Ausgabe 
9.11.1893 Erstes Blatt
 
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tsse der geschLdigten Berleher von genanntem Saatweijen, der sich als etne Mischung von verschiedenen Weizmlorten ergeben, zunächst Zah­lungsbefehle auf Entschädigung, falls dies ohne Erfolg, Klage erhoben werden soll. Das vorher eingeleitete strafrechtliche Verfahren wurde eingestellt, weil sowohl Herr Rosenthal als auch seine Lteferauten be­haupteten, von der Mischung der verschtedmen Wrizensortm nichts zu wissm.

Herr v. Oven-Hungen berichtete hierauf über die Resultate deS Anbaues einiger neuer Kartoffelsorten.

Die Rechnung für 1892 93, sowie der Voranschlag für 1894/95 wurden nicht beanstandet.

Coeokf unö Provinzieller.

Hießen, den 8. November 1893.

-e- Erster Kammermufikabeud, veranstaltet von den Herren Polster, Bauer, Krahn, Krauße, Schulze, unter Mitwirkung von Frau Balser« Land mann. Der dicht ge­füllte Saal der LogeLudwig", in welcher der erste Kammer­musikabend stattsand, ließ erkennen, daß die von obengenannten Herren veranstalteten Abende einem Bedürfnisse in unserer Stadt entgegenkommen. Gerade auf dem Gebiete der Kammer­musik wurde bisher in Gießen sehr wenig geboten und meisten- rheils war es nur durch Zuziehung fremder Kräfte möglich, dem größeren Publikum Werke aus derjenigen Musikgattung, die ohne Zweifel eine der höchsten der musikalischen Compo« sition überhaupt bedeutet, der Kammermusik, vorzuführen. Wir müssen es also dankbar anerkennen, wenn einheimische Kräfte sich nunmehr vereinigt haben, um von Zeit zu Zeit Meisterwerke der Kammermusik zu Gehör zu bringen. Zwei Clavierquartette bildeten die Hauptnummern des gestrigen Programm«, zwischen ihnen waren zwei Sätze für Streich­quartett und Lieder mit Clavierbegleitung eingeschoben. War auch das Zusammenspiel fast durchweg gut, so muß doch be­merkt werden, daß die Vertreter der Streichinstrumente dem­jenigen des Claviers sowohl an Technik, als an Auffassung überlegen waren. Die Technik des Herrn Polster ist nicht groß und läßt ihn, wie dies besonders in dem Beethoven- schen 68-äur-Quartett zu bemerken war, manchmal im Stiche. Daß Herr Polster das Pedal so wenig benutzt, läßt sich bei Beethoven und Mozart vielleicht rechtfertigen, eine Begleitung aber zu Liedern von Hildach, Koß und Meyer«Helmund, in der man von dem Pedale spärlichen Gebrauch macht, muß un­bedingt an Eindruck verlieren. Frau Balser-Landmann tang drei Lieder von Schubert mit künstlerischem Berständniß, besonders aber verdient ihr Vortrag der drei letzten Lieder (von Hildach, Koß, Meyer-Helmund) uneingeschränktes Lob - er hätte vielleicht noch größere Wirkung erzielt, falls die Clavierbegleitung von den oben besprochenen Mängeln frei gewesen wäre. Die beiden Sätze für Streichquartett (Aria von I. S. Bach und das Adagio aus dem ä-ckur- Quartett von I. Haydn) wurden vortrefflich ausgeführt, und in ihnen sowohl als in den Clavierquartetten hat Herr Bauer von Neuem seine Meisterschaft als Primgeiger bewiesen. Das ^-mvU-Clavierquartett von Mozart bildete den Schluß des genußreichen Abends.

* Das erste Abonnements Concert unserer Regiments- Musik, welches morgen Donnerstag abgehalten wird, bringt uns folgendes Programm. Skandinavien: OuvertüreNachklänge an Ossian" (Gade).I. Suite" von E. Grieg, a. Morgen­stimmung, b. Ases Tod, c. Anitras Tanz, d. In der Halle des Bergkönigs. Italien: Rossini: Ouvertüre zur Oper Tell". Mascagni: Vorspiel zuCavalleria rusticana", Freund Fritz". Verdi: Fantasie ausAida". Deutsch­land: Weber: Ouvertüre zuOberon". Beethoven: Varia­tionen aus der Fantasie Op. 80. Wagner:Lohengrin." Wir machen auf diese interessante Zusammenstellung des Programms aufmerksam. Die Besetzung der Capelle ist eine vorzügliche: 8 erste Violinen, 6 zweite Violinen, 3 Viola, 3 Cello, 3 Contra-Bässe, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinetten, 2 Fagotte, 4 Waldhörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba, Pauken und Schlaginstrumente. Für vorzügliche Ausführung bürgt uns die Tüchtigkeit unserer Regimenrs-Musik.

Zu den bei der Weltausstellung in Chicago prämiirteu amerikauifchen Ausstellern gehört auch em geborener Gießener, Dr. ehern. Heinrich Wei big. Derselbe erhielt den ersten Preis für ein von ihm erfundenes chemisches Feuerlöschmittel mit dazu gehörigem Apparat. Dieses sowohl als sein paten- tirtes DeSinfcctionsmittel gegen Cholera, Bromo - Oxygen, wurden von Sachverständigen sehr gerühmt und in amerika­nischen Zeitungen sehr anerkennend besprochen.

Aus dem Zustizdieuft. Die Amtsrichter bei den Amts­gerichten Vilbel und Ulrichstein Ludwig Hechler und Heinrich Engel wurden zu Oberamtsrichtern bei diesen Gerichten, der Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Vilbel Heinrich Weiß zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Bad-Nauheim ernannt.

Betreffend die Vorbereitung der GerichtS-Accesfisteu zum Staatsdienst (wohl auch zur Advocatur) hat das Großh. Ministerium, auf Anregung der Rechtsanwälte, bei Richtern, Staatsanwälten und Rechtsanwälten amtlich anfragen lasten, ob sie geneigt seien, den Gerichisaccessisten durch Vorträge, Besprechungen und Prüfungen die Studien zu erleichtern und deren theoretische und practische Ausbildung zu fördern. An­meldungen zu Vorträgen rc. werden bis zum '12. d. Mts. erbeten. Später soll über weitere Behandlung dieser Ange« legenheit mündliche Besprechung stattfinden.

* Frankfurt a. M., 7. November. Eine Aepfelwein« Autorität schreibt derFranks. Ztg.", daß im Durchschnitt in Frankfurt jährlich 80000 Malter Aepfel eingekeltert würden. In diesem gesegneten Aepfeljahre jedoch seien schon bis jetzt etwa 97000 Malter eingekeltert worden. Auf das Stück gehen in diesem Herbst 18 Malter. Die Aepfelwein« producenten hatten gestern eine Besprechung nach der Sitzung eS Landwirthschaftlichen Clubs,- eS wurde allgemein anerkannt, seit 1847 kein so gute- Aepfeljahr gewesen ist, wie Heuer -

daß der Aepfelwein trotzdem nicht abgeschlagen sei, erkläre sich aus den neuen Steuerverhältniffen.

* Der Fleischergeselle Wernicke sägte vor kurzer Zeit bei seinem Meister in Laadsberg a. d. W. Holz, wobei ihm der zehnjährige Knabe deS Arbeiters Kirschner half. Der Meister brachte dem Gesellen 1/e Liter Schnaps, wovon der Knabe auch bekam. Letzterer mußte noch für 10 Pfg. holen und bekam auch hiervon seinen Theil. Bald darauf war der Knabe sinnlos betrunken. Er wurde nach Hruse gebracht. Seine Eltern, welche erst spät Abends nach Hause kamen, merkten erst am anderen Morgen die Gefahr. Er gab näm­lich kaum noch ein Lebenszeichen von sich und starb trotz ärztlicher Hilfe noch im Laufe des Tages an Alkoholvergiftung. Die Mutter starb aus Gram über den Verlust ihres KindeS bald darauf. Der Geselle wurde zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt.

* Soeben ist die neue Rang- und Ouartierliste der preußischen Armee und ihrer Kontingente erschienen. Bei dem Namen eines jeden Offiziers findet sich auch die Angabe der Orden, welche derselbe besitzt. Da ist nun interessant, wie reich die Herren des kaiserlichen Hauptquartiers mit Orden bedacht sind. Diese neun Herren (zwei Generäle, fünf Oberstlieutenants und zwei Majors) verfügen über 219 Dekorationen, wovon General von Hahnke allein 44 besitzt. Ein Schwarzer Adler-Orden befindet sich unter diesen 219 Orden aber nicht. Dagegen giebt es bei den Adjutanten weiland Kaiser Friedrichs und Kaiser Wilhelms I., deren noch 21 in der Rangliste geführt werden, nicht weniger als 7 Schwarze Adler-Orden, 15 preußische Großkreuze und circa zwei Dutzend erste Klassen. Bei diesen drei Ordens« klassen wird bekanntlich der breite große Cordon getragen. Für jede einzelne Dccoration ist mindestens l'/z Meter Band erforderlich. Die 21 Adjutanten der verstorbenen Kaiser brauchen mithin zur Ausschmückung ihres äußeren Menschen bei Festlichkeiten circa 70 Meter Seidenband, was die Höhe eines respectablen Kirchthurms ergiebt. Unter ihren hohen Insignien ist derSchwarze Adler" zweimal, das Groß-Kreuz des Rothen Adler-Ordens einmal in Brillanten verliehen, während sie sonst den russischen Anna-Orden achtmal und den Alexander- Newsky - Orden viermal in Brillanten besitzen. General von Albedyll hat drei Brillantenorden, die sicher einen Werth von 1012000 Mark haben. Unser Bot­schafter in Wien, der auch unter diesen Adjutanten rangirt, ist mit dem Bildniß des Schahs von Persien in Brillanten ausgezeichnet. Wieviel dieses reellen Werth hat, wagen wir nicht zu schätzen, da Nasr-Eddins Brillanten nicht immer echt sein sollen. Unter den erwähnten Generaladjutanten sind solche, welche mehr als drei Dutzend Orden haben, nicht selten. Fürst Anton Radziwill hat z. B. 39, Gras Lehndorf 41 und Graf v. d. Goltz 37 Orden. Der Reichskanzler von Caprivi, welcher bekanntlich zu den Offizieren ä la suite der Armee zählt, ist nur 34 Mal decorirt. Er besitzt dafür aber auch wahre Prachtstücke in dem chinesischenDoppelten Drachen", der japanischenAusgehenden Sonne" und dem siamesischenWeißen Elephanten". Dem Reichskanzler tst alsDreidutzendmann" sogar der Oberstlieutenant ä la suite Graf Herbert Bismarck, der 39 Orden besitzt, über.Vier- dutzendmänner" sind sehr selten, wir nennen nur den Grafen von Perponcher-Sedlnitzky, General-Lieutenant mit 48, und den Grafen zu Eulenburg, General Major ä la suite, mit 55 Orden. In Bezug auf die Zahl der Decorationen in den einzelnen Rangklassen herrscht die denkbar größte Verschiedenheit. Unter den commandirenden Generälen giebt es z. B. Besitzer von nur sechs Orden (7. Armeecorps, von Götze) und solche von mehr als 30 (9. Armeecorps, Graf Waldersee). Der Generalobrist v. Pape hat 34 Orden, dagegen besitzen die im militärischen Rang weit tiefer stehenden Flügel­adjutant Oberstlieutenant v. Scholl 34 und Generalarzt Dr. Leuthold 35 Orden.

* Der Feldmarschallstab des Königs von Sachsen. Der Marschallstab, welchen Kaiser Wilhelm dem Könige von Sachsen bei dessen neulichem Jubiläum überreichte, ähnelt dem, welchen Graf Moltke an seinem 90. Geburtstage erhielt. Er besteht aus einer mit hellblauem Sammt überzogenen silbernen Hülse. Dieselbe «st abwechselnd mit goldenen preußischen Adlern und preußischen Königskronen besetzt. Die Hülse wird oben und unten von goldenen Kopfstücken abgeschlossen. Die obere Deckelplatte zeigt auf weißem Emailgrunde den Namenszug W. R. in Brillantrosen, von einem goldenen Lorbeerkranze umgeben. Die untere Deckelplatte trägt auf tieforangefarbenem Emailgrunde einen mit Brillantrosen dicht besetzten preußischen Adler. Diese Platte ist von einer Reihe Brillanten und Smaragden umkränzt, welche die LandeSsarden Sachsens symbolisiren. Ein mit Brillanten besetztes Lorbeer­band trägt die Widmung:Wilhelm II., König von Preußen, dem Feldmarschall König Albert von Sachsen, für Verdienste im siegreichen Feldzuge 1870/71, zum 50jährigen Militckr« jubtläum 24. October 1893." Der Marschallstab hat eine Länge von 49f/a Gentimetern bei einem Durchmesser von 4 Zentimetern. In seiner künstlerischen Ausführung ist er ein Meisterwerk der Berliner Edelschmiedekunst.

* Eine Reform im Eisenbahnwesen ist in Ungarn, das bekanntlich schon den Zonentarif hat, eingeführt worden. Ueber diese neueste ungarische Reform im Eisenbahnwesen berichtet dasN. W. Tageblatt": Der ungarische Handels­minister v. Lucaö ist der Erfinder der Eisenbahnmarken. Kein auf ungarischen Eisenbahnen reisender Fahrgast wird in Zukunft mehr bemüßigt sein, sich an den Eisenbanschalter zu drängen und dort zu warten, bis er eine Fahrkarte er­hält. Die Reisenden werden sich vielmehr nach Einführung der Eisenbahnmarken gleichsam selbst expediren, d. h. sie werden in der Lage fein, die nöthiqen Fahrkarten sich persön- lich auszustellen. Auf ein Blankett schreibt man den Namen der Station, von der man abreift, sowie das Reiseziel, und der auf dem Blankett befindliche freigelassene Raum wird mit den sogenannten Eifenbahnmarken beklebt, von denen man ebenso viele benützt, als die Fahrt für die betreffende Strecke kostet. Die Blankette werden in Borrath in jedem Tabak­

laden zu einem halben Kreuzer per Stück zu erhalten fni- ebenso wird man in den Läden die Eifenbahamarken, und zwar, wie bisher festgesetzt ist, solche von 25. Kr bis iu 75 Kr. und von 1 G. bis 5 G. käuflich erhalten. Tru, also Jemand eine Reise auf den ungarischen Staatsbahnen Qn so schlägt er in einem kleinen, gleichfalls in den Läden er. hältlichen Verzeichnisse nach, in welche Eifenbahnzone der £a wohin er zu reifen wünscht, fällt, und da ganz Ungarn blo, in 14 Eisenbahnzonen eingetheilt ist, wird eS ihm nicht schwer fallen, dies zu finden. Sodann nimmt er eines der et, wähnten Blankette zur Hand, trägt Abgangs- und Gnbftanoa darauf ein und klebt auf den freigelassenen Raum so vielt Marken, als der Fahrpreis auSmacht. Nehmen wir beifpü;#. weife an, es wollte Jemand von Pest nach Wien reifen DaS ist eine Fahrt in die vierzehnte Zone und kostet für t t zweite Klasse 7 G. Er hat somit aus daS Blankett eine zu 5 und eine zu 2 G. zu kleben. Dann kann er sich gero*». wegs in das Eisenbahnabtheil verfügen, eS entfällt für id, daS lästige Warten am Fahrkartenschalter, die Hast und Ust die dabei herrscht, bleiben ihm erspart, ebenso die Suche Kleingeld, und er kann auch im letzten Augenblick vor in Abfahrt eintreffen und wird doch nicht Gefahr laufen, ben^g zu versäumen oder aber ohne Karte mitzureifen und eine Straft zahlen zu müssen. Auch die Frage der Controlle ist bei it; Eisenbahnmarke in glücklicher Weise gelöst worden. SävtL: liche Eisenbahnmarken werden nämlich in der Mitte durchlot: fein, sodaß der Gonbucteur in der Lage ist, die durchlotn Hälfte der Marke leicht loSzulösen. Wenn also ein Paff^ ei daS Abtheil bestiegen hat, so nimmt der Schaffner die per- forirten Theile der Etsenbahnmarke mit sich- daS Blavkm und den restlichen Theil der Eisenbahnmarken daraus bchäl: der Passagier bis zur Endstation. Schon mit 1. garnier soll die Eisenbahnmarke in Ungarn zur Einführung gelange und man zweifelt in den ungarischen Eisenbahnkreisen nit: daran, daß sie sich auch bewähren werde.

* Berlin, 7. November. Der Geheime Canzleidiener bei Auswärtigen Amtes, Schröder, welcher im Gefolge bei Kaisers sich auf der Reise nach Bebenhaufen befand, würbe auf der Station Mansfeld, wo er auf der unrichtigen Stelle ausstieg, vom Sonderzuge überfahren und sofort qe- tobtet. Der Kaiser orbnete die Ueberführung der Leiche noch Berlin an.

* Brüffel. 5. November. Das D reirad ist auch bei der Brüsseler Feuerwehr emgesührt worden. Sobald Feuer gemeldet wird, begibt sich sofort, noch bevor die Spntzen- wagen angeschirrt werden, eine Abtheilung Feuerwehr aus Dreirädern nach der Brandstelle. Aus jedem Dreirabc fitzen zwei oder drei Feuerwehrmänner mit einigen Löfchgeräthen. Die Schnelligkeit der Hilfe wird tn der That dadurch be­schleunigt- leider fehlt gewöhnlich in Brüssel der Druck des Wassers, so daß alle Verbesserungen wenig helfen und in der Regel bei größeren Feuersbrünsten nichts zu retten ist.

* Rom, 3. November. Joseph Schön mann, der sich im Gefängniß von Ferrara befindet derselbe ist weg» dreier Raubmorde, darunter den an der Gräfin Adele Visconti Modrove begangenen, zu lebenslänglichem Zuchlhm.se verurtheilt hat demStandard" zufolge in Rußland ewe Erbschaft von 2 Mtllionen Franc- gemacht. Der russische Consul hat die Staatsanwaltschaft um eine Photo« graphie Schönmanns und die Papiere desselben ersucht, um ihn zu identificiren.

* Rewyork, 4. November. Ein P e r so n e nzug, welcher sich auf dem Wege von £ütle Rock und St. Louis befand, wurde gestern in Oliphant (Arkansas) von einer Bande von sieben maskirten Räubern geplündert. Die Räuber töbteten den Gonbucteur, unb nachdem sie den Expreßwogen geplündert, begaben sie sich in die Schlaf- und anderen Dogen unb beraubten alle Passagiere.

* Santander, 7. November. Die Zahl der eili­ge stürzten Häuser betragt 65. Der Finanzminister traf gestern Abend hier ein unb legte eine öffentliche Subscripfon aus. Er zeichnete im Namen der Regierung 25,000 Peseta-, der Generalrath 5000 Pesetas. BlS 3 Uhr Nachmittag­waren 147 Leichen beerdigt, 23 mußten dem Leichcnhaose überwiesen werden, da sie unerkennbar waren.

* Soweit bisher amtliche Berichte eingetroffen sind, über­steigt daS Unglück in Santander die ärgsten Befürchtungen. Seit Menschengedenken ist keine ähnliche entsetzliche Katastrophe vorgefallen. Der Brand an Bord deS Dampfer-dabo- machichaco" entstand Nachmittags 4 Uhr. Infolge drS Alarm- rufe- eilte eine große Menschenmenge herbei, um das Schau« spiel des brennenden Schiffes zu betrachten. Der Magliano- quat war in wenigen Minuten von Tausenden von Mensch« bedeckt. Plötzlich explodirte die ganze Dynamitladung Lei Schiffes, bestehend au- 18 Dynamitkisten. DaS Schiff fll sofort in die Luft. Jrn Augenblick stand der ganze Cum jammt dem Zollhaus und allen Lagerplätzen auf dem Bah»' Hofe der spanischen Nordbabn und etwa 60 Wohnhäuser Flammen. Unglücklicherweise fuhr gerade in diesem fluf®' blicke ein Personenzug in den Bahnhos von Santander fing gleichfalls Feuer. Zahlreiche Reisende, deren Zahl b* her noch nicht festgestellt wurde, verbrannten lebendig m iw Waggons- viele andere erlitten Brandwunden. Der Station»- Vorsteher und drei Bahnbeamte befinden sich unter den lobten. Die ganze Stadt vom Hafen biß zum Bahnhof bot in wenigen Augenblicken ein Bild furchtbarer Zerstörung. Der Bobei war mit Leichen und verstümmelten Leichentheilen bebttft Diele Personen, die am Landungsplätze standen, wurden ic» Meer geschleudert unb ertranken. Die Gesammtzahl der Tobten wird auf 300 geschätzt, die Zahl der Verwundeten beträgt über 1000. Die meisten erlitten lebensgefährlich« Wunden. Um dem Unheile die Krone aufzusetzen, wurde» die Telegraphenstangen in Folge der Explosion zerstört, daß die benachbarten Orte von der Katastrophe nicht denach^ richtigt werden konnten. Die Liste der Tobten ist bisher noch nicht festgestellt, doch erscheint es als gewiß, daß außer de« StationSchef und dem Statthalter auch der PlatzcommanbaM/ der Eommandant der GenSdarmerie, acht Offiziere, zwäl»

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