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1898

Donnerstag den 20, Juli

Air. 168

Amts- und Anzeigeblatt für den Itms Gietzen

Gratisbeilage: Gießener Kamilienökätter

essow

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, «tt Ausnahme deS Montags.

Die Gießener M.MtkienVlLlter »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt.

erhielten wir nachstehende Zuschrift: Nicht ein Geist der Niedergeschlagenheit war es, der die 400 Delegirten beseelte, andern ein muthiger Geist, der zu engem Aneinanderschließen, zu thatkräftiger Arbeit drängt, der es eilig hat, in neuem Kampfe die Scharte auszuwetzen. Noch nie ist ein Parteitag der Fortschrittspartei oder der deutschfreisinnigen Partei aus o vielen Wahlkreisen besucht gewesen, noch nie ist eine so ;roße Zahl jüngerer Kräfte sichtbar geworden wie diesmal. Dabei betheiligten sich die Delegirten, namentlich die Süd- deutschen, auch die Schlesier, mit größter Regsamkeit an den Debatten- eine Fluth von Anträgen hatte das Bureau der Versammlung zu bewältigen. Von einer Diktatur Richters kein Hauch! Der bewährte und gerade in den Agitations­mitteln erfahrene Führer hatte alle Mühe, den Berliner Entwurf des Organisationsstatuts wenigstens in den Grund- zügen durchzubringen- die Fehler, die unleugbar begangen worden sind, wurden rückhaltlos aufgedeckt. Einmüthig aber war die Versammlung in der Ueberzeugung, daß die Scheidung der unglücklichen Ehe zwischen der Secession und dem Fort­schritt erfolgen mußte und daß es nicht die Schuld Eugen Richters war, daß sie nicht längst erfolgte. Hatten doch die Rickert und Genosien bis zum letzten Tage mit ihrer Absicht zurückgehalten, für die Militärvorlage zu stimmen. Daß gleichwohl Herr Richter feierlich erklärte, ein freundliches Zusammengehen in der Zukunft sei mit der freisinnigen Ver­einigung in Einigungspunkten, namentlich da, wo es gelte, rückläufige Bestrebungen zu bekämpfen, so gut möglich und erwünscht, wie mit der süddeutschen Volkspartei, darf als eine Widerlegung der oft gehörten Auffassung bezeichnet werden, als ob Richter unversöhnlich und unverträglich sich verhalte. Die Ueberzeugung mußte jeder der Theilnehmer am Parteitage mit sich nehmen, daß auf Grund des neu sestzustellenden und den veränderten politischen Verhältnissen Rechnung tragenden Programms, mit der Fülle an Kräften, die der Partei zur Verfügung stehen, sie guten Muthes in die Zukunft sehen kann.So wie ein Fähnrich, wund und blutig, die Fahne hoch hält im Gefecht, so blickt Ihr, tief­gekränkt, doch muthig und stolz auf das gewahrte Rechts, durfte Conrad Haußmann in begeisterter Ansprache den im Kampfe unterlegenen, doch mit reinem Wappenschilde aus ihm hervorgegangenen Freunden zurufen. So viel Verführung im Wahlkampfe, so viel Verführung im Parlament und doch festgehalten an der Ueberzeugung! War der äußer­liche Erfolg des Parteitages ein großer, so hat noch mehr zur innerlichen Annäherung der Parteifreunde er beigetragen. Wie die Delegirten des Südens, Badenser, Hessen, Pfälzer, Hessen-Nassauer, von vornherein einig auftraten, so ergab der mehrtägige Verkehr einen Ausgleich der Anschauungen auch mit den Berliner, den schlesischen und sächsischen Ab­gesandten, so erregt auch die Debatten sich gestalteten, so störte doch kein Mißton die Verhandlungen. Nach schwerer Arbeit wurde die festliche Vereinigung der Theilnehmer beim Banket zur schönsten Feier, die von warmempfundenen Trink- sprächen belebt wurde, von denen insbesondere hervorzuheben sind neben Haußmanns Ansprache die geistvolle Rede Munckels, Funks Toast auf die süddeutsche Volkspartei, wie Richters Schlußwort.

Nerreste Hac^ri^cib

Wolffs telegraphisches Correfpondenz-Bureau.

Berlin, 18. Juli. DieNordd. Allg. Ztg." ist in der Lage, die Mittheilung desKleinen Journals" über eine Unterredung zwischen dem Justizminister und einem jüdischen Assessor dahin zu berichtigen, daß der Justiz­minister eine Erklärung, wonach er vorläufig nicht in der Lage sei, Juden als Richter anzustellen, nicht abgegeben habe.

Berlin, 18. Juli. Den Abendblättern zufolge dauert die stetige Besserung im Befinden des Reichskanz­lers fort. Die völlige Wiederherstellung ist in wenigen Tagen zu erwarten. Das Leiden verhindert den Reichskanzler nicht an der Erledigung der Geschäfte.

Potsdam, 18. Juli. Die kaiserlichen Prinzen reisen morgen, Mittwoch, Vormittag 8 Uhr 20 Min. von hier zum Sommeraufenthalt nach Cassel.

Hamburg, 18. Juli. Der Senat bevollmächtigte den neuernannten Hafenarzt, die ankommenden Seeschiffe behufs Verhütung der Einschleppung ansteckender Krank- heiten zu revidiren, speciell die aus verdächtigen Gegenden kommenden eingehendst im Auge zu behalten- auch länger im Hafen verbleibende Schiffe sollen bezüglich solcher Krankheiten überwacht werden. In Epidemiezeiten können alle Fahrzeuge vom Hasenarzt täglich revidirr werden. Bisher sind keinerlei verdächtige Erkrankungen gemeldet.

Vierteljähriger Avonnementspreisr 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn.

Durch die Post biogen 2 Mark 50 Pfg.

Redactton, Expedition und Druckerei:

Schukstrahe Ir.l.

Fernsprecher 51

4 Pferde« gewqt*

-r- in tüchtiges DE osort gesucht

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6ie6tn, 19. Juli 1893.

** Bon der Witterung. Die lange trockene und heiße Witterung ist nunmehr einem feuchteren und kühleren Wetter gewichen. Damit scheint für dieses Jahr in erster Lime dem Wassermangel, der sich sowohl in den Wasserleitungen als in den offenen Wasserläufen fühlbar machte, beseitigt zu sem. Die ergiebigen Niederschläge der letzten Tage haben den Fluren reichlich das zum Wachsthum so nöthige Wasser zugeführt, und so ist begründete Hoffnung vorhanden, daß noch manches in Garten, Feld und Wiese gedeihen wird, was über den Gemuse- und Futtermangel hinweghilft. Dem Gemüse, dessen spar-

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Deutscher Reich.

Berlin, 18. Juli. Mit dem Schlüsse der ersten kurzen, aber so bedeutungsvollen Session des neuen Reichs­tages und der endlich erfolgten Annahme der Miiitärvorlage ist für die innere deutsche Politik die sommerliche Ruhe­zeit gekommen. Denn nachdem jetzt die Entscheidung in der hochwichtigen Militärfrage nach langer Ungewißheit gefallen, wird nunmehr die politische Abspannung nach all den Auf­regungen der letzten Monate sich um so stärker geltend machen, zumal sür die nächste Zeit keine wichtigere Frage der inneren Politik alsbrennend" zu entdecken ist. Immerhin dürsten vorerst mancherlei Nachklänge aus der nun abgeschlossenen bewegten politischen Periode das allgemeine Interesse einiger­maßen noch wach erhalten. Hierzu gehören namentlich die sechs Nachwahlen zum Reichstage, von denen diejenige in Hofgeismar-Rinteln bereits stattgefunden hat, mit dem Er­gebnisse, daß eine Stichwahl zwischen dem Conservntiven v. Buttlar und dem Antisemiten Dr. König notwendig ist. Eine gewisse Aufmerksamkeit beanspruchen auch die Ausein­andersetzungen innerhalb der antisemitischen Partei, wie solche besonders in einer neulich zu Berlin veranstalteten anti­semitischen Versammlung gezeitigt wurden. Der Reichstags­abgeordnete für Marburg, Dr. Böckel, hielt eine demagogisch gefärbte Rede, welche die Einleitung zu wüsten Lärmscenen bildete, bei denen sich der Gegensatz zwischen den verschiedenen antisemitischen Richtungen deutlich offenbarte. Unter diesen Umständen kann man der Weiterentwickelung der Dinge in der antisemitischen Gesammtpartei mit einem gewissen Interesse entgegcnsehen. Auch im Lager der Centrumspartei machen allerhand unerquickliche Erörterungen von sich reden, die, wie z. B. der Briefwechsel zwischen dem Abgeordneten v. Sckalscha und dem Grafen Hompesch, dem Vorsitzenden der Reichstags- fraction der Centrumspartei, und die Mandatsniederlegung des Abgeordneten Letocha, mit der Haltung des Centrums in der Militärfrage Zusammenhängen. Zu erwähnen wäre vielleicht noch der in Berlin abgehaltene Parteitag der frei­sinnigen Volkspartei, der indessen durch seinen Verlauf manche weitergehende Erwartungen der Parteigenossen im Lande ge­täuscht haben dürste. Denn vorläufig soll in der genannten Partei Alles beim Alten bleiben, die Ausstellung eines neuen politischen Programms wird Sache eines im nächsten Jahre einzuberufenden Parteitages sein.

Die Gerüchte über den bevorstehenden Rück­tritt des Staatssecretärs des Reichsschatzamts Frhrn. v. Maltzahn-Gültz bestätigen sich, derPost" zufolge. Als Nachfolger des Herrn v. Maltzahn nennt man u. A. den Unterstaatssecretär v. Sch raut in der Regierung der Reichslande, sowie den Freiherrn v. H u e n e, den bekannten Centrumspolitiker.

Eine neue kriegerische Action derdeutschen Schutztruppe in Kamerun ist jetzt bekannt geworden. Sie galt der nachdrücklichen Bestrafung der rebellischen Mabeas im südlichen Kamerun, welcher Zweck vollständig erreicht wurde. Die zur Lösung dieser Aufgabe unter Führung des Assessors Wehlan aufgebrochene deutsche Expedition zerstörte fast sämmt- liche Dörfer der Mabeas und brachte den Aufständischen große Verluste bei. Schließlich baten die Mabeas um Frieden und lieferten den Deutschen ihren ersten Häuptling Benga aus, welcher auf Befehl des deutschen Expeditionschefs gehängt wurde.

Berlin, 18. Juli, lieber den Verlauf des Partei­tages der Freisinnigen Volkspartei in Berlin

Bekanntmachung, betteffend Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge. Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger zu Alsfeld wird Vorträge über die zur Linderung der Futternoth dienenden Mittel abhalten: L n .

1) Samstag den 22. Juli d. Zs., Abends 8 Uhr, m dem Saale des Gastwirths Konrad Volk in Trohe,

2) Sonntag den 23. Zuli d. Z8., Nachmittags 3 Uhr, in dem Saale des Wirths Kaspar Langsdorf zu Garbenteich.

Zu diesen Versammlungen werden nicht nur alle Mit­glieder des landwirthschaftlichen Vereins, sondern alle Land- wirthe und Freunde der Landwirthschaft ergebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister der vorgenannten und benach­barten Orte werden ersucht, aus möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken.

Gießen, den 14. Juli 1893.

Der Director des landwirthschaftl. Bezirksvereins Gießen. Jost.

Wiese zu kaufen.

Berlin, 19. Juli. Die hiesigen Bäckergesellen hielten gestern zwei Versammlungen ab, worin beschlossen wurde, auch für das Bäckergewerbe Controlmarken einzuführen. Die Bäcker verlangen die zwölfstündige Arbeitszeit einschließlich der Pausen.

Königsberg, 18. Juli. Der Generalgouverneur der Be­zirke Kowno, Wilna und Grodno hat, wie verlautet, die über 50 Jahre alten Verbote über den Nichtgebrauch der polnischen Sprache an öffentlichen Orten und im Verkehr mit den Behörden aufs Neue in Erinnerung gebracht und für Verletzungen derselben strenge Bestrafung vorgeschrieben.

Schneidemühl, 18. Juli. Die Staatsregierung hat ihre Genehmigung zur Veranstaltung einer Lotterie versagt und dagegen staatliche Hilfe in Aussicht gestellt.

Waldenburg, 18. Juli. Großes Aufsehen erregt hter die Ausstoßung zahlreicher Mitglieder aus dem Kriegerverein und dem reichstreuen Bergarbeiterverein wegen ihrer Haltung bei der Reichstagswahl.

Budapest, 18. Juli. In Dees und Szathmar wurden in den letzten Tagen mehrere choleraverdächtige Fälle amtlich festgestellt.

London, 18. Juli. In den Kohlengruben fand eine Ab­stimmung statt, in welcher die Ablehnung der vorgeschlagenen Lohnreduction einstimmig beschlossen wurde. Auf 35 Gruben wurde der Ausstand beschlossen.

London, 18. Juli. Die Subscription für die Hinterbliebenen derVictoria" ergab eine Million ^^Chicago, 18. Juli. Die Hitze hat in den letzten Tagen derart zugenommen, daß täglich acht bis zehn Personen an Sonnenstich sterben.

Berlin, 19. Juli. DerVossischen Zeitung" zufolge wäre die Aufgabe der Fankfurter Conferenz, daß die Finanzminister sich über eine systematische Finanzreform ver­ständigen. Ein vom preußischen Finanzminister Miquel ausgearbeiteter umfassender Plan solle als Grundlage dienen. DieStaatsbürger-Zeitung" meldet aus Neustettin, daß bei der dortigen Nachwahl bis jetzt F o e r st e r 3059, Stöcker 620 Stimmen erhielt. Die Wahl des ersteren sei sicher.

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nmentz, iftÄ0ber weniger i * aber wird Der- W^enid. "'tenverfichervng ll! I« M, "schlands.

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einMt, nicht nur ^wmen in vielleicht ^freien Lebevs- Wwanfenben Zinz- K welche sich durch Erfüllung ihrer Vn- Italien.

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Gießener Anzeiger

Generat-Mnzeiger.

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10 Leipzig 1819.

Wenden

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Stockholm, 18. Juli. DieHoheuzollern" mit dem Kaiser und der Kaiserin an Bord ist heute Vormittag auf der Rhede von Wisby eingetroffen. Eine zahlreiche Menschenmenge war auf dem Quai anwesend, Häuser und Schiffe waren reich beflaggt. Das Kaiserpaar begab sich mit Gefolge um ö1/* Uhr an Land und unternahm eine Fahrt durch die Stadt nach den Ruinen. Das Diner wurde an Bord eingenommen. Abends findet ein Fest zu Ehren des Kaiserpaares in den beleuchteten Ruinen statt, wobei Scenen aus dem kirchlichen Leben des Mittelalters und der Hansa- zeiten, verbunden mit Gesängen zur Darstellung gelangen.

Depeschen de« Bureau .Herold".

Berlin, 18. Juli. Dem Vernehmen nach findet am 6. August in Frankfurt a. M. eine Conferenz der Finanzminister der deutschen Bundesstaaten mit Dr. Miquel statt.

Berlin, 18. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Cabinetsordre, worin der K a i s e r dem R e i ch s - kanzler Graf von Caprivi seine volle Anerkennung 1 und seinen unauslöschlichen Dank für den erfolgreichen Ab- schluß der Verhandlungen über die Armeereform aussprrcht. Das fachmännische Verständniß, der staatsmännische Blick und die hingebende Tätigkeit des Reichskanzlers hätten die Reform ihrem befriedigenden Ende entgegengeführt.

Berlin, 19. Juli. Die Proviantämter haben hin­sichtlich des Ergebnisses der Futterernte in den begünstigteren östlichen Landestheilen die Weisung erhalten, das Heu der neuen Ernte bei völliger Trockenheit auch direct von der

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