1893
Nr. 17 @r#t8 Blatt
Mer
Amts- und Anzeigeblatt für den Aireis Gietzen
Hratisbeikäge: Gießener Z-amilienötätter. !
Amtlicher Tbeil
Ausland.
Deutsches Reich
weitere Verhandlung auf morgen vertagt.
Feuilleton
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Freitag den 20. Januar
Curt!" flehte sie in weichen Tönen und flog zu ihm I die Geliebte zu erringen und alle Fesseln abzustreifen, die ihn hin, seine Hände beschwörend sesthaltend, „es kann nicht Dein davon zurückhielten. .....
Der Atchexer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Dnmtkte» d litler eerben dem Anzeiger »Schentlich dreimal d eigelegt.
nnd höchst wahrscheinlich würde auf dieser Grundlage die große Mehrheit des Reichstages zur Verständigung mit der Regierung bereit sein. Da Herr v. Bennigsen der letzte Redner in der Montagsdebatte der Commission war, so muß zunächst noch dahingestellt bleiben, welche Aufnahme sein Vorschlag bei der Regierung finden wird. Wenn indessen vom Hirsch'schen Telegraphen-Bureau bereits in alle Welt Hinaustelegraphirt worden ist, daß in Berliner politischen Kreisen die Annahme der Militärvorlage wegen der entgegenkommenden Erklärungen des Centrumsabgeordneten v. Buol als gesichert gelte, so erscheint diese Meldung angesichts des vorläufigen Standes der Dinge mindestens als stark verfrüht.
Ernst sein; jenes Geschöpf ist an allem schuld! Ich bin Deine Braut, was würden die Menschen sagen."
Aber er befreite sich mit einem jähen Ruck.
„Das gilt mir gleich. Wenn ich an der Seite „jenes Geschöpfes", wie die hochgeborene Gräfin sich ausdrückt, nur glücklicher werde, als bei der Convenienzehe, die ich schließen zu wollen schwach genug war."
„So höre mich doch, Curt, ich habe Dich lieb und will Dich nicht lassen. Nein, nein, ich nehme den Ring nicht, Du
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgerten Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.
Im Salon der Volkert'schen Wohnung standen sich indeß der Director und Mr. Prince gegenüber, ersterer erregt und
Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere | Adresse angegeben wird.
4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a. Geburtszeugniß;
b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüstcn, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein-
c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist-
d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.
5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.
6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugnih beizulegen.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.
Darmstadt, den 19. December 1892.
Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende:
Dr. Zeller.
wirst Dich besinnen."
Finster zog der Prinz seine Brieftasche heraus und öffnete dieselbe.
„Sie sehen, Gräfin, hier die Rose Donna Bellas- ich trage sie auf dem Herzen, wie ihr Bild im Herzen. Und wenn auch Fluth und Flammen uns auf immerdar trennen sollten, ich schwöre es in dieser Stunde, kein anderes Weib zu freien, als sie, die ich liebe!"
Er hob feierlich die Schwurfinger der Rechten gen Himmel, dann verneigte er sich tief vor der wie versteinert dastehenden Gerta und schritt sporenklirrend hinaus- es war ihm so leicht zu Muthe, er hätte aufjubeln mögen in frisch erwachter Glückseligkeit.
Gestern Abend nach der Vorstellung hatte ihm Donna Bella strahlend erzählt, Waldstein komme heute oder morgen und er bestehe darauf, sie wenigstens für einige Wochen mit aufs Land zu nehmen, obschon ihr Vater nichts davon wissen wollte.
„Und Sie, Fräulein Isa, möchten Sie jetzt die Residenz verlassen?"
Sie hatte nicht aufgesehen, sondern nur träumerisch mit einer Blume gespielt und dann leicht geseufzt: „Wer weiß, vielleicht wäre es mir gut, wenn ich fortginge, obschon ich jetzt — sehr glücklich bin."
Er hatte gewußt, was sie gemeint, hatte sich niedergebeugt auf die schmale, weiße Hand, um sie zu küffen, ehe er ging- aber in seiner Brust stand der feste Manneswille,
Bierkeljährigkr >6onn#m<fit$prcUl 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mart 50 Pfg.
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Paris, 17. Januar. Die Gerichtsverhandlung, betreffend die Pan ama--Ange leg e nheit, wurde heute Mittag 12^2 Uhr eröffnet. Der Zudrang des Publikums war ein wenig zahlreicher. Der Generalstaatsanwalt Rau begann sein Plaidoyer, in welchem er betonte, daß die Angeklagten ihre Unschuld nicht zu beweisen vermochten- ersehe sich daher genöthigt, gegen alle Angeklagten, Ferdinand von Lesseps einbegriffen, trotz ihres früheren Ruhmes ein sie entehrendes Urtheil, nämlich die Verurtheilung, zu beantragen. In seinem Plaidoyer erhob der General-Staatsanwalt gegen i Ferdinand von Lesseps ferner den Vorwurf, daß er seit ! Beginn des Panama Unternehmens mit dem Gelde der Gesell- ! schäft verschwenderisch umgegangen sei und daß er betrügerische Machenschaften angewandt habe, um zur Zeichnung von Obligationen zu verlocken. Ferner wies der Generalstaatsanwalt darauf hin, daß aus dem Gesellschastsfonds 600 Millionen Francs vergeudet worden seien. — Im weiteren Verlause seines Plaidoyers hob der Generalstaatsanwalt hervor, daß für die Verwaltung der Panama Gesellschaft bedeutende Summen ausgewendet seien, daß die Unternehmer und namentlich Eiffcl enorme Vortheile aus den Geschäften gezogen hätten. ' Die Abmachungen E'ffels mit der Gesellschaft hätten allgemeine
Irrwege.
Novelle von F. von Pückler.
(15. Fortsetzung.)
Der Prinz fuhr zornig empor bei den kalten, höhnenden Worten, doch noch bezwang er sich und entgegnete möglichst ruhig : „Hättest Du mir Liebe gezeigt, Gerta, vielleicht wäre mein Herz auch Dir zugesallen, aber Du gabst Dir nicht die geringste Mühe und wir gingen vom ersten Tage an kalt neben einander her. Vielleicht wäre unsere Ehe eine ebenso kühle, conventionelle geworden, wenn ich nicht eines Tages den Circus Volkert besucht — und dort Donna Bella gesehen hätte. Von der Stunde an fühlte ich mich Dir gegenüber im Unrecht und beschloß, Dir offen alles zu sagen."
„Und Du dachtest, ich werde sogleich bonne mine a mauvais jeu machen und Dir vergeben," lachte die Gräfin höhnisch, „bei Euch Herren ist ja solche kleine Passion bald vorüber — die Ehe soll alles decken."
Hatte sie nun jedoch eine reuige Bitte um Vergebung erwartet, so irrte sich-die junge Dame- kalt und ernst blickte der Prinz sie an, stand auf und sagte, den Verlobungsring vom Finger ziehend:
„Das sei ferne von mir, Gräfin Gerta, Sie noch ferner an mich fesseln zu wollen, nachdem ich erkannt — daß ich ein anderes Weib liebe. Hier ist Ihr Ring, Ihr Wort zurück, von Stund an sind Sie frei — wie ich selbst!"
Darauf war die Gräfin jedoch nicht gefaßt- sie erbleichte, angstvoll blickte sie zu dem stolzen, schönen Offizier vor sich empor und endlich, ihrer selbst kaum mächtig, schrie sie entsetzt:
„Nein, Curt, nein! Es ist ja unmöglich, Du wirst doch nicht unsere Verlobung lösen?"
„Gewiß werde ich baß — um so bald als möglich meine Verbindung mit Fräulein Isabella Volkert zu schließen."
Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzoathums, hier Gesuch des Geflügelzuchtvereins zu Worms.
Der Geflügelzuchtverein zu Worms beabsichtigt, im Monat April dieses Jahres eine Geflügel-Ausstellung abzuhalten und hiermit zur theilweisen Deckung der dadurch veranlaßten Kosten ewh Verloosung von Geflügel rc. zu verbinden.
Gr. Ministerium des Innern und der Justiz hat die Mchgesti^te Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 10,000 Loose A 30 ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 °/0 des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden.
Gießen, den 18. Januar 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. (Sagern.
zornig, dieser kaltblütig, hohnvoll.
„Es bleibt bei der Bedingung, Herr Director, entweder Fräulein Bella wird die meine oder jener Wechsel von Ihnen —"
„Wenn sie aber nicht will, bester Prince! Reden Sie mit ihr selbst."
„Nun, jener unabweisbaren Thatsache gegenüber wird das Fräulein wohl ein Einsehen haben. Jedenfalls verlange, ich binnen zwei Tagen Bescheid."
„Zwingen kann ich das Mädchen nicht- sie ist das beste Zugmittel meines Unternehmens."
„Hm, so muß sich Donna Bella für den Vater opfern und sie wird es thun, wenn sie hört, daß er sonst — ins Zuchthaus kommt wegen Wechselfälschung."
Volkert ward ganz fahl im Gesicht.
„Lieber, bester Prince, ich weiß wohl, daß ich von Ihnen abhänge, aber seien Sie barmherzig —"
„Das Winseln hilft Ihnen gar nichts, Director!" rief der Jongleur wüthend, „Sie kennen den Preis für mein Schweigen und mögen sich danach richten."
Als er das Zimmer verlassen, sank Constantin Volkert in einen Stuhl und verbarg stöhnend das Antlitz in beiden Händen.
„Ruinirt," murmelte er heiser, „ich Elender! Also darum habe ich gespielt und gearbeitet, gewagt und errungen, um im Zuchthause zu enden. Wer hieß mich jene Wechselunterschrift fälschen! Hätte ick geahnt, daß Prince ihn an- kaufen würde. — Und es ist alles verloren, denn Bella wird sein Weib nie und nimmer, ich kenne mein stolzes, schönes Kind. Alice, mein holder Schutzengel, seit Du von mir gegangen, bin ich gesunken von Stufe zu Stufe hinab." (Fortsetzung folgt.)
Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1893.
Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1893 stattfindenden rnbr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallfigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung
spätestens bis zum 1. Februar 1893
bei der unterzeichneten Commission einzureichen.
Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt:
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Priifungs - Commission nur bann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grohherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.
3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein.
Gießener Anzeiger
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Berlin, 19. Januar. Die Montagssitzung der M il i t är- cornrnission des Reichstages hat in ihrem Verlaufe ~vv ----------
zum ersten Male eine leise Aussicht auf eine Verständigung Überraschung hervorgerufen. Schließlich sprach der isencrat. in dieser hochwichtigen Frage eröffnet. Dies insofern, als , staaisanwalt von den unter dem Namen „Kosten für die Ver-
Abg. v. Bennigsen, der Führer der Nationalliberalen, mit ! öffentlichungen" verborgenen Summen. Hierauf wurde die
großem Nachdruck und mit gewichtigen Gründen für die Be- > weitere Verhandlung auf morgen vertagt,
willigung von 40 000 Mann Recruten jährlich anstatt der | ------------
in der Vorlage geforderten Zahl von 60 OUO Mann eintrat,
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Anzeigen.
iff Concßrtverein
ittes Concert
(101. V ereinsjahr) ntag den 22. Januar 1893, Abends 5 übr, ile des Gesellschaftsvereins
unter Leitung
h. Universität - Musikdirektor« lerrn Adolf Felchner
und Mitwirkung äulein Emma Dienstbach aus Frankfurt (Sopran), äulein Margarethe Voretzsch aus Halle (Pianoforte) durch auswärtige Künstler tot- •kten Vereinsorchesters.
Programm.
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. 4.Fremde* v. f.luMnta dv und Arie e'aust* . L Spohr.
rt für Piano-
und Orchester . R. SchöBiai Lieder mit fortebegleitg. JR-FflK-
„ {R. Schwa« „ lyao Beethoven-
as-Tanz“ ad.
,Peer Gynt* , Edv. W Klavierstücke , O.Soirlittl .«i „ F. Chople.
*0Die Kr- 4, van Beetbover harten fiTNiohtmifed« « ) (Sperrsitz Mk. 3.a0), 6 kaUenhandlung von Herrn Ernst Ttadolph8 Nacht), für Studirende n Hausverwalter Storck zu ;m Preise zu haben.
ncerttage ein Bdletver hr Nachmittags ab >° statt


