Angeklagte war seit Herbst 1883 im Eisenbahndienft thärig und im März 1888 als Srationsdiätar angestellt. Sein Gehalt betrug vom 1. März 1888 ab monatlich 90 Mk. und wurde nach und nach erhöht, so daß derselbe zuletzt — seit September 1892 — jährlich 1600 Mk. betrug. Dom 1. Februar bis 6. April dss. IS. hatte er nach und nach 1785 Mk. 5 Pf. aus der Billetschalterkaffe entnommen und die Verdeckung dieser Veruntreuungen durch falsche, der wirklichen Einnahme nicht entsprechende, bezw. unterlaffene Einträge in dem Fahrkarten-Einnahmebuch, wie dadurch bewirkt, daß er die Tagesabschlüsse falsch addirte. Die im Monat März unterschlagenen Betrage im Gesammtbetrage von 798 Mk. 45 Pfg. wurden von Krug am 30. März oder 31. März wieder in die Kaffe eingelegt und als „Rundreisen" in Einnahme gebracht. Der vollständig geständige Angeklagte entschuldigte die ihm zur Last gelegten Handlungen mit Geldverlegenheiten, in denen er sich befunden habe. Er gilt als ein gewandter, tüchtiger Beamter, dem eine verschwenderische Lebensweise nicht nachgewiesen werden konnte. Nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Conrad Ohler) die ihnen vorgelegten Fragen bejaht hatten, wurde Angeklagter in eine Gefängnißstrafe von einem Jahr, abzüglich eines MonatS Untersuchungshaft, verurtherlt.
* * Radfahrerfest. Der hiesige Radfahrverein feiert am 18. und 19. Juni, gelegentlich der Einweihung der neu erbauten Wettfahrbahn, sein erstes, groß angelegtes Fest. DaS Fahrrad hat sich in den letzten Jahren mit ganz außerordentlichem Erfolg in allen Schichten der Bevölkerung Eingang verschafft. Der praktische Werth desselben, hauptsächlich für den auswärts verkehrenden Geschäftsmann, ist längst anerkannt. Aber auch dem fröhlichen, körperkräftigenden Sport bietet dasselbe weitaus das dankbarste Gebiet. Beweise hierfür sind die seit Jahren durch colossalen Zudrang des Publikums ausgezeichneten Wettfahrfeste großer Städte. Die hiesige Fahrbahn ist genau nach den Bestimmungen des deutschen Radfahrerbundes angelegt. Ihre herrliche Lage aber, oben auf der Höhe zwischen Schützenhaus und neuen Kaserne, mit der entzückenden Fernsicht nach allen Richtungen, steht vielleicht einzig da. Die Vorbereitungen zu dem Feste werden mit emsiger Rührigkeit gefördert, und wird das am 18. Juni, Nachmittags 81/2 Uhr, beginnende Wettfahren, bestehend aus sechs verschiedenen Rennen, sicherlich jedem Sportsfreunde großes Jntereffe einflößen, der Mehrzahl aber ein noch nie gesehenes, hochinteressantes Schauspiel gewähren. Nach Beendigung desselben ist für Volksbelustigung, Concert und Tanz hi v länglich gesorgt. Wir wünschen dem sportlichen Theil des Festes einen glänzenden Erfolg und hoffen, daß das Ganze in einem heiteren, frohbewegten Volksfeste ausklingen möge-
* * Zur Sonntagsruhe. Eine in den letzten Tagen unter den Geschäftsleuten circulirende Liste gegen die jetzige Handhabung der Sonntagsruhe erhielt 272 Unterschriften.
* • Verhaftet wurde heute ein junger Mensch aus Otterau, welcher gestern hier verschiedene Betrügereien auSzusühren versuchte.
* * Zu Amerika verstorbene Hessen. Newyork: Lina Fritzel, 15 Jahre alt, Tochter von Wilhelm Fritzel aus Offenbach. Baltimore: Philipp Weysorth, 70 Jahre alt, aus Petterweil, Julius Müller, 46 Jahre alt, aus Alten-Buseck. Louisoille: Conrad Schöffel, 79 Jahre alt, aus Darmstadt. Washington: I. B. Chas. Klotz, 69 Jahre alt, aus Großen Linden. New- Hork: Katharina Brickel, geb. Grübel, 78 Jahre, aus Steinberg, Kreis Gießen.
• * Heber die Entziehung der Berechtigung zum Einjährig- Freiwilligen Dienst hat der Reichskanzler unter dem 1. April d. I. eine wichtige Entscheidung getroffen. Ein Mim Einjährigen-Dienst Berechtigter hatte den ihm gewährten Ausstand zum Dienst in einer fremden Armee benutzt. Auf Grund der Vorschrift des Gesetzes vom 9. November 1867, wonach „die nöthige moralische Qualification" allgemeine Voraussetzung des freiwilligen Heeresdienstes ist, halte der Reichskanzler angenommen, daß der Betreffende, der vermöge deö Abschluffes einer mehrjährigen Capitulation es sich unmöglich gemacht hatte, im Falle einer Mobilmachung seinen Pflichten nachzukommen im Geiste der HcereSversassung, der Vergünstigung des Freiwilligen-DiensteS nicht würdig sei. Es sei ihm daher bei der Meldung zum Diensteintritt der Berechtigungsschein abzunehmen. Zwar enthält der betr. Paragraph der Wehrordnung, der diese Abnahme anordne, nur einen Hinweis auf die Bestlmmung, wonach der Berechtigte infolge gerichtlicher Bestrafung die Berechtigung verliere, es fei aber hier eben nur an den Fall gedacht, daß die Berechtigung kraft gesetzlicher Bestimmung unbedingt verwirkt sei. Für andere Fälle seien seste Normen für die Beurtheilung der moralischen Qualification deS Dienstpflichtigen nicht ausgestellt. Die Ersatzbehörden dritter Instanz hätten also nach freiem Ermeffen zu entscheiden, ob, beispielsweise wegen eines sittlich anstößigen Lebenswandels, die Entziehung der Berechtigung angezeigt erscheine. Dementsprechend sei auch bisher verfahren worden; wenigstens sei ein Fall bekannt geworden, in welchem ein Berechtigter, der seitens der Polizei als „Zuhälter" bezeichnet wurde, vom Einjährigen-Dienst seitens der Ersatzbehörden dritter Instanz ausgeschlossen sei.
* • Die Zeit ber Sowmer-Retttge hat schon begonnen. In Norddeutschland kannte man früher den Genuß deS RettigS nur sehr wenig. Erst viel später lernte man seine Wohlthat schätzen und wußte, wie gut eS am Morgen nach schwerer Sitzung thue, einen Rettig und einen Krug schäumenden Bieres zur Stärkung zu sich zu nehmen. DaS muß freilich auffallen, da man doch schon im Mittelalter in Deutschland die guten Wirkungen deS RettigS kannte. Eine Rettigkur war damals etwas Alltägliches- nur durfte man, um Erfolg zu haben, frühes Ausstehen und Bewegung nicht vergessen. Ja, der Ruf deS RettigS, deffrn Wiege eigentlich im Lande der Chinesen steht, wo er wild wächst, reicht bis ins vorchristliche Alterthurn zurück. Damals bereits erstreckten sich feine heilkräftigen, auflösend wirkenden Wurzeln weithin bis zu den alten Egyptern, denen diese Labung nicht unbekannt
gewesen sein soll. Selbst in Europa» Süden hat der Rettig Anhänger erworben- denn im sonnigen Italien, wo er nicht gedeihen will, findet er importirt Liebhaber, und dem frugalen Spanier genügt er als ganze Mahlzeit, während der Franzose, mehr Gourmand, ihn nur als pikante Zugabe gelten läßt. — Seine Domaine ist und bleibt jetzt Süddeutschland, namentlich Bayern, wo dem Bierologen der „Radi" über Alles geht. Und der Mann hat Recht. Trotz seiner rauhen Schale besitzt der Rettig einen so guten Kern, daß er als natürliches Curmittel vielfach empfohlen wird. Wer drei Wochen lang regelmäßig um 4 Uhr Nachmittags eines bis zwei Rettige, in die üblichen feinen Scheiben geschnitten und gesalzen, mitsammt der Schale verspeist, der soll, wie daS Volk sagt, sehr günstige Wirkungen auf seinen Appetit verspüren und erhöhte Heiterkeit und Beweglichkeit gewinnen. Außerdem aber werde er von mancherlei Beschwerden befreit, weil der Rettig schädliche Stoffe auszuscheiden vermöge. Stets aber gehört Zweierlei dazu: der Rettig muß außerhalb der eigentlichen Mahlzeiten genossen werden, und Bewegung nachher darf nicht fehlen, sonst hilft die Cur nichts.
-n- Reiskirchen, 7. Juni. Gestern Abend hielt das nationalliberale Wahlcomitö eine Wahlversammlung, die gut besucht war, ab. Der Hauptredner sprach über die Persönlichkeit des nationalliberalen Candidaten und sodann über dessen Stellung zum Bunde der Landwirthe und zur Militärvorlage. Gegenredner meldeten sich nicht zum Wort und so verlief die Versammlung in schönster Ordnung. Mit einem Hoch auf den Kaiser und Großherzog wurde sie geschlossen.
B. Ans dem Kreise Büdingen, 8. Juni. Viele Landwirthe mußten größere Grundstücke, die mit Kartoffeln, Zuckerrüben oder Futterpflanzen verschiedener Art bestellt waren, am Ende des vorigen Monats umpflügen, weil die Saat zu Grunde ging. Die alsbald vorgenommene zweite Aussaat geht jetzt, nach dem kräftigen Regen, sehr schön auf und es ist leicht möglich, daß diese Saaten schönere Erfolge erzielen, als frühere Ausstellungen. Auch Gerste wird noch an vielen Orten gesäet und Kartoffeln von Neuem gesetzt.
h. Darmstadt, 7. Juni. Die Anzahl der im laufenden Sommersemester an der technischen Hochschule Jmma- triculirten (der Studirenden und Hospitanten) beläuft sich auf 603, sodaß wieder eine Zunahme gegen das Wintersemester zu verzeichnen ist.
Darmstadt, 7. Juni. Die hochgradige Futternoth, die bei der Landwirthschast durch die mehrmonatliche anhaltende Trocknung eingetreten ist, fand bei der am Montag Nachmittag abgehaltenen Versteigerung der Heugrasernte von der städtischen Pallaswiese einen kräftigen Ausdruck, denn für die 41 Hectar oder 164 althessische Morgen umfaffende Fläche wurde der Betrag von 13,372 Mark erzielt, d. i. im Durchschnitt etwa 325 Mark für den Hectar, über 80 Mark der Morgen. Dieser Erlös ist geradezu beispiellos und wurde für das HeugraS der genannten Wiese noch niemals erreicht - im vorigen Jahre, bei ebenfalls vorgelegener bedeutender Futternoth wurden für Heu und Grummet zusammen nur etwa 13,500 Mark erlöst. Allerdings steht das Gras auf der Pallaswiese, infolge günstiger Bewäfferungsverhältnisse recht gut, theilweise sogar vorzüglich, so daß einzelne der durchschnittlich etwa einen Mrgen großen Loose horrende Preise, bis zu 157 Mk., erzielten. Die Concurrenz von hier und auswärts war ungemein stark. Die Crescenz muß bis zum 1. Juli gemäht und weggebracht sein. Hoffentlich bringen die Steigerer das theuere Futter gut unter Dach!
Vermischtes.
* Aus Kurhessen, 6. Juni. In dem Dorfe Ober- vor schütz im Kreise Fritzlar schlug nm Sonntag während des Nachmittags Gottesdienste» der Blitz in die Kirche ein. Drei Personen wurden getödtet und mehrere gelähmt.
* Berlin, 7. Juni. Aus Charlottenbrunn i. Schl, wird gemeldet: Der Hotelbesitzer Hoffmann wurde von seinem eigenen Sohne, weil er ihm Reisegeld nach Berlin verweigert hatte, Nachts durch Hammerschläge ermordet und gräßlich zugerichtet. Der Mörder litt zeitweilig an Geistesstörung.
* Essen, 6. Juni. Heute wurden wegen deS F a h r- kartenschwindels wieder drei Schaffner eingeliefert - zehn von den verhafteten Viehhändlern wurden heute nach Hamburg escortirt.
* Paris, 3. Juni. Einer der letzten Ueberlebenden der Napoleonischen Feldzüge, der Major Sous flöt, ist im 100. Jahre seines Alters in die ewige Ruhe eingegangen. Er war ein beneidenswertster Greis, der bis in das höchste Alter eine merkwürdige körperliche und geistige Frische bewahrte, von der Einnahme von Sarogoffa, von dem schrecklichen Rückzüge auS Rußland und vom Tage von Waterloo erzählte und vor einem halben Jahr erst, an seinem 99. Geburtstage, im Kreise seiner zahlreichen Familie und vieler Freunde die alte Czapka auf sein ehrwürdiges Haupt stülpte und die Soldatenlieder seiner Jugend sang. Er hatte tm Jahre 1810 als 17jähriger Freiwilliger im 20. reitenden Jägerregiment in der Abtheilung geritten, die der neuen Kaiserin Marie Luise das Ehrengeleit gab. Zwei Jahre später that er sich als Lieutenant in Spanien rühmlich hervor, 1 indem er bei La Guarda in der Vorhut an der Spitze eine» 1 Zuges den Feind mit großer Tapferkeit angriff, Über den
I Haufen warf und mit eigner Hand eine Fahne eroberte. । Ein Tagesbefehl des Herzogs von Ragusa pries feine That, und die zerschossene Fahne, die er an jenem Tage dem Feind j entrissen, ruht seit fast 81 Jahren im Jnvalidendom. Im Mai hatte er in Spanien da» Hochgefühl deö SiegeS gekostet, : im Winter war er auf den Eisfeldern Rußlands in der • Nachhut der großen Armee unter Ney bei jenem schrecklichen 1 Rückzüge der zerlumpten, ausgehungerten, erschöpften Shieger, 5 die am Tage dem nachdrängenden Feinde grimmig fechtend t 1 den Weg verlegten und am Abend nach kurzer Raft wieder
eilig weiter marschirten, die lange Nacht hindurch bi» zum Morgen, dem fernen Daterlande zu. Mit den Lancier» der Garde hatte er später am 12. Juni 1815 Napoleon- Bedeckung nach dem Abschied vom Corp» LegiLlatis geliefert, batte bei Waterloo gestritten, dann aber weitern Dienst verschmäht und al» Rittmeister den Abschied genommen. Später war er lange Zeit im BerwaltungSrathe der Meffagerie» Maritime» thätig und zog sich er ft vor einigen Jahren in den Ruhestand zurück. Er hatte bi» zu seinem Ende sein vollkommenes Gehör und ein leuchtendes Auge bewahrt, dabei eine grabe und elastische Haltung, guten gleichmäßigen Humor, ein freundliches Lächeln und regen Antheil an den Ereignissen und Schicksalen der ihn umdrängenden Jugend. Gekränkelt hat er eigenlich nur acht Tage und dem Tode, der ihn so lange geschont, ist er gefaßt und mit klarem Bewußtsein, recht wie ein alter Krieger, entgegengegangen.
* Einen sonderbaren „Scherz" hat sich der in Oranienburg wohnende Sohn eines früheren Restaurateur» mit seinem in Guben lebenden Vater gemacht. Bor einigen Tagen erhielt sein Vater einen Trauerbrief au» Oranienburg, m welchem ihm mitgetheilt wurde, daß fein daselbst beschäftigter Sohn gestorben sei, daß die Kasse nur ein Begräbnißgeld von 50 Mark zahle und daß der Vater die übrigen entstehenden Kosten zu tragen habe. Die Beerdigung fände am so und fobielten statt. Der Vater, über diese gänzlich unerwartete Todesnachricht in einen nicht geringen Schrecken versetzt, beschaffte sich Trauerkleidung und reifte sofort über Berlin, von wo er feine anderen beiden Söhne abholte, nach Oranienburg. Wer beschreibt aber ihr Erstaunen, al» sie auf dem dortigen Bahnhof von dem beweinten, tobtgeglaubten Sohne empfangen wurden. Dieser, um Aufklärung gefragt, meinte, er wollte nur einmal sehen, wie sich seine Angehörigen bei seinem Tode benehmen würden.
* Ein Schurkenstreich gegen eine Brant. Die 20jährige, unverehelichte Schneiderin Marie Zumbrock in Berlin hat sich am SamStag daS Leben genommen, indem sie vorn Holsteiner Ufer in die Spree sprang. Wie sich jetzt heraus- gestellt hat, ist sie durch eine höchst frivole Handlungsweise eines Manne», der sie angeblich liebte, i.i den Tod getrieben worden. Marie Z. hatte sich vor einigen Monaten mit einem Eisenbahn-Assistenten verlobt, der sodann nach Posen versetzt wurde. Seitdem näherte sich ein Mann dem Mädchen, der sich Alexander P. nannte und vorgab, bei einer am Berliner Hofe akkrcditirten Botschaft angestellt zu sein. Wiederholt warb er um die Liebe des wirklich schönen Mädchens, erhielt aber von Marie Z. stets eine abweisende Antwort mit dem Hinzufügen, daß ihr Herz bereit» einem Anderen gehöre. Jetzt griff P. zu einem verwerflichen Mittel: Nachdem er sich einige Tage nicht hatte sehen lassen, erschien er am vorletzten Dienstag wieder mit der Nachricht, daß er seinen Nebenbuhler aufgesucht, zu einem Duell gezwungen und dabei erschossen habe. Ja, er ging soweit, die Zweifel der jungen Braut dadurch zu zerstreuen, daß er ihr auf den Tod deS Bräutigams bezügliche Papiere bor^etgte, die aber gefälscht waren. DaS aufgeregte Mädchen gab sich ganz der Trauer um den Tod deS Bräutigams hin und theilte Samstag Bekannten mit, daß sie nach dem Ableben des Geliebten keine Freude am Leben mehr habe und in den Tod gehen wolle. Diesen Plan hat sie auch bald daraus auSge- führt. Die Duellgeschichte ist von dem cynischen P. von Anfang bis zu Ende erfunden worden, weil er hoffte, die Neigung der Z. nach und nach für sich zu gewinnen, wenn sie ihren bisherigen Bräutigam für tobt halten mußte.
♦ Eine Eolossal Germania au» Chocolade. In Bezug auf daS in Chicag 0 ausgestellte Chocolade Modell de» Niederwalddenkmals dürfte Folgendes erwähnenSwerth lein: Die Aussteller sind die Herren Gebrüder Stollwerck in Köln a. Rh. Die Germania ist nach dem Original des Professor Schilling in Chocolade aus einem Block gemeißelt und erreicht ein volles Drittel der Größe deS gigantischen Original» auf dem Niederwald. Mit dem daS Modell überragenden Tempel- aufbau auß massiver Chocolade besitzt das Ganze eine Höhe von reichlich 7 Meter. ES sind dazu über 300 Beniner Chocolade verwendet, welche einen Werth von 28,500 Mk. repiäsentiren. An Ort und Stelle kostet der Germania- tempcl ca. 50,000 Mk. Somit dürfte da» Werk roobl einzig in feiner Art dastehen.
♦ Weltstatistik der Bierproduktion 1892. Wie da» Ster in den Staatshaushalt, die Volks- und Landwirthschast eingreift und an Umfang im Consum von Jahr zu Jahr gewinnt, geht auS den Hauptziffern der von der Brauer- und Hopsen- Zeitung „GambrinnS" in Wien herausgegebenen Tabelle hervor. In sämmtlichen 21 Reichen (24 «Staaten), die in der Tabelle aufgeführt werden, waren 1892 46,298 Brauereien irn Betriebe, gegen 49,453 irn Jahre 1891 - diese produ- cirten, trotzdem um 3155 Braustätten weniger waren, 199,671,765 gegen 196,418,000 Hektoliter Bier (1891) - ein Factor für die Landwirthschaft und den Staatssäckel, daß man wirklich durch die imponierende Ziffer auf der Tabelle den Staaten die Erhaltung dieser Industrie nur besten» ans Herz legen kann. In den 24 Staaten, welche die Tabelle nominell anführt, betrug der Steuereingang 1892 547,646,354 Kronen ö. W. gegen 262,532,173 Gulden = 525,064,346 Kronen im Jahre 1891, somit 1892 um 22,582,008 Kronen mehr wie im vorangegangenen Jobr. An diesem Steueraufschwunge partizipierte abermals hervorragend Oesterreich Ungarn, nachdem der Bierconsum durch die infolge der Phylloxera geringe Weinernte stark gehoben wurde. Sehr interessant ist der Verbrauch von Malz, welcher in Deutschland 15,362,592 Metercentner, gegen 15,047,601 Metercentner 1891, betrug. In Oesterreich waren 3,664,898 Metercentner, gegen 3,050072 Weter» centner im Jahre vorher, etngebraut. England hatte 1892 18,314,679 Metercentner verwendet. Inclusive Meter vorgenannten BerbrauchSmengen wurden in allen Staaten 62,143,278 Metercentner, gegen 61,164,420 Metercentner im Jahre 1891, oerbraut. Die Hopsenproduction war tn Oesterreich-Ungarn 1892 125,131 Centner ä 50 Kcko, der


