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1893

Samstag den 16. September

Nr. 218

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Zlmtr- und An;eis«blatt für den ICrcts Gietzen

chratisbeitage: Hießener Aamikienklätter.

Der Kaiser ist um

Lauterburg, 14. September.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erfcheinenden Nummer bi« Borm. 10 Uhr

solche Abänderung von dem Reichsrath geprüft und vom Kaiser sanctionirt würde.

Der

Atetzener Anzeiger «rfcheint täglich, Bit Ausnahme deS Montag«

Die Giehener

21/4 Uhr nach Stuttgart abgereist.

Stuttgart, 14. September. Ihre Majestät dieOaiserin traf um 8 Uhr 12 Min., Se. Majestät der Kaiser mit dem Kronprinzen von Italien eine Viertelstunde später hier ein. Auf dem Bahnhofe wurden die Majestäten vom Könige und der Königin, sowie von den hier anwesenden Königlichen

dem Abschreiten der Front und dem Vorbeimarsch der Ehren­wache, welche eine Compagnie des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm König von Preußen Nr. 120 gestellt hatte, erfolgte die Abfahrt der Allerhöchsten Herrschaften nach dem Königlichen Schlöffe. Vor dem ersten Wagen, in welchem Se. Majestät der Kaiser mit dem Könige Platz genommen hatte, ritt eine halbe Escadron des Dragoner-Regiments König Nr. 26, während die andere halbe Escadron dem zweiten Wagen, in welchem Ihre Majestät die Kaiserin und die Königin von Württemberg saßen, folgte. Unbeschreiblicher Jubel des Volkes begleitete die Majestäten auf dem ganzen Wege vom Bahnhofe bis zum Königlichen Schlosse, mit stürmischen Evviva-Rufen wurde der Kronprinz von Italien empfangen und ebenso der Reichskanzler Graf Caprivi mit begeistertem Hurrah begrüßt. Bei dem Verlassen des Bahn­steiges richtete der Stadtschultheiß Ruemelin eine Ansprache an Se. Majestät den Kaiser, in welcher er Allerhöchst- demselben, dem mächtigen Kriegsherrn und treuen Friedens­hüter, im Namen der Stadt einen Willkommensgruß dar­brachte. Der Kaiser dankte und äußerte, er sei gerne wieder nach Stuttgart gekommen- der Stadtvorstand habe sein Bestreben richtig bezeichnet. Das Wetter ist prächtig. Abends 7 Uhr stader im Königlichen Residenzschlosse Familien-- täfel und Marschalltafel statt. Um 8x/a Uhr wird im Schloß- Hofe von sämmtlichen württembergischen Militär Musikcorps ein großer Zapfenstreich ausgesührt.

Prag, 14. September. Eine Bekanntmachung des Statthalters untersagt die Ansammlung auf Plätzen, Straßen, truppweises Herumziehen, demonstratives Tragen von Abzeichen, Führen und Aushängen von Fahnen. Ausgenommen von dem letzten Verbot sind die Fahnen in Reichs- und Landes-

lager

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau.

Berlin, 14. September. Wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, sind die beiden KreuzercorvettenArcona" undAlexan­drine", die sich bisher vor Buenos-Ayres befanden, gestern

Brmgerlohn.

Durch dir Post bqogte 2 Mark 50 Pf«.

Redaktion, Lxpedino» und Druckerei:

Zch»lftr,tze Kr.r.

Fernsprecher 51.

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jen werben.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. September. Der Colonialrath tritt, wie die vB. B.-Ztg." erfährt, am nächsten Dienstag Hierselbst

Gießener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

Werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal dnAelegt.

Depeschen deS Bureaufcetolb".

Berlin, 14. September. Der Minister deS Innern v. Eulenburg hat eine Verfügung erlassen, worin die Re­gierungsstellen aufgefordert werden, innerhalb dreier Monate zu berichten, ob Veränderungen in den Verwaltungsbezirken eingetreten und ob eine Veränderung oder Abgrenzung der Reichstagswahlkreise erwünscht ist.

' Berlin, 14. September. Die gestrige Anarchisten­versammlung war sehr zahlreich besucht. Nach einer Rede des Cigarrenmachers Witzke, welcher die heutige kapitalistische Gesellschaft sehr heftig angriff, wurde die Versammlung auf- gelöst. Die Versammlung ging unter Rusen:Hoch oic Anarchie, nieder mit der Bourgeoisie!" auseinander.

Leipzig, 14. September. Die Polizeibehörde verbot eine Versammlung, worin Ahlwardt über den Fall Paasch sprechen wollte, weil die Persönlichkeit Ahlwardts keine Gewähr leiste, daß die Versammlung ohne erhebliche Störung verlaufe. Das Comite legte Beschwerde ein.

Altona, 14. September. Nachdem die Staatsregierung ihre Zustimmung zur Anlegung eines umfangreichen Fr et- hafenbezirkes in Altona ertheilre, soll mit den dazu nöthigen Arbeiten bald begonnen werden.

Prag, 14. September. Infolge des Ausnahmezustandes wurde das Erscheinen mehrerer czechischer Zeitschriften verboten- eine Anzahl politischer Zeitschriften muß drei Stunden vor der Herausgabe Pflichtexemplare zur amtlichen Durchsicht vorlegen. Sämmtliche jungczechische Bürgerclubs in Prag und den Vororten wurden geschlossen.

Rotterdam, 14. September. Gestern kamen hier vier Cholerafäll-e vor^ *

Amsterdam, 14. September. Während der letzten Woche kamen hier 38 Fälle von Cholera vor, wovon 23 tödt- lich verliefen.

Rom, 14. September. Die italienischen Blätter fahren fort, den Besuch der englischen Flotte in Tarent zu besprechen. In militärischen Kreisen spricht man offen die Befürchtung aus, diese Antwort auf den Besuch der russischen Flotte in Toulon ruse internationale Schwierigkeiten hervor.

Neapel, 14. September. Gestern kamen hier drei Choleratodesfälle vor.

Palermo, 14. September. In Piana bei Greci fanden gestern Zusammenstöße zwischen der Polizei und der Bevölkerung statt, da die Letztere die Maßregeln gegen die hier heftig auftretende Cholera verhindern wollte. Das Rathhaus wurde erstürmt und das Archiv zerstört. Truppen mußten zur Beendigung des Aufstandes herangezogen werden.

Paris, 14. September. Der Kriegsminister tst diese Nacht nach Grenoble abgereist, um dem Begräbniß des Generals Miribel beizuwohnen. General Saussier und General Boisdeffre sind bereits in Grenoble eingetroffen.

Paris, 14. September. Gestern Abend wurden auf ministeriellen Befehl die Siegel vom Schriftennachlaß des Generals Miribel in Gegenwart der Behörden gelöst.

Paris, 14. September. Ein deutscher Offizrer des 48. Regiments in Küstrin, welcher sich gestern der Gendarmerie in Belfort gestellt hat, erklärte, er sei desertirt, weil er einen Hauptmann im Wortwechsel geohrfeigt habe, und er bitte um Einstellung in die Fremdenlegion.

Paris, 14. September. Der Ausschuß der Gruben­arbeiter fordert durch Briefe die Arbeiter auf, jeden partiellen Strike zu vermeiden, da solcher der Gesell­schaft nur Vortheile bringe.

Paris, 14. September. Benoit Malon, Philosoph und Verfaffer des französischen Staatssocialismus, ist in Asniöres gestorben.

Marseille, 14. September. Der hiesige Bürgermetster reiste nach Paris ab, um beim russischen Botschafter die Bitte vorzutragen, das russische Geschwader zu veranlassen, hierher zu' kommen.

Liffaboa, 14. September. Die Cholera tritt auch hier auf, neuerdings wurden dort zehn Fälle constatirt.

Madrid, 15. September. Infolge heftiger Stürme in Neucastilien sind große Ueb er sch w entmutigen ein- getreten. Die Südeisenbahn ist unterbrochen. Zwischen Aranjuez und Cazar sind mehrere Eisenbahnzüge stehen ge­blieben. Viele Todte und Verletzte. Bereits 40 Leichen sind aufgefur.den.

zusammen. Die Sitzungen werden im Gebäude des Aus­wärtigen Amts, Wilhelmstr. 76, stattfinden und beginnen um 10 Uhr Vormittags täglich.

Berlin, 14. September. Hebet den ursprünglichen Miquel'schen Plan der T ab ak f abrik at st e u er will dieVolkszeitung" zuverlässig wissen, daß alle Cigarren bis zum Preise von 50 Mk. pro 1000 Stück mit einer Banderole zu 10 Mk., alle Cigarren im Werthe von 50 bis 80 Mk. mit einer Banderole zu 20 Mk. und alle Cigarren über 80 Mk. mit einer solchen von 30 Mk. versehen werden sollen.

färben.

London, 14. September. DieDaily News" melden aus Rio de Janeiro: Sämmtliche ausländische Schisse wurden angewiesen, sich außerhalb der Schußlinie der auf­ständischen Schiffe zu halten. Der' Angriff auf die Forts in der Bucht hat um 9 Uhr begonnen. Das größte Fort im Hafen hat sich für die Insurgenten erklärt. Das Bombarde­ment der Stadt wird um 11 Uhr beginnen. Sämmtliche Geschäfte stocken. Beunruhigende Gerüchte laufen um.

Petersburg, 14. September. Der Verein zur För­derung der Industrie und des Handels Ruß­lands beschloß, die Regierung zu ersuchen, den Zolltarif von 189 1 als Grundlage für den Abschluß eines Han­delsvertrages mit Deutschland zu nehmen und keine Abänderung dieses Tarifes zu gestatten, es sei denn, daß eine

Alle Ännoncen-Bureau? de« In- und Auslande« nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen

Theil.

Bekanntmachung,

bett, den Viehmarkt zu Hungen am 18. September b. I.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Hungen er­loschen ist, haben mir unter Aufhebung unserer Bekannt­machung vom 5. l. M. die Abhaltung der auf den 18. Sep­tember anberaumten Viehmarkts gestattet; mit dem­selben wird eine öffentliche Faselschau durch die Kör-Com­mission verbunden werden. Die Schau beginnt Vormit­tags S/2 Uhr; zur Ankörung kommen nur #ajel der Vogelsberger und Berner, speciell Simmenthaler Rasst, auch müssen die Thiere bereits sprungfähig sein. Zugleich wird bekannt gemacht, daß kein Vieh aus der Gemarkung Langd aufgetrieben werden darf.

Gießen, den 12. September 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. G a g e r n.

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vor Kurzem der preußische Finanzminister v. Berlepsch Bor- schlüge gemacht. Danach soll durch Handwerkerkammern, GesellenauSschüffe, Reform und Regelung deS Lehrlings- wesenS und Hebung deS Standesbewußtstins der Handwerker 0' ' und Gewerbetreibenden die Reorganisation erstrebt werden. | Sicher kann man einigen dieser Vorschläge, zumal was die Reform deS LehrlingSwesens anbetrifft, bedingungsweise zu­stimmen, aber daß mit diesen Reorganisationsvorschlägen ge­rade das erreicht werden würde, was damit bezweckt werden soll, nämlich eine wirthschaftliche Stärkung und Neubelebung des Handwerks, das wird von allen Seiten stark bezweifelt.

Den Anhängern des Jnnungswesens und den Soctalreformern > und Prinzessinnen, den Hofstaaten und vielen hohen

«iTe »Urhebern empfangen. Nach den übUchen Bachellangen, wissen bureaukratischen Zwang in daS Gewerbe brächten, ohne die Innungen wirklich neu zu beleben und ohne die Hand- werter und einschlägigen Gewerbetteibenden in dem schweren Kampfe mit der Großindustrie und dem Großcapital zu schützen. Andere Stimmen aus gewerblichen Kreisen, zumal in denjenigen Württembergs, erblicken wieder in den Reor- | ganisationSvorschlägen aus entgegengesetzten Gründen ganz unpractische Maßregeln, weil durch die zwangsweise Organi­sation und besondere Handwerkerkammern daS Standesbewußt- sein schwerlich wesentlich gestärkt, wohl aber eine Schädigung der wirthschaftlichen Freiheit befürchtet werden müßte. Bedenkt man nun, daß eine Reorganisation des deutschen Handwerks, wenn sie durch die Gesetzgebung bewirkt werden soll, doch nur dann einen wirklichen Werth hat, wenn sie für das ganze Reich durchgesetzt wird, also wenn alle Bedenken und Wünsche der Bundesstaaten und Provinzialkreise berücksichtigt worden sind, so geht daraus hervor, daß die Frage, der Reorgani­sation des Handwerks noch lange nicht spruchreif ist.

Nun ist aber die Thatsache, daß Handwerk und Gewerbe sich in einem entschiedenen Niedergange befinden, nicht zu bestreiten, also muß im Interesse des ganzen, für die gedeih­liche staatliche Entwickelung so wichtigen Handwerkerstandes und des gesammten Mittelstandes doch eine wirksame Reform gesucht werden. Wenn wir nun bedenken, daß nicht nur die Gewerbefreiheit, die Freizügigkeit und das Hausirwesen daS Handwerk in die bedrängte Lage gebracht haben, sondern daß es vielmehr die Großbetriebe, das Großcapital, die Dampf- maschine, die Electrizität u. s. w. sind, welche das Handwerk wirthschaftlich lahm legten, so bleibt neben erstrebenswerthen gesetzlichen Reformen wohl nur die Bildung von Fach-, ProducnonS- und Consumtions-Genoffenschasten, welche auf dem Gebiete des Credits, des Bezuges von Rohstoffen, der Versorgung mit Dampf, Gas und Maschinen dem Handwerker wichtige Bortheile des Großbetriebes zuwenden können, als der wichtigste Punkt in dieser Reformfrage übrig. Hoffentlich betritt man in den Kreisen der Handwerker und Kleingewerbe­treibenden recht bald diese erfolgverheißende Bahn und sicher­lich darf man die Erwartung aussprechen, daß dem Hand­werkerstande alsdann bei Betätigung derartiger Bestrebungen die wohlwollende und tharkräftige Unterstützung der Regierungen wie der Parlamente nicht fehlen wird.

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nach Rio de Janeiro abgegangen.

Karlsruhe, 14. September. Der Kaiser richtete an __________ den Großherzog ein Schreiben, in dem es heißt: Der

Reorganisation des Handwerks. I Wunsch des Großherzogs, die Stellung als Chef des zweiten n <x> v «i r(nrtipntpn wird bekanntlich I badischen Grenadier-Regiments Kaiser Wilhelm I. (110) zu

Von den Regierungen und Parlamenten wird bekanntlich ' Breite ihm große Freude- er nehme das Aner- schon seit längerer Zeit eine Reorganisation und Kräftigung n mi-r 9ba§ im Frieden und Kriege bewährte

M SRegimentfnfc biefer erneuten Seroeife seiner Gnade stets würdig

Lauterburg, 14. September. Der Kaiser ist um 5 Uhr

20 Min., die übrigen Fürstlichkeiten sind um 6 Uhr ein- Heute Vormittag war ein Gefecht westlich von