Ausgabe 
18.6.1893 Erstes Blatt
 
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London, 16. Juni. An der Universität Cambridge bestanden zehn junge Damen das Docto rexamen für spezielle Mathematik.

Chicago, 16. Juni. In der Ausstellung wurde ein Vicomte Albert von Gilbert von Amsterdam verhaftet. Derselbe hatte zum Nachtheil des Juweliers Rosenthal einen beträchtlichen Diamantendiebstahl begangen. Er ist der That geständig.

Berlin, 17. Juni. Bisher ist, entgegen früheren Wahl­berichten, kein einziges Mitglied der Partei Richter, son­dern 5 Mitglieder der süddeutschen Volkspartei als gewählt festgestellt. Die freisinnige Volkspartei büßt 23 Wahlkreise definitiv ein mit dem bisherigen Freisinnigen Wöllmer. Im Kreise Jerichow, dem bisherigen Wahlkreise Wöllmers, kommt Herbert Bismarck in Stichwahl.

Berlin, 17. Juni. Bis heute früh sind 318 Wahl­resultate bekannt geworden. Es sind definitiv gewählt: 38 Conservative und Reichspartei, 15 Nationalliberale, 58 Centrum, 5 Volkspartei, 23 Socialdemokraten, 4 Frei­sinnige Vereinigung, 14 Polen, 6 Elsässer, 2 Antisemiten, 1 Däne, 1 Wildliberaler, 1 Bauernbündler - außerdem kommen 150 Stichwahlen in Betracht.

Berlin, 17. Juni. Bis heute Vormittag 11 Uhr sind 320 Resultate bekannt: 33 Conservative und 1 Bund der Landwirthe, 6 Reichspartei, 17 Nationalliberale, 60 Centrum, 21 Socialdemokraren, 3 Freisinnige Vereinigung, keine freisinnige Volkspartei, 13 Polen, 1 Antisemit, kein Welfe, 1 Däne, 5Elsäffer, 4 Süddeutsche Volkspartei, 1 Wilder. An den 154 Stichwahlen sind betheiligt 44 Conservative, 8 Bund der Landwirthe, 6 Reichspartei, 67 Nationalliberale, 26 Centrum, 75 Socialdemokraten, 10 Freisinnige Vereinig­ung, 36 Freisinnige Volkspartei, 7 Polen, 15 Welfen, 4 Dänen, 1 Süddeutsche Volkspartei, 9 Wilde.

Wahlresultate.

Berlin, 16. Juni. Bis jetzt sind von endgiltigen Wahlresultaten folgende bekannt. Es wurden gewählt:

Conservative in Detmold, Calw, Schleswig-Holstein IX, Hagenau-Weißenburg, Erstetn-Molsheim, Schwetz-Kreuzberg, KöSlin- Colberg, Greifswald, Netdenburg, Minden, Altenburg, Prenzlau, Oschatz, Ragnit-Ptlkallen, Löwenberg.

National!tberale in Schlettstadt, St. Johann, Bayreuth, Hannover 18, Ulm, Homburg, Kusel, Bernburg, Waldeck, Wanz­leben, Landau t. Pf^ Aurich, Neuhaldensleben, Aschersleben.

Freisinn,ige Vereinigung in Bremen, Hirschberg, Schles­wig-Holstein V.

Volkspartei in Crailsheim, Böblingen, Tübingen, Balingen, Hell-Oehrtngen, Gerabronn.

Centrum in Aachen I., II., IIL. IV., V., Trier, Rappolts- weiler, Crefeld, Coblenz, Waloshut, Münster, Baden-Baden, Lahr- Wolfach, Baden-Bühl, Jmmenltadt, Blaubeuren, Biberach, Ravens­burg, Jllerfisien, Augsburg, Münster I., II., UI., IV., Oldenburg III., Saarlouis - Merzig, Bittburg - Prüm, Hechingen, Kattowitz, Neiße, Regensburg, Stegkret« - Waldbröhl, Ingolstadt, Düren-Jülich. Aschafienburg, Leobschütz, Montabaur, Kempen, M.-Gladbach, Brauns­berg, Kofel, Grottkau - Falkmberg, Neuwied, Mayen, Arnsberg- Meschede.

Soctaldemokraten in Breilau, Ost und West, Hamburg I, II., III., Braunschweig-Blankenburg, Leipzig, Zwickau-Crimmitschau, Nürnberg, München II., Berlin IV., und VI., Schneeberg, Gera, Mülhausen i. Els., Schleswig-Holstein 6, 7, 8, Chemnitz, Gotha.

Antisemit in Homberg-Fritzlar.

Däne in Schleswig-Holstein I.

Elsässer in Saarburg.

Polen in Jnowrazlaw, Buk.

Wild-liberal in Guben.

Bauernbund in Pfarrkirchen.

In die Stichwahl kommen: 30 Conservative, 52National­liberale, 19 Centrum, 28 Freisinnige, 12 Freisinnige Vereinigung, 5 VolkSparteiler, 75 Socialdemokraten, 11 Antisemiten, 2 Welfen, 5 Polen, 1 Reichsparteiler, 1 Elsässer.

Hofgeismar. Rinteln - Wolfhagen. -Stichwahl zwischen Werner (Antis.) und Märtens (B. L.) scheint sicher.

Jena - Renstadt. Stichwahl zwischen Walter (Nl.) und Leuten (Soc.).

Siegen. Dresler (Nl.) 6337, Stöcker 8314, Himmelein (Fr.) 2019, Centrum 1453, Soc. 330, Böckel (Antis.) 403. Stich­wahl zwischen Dresler und Stöcker.

Marburg. Stichwahl zwischen Böckel (Antis.) und Lucke (Cons.). Böckel hat gegen 1890 etwa 2000 Stimmen an Liberale und Centrum verloren.

Artedeberg. Im Wahlkreise Friedberg-ArnSwalde liegt jetzt das Gesammtresultat vor. Ahlwardt (Antis.) erhielt 6840, Born­stedt (Cons.) 2460, Ernst (Fr.) 1420, Socialdemokrat 640 Stimmen. Ahlwardt ist also gewählt.

Berlin, 16. Juni. Bis 11 Uhr Nachts sind 312 Wahlresultate bekannt, 33 Conserv., 15 Natlib., 6 Reichspartei, 3 freisinnige Ver­einigung, 57 Centrum, 1 Wilder, 5 freisinnige Volkspartei, 20 Socialdemokr., 2 Antisemiten, 14 Polen, 5 Elsässer, 1 Däne, 149 Stichwahlen. An den Stichwahlen sind betheiligt: 67 Natlib., 70 Socialdemkr., 48 Consero., 12 freisinnige Vereinigung, 29 frei­sinnige Volkspartei, 7 Polen, 5 Bund der Landwirthe, 27 Centrum, 3 Welfen, 1 Elsässer, 6 Reichspartei, 15 Antisemiten, 8 VolkSpartei.

Greifswald. Lösewitz (cons) gewählt.

Hameln. Stichwahl zwischen Hische (Nl.) und Brey (Soc.) Bemdnrg. Friedberg (Nl.) gewählt.

Lieguttz. Stichwahl zwischen Kauffmann (Freis.) und Hornig (Cons.)

Pinneberg. Stichwahl zwischen Graf Moltke (Cons.) und Molkenbuhr (Soc.)

®nben. Prinz Carolath (Wildlib.) gewählt.

Gotha. Bock (Soc.) gewählt.

Waldeck. Boettcher (Nl.) gewählt.

Wanzleben. Benda (Nl.) gewählt.

Montabaur. Lieber (Ctr.) gewählt.

Zweibrücken. Stichwahl zwischen Adt (Nl.) und Reeb (Ctr.).

Landan. Bürklta (Nl.s gewählt.

ArnSberg-Meschede. Fusangel (Ctr.) gewählt.

Aurich. Kruse (Nl.) gewählt.

Oldenburg. Stichwahl zwischen Major Hinze (Fr. V.) und Hug (Soc.)

Raumburg. Stichwahl zwischen Günther (Nl.) und Hoff­mann (Soc.).

M.-Gladbach Kehler (Ctr.) gewählt.

GottbuS-2premberg. Stichwahl rwischm Werbeck (Cons.) und Schulz (Soc ).

Bromberg. Stichwahl zwischen Falkenthal (Bund d. Landw.) und CharltnSki (Pole).

Aschersleben. Placke (Nl. u. Cons.) gewählt.

Saarburg. Kuechly (Els.) gewählt.

LSwenberg. Holleuffer (Cons.) gewählt.

Minden, o. Roon (Cons. und Antis) gewählt.

«unaberg. Stichwahl zw. Böhme (Cons.) und Grenz (Soc.).

Neuwied. Bender (Ctr.) gewählt.

Herzogthum Altenburg. Baumbach (Genf.) gewählt.

Eisenach. Stichwahl zwischen v. Osten (911.) und Kaffel- mann (Fr.)

Zittau. Wahlkreis Löbau: Herzog (rrdL) 4806, Zimmer­mann (Antis.) 6172, Postelt (Soc.) 4469, Hoffmann (Nl.) 1649. Stichwahl zwischen dem Freisinnigen und Antisemiten.

Mülhausen. Bueb (Soc.) 11,880, Cetty (Ctr.) 9576, v. Below (cons.) 855. Bueb ist somit gewählt.

Weimar. Samhamer (Fr.) 4136, Urtel (Nl.) 2848, Kallm- ring (cons.) 4955, Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) 447, Baudert (Soc.) 5465. Voraussichtlich Stichwahl zwischen Kallmring und Baudert.

LandSberg-Soldin. Voraussichtlich Stichwahl zwischen Ebert (cons.) und Schröder (Fr. V).

«riedberg. Friedberg-Büdingen. Oriola (Nl.) 5560, Bär (AntisJ 3530, Grünewald (Fr.) 3000, Prinz (Soc.) 2416. Stich­wahl zwischen Oriola und Bär wahrscheinlich.

Meiningen. Der Wahlkreis Meiningen U ist an die Socia- listen verloren gegangen.

Rudolstadt. Stichwahl zwischen Lüttich (fr. V.) und Hoff­mann (Soc.).

Alzey-Bingen. Stichwahl zwischen Träger (Fr.) 5112 und AvenartuS (Nl.) 4720. 6 Orte fehlen noch.

Remscheid. Stichwahl zwischen Schmidt (Fr.) und Meist(Soc.).

Krankfurt a. 0. Stichwahl zwischen H-ake (Fr. V.) und Metzner (Soc.).

Reichstagswahl am 15. Juni.

Ergebniß aus den bisher noch fehlenden

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Gemeinde «

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Albach.........19 1

Dorf-Gill........10

Wettsaasen........ 3

Zeilbach.........21

Ober-Lais........ 12 1

Steinberg (Kr. Schotten) ... 10

Leidhecken........12

Usenborn........37

Wallernhausen.......24 6

148 8 329 40

Laut gestriger Aufstellung 4118 1884 5230 2825

Gesammt-Ergebniß 4266 1892 5559 2865

Rückständig ist noch Flensungen.

Cocoles unfc provinzieller.

Gießen, 17. Juni 1893.

** Reichstagswahl. Nach dem oben abgedruckten Er­gebniß fielen von 14,572 abgegebenen Stimmen 4266 auf Herrn Meinert, 1892 auf Herrn Dove, 5559auf Herrn Köhler und 2865 auf Herrn Orbig. Veranschlagt man die noch aus Flensungen fehlenden, sowie die auf andere, vorher nicht aufgestellte Candtdaten (Stöcker u. s. w.) ab­gegebenen Stimmen insgesammt auf 100 bis 150, so würde sich, nach Abgang der ungültigen Stimmen, die Zahl der abge­gebenen Stimmen auf rund 14,700 belaufen. Die absolute Mehrheit wäre dann 7351 Stimmen. Sonach fehlen dem Candi- baten der Antisemiten, Herrn Köhler, noch rund 1800 Stimmen.

** Zur Linderung der Futternoth. Das Großherzogliche Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Forst- und Cameral- Verwaltung, hat unterm 12. Juni an die Großherzoglichen Forstämter und Oberförstereien folgendes Ausschreiben gerichtet: Die dermalen bestehende Futternoth läßt es räthlich erscheinen, im laufenden Jahre auf die seither übliche Ver- werthung des Grassamens in den Dom anialwaldungen zu ver­zichten und statt dessen das Gras zur Fütterung abzugeben. Worin nicht ganz besondere Verhältnisse die Verwerthung des Grassamens räthlich erscheinen taffen, wollen Sie demgemäß verfahren. Ist in Gemeindewaldungen die Verwerthung des Grassamens vorgesehen, so wollen Sie mit den betreffenden Großherzoglichen Bürgermeistereien zu vereinbaren suchen, daß auch hier die Nutzung des Grassamens zu Gunsten der Gras­nutzung unterbleibt.

** Abgabe von Baumstützen. Mit Rücksicht auf die an vielen Orten in Aussicht stehende reiche Obsternte hat das Großherzogliche Ministerium des Innern die Forstämter und Oberförstereien angewiesen, dem Bedürfnisse nach Baum­stützen aus den Dominalwaldungen thunlichst bald und voll- ständig zu entsprechen. Wo der Bedarf an solchen ein großer ist, würde eine ausreichende Anzahl Stangen auszuforsten und zu versteigern fein; bei geringerem Bedarf sind die An­forderungen mittelst Handabgabe zu befriedigen.

** Radfahrfest. Wie uns mitgetheilt wird, findet morgen Sonntag früh 6 Uhr Reveille statt. Der Nachmittags V,3 Uhr beginnende Corso bewegt sich vom Sammelort, LudwigSplatz, aus durch die Ludwigsftraße, Bleichstraße, Seltersweg, Neustadt, Nordanlage, Wallthorstraße, Schul­straße, Neuenbäue, Grünbergerstraße zum Festplatz.

** Zimmerbraud. Gestern Mittag entstand in einem Hause der Wallthorstraße ein Zimmerbrand, der, ohne weiteren Schaden anzurichten, gelöscht wurde.

** Verhaftet. Zwei Fechtbrüder, welche gegenseitig die Legitimationspapiere wechselten, wurden gestern Nachmittag verhaftet.

** Fuad. Heute früh ist ein erbrochener Hand­koffer mit einer größeren Anzahl neuer Schuhwaaren, jeden- falls von einem Diebstahl herrührend, aufgefunden worden.

* * 3» Amerika verstorbene Hesfea. Brooklyn, N. A. Catharina Mohr, geb. Keßler, 59 Jahr alt, aus Reinheim, Kreis Dieburg. Weehawken, N. I. Charles F. Tag, aus Worms.

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§ Ermearod (Wahlkreis Gießen), 16. Juni. Einen schönen Beweis einmüthigen Sinnes hat gestern unsere Ge­meinde durch ihre einstimmige Wahl des nationalliberalen Candidaten Herrn Meiner! gegeben. Auf denselben ver- einigten sich alle abgegebenen42 Stimmen. In der

Nachbargemeinde Groß-Felda (Wahlkreis Alsfeld) war d« Betheiligung an der Wahl eine sehr schlechte; von 250 Wahl- berechtigten stimmten nur 56. Ebenso stimmten in Ober» Ohmen nur ein Drittel aller Stimmfähigen. Die überaus traurigen Aussichten für die Landwirthschast sind von diesen Erscheinungen die Ursache.

§ Bo« höheren Vogelsberg, 15. Juni. In den Ge­meinden hiesiger Gegend wurden die Grasplätze, welche in sonstigen Jahren für die Gemeinden versteigen wurden, zu« Behüten freigegeben, damit vorläufig das Vieh erhalten werden könne. Viele Landwirthe treiben auch ihr Vieh auf die besieren Wiesen zur Weide. Dann ist aber die Frage gerechtfertigt: Wo soll daS Heu gemacht werden? Bis die Leute zum Heu­machen kommen, ist daS bischen vorhandene Gras wieder ver­schwunden. Sollte diese Witterung noch 810 Tage an« halten, so sehen sich die Landwirthe gezwungen, ein Theil deS Viehslandes selber zu schlachten. Es ist bereits der Vorschlag gemacht worden, jede Woche ein Stück zu schlachten und im Ort zur Vertheilung zu bringen, so daß Alles gemeinschaftlich getragen wird. Alte Futtervorräthe sind nicht mehr zu be­kommen. Die Saatenfelder, welche seither noch ziemlich gut standen, zeigen bereits gelbe dürre Spitzen. Jedermann möchte Vieh verkaufen, aber Niemand kauft welches. Gewöhnliche Kühe kauft man jetzt für 45 60 ML, frischmelkende Kühe mit Kälbern noch für 8090 Mk., Saugkälber im Gewicht von 3540 Pfund für 7 8 Mk. Tagtäglich kann man jetzt auch auf dem Lande mindestens zweimal frisches Fleisch bekommen, was sonst nie der Fall war. Von Seiten der Forstbehörde soll das grüne Laub zum Abrupfen als Futter für das Vieh an die Leute unentgeltich abgegeben werden.

* ** Krofdorf, 16. Juni. Bei der gestrigen Reichstags- wähl erhielten Behr (Antis.) 3, de Gruyter (freif.) 66, Krämer (natl.) 85, Paul (Soc.) 141 Stimmen; in Gleiberg Bähr , de Gruyter 10, Krämer 10, Paul 51 Stimmen; in Kinzen bach Bähr 17, de Gruyter 1, Krämer 55, Paul 26 Stimmen; in Launsbach Bähr 4, de Gruyter 8, Krämer 26, Paul 60 Stimmen; in R o d h e i m Bähr 149, de Gruyter 5, Krämer 30, Paul Stimmen; in Wißmar Bähr 32, de Gruyter 5, Krämer 108, Paul 36 Stimmen; in Atzbach Bähr 79, de Gruyter 1, Krämer 58, Paul 3 Stimmen.

* Epiual, 17. Juni. Die Landleute schlachten all ihr Vieh. Pferde werden zu 510 Fr. verkauft. Viele Pferde werden ebenfalls getötet. Die Futternoth ist un­beschreiblich.

* Ein Sonderling. DaSJll. Wiener Extrablatt" er­zählt: In Ofen lebt ein alter Flickschneider NamenS Feilhauer. Seine Specialität ist die Ausbefferung von Militäruniformen, worin er eine ganz besondere Geschicklichkeit besitzt. Feilhauer ist der Sohn eines Soldaten und wäre für fein Leben gern auch Soldat geworden, aber dieses Glück war ihm versagt, weil er gar zu klein von Statur ist. Um feinen militärischen Neigungen zu fröhnen, hat er sich fein Leben lang darauf verlegt, Militär-Erinnerungsobjecte zu sammeln, und er hatte in der That eine sehenswerthe Sammlung von Militärmontur­stücken, von Orden, Medaillen und Waffen. Die kostbarste« Stücke seiner Waffensammlung mußte er allerdings zu den Zeiten, wo es ihm schlecht ging, wieder veräußern. Als jüngst Erzherzog Albrecht in Pest weilte, erzählte Erzherzog Eugen von diesem Sonderling und bewog den Feldmarschall, einen Besuch bei dem alten Flickschneider zu machen. Zu seiner sprachlosen Verwunderung und zu seinem maßlosen Glücke sah Feilhauer vor einigen Tagen plötzlich die beiden Erzherzoge in seine Stube eintreten. Die Herren unterhielten sich sehr leutselig mit dem Alten und ließen sich seine Samm­lung zeigen. Seine prächtigsten Stücke holte Feilhauer am Schluffe hervor: Einen Waffenrock und eine Mütze, welche der Kaiser selbst getragen hat. Die Erzherzoge gaben die Echt» heit dieser Stücke zu. Am andern Tage erhielt der glückliche Schneider vom Erzherzog Albrecht eine Photographie und ein Säckchen mit Goldstücken als Geschenk zugesandt.

*Weil sie zu alt war" hat sich in Berlin die 22 Jahre alte Ida I. erhängt. TagS zuvor hatte sie beim Rollen der Wäsche erklärt, daß sie sich zu alt fühle; ein Mädchen, daS 22 Jahre alt geworden fei, brauche nicht mehr zu leben.

Verkehr, CanO* «nd volkswirtbscbaft.

Gieße«, 17. Juni. Marktbericht. Am dem heutige, Wochenmarkt kostete: Butter pr. Psd. X 0.851,00, Hühnereier per Stück 6 A, 2 Stück 11 Käse pr. St. 58 X Käsematte pr. St- 8 4, Erbsen vr. Liter 18 H, dürfen pr. Liter 28 4, Tauben pr. Paar X 0,70-0,90, Hühner pr. Stück X 1,101 50, Hahnen pr. St- X 1.70-2,00, Enten pr. St. X 1,80 bis 2,00, Ochsenfletsch PT. Psd- 60-68 A. Kuh- und Rindfleisch pr. Psd. 45-54 A, ©ebnrefne» Bpr. Pfd. 60-70 * Kalbfleisch pr. Psd. 40-46 4, Hammel' pr. Md. 40 -70 4. Kartoffeln pr. 100 Kilo 6,00-7,00 X, 'rauf pr Stück 5-12 4, Zwiebeln pr. Gentner 12,00-00.00 X* Milch pt. Liter 12-18 X, Enteneier pr. St. 6 4, Gänseeier 1112 H, Kirschen pr. Psd. 1218 H.

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Gießen, 17. Juni 1893.

In der heutigen Stammet des Gießener Tageblatts findet sich unter der RubrikAuS Siabt und Land* ein Artikel über ben Ausfall der ReichstagSwahl in unserem Kreise, in welchem über die Ursachen dieses Ausfalls und insbesondere den Rückgang der Stimmen der freisinnigen Partei in Stabt und Land Bettachtungen angestellt werden. Diese Ursachen findet der Herr Einsender deS Artckels darin, daß im politischen Kampfe Halbheit und Unklarheit in Fragen, non denen der Wähler wissen wolle, ob der Candidat sie mit Je oder Nein beantworte, unheilvoll wirke. Es wird also hiermtt der hiesigen frctftnnigen Partei und deren (Sanbtbaten der Vorwurf gemacht, daß sie In der Frage der Militärvorlage keine bestimmte Stellung eingenommen hätten. Dieser Vorwurf ist aber in der Thal ganz unbegründet, indem der hiesige sretsinnige Verein, wie wiederholt öffentlich constatirt wurde, schon bei Beginn des

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