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Sonntag den 12. März
Erstes Blatt
-Lr. 61
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Die WuRfntr yewKieeefitter •frtim ötm ttnjnget Wöchentlich dreimal tznHelegt.
Der
Gietzrmer A«|dfltt rtlditint täglich, ■rtt Ausnahme deS MontaqS.
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Redaction, ExpediNs» und Drudtrti:
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2lnrts- und 2lnzergeblutt für den ICrets Gietzen.
Gefunden: 1 Regenschirm, 1 Wecksäckchen, 3 einzelne Handschuhe, 1 Brille, 1 Mantelkragen, 2 Metermaße, 1 Zirkel, 1 doppeltes Schraubengewind, 1 Stück Stoff, 1 Korb, 5 Gabeln, 8 Messer und 1 Löffel.
Gießen, den 11. März 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Deutsches Reich.
Berlin, 10. März. Beim Kaiserpaare fand am Freitag anläßlich des Geburtssestes des Czaren größere Tafel statt, an welcher u. A. auch der russische Botschaftsrath Graf Murawicff, welcher den abwesenden Botschafter Grafen Schu- waloff vertritt, sowie die anderen Herren der russischen Botschaft theilnahmen.
— Im königlichen Residenzschlosse zu Berlin werden dem Vernehmen nach die ersten Vorbereitungen für die bevorstehende Romreise des Kaiserpaares getroffen.
— Der Bundesrath genehmigte in seiner Wochen- Plenarsitzung vom 9. d. Mts. den zwischen Deutschland und dem südamerikanischen Freistaate - Columbien abgeschlossenen Freundschafts-, Handels- und SchifffahrtS-Vertrag, sowie den Gesetzentwurf über den Schutz der Waarenbezetchnungen.
— Der greise Feldmarschall Graf Blumenthal ist an den Folgen einer Lungenaffection so bedenklich erkrankt, daß schon wiederholt das Schlimmste befürchtet wurde. Auch im Lause deS Donnerstag trat im Zustande des Kranken wiederum eine hochkrilische Wendung ein, doch folgte gegen Abend eine kleine Besserung. Der Kaiser läßt, sich über das Befinden des Feldmarschalls täglich Bericht erstatten.
— Bei der internationalen Sanitäts-Con- ferenz in Dresden sind bis jetzt solgende Staaten vertreten: Deutschland, Oesterreich Ungarn, Italien, Frankreich, Rußland, England, Spanien, Belgien, Dänemark, Gtiechen- land, Montenegro, Portugal, Rumänien, die Schweiz, Serbien und Schweden-Norwegen. Den Vorsitz in der Conferenz wird voraussichtlich der preußische Gesandte Graf Dönhoff führen, die Verhandlung dürfte etwa drei Wochen dauern. Auf der Conferenz ist auch Professor Dr. Koch in seiner Eigenschaft als außerordentliches Mitglied deS kaiserlichen Gesundheitsamtes zugegen.
Anstand.
— Der seit dem 8. März vor dem Pariser Schwur- gerichtShof spielende Panama-Bestechungs-Prozeß zeitigte in der DonuerSragSsitzung eine dramatische Seene. Der Mitangeklagte ehemalige Bautenminister Baihaut bekannte sich
| Hratisbeitage: chießener Jamilienökätter
Annahme teon Anzeigen zn der Nachmitlag« für den 'atzenden Tag erlchklnenden Nummer bi« Barm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Auslände« nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- mtgfgm.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eine» Aufschlag» von Fünf vom Hundert, pro Monat Februar 1893 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen;
Hafer 16.10, Heu JL 10.—, Stroh JL 5.80.
Gießen, den 10. März 1893.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.__
Gießen, den 10. März 1893. Betreffend: Ausrüstung mit Feuerlöfchrequisiten.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die «rstzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Bei der Ende vorigen Jahres vorgenommenen Verthei- lung der für die Feuerwehren bestimmten Ausrüstungsgegenstände sind 10 Feuereimer dahier zurückgeblieben.
Dieselben muffen einer der dem Dienstbezirk des Kreisfeuerwehrinspektors Von Ei ff überwiesenen Gemeinden, welche ihre Ausrüstungsstücke im Kreisamtsgebäude zu Gießen empfangen haben, angehören. Wir fordern deshalb sämmt- liche Großh. Bürgermeistereien der hiernach in Betracht kommenden Gemeinden auf, die Anzahl der von ihnen empfangenen Feuereimer mit den ihnen zugegangenen Rechnungen (Firma Müller in Offenbach) alsbald zu vergleichen. Dem Bericht derjenigen Bürgermeistereien, in deren Gemeinde die Eimer fehlen, sowie der schleunigen Abholung derselben sehen wir entgegen.
v. Gagern.
auf Befragen des Präsidenten offen in den reuevollsten Aus- , drücken als schuldig und bedauerte schier verzweiflungsvoll sein Vergehen, die Annahme von „Panamageldern". Die Scene rief unter der zahlreichen Zuhörerschaft langanhaltende Bewegung und theilweise große Rührung hervor.
Dentscher Reichstag.
63. Sitzung. Freitag, 10. Marz 1898.
Auf der Tagesordnung: Mtlitäretat. Fortsetzung bei Capitel 18 der Justizverwaltung.
Abg. Hintze (dsr.) bespricht die Selbstmorde in der Armee und fragt an, ob die unrichtige Behandlung bei den jungen Rekruten die Veranlassung der Selbstmorde sei.
GeneraÜieutenant Spitz: Die meisten Selbstmorde würden aus Furcht vor Strafe begangen und zwar bei den Chargirten. Mißhandlungen seien nur im geringsten Maße die Ursache.
Frhr. v. Gül tlingen (Rp.) äußert Wünsche zu der Reform der Militärstrafprozeßordnung.
Abg. Hinze (dfr.) wünscht, daß den jungenLeutm bei Eintritt in die Armee der Uebergang zu dem neuen Verhältnisse durch freundliche Behandlung leichter gemacht werde.
Capitel 18 wird hierauf bewilligt.
Bei dem Capitel 19, „Höhere Truppenbesehlshaber", monirt Abg. Richter, daß bei der Geburtstagsfeier des Kaisers höhere Befehlshaber Reden zu Gunsten der Militärvorlage gehalten hätten. Die Capitel 19 bis 23 werden bewilligt.
Bei Capitel 24, „Geldverpslegung der Truppen", bringt Abg. Richter eine Reihe von Mißhandlungen vor, namentlich von Lehrern. Redner wünscht eine strenge Todtenschau in Fällen, wo Soldaten anscheinend an Mißhandlungen gestorben sind.
Kriegsminister v. Kaltenborn: In den vom Vorredner angeführten Fällen habe die Verurtheilung stattgesunden, resp. sei Untersuchung eingeleitet roorben und die zur Todtenschau vereidigten Offiziere seien zugezogen rootben.|
Abg. Hahn (cons.) will die Mißhandlungen ebenfalls streng bestraft wissen.
Aba. Bebel (Soc.) schildert die Soldatenmißhandlungen mit allen Details.
Kriegsminister v. Kaltenborn: Die Beleidigungen und Beschimpfungen, welche hier unter dem Schutze der Redefreiheit gegen die Armee geschleudert werden, lassen nicht die Absicht der Besserung erkennen, sondern die Absicht der Socialdemokraten, den Klassenhaß in die Armee zu tragen. Die Mißhandlungen ganz zu beseitigen, sei unmöglich, weil das Temperament und die Fähigkeiten beiderseits in Frage kommen. Es werde den Socialdemokraten nicht gelingen, dm festen Damm, welchen das Heer bilde, zu unterwühlen.
Nachdem noch Lieber (Ctr.) und Bebel (Soc.) gesprochen, worauf Staatssecretär v. Bötticher replicirt, spricht noch Richter (dfr.), welcher das Recht beansprucht, die Fälle von Mißhandlungen hier zur Sprache zu bringen.
Nachdem noch der Kriegsminister geantwortet, wird die Fortsetzung der Berathung auf morgen vertagt.
Neueste Nachvichte»*.
Wolffs telegraphische« Correspondmz-Bureau.
Braunschweig, 10. März. Durch einen Erlaß des Staatsministeriums ist wegen der Maul- und Klauenseuche die Einfuhr lebender Schafe aus Oesterreich-Ungarn in das Herzogthum gänzlich verboten, die Durchfuhr lebender Schafe und die Einfuhr lebender Schweine nur unter bestimmten Bedingungen und Einschränkungen gestattet.
Hamburg, 10. März. Die drei Matrosen von der „Tbekla", welche wegen Canibalismus auf See in Cvxhafen inhaftirt worden sind, wurden heute an Norwegen ausgeliefert. Sie sind mit dem heute abgegangenen Dampfer „Korgalf" nach Christiania abgegangen.
Depeschen de« Bureau „Herold".
Berlin, 10. März. Gestern Nachmittag fand in der Garnisonskirche eine Gedä ch t ni ß fe ier für Kaiser Wilhelm I. statt. Der Andrang dazu war außerordentlich stark. An den Thüren der Kirche entstand beim Hinausgehen ein fast lebensgefährliches Gedränge.
Berlin, 10. März Am 15. März tritt im Reichsjustizamt eine Commission von Sachverständigen und Jnte- tereffenten zur gutachtlichen Erörterung eines Entwurfs eines Binnenschifffahrts -Gesetzes zusammen.
Berlin, 10. März. Die Stadtverordneten Versammlung nahm die Vorlage des Magistrats betreffs Uebersührung der Pferdebahn über die Linden mit dem Vorbehalt an, daß zunächst die Genehmigung der Anlage einer eingeleisigen Bahn durch die Charlottenstraße über die Linden nachgesucht werde.
Berlin, 10. März. Heute Nachmittag fand hier ein starkes Gewitter mit heftigem Hagelschlag statt.
Berlin, 11. März. Der Reichstag geht dem Vernehmen nach am 23. März in die Osterferien und tritt Mitte April wieder zusammen.
Berlin, 11. März. Der „Vossischen Ztg." zufolge werden die Verhandlungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag mit großem Eifer und Beschleunigung geführt. Es sind dabei von beiden Theilen hervorragende
diplomatische Kräfte betheiligt und liegt es in der bestimmten Absicht, die Dinge so zu fördern, daß der Entwurf des Vertrags noch in der gegenwärtigen Tagung des Reichstages, also bald nach Ostern, die gesetzgebenden Factoren des deutschen Reiches beschäftigen kann, deren Zustimmung schon heute trotz des lebhaften Ansturmes der Agrarier als gesichert angesehen werden kann.
Berlin, 11. März. Die Börsenenquetecommission hält ihre erste Beraihung nach der Sichtung des gesammelten Materials am 11. April ab.
Breslan, 10. März. Cardinal Kopp ist heute Vormittag 10 Uhr hier eingetroffen und wurde von der katholischen Geistlichkeit und katholischen Bevölkerung mit brausendem Hoch empfangen. Graf Ballestrem begrüßte den Cardinal. Letzterer hielt eine Ansprache und dankte für den Empfang.
Karlsruhe, 10. März. Ministerialrath v. Bodmann lehnte den ihm angebotenen Posten eines badischen Gesandten in Berlin ab.
Kol«, 10. März. Der „Volkszeitung" zufolge kaufte die Gassabrik in Schied am anstatt bisher gebrauchter Gelsenkirchener Gaskohlen 67,500 Hectoliter von England. Der Preis, in deutsche Währung umgerechnet, ist Mk. 10.75 pro Tonne frei Schiff Schiedam.
Friedeberg, 10. März. Hierselbst sind die schwarzen Pocken ausgebrochen. Maßregeln zur Verhütung und Weiterverbreitung sind getroffen.
Brüsiel, 10. März. Gestern ereignete sich in der Kammersitzung ein Zwischenfall- der Bürgermeister von Brüssel, Buls, warf dem Minister des Innern vor, daß dieser alle hohen Offiziersstellen der Brüsseler Bürgergarde clericalen Parteigängern verleihe und erklärte, die liberale Brüsseler Stadtverwaltung müsse jeden Verkehr mit dem Minister abbrechen. Die clericalen Blätter verlangen die Absetzung des Bürgermeisters.
Rom, 10. März. Die gelegentlich des Besuchs des deutschen Kaiser« am italienischen Hofe stattfindende Parade wird 20000 Mann Militär umfassen und von dem General La Marzano befehligt werden.
Boston, 11. März. Eine Feuersbrunst zerstörte Abends einen großen Theil des Geschäftsviertels. Das Geschäftslocal der Singer - Nähmaschinen - Gesellschaft, sowie ein großes Hotel und andere große Geschäftshäuser sind gänzlich ausgebrannt, zlvei Leute umgekommen, viele verletzt. Eine Depesche des Bureau „Herold" besagt: Das Großfeuer nahm riesige Dimensionen an. Es breitete sich vom Bahnhofe Boston nach Albany aus, zerstörte ganze Häuserreihen, auch die Nähmaschinenfabrik von Singer. In letzterer sind zwei Arbeiterinnen verbrannt- das Vereinigte-Staaten-Hotel, wo Verwundete und Todte untergebracht waren, wurde ebenfalls bald von den Flammen ergriffen - es sind Insassen mitverbrannt. Acht Feuerwehrleute sind schwer, viele leicht verwundet. Die Zahl der Tobten beträgt bisher sechs: das Feuer wüthet fort.
Locales unb provinzielles.
Gießen, 11. März 1893.
Von der Universität. Der Prüfung für das höhere Lehramt unterzogen sich diesmal 31 Candidaten, davon haben 20 — darunter 5 bedingt — bestanden, von den übrigen waren 6 entschuldigt oder zurückgetreten, 5 haben nicht bestanden.
♦* BerschönerungSVerein. Dem in der Generalversammlung desVerschönerungs-Vereinsam28. Februar vom Vorsitzenden, Herrn Rentner Aug. Heß, erstatteten Jahresbericht für 1892 entnehmen wir das Folgende: Die Mitgliederzahl des Vereins beläuft sich auf 505, gegen das Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von 6, ein in Anbetracht des durch Wegzug ober Tod veranlaßten Ausscheidens einer Anzahl Mitglieder zufriedenstellendes Ergebniß. Der Verein glaubt aber annehmen zu können, daß die Mitgliederzahl sich bei vermehrter Anregung zum Beitritt vergrößern würde. Die im Berichtsjahre ausgeführten, der Zahl nach zwar nicht aber dem Werthe nach theilweise größeren Arbeiten sind die folgenden: 1) Die Aufstellung des Wetterhäuschens in der Südanlage- dasselbe hat einen Kostenaufwand von 651,41 Mk. verursacht. Daß das Wetterhäuschen Anklang gefunden, beweist , die Manchem eigen gewordene Gewohnheit, auf seinen Gängen um die Stadt sich über den Stand und die Aussichten des Wetters nach Möglichkeit zu unterrichten. 2) Die Herstellung eines bequemen Fußpfades nach dem Hardtweg- derselbe ist eine große Annehmlichkeit für die Besucher des Gleibergs- immerhin wird die Unterhaltung dieser Anlage nicht so ganz


