Zeitpunkte liegenden offenbaren Wink, sonst müßten die Herren Revanchepatrioten vielleicht gar gewärtig sein, daß daS russische Geschwader seinen Besuch abkürzt — daS wäre natürlich schrecklich!
— Die Russenfeste in Toulon. Dem „B. T." wird auS Paris telegraphirt: Ganz Toulon legt Fesischmuck an. Der Stadtrath ließ zehntausend Fahnen vertheilen und hilft jetzt noch nach, wo die Decoration zu dürftig auSsieht. Der Maire hat dem Publikum mitgetheilt, daß die Anwendung der gelben russischen Kaiserftandarte an hoher Stelle nicht gewünscht werde, der Wunsch kam aber zu spat, da Bestellungen und Anschaffungen schon in großem Maßstabe vorgenommen worden waren. Der Pariser Stadtrath und der Generalrath des Departements der Seine mit den Seine- präfecten, Poubelle an der Spitze, sind in Toulon eingetroffen, um die Einladung nach Paris zu überbringen. In Toulon findet man die Repräsentationskosten, welche der Maire und die Stadtväter sich haben bewilligen taffen, übertrieben. Der Maire erklärt aber: kein Ruffe dürfe einen Heller bezahlen, deshalb hat er sich 16000 FrcS. Kleingeld in die Tasche gesteckt, um für alle Gelegenheiten gerüstet zu sein. Der Golf Juan bet Cannes hat am meisten Aussicht, dem russischen Mittelmeergeschwader als Station angewiesen zu werden.
— Der Strike der englischen Bergleute neigt sich nach monatelanger Dauer seinem Ende zu, zur Stunde ist von der Mehrzahl der ausständigen Bergleute die Arbeit wieder ausgenommen worden. Die Strikenden haben mit ihrem langen Feiern nicht- für sich erreicht, wohl aber haben sie sich selbst wie weiten gewerblichen und industriellen Kreisen Englands durch ihren leichtsinnigen Ausstand schweren Schaden zugefügt.
Neueste Nachrichten.
Depeschen de- Bureau „Herold".
Berlin, 12. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." bespricht die bevorstehenden Steuerreformen und sagt, durch dieselben solle für eine Reihe von Jahren ein stabiles Verhält- nifj zwischen den Ueberweisungen und den Matrikularumlagen hergestellt werden, daß aber Tabak und Wein als geeignete Objecte für diese Maßnahme auszusprechen seien, müsse ohne Weiteres zugegeben werden, so lange nicht zu bestreiten sei, daß eine ganze Reihe von solchen Verbrauchsgegenständen verhältnißmäßig viel stärker belastet sei al- Tabak und Wein, welche viel weniger als die letzteren Luxus, vielmehr Lebensmittel seien.
Berlin, 12. October. Der ehemalige Kriegsminister, General der Infanterie v. Kameke, ist in Berlin im Alter von 76 Jahren gestorben.
Berlin, 12. October. Gutem Vernehmen nach sind im Reichsschatzamt die Vorarbeiten zu einer Braufteuer- no oelte wieder ausgenommen worden.
Berlin, 12. October. Der letzte Ausweis über die in den deutschen Münzstaaten geprägten Münzen erstreckt sich bis Ende September. An Goldmünzen wurden mit Abrech- nung, der wiedereingezogenen Stücke für Mk. 2,720,646,826 geprägt- hiervon entfielen auf Doppelkronen Mk. 2,157,410,460, auf Kronen Mk. 535,276,830, auf halbe Kronen Mk. 27,959,535.
Berlin, 12. October. Wie durch den laufenden preußischen Etat eine weitgehende Umwandlung von diät arisch verwalteten Stellen in etatmäßige Stellen herbei- geführt wird, so sind auch für den Etat für 1894/95 Maßregeln auf diesem Gebiet in Aussicht genommen. Insbesondere ist beabsichtigt, die bisher nur für die Mehrzahl der Unterbeamten und einen Theil der Subalternbeamten durchgeführte Maßregel, daß das Steigen des Gehalts nach dem Dienstalter erfolge, auch auf den größten Theil der übrigen Subalternbeamten und die höheren Beamten auszudehnen.
Berlin, 12. October. Als Nachfolger des verstorbenen commandirenden Generals von Versen wird von Wittich
Braut, mit der ich mich gestern in Brüssel in aller Form verlobt habe."
„DaS ist denn doch zu stark!" stieß Fridolin wüthend hervor, wobei er seine Brieftasche herausnahm. „Sehen Sie, hier ist das nämliche Bild, welches Sie besitzen, und mit der Dame, welche dieses Bild darstellt, habe ich mich vor drei Tagen in Antwerpen feierlich verlobt. Sie hat sogar zur Besiegelung unserer Verlobung ein Geschenk im Werthe von 3600 Francs von mir angenommen."
Der Andere betrachtete eine Weile lautlos die ihm gezeigte Photographie und brach dann plötzlich in ein lautes Gelächter aus.
„Sie haben also 3600 Franc- für Ihre Verlobung bezahlt? Da bin ich in der Thal froh, daß ich billiger davongekommen bin und nur dreihundert Francs für meine DcrlobungSgeschenke auSgegeben^habe. Wir sind eben beide von einer rasfinirten Schwindlerin geprellt worden, mein verehrter Herr, und eS wird un- kaum etwas anderes übrig bleiben, als uns mit dem Gedanken zu trösten, daß in diesem Momente vielleicht bereits ein dritter Bräutigam Belehrungen empfängt, in welcher Weife man sich in England zu verloben pflegt."
Als sich Fridolin in Köln von feinem Schicksalsgenossen, der sich Walter Reischig nannte, verabschiedet hatte, gelobte er sich zweierlei: 1) den Verlust der 3600 FrarcS durch erhöhte Sparsamkeit wieder einzubringen und 2) sich niemals mehr in seinem Leben zu verloben.
Den ersten Entschluß führte er auch redlich auS, wie er dagegen feinen zweiten Vorsatz hielt, daS geht am besten au« einer Anzeige hervor, die er etwa anderthalb Jahre nach feinem Ausflüge nach Antwerpen an feine Bekannten sandte und auf der zu lesen stand: „Al- Verlobte empfehlen sich: Johanna Reischig und Fridolin Schwalbe. Köln und Bingen em Rhein."
genannt, Bestimmtes ist jedoch noch nicht entschieden. Dem militärischen Alter nach hat Prinz Friedrich von Hohenzollern die nächste Anwartschaft, jedoch ist es leicht möglich, daß bei der Neubesetzung der Stelle eine Verschiebung unter den bisherigen commandirenden Generälen eintritt.
Erlangen, 12. October. Gestern Abend gerieth auf bi« jetzt unerklärte Weise ein Theil der Universitätsklinik in Brand.
• Pari«, 12. October. Gestern Nachmittag traf der Velocipedift Terront im Velodrom Buffalo hierselbst ein. Er legte den Weg von Petersburg nach Paris, welcher einer Strecke von 8000 Kilometern gleichkommt, in 14 Tagen und sieben Stunden zurück. Terront sah nach der langen Tour sehr wohl auS, bei seinem Erscheinen wurde die russische Nationalhymne angestimmt.
Paris, 12. October. Für. die bevorstehenden Ereigniffe in Toulon find ein Ingenieur und ein erster Telegraphist mit der Leitung de- TelegraphendienfteS beauftragt worden. Sine Verstärkung von 20 Hilfsarbeitern ist bereits auf dem Telegraphenamte eingetroffen. Acht Drähte verbinden Toulon und Paris.
Toulon, 12. October. Der Bürgermeister hat einen öffentlichen Aufruf erlassen, worin jeder Bürger aufgefordert wird, sich bei den Festlichkeiten in würdiger Weife zu benehmen und etwaigen Tumulten vorzubeugen. Die Vertreter der französischen und russischen Presse erhielten Passirkarten ohne einschränkende Bestimmungen, während den Berichterstattern von Zeitungen der anderen Länder nur Erlaubnißscheine in enger gezogenem Kreise ausgehändigt wurden.
Cocates un- provinzielles.
Hießen, den 13. October 1893.
x* Ordensverleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Hauptmann und Compagnie-Ches Busse vom Infanterie-Regiment „Prinz Moritz von Anhalt-Dessau" (5. PommerscheS) Nr. 42, bisher im hiesigen Infanterie - Regiment „Kaiser Wilhelm", das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß- müthigen zu verleihen.
** Dienstverfetznngen und Ernennungen. Seine König- liche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 11. d. Mts. den DistrictSeinnehmer der DistrictS- einnehmerei Gedern Heinrich Fix in gleicher Diensteigenschaft in die Districtseinnehmerei Pfeddersheim, den Districtsein- nehmer der Districtseinnehmerei Grebenhain Heinrich Weber in gleicher Diensteigenschaft in die Districtseinnehmerei Gerns- heim zu versetzen- den Calculator bei der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen Heinrich HaaS zum DiftrictS- einnehmer der DistrictSemnehmerei Romrod zu ernennen.
♦♦ Oeffentliche Anerkennung einer edlen Thal. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem 14 Jahre alten Philipp Herbert von Groß-Zimmern in Anerkennung der von demselben am 11. Juli l. I. mit Muth und Entschlossenheit, sowie eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des Ludwig Gosack von Frankfurt a. M. vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie zu verleihen geruht.
** Neues Theater. Das heute (Freitag) im Neuen Theater zur Aufführung kommende Schauspiel „DieHauben - lerche" wurde in mehreren Provinzstädten polizeilich verboten. Das Verbot geschah hauptsächlich wegen der Scene, in welcher Lena Schmalenbach von ihrem Verführer bis an die äußerste Grenze des Erlaubten gelockt wird. Abgesehen von den Streichungen, welche die hiesige Direction an dieser Scene jedenfalls vorgenommen hat, gilt für uns auch die Devise: „Dem Reinen ist Alles rein." Die feinsinnigsten Damen haben sich dem Dichter gegenüber in diesem Sinne geäußert. — Das Drama ist ein Gewitter. Vor einem Gewitter muß die Atmosphäre schwül und dumpfig sein. Um so wohlthuender, erquickender und beruhigender wirkt dann die Katastrophe, welche in dem heutabendlichen Schauspiele eine größere moralische Befreiung und Reinigung im Gefolge hat als mancher dickbäuchigen Band gefühlsseliger und fitten- strenger Salbadereien. Wie wir hören, soll daS HauS gut besetzt werden.
Neues Theater. In Rücksicht auf die ungewöhnlich frühe Zeit, in die ein so bedeutendes Gastspiel wie daS des Fräulein Nuschc Butze fällt, und in abermaliger Mcksicht auf ein event. Zusammenfällen desselben mit der ersten Auf- führung im hiesigen Theaterverein, hat sich Herr Director Reiners in den letzten Tagen erfolgreich bemüht, daS bereits angekündigte Gastspiel der berühmten Künstlerin auf den 20., 23., 24. und 26. November zu verlegen. Wir sind gleichzeittg ermächtigt, noch hinzuzufügen, daß ein nochmalige- Verschieben des Gastspiels nicht zulässig und daher auf alle Fälle ausgeschlossen bleibt.
** Schwurgericht. In der Strafsache gegen Aron Bachrach von Gießen wegen betrügliden BankeruttS und Betrugs war heute zunächst über den Geisteszustand des Angeklagten KreiSafsistenzarzt Dr. Wengler als Sachverständiger vernommen worden, nach dessen Erklärung eine krankhafte Störung der GeisteSthätigkeit deS Angeklagten nicht vorliegt. Nach dem Schlußgutachten des Sachverständigen benahm sich der Angeklagte in so ungeberbiger Weise, daß ihn der Dor- sitzende öfters zur Ruhe ermahnen mußte. Er insultirte schließlich seinen Vertheidiger, erklärte, daß derselbe fein Vertrauen nicht mehr besitze, infolge dessen Herr Rechtsanwalt Dr. Stein seine Dertheidigung niederlegte. Dies mußte nach Maßgabe der einschlägigen Bestimmungen der Strafproceß- orbnung zu bem Beschlüsse führen, baß bie Hauptverhanblung gegen den Angeklagten ausgesetzt wurde, worauf die Schwur- gerichtSfitzungen für dieses Quartal mit dem üblichen Danke an die Geschworenen geschlossen wurden. Hiernach wird sich wohl daS nächste Schwurgericht mit der ganzen Angelegenheit von Neuem befassen müssen.
• • Turnerisches. Nächsten Sonntag »acht der Turn verein Gießen einen Turngang über Staufenberg—Frauer» berg nach Marburg. Abmarsch pünktlich 10 Uhr Morgen do» Wallthor. Freunde dieser Turnfahrt sind willkommen
* • AuS dem Zustizdieust. Durch Entschließung ©roi herzoglichen Ministerium- de« Innern und der Justiz lO.October l. I. ist der Gerichtsassessor Müller zu Dorrn« mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eine- HilsSgerichrg ! schreiberS bei bem Landgericht der Provinz Oberheffen beaoi I tragt worden.
* * Schuldienst • Nachrichten. Arn 26. August wurde de» SchulamtsaSptranten Karl List mann auS Dorn-DürLerw eine Lehrerstelle an der GernetNdeschule zu Flomborn, - i an demselben Tage wurde dem SchulamtSaSpiranten Hewr. Becker aus Gonsenheim eine Lehrerstelle an der Gemens, schule zu WeinSheim, — am 29. August wurde dem Schul, lehrer Philipp Traub zu Bermersheim eine Lehrerstelle 4 der Gemeinbeschule zu Heppenheim a. W., — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Philipp Thomas zu Jngkc heim eine Lehrerftelle an der Gemeinbeschule zu Offstein, - am 30. August würbe bemSchulamtSaSpiranten Adolf Kahn auS Wöllstein bie Lehrrrftelle an ber israelitischen Schule u Grebenau, — an demselben Lage wurde dem Schullehrer Wilhelm Rauch zu Klein Umstadt eine Lehrerftelle an ta Gemeinbeschule zu Zotzenbach, — an bemfelben Tage rourlt bem Schullehrer August Schäfer zu Zotzenbach eine Lehrer- stelle an ber Gerneinbeschulc zu Kletn - Umftabt, — an 17. September würbe dem Schullehrer Heinrich Gomps w Merlau bie Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zu Hopsgane^ übertragen; — am 19. September wurde der prov. Lehrer am Schullehrerseminar zu Alzey Heinrich Marthe« zu» Lehrer an dieser Anstalt, unter Belassung in der Kate gone ber Volksschullehrer, ernannt- — am 20, September warte bie von bem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein auf eine Lehrerinnenstelle an ber Volksschule zu Offenbach präsennnc Schulverwalterin B. Hetzel bafelbft für biese Stelle, — ai demselben Tage wurden die von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birsten auf Lehrerstellen an ber Volksschule p Offenbach präsentirten Schulverwalter Wilhelm Stier uid Gottfried Wetzel daselbst für diese Stellen bestätigt - — an demselben Tage wurde dem SchulamtSaspiramen Eanmd Finkernagel auS Stumpertenrod eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stomdorf, — am 22. September ttutit bem SchulamtSaSpiranten Wilhelm Schenkelberg aal Pfaffen-Schwabenhetm eine Lehrerstelle an ber Gemeindete AU Wolfsheim, — am 26. September mürbe dem Lchul- verwalter Ehristian Eckstein zu Sellnrob eine VebrerfttUt an ber Gemeinbeschvle daselbst, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Georg Höchst zu Fleschenbach eine Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zu Maar, — am 3. Octobtr wurde bem Schullehrer Peter Göckel zu Landenhausen eine Lehrerstelle an ber Gemeinbeschule zu AngerSbach übertragen.
• * FortbilduugS- und Kewerbefchulwefeu. Die am 4. b. M. abgehaltene 16.Provinziallehrer-Dersammlung für Hannover beschäftigte sich u. A. auch mit bem FortbilbungSschulwesen und wurde dabei constatirt, daß dasselbe sich in Preußen im Vergleich zu anderen deutschen Staaten uur sehr gering ent» wickelt habe. Die- beweise die Thatsache, daß z. B. in Hessen 219, in Sachsen 214, in Bayern fast ebenso viele, in Ostpreußen aber nur 17, in Brandenburg 31 gewerbliche Fortbildungsschüler auf 10,000 Einwohner entfielen. Auch wurde gewünscht, die Unterrichtsstunden der obligatoriicheo Fortbildungsschule in bie Arbeitszeit zu verlegen, rote die- in Hessen, Bayern, Sachsen und anberen Staaten bereit« geschehen. Zu fordern fei aber vor Allem Unterricht in ttr Gesetzeskunde und ber Volkswirthschaftslehre, benn nur auf diesem Wege sei daS Verstäadniß der großen Masse des für die Einrichtungen de- Staates zu erzielen.
• • Die militärische Ausbildung der Lehrer aus dem Grohherzogthum Hessen, welche in diesem Jahre beim 81. Infanterie-Regiment in Frankfurt a. M. erfolgt, mtrt im nächsten Jahre in ber Garnison Kassel vor sich gehen. Die Regimenter, denen die „Lehrer-Bataillone" zugetheilt werben, sollen jebeS Jahr wechseln.
• * In Amerika verstorbene tzesten. New-Kork, N. K.: Jacob F. Sufner, 54 Jahre alt, auS Butzbach. Dayton, O.: Frau Barbara Grub, geb. Schneider, au8 Winkel, Kreis Bensheim. Erie, Pa.: Emil Küchler, 49 Jahre alt, auS Alzey, Rheinhessen. Louisville, Ky.: Rosa Hollenbach, 19Jahre als, auS Gau-AlgeSheim, Rheinhessen. St.Lout«, Mo.: LouiS Lange, 63 Jahre alt, au« Hessen.
♦ ♦ Ehescheidungen haben im Jahre 1892 in ganz He ist» 88 ftattgefunben; davon kommt ber Löwenautheil auf Ne Provinz Rheinhessen mit 53, bann kommt Starkenburg mit 19 und Oberhessen mit 16. Die meisten Ehescheidungen taarr im Kreise Mainz vor, nämlich 30. Als Euriosum löam wir beifügen, daß ein Paar, welches kürzlich in Mainz ii icn Stand ber Ehe trat, bereits acht Tage nach ber Trauung wf bem Wege beS Armenrechtes gegenseitig Klage auf Ehescheiduig erhob. ____________
Nidda, 9. October. Ihre Majestät bie Kaiserin Fric- brich hat in biesen Tagen einen schönen Beweis von Menschen« fteunblichkeit gegeben, indem sie einem 44 jährigen Mädchen unserer Stadt, da- von Geburt lahm ist und nur durch Rutschen sich sortbewegen kann und deshalb seither stet« anS Zimmer gekesselt war, einen neuen Fahrstuhl schenkte, wodurch eS nunmehr möglich geworden ist, dem armen Wesen den Genuß der freien Natur und ber frischen Luft zu gewähren. Den leiblichen Unterhalt ber Armen bestreitet seit Jahren bie hier so wohlthätlg wirkende Krug'sche Stiftung. — Die hiesige erweiterte Handwerkerfchule, die nunmehr seit zwei Jahren besteht, soll insofern eine Envei- terung erfahren, als vom 1. November d. Js. an noch eine Abesdsqule eingerichtet werden soll. ES soll damit deu- jeuigen angehenden Gewerbetreibenden, die nicht in oet Lage


