Ausgabe 
14.4.1893 Erstes Blatt
 
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sagen, der Kaiser von Oesterreich habe durch deu Qnn- pfang den Fürsten Ferdinand anerkannt.

London, 13. April. DieTimes" meldet aus Wien, die österreichischen Socialisten beschlossen, am ersten Mai zu feiern.

Madrid, 13. April. Die Regierung bot den Vertretern Deutschlands neue Concesfionen betreffs Einfuhr indu­strieller Produkte und Rohstoffe an.

Petersburg, 12. April. In dem (Gouvernement Perm herrscht große HungerSnorh, welche täglich viele Opfer fordert. _____________

Pontqpridel, 12. April. Der Einstieg in daS Bergwerk wurde im Laufe des TageS durch Feuer unmöglich- erst Abends gelang eS, 53 Leichen aufzufinden.

Lüttich, 12. April. Im Kohlenbergwerk Convent wurde eine größere Menge Dynamit gestohlen. Der Thäter ist unbekannt.

Ctcalts und provinzielle».

Meßen, 13. April 1893.

Seine Königliche Hoheit der Sroßherzog kamen gestern Vormittag mit dem Zuge 8 Uhr 22 Miu. auf der Rückreise von Romrod nach Darmstadt hier an und reisten um 8 Uhr 29 Min. nach Frankfurt weiter.

* * Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen gestern u. A. deu Eisenbahnbaumeister Stahl.

e Oesientliche Sitzung bei ProvinzialauSschuffeS der Pronin, Oberhesseu vom 8. AprU 1893. 1. Beanstandung deS Voranschlags der Gemeinde EttingShause.n für 189 3/9 4. Zum Bau eines neuen SchulhauseS ist der genannten Gemeinde eine Extraholzfällung bewilligt. Soweit der Reinertrag zur Deckung der ersten Baurate, welche im obigen Voranschlag vorgesehen ist, nicht hinreicht, findet Capital- aufnahme statt. Der Gemeinderath hat indessen 1698 Mk. weiter zur Aufnahme eingestellt, wozu er, da eS sich um Deckung laufender Ausgaben handelt, nach Ansicht des KreiSamtS nicht berechtigt ist. Letzteres hat deshalb, da für 698 Mk. anderwcite DeckungSmittcl vorhanden sind, die Erhöhung der Umlage um 1000 Mk. für nöchig erachtet. Der Kreisausschuß ist dieser Ansicht beigetreten- nunmehr hat die Gemeinde RecurS gegen den Beschluß des ersteren ergriffen, welcher indessen kostenfällig abgewiesen wurde. 2. RecurS des Ho fmetzgerS Georg Möhl zu Gießen gegen einen Polizeibefehl des Großh. Polizeiamts wegen seines Häute- TrockenspeicherS. Wie bereits früher untgetheilt, wurde der RecurS des pp. Möhl gegen den Polizeibefehl, welcher ihm daS Trocknen frischer Thierhäute auf dem Boden seines neu­erbauten NebenhauseS untersagte, seitens des KreisauSschusseS abgewiesen. Hiergegen hat Möhl Berufung an den Provinzial- AuSschuß verfolgt. Der Vertreter des Recurrenten stützte sich daraus, daß dieses bloße Aufhängen der Häute zum Trocknen nicht als eine Anlage im Sinne deS § 16 der Gew.-Ordnung angesehen werden könne, vielmehr nur ein Anhängsel deS Schlächtereibetriebs, wofür fein Mandant die Concession be­sitz«, bilde. Der Vorstand deS PolizeiamtS dagegen sieht daS Häutetrockncn als selbständige Anlage an und bemerkt, daß die größte Zahl der Metzger die Häute in frischem Zustande verkauften. Der RecurS wird wiederum abgewiesen, dem pp. Möhl auch die Kosten und eine Aversionalvergütung von 20 Mk. auserlegt. 3. RecurS deS Joseph Fürth in Friedberg gegen einen sein Bauwesen betr. Polizeibefehl deö dortigen KreiSamts. Rubrikat hatte bei Ausführung baulicher Veränderungen an seinem Wohnhause auch in der Grenzumsangswand Fensteröffnungen ohne Genehmigung Herstellen, dieselben aber aus den Erlaß deS Polizeibefehls wieder zumauern lassen. Er bestreitet indessen, daß das eine Fenster erst jetzt gebrochen worden sei, diese Oeffnung bestehe vielmehr schon jahrelang und sei er darum zur Vermauerung desselben nicht verpflichtet. Durch die Zeugen wurde bic Behauptung des pp. Fürth bestätigt und danach dem Recurse, insoweit sich derselbe aus die Vermauerung der früher vor­handenen Oeffnung bezieht, stattgegeben. Die Kosten fallen der Stadt Friedberg zur Last. 4. Besch werde ver­schiedener Einwohner von Friedberg wegen An­forderung von Canalbeiträgen. Die Geschwister Bogt, Chr. Cordes & C. F. Frick in Friedberg, welche zu den Kosten der Canalanlagc herangezogen worden sind, haben dagegen mit der Begründung reclamirt, daß die Anlieger nur zur Tragung der Kosten der Neuherstellung oder deS Aufwandes für Umänderung schon bestehender Canäle ver­pflichtet seien, dieser Fall aber nicht zutreffe. Seitens der Stadt Friedberg ist dagegen betont worden, daß in dem Canalnetz theils ganz neue Canäle gebaut, theilS die schon vorhandenen nach Ausführung von Reparaturen :c. in das­selbe eingereiht worden, daS Canalnetz sonach als ein Ganzes anzusehen und alle Anlieger, welche ihre Abzugscanäle in dasselbe eingeführt hätten, gleichmäßig zu den Kosten beizu­tragen verpflichtet seien. Die Festsetzung der Beiträge der einzelnen Anlieger hat, wie behauptet worden, durch den Gemeinderath unter Berücksichtigung aller in Betracht kom­menden Verhältnisse stattgefunden. Der KreiSauSschuß hat die Beschwerden verworfen, wogegen nun RecurS verfolgt worden ist. In der heutigen Verhandlung gab Stadtbaumeister Zörb an Hand des vorliegenden Planes die nöthigen Erläuterungen. Der Anwalt der Beschwerdeführer sprach sich dahin auS, daß, da eine Zusammenstellung der Kosten, wozu seine Clienten beizutragen hätten, nicht vorliege, serner der RepartitionS- woduS nicht der gesetzlichen Anordnung entspreche und, weil endlich die Reclamanten zu den Kosten der früheren Canal­anlage nicht herangezogen worden seien, dem Recurse wohl stattgegeben werden müsse. Der ProvinzialauSschuß beschloß, die Recurrenten CordeS & Frick definitiv, die Geschwister Vogt zur Zeit von der Leistung fraglicher Beiträge zu ent­lasten und die Kosten der Stadt Friedberg aufzuerlegen. 5. RecurS deS PH. Schomber II. aus Beuern gegen einen Polizeibefehl des KreiSamts Gießen, den Umbau seiner Scheuer betr. ES handelte sich hier um die Errichtung

einer Brandmauer, welche Schomber umerlassen har und daher schon gerichtlich bestraft worden ist. Der Anwalt deS Re- currenten erklärte, daß sein Client nicht die Behörde habe hintergehen wollen, sich vielmehr auf die Handwerksmeister verlassen habe, welch letztere sich der Uebertretung der Bau­ordnung schuldig gemacht hätten. Die Herstellung der Brand­mauer würde einen unverhältnißmäßigen Kostenaufwand ver­ursachen, weshalb er bitte, den angefochtenen Polizeibefehl aufzuheben. Der RecurS wird abgewiesen und pp. Schomber in die Kosten verurtheilt. 6. Beanstandung deS Voranschlags der Gemeinde Kirtorf pro 1893/94. Der Gemeindevorstand hat den durch Großh. Ministerium der Finanzen erhöhten Gehalt deS Gemeindeforstwarren bei Aus­stellung des rubr. Voranschlags um 100 Mark zu gering in Ansatz gebracht, weshalb Großh. KreiSamt Alsfeld Beanstandung erhob, welcher der dortige KreiSauSschuß beigetreten ist. Hiergegen ist RecurS zwar eingelegt, aber nicht weiter ge­rechtfertigt worden. Der RecurS wurde auS formellen Gründen zurückgewiesen. 7. Antrag der Gemeinde Wölfersheim auf Enteignung der Hofraithe der Konrad Klee Ehefrau und des Chr. Dauernheim von da behufs Ver­breiterung der Ortsdurchfahrt. Die Nothwendigkeit der Ab­tretung ist von den Expropriaten nicht bestritten worden, eS handelt sich daher nur um die Höhe der zu gewährenden Entschädigung. Die Expropriaten erklären, mit dem von den Experten abgeschätzten Betrage nickt bauen zu können- beide machen Anspruch auf Ueberweisung anderer Wohnungen. Die Experten erklärten, daß die Herstellung eines den bescheidenen Verhältnissen der Expropriaten entsprechenden Häuschen- den Betrag von mindestens 2500 Mark erfordern werde. DaS Urtheil erging dahin, daß 1. die Eheleute Klee und Dauern» heim zur Abtretung ihrer Hoftaithe an die Gemeinde schuldig seien, 2. die Gemeinde als Entschädigung an Konrad Klee Ehefrau 1145 70 Mk., an Chr. Dauernheim 1508.22 Mk. zu leisten und die Kosten des Verfahrens zu tragen habe.

"ReueS Theater. Morgen geht die erste Operetten-Novität der Saison in Scene und zwar MillöckersDer arme Jonathan". Herr Director Baars hat mit derselben, gleich wie mitMikado" große Erfolge erzielt und war einer der ersten Unternehmer, der nicht die großen Honorar­kosten scheute und die Novität für eine Anzahl Städte, u. a. auch für hier ankaufte und sie in fein RepeNoir ausnahm. Gelegentlich eines Gastspieles, das Herr BaarS in Meiningen absolvirte, schreibt die dortigeM. Ztg.".Gestern bereitete uns das Operetten-Ensemble deS Herrn Director BaarS einen großen Kunstgenuß durch die Aufführung der Operetten- Novität vonDer arme Jonathan" von Carl Millöcker- der Componist hat mit dieser neuesten Schöpfung den Beweis geliefert, daß er auch im Stande ist, eine Salon-Musik zu schreiben, welche sich den Vorbildern der edelsten Meister der Tonkunst würdig anreiht- gleich die erste große Arie der Miß HarrietWillst Du mein Liebster sein," war von mächtiger Wirkung und erntete rauschenden Beifall. Des­gleichen sind der Primadonnen- und Jonathan-Walzer wahre Perlen gefälliger Salon-Musik - von drastisch-komischer Wirkung waren ferner daS Quintett und Finale im zweiten Acte, welche da capo verlangt wurden. DaS anwesende Publikum, welches sich aus den höchsten Gesellschaftskreisen refrutirt hatte, folgte der Vorstellung mit großem Interesse und kargte nicht mit BeifallSspenden." Auch hier wird die Operette mit den ersten Opern- und Operetten-Kräften in den Haupt­rollen besetzt, das Interesse unseres kunstliebenden Publikums in Anspruch nehmen. AIS erste Lustspiel-Novität geht am Sonntag von KadeldurgS und SchönthanSZwei glückliche Tage" zum ersten Male in Scene.

* * CircuS und Theater Wallenda trifft heute Abend 9 Uhr 30 Min. mittelst ExtrazugeS hier ein.

* Nach Chicago. Mit dem gestrigen Nachtzuge kamen 20 junge Mädchen aus Mainz hier durch, welche für eine deutsche Restauration auf der Weltausstellung in Chicago als Buffetdamen engagirt wurden. Die Mädchen, Töchter von Mainzer Bürgersleuten, reifen in Begleitung eine# Mainzer MetzgermeisterS nebst dessen Frau. Der Metzgermeister wird als Küchenmeister in einer Restauration thätig fein. Eine größere Anzahl Kellner sind schon in voriger Woche nach Chicago abgercift, woselbst sie bereits an diesem Sonntag einzutreffen gedenken.

Der erste Hauptgewinn der Frankfurter Pferdelotterie (ein vierspänniger Landauer, 1 vierspänniges Geschirr, 1 russischer Rapp-Wallach, 1 deSgl. Stute, 1 schwedischer Rapp-Wallach und ein russischer Schimmel-Wallach) fiel auf Nr. 80567, der zweite (ein zweispannigeS Coupe, 1 zwei- spännigeS Geschirr, zwei mecklenburgische Stuten)auf Nr.47 976. Unter Anderem fielen drei höhere Preise in die Collecte deö Kaufmanns H. Wallach hier.

* Postpersonal Nachrichten. Dem Ober - PostdirectionS- fecretär ©immer aus Straßburg (Elf.) ist die Borsteher­stelle deS Kaiserlichen Postamts in BenSheim, übertragen worden. Versetzt sind: die Ober-PostdirectionSsecretäre Göbel von Cöln (Rhein) nach Gießen, Obenan» von Darmstadt nach Sttaßburg (Elsaß) und Ockel von Darm­stadt nach Hagen (Wells.) behufs Uebemahme von Postkassirer stellen, die Postsecretäre Mund von Straßburg (Els.) und R a d e ck von Frankfurt (Main) nach Darmstadt bebufS Ueber« nähme von Büreaubeamtenftellen I. Klasse bei der Ober-Post- birection Darmstadt, der Postsecretär Leister von Bad- Nauheim nach Saarbrücken behufs Uebernahms einer Ober- Postsecretärstelle daselbst, die Ober-Postasfistenten Henrich von Michelstadt und Kissel von Aachcn nach Mainz, die Poftassistenten G g. Müller von Slberseld nach Michelstadt und Heintze von Offenbach (Main) nach Hechingen. Ernannt sind die Postassistenten StrauS in Friedberg (Hessen), Busch und Bergmann in Mainz, Schade in Gießen und Wedel in Heppenheim (Bergstr.) zu Ober Poft- assiftenten, der Büreauassistent Wittenbecker und der Tele graphenaisistent Spahn in Darmstadt zu Ober Telegraphen- afsistemen. An gestellt sind: als Pollsecretär der Post-

pracricant Marbach in Offenbach (Main), als Bureau affistent der Postasfistent Traub in Darmstadt, aI8 Post- afsistenreo die Postassistenten C. E. Schmidt in Mainz, Geißler in Alzey, Jos. Schäfer in Grünberg (Hessen) unb Kammer in Gießen. Der Postbirector HallwaLS in BenSheim ist in ben Ruhestanb getreten.

Schuldienst - Nachricht^ Am 29. März wurde der Lehrer an der Realschule und dem Progvmnasium zu Alzey Heinrich Kolb zum Lehrer an der Realschule za Darmstadts unter Belassung in der Kategorie der volkSschullebrer, mit Wirkung vom 1. April an, ernannt- an demselben Tage wurde der von dem Herrn Grafen zu Ksenburg und Bübingen in Meerholz auf die erste Lehrerstelle an der Gemeinde schule zu Langenbergheim präsentirte Schullehrer Heinrich Frank zu Selter- für diese Stelle bestätigt.

Erledigte Lehrerüellen. Erledigt sind: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gern einbeschule zu Offstein mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzendc Lehrerstelle an der Gemeinbeschule zu Frankenhaufen mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit ber Stelle ist Organistenbienst verbunden.

Einstellung von Einjährig - Freimiligen. Der Großh. Bürgermeisterei Darmstadt ist vom General-Commanbo mit- getheilt worben, daß für bic Garnison Darmllabt die beiden Einstellungs-Termine ffhr Einjährig - Freiwillige 1. April unb 1. October für das Jadr 1893 nochmals versuchs­weise bestehen bleiben sollen. Auch im Jahre 1892 habe bei ben im Frühjahr beim Infanterie - Regiment Nr. 115 Eingestellten nur für Wenige zur Wahl jenes Termin» ein BebÜrsniß vorgelegen, unb würde, wenn bic Zahl dieser Leute nicht eine bemerkenSwerthe Zunahme erfahren sollte, daS General-Commanbo von ber enbgiltigen Einführung der trag- lichen Maßnahme auf militärdienstlichen Gründen Abstand nehmen müssen.

AlterthnmSfunde in cderhesien. ©üblich von Eber­st abt, in der Lehmgrube einer Rusfenfabrik, gewahrte vor einigen Tagen Herr Kofler au» Darmstadt im vorüber- fahren die Anzeichen vorgeschichtlicher Wohnstätten. Eine kurze Untersuchung, welche derselbe im Verein mit Herrn Professor Dr. Hettner aus Trier anstellte, ergab eine trichter­förmige Grude unb zwei viereckige Wohnstätten. Die letzteren hatten eine Länge von 2,5 bis 3 Meter und eine Tiefe von 1,5 bis 2 Meter. Die Räume waren mit Resten von Thier- knochen, Kohlen, Asche, gebrannten Lehmbrocken und Gefäß- scheiben ungefüllt. Es gelang ben Herren mit Hülfe ihrer Federmesser eine beschädigte kleine Schale dem Boden zu ent» nehmen.

A Mainz, 12. April. In der letzten Sitzung des Kreistages des Kreises Mainz wurde auf Antrag deS Dr. Masserell beschlossen, die Regierung zu ersuchen, ber Kammer eine Vorlage zur Errichtung von Anstalten für jugenbliche Uebelthäter unb Geisteskranke zu unterbreiten. 'Jiadj der Angabe beS Antragstellers haben bic verwahrlosten Kinder und die Geisteskranken in der dies feitigen Provinz derart zugcnommen, baß bie bestehenben Anstalten zu beten Unterbringung bei Weitem nicht mehr auSreichen unb baher eine Vermehrung solcher Anstalten al» eine bringende Nothwendigkeit erscheint. Nach Unter­schlagung einer beträchtlichen Summe ist der Gehilfe eines hiesigen Gerichtsvollziehers flüchtig gegangen. Wie hiesige Blätter mittheilen, fei ein Mainzer Bierbrauer bei Groß Gerau von drei Wegelagerern in räuberischer Absicht Über­fallen worden, doch fei der Ratibversuch mißglückt.

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Zur Frage der Feuerbestattung in Hessen.

In berRosenau" zu Frankfurt a. M. hielt gestern die evangelische Conserenz für baS Großhcrzogthum Hessen ihre Jahresversammlung ab. Aus ber TageSotbnung staub u.A. bic Frage ber Feuerbestattung. Da» Referat über biefen Gcgenftanb hatte Herr Pfarrer Sahl-Offenbach über­nommen. Die von bem Referenten ausgearbeiteten acht Thesen lauten: 1) Die verschiedene Art der lobtenbeftattung steht einer­seits mit der angestammten Lebensweise und ber religiösen Ent Wickelung ber Völker im Zusammenhana, wird aber auch anbererseitS burck mehr zusällige unb äußerliche Ursachen be« bingt. 2) Im Allgemeinen war bie Sitte de» Begraben», als bie natürlichste unb einfachste Bestattungsweise, bic älteste BestattungSart, wechselte aber mit ber Feuerbestattung ab, wenn auch allmählich bie letztere unter ben Völkern Europas in ber vorchristlichen Zeit allgemeine Eilte würbe, eine Sitte, die erst mit dem Vorbringen beS Christenthums schwand. 3) Obschon daS neue Testament keine Vorschrift über die Be­stattung der Tobten enthält, so war doch, im Anschluß an die übliche BestattungSweise deS jüdischen Volke», da- Be­graben von Anfang an christliche Sitte, sondern auch der religiösen Empfindung der Mehrheit der Christen, indem sie mit einer ganzen Reihe christlicher Lebensanschauungen unb Gefühlen, mit ber Sprache ber Bibel, unserer geistlichen Lieber u. s. w. bricht. 4) Die Agitation gegen die altchrist liche Sitte wurde erst in ben letzten Jahrzehnten, und zwar hauptsächlich durch angebliche ober wirkliche Mißstände der gegenwärtig allgemein üblichen ®cfiattung»weife hervorgerufen, Mißstände, die aber durch bic bloße fakultative Feuerbestattung nicht aufgehoben werben. 5) Da bie christliche Lehre von der Auferstehung zu einem verklärten LeibeSleben sich wohl mH ber Verbrennung beS entseelten Leibe» ne reinen läßt, so ist c», bei allem prinzipiellen Eintreten für die altchriftlichc Sitte de» Begraben», ungerechtfertigt, eine Abweichung von biefer Sitte einfach eine Lo-sagung vom christlichen Glauben zo nennen. 6) Sehr erwünscht wäre e», wenn wenigstens von iämmtlichen deutschen evangelischen Landeskirchen einheitliche Bestimmungen darüber getrosten würden, in welcher weise eine der Würde der Kircke und zugleich auch dem Gefühle der Kirche entsprechende amtliche Bctheiltgung ber Geistlichen