Ausgabe 
9.2.1893 Erstes Blatt
 
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arbeiten, bann werde er Zuchthäuslern kenn« lernen Einen «anürchmstall aber könne er ! d bcn Bourgeois in Leipzig nnben. Richter stehe noch ganz auf dem Standpunkt von Schulze-Delitzsch; er habe nicht» gelernt und nichts Dtrßtnm. Wo der Ardener von feinem geringen Locne zurücklege, spare er auf «osten feiner Lebens­kraft. Der sparsame sächsische Arbdter, auf den man uch berufen habe verurtheile stch selbst zu langsamem Verhungern. Die Lociat- demökratie habe ihr Programm und überlaste e8 jedem tftnjdnen, sich daraufhin die Zukunft aus-umalm. Cb man den i unfit gen Zustand Staat oder Geselllchaft nenne, sei im Grunde gleichgültig. Autorität müsse sich von selbst geltend machen; was letzt >mter Autorität verstanden werde, erfennen fdnc Freunde nicht an. Was man als die Bestrebungen der Socialdemokraiie hinstelle, sei der heutige Zustand. Wie M heute für den Arbdter dn FamUienlebm möglich f Expropriirt werde vor der heutigen bürgerlichen Gesell­schaft alle Zage; aber diele bürgerliche Expropriation schäm nur die größte Unzufriedenbdi Fürst Bismarck bade auf diese Weise die

Unzufriedenhdt gefördert und damit der Socialdemokratie Vorschub geleistet Man sage, die Socialdemokratie wolle daS Eigenthum con- fisciren; die Mehrheit detz Volkes aber habe kdn Eigmthum. Dm Vorwurf des Terrorismus anlangend, so sei durch daS Socialistm- fiesetz der größte TerrortSmuS ausgeübt worden. Im heutigen Staate d «einer frei; in demselben hungere der Arbeitende, der Faullmzer lebe gut. Die Socialdemokratie schließe keine Kompromisse mit dem herrschenden System. Der moderne EapitalismuS müsse beseitigt werdm. Revolutionen würdm aber nicht gemacht, sie machten sich von selbst. In der Vergesellschafterung deS Mmschen liege das revolutionäre Element der Socialdemokratie. Dieselbe sei eine Partei der freien Bewegung und selbst die Führer setzten sich willig der fr dm «ritte auS. Damit würdm immer neue Kräfte erweckt. Die deutsche Bourgeoisie sei hinter der anderer Länder weit zurückgeblieben. Die Socialdemokratie habe dm Arbeitern kdn Paradies versprochen, sondern gesagt: wir kommm nur durch mühsames Ringen zum Ziele, deshalb orgeniftrt Euch und laßt Euch nicht von anderen Parteien irreführen und Euch mit der dünnen Suppe der sog. Social­reform abspeisen. . , t

Abg. Stöcker (conf.) erklärt Namens seiner Freunde, daß, da sie kein Mittel haben, diese Debatte zu schließen, sie auf das Wort nach dieser Rede Liebknechts verzichten, xutnal dieselbe bewiesen habe, daß selbst das beste Pferd der Socialdemokratie ein völlig lahmer Renner geworden ist.

Präsident v. Levetzow: Wir gehen damit zu einem anderen Gegenstände über.

Abg. LingenS ((Str.) gibt zur Erwäaung anhdm, ob eS sich nicht empfehle, Fabrikmspectoren aus inleUigentm Arbeitern heran- zubtlden. Solche Beamten würden große» Vertrauen bei den Arbeitern genießen. Sehr zu bedauern sei die gänzliche Dernachläfstaung der Religion in den Werkstätten. Durch die Religion würden Ordnung und Sitte mehr gefördert, altz durch die von dm Socialdemokraten geforderte Verkürzung der Arbeitszeit.

Abg. Dr. Hirsch (bfr.) wünscht Vermehrung der Fabrik- inspectoren auch in den übrigen Bundesstaaten nach dem Vorgänge Preußen«. Nur möge man mit der Hebertragung der Kesselreviston an die Fabrikinspectorm erst die Erfahrungen Preußens abwarten. Er fürchte, daß die Fabrikinspectorm durch diese Revisionen zu sehr ihrer eigentlichen Thäligkeit entzogen würden. In die Berichte der Inspectoren sollten auch Mttlheilungen über Arbeitslosigkeit usw. ausgenommen werden. Auch sei dm Jnspecioren ein regerer Verkehr mit den Arbeitern zu empfehlen. Die Mittheilungen über die Arbeitervereine und ihre Wirksamkeit seien noch sehr lückenhast in den Berichten. In dm Arbetteroerbänden würden die Inspectoren die beste Auskunft über vorhandene Mißstände finden. Die Jnspecioren sollten auch ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Arbeitsordnungen lenken, die vielfach unzulässige Bestimmungen enthielten. Das beste Einvernehmen zwischm Arbeitgebern und Arbeitern herrsche da, wo die Arbeitsordnungen keine Strasbestimmungen enthielten. Schließlich fragt Redner, ob am 1. April endlich die Sonntagsruhebestimmungen auch für die übrigen gewerblichen Arbeiter in Kraft treten würden. Man hätte die Arbeiter darüber hören sollen. Endlich bedauert Redner die Zunahme der gewerblichen Unfälle. Es scheine, daß die Unfallvorschriften nicht überall genügend beachtet werden.

SlaatSsecrelär v. Bötticher: Die Sonntagsruhe-Bestimm­ungen für alle gewerblichen Arbeiter könnten leider am 1. April noch nicht in Kraft treten. Das überreich vorliegende Material, welches hier in Betracht komme, habe noch nicht bewältigt werden können. ES fei auch nicht möglich, heute schon einen bestimu len Termin an- iugeben. Hoffentlich werde dieses Jahr nicht vorübergehen, ohne daß er Bundesrath die ihm obliegende Arbeit erledigt haben werde. Dr. Hirsch wolle die Aufgaben der Fabrikinspectorm doch etwas zu sehr erweitern. Die Arbeitervereine sollten an dieFabrikinspectionen herantreten. Mil der Hebertragung der Kesselrevisionen an die Fabrikinspectorm habe man in Sachsen gute Erfahrungen gemacht. Für nächste« Jahr sollen an die Jnspecioren verschiedene Fragen ge richtet werben, namentlich über die Verhältnisse der jugendlichen Arbeiter. Beschwerden über Arbeitsordnungen seien ihm noch nicht ^gegangen.

Abg. Wurm (Soc.): Die Berichte der Fabrikinspectorm seien eben so viel Anklageschriften gegen das Unternehme, thum, obgleich diejenigen Fabriktnsprctorm gemaßregelt würden, die mit den Arbeitern in Verbindung treten. (StaatSsecretär v. Bötticher: (sticht wahr!) Ein solcher Fall sei in Köln vorgekommen. Alle Arbeiterorganisationen seien den Unternehmern verhaßt. Arbeiter, welche sich mit Beschwerden an Fabrikinspectoren wendeten, würden entlassen. Aus den Berichten der Inspectoren gehe nicht hervor, daß sich die wirthschaftltche Lage bessere, sondern das GegenlheU. Leider hätten viele Jnspecioren gar keine Gelegenheit, die Aibciterverhältnisse kennen zu lernen. Oft würden sie von den Unternehmern auf daß Unverschämteste betrogen. Die ärgsten Klagen kämm aus Gegenden, in denen die Branntweinbrenner auf Kosten der Aermsten der Armen dieL,iebeflgabe' in die Tasche steckten. Vielfach unterstützten die Poltzdbehördm die Unternehmer und atlesttrten ihnen ohne Besichtigung, daß Betrieb und Maschinen in Ordnung. Die Accordarbeit verschulde zahlreiche Unfälle. Häufig fehle e« an den nothwendigstm Schutzmaßregeln zur Verhütung von Unfällen. Bei der Errrtchtung neuer Fabriken müßten immer die Fabrikinspectoren gehört werden. Freilich dürften diese nicht bloS NeseroelieutenantS, sie müßten auch Sachverständige sein. Auch Aerzte, aber nicht Kassenärzte, seien heranzuxtehen. DaS Unternehmerthum müsse durch Gesetze und strenge Handhabung derselben zur Humanität gezwungen werden. Für statistische Erhebungen möge man besondere Beamte anftellm.

Hieraus wird die Wetterberathung vertagt.

Morgen 1 Uhr. Anträge Ackermann betr. die Hebung deS Handwerk«.

Xlcucftc Hacbdcbtcii,

Wolff« telegraphische« Eorrespondmz-Bureau.

Berlin, 7. Februar. Die von der deutschen Reichsregie- rung angeregte internationale SanitätSConferenz wird nach Einvernehmen der beteiligten Regierungen bereits im Laufe dieses MonaiS in Dresden zusammentreten.

Leipzig, 7. Februar. DaSLeipziger Tagebl." bemen- tirt auf daS Entschiedenste die Meldung, daß Verhandlungen wegen einer durch die Eboleragesahr bedingten Aussetzung der Leipziger Oster messe schweben sollen. DaS Blatt erfahrt, daß die Meffe unbedingt stattfinde.

Pari», 7. Februar. DaS Srträgniß der indirecten Steuern für den Januar weist Mindereinnahmen im Betrage von 2,312,900 Franc» gegenüber dem Boranschlage auf und eine Mindereinnahme von 681,200 FrcS. gegen das (Jrträgnife im Januar 1892. Die Zolleinnahmen be­

trugen 4,026,000 Frcs. weniger als nach dem Voranschläge, 4,504,000 FrcS. weniger als im Januar 1892.

Paris, 7. Februar. DieLiberte" meldet, daß in Marseille die Cholera wieder auSgebrochen ist- seit vier, Tagen gab eS 50 Cholera-TodeSsälle.

Rom, 7. Februar. Gestern Abend fand in ber beutf eben Botschaft eine große Ballfestlichkeit statt. Das Königspaar traf mit dem Grafen von Turin und den hohen Würdenträgern um 11 Uhr in ber Botschaft ein und würbe vom Botschafter SolmS am Fuße der Treppe empfangen. Der Botschafter reichte ber Königin ben Arm und geleitete sie in ben Feftsaal. Beim Eintritt bes KönigSpaareS spielte bie Musik die italienische KönigShymne. Der Ball wurde mit einer Quadrille eröffnet, welche bie Königin mit dem Botschafter tanzte.

Rom, 7. Februar. Am heutigen Jahrestage beS Ab­lebens beS Papstes Pins IX. fand in ber Sixtinischen Capelle ein Trauergottesbien st statt, welchem ber Papst, bie Carbinäle unb daS diplomatische Corps beiwohnten.

Athen, 7. Februar. Die außerordentliche Kalte dauert in ganz Griechenland fort und von allen Seiten werden Schneefälle unb Stürme gemelbet

Depeschen deS BureauHerold*.

Berlin, 7. Februar. DieKreuzzeitung" bezeichnet auf Grund zuverlässiger Erkundigungen die von einer Berliner Correspondenz kürzlich gebrachte Nachricht, wonach Kaiser Wilhelm zur Hochzeit des Herzogs von York nach England gehe, alS falsch.

Berlin, 7. Februar. Nach demBerliner Börsen- Courier" sind die allgemeinen Verhandlungen über die Her­stellung vertra gsmäßiger Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Rußland nahezu beendet; nächste Woche beginnen die Spezialverhandlungen. Das Blatt erfährt, Rußland mache bezüglich des Eisenzolles keine Zngeständnisie unb erachte sich bis 1897 an ben gegenwärtigen Zoll ge- bunben. Der Zoll auf lanbwirthschaftliche Maschinen soll auf ein Minimum ermäßigt, betreffs bes KohlenzolleS von Ruß- lanb Zugestänbnisse gemacht werden.

Berlin, 7. Februar. In der Kaserne des zweiten Garde-Ulanen Regiments in Moabit ist der Typhus aus­gebrochen.

Halle, 7. Februar. Im benachbarten Nietleben kamen zwei choleraverdächtige Erkrankungen und ein Todes­fall vor.

Hamburg, 7. Februar. In Langenhammer, Stadt­bezirk Ottensen, wurde eine Pumpe gesunden, deren Waffer gänzlich mit Kommabazillen infizirt war. Die Pumpe wurde vernichtet. Die in ben letzten Tagen vorgekommenen Cholerasälle in Altona unb Ottensen werben darauf zurück- geführt.

Wien, 7. Februar. Nach polnischen Blättern steht die Umänderung der Stadtnamen Dorpat in Juriew und Dünaburg in Dwinsk bevor.

Lemberg, 7. Februar. Der Senat der Universität droht ben Studenten mit Relegirung, falls die Exzesse wegen Abhaltung einer Trauerfeier anläßlich der zweiten Theilung Polens fortgesetzt werden.

Paris, 7. Februar. Gestern Abend circulirte das Ge­rücht, das Strafverfahren gegen Rouvier, Develle, Renaud unb Grevy werde eingestellt werden.

London, 7. Februar. DerStandard" behauptet, bie Näherung Rußlanbs an Deutschland sei eine Schwächung des Dreibundes. Der Czar habe vielleicht, in­dem er den Czarewitsch nach Berlin schickte, das Zustande­kommen des Militärprojectes zu verhindern gesucht.

London, 8. Februar. Der parlamentarische Ausschuß ber Trabes Union»" beschloß, ben internationalen Con- greß 1894, statt 1893, wie ursprünglich bestimmt war, ab zuhalten, sowie Delegirte auf bie in Calais unb Zürich abzuhaltenden internationalen Congreffe zu senden.

Gent, 7. Februar. Gelegentlich der gestern stattgehabten Ziehung für die Aushe bang zum Militär kam es mehrfach zu Krawallen zwischen der Polizei und Milizen. Ein junger Mann wurde wegen der von ihm geführten Reden verhaftet und nun ergriff die Menge für ihn Partei - die Polizei wurde gesteinigt, sie zog blank, verwundete mit der Waffe mehrere Tumultuanten und verhaftete andere. Die Menge zog vor das Polizeicommissariat, wo sie bie Polizei auspfiff unb auSzischte. Gestern Abenb fanben wiederum Angriffe auf bie Polizei statt.

Madrid, 7. Februar. In einer gestern stattgehabten republikanischen Wähler-Versammlung erklärte Salmeron, Spanien könne nur durch die Republik ge­rettet werden, SagastaS angeblicher Liberalismus sei noch weniger werth als Canovas KlerikaliSmus. Salmeron richtete seinen Aufruf an die portugiesischen Republikaner, daS morsche Königthum in Liffabon zu stürzen und eine verbündete iberische Republik zu gründen.

Sofia, 8. Februar. Der St. Cyrillenverein spendete 1000 Napoleonsdor für Errichtung bulgarischer Kirchen in Macedonien.

Sidney, 7. Februar. Große Ueberschwemmungen werden aus allen Theilen Australiens gemeldet. Jn Marie- borough sind 20 Häuser eingestürzt. In Brisbane wurde jeder Verkehr eingestellt, da theilweise das Wasser 20 Fuß hoch in ben Straßen steht.

totale* ttnö provinzielle*.

Gießen, 8. Februar 1893.

Provinzialausschuß Sitzung. Samstag ben 11. Februar l. I., Vormittags 9 Uhr beginnenb, finbet im Regierungs­gebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzial- AuSschuffeü der Provinz Oberheffen mit nachstehender Tages­ordnung statt: 1. Gesuch deö MoseS Joseph zu Allendorf an ber Lumba um Erlaubniß zum Betriebe einer Gastwirth-

schäft. 2. Reclamation gegen bie Bürgermeisterwahl zu Ulfa. 3. Beanstanbung ber Gemeinberathswahl zu Orleshausen. 4. Reclamation gegen bie Bürgermeisterwahl zu Usenborn.

Theater. Einen rechten Freuben- unb Ehrenabenb durften wir gestern Abend in unserem Theater begehen. Herr Carl Rupp, ber jugenblidje Komiker unserer Bühne, feierte sein Benefiz unb gab auS biesem Anlaß RäberS über müthige PosseRobert unb Bertram". DaS bis jetzt wenigstens im laufenden Spieljahre noch kaum ein berühmter Gast zu Stande gebracht hat, baß gelang gestern Herrn Rupp, nämlich ein ausverkauftes Hau» zu erzielen. Ein gewähltes unb bankbareS Publikum füllte ben Saal bis auf baß letzte Plätzchen unb bewies baburch, welche Ver­ehrung unb Anerkennung bem trefflichen Benefizianten in unserer Stabt entgegengebracht wirb. Nannten wir neulich Herrn Rupp eine in Gießenpopuläre" Persönlichkeit, so erbrachte ber gestrige Abenb ben Beweis, baß wir damit nicht zuviel gesagt. Unb eS war wohlverdienter Beifall, den Herr Rupp gestern erntete, ein wirklich unermüdliches, ächt künstlerisches Schaffen wurde dadurch gelohnt. Schon beim ersten Aufgehen deS Vorhanges wurde ber Künstler mit lautem Jubel empfangen unb baß widerholte sich während deS ganzen Abends, so oft sich Anlaß dazu bot. Daß Herr Rupp seine RolleRobert" ganz vortrefflich burchsühne unb heute bei besserer Laune war, alS je, ist ganz selbstverständlich, daß braucht gar nicht mehr besonder» erwähnt zu werden. An dem Erfolge seineß Bruder» durfte auch Herr Opern­sänger Fritz tRhi p p, vom Würzburger Stadttheatcr, wohl- verdienten Äntheil nehmen, er bat ben guten künstlerischen Ruf, der ihm voranging, ausgezeichnet bewährt. Herr Rupp sang einLiebeSUcb" von Prof. Hermann Ritter in Würzburg, das dieser dem Künstler selbst gewidmet hat und erfreute noch außerdem durch den Vortrag einer Arie auS LortzingSWild­schütz", endlich durch das herrliche Czarenlied auß der Oper Czar und Zimmermann" desselben Componisten. Hoffentlich begegnen wir Herrn Rupp recht bald auch einmal im Concert- saale, er hat sich die Gunst des Publikum» gestern rasch er­rungen. Im Uebrigen können wir uns über die gestrige Vorstellung kurz faffen. In erster Linie ist die prächtige Leistung beß Herrn Reiner» al»Bertram" zu nennen, er bilbete ein sehr gelungene» Seitenstück zumRobert" be» Herrn Rupp. Bon ben übrigen Mitwirkenben nennen wir die Herren Martiensen, Stückel, Halpern und Born. Die Damen zeichneten sich besonder» au», Frau unb Frl. Coppv, Frl. Brünner unb Frl. Gr igo waren wirklich vortrefflich. Alle» in Allem, war es ein prächtiger Theaterabenb, ber wohl allen Beiuchern noch lange im Gcdächtniß bleiben wirb unb wenn wir nun noch hinzufügen, baß Herr R"pp auch einen prächtigen Lorbeerkranz erhielt, so haben wir unserer Pflicht als Berichterstatter genügt.

Der täglichen Runbschau Nr. 31 entnehmen wir nachstehende Statistik über die Krankenzahl beß letzlvrrfloffenen Jahre» an ben preußischen Universitätskliniken im Vergleiche zu ben hiesigen Kliniken, bie wohl auch für manche unserer Leser nicht ohne Interesse sein bürste.

Innere Klinik.

Chirurg. Klinik.

GedurtSh.-gynä- Alogische Klinik.

Augen­klinik.

In

Bonn 850

1148

958

//

Breslau 882

913

1203

//

Göttingen 938

1344

346

//

Greifswald 1400

1190

486

306

//

Halle 1576

1732

973

//

Kiel 1562

1108

593

/?

Königsberg 875

1012

858

//

Marburg 757

654

636

430

//

Gießen 1804

1192

949

Tso

Darnach ergiebt sich.

baß Gießen unter ben genannten

Kliniken in Bezug auf bie Krankenzahl in ber mebicinischen Klinik weitaus die erste, in der Augenklinik die zweite, in der chirurgischen und Frauenklinik die dritte Stelle einnimmt. Noch vor zehn Jahren betrug die Zahl ber bie hiesigen Kliniken aufzuuehmcnden Kranken kaum den vierten Theil der jetzt erreichten Höhe. Diese Zunahme ist ein erfreuliche» Zeichen des wachsenden Vertrauen» des Publikums zu den hiesigen klinischen Anstalten, die Dank der Fürsorge der Landesregierung und der Landstände nunmehr mit allen dem Wohle der Kranken dienenden HülfSmitteln auf S beste ausgestattet sind. Diese Statistik beweist aber auch, daß in Bezug auf bie Ge- legenheit zur Ausbildung ber Medicin ftubirenben Jugend Gießen hinter ben anderen beutschen Hochschulen nicht zurück- steht, vielmehr bie meisten überragt.

Auf die heute Mittwoch imGafß Leib" stattfindende Wiener Soiree deS Original-Fi aker-QuartcttS machen wir hierdurch aufmerksam, zumal demselben ber Ruf außerorbentlicher Erfolge allerorts vorauSgeht. (S. Inserat.)

Mit Anerkennung begrüßen wir e», baß baß Kaiser- Panorama bemüht ist, stet» neue Serien vorzusühren. Die in bieser Woche gebrachte neuaufgenommene Serie, ber Harz, bietet beß Schönen wiederum eine Fülle. Besonders interessant ist dieser Harz Cycluß durch feine sagenumwobenen Stätten, wie ber Brocken, Hexentanzplatz, Teufelskanzel zc., durch seine herrlichen Thäler, wie Bodethal, Jlsethal, Rabauthal mit Radaufall re., durch seine malerisch gelegenen unb historisch interessanten Orte. Alles in Allem verbient biefe Serie vollste Beachtung, umsomehr, als bei Herstellung berfelben bie meiste» photoplastischen, farbenprächtigen Errungenschaften angewandt würben.

Die EiSmaffen, bie in ber Gcgenb beßFelsens" baß Hochwasser über bie User ber Lahn, oft weit hinein in» Gelände, getrieben hat, bilden täglich noch ben Gegen­stand der Besichtigung fettend zahlreicher Einwohner. I» ber That ist auch daß Schauspiel sehenßwerth, weil hier von einer Gewalt ber Elemente zeugt, wie sie sich selten äußert. Dem Beschauer beschleicht baß Gefühl, alß ob bie Liß- massen nie roieber verschwinben sollten, unb wirb recht warmer Witterung, stellenweise beß öingreifenß ber Menschen bedürfen, um sie zu entfernen. Man erreicht baß riesige