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Drr ♦tetexer A«,ei,er erscheint täglich, eü Lußnahmc be8 Montag«.
Die Gießener Axmikiexß kälter »erden dem Anzeiger .,»ch«ntllch dreimal dngelegt.
Gießener Anzeiger
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Zlmts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den falgevden Lag erscheinend« Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.
Hratisöeitage: Hießener Aamikienökätter.
Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
betreffend die Maul- und Klauenseuche.
Zu Nieder-Mockstadt (Kreis Büdingen) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Gießen, den 11. März 1893.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.___________________
Bekanntmachung,
betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des GroßherzogthumS, hier: seitens des Vereins für Vogel- und Geflügelzucht in Darmstadt.
Der Verein für Vogel« und Geflügelzucht zu Darmstadt beabsichtigt, mit der vom 8. bis 10. April d. IS. daselbst ftattftndenden Ausstellung von Nutz- und Ziergeflügel eine Verloosung von lebendem Geflügel und Vögeln, sowie Ge- räthen und Einrichtungen zur Geflügel« und Vogelzucht zu verbinden.
Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz bat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver« loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 10 000 Loose zu 30 Pfg. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 % des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.
Der Vertrieb der Loose im Großherzogthum ist gestattet. Gießen, den 11. März 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Außerordentliche Hauptversammlung des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen.
Auf Antrag von 72 Vereinsmitgliedern beehre ich mich, die Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen zu einer außerordentlichen Hauptversammlung auf
Mittwoch den 22. d. M., Vormittags 10 Uhr
in „Steins Garten" in Gießen hiermit ergebenst einzuladen.
Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die Frage:
„Welche Stellung nimmt der Verein zu den Beschlüssen der Vereinigung deutscher Laudwirthe, welche sich am 18. Februar d. I. in Berlin constituirt hat?"
Laubach, am 9. März 1893.
Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen.
Friedrich, Graf zu Solms-Laubach.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. März. Mit einem nach allen Seiten hin verneinenden Resultate ist am Freitag die erstmalige, bereits am 10. Januar begonnene Berathung der Militär-Vorlage durch die betreffende Reichstagscommission zum Ab« schlusse gelangt. Zunächst wurde § 2 (.Zahl der Cadres) in allen seinen Theilen abgelehnt- der Absatz 1 des § 1 (Feststellung der Friedenspräsenzstärke auf 492,000 Mann im Jahresdurchschnitt ohne die Unteroffiziere bis 31. Mai 1899) fiel dann gleichfalls. Die einzelnen ablehnenden Beschlüsse wurden jedesmal mit bedeutender Mehrheit gefaßt. Weiter lehnte die Commission auch den Antrag des Abgeordneten Richter, es solle die Friedenspräsenzstärke auf 486,000 Mann unter gesetzlicher Festlegung der zweijährigen aciiven Dienstzeit vom 1. October 1893 bis 31. März 1895 normirt worden, ab. Durch diese Abstimmungen sind die Paragraphen 3 und 4 der Vorlage gegenstandslos geworden. Zur Vornahme der zweiten Lesung will die Commission am 16. März wieder zusammentreten. — Dieses vollständig negative Ergebniß der ersten Commissionslesung stand bei dem Wirrwarr der Meinungen in der Commission und bei der eigentümlichen Haltung der Regierung zu erwarten- ob nun wenigstens die zweite Lesung ein besseres Resultat liefern wird, muß noch sehr dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist es klar geworden, daß erst die Plenarverhandlungen des Reichs- tages eine wirkliche Entscheidung in der Militärfrage bringen werden, und ihr kann man vorläufig nicht mit allzu großen
Hoffnungen entgegensetzen. Dennoch bietet die in der Freitag«- sitzung abgegebene Erklärung des Reichskanzlers, daß die Reichsregierung zwar unter allen Umständen an der Erhöhung der Friedenspräsenzstärke festhalte, daß sie aber sonst zu möglichstem Entgegenkommen bereit, auch jetzt noch die Aussicht auf eine schließliche Verständigung in der Militär- srage dar.
— Die Reichstags-Commission zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die Bekämpfung der Unsittlichkeit (lex Heinze), beendete am Freitag die zweite Lesung des Entwurfes.
Berlin, 11. März. Feldmarschall Graf Blumenthal befindet sich verhältnißmäßig besser, die letzte Nacht war ruhig.
Berlin, 11. März. Heber die gestrige Abstimmung in der Militär-Commission hielt der Reichskanzler unmittelbar nach der Sitzung dem Kaiser Vortrag.
Berlin, 11. März. Die „Post" meldet aus Regierungs- kreisen, über den Ausgang der ersten Lesung der Militär- Commission sei man um so weniger überrascht, als man einem Angebot, welches von der Heeresverwaltung als accep- tabel bezeichnet werde, entgegensehe, andernfalls aber die Auflösung des Reichstages mit Kaltblütigkeit erwarte.
Berlin, 11. März. Heute fand eine Sitzung des Staatsministeriums unter dem Vorsitze des Grafen Eulenburg statt. Caprivi und der Kriegsminister wohnten derselben bei.
Mannheim, 11. März. Im Oberlande werden zahlreiche patriotische Vereine gebildet, um Stimmung sür die Militärvorlage zu machen.
Saarlouis, 11. März. Aus Bildstock ist eine Ein- gäbe an den Reichstag abgegangen, worin um Anlegung der 2459 Abgelegten ersucht wird. Es wird dann um Einsetzung einer Untersuchungscommission, bestehend aus dem Oberbvgrath Welsen, dem Landrath von Saarbrücken und den abgelegten Bergleuten Schillo und Thome gebeten.
Eutin, 10. März. Der ehemalige Präsident des Fürsten- thums Lübeck, Reichstagsabgeordneter Geheimerath Lenz ist gestorben.
Feuilleton.
Geschichtsbilder aus dem Vogelsberg.
Von Dr. C. L. Otto.
(1. Fortsetzung.)
Nicht alle Streitigkeiten unter den Bewohnern wurden mit den Waffen in der Hand ausgeglichen, manche auch wurden vor die Richter gebracht. Das waren die Angesehensten des Stammes, die Aeltesten, Stärksten, Erfahrensten. Unter freiem Himmel, aus Hügeln und Bergen, oft mitten im Walde, wurde Gericht gehalten, nicht bald da, bald dort, sondern an ganz bestimmter Stelle, die mit einer kreisförmigen Umwallung von Steinen und Erde umgeben und Jedermann bekannt war. Innerhalb des Walles waren die Richter, die Kläger, Beklagten und Zeugen, und im weiten Umkreis das versammelte Volk. Von Urzeiten her hatten sich ganz bestimmte Rechtsbegriffe entwickelt und fest gestaltet. Die'Rechtsprechung wurde bei gemeinsamer Berathung gefunden. Ein geschriebenes Recht gab es nicht, denn noch hatten unsere Vorfahren keine Zeichenschrift. Erst viele, viele Jahrhunderte später konnten die alten Rechtsüberlieferungen gesammelt und in geschriebenen Rechtsbüchern der Nachwelt vermittelt werden. Oft entschied bei Streitigkeiten der Zweikampf. Mit Nuten des heiligen Haselstrauches oder der Weide wurde der Kampfplatz umsteckt und diese durch heilige Bänder und Fäden verbunden. Innerhalb dieses Hages waren die Kämpfer, außerhalb das zuschauende Volk. Aber auch bei Gerichtsverhandlungen wurde ein solcher Hag errichtet, es wurde „Ding gehegt" und wurde der Beklagte für schuldig befunden, so folgte sofort die Strafe, die noch viel grau- samer ausfiel, als etwa später im Mittelalter. Die Schuld wurde gesühnt durch den Verlust eines Körpergliedes oder durch qualvollen Tod.
Diese Gerichtsstätten waren aber ebenfalls der Götterverehrung gewidmete Plätze und in beiden Beziehungen als geheiligte Friedensstätten betrachtet. Durch ihre Lage im Walde auf einer meist schroff abfallenden Höhe waren sie aber zugleich auch besonders geeignet, in Zeiten der Kriegsdrangsal die Flüchtigen aufzunehmen und für längere oder kürzere Zeit schützend zu verbergen.
Hierher flohen, wenn die Kriegsnoth sich nahte, die Bewohner aus weitem Umkreis, die Herden wurden hierher
getrieben, der Hausrath und die Nahrungsmittel geborgen, Hütten wurden aufgeschlagen und so mitten im Walde die gefahrdrohende Zeit in Verborgenheit abgewartet. Wagte aber der Feind einen Angriff, so wurde der Ringwall besetzt nicht von den waffenfähigen Männern allein, auch die Weiber und Kinder nahmen an dem Kampfe Antheil, bis die Angreifer zurückgeschlagen und vertrieben waren.
Ein solcher Platz, der manchen Kampf gesehen haben mag, war der Altenburgskopf bei Schotten, wo auch jetzt noch zeitweise das Volk sich versammelt, nicht aber zu Kampf oder Rechtsprechung, sondern zu Gläserklang und Tanz.
Nicht der malerischen Schönheit des Felsabsturzes auf der einen Seite des Hügels wegen war er zur Zufluchtsstätte gewählt worden, sondern weil der Platz durch die wilden Felsen von dieser Seite unersteiglich war- die Ver- theidiger konnten sich hinter dem Walle auf den anderen Seiten geschlossen dem anstürmenden Feinde entgegenstellen und ihn zurückschlagen.
Auch unfern des Waldes, wo sich Hruodino,' der Sohn des Hruodo, niedergelaffen hatte (an dieser Stelle liegt jetzt Rüdingshain), war ein ähnlicher Ringwall- im Mittelalter soll hier eine Raubburg gestanden haben, obgleich nicht recht ersichtlich ist, was in dieser abgelegenen wilden Gegend geraubt werden konnte. Jetzt wird der mit Wald bedeckte Hügel der Horst genannt.
Eine weitere Zufluchtsstätte in unserer Gegend war der Ringwall zwischen Eschenrod und Busenborn, der jetzt noch Wildhauskippel genannt wird. Jetzt ist der ganze Hügel, der einen weiten Blick in die Umgegend gewährt, Viehtrift und nur der stellenweise doppelte Ringwall aus mächtigen Basaltsteincn ist mit dichtem Gestrüpp bedeckt. Früher war das ohne Zweifel anders. Auch hier war der dichte Urwald der sicherste Schutz für die Geflohenen und Verborgenen. Daß aber der Steinwall selbst noch dadurch verstärkt wurde, daß man durch dichtes, ineinander verflochtenes Gestrüpp den Zugang erschwerte ober geradezu unmöglich machte, ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen und so das wilde Dornbuschwerk, das wir jetzt auf dem Steinwall finden, nur ein zahmer Nachkomme jenes Gebäcks der alten Zeit.
Und noch eine vierte Zufluchtsstätte bei drohender Gefahr war tiefer im Gebirge, nahe dem Hain des Hercho, mitten im unzugänglichen Hochwald, und noch besonders durch wilde Basaltfelsen ringsum geschätzt. Nur Wenigen war der
Zugang bekannt, und auch jetzt noch ist der Weg zur Burg bei Herchenhain nur von Wenigen aufzufindcn. Dahin flüchteten sich in den Zeiten der Kriegsdrangsal und Gefahr die Nachbaren des Hercho, des Lanzo, des Hartmann u. a. m. mit ihrem Hausgesinde, Vieh und den geringen Schätzen, die ihre Wohnungen bargen, bis die Gefahr vorüber war.
Noch eine andere Stelle in Schottens Umgebung verdient Erwähnung und Erklärung. Es ist die Ameisenweide, die sich als unbebaute Trift am Bergabhang aufwärts bis zum Walde zieht. Diese und ähnliche andere Stellen unseres näheren Gebietes und des Vogelsbergs überhaupt waren auch in ältester Zeit nicht von Wald bedeckt; Gras und Kräuter zwischen den großen Steinen und Felsblöcken boten schon damals dem Vieh geeignete Weideplätze. Im Sommer und Herbst aber überzogen sich diese Stellen mit einem prachtvollen rothen Teppich, wenn die Haide in Blüthe trat. Tausende von wilden Bienen, die in hohlen Bäumen der umliegenden Wälder hausten, flogen hierher, um ihre Winter- vorräthe einzuheimsen. Und als der Mensch gelernt hatte, wilde Schwärme in Strohkörbe oder in künstlich ausgebohrte Stammstücke zu fassen und bei seiner Hütte aufzustellen, hatten auch diese Bienen eine reiche Weide in den ausgedehnten Haideflächen. Die weiter entfernt Wohnenden aber brachten in der Blüthezeit der Haide ihre Bienenkörbe hierher, wie noch jetzt in der Lüneburger Haide und an anderen Orten üblich ist. War doch der Honig unentbehrlich für die Darstellung des damals einzig üblichen Volksgetränks, des Meths. Aber dieser Gebrauch mehrte sich noch mit der Einführung des Christenthums, nicht etwa weil mehr Meth getrunken worden wäre, sondern weil das Wachs für den christlichen Cultus eine immer mehr wachsende Bedeutung bei der Darstellung der Kerzen gewann. So mag wohl durch viele Jahrhunderte diese B'enen- oder Jmrnenweide eine wichtige Rolle gespielt haben, bis sie mit Einführung der Reformation und der Vereinfachung und Vernüchterung des Cultus mehr und mehr an Bedeutung verlor. Ja die Erinnerung an jene ferne Zeit schwand derart, daß das Verständniß für Bienenoder Jmrnenweide, beim Volk Jmmisseweide, sich ganz verlor und ein Ueberkluger am grünen Tisch für die Ge- meindeflurkarte aus der Jmmiffeweide eine Am eisenw e ide machte. Dieser dumme Name hat sich erhalten bis auf den heutigen Tag. (Fortsetzung folgt.)


