Mbhalten. Eine Reihe wiffenschastlicher Vorträge ist hierfür schon zugesagt. Durch die satzung-gemäß au ßerhal b Gietzen zu haltenden Hauptversammlungen soll bezweckt werden, dag die auswärtigen Mitglieder auch Gelegenheit haben, an denselben theilzunehmen, dann aber auch, daß Nichrmitglieder die Bestrebungen der Gesellschaft kennen zu lernen Gelegenheit haben. ES ist zu wünschen und zu hoffen, daß die Br- iheiligunq, wie sonst immer, auch in Friedberg eine recht starke wird.
•* TaS Zugeadfeff sinder am Donnerstag den 10. August statt.
•• Theater. DaS Hoftheater-Ensemble unter Leitung der Herren Friedrich und Dorn eröffnet an diesem Freitag im Easö Leib eine Reihe von Gastspielen. Heber daS Eröffnungsspiel: „Großstadtluft" berichtet der „Anzeiger in Wetzlar, wo daS Ensemble gegenwärtig gastin, u. A. wie folgt: „Wieder ein Schuß inS Schwarze, wieder ein voller Erfolg? lieber unseren Gästen waltet anscheinend ein guter Stern: zwei auSoerkauste Häuser in einer Woche ist hier ein Ereigniß. Schnell haben sich die Darsteller die Gunst deS Publikums erworben, sie haben im ernsten wie im heiteren Spiele den Befähigungsnachweis geliefert, der unS vertrauens- voll auf ihre weiteren Darbietungen blicken läßt. Unter den ephemeren Erzeugniffen der Lustspiellitteratur in der verflossenen Saison gebührt der „Großstadtluft" unstreitig der erste Platz. Der blutige Oskar, der kritische Witzbold von ehemals, Herr Dr. Blumenthal, ist ei» liebenswürdiger Autor, der die Kalauer — pardon: bonmots nur so auS dem Aermel schüttelt und Herr Kadelburg, sein dichterischer Curnpan, ist ein Schauspieler par excellence, der die theatralischen Effecte zu seinem Specialstudium gemacht zu haben scheint. — „Die Großstadtluft" — trägt deutlich als Kind dieser Dichterehe die Züge seiner Eltern, den lachenden Mund hat es von Papa Oskar, das Falkenauge für starke Wirkungen von Mama Kadelburg. Unsere Darsteller brachten der Novität nicht nur Fleiß und Luft entgegen, sie besitzen auch, waS viel werth ist, die geeigneten Individualitäten für das Stück. Herr Martiens (Martin Schröter) war ein glaubhafter, ergötzlicher Kleinstädter, der in Maske und Spiel seiner Aufgabe voll und ganz gerecht wurde. Sein Töchterchen Sabine fand in Frl. Gerhardt eine jugendliche anmuthige Vertreterin. Die Dame sprach vorzüglich und hatte ihre Rolle sorgsam ausgearbeitet. Herr Schneider (Walter Lenz) bot eine angenehme Leistung, die verständig erfaßt wurde. Der junge, sehr begabte Schauspieler wird bei ernstem Streben gewiß die Höhen seiner Kunst erklimmen. Eine Künstlerin von hervorragender Bedeutung ist Fräulein Asta Hiller, die immer entzückt, wenn sie sich in ihrem Elemente, im Salon, bewegt. Ein Seelenmaler mit vielen Farben auf der Palete ist Herr Eisenhardt (Gempe). Durch die vorzügliche Regie und die musterhafte Darstellung des Flemming hat sich Herr Dorn sehr verdient gemacht. Es ist ein Glück für unsere Bühne, einen so noblen und gewandten Bonvivant zu besitzen. Frau LaniuS-Galster (Frau CrusiuS), Frau Martiens, Herr Friedrich (Rector Arnstedt) vervollständigten durch ihre tüchtigen Leistungen den guten Eindruck, den die Vorstellung machte. Mit einem Worte warmer Anerkennung für Herrn Lange (Dr. CrusiuS), schließen wir unseren Bericht und wünschen dem Unternehmen eine weitere gedeihliche Entwickelung.
♦ ♦ lieber daS Aufkleben der Freimarken ans Postpacket- abreffen hat daS Reichspostamt folgende, namentlich für jbie Geschäftswelt sehr wichtige Verfügung erlaffen: Bei Packet- adressen sind fortan die zur Frankirung zu verwendenden Freimarken thunlichst auf der Vorderseite dieser Adresse aus- zukleben. Der mit den Bemerkungen bedruckte Theil der Rückseite der Begleitadreffe ist zur ^Aufklebung von Werth, zeichen nur insoweit zu benutzen, als sich die Freimarken nicht aus der Vorderseite anbringen lassen.
Nieder Weisel, 11. Juli. Noch ist der Schrecken, welchen der große Brand am 18. Juni den hiesigen Einwohnern verursachte, nicht ganz geschwunden, noch bedeckt diese Brandstätte Schutt und schon wieder wurde gestern unser Dorf durch Feuerruf in nicht geringe Aufregung versetzt. Gestern Mittag gegen 1 Uhr erscholl der Ruf „Feuer", die Sturm- glockcn ertönten und mächtige Rauchwolken sah man in nördlicher Richtung des Dorfes in die Höhe steigen. Auf dem Bodcn der Wittwe Franz Freiling 3r. war, während die Familie beim MittagStische sich befand, in bis jetzt unaufgeklärter Weise Feuer auSgebrochen, daS hier durch die ausgespeicherten Hobelspähne reichliche Nahrung sand. Zum Glücke waren, da eS Mittagszeit war, saft alle Einwohner zu Hause und in vielen Hosraithen standen Fäffer mit Wasser gefüllt, welche sofort zur Brandstelle geschafft wurden. ES gelang der vereinten Anstrengung, das Feuer auf seinen Heerd zu beschränken und brannte nur der Dachstuhl der Werkstätte ab, während daS angegrenzte Wohnhaus und die Nachbarscheune gerettet werden konnten. Wären die Ortseiu- wohncr gerade aus dem Felde gewesen, oder der Brand wäre zur Nachtzeit auSgebrochen, er hätte ebenso schrecklich werden können, alS der vorige war. Hoffen wir, daß Gott unS künftighin vor ähnlichem Unglücke behütet.
Darmstadt, 9. Juli. Als vor einiger Zeit der an der kaiserlichen Universität zu Japan thätige Dr. F. Scriba einen längeren Urlaub tn seiner hessischen Heimath verbrachte, wurde ihm von dem Großherzog in Anerkennung seiner Leistungen der Character alS „Profeffor" verliehen. Diese Auszeichnung Hai in Tokio nach seiner Rückkehr zu einet Festlichkeit Anlaß gegeben, worüber die Japan Mail folgenden Bericht erstattet: Am Abend deS 13. Mai versammelten sich 145 Professoren und Studenten des „Medical College" der kaiserlichen Universität zu einem Festmahl zu Ehren deS ProsefforS Dr. Scriba, der kürzlich von seinem Lande-Herrn ausgezeichnet worden. Den Vorsitz führte Profeffor Ol'awa, Director deS „College", unterstützt von Herrn Tiust, dem
Kühern stellvertretenden Unterrichtsminister. Begeisterte Reden wurden gehalten und nach dem Festmahl zog die ganze Gesell- schast mit Dr. Scriba unter Vorantritt von Musik zu der im UniversitäkSgebäude liegenden Wohnung des Gefeierten. Unter den Gästen befand sich auch das Parlamentsmitglied Dr. Hasegawa (ein den Fremden wenig günstig gesinnter Radicaler), der sich durch seine eigentümlichen Ansichten, die er im Parlament vertritt, nicht hindern läßt, einem Ausländer wie Dr. Scriba Ehre zu erweisen.
Worms, 11. Juli. Ein hiesiges Handelshaus erhielt vorgestern einen Werth brief aus Gernsbach im Badischen, welcher eine Summe von 1224 Mk. enthalten sollte. Als derselbe aber geöffnet wurde, lagen nur 24 Mk. in demselben. Cs erfolgte sofort bei der Poftbehörde die Anzeige und stellte eS sich heraus, daß der Werthbrief vor seiner Ablieferung an den Adressaten bereits geöffnet gewesen und daß wahr- scheinlich der Betrag von 1200 Mk. dem Briefe entnommen worden war. Untersuchung ist eingeleitet, um den Thäter zu ermitteln.
Mainz, 11. Juli. Die ästhetische Commisfion beschloß, der Stadtverordnetenversammlung die Ueberlaffung eines geeigneten Platzes an das Düsseldorfer Comitü zur Errichtung eines Heine-Denkmals in Mainz zu empfehlen.
Oppenheim, 10. Juli. Sehr schnell entwickeln sich in den Weinbergen die Trauben, so daß ein früher Herbst in Aussicht steht. Reife Frühburgunder sind schon keine Seltenheit mehr, doch hat man auch jetzt reife weiße Trauben in einem Weinberg gefunden. An den gleichen Stöcken wurden die Trauben im letzten Jahr am 14. August geschnitten.
Oppenheim, 11. Juli. Bei den gestrigen Schwimm- übungen des ersten Dragoner-Regiments ertrank der in der Leibschwadron stehende Gefreite Diener. Derselbe war freiwillig eingetreten und diente im letzten Jahre. Er wird als ein braver Mann geschildert. Seine Leiche ist bis zur Stunde noch nicht aufgefunden worden.
Bingen, 10. Juli. Heute Nachmittag wurden die Leichen der am Samstag bei Heidenfahrt ertrunkenen Brüder Korn aus Heidesheim gelänbet. Den Unglücksfall selbst erklärt man sich in der Weise, daß bei dem Vorhaben der Brüder, einen Hund zu haben, der eine ins Wasser gefallen ist und der andere, bet dem Versuch, den Bruder zu retten, ebenfalls ertrunken ist.
Aus Heften, 10. Juli. Mit der von den Landständen beschlossenen Verstärkung der Landdämme im Gebiete des Rheins und seiner Nebenflüsse zum Schutze gegen Hochwassergefahren wird jetzt begonnen. Die Millionen erfordernden sehr umfangreichen Arbeiten werden auf längere Jahre verteilt. Zum Betrieb derselben hat die Regierung zunächst ein Bauamt in Mainz errichtet, zu dessen Vorsteher Wasser- bau-Assessor Weihrich, bisher in Worms, ernannt wurde.
Vermischtes.
* Kassel, 6. Juli. Wie gefährlich das achtlose Wegwerfen Don Kirschen und Kirschkernen werden kann, beweist nachstehender Fall. Ein Eisenbahnbeamter trat am gestrigen Vormittag auf eine weggeworfene Kirsche auf dem Perron des Oberstadtbahnhofes, rutschte aus und zerbrach im Falle den linken Arm.
♦ Hersfeld, 10. Juli. Eine Leistung, welche sicherlich allö Anhänger des Schwimmsports interessieren dürfte, vollbrachten am gestrigen Morgen zwei Besucher der Rehm- schen Badeanstalt, die Herren Gustav Sauer und Rob. John durch ein zweistündiges Dauerschwimmen. Es wurde nur auf der Brust geschwommen.
* Berlin, 11. Juli. Heute Mittag ging ein starkes Gewitter über Berlin nieder. Der Blitz schlug gegen 3/42 Uhr in die Redactionsräume der „Volkszeitung", Lützow- straße 105, ein, glücklicherweise ohne zu zünden. Er fuhr durch die Decke hindurch senkrecht in die Dielen unweit des Telephons. Der Redactionssecretär und ein Bote, der seiner Abfertigung harrte, waren wie geblendet vom Blitzstrahl und betäubt. Vom heftigen Schlage, der einem Kanonenschüsse glich, erschreckt, eilten die Mitglieder der Redaction, die an der Fertigstellung des ersten Blattes eifrig beschäftigt waren, herbei und untersuchten die Stellen, die der Blitz auf seinem Wege genommen. Ein brandiger Geruch erfüllte den Raum, sonst hat der Blitzschlag keine Spur hinterlassen.
* Berlin, 2.Juli. Ein Gymnasium für Mädchen. Das neue Berliner Gymnasium für Mädchen und Frauen, daS im Herbste dieses Jahres an die Stelle der seit vier Jahren mit glücklichstem Erfolge geleiteten „Realcurfe für Frauen" treten soll, hat in den Räumen der städtischen Charlottenschule ein Heim gefunden und wird Anfang October eröffnet werden. Unter den Herren, die dem Ausschuß bisher beigetreten sind, ist außer Georg von Bunsen, Friedrich Spielhagen, den Parlamentariern Dr. Barth, Baumbach, Rickert, Schrader und anderer bekannter Personen eine Reihe namhafter Berliner Universitätsdocenten zu nennen: Pros. Dr. F. Ascherson, Pros. Dr. Diels, Pros. Dr. Dilthey, Prof. Dr. Döhring, Geheimrath Pros. Dr. W. Förster, Director der Sternwarte, Geheimrath Prof. Dr. Rudolf v. Gneist, Prof. Dr. Harnack, Geheimer SanitätSrath Dr. Kristcller, Prof. Dr. Paulsen, Profeffor Dr. Pfleiderer, Pros. Dr. Schmoller, Geheimrath Prof. Dr. Settegast u. a. Auch Pros. Dr. Mommsen hat der Begründung dieses Gymnasiums für erwachsene Mädchen lebhafte Sympathie entgegengebracht. Eine veränderte Organisation des Mädchengymna- siums hält der Ausschuß bei dem nun einmal vorhandenen körperlichen Unterschiede der beiden Geschlechter, die gerade bei halberwachsenen Mädchen eine gewisse Schonung bedingt, für notwendig. Zu dem neuen Berliner Mädchengymnasium sollen daher nur erwachsene Schülerinnen zugelaffen werden. Die neue Anstalt soll nicht allein dem weiblichen Geschlecht die allseitig ersehnte Gelegenheit zu höherer allgemeiner AuS- bildung geben, sie soll auch durch die Ermöglichung einer
Gymnasial-Reifeprüfung die Vorbedingung erfüllen für die Zulassung zum Universitätsstudium und damit zu den Berufen der akademisch geschulten Lehrerin und der wiffenschaftlich gebildeten und staatlich geprüften Aerztin. Für die Lehrziele- des neuen Gymnasiums sind die amtlichen Lehrpläne und Lehraufgaben für die höheren Schulen (Berlin, Hertz 1892)* maßgebend. DaS Lehrerkollegium besteht aus Hauptlehrkräften der Sophienschule, Charlottenschule, deS Falk-Realgymnasiums u. A.
* „Ist eS schon Wahnfinu, hat es doch Methode." Einen eigentümlichen Einblick in die Seelenzustände gewisser Menschen gewährt folgendes Geschehniß. Der wieder zum Reichstagsabgeordneten gewählte Ahlwardt befand sich vor einigen Tagen in Swinemünde und trank dort wie andere gewöhnliche Sterbliche auch Kaffee. Don diesem weltgeschichtlichen Ereigniß gibt nebst interessanten Einzelheiten ein Schriftstück Kunde, welches folgendermaßen lautet: „Swinemünde, 25. Juni 1893. Herrn Oberkellner Anton Kryzanki, z. Z. Swinemünde, bescheinige ich, daß derselbe heute den Reichstags- abgeordneten Rector Ahlwardt-Berlin bedient und die Taffe desselben, aus welcher derselbe getrunken, zum Andenken an den heutigen Tag behalten hat. Rene, erster Vorsitzender des deutsch-socialen Landesverbandes von Pommern."
* Mit einer gelungenen Beweisführung wird dieser Tage ein Proceß bei einem Berliner Gericht anhängig gemacht werden. Der im Osten Berlins wohnende Gärtnerei- und Baumschulen-Besitzer K. hatte bereits im vorigen Jahre bemerkt, daß von feinen im Gartew aufgestapelten Stangenhausen viele Hunderte gestohlen waren. Er hatte auf Jemand Verdacht, aber nicht den geringsten Beweis. Nun klagte er seine Noch einem treuen Freund, der ihm folgenden guten Rath gab :• Klemmen Sie in daS Fußende jeder Stange eine Erbse, und wenn der Dieb bann die Stange benutzt, wird die Erbse aufgehen und ihr Gerank wird der beste Zeuge des Diebstahls fein. K. machte dies auch im vorigen October. In diesem Frühjahr waren wiederum mehrere hundert Stangen verschwunden und jetzt ist der Dieb entdeckt worden und zwar in einer ganz unser- mutheten Person. K. war vor acht Tagen mit einer befreundeten Familie Kaffee kochen. Da klagte ihm die Frau des befreundeten Landmannes, daß bei ihren Bohnenstangen lauter Erbsen wüchsen und was dagegen zu machen sei. K. horchte hoch auf und ließ sich die Bohnenbeete zeigen. Nun erkannte er feine Stangen. Er versprach in kurzer Zeit Hilfe und entfernte sich, sandte bald daraus den Freund, der ihm den Rath gegeben, mit noch einem Zeugen an Ort und Stelle und erhebt nun Anklage. Es wird jedenfalls ein interessanter Termin an Ort und Stelle werden.
* In Paris werden je länger je mehr Pferde geschlachtet und verspeist DaS Pfund gewiffer Fleifchstücke von befferen Pferden wird bis zu 1 Francs bezahlt, was wohl anbeutet, daß in Paris nicht nur d e ärmere Bevölkerung Pferdefleisch genießt. Während deS Jahres 1892 wurden in der französischen Metropole 21,231 Pferde, 61 Maul- thiere und 275 Esel verspeist. UebrigenS müffen unter den vielen Pferden, welche man in Paris schlachtete, eine Menge magerer oder kleiner Thiere gewesen sein, denn daS Durchschnittsgewicht erreichte nicht einmal 500 Pfund, während doch ein gutgehaltenes, bezw. gemästetes Pferd 800—1100 Pfd. wiegen kann.
* Ausstellungs-Flieger heißt der Zug, welcher auS Anlaß der Weltausstellung in Chicago täglich zwischen NewUork und Chicago verkehren soll und am 28. Mai zum ersten Mal seinem Ziele zubrauste. DaS Patent- und technische Bureau von Rich. Bayer in Berlin 8. 0. Brückenftraße 13 schreibt darüber Folgendes: Mit Eröffnung der ColumbuS- Weltausstellung in Chicago wurde ein Zug in Aussicht genommen, welcher die Strecke von 250 geographischen Meilen in längstens 19 Stunden zurücklegt. Derselbe besteht aus fünf Palast-, einem Dienst- und einem Gepäck-Wagen, ist mit allem Comfort ausgestattet und fährt mit einer Geschwindigkeit von 14 geographischen Meilen per Stunde. Sämmtliche Locomotiven, welche für diesen Zug in Dienst gestellt sind, waren bei zahlreichen Probefahrten geprüft; darunter befindet sich auch die berühmt gewordene Nr. 870, welche, einem gleich schweren Zug vorgespannt, die Strecke Rochester-Buffallo mit einer Geschwindigkeit von nahezu zwei englischen Meilen — Vi geopraphische per Minute (eine Meile in 37 Secunden) durchfuhr. Der vor einem Jahr eingeführte „Empire State Expreß" auf der New Aork Central und Hudson River Rail Road", welcher die Strecke New-Uork-Buffallo 123 geographische Meilen in neun Stunden durchfährt, galt bisher für den schnellsten Eisenbahvzug; derselbe war als eine Art Vorübung für den jetzt in Betrieb gesetzten „Exposition Flier" eingeführt.
♦ Weibliche Energie. AuS Kopenhagen schreibt man der „Frkf. Ztg." vom 8. ds.: In den hiesigen Bahnhöfen und Theatern waren in der letzten Zeit sehr viele Taschen- diebstähle vorgekommen, ohne daß eS der Polizei gelang, die Schuldigen zu entdecken. Dor einigen Tagen bemerkte eine junge Dame, die sich im Gedränge vor dem Billetschalter eines hiesigen Bahnhofes befand, daß ein neben ihr stehender Herr seine Hand in die Tasche seines Nachbars steckte und eine Brieftasche herauSziehen wollte. Ohne zu zögern, ergriff die junge Dame den Herrn beim Arm und überlieferte ihn trotz seines Widerstandes der Polizei. ES stellte sich heraus, daß er der Urheber der letzten Diebstähle war. AIS er später mit der Dame confrontirt wurde und man ihn fragte, ob er sie erkenne, antwortete er: „Ja, obgleich ich sie nur ein einziges Mal gesehen habe, werde ich sie nie vergessen!" Der Polizeidirector hat daS Fräulein brieflich in sehr schmeichelhaften Ausdrücken wegen ihres muthigen Auftretens beglückwünscht und ihr als Anerkenennung für den Dienst, den sie der Justiz erwiesen, eine sehr werth- volle Diamant-Brosche geschickt. Außerdem hat dieser Vorfall auch noch der energischen jungen Dame einen Mann verschafft. Ein hiesiger Journalist hat sich mit ibt_ oerlobt.


