Störte. Der Grund und Boden, die Tüchtigkeit, der Einflug und die Kriegsstärke dieser Länder ftno fast gleich, so daß eS schwer halten dürfte, einem derselben die erste Stelle zuzuerkennen. In England und Deutschland legt man das Hauptgewicht auf Handel und Industrie. Der Handel nimmt immer größere Ausdehnungen an, in der Industrie macht man immer neue Verbesserungen und Vervollkommnungen, Tag ein, Tag aus rühren sich ohne Rast Millionen fleißige Hände. In einer Hinsicht steht England etwas hinter Deutschland zurück. Der englische Kaufmann ist in seinem
Wesen hochfahrend und anmaßend und giebt auch nicht in den kleinsten Dingen nach, der deutsche dagegen ist entgegenkommend und liebenswürdig, wodurch ihm der Gewinn zufällt ... Die Franzosen sind vor Allem auf ihren Ruhm und ihren Vortheil bedacht, sie sind eingebildet und hinterlistig und lieben mehr die Aufregung als die Ruhe und den Frieden. In Paris gelten Luxus und Verschwendung als die Hauptsache, gesellschaftliche Bereinigungen von Herren und Damen mit Gesang und Tanz sind an der Tagesordnung, daS Gold wirft man um sich, als wenn es Dr . . ck wäre! (?) In London wird wohl auch viel verschwendet, aber doch nicht in dem Maße wie in Frankreich. Was französische Artikel anbetrifft, so sind diese durchweg höchst geschickt und fein gearbeitet, nur taugen sie nicht für den dauernden Gebrauch. Die Deutschen allein schätzen die Sparsamkeit höher als die Verschwendung und leben und kleiden sich einfach. Ihr Hauptaugenmerk richten sie auf die Erziehung der Jugend und die Anlegung von Schulen. Selbst Kinder, welche ihre kleineren Geschwister warten oder Sachen zum Verkauf auf den Markt tragen müffen, können lesen und schreiben und erhalten ihren Unterricht. Alte und neue Geschichte sagen sie fließend und ohne Anstoß auf. Hierin ist Deutschland von keinem anderen Volke Europas erreicht . . . Rußland hat in den letzten Jahren viel zur Hebung seines Handels gethan und wendet jetzt besonders Sibirien seine Aufmerksamkeit zu. Man behauptet, daß man nach Fertigstellung der Transsibirischen Bahn mit Bestimmtheit hoffe, große Mengen Waaren damit zu befördern und sich neue Absatzgebiete zu erschließen. Jndeß der Hauptgrund, der für die Anlegung der Bahn bestimmt gewesen, ist doch ein anderer. Das russische Militär kann wohl England, Frankreich oder Deutschland die Spitze bieten, aber es ist lediglich auf Europa und nicht auf Asien concentrirt, insofern die geschulten Truppen sämmtlich in Europa stationirt sind. Sollten diese eines Tages plötzlich nach Asien geworfen werden müssen, so würde das keine ganz leichte Sache sein, denn es würden sich nicht nur die Transportkosten gar nicht sofort beschaffen laffen, sondern auch die Nachricht von einer plötzlichen Mobilmachung nicht verfehlen, die kriegerischen Nachbarn und Feinde Rußlands, welche stets die Augen offen haben, stutzig zu machen und ihren Argwohn zu erwecken. Insofern befindet sich Rußland in einer gewissen Zwangslage . . . Was Wohlstand und Nationalreichthum anbetrifft, so nehmen England und Frankreich die erste Stelle ein, Rußland und Deutschland kommen ihnen nicht gleich. Jndeß hat sich der deutsche Handel in den letzten Jahren so gehoben und die Industrie so vergrößert, daß die deutschen Artikel sich immer größeren Absatz verschaffen und deutsche Muster immer weiter Vordringen, weshalb wahrscheinlich Deutschland England noch gewachsen sein wird, ja vielleicht in einigen vierzig bis fünfzig Jahren eS überflügeln wird."
Coeofc* rntö provinzieller.
Gießen, den 7. December 1893.
** Provinzialausschutz Sitzung. Samstag den 9. December d. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Ilbenstadt gegen den OrtSarmenverband Klein-Karben wegen Unterstützung der Familie des Bernhard Herbert. 2. Gesuch des Wirths August Lang zu Gießen um Concession zum AuSschank von Branntwein. 3. Gesuch des Specereihändlers Karl Gönner zu Kaichen um Erlaubniß zum Betriebe einer Schankwirthschaft. 4. Gleiches Gesuch des Heinrich Wagner von Düdelsheim. 5. Antrag der Gemeinde Usenborn auf Enteignung eines Theils des Grundstücks Flur 1 Nr. 468‘/10 behufs Errichtung eines Backhauses.
** Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberhefien vom 6. December 1893. Zur Verhandlung kommt heute die Strafsache gegen Georg Dietrich von Freiensteinau wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Vertreter der Staatsanwaltschaft war der Großherzogliche Staatsanwalt Schilling- Trygophorus, die Vertheidigung des Angeklagten führte Herr Rechtsanwalt Weidig. AlS Geschworene fungirten die Herren Heinrich Leihmann, Georg Kuhl, Beigeordneter Höhler, Johannes Dippel, Eberhard Döll, Georg Straub II., Wilhelm Schmidt, Wilhelm Völzing IV., Georg Dern VI., Karl Steucrnagel, Gernand Wilhelm Küchel und Philipp Rühl. — Der erst 20jährige Taglöhner Georg Dietrich von Freiensteinau ist eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit im Sinne des § 176 pos. 1 des Strafgesetzbuchs angeklagt. Er will heute von nichts mehr wiffen und behauptet, an dem hier in Betracht kommenden Tage betrunken gewesen zu sein, während er früher die ihm zur Last gelegte Thal eingestanden hat. Nachdem die Geschworenen (Obmann: Herr Gernand Wilhelm Küchel) daS Schuldig unter Verneinung der mildernden Umstände ausgesprochen, sprach der Gerichtshof eine Zuchthausstrafe von einem Jahre gegen den Angeklagten aus.
** Handelskammer. Wie aus dem Anzeigentheil ersichtlich, wurden bei der gestrigen ErgänzungSwahl von Mitgliedern zur Großherzoglichen Handelskammer die Herren Alb. K r a a tz, A. Katz und LouiS Homberger wiedergewählt.
** Neues Theater. Auf die heute Abend stattfindende Benefiz Vorstellung für Frau A nni ReinerS fei an dieser Stelle nochmals hingewiesen. Die Künstlerin hat durch die
liebenswürdige Art ihres Spieles sich schon seit Jahren der steten Gunst des Publikums zu erfreuen und ist unausgesetzt bestrebt, sich dieselbe zu erhalten. Gerade in dieser Saiion hat Frau ReinerS tüchtige Proben ihres Könnens abgelegt, wir erinnern nur an ihre „Franziska" in „Minna von Barnhelm", „Maria" in „Heimath", „Martha Steffen" in „Schlimme Saat", „Hertha" in „Böse Zungen" rc. Gewiß wird das Gießener Publikum sich der Künstlerin dankbar beweisen für die vielen genußreichen Stunden, die sie ihm bereitet, und sie an ihrem Ehrenabend durch reckt zahlreichen Besuch erfreuen.
** Uebcr die Freitag Abend in „Steins Garten" stattfindende Experimental- Soiree auf dem Gebiete der Suggestion rc. ging uns Folgendes zu: EharleSWolton, der bekannte Experimentator auf dem Gebiete der Suggestion, Willensbeeinflussung u. s. w. wird auch in Gießen eine Elite- Experimental-Soiree veranstalten. Der räthselhaste Zustand des Schlafwandelns und der Willenlosigkeit des Eingeschläferten ist fortgesetzt ein Studium der Wissenschaft. Experimente auf diesem Gebiete anzusehen, ist für Jeden von Interesse- kann doch mancher unserer Mitmenschen in diesen abnormen Zustand versetzt werden. Herr Wolton zeigt in seinen Soireen, wie die Medien seinem Willen unterworfen sind. Wenn er es will, können diese sich nicht von der Stelle bewegen, müffen auf sein Commando durch den Saal schlafend spazieren gehen u. s. w. Herr Wolton suggerirt seinen Medien, sie wären auf der Löwenjagd, er läßt sie auf einem Stuhl reiten u. s. w. Es ist zu erwarten, daß die Soriee des Herrn Wolton recht zahlreich besucht wird.
** Aus dem Justizdienst. Der Hauptvoranschlag für die kommende Finanzperiode sieht zur Abstellung des herrschenden Richtermangels je eine neuzuerrichtende Richterstelle an den Landgerichten Darmstadt, Mainz und Gießen und je eine Richterstelle an den Amtsgerichten Darmstadt II, Mainz und Lorsch vor.
** Die nächste Geometerprüfung wird am 1. März 1894 beginnen. Diejenigen Candidaten, welche sich dieser Prüfung unterziehen wollen, haben sich, falls ihre Gesuche um Zu- lassung Berücksichtigung finden sollen, spätestens bis zum 18. Januar 1894 schriftlich bei Großh. Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Steuerwesen, unter Verwendung des vorgeschriebenen Stempels zu melden. Dem § 8 der Verordnung vom 31. August 1874 gemäß sind dieser Meldung der Nachweis über die erhaltene Vorbildung, der Sitten- und Studienzeugniffe der besuchten öffentlichen oder Privatlehranstalten, sowie das Zeugniß über mindestens einjährige practische Einübung bei einem im Großherzogthum beschäftigten Geometer 1. Klaffe beizuschließen. Wer die Bestellung als Geometer 1. Klasse erlangen will, hat außerdem zufolge der Verordnung vom 15. Juli 1885 den mindestens einjährigen Besuch der Technischen Hochschule zu Darmstadt nachzuweisen.
** Ja Amerika verstorbene Heffen. New-York City. Elisabetha Weber, Wittwe von Adam Weber, 81 Jahre alt, aus Bingen am Rh. Louisville, Ky. Susanna Dressel, 68 Jahre alt, aus Bensheim. Newark, N. I. Friedrich Gengnagel, 33 Jahre alt, aus Darmstadt.
*• Ueber den einjährig freiwilligen Dienst enthalten jüngst getroffene Aenderungen der deutschen Wehrordnung zwei er- wähnenswerthe neue Bestimmungen. Zunächst ist der Reichskanzler in Zukunft ermächtigt, in besonderen Fällen ausnahmsweise dem Zeugnisse über die bestandene Abschlußprüfung an einer deutschen Lehranstalt, bei der nach dem sechsten Jahr- gange eine solche Prüfung stattfindet, die Bedeutung eines gütigen Zeugnisses der wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig-freiwilligen Dienst auch dann beizulegen, wenn der Inhaber des Zeugniffes die zweite Klaffe der Lehranstalt nicht ein volles Jahr hindurch besucht hat. Derartige Gesuche sind an den Civilvorsitzenden derjenigen Ersatzcommission zu richten, in deren Bezirk der Betreffende gestellungspflichtig sein würde, sofern er bereits das militärpflichtige Alter erreicht hätte. Die Ersatzcommission befördert nach Feststellung der in Betracht kommenden Verhältnsse die Gesuche mit einer gutachtlichen Aeußerung auf dem Dienstwege weiter. — Ferner soll in Zukunft die Ersatzbehörde dritter Instanz befugt fein, den zum einjährig-freiwilligen Dienst Berechtigten, welche die nöthige moralische Qualification für den freiwilligen Eintritt nicht mehr besitzen, die Berechtigung zu entziehen. Nach der bisherigen Fassung der Wehrordnung konnte diese Berechtigung nur entzogen werden, wenn der Berechtigte wegen strafbarer Handlungen, die seine Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes zur Folge gehabt haben würden, falls sie während seiner activen Dienstzeit begangen wären, entzogen werden. ES war aber bereits am 1. April d. I. aus Anlaß eines besonderen Falles (der Berechtigte war notorischer Zuhälter) vom Reichskanzler eine der jetzigen Fassung der Wehrordnung entsprechende Verfügung ergangen. ____________
Friedberg, 5. December. Im Januar 1894 werden 25 Jahre feit der Gründun g unseres Musikvereins verfloffen sein. Zur Pflege und Verbreitung echten Kunstsinns ins Leben gerufen, hat er eS verstanden, sich in der Einwohnerschaft unserer Stadt und der Umgegend Theilnahme und Anerkennung zu erwerben. Auf bescheidene Leistungen der Anfangszeit sind, besonders in den 80er und 90cr Jahren, große Ehorwerke zum Theil mit Orchesterbegleitung, wie z. D. das Lutheroratorium, Samson, Mozart- Requiem gefolgt, welche von dem Können, von der Hingabe nnd Eiferfreudigkeit deS Dirigenten Fr. Schmidt und des ChorS rühmlich Zeugniß ablegten. Unter den Oratorien, die mit Clavierbegleitung gemacht wurden, feien hier Paulus, EliaS, die Schöpfung hervorgehoben. Dem schönen Brauch, den 25 jährigen Abschnitt der Thätigkeit festlich zu begehen, wird nicht am Wenigsten von Denen mit Theilnahme begegnet werden, die den Verein Haden gründen helfen, die, von Friedberg verzogen, ihm eine Zeit lang als Mitglieder angehört, die
| >n ihm nicht nur Gesang, sondern auch frohe Geselligkeit gepflegt haben. So darf heute schon als sicher gelten, daß mit dem 9. und 10. Januar 1894 für den verein, seine Freunde und Freundinnen schöne Festtage anbrechen werden.
vermischter.
* Witten, 5. December. Hier erschoß sich in einem Anfall von Geistesumnachtung der Oberlehrer am diesigen Realgytnnasium und Hauptmann der Landwehr-Jäger Victor Ab Le, ein Nachkomme des früheren hessischen Minister» Abee. A. hinterläßt eine Frau und fünf unmündige Kinder.
* Hannover, 6. December. Der Hannoversche Männergesangverein ist vom Kaiser telegraphisch zu Dienstag den 12. d. M. nach dem Neuen Palais eingeladen worden, um dort dem Kaiserpaare die niederländischen Lieder vorzutragen. DaS Hofmarschallamt bat dem Vereine einen Sonderzug zur Hin- und Rückfahrt zur Verfügung gestellt. Der Verein hat die Einladung angenommen.
* Kleine Geschenke erhalten die Freundschaften, dachte der Nab ob von Rarnpur, und so hat er Herrn Otto EhlerS, der ihm während seines Aufenthalte» in Berlin die HonneurS machte, zur Erinnerung ein niedliche» Geschenk gemacht — fünfzehn Elephanten. So massiv auch dieses „Souvenir" erscheinen mag, so lst eS doch eine zarte Aufmerksamkeit, tue auf die Pläne deS Herrn EhlerS Der« ständnißvoll eingeht. Herr Ehlers, veranlaßt durch seine Studien und Erfahrungen während seiner großen asiatischen Reise, sieht eS für eine seiner Aufgaben an, dahin zu wirken, daß endlich mit den practischen Versuchen begonnen werde, den afrikanischen Elephanten zu zähmen. Diesen versuchen I sollen nun die ihm vom Nabob geschenkten dressirten indischen Elephanten dienen. Auch die neue Reise, die Herr Ehler- Anfangs nächsten Jahres anzutreten gedenkt, wird demselben Zweck dienen. Herr EhlerS gedenkt sie bis nach Neu-Guinea auSzudehnen.
* AuS Gijou in Spanien geht un» ein längerer Aufruf, betitelt „Schreckliches Ercigniß. Eine Stadt in Flammen" von Prediger Inan Grmeterio Fuente zu, welcher in beweglichen Worten die über die unglückliche Stadt Santander durch die neuliche Dynamit Explosion hereingebrochene Nolh schildert und die evangelifchen Mitbrüder im Namen der Nächstenliebe um Almosen bittet. Der Genannte, wohnhaft zu Gijon in Austrien, Calle de Cova- dogna 22, wird Liebesgaben in Empfang nehmen und darüber quittiren.
* Die letzten schrecklichen Minuten. Herr (zu ein m Schneider, der der Trauung seines schlimmsten, mit einem reichen Mädchen verlobten Schuldners beiwohnt und dem die Angst aus dem Gesicht blickt): „Aber, mein lieber Fäderl, warum denn so schrecklich erregt?" — Fäderl: „Nu här'n Se aber, da soll mer Sie nich erregt fein ? Der Lumpkerl i» Sie im Stande un sagt Sie im letzten Momano „Neel"
* Wie warm soll der Stall im Winter sein? Im Allgemeinen werden wir eine Stallwärmc von 12 bis 14 Grad Eelsius zu erhalten trachten, wobei wir die obere Grenze bei Milchvieh, Kälbern und Ferkeln, die untere Grenze bei Zugthieren und Mastschweinen für angezeigt halten. Zug- ochsen und insbesondere Pferde sollen durch Gewöhnung unempfindlicher gegen niedere Temperaturgrade gemacht werden, da sie mitunter bei Wind und Naßwetter ins Freie müffen.
* Die Sprache des Siegellacks. Nach der Blumcnsprache die Siegellacksprache, daS ist die neueste Errungenschaft der Mode. Die „Technique" veröffentlicht einen ganzen Dctionaire der neuen Sprache. Da» ach verwendet man weißen Lack für Dermählungs-, schwarzen für Todesanzeigen, violetten für Beileidsschreiben - für Einladung zum Diner nimmt man chokoladefarbenen. Geschäftsbriefe siegelt man mit zinnober rothem Lack, Liebesbriefe mit rubinrotem; grünen wendet man bei Glückwunschschreiben an, braunen, um sein Bedauern auszudrücken. Blau ist die Farbe der Standhaftigkeit, gelb die der Eifersucht, blaßgrün aber deutet auf Vorwürfe. Junge Mädchen siegeln mit Rosenlack, unter Freunden verwendet man grauen.
♦ Ems, 4. December. Eine große Weih nachts- fr ende ist einer hiesigen braven Familie durch die Gnade des Kaisers bereitet worden. Der älteste Sohn derselben hatte sich vor etwa sechs Jahren in Mainz al» Soldat in Gemeinschaft mit einem Kameraden an einem Posten vergriffen und war dafür mit 11 Jahren Zuchthaus bestraft worden. In Anbetracht deS tadellosen Vorlebens deS Betreffenden und seiner ausgezeichneten Führung im Zuchthaus zu Wehlheiden ist ihm nun laut „Rh. K." vom Kaiser die Hälfte der Strafe, also 5y2 Jahre, im Gnadenwege erlassen worden.
• Peter »eifebimmele will sich in« Lehrerseminar aufnehmen lassen, fällt aber bei der Prüfung durch, weil fein Wissen, vor Allem in der Weltgeschichte, doch noch gar zu arge Lücken hat. So hatte der Wackere z. B. gar keine Ahnung davon, daß die Kreuzzüge zur Befreiung dcS heiligen Grabes von Jerusalem unternommen worben seren. Einige Tage nach diesem traurigen Ereignisse ist Frau Beißbimmele bei einem Damenkaffee. Frau Cantor wendet sich mit den teilnehmenden Worten an sie: „Ich habe herzlich bedauert, daß Ihr Sohn daS Unglück gehabt hat . . ." Frau Beißbimmele (unterbrechend): „Ja, denken Sie nur, meine Liebe! ES ist aber geradezu entsetzlich, was man jetzt von den jungen Leuten verlangt, da soll mein Gottlieb wissen, welche Züge sich bei Jerusalem kreuzen."
* Sie werden nicht alle — daS zeigt wieder einmal ein Fall, der auS Halle gemeldet wird: In einem dortigen Blatte befand sich ein Inserat, durch welche« ein Kind zur Adoptirung außgebolcn und dabei neben einer einmaligen Zahlung von 6000 Mark noch fortlauferibe reichliche Vergütung in Aussicht gestellt wurde. Zur Rückantwort sollten den Offerten 20 Pfennig in Marken beigelegt werden. Dieser doch recht durchsichtige Schwindel hatte den Erfolg, daß auf dem Postamte in Halle (postlagernd) alsbald etwa neun«
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