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Nr. 132. Erstes Blatt. Donnerstag deu 8. Juni 1893
Der Oletzener Avjeiger erscheint täglich, ■rit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener 3femtriew6(4t(et «erden dem Anzeiger «vchentlich dreimal tzrigelegt.
Gießener Anzeiger
Generat-Mnzeiger.
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Zimts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.
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Gratisbeilage: Gießener Iamilienßlätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Theil.
Bekanntmachung,
betreffend Maul- und Klauyifeuche zu Hattenrod.
Nachdem die in einem Gehöfte zu Hattenrod ausgebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, haben wir die Aufhebung der Gehöftsperre vekfügt.
Die Ausführung von Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen aus genannter Gemarkung darf indessen bis auf Weiteres, sofern sie nicht zum Zwecke sofortiger Abschlachtung geschieht, nur auf Grund thierärztlicher Gesundheitsscheine erfolgen.
Für Thiere, welche zur sofortigen Abschlachtung ausgeführt werden, bedarf es eines Gesundheitsscheines der Großh. Bürgermeisterei.
Gießen, den 6. Juni 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend Maul- und Klauenseuche zu Grünberg.
Wegen des Bestehens der Maul- und Klauenseuche in der Stadt Grünberg muß die Abhaltung des aus 22. Juni d. I. anberaumten Grünberger Viehmarktes untersagt werden.
Gießen, den 6. Juni 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Die Mitglieder des zur Abstellung des Bettels gegrun- beten Unterstützungsvereins (Armen-Verein) in Gießen werden hierdurch auf
Dienstag, den 13. Juni d. I., Mittags 12 Uhr, in das Regierungsgebäude zur jährlichen General-Versammlung eingeladen.
Tagesordnung:
1) Austritt der Hälfte der Vorstandsmitglieder und Neuwahl für dieselben.
2) Vorlage der Rechnung für das Jahr 1892.
3) Feststellung des neuen Voranschlags.
Gießen, den 6. Juni 1893.
Für den Ausschuß:
v. Gagern, Provinzialdirector. __________
Steckbrief.
Gegen Kaufmann, Adolf, Viehhändler, 26 Jahre alt, von Ettingshausen, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Meineids verhängt. Es wird um Fahndung, Verhaftung und Nachricht vor Zuführung ersucht.
Gießen, den 1. Juni 1893.
Großherzogliche Staatsanwaltschaft.
Schilling-Try goph orus.___________
Ausschreiben.
Wir bitten um Auskunft über den derzeitigen Aufenthalt des Korbmachers Ludwig Klein aus Vetzberg.
Derselbe soll als Zeuge vernommen werden.
Gießen, den 1. Juni 1893.
Großherzogliche Staatsanwaltschaft. Schilling-Trygophorus.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Juni. Aus Berlin kommt die Nachricht, daß Prinz Friedrich August von Sachsen, welcher bekanntlich nebst dem Prinzen Victor von Italien und noch anderen auswärtigen Fürstlichkeiten der Frühjahrsparade des Gardecorps beigewohnt hatte, an den Masern erkrankt ist. Der Prinz liegt im Berliner Residenzschlosse und genießt er hier selbstverständlich die allersorgfältigste Pflege. Bis jetzt verlaufen die Masern durchaus gutartig und da sich inzwischen auch der Appetit wieder eingestellt hat, sowie das Allgemeinbefinden besser geworden ist, so besteht begründete Hoffnung auf baldige gänzliche Wiederherstellung des erlauchten Kranken.
__ Prinz Victor von Italien, Graf von Turin, gedenkt seinen gegenwärtigen Besuch am Berliner Hofe am kommenden Sonnabend zu beenden und am genannten Tage die Heimreise anzutreten.
— Je mehr wir uns dem Tage der Reichstagswahlen nähern, dem 15. Juni, desto häufiger kehrt die Frage nach dem Zusammentritte des neuen Parlamentes
wieder. Bislang war angenommen worden, daß der künftige Reichstag noch in den letzten Junitagen einberufen werden würde. In letzter Zeit tauchte jedoch das vielverbreitete Gerücht auf, daß der Reichstag wahrscheinlich erst am 4. Juli zusammentreten würde, da eine frühere Eröffnung aus verschiedenen Gründen nicht gut möglich sei. Offenbar ist aber ein bestimmter Entschluß über die Einberufung des neu zuwählenden Parlaments an leitender Stelle noch gar nicht gefaßt und wäre dies vor Beendigung der Stichwahlen überhaupt auch gar nicht denkbar. Erst wenn die Ergebnisse der Stichwahlen vorliegen, dürfte die Veröffentlichung des Termins für den Zusammentritt des Reichstages zu erwarten sein.
— Bischof Karl Josef von Hefele von Rotte n b u r g (Württemberg) ist daselbst am Montag nach längeren Leiden infolge eines Schlaganfalls gestorben. Der verewigte Kirchenfürst, welcher ein Alter von 84 Jahren erreicht hat, bekleidete sein bischöfliches Amt seit 1860. Anfangs war er ein entschiedener Gegner des Dogmas von der päpstlichen Unfehlbarkeit, später aber unterwarf er sich dem Vatican, wenngleich erst nach längerem Zögern. Mit Bischof Karl Josef ist eine liebenswürdige und zugleich tolerante Persönlichkeit dahingegangen.
Berlin, im Juni. Das zweite Vierteljahresheft zur Statistik des Deutschen Reiches enthält eine aus den Ergebnissen der Volkszählung vom 1. December 1890 aufgestellte Uebersicht über die Bevölkerung des Deutschen Reiches nach dem Geburtsorte, aus der wir folgende Zahlen entnehmen. Unter der Gesammtbevölkerung des Reichs, welche sich am Zählungstage auf 49 428470 Einwohner stellte, befanden sich 518510 im Auslande geborene Personen - 48909 960 Personen waren also im Reich gebürtig. Für die letzteren ist nun nachgewiesen, wo sie innerhalb des Reiches gezählt und wo sie geboren sind, sodaß das Ergebniß der inneren Wanderungen, wie es sich am Zählungstage stellte, ersichtlich wird. Wenn man das Reich in drei große Gebiete, den Osten, Westen und Süden, eintheilt und hierbei als Grenzlinien zwischen dem Osten und Westen die Elbe und gegen den Süden den Main nimmt, so waren im Osten von daselbst wohnhaften 17 598582 Einwohnern daselbst geboren 16 911916, im Westen von 19 512408 18804551, im Süden von 11798 970 11523323. Von den Bewohnern des westlichen Gebiets stammen 630792 aus dem östlichen Deutschland und von denen des letzteren 490976 aus dem Westen. Weniger lebhaft ist der Verkehr zwischen dem Westen und dem Süden- dort sind 236089 Einwohner gezählt, deren Geburtsort in Süddeutschland belegen ist, hier 216881, die aus dem westlichen gekommen sind. Noch schwächere Beziehungen bestehen zwischen den Gebieten des Südens und Ostens- vom Osten sind 55874 nach dem Süden und von hier 39 558 nach dem Osten gewandert. Wie man sieht, sind die Beträge des Austausches zwischen je zwei Gebieten nicht gerade sehr verschieden- der Gewinn des einen und der Verlust des anderen Theiles ist in jedem Falle, gegen den gejammten Austausch gehalten, wenig beträchtlich- es gewinnt nämlich der Westen vom Osten 139 816, vom Süden 19 208 und der Süden vom Osten 16316 Köpfe.
Ucucfk Nachrichten.
WolffS telegr-phijches Correjpondenz-Bureau.
Köln, 6. Juni. Die „Kölnische Zeitung^ meldet: Nach Genehmigung des Abschiedsgesuches des Generals v. Albedyll ist Generallieutenant von Goetze zum Commandeur deS 7. Armeecorps ernannt worden.
Lemberg. 6. Juni. Infolge des anhaltenden Regens bildet sich die Überschwemmung-im Dniestergebiete zu einer Katastrophe aus. Viele Ortschaften an den Flüffen Stryi, Swica und Lomnica sind gleichfalls überschwemmt. In den Vorstädten TysmienicaS flüchten die Einwohner auf die Dächer, einzelne Häuser in Slotwina sind weg- geschwemmt. Großer Schaden ist an Straßen und Brücken angerichtet, die theils weggeriffen, theils sehr gefährdet sind. Dabei strömt der Regen ununterbrochen nieder.
Czernowitz. 6. Juni. Der vier Tage in der Bukowina niedergegangene Regen hörte heute Vormittag auf. Das AuStreten der Flüsse Czeremosz, Suceana, Sereth und Pruth hat bedeutende Schäden verursacht. Die Czernowitzer Vorstadt Kaliczanka ist überschwemmt, die unteren Stadttheile sind bedroht. Zahlreiche Ortschaften sind überschwemmt, sechs Häuser stürzten ein, die Brücken sind weggerissen und die Verbindungen unterbrochen.
Mailand, 6.Juni. Die Spielhölle von Monte Carlo hat wiederum ein Opfer gefordert. Der Schweizer Handels- । reisende Carl Schmidt stürzte sich von der Terraffe, nachdem er 20,000 Franken verspielt hatte, die er in Nizza für I seinen Prinzipal einkassirte.
Chicago, 6. Juni. Der ReichScommiffar Wermuth eröffnete gestern den Krupp-Pavillon, wobei er auf die patriotischen Gesinnungen Krupps hinwies.
Chicago, 5. Juni. In der Angelegenheit der PreiS- vertheilung ist beschloffen worden, dreizehn Jurys zu bilden, je eine für jede Hauptsection. In jeder Jury soll ein einziger Experte daS betreffende AusstellungSobject prüfen und, falls Widerspruch gegen sein Urtheil erhoben wird, eine Spezialcommission hinzutreten.
Depeschen de» Bureau .Herold".
Berlin, 6. Juni. Auf das Programm des Bundes der Landwirthe wurden bisher 95 ReichStagS-Can- bibaten verpflichtet.
Berlin. 7. Juni. Nach dem letzten Finanzabschluß ver- zeichnet die Reichspost und Telegraphie für 1892/93 im ordentlichen Etat einen Ueberschuß von 24598073 Mk., gegen das Vorjahr 2765251 Mk. mehr.
Freiburg i. B.. 6. Juni. Mehrere große Oeconomen wurden wegen langjähriger Milchpantschereien zu hohen Geld- und Gefängnißstrafen verurtheilt.
München, 6. Juni. Eine Vertrauensmännerversammlung der hiesigen socialdemokratischen Partei beschloß einstimmig, den kommenden Wahltag als Arbeitsruhetag zu erklären.
München, 6. Juni. Nach der „Münchener Post" soll demnächst der Versuch einer . größeren Mobilmachung probeweise gemacht werden. Verschiedene Zeitungen wurden hiervon verständigt mit dem Ersuchen, die Sache zu ignoriren.
Bamberg. 6. Juni. Im Concurs Heßlein beginnt jetzt die Zurückgabe der geschloffenen Depots.
Budapest, 6. Juni. Infolge dreitägiger Regengüsse stiegen die Flüsse in Ungarn sehr rapid. Von vielen Orten werden Ueberschwemmungen gemeldet.
Paris. 6. Juni. Es verlautet, die Wahlen seien auf den 20. August festgesetzt.
Nimes. 6. Juni. Heute Nacht brach im Scala-Theater nach Schluß der Vorstellung Feuer aus. Der Schaden, bet dadurch entstanden ist, beträgt 100 000 Frcs. Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen.
Fänfkircheu, 7. Juni. Im Kohlenbergwerke der Donau- Dampfschifffahrts-Gesellschaft brach ein partieller Strike aus. 800 Bergleute sind nicht eingefahren. Es sind Vorkehrungen zur Verhinderung von Ruhestörungen getroffen.
Czernowitz. 7. Juni. Infolge neuerlichen Regens steigen die Flüsse beständig. Die Unterstadt ist ge- fährdet- ein Menschenopfer.
totales uttö Provinzielles.
Gießen. 7. Juni 1893.
** Das Großherzogliche Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Forst- und Cameralverwaltung, hat nach- stehendes Ausschreiben an die Großherzoglichen Forstämter und Oberförstereien erlassen: „Die seither abgehaltenen Ver- steigerungen von Waldstreu haben dem dermalen bestehenden außerordentlichen Bedürsniß nicht genügend entsprochen. Wir ordnen deshalb mit Ermächtigung Großh. Ministeriums der Finanzen an, daß in den Domani alwaldungen die Streu bis auf Weiteres aus der Hand abgegeben wird. Auf Wegen und Schneisen soll dies flächenweise, im Uebrigen nach vorheriger Aufarbeitung gegen Bezahlung des Tarispreises unter Aufrechnung der Erntekosten geschehen (cf. Handbuch Seite 550, § 181, IV, 3). Es ist sofort in den betreffenden Ortschaften durch die Schelle bekannt zu machen, daß die Bedürftigen sich bei der Oberförsterei zu melden hätten. Das hiernach festgestellte Bedürfnißquantum ist von der Oberförsterei alsbald in das vorgeschriebene Maß aufarbeiten zu laffen und unter ben Angemeldeten zu verloosen. Ein größeres Quantum wie 2 Haufen ä 5 cbm ist jedoch bis auf Weiteres an eine Haushaltung aus der Hand nicht zu verabfolgen. Wir ermächtigen Sie zugleich, die Abgaben bis zu dem Maximalbetrag der Verordnung vom 3. October 1848, soweit dies im laufrnden Jahre noch nicht geschehen ist, ohne vorherige Anfrage bei uns abzugeben. Sollte auch hierdurch dem Bedürsniß nicht genügt werden, fo sehen wir weiterem Bericht entgegen. Wegen Abgabe von Streu aus den Gemeindewaldungen wollen Sie den Wünschen der Gemeindebehörden möglichst entgegen kommen, selbstverständlich innerhalb der Grenzen des Gesetzes vom 2. Juli 1839 und der weiter erlassenen Instruction. Hinsichtlich der Flächengröße der aufzugebenden Bestände ist in gleicher Weise zu verfahren wie oben bemerkt. Bezüglich der Abgabe von Gras und Futterkräutern aus den Domanial-


