Havdelsoerträae. Eine Ruhepause ist nölhig, damit wir uns der Ausgabe der Rcllung d-S Mutttflande« roibmtn können. (Beifall.) Reichskanzler Gras l^aprivt: Mit meiner gestrigen Erklärung bitte sich der Herr Vorredner wohl zufrieden geben können. Ich bin mit ihm darin einverstanden, daß die Reichsschuld nicht weiter zu erhöhen, sondern vielmehr »u amorttsiren ist, ebenso daß die Matri- catarbeiiräge nicht lauernb erhöht werden dürfen. Im Uebrlgen möae man das Vertrauen hegen, baß die verbündeten Regierungen bezüglich der Deckungsfrage dir Vorlage nach den gestern dargelegten Grundsätzen zu einer gedethltcben Entwickelung führen werden.
Sdg. Richter (bfr): Wir nehmen der Militärvorlage gegenüber dieselbe ablehnende Haltung ein wie in der vorigen Session. Auch die Rede o. Bennigsen- vermochte urzs keines Besiern zu belehren. o. Bennigsen hielt uns unsere Niederlage vor. Wo wärm denn die Nationalliberalen geblieben, wenn sie auf eigene Kraft angewiesen gewesen wären! Wir geben unS nicht verloren. Rur wer sich selbst verliert, ist verloren. Wenn ble Regterungsftattsttk über nie Wahlen herauikäme, würde man sehen, daß die Wahlen ein BlebiScit argen die Militärvorlage waren. Von eir'em unverfälschten Ausdruck oe» VolkswillmS in dem Wahlresultate kann keine Rede sein; der ganze Regirrungsapparat hat gewirkt, schllmmer wie unter dem Fürsten Bismarck. Und waS ist das Ergebniß? Daß Herr Böckel das Zünglein der Waage In der Hand hält Wenn Herr Böckel jetzt dre Situation auSnutzt, so kann man eS ihm nicht ver- oenfen; die Gelegenheit kommt so nicht wieder, denn wenn es einmal zur Abstimmung über die Steuern kommt, dann gibt das Centrum "en AuSschlag. Es ist unverständlich, rote man sich auf die letzten Pariser Vorgänge zur Verstärkung der Gründe für die Mililäroorlage beziehen kann. Muß denn Deutschland, rote Espenlaub zittern, wenn sich irgendwo ein Lüstchen regt. Warum schweigt man über die Rede KalnokyS über die politische Lager' Wir baden die zweijährige Dienstzeit gesordert als eine Erleichterung der Bevölkerung, hier wird sie uns in einer Gestalt geboten, die eine schwere Mehrbelastung mit sich bringt. Die DeckungSsrage hätte gleich erledigt werden müssen. Da» Programm drS Reichskanzlers war mehr ein negative», nur eine Erhöhung der Börsensteuer ist sicher. Dagegen ließe sich nicht» sagen, wenn die Bankiers die Börsensteuer nicht auf da» Publikum abwälzten. Böckel sollte sich vom Reichskanzler einen Revers unterschreiben lassen, wonach an ein Rohspiritusmonopol "icht gedacht werde. Das sranzösische CadreSgesetz ist lediglich der Schlußstein einer schon lange Angeführten Organisation. In Frankreich treten in mtlitärischen Dingen nicht so schroffe Gegensätze hervor al« bei unS, weil dort das parlamentarische Regime herrscht, weil man dort gar nicht roaat, solche Vorlagen einzubringen, ohne vorher der Zustimmung de» Parlaments sicher zu sein. Bisher war der Reichstag ein Hort gegen da» Ueberwuchern des Parlamentarisa us; unsere Parei, sei sie groß oder klein, wird an ihrer Tradition festhalten. (Beifall link».)
Abg. Dr. o. IaadzeroSki (Pole): Wir werden für die Vorlage der verbündeten Regierungen eintreten; wir tbun das in der Ueberzeugung, daß wir damit die Interessen, mH deren Vertretung wir von unseren Wählern beauftragt sind, am richtigsten vertreten. Wir hoffen, daß dem die Regierung Rechnung tragen wird. (Beifall.)
Aba. Rickert (Hf.): Militärfragen sind für mich keine Parteitagen ; sie müssen rein sachlich behandelt werden. Ich bedaure tief, daß militärische Angelegenheiten im Parteiinteresse ausgrbeutet werben konnten. Wenn ich für diese Vorlage stimme, so befinde ich mich auch keineswegs im Widerspruch mit dem Programm der freisinnigen Partei, welches die Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht fordert. Aber Zug um Zug! Wenn wir die Compensationen gewähren, muß auch die zweijährige Dienstzeit gesetzlich festgelegt werden. WaS die Deckungsfrage anlangt, so werde ich einer Börsensteuer zustimmen, durch welche der Verkehr nicht gehemmt wird und wir dem Auslande gegenüber nicht concurrenzunfähtg werden. Nothwendtg ist eine Erklärung des Reichskanzlers, daß die Deckung nicht durch Sternen »rfolgt, welche die ärmeren Leute tragen müssen. Ich halte seft an nen Grundsätzen deS Liberalismus, aber ich würde aus der liberalen Partei austreten, wenn sie mich hindern wollte, für die Sicherheit und Existenz deS Vaterlandes einzutreten. Wir hoffen, mit der Regierung zu einer Verständigung zu gelangen und damit dem Vater- tanbe zu dienen. (Beifall.)
Die Debatte wird geschloffen.
_ Persönlich weist Abg. Frhr. v. Stumm den in den Worten grober» liegenden Vorwurf zurück, daß er im spectellen Interesse der Großindustrie für die Vorlage gesprochen.
Abg. Gröber erklärt, e» sei nicht seine Absicht gewesen, einen solchen Vorwurf zu erheben.
Eingegangen eine Interpellation Bebel betr. den Empfang von Mitgliedern des aufgelösten Vereins „Fedelta" durch den Polizeipräsidenten Feichler in Straßburg i. E.
Nächste Sitzung Donnerstag den 13. Juli, .Mittags 12 Uhr. Interpellation Osann (betr. Beschränkung der Manöver infolge deS SulttmaiioilJ) und Bebel (Affaire „Fedelta"); zweite Beralhung der Mililärvorlage.
Neueste llac^ric^kn»
Wolff» telegraphische« Eorrespondenz-Bureau.
Königsberg i. Pr., 9. Juli. Heute Vormittag sand hier die 300jährige Gedenkfeier der Einweihung der könig» lichen Schloßkirche unter zahlreicher Theilnahme aller Kreise der Bevölkerung statt. Se. Majestät der Kaiser hatte alö Vertreter den Generaladjutanten Grafen v. Lehndorff entsandt. Die Spitzen der Militär«, Provinzial' und der städtischen Behörden waren vollzählig erschienen, desgleichen zahlreiche Mitglieder der Universität. Mit der Gedenkfeier war die Einweihung der neuen Orgel verbunden. Die Fest» predigt hielt Generalsuperintendent Pötz.
Wie«, 9. Juli. Heute Vormittag sand auf dem Rathhause ein von etwa 10000 Personen, darunter vielen Frauen besuchtes A r b e i t e r m e e t i n g statt, dem auch mehrere ReichSrathSabgeordnete beiwohnten. Eine Resolution zu Gunsten de» allgemeinen, gleichen und directen Wahlrechtes wurde angenommen. Gruppenweise verließen die Arbeiter unter Hochrufen auf die Internationale den Versammlungsort. Ein Zwischenfall ist nicht vorgekommen.
Pisa. 9. Juli. Heute Vormittag platzte unter den Arkaden deS erzbischöflichen Palastes eine Bombe. Eine Säule wurde zerschmettert, Personen wurden nicht verletzt.
Depeschen de» Bureau „Herold".
daris. 10. Juli. ES etreulirt hier daS Gerücht, unter den Soldaten welche die Arbeitsbörse besetzt halten, seien 12 Mann an der Cholera erkrankt.
Loudon, 10. Juli. Siu surchtbare» Gewitter ging gestern über ganz England nieder. In Seeqnek schlug der Blitz in ein Schiff, wodurch 20 Personen getödtet wurden. °
Was tft zu thun bei (besuchen um Stundung des Preises derLvaarcn.welchefeitens derNvthftands- commission geliefert worden sind?
Die Folgen der Futternoth werden sich vor allem auch in dem Mangel an Zahlungsmitteln äußern. Wenn es an Futter fehlt, fehlt e» an Sinnabmen aus der Biehbaltung. •
Andererseits vermehren sich die Ausgaben durch die erheblichen Futterankäufe ungewöhnlich.
Obwohl darauf gesehen werden muß, daß die Beträge für die empfangenen Waaren innerhalb des Kalenderquartals, in welchem der Bezug stattfand, bezahlt werden, fo ist doch Fürsorge getroffen, daß in Fällen der Bedürftigkeit der zu zahlende Betrag gestundet werden kann, und zwar bis zum 1. December 1894 unverzinslich und hiernach gegen mäßige Verzinsung.
Die Entscheidung darüber, ob ein Betrog gestundet werden soll oder nicht, steht der „NothstandScrinmission" in Darmstadt zu. Jndeffen ist eS zweckmäßig und im Interesse der Kürze des Verfahrens erwünscht, wenn Anträge auf Stundung stets bei der Sammelstelle des Wohnorts gestellt werden, und zwar gleich bei Empfang der Waaren. Es wird alsdann der Empfangsbescheinigung einfach der Antrag auf Stundung zugefügt. Die örtlichen Sammelstellen werden die hierzu erforderlichen Formulare, welche von der Nothftandscommission soeben zur Ausgabe gelangen, in Vorrath halten und bei Mehrbedarf von der Nothstandscommission anfordern.
Zu beachten ist insbesondere, daß die Gemeinde die Bürgschaft für die Erfüllung der Zahlungsverbindlichkeit übernimmt. Diese Bürgschaft wird seitens der Gemeinden am besten gleich allgemein bei Einreichung der Waarenbestellung für alle bestellenden Ortseinwohner, bezw. für den Betrag der ganzen Bestellung geleistet. Formulare hierzu werden den örtlichen Sammelstellen ebenfalls mitgetheilt und sind bei Mehrbedarf von der Nothstandscommission in Darmstadt zu beziehen.
Die Stundungsanträge sind zunächst von der örtlichen Sammelstclle darauf zu prüfen, ob die Stundung durch die Verhältnisse der Antragsteller geboten erscheint oder nicht. Es ist selbstredend nothwendig, daß der örtlichen Sammelstelle die erforderlichen Auskünfte ertheilt werden.
Die mit kurzer Begutachtung seitens der örtlichen Sammelstelle versehenen Anträge werden alsdann durch genannte Stelle der Nothstandscommission zur Entscheidung vorgelegt.
Damit die der Regierung zur Verfügung stehenden Mittel durch Creditgewährungen nicht über Gebühr in Anspruch genommen und der anderweiten Verwendung zur Linderung der Noth vorenthalten werden, sollte die Stundung nur in Fällen thatsächlicher Bedürftigkeit beantragt werden. Darmst. Ztg.
CocaU* rrirö provinzielles.
Gieße«, 10. Juli 1893.
* Der hessische Stödtetag tritt am Mittwoch den 12. Juli in Frankfurt a. M. zusammen.
* * Die Provinzialcooferenz bet evangel. Geistlichen u. s. w. Oberheffens wird, wie die „Darmst. Ztg." meldet, in diesem Jahre am 1. August in Steins Garten in Gießen abgehalten. Gegenstand der Diskussion wird sein: „Die Fürsorge der Kirche für die confirmirte Jugend" auf Grund der von Herrn Pfarrer Schlosser in Gießen gestellten Thesen.
* * Schützenfest. Der erste Tag des vom hiesigen Schützen- verein veranstalteten P r e i s sch i e ß e n s, verbunden mit Volksbelustigung, schien gestern zu Wasser werden zu sollen, denn es regnete bereits in aller Frühe und auch über Mittag fiel Regen. Jndeß klärte sich das Wetter kurz vor Beginn deS Festzugs wieder auf, so daß dieser sich voll entfalten konnte. Die Theilnahme an dem Zuge war eine große und boten in demselben besonders die Gruppen der Festreiter, Radfahrer, Bäcker, Metzger, Turner und der Feuerwehr zwischen Schützen, Sängern, Kriegern und Veteranen, fast alle mit ihren Ver- einssahnen, reiche Abwechselung. Die Festreiter erschienen mit lanzenartig getragenen Schützensahnen, die Radfahrer mit blumengeschmückten Rädern, die Feuerwehr in Uniform (wobei besonders die neue Uniform der Gießener freiwilligen Feuerwehr sich bemerkbar machte). Den Bäckern, die in weißen Blousen und Mützen mit blauen Schleifen erschienen, wurde eine Riesenbretzel vorangetragen, während die Metzger, ebenfalls zunstgemäß gekleidet, ihr Emblem in Gestalt eines lebenden ein Fähnchen tragenden Lammes mitsührten. Auf dem Festplatz entwickelte sich bald nach Ankunft des Zuges ein reges Leben, wozu neben den gebotenen leiblichen Genüssen die treffliche Musik unserer RegimentScapclle beitrug. Bei dem bis zum Eintritt der Dunkelheit anhaltenden Schießen sollen recht ansehnliche Treffer gemacht worden sein.
Kneippkur an der Wieseck. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag fühlten einige Herren, die aus der Kneipe kamen, daS Bedürfniß nach einer Kneippkur, die sie auch sofort an der Wieseck Vornahmen, wobei sie sich bis aus'S Hemd entkleideten- nur machten sie einen Fehler, daß sie ihre Wandelgänge bis auf die offene Straße auSdehnten, wodurch die Herren mit den allgemeinen AnstandS.Regeln in argen Conflict gerochen sind. Sie wurden von der Polizei an der weiteren Ausdehnung ihres romantischen Spazierganges in so vorsündfluthlicher Eoftümierung gehindert.
’• Gartenbauausstelllmgen sollen in den nächsten Monaten in folgenden Nachbarstädten staltfinden': In Frankfurt a. M., 1.—12. September, Gartenbauausstellung - in Offenbach, 16.-19. September, JubiläumS-GartenbauauSstellung &c6 ®cn'n8 für Feld- und Gartenbau zu Feier seines 25jährigen Bestehens- in Mainz, in der zweiten Hälfte des September, große allgemeine Gartenbauausstellung.
" Wallberlager mürben im Rechnungsjahre 1892—93 im Großherzogthum Hessen 39 betrieben, davon in Starkenburg 13, in Oberheffen 14 und in Rheinhessen 12. An Gewerbesteuer hotten dieselben für 42 Wochen 1260 Mk. zu entrichten.
Friedberg, 6. Juli. Unter starker Betheiligung vieler
Gaste von nah und fern fand am 4. und 5. ds». MtS. in
i unserer Stadt die 50. Jahresversammlung deS Haupt» Vereins der Gu st av-A do l f - Stif t un g im Großherzogthum Hessen statt. DoS Fest begann am 4. d. M., Abends 61/, Uhr m>t einer musikalifch-ltturgifchew Vorfeier in der festlich geschmückten Stadtkirche, welche trotz ihrer Geräumig- feit die am Gottesdienste Theilnehmenden kaum zu fassen vermochte. Die Ehöre wurden unter Leitung des Seminor- lehrers Schmidt von dem hiesigen Musikoerein, dem deshalb besonderer Donk gebührt, ouSgeführt. Namentlich der Ein- gangs-Ehor „Jauchzet dem Herrn olle Welt", sowie die Ehöre „Sei getreu bis in den Tod" und „Herr bleibe uns" machten auf alle Hörer einen gewaltigen Eindruck. An diese Feier schloß sich dann um 71/4 Uhr eine Versammlung des VerwaltungSraths und der Abgeordneten im Hotel Trapp an. Der eigentliche Festtag wurde Vormittags 6 Uhr durch Choral- musik vom Thurme der Burgkirche eröffnet. Um 91/* Uhr versammelten sich die Festtheilnehmer m der Burg zum gemeinsamen Kirchgang. Hieran beteiligten sich die Schüler und Schülerinnen der obersten Schulclassen, die Zöglinge deS Lehrerseminars, Prälat Dr. Habicht mit den Geistlichen der Stadt, die Mitglieder deS evang. Predigerseminars, die Vertreter des Centralvorstandes in Leipzig, der Derwaltungsrath deS HauptvereinS, die Abgeordneten anderer Haupt« und Zweig- Vereine, die auswärtigen Geistlichen und Lehrer, die Mitglieder des Kirchenvorstandes, der Kirchengemeinde Vertretung, der evang. Vereine der Stadt, sowie sonstige Festtheilnehmer. Prälat Di. Habicht hielt unter Zugrundelegung des 118. Psal« mes die Festpredigt, welche in sehr erbaulicher Wesse die Ziele des Vereins und die auS denselben für jeden evangelischen Christen erwachsenden Verpflichtungen in das Auge faßte. Hierauf verlas Gymnasiallehrer Trümpert auS Darmstadt den Rechenschaftsbericht. Um ll1/, Uhr fand sodann eine Versammlung in der Burgkirche statt. SS sprachen hier Hofprediger Rogge von Potsdam als Abgeordneter deS Central- Vorstandes, Pfarrer Zähringer von Weinheim, Pfarrer Battenberg von Frankfurt, sowie Abgeordnete auS der Bayerischen Pfalz, auS der Rhein-Provinz und der Provinz Hessen-Nassau. Hieran schloß sich die Ueberreichung der Festgaben. Wir er- . wähnen von diesen einen von den Candidaten deS hiesigen Predigerseminars gestifteten kunstvoll auSgestatteten Aden'" mahlskelch, Geh. Kirchenrath Dr. Diegel übergab 100 Mk, eine in Bad-Nauheim gegenwärtig zur Kur weilende Dame 50 Mk. Der Präsident deS HauptvereinS sprach den Dank des Vereins für die gespendeten Gaben aus. Um 2 Uhr fand im Hotel Trapp ein gemeinsames Mittagessen statt, wobei Tischreden auf Kaiser und Großherzog, ferner zu Ehren des Haupt-Vereins, des Fest-Predigers und der Vertreter anderer Hauptvereine gehalten wurden. Nachmittags 6l/2 Uhr fand im Steinhäußer'schen Garten die Nachfeier statt. Dekan Meyer hielt in bekannter beredter Weise eine patriotische An- spräche und hob besonders den sehr treffenden Gedanken hervor, daß der Gustav-Adolf-Verein der Einigung deS deutschen Vaterlandes vorgearbeitet habe. Pfarrer Zähringer von Weinheim schilderte in schlichter und zu Herzen gehender Art die Schicksale einer früher um ihres Glaubens willen hart bedrängten badischen Gemeinde, während Hofprediger Rogge in einer wahrhaft zündenden Ansprache Bilder aus dem evangelisch-kirchlichen Leben der deutschen Ostsee Provinzen vorführte und zum Schlüsse zu einer nochmaligen Sammlung Qufforberte, welche die hübsche Summe von 108 Mk. ergab.
Besonderes Interesse erregte die Ansprache des Pfarrers Felb aus Lyon, welcher früher als Lehrer in der dortigen evangelischen Gemeinde wirkte, und welcher auS seinen eigenen Erlebnissen heraus ein correcteö Bild der Lage der Evange- Itschen in Lyon entrollte. Zwischen diesen Ansprachen trug unter Leitung deS Taubstummenlehrers Schneider ein aus Mitgliedern verschiedener hiesigen Vereine zusammengesetzter Chor einige schöne Volks- und Vaterlandslieder vor. Zum Schlüsse dankte Professor Dr. Weiffenbach den Sängern, Prälat Dr. Habicht der Stadt Friedberg, welche dem Verein gastlich ihre Thore geöffnet hätte. Das unter so vielfachen Anregungen verlaufene Fest wird gewiß von Segen für die evangelische Sache begleitet fein.
K. Stockheim, 9. Juli Aus dem soeben abgegebenen Verwaltungsbericht der Actien - Zuckerfabrik Stockheim ist ersichtlich, daß im verflossenen neunten Geschäfte fahre 499,750 Gentner Rüben mit einem Kaufpreise von 570,970 Mk. 76 Psg. verarbeitet wurden. Vorstehendes Rübenmaterial wurde von 3130 Morgen angeliefert- die Durchschnittsernte pro Morgen beträgt demnach rund 160 Ctr. gegen 142 Gentner im Vorjahre. Die Ausbeute war um 0,25 pGt. höher. Der Gesammtgewinn des vergangenen Jahres beträgt 164,706 Mk. 84 Psg. Nach Abzug von 29,690 Mark 50 Psg. Abschreibungen verbleiben noch 131,016 Mk. 32 Pfg. an die Actionäre zu vertheilen. Bis jetzt sind durch Abschreibungen 360,724 Mk. 33 Pfg. gedeckt, hiervon sind 120,000 Mk. zu der Prioritäts-Anleihe verwendet. Betriebsstörungen sind während der ganzen Dauer der Rübenverarbeitung nicht vorgekommen. Die Durchschnitts- Verarbeitung betrug 5914 Gentner gegen 5691 Gentner per 24 Stunden im Vorjahre.
Vermiete».
• Naumburg, 7. Juli. Der Tischlergeselle Bernhard Lieder, der am 2. December 1892 seine Braut, die Schneiderin Anna Rothe zu Lützen ermordet und bann mit einem Strohfeimen zu verbrennen gesucht hatte, wurde wegen Morde- und vorsätzlicher Brandstiftung zum Tode und zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt.
' Monster, 6. Juli. Der seltene Fall, daß der Gerichts- Hof in Anwendung des § 317 der Reichsstrafprozeßordnung den Wahrspruch der G e s ch w o r e n e n verwirft, ist hier heute vorgekommen. Der Staatsanwalt suchte aus den Ergebnissen der Beweisaufnahme den JndicienbeweiS zu führen und die Geschworenen sprachen den Angeklagten deS Mordversuchs schuldig. Der Gerichtshof war indeß einstimmig der Ansicht, daß die Geschworenen sich in der Hauptsache zum Nachtheil


