yesammre Artillerie vorgehen und vertrieb die Gegner von Position zu Position. Nachdem Winzenbach passirr war, erreichte daS Manöver sein Ende. Der Kaiser ritt durch die festlich geschmückten Orte Winzenbach und Neuweiler nach Lauterburg, von wo um 12 Uhr die Rückkehr nach Karlsruhe erfolgte.
Karlsruhe, 13. September. Der Kaiser kehrte um 3 Uhr aus dem Manöverterrain hierher zurück und nahm um 6 Uhr am Familiendiner Theil. Gegen 7 Uhr traten der Kaiser und die Fürstlichkeiten auf den Schloßbalkon, um den von zahlreichen Vereinen und Korporationen veranstalteten Lampionzug zu beobachten. Nach dem Vortrag einiger Lieder wurde eine Deputation vom Kaiser empfangen, der über die Huldigung der Bürgerschaft seine große Freude aussprach. Darauf begaben sich der Kaiser und die Fürstlichkeiten in- Theater. Der Reichskanzler stattete heute dem Präsidenten des StaatSministeriumS, Nock, einen zweistündigen Besuch ab und verweilte später längere Zeit bei dem Minister Brauer. Die Abreise nach Stuttgart erfolgt morgen Mittag.
Nürnberg, 13. September. Der Naturforschertag wählte Z i e m s s e n - München zum Vorsitzenden und als nächsten Versammlungsort Wien.
Prag, 13. September. Die amtliche „Prager Zeitung" begründet die Ausnahmeverfügungen mit der maßlosen Verhetzung der Bevölkerung durch eine rücksichtslose Fraction, welche unbesorgt um die Zukunft deö Volkes die Leidenschaften entflamme, TerroriSmuS übe, gegen Individuen, Stände und Nationalitäten Hetze, die Mitwirkung unruhiger Elemente anderer Parteien suche, gegen die Behörden zur Auflehnung ermuntere und selbst vor der Majestät des Monarchen nicht Halt mache. Sie weift dann hin auf die wiederholt vorgekommenen Ruhestörungen und Bedrohungen der Sicherheit von Personen und Eigenrhum, die Mißachtung von Behörden, Verunglimpfungen von Abzeichen staatlicher Hoheitsrechte, und erklärt, da die gewöhnlichen Mittel der Regierungsgewalt nicht mehr auSreichen, die gesetzlich zulässigen Einschränkungen der Preßfreiheit und deS Vereins- und Versammlungsrechtes für erforderlich, um der Nothwendigkeit des Schutzes der Ordnung durch schärfereMittel vorzubeugen. Daher seien die betreffenden Ausnahmeverfügungen für Prag und Umgebung getroffen worden, von wo auS die Bewegung geleitet werde und wo deren Wirkungen am sichtbarsten hervortreten. Der Artikel schließt mit dem Au-drucke der Zuversicht, daß der ordnungsliebende Theil der Bevölkerung die Bemühungen der Behörden zur Hintanhaltung gewisienloser Verhetzungen unterstützen werde.
HauteriveS, 13. September. Die Papiere des Generals Miribel sind auf Anordnung des Ministeriums versiegelt worden.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 13. September. Nach einer Entscheidung des Kriegsministeriums sollen für die durch die Einführung der zweijährigen Dienstzeit entstandene Uebergangszeit diejenigen Mannschaften der Fußlruppen, fahrenden Feldartillerie und Train, die im dritten Jahre wegen erlittener Freiheitsstrafen nachzudienen haben, erst nach Ablauf der nachgedienten Zeit entlassen werden, ohne daß diese Dienstzeit als Uebung anzurechnen ist.
Berlin, 13. September. Die Ernennung des bisherigen amerikanischen Gesandten General Runyon zum Botschafter wurde am SamStag durch Präsident Cleveland vollzogen. Die Antrittsaudienz beim Kaiser erfolgt in der ersten Hälfte des October.
Berlin, 13. September. DaS Reichsschatzamt hat mit der Ausstellung deS Rei chShauShaltsetatS für das nächste Rechnungsjahr begonnen. Der Etat wird rechtzeitig fertiggestellt, damit er im November dem zusammentretenden Reichstag vorgelegt werden kann.
Berlin, 13. September. Der „Reichsanzeiger" meldet: Die staatlichen Eisenbahnverwaltungen seien bereit, die in der deutschen Abtheilung der Weltausstellung in Chicago befindlichen Ausstellungsgegenstände von den AuSschiffungs- Häfen nach dem Ausgangsorte auf den ihr unterstellten Bahnen zur Hälfte der tarifmäßigen Fracht zurückzubefördern, wenn den Frachtbriefen der vom ReichScommtssar ausgestellte Rück- sendungSnachweiS beigefügt werde und in den Frachtbriefen vermerkt sei, daß die damit aufgegebenen Sendungen durchweg auS Ausstellungsgütern bestehen.
Berlin, 13. September. Amtlich wurde mitgetheilt, daß von den gestern als choleraverdächtig eingelieferten zwei Personen eine als unverdächtig entlassen worden ist.
Berlin, 13. September. Bei den bevorstehenden Landtagswahlen sehen die Berliner Socialdemokraten von der Aufstellung eigener Candidaten ab, weil Aussicht auf Durchdringung derselben nicht vorhanden ist- sie wollten jedoch die Wahlen agitatorisch auSnützen und in großen Versammlungen gegen daS Dreiklassen-Wahliystcm protestiren.
Straßburg, 13. September. Polizeipräsident Feichter in Sttaßburg, bekannt durch die Bebel'sche Interpellation im Reichstage, wurde durch EabinetSordrc in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
Prag, 13. September. Trotz des polizeilichen Verbotes versuchten gestern Abend die Jungczechen die Abhaltung eines Festbanketts auf der Sofieninsel zu erzwingen. Unter den Anwesenden befanden sich mehrere Abgeordnete und Stadtverordnete. Bei Beginn des Banketts erschien die Polizei, räumte den Saal und verhinderte daß Abhalten des Banketts in einem andern Restaurant.
Prag, 13. September. Beschlagnahmt wurde eine Festausgabe deS kaiserlichen RescriptS vom 12. September.— In verschiedenen Clubhäusern sind Haussuchungen vorgenommen worden. — Auf einem Banket, welches ein Führer der Jungczechen gestern Abend ttotz polizeilichen Vcr- botS abhielt, wurden Reden auf das czechisch-franzöfische Bündniß gehalten und Toaste auf den Czaren auSgebracht. — Die Erregung unter der Bevölkerung nimmt zu.
°Hm, 13. September. Nach einem Erlaß deS RriegSt Ministers werden die an der französischen Gkenze garnisoni- renden Infanterie-Regimenter mit dem neuen Gewehr ausgerüstet. Die Gewehrfabriken wurden aufgeforden, die Gewehre schnellstens anzusenigen.
Pari-, 13. September. Das Preßcomitv für die Festlichkeiten gelegemlich deS Empfanges des russischen Geschwaders umfaßt heute bereits 110 Pariser und über 300 ProvinzblLtter. In Dijon wurde 'ein Cornitö gebildet zur Veranstaltung deS festlichen Empfanges auf den Stationen, wo der Zug Aufenthalt nimmt. Die algerischen Blätter drücken die Hoffnung auS, daß daS Geschwader auch Algier anlaufe, um es begrüßen zu können.
Paris, 13. September. Auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderaths-Versammlung steht ein Antrag auf Umänderung deS Boulevards Sebastopol und Avenue Malakoff, sowie der Almabrücke in Boulevard Kronstadt bezw. Avenue und Admiral Avelane-Brücke.
Perpignan, 13. September. Der Municipalrath beschloß, daS russische Geschwader zu ersuchen, im Hafen von Pont-VendreS anzulaufen und bewilligte einen unbegrenzten Credit für die Festlichkeiten.
Marseille, 13. September. Der Stadttath bewilligte für die Empfangsfeierlichkeiten derrussischenFlotte einen unbegrenzten Credit. Eine Deputation reist nach Paris zu dem Präsidenten Carnot, um ihm mitzutheilen, daß die Stadt erwarte, daß ihr die Ehre des Besuchs der russischen Flotte zu Theil werde.
Odessa, 13. September. In officiellen Kreisen wird die Wahrscheinlichkeit eines UebereinkommenS mit Deutschland zur Beseitigung deS Zollkrieges lebhaft erörtert, da die verderbenbringenden Folgen deS Zollkrieges täglich mehr hervortreten.
Chicago, 13. September. Auf der Lake-Shore Linie brachte eine Räuberbande einen Etsenbahnzug zum Entgleisen und sprengte den Wagen, worin der Geldschrank der Eisenbahngesellschaft sich befindet, in welchem 250000 Dollars aufbewahrt waren und den die Chicagoer Bank dem Zuge anvertraut Hütte- der größte Theil des Geldes wurde geraubt. Zwischen dem Zugpersonal und den Räubern wurden mehrere Schüsse gewechselt- auf beiden Seiten gab eS mehrere Tobte.
Cocalcs rsrid provinzieller,
Gießen, 14. September 1893.
• * Ordensverleihung. Verliehen wurde das Comthur- kreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß- müthigen dem Generalmajor PertheS, Commandeur der 44. Infanterie-Brigade (vorher Oberst des 116. Regiments).
* * AnS dem Manöver. DaS Biwak bei der Franzenburg in der Nähe von Wetzlar am 11. d. M. hatte sowohl am Nachmittag wie besonders am Abend eine große Menschenmenge in daS Truppenlager geführt. Malerisch gestaltete sich daS militärische Bild am Abend, als allerorten die Biwakfeuer aufloderten und die Flammen die um daS Feuer lagernden und stehenden Soldaten, die Zuschauer, die Gewehr- Pyramiden u. s. w. mit ihrem flackernden Lichte übergossen. Neu waren für viele der Besucher, auch die, welche selbst Soldat gewesen, die neuen Zeltlager, welche in diesem Jahre zum ersten Male in Gebrauch waren. Dieselben dürften geeignet sein, wenigsten« einigen Schutz vor den ärgsten Wetterunbilden zu gewähren. Es sah sehr komisch auS und erregte allenthalben Heiterkeit, wie die Soldaten aus das gegebene Commando in aller Eile unter die Zelte krochen, jeder bestrebt, sich einen möglichst behaglichen Platz zu sichern.
Unfälle im Manöver. Bei den gestrigen Uebungen in dem Gelände bet Eberstadt stürzte der Lieutenant W. v. Zangen I. vom Großh. Hess. Artillerie-Regiment Nr. 25 sammt Pferd einen 3 bis 4 Meter hohen Abhang hinunter. Der lebensgefährlich verletzte Offizier wurde gegen Mittag hierher in die chirurgische Klinik gebracht. DaS Pferd war sofort tobt. Noch gestern Abend traf die Mutter deS Verunglückten, Frau General v. Zangen in Darmstadt, hier ein. Auch Lieutenant v. Zangen II. (ein Bruder des erstgenannten) stürzte gestern. Er kam Nachmittags mit verbundenem Kopfe per Eisenbahn hier an- seine Verletzungen sind ungefährlich.
Auszeichnung. Wiederum hat die Firma H. F. Nassauer hier bezüglich ihrer Stachelbeer-, Johannis- beer- und Heidelbeerweine einen großen Erfolg zu verzeichnen, indem dieselbe auf der Internationalen Gartenbau- Ausstellung zu Leipzig, eine der größten, die bis jetzt in Deutschland stattfand, den für Beerenweine gestifteten ersten Preis, die silberne Medaille nebst Diplom, erhielt. Herr H. F. Nassauer erhielt bis jetzt aus allen von ihm beschickten größeren Fachausstellungen die höchsten Auszeichnungen, bezw. ersten Preise auf seine Beerenweine.
6in 70 Jahre alter Manu wurde gestern wegen BettclnS verhaftet. Derselbe führte zur Erleichterung seines „Geschäfts" eine Lifte von solchen Personen mit sich, die milde Beiträge für den „ganz zu Grunde gegangenen 70jährigen Dichter und Schriftsteller" gezeichnet haben sollen. Mn einer geschriebenen, an die „verehrliche Damenwelt hier" gerichteten dringenden herzlichen Bitte ersucht er um ein kleines Geburtstagsgeschenk, eine kleine Beihülfe zur Gründung eines kleinen Geschäfts in Schreibmaterialien, wodurch er aus seiner bitteren Noth befreit werde. AuS Dankbarkeit erhält jede Dame, welche sich betheiligt, einen auf ein Blatt Papier gedruckten „Klageruf" gratis. Daß diese, an Schwindel grenzende Bettelei einträglich gewesen ist, konnte man an der gestrigen Tageseinnahme (ca. 18 Mk.) ersehen. Da die Unterschriften der auf der Geberliste verzeichneten Personen gefälscht zu sein scheinen, so wird sich der Mann auch noch wegen Betrugs zu verantworten haben.
• • Gießener Bereinigung in Darmstadt. ES ist beabsichtigt, eine wöchentliche gesellige Zusammenkunft von in Darmstadt sich aufhaltenden Gießenern zu veranstalten. Eine
Besprechung findet am Freitag den 15. dsS. MtS. im R» stauranr Koch, Mollerstr. 2, zu Darmstadt statt.
• • Strenger Winter in Sicht. Ein strenger Winter ftett uns bevor, wenn die alten Wetterregeln richtig sind. Dr Nüsse tragen nämlich so voll, daß man Büschel von 3 b:i 5 Stück wahrnehmen kann, die Schlehen sitzen übervoll, i, Hochwald beugen sich die Zweige der Buchen unter ihrer Fruchtlaft und die Eichen haben so viel Eicheln angesetzt, daß dieselben überall zwischen den Blättern hervorlugen. Ei, solcher Reichrhum von Waldsrüchten soll aber bei der weise, und fürsorglichen Mutter Natur einen strengen Winter andeuten.
* * Ter Borstand bei Vereins Teutscher Tabak Fabrik,ntr, und Händler hat am 11. d. Mts. in Berlin eine Sitzung ad- gehalten, in welcher er sich mit den Mitteln zur Abwehr der drohenden Mehrbelastung deS Tabaks beschäftigt hat. De Anwesenden waren einstimmig der Ansicht, daß man die Ab» wehr auf gleiche Weife versuchen müßte, wie sie im Jahr, 1882 gegen daS Monopol und im Sommer deS vorigen JahreS gegen die in Aussicht genommene Zoll-Erhöhung mit so großem Erfolg geführt worden ist, nämlich durch Belehrung nicht nur der Tabak-Interessenten, sondern deS ganzen Volkes über d:e großen witthschaftlichen Nachtheile, mit welchen jede Mehr- belastung des Tabaks verbunden fein würde. Nur so ist ein Mehrheit im Reichstag gegen die drohende Vorlage zur Einführung der Fabrikatsteuer zu sichern- der Versuch einer Belehrung der Regierungen, nachdem dieselben sich einmal über die Einführung der Fabrikatsteuer geeinigt haben, kann keinen Erfolg versprechen. Die schon seit längerer Zeit in diesem Sinne von den in Berlin wohnenden, geschäftSführenden Mit- gliedern deS Vorstandes getroffenen Maßnahmen zur Anregung einer lebhaften Agitation wurden vom Gesammtvorstand gebilligt. Mit Genugthuung wurde constatirt, daß daS, behufs Ermittelung des Verhältnisses in der Fabrikation billiger und theurer Cigarren sowie der zu erwartenden Wirkung der Fa- brikatSsteuer an sämmtliche selbstständigen Betriebe in Deutsch- land erlassene Rundschreiben von den Collegen seiner Bedeutung nach gewürdigt worden ist, so daß die Antworten ein ziemlich vollständiges Mater al zur Beantwortung der gestellten Fragen liefern.
* *Ter Oberhesfische Obstbauverein hatte am 31. März d.^. Mitglieder in folgenden Vereinsbezirken: Alsfeld 500, Büdingen 533, Friedberg 1462, Gießen 815, Lauterbach 267, Schotten 194, Auswärtige 31. Die Hauptthätigkeit teS Vereins im Jahre 1892/93 erstreckte sich auf Belehrung in den Gemeinden, eS wurden 25 Vorträge durch Landwinh- schaftSlehrer und 312 Versammlungen und Unterweisungen durch Obstbaulechniker gehalten. — Unter den Orten, die ihrer ausgedehnten Obstweinbereitung wegen kein Obst auS- führen können, sondern solches einsühren, steht Vilbel obenan- eS wurden dort allein aus der Main-Weser-Bahn eingesührt: im Jahre 1800 200000 Ko., im Jahre 1891 107 500 Ko., im Jahre 1892 61950 Ko. Am bedeutendsten war die Ausfuhr an denjenigen Orten, für welche Dbftmärfte eingerichtet find: Butzbach und Friedberg. In Butzbach mürben aus der Main - Weser - Bahn verladen im Jahre 1890: 297 320 Ko. Tafeläpfel, 400 500 WirthschaftSäpsel, 1891: 7940 Ko. Tafeläpfel, 18 450 Ko. WirthschaftSäpsel, 1892: 24 020 Ko. Tafeläpfel, 181 760 Ko. WirthschaftSäpfel- in Friedberg: imjIahre 1890:95 240 Ko. WirthschaftSäpsel, 71 792 Ko. Kirschen, 1891 : 58 384 Ko. WirthschaftSäpsel, 166893 Ko. Kirschen, 1892: 173391 Ko. Tafeläpsel, 374 236 Ko. WirthschaftSäpsel, 75 661 Ko. Kirschen. Nimmt man an, daß die angegebenen Zahlen, die nur für die Bahntransporte gelten, nur einen kleinen Theil davon au-machen, waS an Obst nach Frankfurt und andere Orte per Achse in kleinem trauSponirt wird, so kommt man zu dem Ergebniß, daß in Oberhessen der Obstbau ein recht lohnender Zweig der Landwirthschaft ist. Obwohl der Umsatz auf den vom Oberhessischen Obstbauverein eingerichteten Obftmärkten felbst nicht so groß ist, so will der Verein doch auf dem betretenen Wege weiter arbeiten- in Butzbach wurden durch die Geschäfts stelle ca. 50000 Ko., in Friedberg 58 122 Ko. Obst gebucht — 10 Doppelwaggons A 10000 Ko. D. Ztg.
•• Wem gehört dal Obst, daß auf fremden Boden fällt Da nun die Zeit der O b st e r n t e herangekommen ist, unterzieht in dem „Pf. Merkur" Jemand diesen Punkt einer kleinen Besprechung wie folgt: „Gestern Höne ich in meiner Nachbarschaft zu, wie ein Baumeigenthümer eS nicht zugeben wollte, daß fein Nachbar daS übergefallene Obst aufla«, und dieser wollte sich nicht wehren lassen. Wer hat Recht ? Der Nachbar. Er darf nicht bloS auflesen, sondern sogar abbrechen oder abschütteln, waS Überhängt. Steht der Baum auf der Grenze, bann ist sogar baS Holz gemeinschaftliches Eigenthum. Wollte der Eigenthümer eines solch streitigen BaumeS die ganze Ernte für sich behalten, dann ist er sogar straffällig. Ja, der Nachbar darf noch mehr, er kann ohne Weiteres am Hellen Tage die überragenden Aeste absägen. DaS Alle- versteht sich eigentlich von selber. Die Wurzeln verbreiten sich ja im Eigenthume deS Nachbarn und saugen Nahrung auS. Die überhangenden Aeste machen Schatten und behindern andere Pflanzen am WachSthume. Darum, ihr Obstbaumzuchter, setzt Eure jungen Bäume soweit von der Grenze, daß sie in späteren Jahren dem Nachbar nicht lästig werden!" Ob die hier angeführten Grundsätze überall anwendbar sind, ist ftaglich.
Grunderg, 12. September. Ein Le Schenz ug, wie chn unser Städtchen kaum je gesehen haben dürste, bewegte sich heute Nachmittag nach dem Friedhof. Galt e- doch, die sterbliche Hülle unseres langjährigen Bürgermeisters Ehr. Pracht zur ewigen Ruhe zu bestatten. Herr KreiSralh Provinzialbirector v. Gagern war selbst erschienen, um seinem Untergebenen die letzte Ehre zu erweisen- auch Herrn KreiSralh Schönfeld von Schotten, ter früher Kreiöassessor des Kreise- Grünberg war, bemerkten wir unter den Leidtragenden. Sämmtliche Vereine der Stadt' mit umflorten Fahnen, viele Collegen und zahlreiche Einwohner gaben dem Verblichenen das letzte Geleite. In der Friedhofskirche


