Waldungen verweisen wir Sie auf unsere generelle Verfügung vom 25. v. Mls. Wo die Bevölkerung geneigt ist, Futterlaub zu verwenden, ist geeignetes Reisholz abzugeben.
* • Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberhefieu am 6. Juni 1893. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Heinrich Langwasser von Steinfurt wegen Verbrechens im Amte. Die Anklage wurde von Großh. Staatsanwalt Schilling-TrygophoruS vertreten, vertheidigt wurde der Angeklagte von Rechtsanwalt Dr. Jung. Als Geschworene wurden ausgelooft die Herren: Jacob Appel II., Philipp Amend HI., Heinrich Korell, Johannes Carle II., Peter Philipp Schäfer, Johannes Kromm, Heinrich Schudt II., Jacob Wilhelm Bender, Christoph Schwalb VIH., Wilhelm Conrad Görlach, Wilhelm Althaus und Pilipp Hofmann VI. Der seitherige Gemeinderechner Heinrich Langwaffer von Steinfurt ist angeklagt, daß er in den Jahren 1891 und 1892 zu Steinfurt als Beamter Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft empfangen hatte, unterschlagen und in Beziehung auf diese Unterschlagungen die zur Eintragung oder Controle der Einnahmen und Ausgaben bestimmten Rechnungen, Register und Bücher unrichtig gesührt habe. Heinrich Langwasser war am 24. März 1883 als Gemeinderechner für die Gemeinde Steinfurt eidlich verpflichtet und in der Zeit vom 2. bis 4. April des genannten Jahres in sein Amt eingewiesen worden. Im Jahre 1885 wurde er zugleich zum Rechner der Gemeindekrankenversicherungskasse für Steinfurt bestellt und im Jahre 1890 ferner mit der Verwaltung der örtlichen Jnvaliditäts- und AltersversicherungSkasie daselbst betraut. Nachdem zwei in den Jahren 1887 und 1888 stattgefundene Visitationen bereits kleinere Kassenmängel ergeben hatten, wurde durch eine am 21. Dezember 1892 und an mehreren folgenden Tagen im Auftrage des Großh. Kreisamts Lauter« nach vorgenommenen Prüfung der gesammten Dienstsührung des Langwasser in den Jahren 1891 und 1892 ein Deficit bvo ungefähr 623 Mark festgeftellt, welches sich auf alle drei demselben anvertraut gewesenen Kassen bezog. Die Visitation seiner Dienstsührung ergab zugleich, daß er von Mitte September 1891 an die ihm obliegende Buchführung vollständig vernachlässigt habe. Langwasier bestreitet auf das Entschiedenste, das fehlende Geld für sich oder seine Angehörigen verwendet zu haben und gab an, er sei von einer Zigeunerin während des großen Brandes in Steinfurt um bedeutende Summen bestohlen worden, beim Geldwechseln habe er einem gewissen Johannes Gärig statt eines Fünfmark-Scheines einen Fünfzigmark-Schein herausgegeben u. dgl. Mit Rücksicht auf diese, früher von ihm nicht gemachten Angaben mußte nach Antrag des Staatsanwalts die heutige Verhandlung auf Mittwoch den 14. Juni l. I. vertagt werden, zu welcher die Ladung von weiteren 16 Zeugen angeordnet wurde.
* * Schlägerei. Vergangene Nacht fand in der Wallthor- straße eine kleine Holzerei statt, wobei es aber doch blutige Köpfe absetzte.
• • Preisausschreiben für Lehrer. Der Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke stellt folgende Preisfrage: „Was kann die Schule und besonders der Lehrer zur Förderung der Mäßigkeitssache thun?" Zur Bewerbung sind alle Volköschullehrer des Reiches eingeladen. Der Preis beträgt 300 M., doch ist den Preisrichtern gestattet, denselben nach Befinden zu theilen. Es wird eine kürzere Arbeit gewünscht, die sich zur Massenverbreitung eignet. Die preisgekrönten Arbeiten werden Eigenthum des Vereins. Die Arbeiten, die bis zum 15. Februar 1894 einzuliefern sind, haben nicht den Namen des Verfassers, sondern ein Motto zu tragen,- in einem Umschläge, der das gleiche Motto trägt, ist die Adresse des Verfassers zu verschließen. Das Preisrichteramt haben übernommen die Herren Abgeordneter L. F. Seyffardt in Crefeld, Lehrer und Redacteur Helmcke in Magdeburg, Schuldirector O. Pache in Leipzig-Lindenau, General-Sekretär I. TrewS in Berlin und der Geschäftsführer des genannten Vereins, Dr. W. Bode in Hildesheim — wohin der Sitz des Vereins von Bremen verlegt ist —, an den die Arbeiten einzusenden sind. Der Preis wird am 15. April k. I. errheilt.
* * Abgekürzte Telegramm Adressen. Es kommt sehr häufig vor, daß Privatpersonen oder Handelsfirmen sich ohne weitere Verständigung mit der Reichstelegraphenverwaltung abgekürzte Telegramm-Adresien zulegen und solches auf vorgedruckten Adressen, Fakturen, Briefbogen rc. zum Ausdruck bringen und zwar in Nachahmung anderer Firmen, welche zum Dortheil ihrer Geschäftsfreunde rhatsächlich abgekürzte Telegramm- Adressen vereinbarten. AuS der unbefugten Angabe der letzteren erwachsen aber sehr häufig empfindliche Nachtheile sowohl für denjenigen, der solche Adresse sich eigenmächtig zulegte, als für die Correspondenten, Kunden rc., welche diese Adreffe in gutem Glauben verwenden. Die Telegraphen- behvrde erkennt nämlich solche willkürliche Adresse nicht an, meldet daS unter derselben eingehende Telegramm unbestellbar und der Zweck des letzteren bleibt unerfüllt. Es mag also hier darauf hingewiesen werden, daß zur Einführung einer abgekürzten Telegramm-Adresse eS sowohl der vorgängigen Verständigung mit dem OrtStelegraPhen« bezw. Postamte, als auch der Zahlung einer jährlichen Gebühr von 30 Mk. an die Telegraphenvcrwaltung bedarf.
Erledigte Stellen für Militär-Anwärter im Bezirk der Großh. Hess. Division: Generaldirection der oberhessischen Eisenbahnen, Bahnwärter, 664 Mk. Gehalt.
* ♦ Da« Fahrrad in Dienste der Reichßtagswahl. Zur bevorstehenden ReichStagSwahl am 15. Juni beabsichtigt der Darmstädter Bicycle-Club die Einholung der Wahl- resultate von den auswärtigen Wahlbezirken durch seine Mitglieder per Rad zu bewirken. Man hofft dadurch die Gesammt-Resultate, welche bisher in Folge der langsamen Beförderung erst in später Nachtstunde zusammengestcllt werden konnten, wesentlich früher zur Kenntniß der Wähler zu bringen. Die eingeholtcn Resultate sollen sofort nach Ein
treffen im Clublocal, Elisaberhenftraße 44 (Restauration Merz), Interessenten aller Parteien zur Verfügung gestellt werden.
Hunde und Hundesteuer in hesieu. Im Rechnungsjahr 1891/92 wurden in Starkenburg für Hunde (i 5 Mk.) 85,610 Mk. Staats-Hundesteuer bezahlt, beim Rem- amr Darmstadt für 5498 Hunde 27,490 Mk.), in Oberhessen für 10,003 Hunde 50,015 Mk., in Rheinhessen für 11,416 Hunde 57,080 Mk. Gemeinde-Hundesteuer (zwischen 2 und 5 Mk.) wurde in Starkenburg gezahlt 20,806 Mk. für 4805 Hunde, (in der Stadt Darmstadt, a 5 Mk., 10,055 Mk. für 2011 Hunde), in Oberheffen 7624 Mk. für 1837 Hunde, in Rheinhessen 24,754 Mk. für 6086 Hunde.
* * Der Präsident des Landesausschusses der landwirth- schaftlichen Bereiue des GroßherzogthumS Hessen, Herr Haas, hat die Mitglieder dieser obersten Vertretung der hessischen Landwirth sch oft auf Samstag, den 17. Juni l. I., zu einer außerordentlichen Sitzung nach Darmstadt zur Berathung und Beschlußfassung über die Frage einberufen, welche Maßregeln zur Bekämpfung der in Aussicht stehenden Futter- und Streunoth zu ergreifen sind.
* * Der Getreidemarkt. Im Getreidegeschäft drohte in letzter Zeit eine Baisse-Stimmung infolge der dem Saatenstande günstigen vielfachen Regenfälle Platz zu greifen, wozu noch die von den ausländischen Getreideplätzen eingegangenen überwiegend matten Meldungen daS ihrige beitrugen. Es machte sich daher speziell in Roggen eine ziemlich starke rückläufige Bewegung in den PreiSnotirungen bemerklich, die indessen in der abgelaufenen Berichtswoche zum Stillstände kam und sich schließlich wieder in eine etwas festere Stimmung umwandelte. Auch Weizen und Hafer gaben anfänglich etwas nach, doch nicht so stark, wie Roggen/ auch erholten sich jene im Laufe der jüngsten Berichtswoche wieder vollständig. Die Umsätze waren in Weizen wie Roggen an den meisten Inlands- Plätzen nicht sehr erhebliche. An der Berliner Productenbörse notirten: Weizen pro 1000 Kilogramm von 153—163 Mk., Roggen von 143—147 Mk., Hafer von 156—169 Mk., Gerste von 123—175 Mark.
L. Laubach, 5. Juni. Auch bei uns sind diejenigen Krankheiten aufgetreten, von denen der „Gießener Anzeiger" aus Nidda und der W e t t e r a u kürzlich berichtet hat: Scharlach und Diphtherie. Herr Director R., in dessen Familie sich das Nebel gezeigt hat, ist am Ertheilen des Unterrichts gehindert. Wenn das Uebel weiter um sich greift, ist ein früheres Eintreten der Ferien wahrscheinlich.
H. Au« dem Horloffthale, 5. Juni. Nach 75tägiger Pause ist heute endlich ein mehrstündiger Gewitterregen, dem auch Hagel untermischt war, niedergegangen. Der Hagelschaden ist jedoch unbedeutend. Auf bebautem Grunde ist die Feuchtigkeit 12 bis 15 Zentimeter eingedrungen. Auf Kleeäckern, die steinhart geworden, wie eine Scheuertenne, spürt man noch wenig, der Regen rieselte vorzugsweise in die Risse des zersprungenen BodenS. Wie schwer sich die Futternoth steigerte, geht daraus hervor, daß gestern für einige Zentner gutes Wiesenheu 9 Mk. pro Zentner geboten wurde. So etwas war aber thatiächlich noch nicht da. Wie ein Alp fällt es den schwer geängstigten Landleuten von der Brust, daß nun auch bei uns eine Wendung zum Besseren eingetreten ist. Dadurch, daß an den Kartoffeln ein so starker Frostschaden eintrat, schnellte der Preis noch einmal um eine Mark hinauf, so daß 7 Mk. pro Doppelcentner alter Waare gefordert wurde. Man fürchtete, die schwer geschädigten Kartoffelstauden würden bei der entsetzlichen Dürre nicht mehr ausschlagen, sondern ganz zu Grunde gehen. Nach dem heutigen ausgiebigen Gewitterregen ist es nicht mehr zu besürchten. Es war aber auch die höchste Noth eingetreten, noch einige solche heiße Tage mit trockenem Nordostwinde hätten vieles Verderben herbeigesührt.
E. Echzell, 5. Juni. Der „Reichsherold" hat über die hiesige Wahlversammlung am dritten Pfingstfeiertage, welche von der nationalliberalen Partei einberufen worden und auf welcher Herr Meinert-Konradsdorf, Candidal der letzteren Partei, sein Programm entwickelte, eine Schilderung gebracht, die bei allen vernünftigen Leuten große Heiterkeit, bei den Antisemiten selbst aber eine entschiedene Ernüchterung und Derschnupfung zu Wege gebracht hat. Man wird nicht sehr viel fehlgehen, wenn man annimmt, daß Herr Redacteur Georg selbst diesen schwer qualificirbaren Bombast zur Welt geboren hat, wenigstens wird es mehrseitig behauptet. Solche Schnurrpfeifereien machen bei unseren Bauern keinen Eindruck mehr. Am besten läßt sich dies durch Zahlen beweisen. Früher kamen eine zeitlang 78 Exemplare des „Reichsheroldes" hierher; heute sind es deren noch 23. Zahlen beweisen. Der freundliche Leser mag sich seinen DerS selber dazu machen. Die unausgesetzten Beschimpfungen verdienstvoller Männer anderer Parteien tragen schlechte Früchte.
N. Nidda, 5. Juni. Im Saale deS Herrn GasthalterS Mengel dahier fand gestern Nachmittag unter dem Vorsitze des Herrn StadtrechnerS Mantel eine Wahlversammlung der freisinnigen Partei statt. Erschienen war der Candidat der letzteren Partei, Herr Landrichter Dove von Frankfurt, welcher sein Programm entwickelte. Herr Rechtsanwalt vr. Jung wußte in wohlgesetzter Rede den Herrn Candidaten in kräftigster Weise zu nnterstützen. Beide Herren hielten sich an die Sache und vermieden jeden persönlichen Angriff, waS bei den Zuhörern einen guten Eindruck hinterließ. Den Antisemiten und Socialdemokraten wurde, abgesehen von den Übrigen Ausführungen, die Haltlosigkeit ihrer Parteigrundsätze vorgeführt und nachgewiesen, daß sie für die Zukunft Deutschlands nicht die richtigen Parteien sein könnten. Wtr citiren nicht wörtlich, sondern dem Sinne nach. Die Der- sammlung verlies in durchaus anständiger und würdiger Weise. ES mögen etwa 80 Personen anwesend gewesen sein, davon gehörten wohl die Hälfte der freisinnigen Partei, die andere Hälfte den Nationalliberalen und Socialdemokraten
an. Antisemiten wurden nicht gesehen, sie waren mit Redacteur- Georg aus Marburg und Herrn Köhler -Bettenhausen^ dem amisemitischen ReichstagScandidaten, aufs Land gezogen. Auf die Reden der beiden Herren näher einzugehen, verbietet der knappe Raum. UnS interessirte vorzugSwetse die Zurückweisung der Antisemiten und Socialdemokraten. Wte wir hörten, sollen die Herren Landrichter Dove und Dr. Jung noch am Abend nach Crtenberg gereist sein, um dorten der antisemitischen Versammlung, in welcher Dr. Böcke! zu erscheinen beabsichtigte, beizuwohnen. — Heute wurden hier die höhere Bürgerschule und die Kleinkinderschule geschlossen, weil die immer noch herrschenden Krankheiten, von denen eine Abnahme erhofft worden war, große Vorsicht wünschens- wcrth erscheinen taffen.
VermncbUs.
* Frankfurt a. M., 6. Juni. Die Hindernißrennen,. welche am 11. Juni, Nachmittags 3 Uhr, auf der Rennbahn am Forsthaufe abgehalten werden, versprechen einen sehr in» tereffanten Verlaus zu nehmen. ES kommen sechs Rennen, für welche 94 Meldungen gemacht wurden, zur Entscheidung. Darunter zwei Flach-, zwei Hürden-, ein Jagd- und zum Schluß die große Franksuner Subscription-Steeple-Chase mit einem Preise von 11,500 Mk., für diese sind die besten Steeple Chase-Pserde Deutschlands genannt, so Funny Face, Frondeur, Rosabella, Sardoine, Great Paul, Sandown, Dunkelmann, Pleuruicheuse.u. a. — Die- ist da» größte Hindernißrcnnen, welches bis jetzt in Frankfurt und Umgegend stattfand, und wenn je, so wird sich diesmal ein Ausflug nach Frankfurt lohnen.
* Marburg, 6. Juni. Der bei uns so sehr beliebte und vielgcseierte Piston-Solist Herr Kümmel bei hiesiger Jäger-Capelle (ein geborener Lollarer) verläßt Marburg nun bestimmt in diesem Herbste und wird in dem Orchester beo Grotzherzoglick Hessischen HostheaterS zu Darmstadt al» erster Trompeter angestellt. Unter 38 Musikern, welche sich um die fragliche Stellung bewarben, wurde Herr Kümmel für obige Stelle auSersehen, gewiß das beste Zeichen der Anerkennung für dessen hervorragende musikalische Fähigkeiten. Obgleich wir ihn, dem wir so manchen musikalischen Genuß verdanken, nur ungern scheiden sehen, freut eS uni doch, ihm zu feiner neuen Stellung, die eine lebenslängliche ist, Glück wünschen zu können.
* Weinheim, 6. Juni. Der Landwirth Hilpen von Sulzbach und dessen Frau, die gestern während eines Gewittere unter einem Baume Schutz gesucht hatten, sind vom Blitz erschlagen worden.
♦ Berlin, 2. Juni. Wir lesen in der „Wes. - Ztg." : Der Dermögensverfall des Kaffeehausbesitzers M. Bauer, der schon fast ein Jahrzehnt zuruckdatirt, ist jetzt durch eine „öffentliche Zustellung" auch zur Kenntniß weiterer Kreise gekommen. Bauer, der hier daS Safe Unter den Linden begründete und früher auch Pächter deS AuSstellungSparkei war, befaß noch mehrere Kaffeehäuser an anderen Platzen. ES fehlte ihm aber anscheinend die Ueberficht über all seine Geschäfte und Unternehmungen. Trotz der zum Theil sehr großen Einnahmen wurden den Lieferanten oft bedeutende Summen (geschuldet. So trat denn Herr Bauer zuerst den AusstellungSpark, eine wahre Goldgrube, an den Wiener Brauereibesitzer Dreher ab, gab bann seine auswärtigen Geschäfte allmählich auf und überließ zuletzt auch da» hiesige Zaf6 Bauer seinen Gläubigern, für deren Rechnung eS schon seit geraumer Zeit geführt wird. Jetzt klagt eine hiesige Kaffee- und Zuckerhandlung gegen Bauer auf eine Zahlung von Mk. 948.25 aus drei Wechseln. Da Bauer au» seiner hiesigen Wohnung „unbekannt verzogen" ist, muß nun die öffentliche Zustellung der Klage erfolgen.
* Berlin, 6. Juni. In der großen Scheringschen Chemikalienfabrik ist Abends ein großer Brand aufr gebrochen. Er konnte gegen 11 Uhr auf die Hauptgebäude beschränkt werden. Mehrere Feuerwehrleute sind verwundet.
* Wien, 6. Juni. Bon den Distanzgehern kamen heute Nachmittag 6 Uhr 18 Min. der Musiklehrer Keßler aus Petersdorf in Schlesien und der Berliner Heilgehilfe Greyi hier an.
• Wien, 4. Juni. Bon den Distanzgehern, die am Montag früh Berlin verließen, ist als erster heute Nachmittag 4 Uhr 45 Min. ein sächsischer Schriftsetzer am FlortdS- dorser Start eingetroffen; al8 zweiter traf um 6 Uhr der Ingenieur Elsäffer ein. AuS Jglau wird dem „Wiener Fremdenblatt" unter dem 3. Junt geschrieben: Die beiden Vegetarianer, welche den Fernmarsch mitmachten, sind heute früh als die ersten hier angekommen; der eine ist ein Magdeburger, der andere, Schriftsetzer Peitz, ein Sachse. Die beiden gedenken Sonntag Abend in Wien einzutreffen. Bei ihrem Einzug in Jglau hielten sie, trotz der großen Strecke, die sie bereits zurückgelegt hatten, dennoch ein scharfes Tempo ein. Beide strahlten förmlich vor Freude über den Sieg „ihrer Sache", daS ist der vegetarianischen Lebensweise. Der Sachse hat heute, al» er den um diese Zeit schon belebten Marktplatz von Jglau durchlief, lebhafte Aufmerksamkeit erregt. Er ist ein kleiner, schmächtiger Mensch, am Arm trug er die weiße Erkennungsbinde des DiftanzgeherS, in der zusammengeballten Faust seinen gesammten Mundvorrath, der au» einem Apfel besteht, und ein Taschentuch. Aus seinem ganzen sonstigen Marsch hat der Ferngehei: nicht» al» einen derben Stock benutzt; er trug keinen Ueberrotf, keinen Mantel, keinen Schirm, kurz nicht», wa» man gewötnlich bei einem Touristen vorau»- setzt. DaS Wollhemd und der Rock de» Sachsen waren weit geöffnet, so daß die Brust frei der Luft ausgesetzt war. Dieser biedere Wanderer au» dem Sachsenlande nährte sich, wie er selbst sagte und wie auch die Radfahrer bezeugen, die ihn von Berlin au» bi» hierher begleitet haben, von nicht» al» zwei Aepfeln und einem Stückchen Brod täglich. Dabei lief er nahezu achtzehn Stunden täglich, schlief an 6 Stund« und hielt nur dann und wann Mittag» em halbe» Stündchen Rast.


