Ausgabe 
18.2.1893 Erstes Blatt
 
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I

Sitzung -er Stadtverordneten

am 16. Februar 1893.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadt­verordneten die Herren Brück, Emmelius, Faber, Flett, Heß, Homberger, Habcnicht, Helfrich, Heyligenstaedt, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Simon, Br. Thaer, Bogt und Wallenfels.

lieber das Ergebniß der Vergebung des Eichen- stammholzeS im Stadtwalde berichtet Herr Oberbürger­meister Gnauth. Es sind danach auf erfolgtes Ausschreiben folgende Gebote eingelegt worden: Für 475 Festmeter Schnitt- und Schwellenholz 28.10 und 26.50 Mk. für den Festmeter (bei Abnahme des GesammtquantumS), 32.20 und 25.10 Mk. pr. Festmeter bei Abnahme von Theilquantums. Für Bau- und Grubenholz betrugen die Gebote 18.50, 16.57 und 16 Mk pr. Cubikmeter bei Abnahme deS Gesammt­quantumS ; bei TheilquaniumS 17.25 Mk. ES wurde der für das Gcsammt Ergebniß angenommene Doranschlagspreis von 19188 Mk. überschritten um 3222 Mk., obwohl ein Preisrückgang gegenüber dem Vorjahre eingetreten ist. ES wird nach Kenntnißnahme deS Berichts Großh. Oberförsterei befchlosien, die Angebote zu genehmigen. Der wie all­jährlich erfolgten Abgabe von Fichten - Deckreisern, zusammen 3210 Wellen, aus dem Gießener Stadtwalde wird Genehmigung ertheilt. Infolge erhobener Beschwerde über die geringe Qualität der dieSjährigrn veckreiser soll die Großh. Obersürsterei ersucht werden, bei der Durchforstung auf Gewinnung besicrer Reiser Rücksicht zu nehmen oder wenn dies nicht angängig, die Abgabe von Deckreisern ein- zuschränken.

Die Firma E. Friedberger Söhne hat um Er­stattung von 30.50 Mk. angeblich zu wenig Aurücfvergüteten OetroiS für zur Ausfuhr gebrachtes Mehl nachgesucht. Die

gegründetenBund der Landwirthe" auSgezangen. Man erwartet einen ungeheuren Andrang und eine großartige agrarische Kundgebung. .

Wilhelmshaven, 16. Februar. Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich sind um 10 Uhr cingetroffen und begaben sich nach der Matrosenkaserne, wo die Vereidigung der Re- fruten stattfand. Während deS Frühstücks im Casino brachte der Vieeadmiral ValotS einen Toast aus den Kaiser auS. Dieser dankte und wieS auf daS Aufblühen der Marine hin, deren schneller Ausbau erforderlich sei. Er brachte ein Hoch auf die Marine aus. Nach der Vereidigung der Rekruten hielt der Kaiser eine Ansprache - Contreadmiral Oldekop brachte daS Hoch auf den Kaiser auS. Nach der Berichtigung der neuen Haubitzen begab sich der Kaiser nach dem Casino, um dort daS Frühstück einzunehmen.

Wien, 16. Februar. In hiesigen militärischen Kreisen wird die Nachricht bestätigt, daß der Deutsche Kaiser an den diesjährigen «aisermanövern in Ungarn sich nach Be­endigung der rheinischen Manöver betheiligen werde.

Brux, 16. Februar. Der Strik: im Kohlenrevier ist beendet. t

Nom, 16. Februar. Heute hatten 10,000 Süd Italiener eine Audienz beim Papste. Es befanden sich darunter 92 Bischöfe, die Cardinäle von Neapel, Capua, Palermo und Messina. Neapolitanische Fischer brachten mehrere Körbe mit Fischen zum Geschenk.

Pari-, 16. Februar. Die Mission der Panama-Com­mission gilt nach dem gestern gefaßten Beschluß thatsächlich für beendet.

Paris, 17. Februar. Nach dem gestrigen Siege RibotS gilt die Regierungssähigkeit eines Ministeriums, daS auS dem rechten und linken Centrum zusammengesetzt wäre, auf längere Zeit für ausgeschlossen.

Brüssel, 16. Februar. Aus Baesrode werden blutige Zusammenstöße zwischen der Bevölkerung und der Gensdarmerie gemeldet. Der Anlaß war folgender: Milizen, welche von der Ziehung heimkehrten, überfielen einen Markl- wagen, brachten einer alten Frau Verletzungen bei und griffen die GenSdarmen, welche zu Hilfe eilten, an. Die Verfolgung durch die GenSdarmen dauerte an, bis die Volksmenge inter- venirte, welche die GenSdarmen schwer mißhandelte. Letztere feuerten schließlich in die Lust. Hierauf wurden sie von Neuem angegriffen, zum Theil verwundet, es wurden ihnen die Uniformen zerfetzt. Nun feuerten die GenSdarmen in die Menge und machten einen Bajonettangriff. Es wurden auch telegraphisch Verstärkungen herbeigerufen. Diese machten den Versuch, einen Gefangenen fortzubringen, wurden aber auf dem ganzen Wege von einer wüthenden Menge verfolgt, welche den Gefangenenwagen angriff. Die GenSdarmen feuerten wiederholt; es wurden vier Verhaftungen vor­genommen. Eine Anzahl GenSdarmen und Bürger wurde verwundet, unter den Verwundeten befindet sich ein 14jähriger Knabe.

Petersburg, 16. Februar. Zwischen Rußland und China ist eine neue Abmachung über den Telegraphenverkehr vereinbart worden, wonach der Satz für Telegramme über die russische Linie (Kiachta) billiger sein wird als derjenige über die amerikanische Linie.

Petersburg, 16. Februar. Die Regierung beabsichtigt, im Frühjahre außerordentliche Maßnahmen zur B e k ä m p f u n g der Rinderpest zu ergreifen. In den infizirten Gebietm sollen permanente Commissionen ernannt werden, um kranke und verdächtige Thiere erkennen zu lassen. In den heim- gesuchten Gegenden stockt der Viehhandel vollständig.

Newyork, 16. Februar. Ein W i r b e l st u r m vernichtete einen .großen Theil der japanischen Fischerflotte. Im chinesischen Meere sind über 100 Fahrzeuge untergegangen. Einige 600 Fischer sind umgekommcn.

Tamatave, 16. Februar. Schwere Stürme vernichteten im ganzen südlichen Madagascar die Ernten und zerstörten zahlreiche Dörfer- drei große Schiffe und zahlreiche Barken sind in dem schweren Sturme untergegangcn.

Finanzcommisfion hat Ablehnung des Gesuchs und Festhalten an dem Octroi-Reglement beantragt, wonach nur für solche Gegenstände Cctroi zurückvergütet wird, deren Ausfuhr durch die Controle bescheinigt ist.- Die Versammlung beschließt, nachdem die Herren Jughardt und Löber das Gesuch be­fürwortet, Ablehnung desselben.

Herr W. Seuling hat an die Bürgermeisterei eine Eingabe gerichtet, in welcher er um Derbefferung bezw. Höher­legung des Pflasters in der Wetzsteingasse, sowie um An­bringung einer Laterne in dem neuen Theil der Wetzsteinstraße nachsucht. Nach dem Gutachten des StadtbauamtS ist eine Höherlegung des Straßen-Nivellements wegen der niedrigen Lage der HauSeingänge in dem alten Theile der Wetzsteingasse nur möglich, wenn die bett. Hauseigenthümer und Interessenten ihre Zustimmung dazu geben, die Baudeputation empfiehlt deshalb, den Gesuchsteller auf diesen Umstand aufmerksam zu machen- belr. der Laterne hat die Deputation für daS Gas- und Wafferwerk beantragt, eine Laterne aufzustellen, wenn daS Psaff'sche Haus, Ecke Nordanlage und Wctzsteingaffe, bezogen ist. Es wird, nachdem noch Herr Ha b en ich t auf die während des Winters besonders gefährliche Paffage zwischen K'rchenplatz und dem Gäßchen nach der Wetzsteingaffe aufmerksam gemacht und unterirdische Ableitung des Abfall- wasserS von dem am Kirchenplatz aufgestellten Ventilbrunnen empfohlen hatte, beschloffen, nach den Anregungen der beiden Deputationen zu verfahren.

Die Punkte 5 und 6 (Ueberschreibung der Stadtkirche auf den Namen der evangelischen Gemeinde im Grundbuch von Gießen und Durchführung des ReichSgesetzeö über die Gewerbegerichte, hier Erlaß eines OrtSftatulS) wurden von der Tagesordnung abgesetzt. Mit Bezug auf das Gewerbe­gericht theilt Herr Oberbürgermeister Gnauth indeß das Ergebniß von Nachforschungen mit, welche aus Anlaß einer Bemerkung des Herrn Orbig bei der Berathung des Orts- statuts, daß nämlich ein hiesiger Lohnkutscher, trotzdem für ihn Beiträge zur Ortskrankenkaffe gezahlt worden seien, trotzdem er seine Ansprüche an verschiedenen Stellen gellend gemacht, keine Unterstützung während der Arbeitsunfähigkeit erhalten habe, angestellt wurden. Die Nachsorfchungen wie die be­hördlicherseits geführte Vernehmung des tn Rede stehenden Kutschers haben ergeben, daß derselbe aus einer infolge Verletzung an der Hand herbeigeführten Arbeitsunfähigkeit von 4 Tagen nur einen Tag Anspruch auf Krankengeld hatte, welchen er auch erhielt. Herr Orbig erklärte (nachdem Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, Herr Orbig sei wohl nach den hier mitgetheilten Erhebungen überzeugt, daß der betr. Kutscher sein Recht gefunden), daß eS nicht seine Schuld gewesen, wenn die Sache sich anders darstelle, es sei ihm eben von dem Kutscher die Sachlage nicht richtig mitgetheilt worden. Die Angelegenheit ist damit erledigt.

Das Gesuch des Herrn Gustav Koch um Eoucession zum Wirthschastsbetrieb im Hause Wolfstraße 9 (Insel Helgoland) wird, da cs sich um Uebergabc einer bereits bestehenden Wirthschaft an eine andere Person handelt, durch Bejahung der Bedürsnißfrage befürwortet.

Bezüglich des Gesuches des Herrn B e r n h a r d Stern von Marburg um Concession zum Wirthschastsbetriebe m Merz'schen Hause in der Bahnhofstraße spricht sich die Ver­sammlung ebenfalls für Bejahung der Bedürsnißfrage aus, nachdem Großherzogl. Polizeiamt dieselbe mit Bezug auf Ausschank von Brantwein verneint hatte. Maßgebend für den Beschluß war die Erklärung der Commission, daß ein Dedürsmß zur Errichtung eines mit besserer Logirwirthschast verbundenen Schankbetriebes insofern vorliege, als die zu errichtende Wirthschaft lediglich zur Aufnahme ifraelitifdjer Reisender bestimmt sei.

Der 9. Gegenstand der Tagesordnung: Prüfung der Rechnung der StadtGießensür 1891/92 wurde auf Antrag des am Erscheinen verhinderten Referenten (Stadt­verordneten Scheel) abgesetzt, und dafür von Herrn Heyligenstaedt über das Ergebniß der von ihm in Ge­meinschaft mit Herrn Beigeordneten Georgi vorgenommenen Prüfung der Rechnung des Gas- uno Wasserwerkes berichtet. Danach haben einige unwesentliche Anstände sofort Erledigung gefunden und im Uebrigen die Prüfung die Richtigkeit der Rechnung ergeben.

Localer an- Lrovlnzteller.

Gießen, 17. Februar 1893.

Theater.Unsere Frauen", Lustspiel in fünf Acten von Moser und Schönthan. Die beiden als Lustspiel- dichter sehr bekannten Autoren haben dem gestrigen Stücke eine Scene aus dem alltäglichen Leben zu Grunde gelegt. Zwei in ihrem Character ganz verschiedene Kaufleute betrieben ein Compagniegeschäft, welches durch die Waghalsigkeit des einen zu Grunde geht. An diesem Vorgänge nun lassen unS die DichterUnsere Frauen" studieren, diese treten uns deshalb in den verschiedensten Ständen entgegen, als Schwiegermutter, jugendliche Gattin und Backfisch. Um die einzelnen Charactere noch markanter hervortreten zu lassen, ist dann in äußerst geschickter Welse jeder Damenrolle eine Herrenrotte partnerisch entgegengestellt, welcher die der anderen diametral gegenüber» liegenden Eigenschaften innewohnen. So Ist der sittenstrengen, sparsamen Schwiegermutter ein leichtlebiger, üppiger Gemahl, der treuen hingebenden Gattin, ein leichtsinniger Gatte, dem auSgelaffenen pflichtvergessenen Weibe ein pflichttreuer, streb­samer Mann beigesellt. In der Darstellung und AuS- gleichung dieser Gegensätze ist die Ausgabe deS Stückes zu erblicken, die nebenherlaufenden Liebesgeschichten und daS Auftreten deS unvermeidlichenPfeffermann" haben eigentlich nur nebensächliche, daS Ganze mehr illustrierende Bedeutung. Die Wiedergabe dcS Stückes fand vor sehr stark besetztem Hanse statt und verdient eine ganz tüchtige genannt zu werden. Herr Martiensen alsDorn" wußte diesen Character in den nötigen Grenzen zu halten, so daß er nie unsympathisch wirkte, obwohl die Eigenschaften desselben nicht gerade die angenehmsten sind. Herr Stückel und Herr

Rupp trafen den Gegensatz zwischen Leichtsinn und Pflicht­treue in der Darstellung der beiden CompagnonSStein" undHillberg" recht gut. Höchst komisch war Herr Director ReinerS als FactotumPfeffermarm", die Herren Halpern (Groffer) und Born (Cornelius) erledigten sich ihrer Auf­gabe zu unserer Zufriedenheit. Unter den Damen gefielen vor Allem Frau Sopps (Adelheid) und Fräulein Brünner (Hedwig), obwohl erstere mit einer starken JndiSposilion zu kämpfen hatte, die, wie wir hoffen, jedoch bis morgen beseitigt fein dürfte. Fräulein (Joppe gab daS ausgelassene Weib mit dem ihr für derartige Rollen eigenen Talente. DaS Backfi'chpaarElla und Grete" wurde von Frau Director ReinerS, die anfangs nut etwa« zu hastig sprach, und Fräulein Märker ganz nett verkörpert. Zum Schluffe erwähnen wir noch Fräulein Kroll und Fräulein Grigo, die zwei allerliebste fesche Köchinnen boten.

Der Alice Frauen Betel» für die Krankenpflege im Großherzogthum Heffen hält seine mit der Gedächtnißfeier deS 25jährigen Bestehens des Verein« verbundene General­versammlung am 23. Februar, Nachmittag« 3*/, Uhr, im Großh. alten Palai« zu Darmstadt.

Ruhestands Versetzung. In den Ruhestand versetzt wurde der Lvcomotivführer bei den Oberhesfischen Eisenbahnen Johann Heinrich Dietz zu Gießen auf fein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit.

Sommer Fahrplane. Auch die Königliche Eisenbahn- Dlrection Hannover giebt nunmehr bekannt, daß am 1. April b. I. bei den preußischen StaatSeisenbahnen aud), im äußeren Dienst die mitteleuropäische Zeit (M. E. Z.) zur Ein­führung gelangen wird. Der von ihr in dieser Zeit auf- gestellte, vom genannten Tage ab gültige Fahrplan enthält, abgesehen von der Umrechnung der Zeiten, keine wesentlichen Aendetungen.

Muster-Register. Im Monat Januar Haven von hessischen Amisgerlchten Bekanntmachungen über neu ge- schützte Muster und Modelle veröffentlicht: Gießen 8 Muster bezw. Modelle, davon 2 plastische, 6 Flächenmuster - Alsfeld 12 Muster bezw. Modelle, nur Flächenmuster - Mainz 25 Muster, davon 24 plastische, 1 Flächenmuster.

Falsches Geld. Nach Berichten auS der Nachbarschaft sind zur Zeit falsche Einmarkstücke in Umlauf, weshalb Vorsicht bei Annahme dieser Geldforte uöthig ist. Auch den Goldstücken möge man Beachtung schenken, da durch Be­schneiden minderwerthig gewordene Zwanzigmarkstücke in Um­lauf fein sollen.

Warnung Gegenwärtig werden wieder von ge­wissenlosen Personen besonders kleinere Geschäfts- und Hand­werksleute aufgesucht und denselben sog. Ratendocumentc aufgeschwätzt. Die BczugSdocumente von Baukhäusern lauten z. B.:DaS unterfertigte Bankdau« verkauft und liefert dem auf dem hierzu gehörigen Nummer-Schein namentlich be­zeichneten Inhaber dieses BezugsdocumenteS: Ein Venediger 30 Frcs.-PrämienlooS, ein Sachsen Meininger 7 fl.-Prämien- Loo« und ein Mailänder 10 FrcS.-LooS gegen Erlag von 32 monatlich aufeinander folgenden Raten zu je 4 Mark." Die drei Loose rcpräfentircu gegenwärtig einen ConrSwerth von 7273 Mark zusammen. Nun sollen die Abnehmer in 32 Raten 128 Mk. und 6 Mark. 20 Pfg. Porto für die monatlichen Posteinzahlungen dafür zahlen, also beinahe daS Doppelte deS eigentlichen Werthe«. Und wer garantirf, daß die Leute überhaupt nach 32 MonatSzahlungen auch in den Besitz der Loose gelangen? Sind einmal mehrere Raten bezahlt und kann nicht mehr weiter bezahlt werden, so ist das Bezahlte verloren. Es ist dringend geboten, den Schön- schwätzern die Thüre zu weisen. In Betracht ist noch zu ziehen, daß Über 75 p(£r. der Loose nur mit dem Nennwerth gezogen werden, also mit 24 Mk. und 8 Mk. Bei Meiningern schwankt der niederste Gewinn zwischen 8 bis 14 fl. im Laufe von 20 Jahren. Auch dauert e« 20 bis 25 Jahre, bis fämmtliche Loose gezogen sind.

Briefauffchriften mit weißer Tinte auf dunklem Papier nicht zuläffig. Einem Exporthause in Beuthen waren Briefe, deren Aufschriften mit weißer Tinte auf dunklem Grunde gemacht waren, von der Post zurückgewiesen worden, nachdem vorher von der Post 1000 derartige Briefe, welche das Exporthaus zu Reclamezwecken versandte, befördert worden waren. Die Obcrpostdtrection Oppeln und daS Reichspostamt haben die Zurückweisung gebilligt.

Maß und Gewicht. Dem Reichstag ist der Ent­wurf eines Gesetze« über Abänderung der Maß- und Gcwichtsorduung zugcgangen. Der Entwurf, der die Anerkennung und Einführung der neuen Urmaße im Wege der Gesetzgebung herbeiführen will, hat für Deutschland nur eine formale Bedeutung.

Ein kleiner GeschaftSkniff, besonder« beim Diehhandrl, wird vielfach als erlaubt betrachtet und unter diesem Deck­mantel werden mitunter geradezu betrügerische Vorspiegelungen und Manipulationen vorgenommen. Den Viehhändlern wird daher folgende Gerichtsverhandlung von Interesse sein, welche kürzlich in der Stadt M. anstand. Der Fleischer- meister Wilh. E., Görmarstr., war angeklagt, dem Gärtnerei- desitzer M. daselbst eine Kuh verkauft zu haben, welche hinterher nicht die angegebene gute Eigenschaft der reichlichen Milchabgabe gehabt haben soll. E. hatte bei dem Kauf­geschäft 40 Thaler verdient. Der Angeklagte wurde durch die Zeugenaussagen deö Betrugs für überführt erachtet und zu 14 Tagen Geiängniß, sowie 50 Mk. Geldstrafe verurtheiit. Mildernde Umstände wurden nach der Lage de« Falle« nicht angenommen. Es müffe darauf gesehen werden, hieß e« im Unheil, daß im Handel und Wandel Ehrlichkeit Platz greife.

Handel mit Schlachtvieh. In Folge einer Anregung de« deutschen LandwirthschastSrathe« hat der landwinhschaft- liche Verein von Oberhesien beschloffen, dahin zu wirken, daß der Handel mit Schlachtvieh künftighin nach Lebendgewicht geschehe, und daß ebenso die öffentliche PreiSnotirung erfolge. Die vorgesetzten Behörden laffen bereit« durch die Bürger»