Ausgabe 
14.3.1893 Erstes Blatt
 
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Ausland.

Ueber den Verlauf des Panama Bestechungß.Prozeßes berichtet der Pariser Telegraph fortgesetzt in ausführlicher Weise. Namentlich über die Freitagssitzung des Prozesses, in welcher die Entlastungszeugen vernommen wurden, liegt ein langer Drahtberichr vor. Ihm läßt sich entnehmen, daß sowohl Floquet, als auch Freycinet und Clemenceau, welche hervorragenden Politiker ja durch die Aussagen Earl v. LessepS so bedenklich belastet find, bemüht sind, sich nach Kräften reinzuwaschen, während LessepS bei seinen Anschuldigungen gegen daS edle Trio verharrt. Im günstigsten Falle werden Floquet und Genossen mit einem etwas ramponirren poli­tischen und persönlichen Rufe auS dem Prozesse hervorgehen. Brisson hat sein allerdingS überflüssig gewordenes Amt als Vorsitzender der parlamentarischen Panama-Untersuchungs- Commission niedergelegt.

London, 11. März. DerStandard", welcher eine energische Campagne zu Gunsten der deutschen Milt- tärvorlage führt, sagt tu seiner heutigen FrühauSgabe über die Verwerfung der Vorlage durch die Commission, der Reichstag müsse ausgelöst werden, da Gefahr für daS Reich sei. Ein so wichtiges Project solle nicht aus Rücksichten auf die Geldfrage unterdrückt werden.

Deutscher Reichstag.

64. Sitzung. Samstag, 11. März 1893.

Eingegangen: Gesetzentwurf zum Schutz.der Waarenbezetch- n ungen.

Ein Antrag Gröber u. Gen. (Etr.) auf Einstellung das gegen den Abg. Stötze! (Etr.) bet der Strafkammer des Landgerichts zu Duisburg wegen Vergehen- gegen das Veretnsgesetz schwebenden Strafverfahrens wird angenommen.

Die Berathung des MtlttäretatS wird bei dem Capttel dcldoerpflegung der Truppen" fortgesetzt.

Aba. Hinze (dfr.) bittet um Mtlthetlung der Gründe, welche den BunoeSrath veranlaßten, der vom vorigen Reichstage beschlossenen Resolution gegen die Einziehung derjenigen Einjährtg-FretwMtgm, die Ihr Dienstjahr erst nach dem 23. Lebensjahr absolvtrt haben, zu den Landwehrübungen nach dem 32. Lebensjahre keine Folge zu geben.

Generalmajor v. Goßler: Der BundeSrath habe für die Einjährig-Freiwilligen keine Vergünstigung beschließen können, die nach seiner Ueberzeugung dem Gesetz zuwtderlaufe.

Abg. Hinze widerspricht dem und behält sich einen bezüglichen Antrag vor.

Abg. Richter (dfr.): Der Fall beweise wieder einmal die NothwenDtgkett der Einsetzung einer unabhängigen richterlichen Instanz zur Entscheidung über Strettiakeiten auf militärischem Gebiete.

Abg. Frhr. v. Reibnitz (dfr.) rügt die Verwendung von Krümperpserdm de« Tilsiter Dragoner-Regiments zu Ausfahrten der Offiziere, wodurch die Fuhrwerksbesitzer beeinträchtigt würden.

Generalmajor o. Goßler theilt die gegen eine solche Ver­wendung der Pferde erlassenen Bestimmungen mit.

Abg. Richter (bfr.j weist auf die Unzweckmäßigkeit und Gefähr­lichkeit farbiger Ausmusterung der Uniformen, glänzender Helm­stücke usw. hin. Sollte der Helm im Kriege nur mit der Tarnkappe getragen werden, weshalb bann der blinkende Helm im Frieden? Weshalb so viel Zett auf daS Putzen tverwenden, wenn die Aus­bildung der Mannschaften heute mehr Zett beanspruche als sonst /

(Generalmajor v. Funck: Auch bezüglich der Bekleidung folge die Heeresverwaltung Den technischen Fortschritten der Zett. Die Einführung deS Aluminiums werde den Helm noch leichter machen. Der Helm schütze Augen und Nacken, sauge sich im Regen nicht voll und sei luftig und dauerhait. Die buntfarbige Ausmusterung der Cavallerte fei unbedenklich, da die Cavallerie nicht ins Feuergefecht komme.

Abg. Hinze (dfr.): Der Helm möge feine Vorzüge haben, sei aber noch zu schwer. Warum solle die Eavallerie nicht auch eine einheitliche Kleidung erhalten wie die Infanterie? ES liege das auch im finanziellen Interesse.

Generalmajor v. Funck: Die historischen Uniformen der Kavallerie hätten tacttschen Werth; sie erleichterten daS Sammeln. Die an die Aeußerltchketten der Uniform geknüpften Traditionen wirken auf den Geist des Regiments. Auch sei die Bekleidung der Kavallerie keineswegs theuer. Der Helm werde im Manöver wie im Kriege nur vor dem Feinde bedeckt getragen, sonst, also auch auf Märschen, unbedeckt.

Beim CapttelGefängntßwesen" bringt Abg. Haußmann (Bp.) Ueberschrettungen der Dtsctplinargewalt in württembergischen Milttär- gefängnissen zur Sprache. Major Herbert in Ulm habe geradezu grausame DtSciplinarstrafen verhängt. Dadurch würden die Leute zum Selbstmord getrieben. Seit dem Ministerwechsel sei allerdings eine Besserung eingetreten; aber es sei doch nützlich, solche Dinge zur Sprache zu bringen, da sie auch in preußischen Militärstrasanstalten Vorkommen dürften.

Generallieutenant v. Spitz bestreitet das. Daß die Militär- gefängnisse Musteranstalten seien, davon könnten sich die Herren durch einen Besuch der Militär-Strafanstalt zu Spandau überzeugen. Aus Furcht vor den Strafanstalten würden keine Selbstmorde begangen. Man könne sich Darüber leicht belehren, wenn man sich überhaupt belehren lassen wolle.

König!, würtlernb. Oberst Frhr. v. Matter erklärt, daß seine Regierung bemüht sei, etwaigen Uebelftänden auf diesem Gebiete ab­zuhelfen; zu dem Zweck finden regelmäßige Revisionen statt.

Abg. Szmula (Etr.) erklärt die Art und Weise, in der gestern hier über die Armee gesprochen worden, al8 dem Ansehen derselben schädlich. Der militärische Strafvollzug fei heute erheblich humaner als früher.

Abg. Haußmann proteftirt gegen die Schlußbemerkung des Generallieutenant v. Spitz, als ob et (Redner) sich nicht belehren lassen wolle.

Generallieutenant v. Spitz erkkärt, jene Wendung gebraucht zu haben, weil es ihm schien, alä ob Haußmann bei seinen (Redner-) Worten höhnisch gelächelt habe.

Abg. Haußmann: Er habe nur freundlich zu der Einladung nach Spandau gelächelt.

Generallieutenant v. Spitz ist nach dieser Erklärung überzeugt, daß Haußmann nicht höhnisch habe lachen wollen.

Abg. Richter: Man ersehe daraus, daß e- nicht nützlich sei, die DiScussion auch noch auf die GesichtSzüge au-zudehnen.

Präsident o. Levetzow: DaS gehört nicht zu dem vorliegenden Titel.

Abg. Richter: Aber zur Antwort auf die Aeußerungen des RegierungScommissarS.

Präsident v. Levetzow: Die Sache war aber doch erledigt.

Abg. Richter: DaS ist meine Sache, ob ich eine Angelegenheit für erledigt halte- Wir sind hier nicht in der Schule, um Eenfuren anzunehmen.

Präsident v. Levetzow: Meinen Sie, daß ich Ihnen Eenfurm ertheilen wollte /

Aba. Richter: Ja

Präsident v. Levetzow: Eine Eenfur habe ich nicht erlheilm wollen.

Abg. Richter erklärt, e- feiner eigenen Entscheidung Vorbehalten zu wollen, zu welchen Aeußerungen er im Anschluß an die Bemerk­ungen deS Herrn o. Spitz berechtigt sei.

Präsident v. Levetzow: Ich hatte nur ersucht, die Sache für erledigt anzusehen.

Abgg. Richter und Haußmann wenden sich gegen Szmula. Dadurch, daß die MißNände zur Sprache gebracht würden, werde die Armee nichl herabgesetzt, sondern dadurch, daß sie überhaupt bestehen.

Abg. Gröber (Etr.) »eist den Vorwurf HaußmannS zurück, daß daS Zentrum nicht nachdrücklich genug auf Beseitigung solcher Mißstände dränge. Haußmann wolle auS der Sache blos Capital für seine Agitation in Württemberg schlagen.

Abg. o. Marauardsen (naiL) wünscht eine Erklärung über die neulichen Beschuldigungen Shlwardis bezüglich der Oualität der Waffenlieferungen.

Kriegsminister o. Kaltenborn hat e4nicht für nöthig gehalten, auf die Bemerkungen AhlwardtS am 9. d. zu antworten, weil von amtlicher Stelle hier und durch daS gerichtliche Urtbeil vom Tecember v. 3- die Behauptungen AhlwardtS genügende Huftiärungm gefunden. Er habe die Ausführungen AhlwardtS nicht für das Vaterland vortheilhaft gehalten. Tas in seiner Erklärung vom Mai o. I ab­gegebene günstige Urtheil über die Waffen, welche die Löwe'sche Fabrik geliefert, sei durch die inzwischen gemachte Erfahrung in jeder Be­ziehung voll bestätigt worden. Die Verwaltung halte die Waffen für so kriegstüchtig, wie e« nur immer verlangt werden könne. Man Dürfe daraufhin mit vollem vertrauen der Zukunft entgegensehen. (Beifall.) Die Behauptung AhlwardtS, daß 60 000 Sewehrläufe von einer Fabrik in Solingen geliefert worden seien, die von der italienischen Regierung bereits zurückgewiesen waren, sei absolut falsch. Die Gewehrläufe seien von der König!. Gewehrfabrik in Spandau geliefert. Eine Solinger Firma habe in jener Zeit an Lieferungen von Läufen nicht theilgenommen. Die eidesftatttrchen Versicherungen anlangend, auf die sich Ahlwardt berufe, so habe bet Proceß bewiesen, baß dieselben keinen irgendwie bedeutsamen Werth hätten. Die Militärverwaltung habe keinen Anlaß, den Vorschlag AhlwardtS, die Gewehre an die Löwe'sche Fabrik zurückzugeben, ernst zu nehmen. (Lebhafter Beifall links.)

Abg. Richter (dfr.) bedauert, daß Ahlwardt, nachdem er die Sache hier wieder angeregt, nicht zur Stelle sei. Er soll sich auf einer AgitationSreife befinden; eS fei ja leichter, in Volksversamm­lungen Anklagen zu ergeben, als dieselben hier zu vertreten. Er conftatire, daß Ahlwardt hier mit Unwahrheiten debutirt habe.

Der Rest des Etats wird nach unerheblicher Debatte mit den von der Commission beantragten Abstrichen (Magazingebäude in Darmstadt, Traindepot in Posen, Bezirkscommando in Düsseldorf, Kaserne in Wese! und Köln) angenommen.

Montag: Postdampsernooelle, Etat.

Neueste

WolffS telegraphische- Eorrespondenz-Bureau.

Metz, 12. März. Aus Anlaß deS Geburtstages des Prinzregenten Luitpold von Bayern fand heute Mittag vor dem commandirenden General Grafen Häseler eine Parade der hier garnisonirenden bayerischen Brigade statt. Nachmittags wird ein Festmahl für die bayerischen Offiziere und die hier ansässigen Bayern veranstaltet. Die Stadt ist festlich geschmückt.

Depeschen de- BureauHerold".

Berlin, 13. März. In parlamentarischen Kreisen ver­lautet, Caprivi begleite das Katserpaar auf der Reise nach Rom.

Hamburg, 13. März. Die hiesigen Rheder und Handels­häuser richteten eine Adresse an den StaatSsecretär Stephan, welche eine entschiedene Kundgebung gegen die Angriffe ver­schiedener Reichstagsmitglieder gegen die Reichspostverwaltung enthält.

Paris, 12. März. Der Ministerrath trat zusammen, um sich über die Demission Bourgeois zu besprechen. Bourgeois demissionirte, um freier vor den Geschworenen sprechen zu können. Der Ministerrath wird wahrscheinlich die Demission annehmen. In politischen Kreisen wird Con­stans als sein Nachfolger bezeichnet.

Cocales ttrr- Provinzielles.

Gießen, 13. März 1893.

" Oeffentliche Sitzung des ProvinzialauSschuffeS der Provinz Oberheffen am 11. Marz 1893. 1. Reklamation gegen die Beigeordneten wähl zuWallenrod. Gegen diese Wahl war mit der Begründung reclamirt worden, daß: 1) der Gemeinderath zur Vornahme der Wahl der Commissions­mitglieder nicht schriftlich eingeladen, das Protokoll über diese Wahlhandlung auch nicht unterschrieben worden sei und 2) Wahlbeeinflussungen durch Bedrohung stattgesunden haben sollen. Seitens des KreisauSschusseS Lauterbach wurde die Reclamation als unbegründet verworfen, welche Entscheidung der Provinzialausschuß bestätigte und den Reclamanten die Kosten deS Verfahrens sowie einen Aversionalbetrag von 10 Mk. auferlegte. 2. Reclamation gegen die Bürger- meist erw a hl zu Hattenrod, lieber diese Angelegenheit hat der KreiSauöschuß unterm 29. December v. I. in erster Instanz verhandelt und ist der bezügliche Bericht in Nr. 1 des Gießener Anzeigers abgedruckt. Heute ist über den RecurS gegen dieses Erkenntniß, welches die fragliche Wahl für un­gültig erklärte, zu entscheiden. Die Vernehmung einiger Zeugen ergab keine neuen Anhaltspunkte. Der Vertreter deS Gewählten H. M e n g e l, Justizrath Dr. Reatz, beantragt dem Recurse stattzugeben und die Wahl für gültig zu erklären, wogegen Rechtsanwalt Grünewald, Namens der Reclamanten seinen Antrag aus Verwerfung deS RecurseS aufrecht erhält. Der Provinzialausschuß erkannte nach letzterem Anträge, be­stätigte daS Urtheil deS KreisauSschusseS und verurtheilte den Recurrenten Menget in die Kosten einschl. eines Aversional- betrags von 30 Mk. 3. Beanstandung der Beige­ordnetenwahl in Lich. Auch in dieser Sache ist durch den KreiSauöschuß Gießen am 28. November v. IS. Urtheil dahin ergangen, daß der Beanstandung Großh. KreiöamtS beizutreten und die Wahl des PH. Chr. Heller II. für ungültig zu erklären sei (vergleiche den Bericht in Nr. 283 deS Gießener Anzeiger). Seitens des Anwalts des rc. H e 11 e r, Rechtsanwalt Grünewald, ist hiergegen RecurS erhoben worden. Im heutigen Termine wurden eine Anzahl Zeugen vernommen, welche sich theils über die bereits in erster Instanz erörterte Frage, ob die Verabreichung deS Freibiers mit oder ohne Borwissen deS PH. Chr. Heller erfolgte, und theils über die Person deS letzteren auszusprechen hatten. Rechts­anwalt Grünewald beantragte die Aufhebung des UrtheilS erster Instanz, soweit sich dasselbe auf Beanstandung der Wahl seines Clienten bezieht, indem er darauf hinwieS, daß Heller

nach den abgegebenen Zeugnissen ein durchaus achtbarer Mann fei, welchem eine Stimmenwerbung ganz ferngelegen habe, die ja auch nicht habe erwiesen werden können. Dem Rekurse wurde stattgegeben und demgemäß die Wahl deS Ph. Chr. Heller für gütig erklärt, bießoften deS Verfahrens hat die Stadt Lich zu tragen. 4.Gesuch deS Theodor Albrecht auS Düdelsheim um Erlaudniß zur Errichtung einer Gastwirthschaft in Büdingen. Das in Rede stehende Gesuch ist Seitens deS SreiSauSichusseS Büdingen wegen mangelnden Bedürfnisse- abschlägig beschteden worden, wogegen der Gesuchsteller RecurS verfolgt hat. Albrecht war bei der heutigen Verhandlung nicht anwesend. Sein RecurS wurde abgewiesen, ihm auch die Kosten, sowie ein Aversionalbetrag von 5 Mk. zur Last gesetzt. Der fünfte Gegenstand, RecurS deS PH. Schomder II. in feuern gegen einen Polizeibefehl deS KretSamtS, gelangte heute nicht zur Verhandlung.

** Militärtzienstnachrichl. Frhr. v. Dalwig, Pr.-Lt. vom Inf. - Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 116, vom 1. Aprtl d. IS. ab auf ein Jahr zur Dienst­leistung bei der Gewehr-PrÜfungScommiffion commanbirt.

Coocert Verein. Im Saale deS GesellfchaftShaufeS brachte am 12. l. Mts. da- Meininger Streichquartett unter Mitwirkung des Kammervirtuosen Herrn Mühlseldt (Clarinette) daS H-moll-Cuintett von BrahmS Op. 115, Beethoven- G-dar-Cluarteti und WebcrS B-dur-Ouintett zu Gehör, lieber die Ausführung behalten wir unS ausführlicheren Bericht vor und erwähnen nur für heute, daß der Concert- abend den genußreichsten dieser Saison beigezählt werden darf.

* * InSteins Saalbau" fand gestern da- vom Bau er'sch en Gesangverein" zum Besten der beiden hiesigen Schwesternhäuser veranstaltete Wohlthatigkeit» Concett unter Mitwirkung derLiedertafel" Marburg, deSMänner- gesangvereinS" Wetzlar, derHarmonie" Gießen und der Capelle des Infanterie-RegimentsKaiser Wilhelm" statt. Das Programm war ein überaus reichhaltiges und ver­mochte auch die verwöhntesten Ansprüche zu beliebigen. Das Concert wurde eingeleitet mit demDeutschen BundeS- lied" von L chner, welches, mit großer Präcision vorgetragen, allseitigen Anklang sand. Diesem folgten die von den oben genannten Vereinen vorgetragenen Einzel« und Gesammtchöre, letztere zum Theil mit Orchesterbegleitung. Die Vereine wett eiferten mit einander in der Ausführung des von ihnen zu Gehör Gebrachten und legten Zeugniß davon ab, daß der Gesang bei ihnen eine Pflegstätte gefunden habe. Von den Einzelchören gefielen uns besondersSchwedisches HochzeitS- lied" von Södermann,LützowS Jagd" von Weber,Blüm leinS Tod" von Neßler undMaienzeit" von Rietz. Die Palme des Abends aber errang unstreitig derBauer sche Gesangverein" mit seinemWiegenlied" von Schubert, welches, ganz in pp. gehalten, das Können deS Vereins, unter der trefflichen Leitung seines Dirigenten Herrn Görlach, in bestem Lichte zeigte. Den musikalischen Theil deS Programms hatte die hiesige Regimentsmusik, unter der persönlichen Leitung ihres Dirigenten Herrn Musikdirector Krauße, übernommen. Besonders hervorgehoben zu werden verdienenErstes Concert" von Beriot, welches, von Herrn Langenhagen mit gewohnter Meisterschaft zu Gehör gebracht, wohlverdienten Be'sall erntete, sowie das Finale auS der OperAida" von Verdi. Leider entsprach der pccuniäre Erfolg nicht den gehegten Erwartungen, da daS prächtige Frühlingswetter, welches Biele ins Freie hinausgelockt, denselben wesentlich beeinträchtigte. -1.

** Trotz des in die freie Natur lockenden herrlichen Frühlingswetters hatte sich zu der gestrigen tienetal- Versammlung des nationalliberalen Verein- eine stattliche Anzahl hiesiger Mitglieder und Parteigenossen auS allen Theilen des Wahlkreises im Lenz'schen Felsenkeller eingefnnben. Die Versammlung galt der Besprechung und Stellungnahme zu einzelnen brennenden TageSfragen, insbesondere zu der Militär­vorlage. Mit Genugthuung kann festgeftellt werden, daß in allen zur DiScussion gebrachten Fragen nach zum Theil recht lebhaften Debatten volle Ueberelnftimmung erzielt wurde. Zur Militärvorlage nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an:Wir sind für die von der Regierung für unerläßlich gehaltenen Maßregeln, fordern aber unserer- seits eine gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit, sowie eine Reform deS Militärstrafgesetzes und der Militär- strafproceßordnung und eine Verminderung der Kosten der Militärverwaltung."

* * DaS Kaiser Panorama, Bahnhofstraße 23, welches schon den Schluß angekündigt hotte, sieht sich infolge deS zahlreichen Besuchs veranlaßt, den Aufenthalt dahier noch vier Wochen zu verlängern, eS kommen noch vier der schönsten Serien zur Ausstellung. Die SerieFeldzug" bleibt noch bis Mittwoch Abend stehen. Auch ist es Herrn Schmidt gelungen, das Colossal-GemäldeD er Strike der Arbeiter" von Pros. W. LuSkina, welches derselbe für einige Städte engagirt hatte, hier noch zur Ausstellung zu bringen in den Hinteren Räumen des Panoramas, von Donnerstag den 16. März ab. Dieses Colossal-Gemälde war in Prag auf der Landesaus­stellung und in W en im Oesterrcichischen Kunstverein gegen einen Gulden Entree ausgestellt und wurde täglich unter großem Andrange besichtigt, da eS wegen feiner Größe und herrlichen Darstellung allgemeines Aufsehen erregte und die gejammte Presse spaltenlange Artikel darüber brachte. Auch in den größeren Städten Deutschlands, Berlin, Cassel u. f. w. erfreute sich daS Gemälde einer großen Anerkennung, sowie starken Besuches. Dasselbe geht von hieraus noch Chicago, wo eS während der Ausstellung gezeigt wird. Herr Schmidt hat daS Entree, trotzdem dieses Unternehmen mit großen Unkosten verknüpft ist, gegen andere Städte bedeutend niedriger gestellt, damit auch Unbemittelten das Colossal-Gemälde zu­gänglich wird. (S. Inserat.)

Verhaftet wurde heute Morgen ein hiesiger Bankier wegen vielfacher ihm zur Last gelegten Betrügereien.

Nebenbahn Hungen Laubach. Ein bei der Zweiten Kammer eingelaufener Antrag der Abgeordneten Erk und Sturmfels lautet: Hohe Kammer wolle Großherzogliche