte Pape daS Hoch auf den Kaiser auS. General Holleben toastete zugleich im Auftrage des Kaisers auf den Jubilar in Ausdrücken warmen Dankes und hoher Verehrung für Hülleffem. Dieser dankte dem Kaiser für sein Erscheinen, dann General Holleben und den Kameraden. Er schloß mit einem Hoch aus daS GardecorpS und den Kaiser an der Spitze deS GardecorpS. DaS Fest schloß in vorgerückter Stunde.

Berlin, 21. März. Auf der Friedrichstraße wurden seit einiger Zeit von antisemitischen Händlern Eisenbahn« billetS mit der Aufschrift: ^Nach Jerusalem, aber nicht zu­rück", feilgeboten. Sie sind heute von der Criminalpoltzei bei sämmtlichen Händlern confiScirt worden.

Karlsruhe, 21. März. Der Großherzog von Hessen wird am Freitag Nachmittag zum Besuche deS hiesigen HoseS etntreffen und bis SamStag Nachmittag verweilen.

Hamburg. 21. März. Unter dem Viehstand des alten

Kartoffeln zu esien. biß er starb, nur 9 Monate Gefängniß erhielt. Für den gemeinen Mann trifttre das Begnadigungsrecht gar nicht.

Generallieutenant v. Spitz: lieber die tm vorigen Jahre von

uux, vntiuuujc 'jtuettnt 'N u.i ucu. Vu.iuinu = yc- . geführt« Fälle seien eingehende Erhebung« «gestellt

A « y« . . l | norbat, welche ergaben, daß die Angaben theUS unrichlig, !Heils

ItechungS-Pr ozeß erheblich abgeichwacht. Hiervon zeugt | unzulänglich waren. Vielfach seien die Vorgesetzten durch ffitber« ' 'L' '* * **'" setzltchkeit schwer gereizt worden. Zu solchen Widersetzlichkeiten führe

die socialdemokratische Agitation.

Präsident v. Lcoetzow legt im Interesse deS Hauses Ver­wahrung ein gegen den vom Vorredner mit Bezug auf ein Mitglied deS Hauses zweimal gebrauchten Ausdruck: Verleumdung. (Beifall links.) Abg. Bebel (Soc): Rach diesen Worten des Präsidenten habe er keinen Anlaß, auf die beleidigenden Ausdrücke deS Ministers zurückzukommen. Er (Redner) könne sich geirrt haben, er könne falsch tnformirt fein, aber in seinem ganzen politischen Leben habe ihm nie nachgewiesen werden können, daß er etwas wider besseres Wissen behauptet habe. Seien ihm wirklich falsche Angaben gemacht worden, so beweise daS, wie nothwendig ein öffentliches militärisches Gerichtsverfahren sei. Die Angelegenheit v. Saltfch anlangend, so stützten sich die Zeugensaussagen, auf die sich der Minister berufe, auf die AuSsaaen o. Salisch selbst und auf die seines militärischen Begleiters, und waS Offiziere Alles auszusagen vermöchten, um einem Kameraden aus der Patsche zu helfen, sei in einem früheren Falle festgestellt worden. (Oho! rechts.) Der Civilist bekomme dem Soldaten gegenüber immer Unrecht. Das stärkste aber fei, daß v. Salisch noch begnadigt worden sei. (Präsident v. Lcoetzow erklärt e« für unzulässig, da« königl. Begnadigungsrecht einer Kritik zu unterwerfen.) Hoffentlich werde der Minister auch noch über die übrigen von ihm (Redner) hier angeführten Fälle Aufklärungen geben. In dem von Richter zur Sprache gebrachten Falle sei es auffällig, daß ein mit so schweren Leiden behafteter Mann ausgehoben werden konnte. Ihm seien noch nachttäglich Fälle von Soldatenmißhandlungen aus Sachsen, Bromberg ?c. mitgetheilt worden.

Kriegsminister v. Kaltenborn macht Bebel keinen Vorwurf daraus, wenn er im Jrrihum falsche Angaben mache, müsie aber die daran geknüpften Schlußfolgerungen zurückweisen. Wenn Bebel hier einen Offizier des Meuchelmordes zeihe, dann beschimpfe er ihn. lieber den Ehrenstandpunkt der Offiziere zu urtheilen, habe Bebel kein Recht. Absolut unberechtigt aber sei er, über das Gnadenrecht zu urtbeilen.

General-Auditeur Ittenbach weist die Zweifel Bebels in die Objectivität der Militärgerichte zurück, sowie die Behauptung, daß sich ein Offizier nicht scheue, falsche Angaben zu machen, um einen Kameraden auS der Patsche zu Helsen. DaS verbiete die Ehre deS Offizier». (Beifall rechts.) Entschieden unwahr fei der von Kunert erhobene Vorwurf, daß die Militärgerichte gegen Untergebene mit übertriebener Schärfe, gegen Vorgesetzte aber überaus mild urteilten. DaS General-Auditorial prüfe alle Erkenntnisse genau und suche ielbft, wo ihm ein Uttheil zu bart erscheine, die Gnade des obersten Kriegsherrn nach. Er müsie aber sagen, eS werde unparteiisch und gerecht geurtheilt. Unsere Militärgerichte könnten in dieser Beziehung die Oeffentlichkeit verttagen. Sie seien ebenso unabhängig wie die Civilgerichte. Die vorgebrachten allgemeinen Verdächtigungen sollten nur dazu dienen, die DiSciplin zu untergraben. Die Armee sei lebenfaUS mit dem bisherigen Verfahren, trotz mancher Mängel desielben, gut gefahren. (Beifall.)

Äbg. Frhr. v. Manteuffel (cons.): Anklagen, wie sie Bebel erhoben, sollten nie ohne Beibringung beweiskräftigen Materials erhoben werden. Bebel würde ehrenhaft bandeln, wenn er die gegen ben Lieutenant v. Salisch erhobene Beschuldigung deS MeuchelmorveS zurücknähme. (Zuruf links: Ahlwardt!) Die Kritik beS Begnadi­gungsrechtes werde bei allen Patrioten die tiefste Entrüstung hervor- rufen. (Beifall rechts.)

Abg. Bebel: Verhalte sich der Fall Salisch so, wie ihn der Kriegsminister dargestellt, bann nehme er den Ausdruck Meuchel­mörder zurück. Eines Offiziers würdig war das Verhalten o. Salisch nicht, habe er doch zugestoßen, weil bet Stock IßeimannSseinem Gesicht nahe tarn'. Die Schlußfolgerungen, die er, Redner, aus ben Thatsachen gezogen, wie sie ihm bekannt geworden, feien berechtigt gewesen. WaS Kunert hier vorgebracht, sei den amtlichen Acten entnommen gewesen und es gehe daraus hervor, daß mit zweierlei Maß gemessen werde. In Leipzig wurden Landweh, leule, die sich direct beim Kaiser beschwerten, zu 8 Jahren Zuchthaus oerurtbeilt, während ein Unteroffizier, der einen Soldaten zwang, glühend heiße

Deutscher Leichstag.

72. Sitzung. Dienstag, 21. Marz 1893.

Auf der Tagesordnung steht zunächst dritte Beralhung der Vorlage, betr. die Verlängerung des HandelSprooisoriumS mit Rumänien und Spanien bis zum 31. Decbr. 1893.

Abg. Dr. Broemel (dfr.) erblickt in den Motiven der Vorlage eine Gewähr für das unentwegte Festhalten der Regierung an der von ihr eingeschlagenen Handelspolitik trotz der Agitationen des Bundes der Landwirthe.

Staatssecretär Frhr. o. Marschall erwidert auf eine Anfrage deS Vorredners, daßVorbesprechungen wegen Abschlusses eineSLandels- ocrtragS mit Portugal eingeleitet feien. Hoffentlich würden dieselben zu einem Ergebnis, führen.

Gene.al-Auditeur Ittenbach bemerkt, daß von dem kaiserlichen Begnadigungsrecht im roeiteften Umfange auch gemeinen Soldaten Segenüber überall da Gebrauch gemacht werde, wo die T hat hn Iftect begangen wurde. Don den im Graudenzer Falle Verurtheilten durfte keiner mehr im Gefängniß sein.

Abg. Richter (bfr.): Sollen schiefeUrtheileüber das Mllttär- gerichtsversahren vermieden werden, so führe man das öffentliche Lerfahren ein. DaS Begnadigungsrecht unterliege der Kritik des HauseS, insoweit e» unter Verantwortlichkeit eine» Ministers geübt werde.

Abg. Dr. o. Bar (dfr.) bestätigt letzteres vom staatSwisien- schaftlichen Standpuncte au».

Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antif.) beansprucht für Ahlwardt dasselbe Recht, welches Bebel für sich beanspruche und nimmt ben Lieutenant o. Salisch Bebel gegenüber in Schutz. Bebel würde in gleicher Lage ebenso gehandelt haben wie Salisch. Zwischen Ahlwardt und Bebel bestehe der Unterschied, daß Ahlwardt außerhalb deS HauseS für feine Behauptungen eintrete. Würde Bebel dasselbe thun, bann würde er noch Igan; ander» jwie Ahlwardt so und so vieler Jrrthümer überführt werden.

Abg. Kunert (Soc.) hält seine Behauptungen hinsichtlich des zweierlei Maßes bei den militärischen Urtheilen aufrecht.

Abg. Bebel erwidert dem Abg. Liebermann, er habe auS seinen

CM. . I Ansichten nie ein Hehl gemacht und dafür fünf Jahre seines Ledens

Die Vorlage wird endgültig angenammen. I im Gefängniß zugebracht.

Die dritte Berathung deS Etats wird fortgesetzt. Generalauditeur Ittenbach: Wenn Insubordinationen Unter-

Beim Militäretat theilt der preußische Kriegsminister I gebener schwer bestraft würden, so liege das am materiellen Straf-

o. Kaltenborn-Stachau das Ergebniß der Untersuchung über die [ recht, wie es vom Reichstage selbst mit beschlosien worden fei bei der zweiten Berathung deS Etats behaupteten Fälle von Soldaten- I Persönlich wirft Abg. Men,er (cons) infolge eine» Zwischen- mißhandlungen mit. Abg. Richter hatte ben Bries der Mutter eines I ruf§ dem Abg. Bebel buschklepperische Angriffe vor.

verstorbenen Soldaten Detlefen, wonach der Tod ihres SohneS Abg. Liebknecht ruft ihm zu: Sie sind noch nicht einmal infolge von Mißhandlungen eingetreten fei Die Obduction habe ein Buschklepper! Beide Abgeordneten werden zur Ordnung

aber als Todesursache Brustwehe ergeben. An Blutfl urz auS Ohr I gerufen. 8

und Rase hat der junge Mann schon vorher gelitten; er soll vor Jahren Beim Etat des ReichsjustizamteS behauptet Abg. Stadt- einmal auS einer Bodenluke auf eine Deichsel gestürzt sein. Die Hagen (Soc.), in Magdeburg hätten Geschworene Jemand verurtheilt Mißhandlungen, die er erlitten, seien auf ein paar Ohrfeigen durch ohne von seiner Schuld überzeugt zu sein, nur weil er Socialdemokrat

einen Gefreiten zurückzuführen und es sei fraglich, ob eS sich hier sei undals solcher inS Zuchthaus gehöre'. Er fragt, ob in

um Mißhandlungen durch einen Vorgesetzten handle. Bebel habe Preußen solche Verurtheilungen blos wegen politischer Gesinnungen : eine Reihe von Fällen angeführt, über welche zum Theil die Erhebungen | erlaubt seien.

noch schwebten. Unrichtig sei, daß Beschwerden bei Denjenigen anzu- Präsident v. Levetzow ruft Stadthagen wegen Beleidigung bringen feien, über die man sich beschwere. Den Fall v. Salisch I der preußischen Justizverwaltung zur Ordnung.

vabe Bebel ganz unrichtig dargestellt, o. Salisch sei, als er am Beim Reichsinvalidenfonds fragt Richter, roaB die 20. März v. I. Abends einen Gasthof in Ehrenbrettstein in Begleitung Regierung auf die Behauptung Ahlwardts zu äußern habe, daß nur I

eines Kameraden verlassen halte, auf der Brücke von dem Commis die Machtnationen der Börsenjuden nach 1871 eine höhere Dottrung

Wiemann, der schon wiederholt Händel mit Offizieren gesucht, beS JnvalidenfondS verhindert hätten.

provocirt worden. Lieutn. v. Salisch stellte Wiemann zur Rede, - - - - -

dieser erhob seinen Stock, worauf der Offizier seinen Degen zog und dem Wiemann zwei Schläge versetzte, ohne ihn indeß zu verletzen. Daraus schlug Wiemann mit dem Stocke und nun stach v. Salisch mit dem Degen nach ihm. Wiemann starb bald nachher an Ver­blutung, weil sachgemäße Hülfe nicht beschafft werden konnte. Rach der gerichtlichen Feststellung liegt nur Körperverletzung mit tödtlichem Ausgange vor, während Bebel von einem Meuchelmorde sprach, welche Behauptung gegenüber einem Offizier der deutschen Armee er als eine verleumderische zurückweise. (Große Unruhe links, Beifall rechts. Bebel ruft: Frechheit!) Auch die Bebel'sche Dar­stellung eines Falles angeblicher Mißhandlung eine» Soldaten in Frankfurt u. O. sei unwahr. Der betreffende Mann sei schwer an mit Fieber verbundener Grippe leidend tu das Lazareth gebracht worden. Die DarUellung dieses Falles durch Bebel enthalte gleich­falls eine Verleumdung.