Ausgabe 
10.2.1893 Erstes Blatt
 
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und mußten auf stürmisches Verlangen zahlreiche Zugaben zum Programm gegeben werden. Nicht nur bie Zusammen­stellung des kleinen Orchesters, auch dre BortrogSwelje i)i eine ganz originelle, eS ist eben urwienerische Musik, die so einschmeichelnd zu Gemüthe geht, und wir können den Besuch des heutigen letzten ConcerreS aufö Beste empfehlen. Warum aber Wiener Fiaker in einem Regatta-Costüm austreten, ifi unö ganz unerklärlich, und benimmt diese Costümirung den Original-Lharakter der Gesellschaft.

«eaeS Theater. Ueber ein Gastspiel de» berühmten KonikerS Herrn W. Büller in R. Benedix' LustspielDie zärtlichen Verwandten" schreibt diePos. Ztg": ®or t*01 sehr gut besuchten Hause legte vorgestern Abend Herr W. Büller neue, glänzende Proben seiner GestaltungS- und Verwandlungs­fähigkeit ab. Die beiden Rollen, die er spielte, der ölte und der junge Rentier, der Muck und der Schümmerich, sind Glanzrollen unserer größten Characterdarsteller und dem berufsmäßigen Theaterbesucher häufig vor die Augen getreten. Wir gestehen, daß wir selten so ergötzt und durchs diese Ge ftalten so gefesselt worden sind, wie vorgestern. So perfect, so lebenswahr, so überzeugend haben wir sie selten zu sehen bekommen, und dabei so frei von all jenen Nüavcen und Witzchen, die im Laufe langer Theaterübung gerade an diese beiden Paraderollen sich angesetzt haben und zur Theater­tradition geworden sind. So erließ unS Herr Büller z. B. die sonst beliebte Nüance, seinen Schümmerich fortwährend und abwechselnd seine zwei kostbaren Uhren aus der Tasche ziehen zu lassen- auch daß zum geflügelten Worte gewordene Wir sind die reichsten Leute der Stadt, wir haben Geld wie Heu" wurde diScreter Weise nur einigemal mehr andeu- tungsweise benutzt.

Mililärdienstnachrichten. Hartmann, Zeuglieutenant von der Artillerie-Werkstatt in Straßburg, zum Artillerie. Depot in Darmstadt versetzt - Strack, charakterisirter Militär. Oberpsarrer, Divisionspfarrer der Grobherzoglichen (25.) Division in Darmstadt, zum 1. Januar 1893 mit Pension in den Ruhestand versetzt.

Eine bedeutende Erleichterung für den Verkehr nach Frankfurt wird, wie dieDarmst. Ztg." meldet, demnächst für den Arbeiter und überhaupt den kleinen Mann da­durch eintreten, daß auf den Stationen der Main Weser Bahn von Friedberg bis Frankfurt Rückfahrkarten auch für die vierte Wagen kl ässe ausgegeben werden.

Der 12. Congreh für innere Mediciu findet vom 12. bis 15. April 1893 zu Wiesbaden unter dem Präsidium deS Herrn I mm ermann (Basel) statt. Folgende ThemataS sollen zur Verhandlung kommen: Am ersten Sitzungstage, Mittwoch den 12. April: Die Cholera. Referenten: Herr Rumpf -Hamburg) und Herr Gaffky (Gießen). Am dritten Sitzungstage, Freitag den 14. April: D i e trau« malischen Neurosen. Referenten: Herr Strümpell (Erlangen) und Herr Wernicke (Breslau). Folgende Vorträge sind bereits angemeldet: Herr v. Ziemsien (München): Ueber parenchymatöse Jnjectionen bei Tonsillen« Erkrankungen. Herr Emmerich (München): Die Her­stellung, Conservirung und Berwerthung des Jmmuntoxin« prote'l'nS (Jmmunprote'ldins) zur Schutzimpfung und Heilung bei Jnfectionskrankheiten. Herr Adamkiewicz (Krakau): Ueber den Krebs und seine Behandlung. Herr v. Jaksch (Prag): Zur Chemie des Blutes. Herr v. Mering (Halle): Ueber die Function des Magens. Herr Fleiner (Heidel, berg): Ueber die Behandlung einiger Reizerscheinungen und Blutungen deS Magens. Herr Pollatschek (Carlsbad): Haben die Carlsbader Wäflcr ekkoprotische Wirkung? Herr Rosenfeld (Breslau). lieber Phloridzinwirkung. Herr Koeppe (Reiboldsgrün): Ueber Blutuntersuchungen im Gebirge.

O Nieder Ohmen, 8. Februar. Die hiesige Molkerei zeigt eine fortwährend zunehmende Entwickelung. Nur ganz vereinzelt bequemten sich im Ansange die Landwirthe, von ihrer seitherigen Milchverwerchung im Hause Abstand zu nehmen und die Milch der viel lucraliver lohnenden Molkerei zu liefern. Erst der thatsächliche Mehrerlös durch die Molkerei zog immer weitere Landwtrthe herzu. Gegenwärtig ist der Anschluß an die Molkerei so stark, daß das Angebot von Milch den Verbrauch in der Molkerei fast übersteigt. Bereits an 1700 Liter Milch werden täglich zur Molkerei gebracht und immer weitere Zufuhr wird angemeldet. Die Land­wirthe haben eben eingesehen, daß durch die Molkerei eine Berwerthung der Milch stattfinder, wie sie durch die Verar­beitung im Hause unmöglich ist. Dabei bildet die von der Molkerei zurttckgegebene Magermilch noch ein durchaus schätzenSwertheS Nahrungsmittel, das in seiner Berwerthung der Vollmilch nur um den Fettgehalt nachsteht. Wie wir vernehmen, trägt man sich auch im oberen Ohmthale mit der Absicht der Gründung einer Molkerei.

Grünberg, 7. Februar. Heute sind eS 50 Jahre, daß Herr Stadtrechner Jobs. Schäfer dahier als Gemeinde- rechncr thätig ist. Seine zahlreichen Freunde ließen eS sich nicht nehmen, ihm diesen Tag zu einem Festtag zu gestalten und persönlich oder schriftlich ihre herzlichsten Glückwünsche darzu bringen. Der Stadlvorstand Grünberg Ubereichte ihm Namen- der Stadt einen wunderschönen silbernen Pokal. Auch die verschiedenen Vereine der Stadt liehen durch ihre Vorstände ihrem langjährigen Mitgliede gratuliren. Abends bewegte sich ein imposanter Fackelzug mit dem Mnsikverein an der Spitze, nach der Wohnung dcö Gefeierten. Nach Vortrag einiger Lieder und Musikstücke hielt Herr Bürgermeister Pracht eine herzliche Ansprache, in welcher er die zahlreichen Verdienste des Herrn Schäfer hervorhob und die mit einem mit Begeisterung anfgenommenen Hoch auf den Jubilar schloß. Hieran reihte sich eine festliche Bereinigung im Englischen Hof", wobei manches GloS auf das Wohl deS verdienstvollen Mannes geleert wurde. Herr Schäfer, der in aller Kürze seinen 75. Geburstag feiert, erfreut sich noch der vollen körperlichen und geistigen Frische und verwaltet

neben seinem Amt als Stadtrechner auch noch die Kaffe deS Vorschuß- und CreditvereinS.

§ AuS dem Kreise AlSfeld, 8. Februar. Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß in verschiedenen Orten eine» und desselben Kreises ganz verschiedene Brobp reise bestehen. Während der vierpsündige Laib Brod in AlSfeld schon geraume Zeit nur 40 Pfg. kostet, nimmt man in ver- schiebenen Ortschaften noch immer 4345Psg. für den Laib Brod. Wenn man in Alsfeld den Laib Brod für 40 Pfg. ablafsen kann, so kann man daS mindestens für denselben Preis in anderen Ortschaften auch.

Bad-Nauheim, 8. Februar. Am letzten SamStag fand unter Betheiligung vieler Vertreter auswärtiger Turnvereine die Einweihung der neuen Turnhalle statt. Der Bau, welcher zur Zierde unserer Stadt gehört, ist in practischster Weise ausgeführt.

Friedberg, 8. Februar. Sicherem Vernehmen nach ist Seminar-Director Schäfer um seine Pensionirung einge­kommen.

Ober Mörlen, 7. Februar. Bei der gestrigen Stichwahl wurde der bisherige Beigeordnete Herr Martin Casimir König I. mit 181 Stimmen als solcher wiedergewählt. Der Gegencandidat, Herr Bäckermeister Anton Krebs I. er­hielt 170 Stimmen.

Liudheim, 6. Februar. Man schreibt derDarmst. Ztg/ : Don dem hier schon mehrere Jahre lebenden Schriftsteller v. Sacher-Masoch wurde vor einiger Zeit derOber- hessische Bereits für Volksbildung" mit dem Sitze in Lindheim gegründet, der eS sich zur Aufgabe macht, für Volksbildung zu wirken, und zwar in dem Sinne, daß durch dieselbe der sociale Friede, das religiöse und sittliche Gefühl, die Liebe zu Kaiser und Reich, zu Landesfilrst und Vaterland kräftig gefördert werde. Bon vornherein ist jede politische Agitation auSgefchloffen. Zur Erreichung dieses Zweckes gründet der Verein BolkSbibliotheken (hübsche Anfänge einer Bibliothek sind bereits vorhanden), veranstaliet Vorlesungen, theatralische Aufführungen und Concerte und setzt, wie schon kürzlich mitgetheilt, Stipendien aus, um jungen strebsamen Leuten den Besuch verschiedener Schulen zu ermöglichen. Die erste Veranstaltung dieses Vereins war die Feier' zu Kaisers Geburtstag in Büdingen, die auss Schönste verlief. DaS erste Concert fand gestern statt. Es wirkten dabei mit Frau ; Matura vom Hof- und Nationaltheater in Prag, sowie Herr Hofschauspieler Schreiner von Mannheim.

nn. Darmstadt, 8. Februar. Zweite Kammer der Stände. Die Berathungen werden heute mit Artikel 19 des alten Einkommensteuergesetzes, hier die Fest- legung der bei der Selbst-Declaration in Abzug zu bringenden persönlichen Leistungen, wie LebcnSversiche- rungen unter 600 Mk., Alters- und Jnvaliditäts Versicherung, Krankenrente, Wittwen-, Waisen- und PensionLabzüge ?c., fortgesetzt. Die Abgeordneten Schade und Weste r nacher beantragen, auch die Abnutzung resp. Reparaturkosten an landwinhschaftlicheu Gerochen und Maschinen, Abschreibungen an Gebäuden :e. mit in diese Scala hereinzunehmen. Finanz- minster Weber kann nicht umhin, auf die Bedenken hinzu­weisen, welche der Antrag Schade-Westernacher bietet. Hier­durch würden Zustände geschaffen, die von der Regierung nicht gutgeheißen werden könnten. Abg. Reinhardt spricht für den Antrag Schade, desgl. Abg. Sch önd er ger. Abg. Frank hat die Meinung, daß die Herren Antragsteller sich doppelte Abzüge durch ihren Antrag verschaffen wollten. Nach erfolgter Abstimmung wird der Antrag Schade-Wester« notier mit großer Majorität angenommen. Ein Zusatz-Antrag Hechler,bei Lebensversicherungen an Stelle von 600Mk. nur 400 Mk. zu setzen," findet ebenfalls Annahme. Damit ist die erste Lesung des Gesetz-Entwurfs erledigt und ge­nehmigt die Kammer einstimmig den Antrag Osann und der Negierung auf eine zweite Lesung des Gesetzes, welche in einigen Tagen erfolgen soll. Nunmehr tritt das HauS in die Berathung der Vorlage Großh. Negierung, betr. den Gesetz-Entwurf, den Bau und die Unter­haltung der Kunststraßen im Großherzogthum Hessen, ein. In der General Debatte ergreift zunächst Staatsminister Finger das Wort, um die vom Ausschuß gestellten Anträge für unannehmbar zu erklären. Haupt­sächlich halte die Regierung an der seitherigen Scheidung von Staats- und Kreisstraßen fest und wolle die Kreisstraßen auf die Provinzen übergehen lassen. Die Regierung leiste den größten Theil der Beiträgt, deshalb sei ihr auch ein gewisser Einfluß zu gewähren. Falls die Ausschußanträge angenommen würden, so sei eS die verkehrte Welt. Dann hätte der über den Bau von Kreisstraßen zu entstieiden, der Nichts leiste. Finanzminister Weber warnt ebenfalls vor der Annahme des AuöschußantrageS. Dieser sei nicht nur ein gefährliches Verhältniß, sondern er sei auch schwer ver­ständlich. Abg. Dr. Gutfleisch spricht in längerer Rede sich ebenfalls für die RegierungS-Borlage aus, weil diese allein den im Lande gehörten Wünschen entspräche. Falls daS HauS daS Gesetz in der Form der RegierungS-Dorlage ablehne und den AuSschußantrag annehme, bann sei eS bester, man behalte die Zustände, wie sie eben seien. Denn wenn man etwas schaffen wolle, so müste eS etwas Ganzes und kein Flickwerk fein. Hierauf wird die Debatte um 1 Uhr abgebrochen, um morgen früh wieder fortgesetzt zu werden.

Viernheim, 7. Februar. Ein aus dem Odenwalde stammender HaudwerkSbursche schlich sich am Freitage in eine hiesige Hosraithe ein, um daselbst zu nächtigen. Am anderen Morgen fand man ihn entseelt auf seinem Lager. Da lediglich ein UnglückSsall vorliegt und die telegraphisch benachrichtigten Angehörigen auf den Leichnam verzichteten, so wurde letzterer alsbald nach der Anatomie zu Gießen überführt.

WormS, 6. Februar. Die hiesigen Stadtverordneten beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung mit dem Schicksal

der von dem Abgeordneten Reinhart in der zweiten hessischen 1

Kammer eingebrachlen Interpellation über die Errichtung einer festen Rheinbrücke bei Worm». Der harte Winter hat daS Fehlen einer festen Verbindung wieder recht empfind­lich gezeigt,- um fo weniger aber konnten die Erklärungen des Finanzminifters Weber in der Sammer befriedigen. Ober­bürgermeister Küchler gab eine historische Darstellung bc» BrückenbauprojecteS, wonach die ersten Schritte in dieser An­gelegenheit bereits im Juli 1884 geschehen sind. DaS Hafen- project wurde ursprünglich zurückgewiesen, bis die Verhand­lungen über den Bau der Eisenbadnbrücke sich übersehen ließen. Die Stadtverordneten-Dersammlung sprach schließlich in einer Resolution ihre Ueberzeugung dahin auß,daß eS möglich und nöthig gewesen wäre, die Vorarbeiten für bie Ueberbrückung deS RheineS in wesentlich kürzerer Zeit zum Abschluß zu bringen."

WormS, 8. Februar. Infolge beS heftigen AndringenS großer Eismasten würbe bie hiesige Schiffbrücke derart beschädigt, baß sie wieder nach dem Winterhafen gebracht werden mußte.

" vermachtes.

Frankfurt, 7. Februar. Exkönig Mikan weilt feit gestern in unserer Stadt. Er ist lediglich zu dem Zwecke aus Paris hierher gereift, um bei dem Verleger derFrank­furter Zeitung", Herrn Sonnemann, Auskunft über die Quelle einer in genannter Zeitung enthaltenen Belgrader Cocrespondenz zu erbitten, worin behauptet worden war, daß Milan von einer Pariser Tänzerin, mit der er seither in intimen Beziehungen gestanden, auf Zahlung einer Viertel- Million verklagt worden sei. Nach dem Besuche Milans bei Herrn Sonnemann sand ein reger Depeftienvcrkehr zwischen Frankfurt und Belgrad statt. Die Angelegenheit dürfte in befriedigender Weise erledigt werden und beabsichtigt Milan, heute Abend die Rückreise nach Paris anzutreten.

* Marburg, 8. Februar. Was einem al le* passiren kann. In einer hiesigen Wirlhschaft sollte vor einigen Tagen ein frisches Faß Bier in Zapf genommen werden. Alle dazu gehörigen Vorbereitungen waren getroffen, das Fatz aufgestellt, die Leitung angeschraubt, aber das edle Naß blieb aus. Der Bierbursche im Keller that seine Schuldigkeit, er pumpte Luft, daß ihm der Schweiß von der Stirne rinnt, aber vergeblich warten die Gäste auf den neuen Schoppen. Endlich, als alle angewendeten Mittel, dem Fasse einen Tropfen Bier zu entlocken, erfolglos blieben, schickte der Wirth zum Installateur um Hilfe und dieser entdeckte denn auch richtig, daß mau ein leereß Faß ausgestellt hatte.

Frankenberg, 6. Februar. In der Nacht vorn Donnerstag zum Freitag verließ eine hier wohnhafte junge Frau, jedenfalls in einem krankhaften Fieberzustande, barfüßig und notdürftig gekleidet das Bett und HauS, und gerieth hinter den Mühlen in die Fluthcn der Eder, wo sie anderen Morgens tobt aufgefunden wurde. Die Verstorbene hinterläßt einen Gatten und drei kleine Kinder, wovon daS jüngste erst vor 14 Tagen daS Licht der Welt erblickte.

Eisleben, 5. Februar. In der Nähe deS Orte» BifchoffSrode ist ein blutiges Verbrechen vetübt worden. Seit mehreren Tagen wurde bie Hebamme Sänger aus Wolferode vermißt. Die noch junge Frau hatte sich in Berufsgeschäften nach erstgenanntem Orte begeben wollen und war seitdem verschwunden. Eine mit Hilfe der Schul- kinder unternommene Suche erbrachte keine Spur von der Vermißten. Gestern wurde die Unglückliche ermordet auf* gefunden.

Bayrenth, 5. Februar. In Enchenreuth fand man gestern Morgen drei Personen durch KohlengaS erstickt vor : eine Frau von 62 Jahren, ein Mädchen von 26 und eines von 2 Jahren. Sofortiger ärztlicher Hilfe gelang eS, die Frau und das Kind wieder zum Leben zu bringen, doch ist wenig Aussicht vorhanden, sie herzustellen. Die Frau hatte die Ofenklappe zugedreht, ehe sie zu Bett ging.

Biberach, 6. Februar. AuS einem eigenthümlichen Grunde nahm sich nach oberschwäbischen Blättern ein 82iäbriger, wohlhabender Mann in Bellamont baß Leben. Er sollte zu einer Gerichtsverhandlung nach RavenSdurg als Zeuge, scheute jedoch die Reise- in seinem langen Leben hatte er niemals die Eisenbahn benützt. In der Aufregung über die bevorstehende Fahrt legte er Hand an sich.

* Ein pfiffiger Gaunerstreich. In Brüssel trat vor einigen Tagen ein 15jähriger Knabe in einen Cigarrenladen und' kaufte ein Päckchen Tabak, alß er bezahlen wollte, be­merkte er, daß er nicht genug Geld bei sich hatte. Er sagte zu dem Cigarrenhändler:Jti habe daß Geld, baß mir mein Meister gegeben hat, in der Werkstatt liegen lassen, ich will schnell zurücklaufen und holen. Jti lasse Ihnen dies kleine Gemälde hier, ich bin im Augenblick wieder da." Der Knabe hatte kaum den Loden verlaffen, als ein sehr vor­nehmer Herr tintrat und sich von den theuersten Havanna- Cigarren geben liefe. Wie zufällig fiel habet fein Blick auf daß von dem Knaben auf dem Ladentisch zurückgelassene Ge« malde, welches ihm den Außruf entlockte:Mein Gott! DaS ist ja ein aufeerorbentliti werthvolleß Portrat! WaS wollen Sie dafür haben? Ich gebe Ihnen sofort 1000 FrcS. dafür." Der Kaufmann erwiderte, dafe ihm daß Bild nicht gehöre, sondern nur für einige Minuten von einem Lehrling hier niedergelegt fei.Gut," sagte der Herr,ich bin leider sehr in Eile, aber hier ist meine Karte, schicken Sie, bitte, den jungen Mann zu mir inßHotel de France" und sagen Sic ihm, dafe er außer den tausend Frankcn für daß Bild ein gutes Trinkgeld erhalten soll." Der Herr ging, und der Kaufmann las auf der Karte den Namen: Marquis Jgnace de Baldor, Paris. AIS der Lehrling zurückkam, bot ihm der Cigarrenhändler, welcher natürlich daß gute Geschäft gerne selbst machen wollte, 300 Franken für daß Bild. Der Junge antwortete, daß er kein Recht habe, baß vilb zu Der» kaufen, baß er aber seinen Meister schicken werbe. Der