Studienreise durch Nordamerika. 6. Die Annahme von Mündelgeldern durch die Spar- und Darlehnskaffen.
-v- Grunberg, 9. November. Die Zufuhr von Getreide auf den hiesigen Fruchtmärkten war seither eine sehr schwache. Die überaus niedrige Preisstufe, welche das Getreide erreicht, ließ viele Landwirthe ihren Vorrath in der Hoffnung auf eine Besserung der Preise weiter aufheben. Diese erhoffte Besserung ist aber nicht nur nicht eingetreten, sondern die Preise find im Gegentheil noch etwas tiefer gesunken. Allein der Martini (11. d. Mts.) steht vor der Thüre und zu diesem Zeitpunkt braucht der Landwirth Geld, oft viel ®elb; denn alle Ziele, wie Ackerziele, Holzgelder u. a. m. sind um diese Zeit fällig. Die Einnahmen aus dem Viehstand, sonst die erklecklichsten im landwirthschaftlichen Betriebe, sind durch den Futternothstand bedeutend reducirt worden. Mithin muß der Landwirth, wohl oder übel, das übrige Getreide verkaufen, um die erforderlichen Baarmittel zu erhalten. Diese Eonsequenz ergab sehr deutlich der letzte hiesige Fruchtmarkt, der seit diesem Herbste am stärksten befahren. Nicht weniger als 454 Gentner Weizen und 216 Ctr. Korn ge- langten zum Verkaufe, daneben noch ca. 80 Gentner Korn unb Gerste. Die seit langem vermißte Wagenreihe der Land- wirthe aus dem Vogelsberg war endlich wieder einmal zu erblicken. Die Preise sind für den Weizen — der Gentner itn Durchschnitt für 7.50 Mk. — ganz ungewöhnlich niedrig. Allerdings ist der diesjährige Weizen auch durchgängig von schlechterer Qualität als der vorjährige. Unsere Hausfrauen, die das Mehl des diesjährigen verbacken, wiffen ein Lied davon zu singen. In den meisten Haushaltungen wird darum für den Haushalt nicht Mehl von selbstgezogenem Weizen, sondern Kausmehl verwendet. Der Hafer ist dagegen sehr hoch im Preise und übertrifft, ein seltenes Vorkommniß, denjenigen des Wetzens - er wird per Gtr. mit 8.50 Mk. bezahlt.
Oueckbor», 7. November. Von einem schweren Un« glüd wurde die Familie des Wagners G. dahier betroffen. Der Vater wollte seinem 5jährigen Töchterchen, welches bei chm in der Werkstatt auf einer dem Ofen nahestehenden Bank saß, ein Stück Brod im Hause holen, als der durch das Oeffnen der Thür entstandene Luftzug die Flamme aus dem Ofenthürchen trieb und dem Kinde die Kleider in Brand Ate. Die Flamme schlug so rasch um sich, daß in wenigen Augenblicken das Röckchen bis auf den Leibbund verkohlt, Arme, Leib, Rücken, Hände und Gesicht des Kindes über und über mit Brandwunden bedeckt waren. Dem auf das Geschrei herbeieilenden Vater lief das brennende Kind in die Arme, ihn selber in die größte Gefahr bringend. Trotz der rasch zur Stelle gerufenen ärztlichen Hilfe konnte das arme Zkind nicht mehr gerettet werden - es starb nach 12 Stunden unter den furchtbarsten Qualen. Jedermann nimmt An- theil an dem Schmerze der so schwer heimgesuchten braven tf001“’6, (Grünb. Anz.)
-r- Burg-Bracht (Kreis Büdingen), 7. November. In der verflossenen Nacht wurde der Landwirth Balthasar Krieg II. von hier, welcher gestern zu einem Prozeßtermin ans Gerecht nach Büdingen gegangen war, in der Nähe unseres Ortes tobt aufgefundcn. Der Verlebte trägt verschiedene Verletzungen am Körper. Ob es sich hier um ein Verbrechen ober einen Unglücksfall handelt, wird hohl durch werde^^ld cin0cIcilctc gerichtliche Untersuchung festgestellt
Darmstadt, 9. November. Gestern Abend halb 7 Uhr b« 'Soldat des 1. Großh. Hessischen Infanterie. (Leibgarde-)Reglments Nr. 115 in der Jnfanteriekaserne aus dem dritten Stock in den Kasernenhof. Der Unglückliche erlitt hierdurch so schwere innerliche Verletzungen, daß er nach wenigen Minuten verschied.
* K. Hanau a. M., 9. November. Gegen die Tabakfabrikatsteuer. Unter dem Vorsitz des Herrn Carl Kormann, Procurift der Firma Heinrich Oldenkott u. Eornp. hier, fand gestern Abend eine sehr zahlreich besuchte Versammlung von Handlungsgehilfen aus der Tabaks- brauche und den derselben verwandten Industrien statt, um Stellung zu der von der Reichsregierung projeetirten Tabak- fabrikatsteuer zu nehmen. Nachdem der Vorsitzende den nun- mehr vorliegenden Gesetzentwurf, die Facturen-Werthsteuer auf Tabakfabrikate, beleuchtet, die für die oben genannten Branchen daraus refuUirenben schweren Schädigungen hervor- gehoben hatte, kam er zu dem Schluß, daß letztere in logischer Folge auch sehr weitgehende für die in den genannten Branchen beschäftigten Handlungsgehilfen im Besonderen, — fecunbär aber auch für den Handlungögehilfenstand im Allgemeinen — sein müßten. Es liege klar auf der Hand und eö sei auch keinem Prinzipale zu verübeln, daß er bei einer Stift« auf Ersparnisse sinne unb bleie durch Beschränkung «eines Personals ober durch GehaltSreductlonen belhätige. Eö liege mithin aller Anlaß vor, daß auch der deutsche Handlungsgehilfenstand sich aufraffe, in Wahrung berechtigter Jntereffen bei der Volksvertretung vorstellig werde, um noch im letzten Moment einem unausbleiblichen Nokhstand vor- zubeugen. — Die Ausführungen fanden lebhafte Zustimmung der Anwesenden, ebenso der alsbald eingebrachte und sogleich ausgesuhrte Vorschlag, ein Gomit6, zusammengesetzt au« In- tereffenten dec Cigarren- und Tabakbranche, der Etiketten-, Wickelformen., Kistchen- und Tabakpapierfabrikation, zu wählen. — DaS Gomitä conftituirtc sich sofort und beschloß, unver- züglich einen Aufruf an sämmtliche Gollegen in Deutschland iu erlassen, letztere aufzufordern, zusammenzutreten und energisch gegen jenen Gesetzentwurf Front zu machen. ES ist beabsichtigt, aus diese Weise eine Petition sämmtlicher in- teressirter Handlungsgehilfen an den Reichstag ins Werk zu fetzen. — Etwaige Anfragen wolle man an die Adresse des Vorsitzenden, Herrn Carl Kormann, richten.
Ms. Kastel, 9. November. GoncurS Pfeiffer & Hartdegen. Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, hat der seit 14 Tagen flüchtige Mitinhaber der in GoncurS geratenen Bankfirma Pfeiffer & Hartdegen, Herr Anton Pfeiffer, ein Lebenszeichen gegeben- die hier in Kassel in den weitesten Kreisen gehegte Annahme, Pfeiffer habe ebenso wie sein verstorbener Gompagnon Julius Hartdegen seinem Leben freiwillig ein Ziel gesetzt, wird dadurch also endlich thatsächlich widerlegt. AuS einem Orte der österreichischen Staaten, wie die Briefmarke ausweist, vermutblich auS einem Flecken Tyrols, — Genaues laßt sich nicht b'stimmen, da der Postaufgabestempel völlig verwischt und daher unleserlich ist — ist nämlich heute bei dem Verwalter der Pfeiffer & Hartdegen'fchen Goncursmasse Herrn Rechtanwalt vr. Ernst Ar n thal ein längeres Schreiben des verschwundenen Pfeiffer eingetroffen. In bogenlangen Ausführungen verbreitet sich derselbe über die angeblichen Ursachen und näheren Umstände, welche den Zusammenbruch des Geschäftes verlchuldet haben sollen unb sucht ferner in dem Briefe jede Schuld an den thatsächlich ermittelten strafbaren Vorgängen von sich ab und dem verstorbenen Gompagnon Julius Hartdegen aufzuwälzen. Weiter giebt er über eine Reihe einzelner Vorgänge, ,'o insbesondere in Bezug auf die fehlenden Depots von Werth- papieren hiesige'. Geschäftskunden eine entschuldigende Darstellung und zum Schluffe kündet Pfeiffer — unb das ist wohl bie Hauptsache — an, er werbe schon in den nächsten Tagen hierher nach Kassel zurückkehren unb — er wirb be- kanntlich vorn Staatsanwalt wegen verschiedener Vergehen steckbrieflich verfolgt — sich der Polizeibehörde freiwillig stellen. Ob Pfeiffer mit diesem Briefe beabsichtigt, die Polizei auf falsche Fährte zu lenken, ober aber ob es sich um einen ernst gemeinten Vorsatz besselben hanbelt — bas muß füglich abgewartet werben. Pfeiffer ist durch viele Reisen in Oesterreichisch-Tyrol sehr gut orientlrt, er kennt Land und Leute ganz genau und deshalb begegnet die Mit- theilung, daß er sich daselbst befinde ober befunden habe, in weiteren Kreisen Glauben.
* Wiesbaden, 5. November. Ein reicher Villenbesitzer wurde zu acht Tagen Gefängniß verurtheilt, weil er der städtischen Wasserleitung unbefugt Wasser entnommen hatte. Die Leitung geht an seinem Besitztum vorüber durch eine kleine Nebenleitung hatte er derselben baß Wasser zu seinem Verbrauche entnommen.
* Ueber „Sachfenhäuser Lynchjustiz" schreibt der „Franks. Gen.-An." unterm 8. November: „Gestern Nachmittag hielt in der Brückenstraße ein Karren mit Wäsche. Einer von der Zunft der Langfinger schlich sich heran und wollte gerade mit einem Wäschebündel Reißaus nehmen, als der Eigenthümer dazu kam und den Dieb am Kragen packte. „Gott strof mich, was is denn da los?" fragten einige des Weges kommende, biedere Linksmainer. — „Ei, der Kanuff do, der wollt mer ewe en Binnel Wäsch ganeffe." — „A wos, des Steuweoos, wos soll mer beim met so em Hallunk mache!" — „Hag em ins Gnick," meinte ber andere, und ehe der ertappte Bösewicht sich's versah, hatten die drei Sachsenhäuser ihre Hemdärmel hoch geschürzt und verabreichten ihm eine Portion Prügel- suppe in so kräftigen Gaben, daß man das siebente Gebot in colorirter Ausführung wohl noch einige Zeit auf seinem Rücken wird lesen können. Mit diesem Denkzettel ließ man den Spitzbuben laufen.
* Ehrenbreitstein, 9. November. Der dieser Tage hier verstorbene Arzt Dr. Otto hat außer anderen bedeutenden Summen, die er für wohlthätige Zwecke bestimmte, den hiesigen Armen hunderttausend Mark vermacht.
* Stuttgart, 7. November. In Gegenwart von 6 bis 800 Personen (auch Damen) wurde heute in Nills Thier» garten der Elephant „Peter", der seit längerer Zeit an einem unheilbaren Fußübel litt, erschossen. Der Besitzer hatte zu dieser „Festlichkeit" Karten zu 3 Mark das Stück ausgegeben. Herr Nlll gab aus einem kleincalibrigen Infanterie-Gewehr aus einigen Schritten Entfernung einen Schuß gegen den Schädel des RiesenthiereS ab, das, ins Gehirn getroffen, sofort tobt zusammensank.
* Bebenhaufen, die ehemalige Gisterzienser-Abtei, wo der Kaiser, einer Einladung des Königs vom Württemberg zur Jagd folgend, eingetroffen ist, liegt eine Stunde nördlich von der Universitätsstadt Tübingen unb eine Stubbe südöstlich vom höchsten Walbberge des Schönbuchs, vom Bromberg, beim Zusammenfluß des GolderbacheS mit bem Seebach, entzückenb zwischen beiden Thälern- ihm zu Füßen, noch in die äußere Ringmauer hineingezogen, das freundliche Kloster- dorf. Der Schönbuch, meist dicht mit Wald bedeckt und durchrissen von jähen Schluchten, umfängt da« Kloster Beben- Hausen mit einer echten, von der Welt abgeschiedenen Wald- landschast. Schmale Wege führen an den vollen Bächen, die in kleinen Wasserfällen über Sandsteinbänke rauschen, empor in tiefe Stille, nur durchbrochen von den Stimmen der Waldvögel. Auch auf den breiten Höhen Wald, und Wald aus der höchsten, bem Bromberg. Von einem hölzernen Gerüste hat man hier einen Runbblick über ba« Wipfelmeer hin bis an fern blauenbe Länder und Berge, gegen Abend an den Schwarzwald, gegen Norden an den Stromberg und den Odenwald, nach Nordosten an da« Waldberggewirr des SchurwaldeS, am schönsten aber gegen Süden an die ziemlich nahe, in ihrer ganzen Ausdehnung sichtbare Felsenmauer der schwäbischen Alb. Kommt man südlich von Bebenhausen auf die Höhe, so hat man wieder den Anblick der Albkette des Neckarthales und der Stadt Tübingen mit dem alten, großen Pfalzgrafenschloß. Bon der sonnigen Haide schaut man entzückt in die Weiten der Wett und denkt kaum mehr zurück an bad im waldigen Goldersbachthal versteckte Kloster. DaS Kloster ist eine Stiftung deö Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen.
* Aus den Krupp'scheu Werke» war der „Köln. VolkSztg." zufolge seit 1877 nicht ein so arger Arbeitsmangel wie jetzt, . fast tn sämmtlichen Werken finden Arbeiterkündigungen | statt, in den Bessemer Wecken ist nur noch ein Kupolofen ' im Betrieb, in den Puddelwerken ruhte der Betrieb in der
1 Borwoche drei Tage. Die großen Schmiedepressen find feit vierzehn Tagen außer Schrieb, in den mechanischen un Kanonen - Werkstätten ist der Betrieb ebenfalls beschränk nur in den Großdrehereten wird flott gearbeitet.
* Paris, 8. November. Der flüchtige Bankier Adaeord neter Reynaud ist wegen DertrauenSbrucheS und betrüce rilkhen Bankerotts zu zehn Jahren Gefängniß Dtr urtheilt. Die Passiven betragen 10 Millionen.
* Rom, 8. November. AuS Cassino wird gemtlba datz in Folge starker Regengüsse die Flüsse ausgetreten feien und da« Land völlig überschwemmt wäre. @rost' Schaden sei angerichtet worden, einige Todesfälle seien iL beHagen. Die Truppen haben da« RettungSwerk mit 8roiL Selbstverleugnung anSgeführt. Die Eifenbahnbrücke zwifL^ Eafsino unb Rocca d Evandro brach in dem Augenblicks , fammen, als ein Güterzug, welcher aus zwei Maschine, vier Viehwagen zusammengesetzt war und von Gcprano V* dieselbe passirte. Der ganze Zug stürzte die Schlucht Man glaubt, daß die beiden Maschinisten und zwei aattr't Personen hierbei um« Leben gekommen seien. Von Arve ist ein Hilfszug nach der UnglückSstatte abgegangen.
* Das große Loo« der preußischen Klaffenlottcrie, roe'.ta nach Neissc gefallen ist, vcrtheilt sich wie folgt: Ix Viertel des Haupttreffer« spielten ein Z'egeleibesitzer d.^ vor den Thoren der Stadt Neisse, drei Kauflleute in 9Zeuhi* O--S., zwei alleinstehende Damen und eine verwitwete Geheimräthin mit einer verwandten OsfizierSwinwe, letz: en alle in Neisse. Jahrelang hat der Getrelbekausmann N e bem Loose participirt - da er aber lange Jahre binbci* nichts gewann, hatte er dasselbe im vorigen Jahre aufgegüa Gin kleiner Antheil de« Loose- ist auch von einem Lehrl-M eine« Geschäfts gespielt worden.
♦ Berliner Grnnewaldswihe. Zum Beginn der letzte, ■ Hubertusjagd im Grünewald, an der auch der au« de» hannöverschen Spielerprocesse bekannt geworbene Herr Geor; von Schierstäbt thcilnahm, konnte man wieder einmal dn echten Berliner Humor hören, der so gern an die Greigntw des Tage« anknllpft. Da konnte man Redensarten wie folgende hören: „Der Braunschweiger Loose-Sachverftäodiqe-, „Wer hat bet Roulette mit’n Pappbeckel unb steife Kugel de! üch?" //Immer ran meine Herrschaften an'n Kla-er/a« „Oller Jeuonkel von de Reitschule", „Entschuldigen - Herr Wachtmeister, seute jetzt et bei mir uf’n ©tnrf, „Uni kann Ferner meyerincken", „Det Kind ist unschuldig, rr? Abter" re. Von diesen Redensarten muß bem Kaiser beim Vorbeireiten etwas zu Ohren gekommen fein, denn unter anderem bemerkte er zu einigen Herren vom rochen Feldr welche ihm zunächst ritten: „Sehen Sie, meine Herten, v- Meyerlncks Name schallt einem schon au« bem Grünewald , entgegen." Ist das Wort vielleicht auch nicht wahr, io r es doch — zeitgemäß erfunden!
• Eine interessante Probemobilmachuog der MannschLsie. des Beurlaubtenstandes im Kreise Schleusingen bat bat Bezirkscommando in Erfurt am vorvorigen Sonn'a, durch Radfahrer vornehmen lassen. Mittag« 12 Uhr 50 MW ’ traf eine Militärperfon mit gegen 1500 Gesttllungsbeschler welche für die in 51 Ortschaften de« Kreises Lchleusinorr wohnhaften Mannschaften deS Beurlaubtenstandes beflimmt waren, auf dem Bahnhofe zu Suhl ein. Dort bichrn 15 Mitglieder der Suhler Rabfahrervereinigung unb nahmen die Ordres in Empfang. Nach etwa 5 Minuten fahren bie Stahlroßreiter nach den Hauptpunkten beS Streife«, Lchwar^, Schmiedefeld, Schleusingen, Goldlauter und Suhler-Reuendors. Von diesen Hauptpunkten au« wurden die Gestrllungsbesedlr ’• durch Fußboten den einzelnen Ortschaften zugetragen und tm , Laufe des Nachmittags den betreffenden Mannschaften au^r händigt. Diese hatten sich auf Grund der Befehle an htn bestimmten Plätzen einzufinden. Wenn man nun anntmm?, daß um 10 Uhr 26 Minuten Vormittags die Besehtt ton Erfurt nach Suhl abgingen, daß z. B. einer der Radfahrer 15 km bis Schleusingen unb von dort au« der Bote 18 km im Umkreise zurückzulegen hatte, und wenn schließlich seststeht, baß bie Eontrollversammlungen von den beorderten Mann« schasten pünktlich besucht wurden, so ist diese Prodemobilmachuag, welche bei strömendem Regen ausgeführt wurde, als wohlgelungen zu bezeichnen.
* Ein Preisausschreiben für einen — Echweinestall erläfet die Deutsche Landwirthschast« Gesellschaft In Beilin. De Preise betragen 400, 300 und 200 Mark.
* Zwölf Kleider hat die Stadt Lyon ber Kaiserin von Rußlanb auS Anlaß des Flottenbesuchs zum Geschenk gemacht, und zwar: 1. ein Kleid auS gerissenem Sammn, im Style Heinrichs II., dessen kno-pengrüner Grund mit schwarzen Federn bedeckt ist- 2. ein Kleid aus himmelblau« AtlaS, da« mit lilafarbenen Blüthenzweigen und dem bäte gehörigen Blattwerk bestickt ist- 3. cm Kleid aus heliotror farbenem Sammet- 4. em Kleid au« himmelblauem Pioir-'. das mit geknickten Rosen besäet ist- 5. ein Kleid au« rod» farbenem, fafonnirtem Sammet auf malvenfarbenem Griott. 6. ein Kleid aufl elfenbeinfarbener Seide - 7. ein SM eil N wahrhaft bewundemswerthem AtlaS von „Sonnet»«' gang«" - Farben- 8. ein Kleid au« schneeweißem itia: 9. ein Kleid au« Brokat, dessen „morgenröthefarbener" r^renl mit Mimosen und Anemonenzweigen bestreut ist- 10. m Kleid aufl demselben Stoffe mit Feldblumen - 11. ein flieil aus prachtvoller, fammetartiger, „morgenröthefarbener^ Seide, das mit goldenen Sternen durchsteppt ist, unb endlich 12. ein Kleid aufl schillerndem Seidenstoffe von der herrlichsten Arbeit, die man sich überhaupt denken kann.
* Witte», 6. November. Zwei Burschen im Alter von etwa 20 Jahren gingen Abends auf dem Wege von Bommern nach Witten über die Ruhrbrücke, ohne da« Brückengeld zu zahlen, an dem Wärterhäuflchen vorüber. Der dienst- thuende Brückenwärter Rockholtz, ein 50jähriger Mann, bemerkte die Burschen und rief sie an. Siner derselben lief auf dafl Häuschen zu unb gab zwei Revolverfchüffe auf bei nichtsahnenden Brückenwärter ab. Beide Geschosse drangen dem Beamten in de» Unterleib und verletzten ihn tödtlich-
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