Ausgabe 
14.4.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Freitag den 14. April

Amts, ttnb Anzcigeblatt für den Äreis Gietzen.

Hratisbeikage: Hießmer Aamikienbtatter

Amtlicher Theil

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einer Ansprache des Vorsitzenden Dr. König. Die Betheilig- ung ist zahlreich. Unter den Thetlnehmern befinden sich Bergmann, Gurlt, Bardeleben, Hahn, Esmarch, Bruns, Küster. Zum zweiten Vorsitzenden wurde Czerny-Heidelberg gewählt.

Graudenz, 12. April. In der Festung Thorn wurde ein Serbe unter dem Verdacht der Spionage verhaftet und von einer Osfizierspatrouille ins Gefängmß abgeliefert.

Brüssel, 12. April. Die Syndikate der metallurgischen Arbeiter, Drucker und Lithographen, sowie der Verband der in der Holzindustrie beschäftigten Arbeiter sind heute Morgen in den Aus st and eingetreten. Mehrere metallurgische An- stalten in den Vorstädten Brüssels stellten die Arbeit ein. In der Cartouche-Fabrik in Curegham (Brüsiel) find 1500 Ar­beiter ausständig - in Enseval bei Dervters, mehreren Webereien in Louvain und vier Maschinenbauanstalten sind die Arbeiten ebenfalls eingestellt. In Lüttich ist kein Ausstand.

Rom, 12. April. Der Papst, welcher sich eines guten Befindens erfreut, empfing heute etwa 4000 Affilierte vom dritten Orden des heiligen Franziskus, der Mehrzahl nach Italiener. Dieselben defilirten nach Verlesung der Adresse, welche vom Papste beantwortet wurde, von 9,/2 Uhr früh vor dem Papste. Der Papst forderte die Wallfahrer auf, im Glauben auszuharren, und ertheilte ihnen den Segen. Die Defilirung war um 12 Uhr des Mittags noch nicht beendet.

Rom, 12. April. Senat. Auf den Antrag CavalettoS wurde unter wärmsten Beifalls-Kundgebungen einstimmig be­schlossen, daß dem Königspaare vom Präsidium eine Glück­wunschadresse zur silbernen Hochzeit überreicht werden soll.

Konstantinopel, 12. April. Der mit der Säuberung des Vilajets Adrianopel von Briganten beauf­tragte General Edib Pascha berichtete dem Sultan telegraphisch die Gefangennahme eines Gefährten des berüchtigten Athanas, der den Ort bezeichnete, an dem er und vier feiner Genossen ihren Antheil an dem Lösegelde verborgen, das für die auS dem Orientexpreßzuge seinerzeit entführten deutschen Reisenden bezahlt worden ist. Eine an den bezeichneten Ort entsendete Commission fand daselbst anstatt der angegebenen 1400 Pfd. 2100 Pfd. Die Verfolgung wird fortgesetzt. Der Sultan drückte Edib Pascha seine Zufriedenheit aus.

Rewyork, 12. April. Ein heftiger Cyclon hat in den Staaten Kansas, Iowa, Nebraska und Missouri sehr verheerend gewirkt. Mehrere kleine Städte sind angeb­lich zerstört und man befürchtet, daß viele Menschen um­gekommen sind.

Chicago, 12. April. Der General-Director der Welt­ausstellung hat den ursprünglich auf den 10. April fest­gesetzten Endtermin für die Annahme von AusstellungS- Objecten bis zum 30. April verschoben. Die Ver­längerung gilt jedoch nur für Gegenstände, für welche bereits Raum in der Ausstellung bewilligt ist.

Ausland.

In Belgien spitzt sich die durch die Frage der Der- fassungsrevision hervorgerusene CrisiS immer bedenklicher zu. In der Hauptstadt Brüssel kam es am Dienstag, als es be­kannt geworden war, daß die Deputirtenkammer den zur Revisionsvorlage gestellten Anrrag des radicalen Führers Janson abgelehnt hatte, wonach das allgemeine Stimmrecht mit Wahlberechtigung vom 21. Lebensjahre an einzuführen sei, zu Unruhen, welche erst durch ein starkes Polizeiaufgebot unterdrückt werden konnten. Die Bürgergarde ist einberufen worden, da weitere Unruhen nicht unwahrscheinlich sind. Bed.nklich ist auch die vom Generalrath der Arbeiterpartei Belgiens beschlossene Proclamirung des sofortigen allgemeinen Strikes als Demonstration für das allgemeine Stimmrecht. Der Strike hat bereits in allen Bergwerken des Kohlen­beckens von Charleroi, mit Ausnahme derjenigen von Fromeries und Dom, begonnen.

In Frankreich scheint eine neue Scandalaffaire heraus- zuzlehen. Der Erfinder des Melinits, Turpin, welcher wegen Berrathes des Melinitgeheimnisses zu mehrjähriger Gefängniß- strafe verurtheilt worden war, ist jetzt durch ein Decret des Präsidenten Carnot begnadigt worden, er feiert aber seine Rückkehr in das bürgerliche Leben in eigenthümlicher Weise. Turpin kündigt nämlich durch einen Redacteur desFigaro", der ihn im Gefängnisseinterviewte", sensationelle Ent­hüllungen an, wonach das französische Kriegsministerium wegen angeblichen Melinitverkaufes an das Ausland bedenklich bloß­gestellt werden würde. Man kann der weiteren Entwickelung der Affaire mit Interesse entgegensetzen.

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ungen zur gründlichen Umgestaltung des Gymnasialunterrichts wenig Beifall fanden und besonders auch eine Entbürdung der Jugend als unzulässig bezeichnet wurde.Ueber die Forderung, die Jugend zu entbürden, führte Prof. Uhlig- Heidelberg etwa aus, hat man vergessen, daß die Schule die künftigen Träger der schwersten und verantwortungsreichsten Aemter anstrenge und andauernde Arbeit zu gewähren hat. Vermindern wir die Ansprüche, so vermindern wir auch die Tüchtigkeit und überfüllen die höheren Berufe noch mehr." Aus den Verhandlungen läßt sich erkennen, daß der Verein es im Allgemeinen mit unserem Gymnasialunterricht beim Alten lassen will. Der bisherige Vorstand wurde wieder­gewählt. Die nächste Versammlung soll in Bamberg statt- finden. ______________________

Bekanntmachung,

betreffend die Umlage der land- und forstwirthschaftlichen Berussgenoffenschaft für das Großherzogthum Hessen.

Die Umlage der land- und sorftwirthschaftl. Berufsgenossen­schaft für 1892 beträgt 222456.1 JL (100 464.90 JL für Un­fallentschädigungen, 75348.67 JL als Ausleihung zum Re­servefonds und 46 642.53 JL Verwaltungskoften). Da sich die Gesammtfumme der beitragspflichtigen Steuerkapitalien auf 13751911.7 JL (8021 948,5 Gulden) beläuft, ergibt sich ein Ausschlag von 1,618 auf die Mark Steuerkapital (oder 2,773 auf den Gulden). Es wird dies nach Vor­schrift des § 19 der Verordnung vom 11. Juli 1888 unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Erhebung dieser Umlage demnächst in einem Ziele unter Zusendung besonderer AnsorderungSzettel gemeindeweise statt- finden wird.

Darmstadt, den 21. März 1893.

Der Vorstand der land- und forstwirthschaftlichen Berufs­genossenschaft.

Nover, RegierungSrath._______________

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche zu Erda, Kreis Wetzlar.

Die Maul- und Klauenseuche zu Erda im Kreise Wetzlar ist erloschen.

Gießen, den 11. April 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. G a g e r n.

Deutscher Reich.

Berlin, 12. April. Neueren Nachrichten aus Berlin zufolge wird das deutsche Kaiserpaar bei seiner bevor- stehenden Reise nach Italien nicht den Weg durch die Schweiz, sondern denjenigen über den Brenner nehmen. Dagegen gedenken die Majestäten bei der Rückfahrt die Schweiz zu berühren und werden sie durch eine Abordnung des schweizerischen Bundesrathes begrüßt werden- Zeit und Ort dieser Begrüßung sind indessen noch nicht festgestellt.

Die Frage einer Reform der deutschen Eisenbahn-Personentarife wird jetzt von bayerischer Seite erneut angeregt. Die bayerische Regierung läßt officiös erklären, daß voraussichtlich in nicht ferner Zeit Verhand­lungen unter den betbeiligten Regierungen wegen der ge­dachten Reform wieder ausgenommen werden könnten.

Die internationale Sanitätsconferenz in Dresden hat ihre Arbeiten beendigt, obschon dieselben noch ihres formellen Abschlusses harren. In der am Dienstag abgehaltenen Sitzung der Conferenz wurde der Bericht der zur Prüfung einer Anzahl von Specialfragen eingesetzt ge- wesenen dritten Commission berathen. Auch hier bekundete sich die Uebereinstimmung in den Ansichten der großen Mehrzahl der Delegirten, so daß von den materiell beendigten Conferenz- arbeiten nach allen Richtungen hin befriedigende Ergebnisse zu erwarten sind.

Dresden, 9. April. Der deutsche Gymnasial­verein zählt gegenwärtig etwa 2600 Mitglieder. Er hat den Zweck, die Angriffe auf das moderne Gymnasium abzu­wehren. Es ist daher erklärlich, wenn in der gestern hier abgehaltenen Jahresversammlung dieses Vereins die Bestreb­

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Depeschen des Bureaufcerolb-.

Berlin, 12. April. In parlamentarischen Kreisen ver­lautet, eine erneute Ahlwardtdebatte sei im Reichstage nicht zu erwarten, da es feststehe, daß Ahlwardt weitere Actenstücke nicht besitze.

Berlin, 13. April. In der nächsten Zeit soll die Er­öffnung von Cholera st ationen a n der Weichsel bereits beginnen.

Berlin, 13. April. Die Zugeständnisse, welche Rumänien in dem am 9. April vorläufig festgestellten Handelsvertrag mit Deutschland gemacht hat, scheinen sich in der Hauptsache auf die Verpflichtung zu beschränken, die Zollsätze des Tarisß nicht zu erhöhen.

München, 12. April. Der Militäretat soll ein neues Postulat zur Gründung von Mannschaftsbibliotheken bei den Truppentheilen zur Unterhaltung und Belehrung der Soldaten vorsehen.

Straubing, 12. April. Hier hat sich ein nieder- bayerifcherBauernbund gebildet, welcher jeden Anschluß an die bestehenden politischen Parteien perhorrescirt.

Paris, 12. April. DerMatin" veröffentlicht einen Artikel, worin anschließend an die Nachricht, der Papst würde der Fürstin von Bulgarien die goldene Rose übersenden, gesagt wird, der Papst begehe dadurch einen großen politischen Fehler - er würde dem Dreibund in die Hände arbeiten, indem er durch die Verleihung der goldenen Rose den Fürsten Ferdinand anerkenne.

Lyon, 12. April. Die Handelskammer beruft einen Congr der Freihändler Frankreichs ein, um für die bevorstehenden Kammerwahlen ein gemeinsames Vor­gehen aller Freihändler zu beschließen.

London, 13. April. DerStandart" undDaily News"

Neueste Nachrichten»

Wolffs telegraphische« Correfpondenz-Bureau.

Berlin, 12. April. Der Kaiser nahm gestern im Casino des Garde Füsilier-Regiments an dem Abschiedsessen für den Major v. Goldbeck und den Hauptmann v. Claer theil. Am Abend wohnten der Kaiser und die Kaiserin der Vorstellung im Opernhause bei. Heute Vormittag nahm der Kaiser die Vorträge des Geheimeraths v. Lucanus und des Ministers v. Heyden entgegen. Zu der heutigen Frühstückstafel hatte der italienische Botschafter Graf Lanza eine Einladung erhalten.

Berlin, 12. April. DerStaatsanzeiger" veröffentlicht die königliche Genehmigung, daß gleichwie bereits das gegen­wärtige Haupt der Linie Stolberg-Wernigerode, so auch die gegenwärtigen Häupter der Linien Stolberg-Stolberg und Stolberg Roßla, sowie deren Nachkommen erster Generation den erblichen Fürstentitel und das Prädicat Durch­laucht iühren dürfen.

Berlin, 12. April. Auf eine Eingabe, die ein hiesiger jüdischer Bürger birect an den Kaiser über das Treiben der antisemitischen Händler gerichtet hatte, ist ihm vorgestern folgende Antwort zugegangen:Ihre Jmmediat- Eingabe vom 15. März d. Js., betreffend die Verhinderung der Verbreitung antisemitischer Druckschriften auf den hiesigen Straßen, ist auf allerhöchsten Befehl zur Prüfung und Be­scheidung an mich abgegeben worden. Euer Wohlgeboren eröffne ich demgemäß ergebenst, daß, wie längst Jedermann wahrnehmbar, den Ausschreitungen der mit antisemitischen Druckschriften Straßenhandel betreibenden Personen polizei­licherseits mit Strenge entgegengetreten wird, soweit die gel­tenden Gesetze hierzu eine Handhabe bieten. Was die von Ihnen erwähnten DexirbilletsNach Jerusalem hin, aber nicht zurück" betrifft, so hat sich ergeben, daß dieselben zum großen Theile den Bestimmungen des § 6 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 nicht entsprechen. Insoweit dies der Fall, sind diese Druckschriften beschlagnahmt worden. Der Polizeipräsident gez. v. Richthofen."

Berlin, 12. April. Der Congreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie wurde heute eröffnet mit

Meßmer Anzeiger

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Meine

Bekanntmachung.

Im Interesse des Publikums macht man noch ausdrück­lich darauf aufmerksam, daß Reclamationen gegen Einkommen- unb Eapitalrentensteueranfätze 1. Abtheilung immer, aber auch Remonstrationen gegen Ansätze dieser Abtheilung, sowie Reclamationen gegen Einkommen- und Capitalrentensteueransätze 2. Abtheilung möglichst schriftlich und zwar unter genauer Angabe der für eine etwaige Ermäßigung sprechenden Gründe (wenn aber mündlich, nur an den Amtstagen Dienstags und Samstags) während der gesetzlichen Frist bei dem Unterzeichneten vorzubringen sind, damit der Commission das zur Beschlußfassung erforderliche Material demnächst unter­breitet werden kann.

Gießen, den 1. April 1893.

Der Vorsitzende:

_______Süffert. _________________

Ltener-«ommifsariat Gietzerr.

Amtstage:

Dienstags und Samstags

Vormittags von 8'/, bis 12 und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr.