totales unb provinzieller.
Bießeu, 15. September 1893.
* • Zu den TetachewentSirbungeu der 49. Infanteriebrigade in Oberhessen sind mehrere Eidgenössische Offiziere eingetroffen: Der Oberst C6rvsole, Chef des 1. ArmeeeorpS, Oberst-Lieutenant und Regimentskommandeur Burckhalter und der bereits seit längerer Zeit zum 116. Infanterie-Regiment ccmmandirte Hauptmann v. Ned in g. Der schwedische Major Materne wird noch erwartet.
• • In den Veröffentlichungen der Großh. Centralstelle für Landesstatistik sind die Zusammenstellungen über die Einkommensteuerpflichtigen und die Eiukommeusteuercapitalieu im Grohherzogthum für daS laufende Verwaltungsjahr 1B93—94 enthalten, deren Betrachtung und Vergleichung mit dem vorjährigen Ergebnis manches Intereffante bietet. Die Zahl der Einkommensteuerpflichtigen beträgt für daS ganze Land 222101 (im Vorjahre 217206), ist also nahezu um 5000 gestiegen. Davon gehören der zweiten Ab« theilung (Einkommen unter 2600 Mark) 203494 (im Vor. jahre 199197), der ersten Abtheilung (Einkommen von 2600 Mk. an aufwärts) 18 607 (im Vorjahre 18 007) an. DaS procentuale Verhältniß ist 8,38 Procent der Pflichtigen für die erste und 91,62 Procent für die zweite Abtheilung. Einkommen von 46 000 Mk. an auswärts bis zu 3 274 000 Mk. werden im ganzen Lande 156 versteuert, davon gehören 66 der Provinz Starkenburg, 21 der Provinz Oberhessen und 69 der Provinz Rheinhessen an. Die drei höchsten Einkommen, 3 274 000 Mk., 878000 Mk. und 757000 Mk. werden von Actiengesellschasten versteuert- das erste ist in Mainz, die beiden letzten sind in Darmstadt. Unschwer lassen sich darunter die hessische Ludwigs. Eisenbahngesellschaft, sowie die beiden Darmstädter Banken erkennen. '
* * Bon den vielen Verbesserungen und Ergänzungen, welche die am 1. Januar d. I. in Kraft getretene Novelle zum Arbeiterkrankenversicherungsgesetz enthält, dürfte diejenige im § 3a 1 eine der wichtigsten sein. Dort heißt es nämlich, daß auf ihren Antrag von der Versicherungspflicht zu befreien sind „Personen, welche in Folge von Verletzungen, Gebrechen, chronischen Krankheiten oder Alter nur theilweise oder nur zeitweise erwerbsunfähig sind, wenn der unterstützungöpflichtige Armenverband der Befreiung zu« stimmt". Den Mangel einer derartigen Bestimmung haben vorher Arbeitskräfte der gedachten Art ost sehr schmerzlich empfunden. Denn während früher, als die Versicherungspflicht der Arbeiter gegen Krankheit überhaupt noch nicht be- fiand, ältere und gebrechliche Arbeitskräfte in vielen Betrieben, Werkstätten und Fabriken anstandslos zu Arbeiten, für die sie noch tauglich waren, Unterkommen fanden, änderte sich dies Verhältniß nach dem Inkrafttreten des Krankenversicherungsgesetzes vom 15. Juni 1883 sehr bald zu Ungunsten dieser Art von Arbeitskräften und mancher Invalide der Arbeit mußte erfahren, daß daS, was für die Mafien der Arbeiter eine Wohlthat war, das Krankenversicherungsgesetz, ihm den Erwerb eines kärglichen Brodes fast unmöglich machte. Die geschlossenen, größeren Betriebe und Fabriken, welche eigene Krankenkassen organisirt hatten, nahmen ein begreifliches Interesse daran, diese Kassen nicht zu belasten und da dieses Interesse bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern ganz gleichmäßig war, so sahen sich die Arbeitsinvaliden von dem Eintritt in viele, ihnen sonst offenen Arbeitsstellen geradezu ausgeschlossen, nur aus dem Grunde, weil sie durch den Eintritt in die Arbeit auch vollberechtigte Kassenmitglieder wurden und man befürchtete, daß sie der Kasse unverhältniß- mäßige Kosten verursachen würden. Diesem Verhältniß tritt nun die oben angeführte Ge,etzeSstelle in der Novelle erfolg« reich entgegen.
* * Hilfeleistung der Eisenbahubeamteu bei Uuglücksfalleu. Von den Eisenbahn-Directionen ist jetzt Fürsorge getroffen, daß bei Unglückssällen sofort noch vor Ankunft des Arztes durch die Eisenbahnbeamten die erste Hilfe geleistet werden kann. Die Bahnärzte haben die Zug« und Stations- beamten mit Verhaltungsmaßregeln versehen, während alle zur ersten Hilfeleistung erforderlichen Gegenstände in besonderen RettungSkisten enthalten auf jedem Eisenbahnzuge vorhanden sein müssen.
* * Fahrkarten-Conlrole. Mit dem 1. October wird nach einer Bekanntmachung der Eisenbahndirection die im Berliner Vorortverkehr seit zwei Jahren zum Zwecke der Billetcontrole bestehende Einrichtung, der Bahnsteig- sperrung versuchsweise auf weitere Strecken ausgedehnt. Sie umfaßt sämmtliche Stationen der von Berlin nach dem Westen, nach Köln, Frankfurt, Branschweig gehenden Linien. — Die Durchlochung der Fahrkarten nach Prüfung derselben, sowie die Abnahme der Karten auf diesen Stationen erfolgt durch die an den Ein« und Ausgängen aufgestellten Schaffner- bei den Zügen findet eine Durchsicht der Fahrkarten je nach Bedarf durch die ZugbegleitungS- oder Stationsbeamten statt. Der Zutritt zu den abgesperrlen Bahnsteigen ist deßhalb zunächst nur noch den mit einem gilrigen Fahrausweis versehenen, sowie den Personen gestattet, die hierzu nach den Bestimmungen der Betriebsordnung für die Haupteisenbahnen Deutschlands berechtigt sind. Um jedoch auch nichtreisenden Personen, die Reisende zu den Zügen begleiten oder von den Zügen abholen wollen, den Zutritt zu den Bahnsteigen zu ermöglichen, werden an den Fahrkarten-Verkaufsschaltern Bahn- steigkarten zum Preise von 10 Pfennig für das Stück abgegeben, die zum einmaligen Betreten des Bahnsteigs berechtigen. — Der Austritt aus dem Bahnhofe ist nur gegen Abgabe des durchlochten Fahrtausweises oder der durchlochten Bahnsteigkarte gestattet. ES ist deßhalb von besonderer Wichtigkeit, den Ausweis aufzubewahrcn, da beim Fehlen eines solchen gegen den Betreffenden gemäß den durch § 21 der DcrkehrSordnung für die Eifenbahnen Deutschlands gegebenen Bestimmungen verfahren werden muß. „Wir bemerken hierbei noch, daß mit der neuen Einrichtung hauptsächlich bezweckt wird, daS Begehen der Wagentrittbretter durch die Schaffner
während der Fahrt behufs Vornahme der Conttole der Fahrt- auSweise entbehrlich zu machen und so den bedauerlichen Unfällen vorzubeugen, die dem Zugpersonal durch Abstürzen von den Trittbrettern zustoßen."
• • @in Handgeld für Gotnhüllten von 100 Mk. gelangt jetzt im Anschluß an die neue HeereSorganisatton zur Einführung. Die Unteroffiziersprämien von 1000 Mart, welche nach zwölfjähriger Dienstzeit gezahlt werden, bleiben daneben bestehen. Das Kriegsministerium hat nunmehr verfügt, daß eine erste Capitulation, für welche ein Handgeld von 103 Mart gegeben wird, vorliegt, wenn der Betreffende sich ;u einer mindestens vierjährigen (oierj. Freiwillige der Cavallerie zu einer fünsjahr.) Gesammtdienstzeit verpflichtet. Der Anspruch auf Zahlung erwächst mit dem Zeitpunkt der Erfüllung der gesetzlichen acttven Dienstzeit (Tag der Entlassung der Reservisten). Der früheste Auszahlungstermin ist im laufenden Jahre der 1. Ociober. Die auS Unteroffizier« schulen und auS der Militärfchule deS großen Militär-Waisen« Hauses Heroorgegangenen, die Roßarzt Aspiranten, die Eleven der Militär-Roßarztschule, die Unrerroßärzre, die HilsSmusiker (einschließlich der eratSmäßigen Hilfshoboisten, Offizierburschen, Oekonorniehandwerker, Militär-Krankenwärter und Militärbäcker) erhalten kein Handgeld, ebensowenig Capitulanten, die, gegenwärtig dienend, einem früheren als dem Jahrgang 1890 angehören. Bei den Waffen mit zweijähriger Dienstzeit sind die am jetzigen Entlassungstermin zweijährig Gedienten in Ansehung der Zahlbarkeit des Handgeldes so zu behandeln, als ob sie bereits an diesem Termin ihre gesetzliche Dienstzeit erfüllt hätten.
Friedberg, 14. September. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog, Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzessin Alix, Ihre Königliche Hoheit die Herzogin von Son- naught, Seine Durchlaucht der Prinz und Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzessin Ludwig von Battenberg, sowie I. H. Prinzessin Victoria zu Schleswig-Holstein sind heute Nachmittag 12 Uhr 48 Min. hier eingetroffen. Seine Königliche Hoheit der Herzog von Connaught, der von Frankfurt mit hierher kam, reist am Abend wieder nach Wien ab. Im Gefolge befinden sich die Schlüffeldame Fretin v. Grancy, die Hofdame Fräulein v. Fabrice, Obersthofmarschall General der Infanterie z. D. v. Westerweller, Generaladjutant Generalmajor Wernher, Oberftallmeister Frhr. Riedesel zu Eisenbach, die Flügeladjutanten Major Frhr. v. Grancy und Hauptmann Frhr. Räder v. Diersburg, Premierlieutenant v. Frankenberg und Mr. Wemys.
W. Wohnbach i. d. W., 14. September. Bei uns sind Birnen, die sich zum Latwerge'(Honig-)Kochen eignen, zu 2 Mk. 50 Pfg. per Centner verkauft mordet., daS Malter stellt sich also aus 5 Mk., wofür das Obst sehr preiswürdig ist. In manchen Ortschaften gibt eS viel, in anderen wieder wenig Birnen, daher schwankt der Preis für diese Obstart im diesjährigen Herbste ganz ungemein, denn man hört vom Birnenpreis zwischen 5 bis 8 Mk. und mehr reden. Aepfel und Zwetschen sind allgemeiner gerathen. Die Erlöse auS Obst ergänzen die Lücken, welche durch die schlechte Futter« und Getreideernte gerissen wurden. Wer kein Obst zu verkaufen hat, ist freilich übel dran.
B. Berstadt i. d. W., 14. September. Seit einiger Zeit werden in unserer Gegend Vermessungen auf der Secun« därbahnlinie Hungen-Berstadt-Friedberg vorgenommen, welche schon früher abgesteckt worden ist. ES handelt sich darum, die'zukünftigen Bahnhöfe zweckmäßiger für die anliegenden Ortschaften zu placiren. Man hat uns als ganz sicher in Aussicht gestellt, daß sowohl die Linie Hungen-Berstadt-Fried« berg, wie auch diejenige von Nidda-Echzell-Friedberg nächstes Frühjahr 1894 in Angriff genommen werden soll. Da beide Linien durch wellenförmiges Hügelland führen, daS nur geringe Terrainfchwierigkeiten bietet, hoffen die Bewohner der Wetterau,, daß sie nun auch bald mit der Außenwelt in öw« binbung kommen werden.
Darmstadt, 14. September. Der mit der Verwaltung des Offiziercasinos des 2. Großh. Hess. Drag.-RegtS. Nr. 24 (der fogn. Bulgarenhalle) beauftragte Sergeant Grün von gen. Regiment trat Ende August einen ihm bewilligten zehn« tagen Urlaub an, von dem er bis jetzt, nachdem die Urlaubs« frist längst abgelaufen, nicht zurückgekehrt ist. Derselbe ist jedenfalls flüchtig geworden, denn in der von ihm geführten Casinokasse soll ein sehr beträchtliches Defizit conftotirt sein. Der Mann hat jedenfalls das in ihn gefetzte Vertrauen schmählich mißbraucht und sich schon längere Zeit Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen. Die Summe, um welche daS Offiziercorps geschädigt worden ist, soll ca. 10,000 Mk. betragen. Bei dem großen Vorsprung von mehreren Wochen, den der Flüchtling hat, dürste nur geringe Aussicht auf Ergreifung desselben vorhanden sein.
nn. Darmstadt, 14. September. Unsere Stadtverwaltung beschäftigt sich augenblicklich mit Erhebungen wagen Schaffung eines öffentlichen Verkehrsmittels für Darmstadt insbesondere mit der Ausarbeitung eines ProjecteS für Herstellung einer elektrischen Straßenbahn innerhalb des Stadtgebietes. Dabei sind zunächst zwei Linien ins Auge gefaßt und zwar eine Linie von Westen nach Osten, umfassend die Straßen: Bahnhöfe, Eiisabethenftraße, Ludwigs« platz, Schulstraße :c. bis zum Herdweg, sowie eine Linie von Süden nach Norden vom Orangeriegarten, Earlstraße, Marktplatz dis zur Dieburgerstraße, eventuell später mit einer Fortsetzung bis zu den Hirschköpsen. Um nun eine genügende Unterlage für diese Vorarbeiten zu gewinnen, werden seitens unserer Stadtverwaltung augenblicklich Erhebungen in den hiesigen Handels- und Gewerbekreisen gepflogen, um etwa noch weitergehende Wünsche in Betracht ziehen zu können. Wir unsererseits wünschen dem Projecte eine recht baldige Verwirklichung , wenn ei auch nicht ausgeschlossen ist, daß eine Reihe einheimischer Gewerbetreibender dadurch Schaden erleiden.
Permifcbtcs.
• tt. Frankfurt a. M , 13. September. Gustav. Adolf-Festspiel. Die Aufführungen des Festspies „Gustav Adolf" von Otto Devrient haben am 7. di. Mu. begonnen und sofort einen vollen Erfolg errungen. Stück ist in allen feinen Auszügen von packender Wirkung, ganz besonders tm ersten, welcher daS Erscheinen Gust« Adolfs vor Stettin, und im dritten, welcher seinen Einzig in Frankfurt schildert. Die Ausstattung darf als muftet» gütig bezeichnet werden, die Trachten sind mit geschichtlicher Treue angefertigt und den Mitwirkenden merkt man eö not dem übereinstimmenden Unheile der Presse nicht an, daß sie keine berufsmäßigen Darsteller sind. Devrient selbst $ der Titelrolle und Frau Dr. Hauser (Berlin) als Königin bieten prächtige Leistungen. Um nun auch den Bewohnen der Nachbarstädte einen bequemen Besuch deS Festspieles a ermöglichen, ist auf vielfaches Verlangen für nächsten Sonntag eine besondere Fremdenvorftellung angesetzt. Dieselbe beginnt Nachmittag- um 5 Uhr und ist somit schon gegen 9 Uhr beendet, so daß die Rückfahn noch nach allen Richtungen möglich ist. BorauSbestellungen auf Karten nehmen tu meisten hiesigen Buch- und Kunsthandlungen, sowie der Vorsitzende deS Gustav-Adols-VereinS, Rechtsanwalt Dr. Vnt- Heimer, entgegen. Die Kasse im Saal bau ist am Sonntag Bormittag von 11—1 Uhr und Nachmittags von 4 Uhr an geöffnet.
* Frankfurt, 14. Sept. Das Panorama „Der Kampi um Weißenburg", das nur noch bis zum 1. October hier bleibt, war am letzten Sonntag und auch im Laufe dieser Woche sehr zahlreich besucht. Die hiesigen und auSwärtigea Schulen und Vereine, denen an Wochentagen eine Preisermäßigung zu Th eil wurde, machten hiervon so auSgiebigea Gebrauch, daß für diese Fälle eine Vorher-Anmeldung noch- wendig geworden ist.
* Kassel, 14. September. Zum gestrigen Geburtstag der kaiserlichen Prinzessin waren die SonntagSschulkinder nach WilhelmShöhe geladen, woselbst sie festlich bewirthet wurden. AuS Anlaß deS Geburtstages waren die Wasserkünste im Betriebe.
* Metz, 13. September. Der Kaiser wird der Gemeinde Kürzel, zu der Schloß Urville gebürt, eine pro- testantische Hjrche bauen lassen und hat die erforderlichen Weisungen bereits ertheilt. Zum Kirchenbau in Saarburg i. L. — der dortige Pfarrer ©erben hatte am Sonntag in Kürzel gepredigt — spendete der Kaiser die Summe von 15000 Mk.
* Berlin, 14. September. Wie der „D. medicinischea Wochenschrift" offenbar von zuständiger Seite berichtet wird, mehren sich im Krankenhaus Friedrichshain feit ca. einer Woche die Typhus fälle ganz auffallend. Seit dem ersten dieses Monats find nicht weniger als 32 (20 Männer, zwölf Frauen) zur Aufnahme gelangt. Der Wohnbezirk der Ein- gelieferten beschränkt sich saft ausschließlich auf den Nord- Osten und Osten Berlin-, speziell aus einen Bereich, der von der Warschauerftraße, Spree, Stadtbahn, Prenzlauer- und Frieden-straße begrenzt wird. Hoffentlich steht un- nicht eine der Epidemie vom Winter 1888/89 entsprechende Ausdehnung dieser Erkrankungen bevor. Jedenfalls gehört ein Präsenz, bestand von ca. einem halben Hundert Typhöser aus der inneren Abtheilung deS genannten Krankenhauses nicht zu den gewöhnlichen Ereignissen. In dem städtischen Krankenhaust am Urban sollen auch mehr Typhuskranke als sonst, allein viel weniger als im Krankenhaufe Friedrich-Hain liegen.
• Berlin, 14. September. Der „Vorwärts" bringt folgenden Aufruf: „An die Arbeiter Berlin-! Wie Ihr wißt, beabsichtigt die Verwaltung der Stadt- und Ringbahn, Euch die Dienstverrichtungen, welche den bisherigen Angestellten oblagen, aufzuhalfen. Man muthet Euch zu, die Coupöthürekt beim Ein- und Aussteigen aus den Bahnzügen zu schließen. Niemand hat ein Recht, von Euch derartige Dienste zu verlangen. Ihr macht Euch zu Mttschuldigen einer arbeiterfeindlichen Knauserei zu Gunsten deS heutigen KlassenstaateS, wenn Ihr Eure Hand dazu bietet, den Proletariern bi# Bahndienstes die Arbeit zu nehmen. Laßt Euch aber nicht durch ein provocatorisches Benehmen höherer Vahnbeamter zu Ausschreitungen verleiten. Weigert Euch einfach, da- ze thun, wozu Ihr nicht verpflichtet seid - namentlich ist äa§erft< Vorsicht geboten, wenn eS zu Feststellungen von Persönlichkeiten kommt.. Eure Losung im Freundeskreise, in Beniner und Versammlungen fei jetzt; Niemand schließe auf der Stadt- und Ringbahn die Wagenthür!"
• Reisse (Oberschlesien), 7. September. Die Katastrophe im Neissefluß vorn 10. August v. I., wo bei den Militär- Schwimmübungen zwölf Soldaten um» Leben kamen, ha: nachträglich noch ein Opfer gefordert. Am Sonntag verschied im hiesigen Garnisonlazareth der MuSketter Stie-ler von der 10. Compagnie de- Infanterie-Regiments Nr. 23. StieSler war bei der verhängnißvollen Schwimmübung ebenfalls untergesunken, aber gerettet worden. Durch einen Stich mit einem Bootshaken beim Auffischen erhielt er eine so schwere Wunde, daß er 13 Monate lang im Garnisonlazareth lag bi- ihn jetzt der Tod von seinem Leiden erlöst hat.
• Sorlitz, 14. September. Die wegen Ermordung der Kinderwärterin Hartmann jirtn Tode verurtheilte Näherin Selma Schubert ist heute früh 6 Uhr durch den Scharfrichter Reindel hingerichtet worden. Der Mord wurde am 11. September 1892 begangen.
• Esse», 13. September. Gestern wurde auf der Köln« Mindener Eisenbahnftrecke in der Nähe der Zeche „Helene* die Leiche eines Reservisten aufgefunden. Der junge Mann war erst einige Tage vom Militär zurück und hatte sich auf dem hiesigen BezirkScommando gemeldet- aus dem Nachhausewege scheint er dem Bahndamm entlang gegangen und überfahren worden zu fein.
• Straßburg, 6. September. Unlängst wurde der Eigen« thümer Paulu- in Redingen (Lothringen) wegen TodtschlagS seine- Knechte- Schockmebl verhaftet. Anlaß zu dieser That gab der Umstand, daß Schockmehl die Frau seine- Brotherr«


