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Mit einer verächtlichen Wendung des KopseS nach rückwärts meinte der sieghafte Ferngeher: „Den Fleifcheffern da hinten iß schon damisch heiß, sie sind weit rückwärts !" Die Schuhe des Sachsen waren noch ganz fest in ihrer „Form", was, wie man glauben sollte, für die sächsische Schuhmacherkunst ein besonders ehrendes Zeugniß ift. Doch die Sache verhält sich nicht so einfach: der Vegetarianer lief nämlich zumeist barfuß. Peitz legte den Weg Berlin-Wien in 7 Tagen 1 Stunde 34 Minuten zurück- beim Distanzritt gebrauchten die schnellsten Pferde drei Tage. Uebrigens hat Eliäsier gegen den Peitz proteftirt, da Letzterer gegen die getroffene Marschordnung schon vor 4 Uhr Morgens aufgebrochen fein soll. Ist der Protest begründet, so wird Eisäffer Erster. — Nachmittags 3 Uhr 5 Min. kam am Start in Floridsdorf an der Wiener Ingenieur Neuhaus, dann 6 Uhr 52 Min. ein Student auS Berlin, der anonym bleiben will, 3 Minuten später Rentier Goldbach (Berlin), ein 43jähriger Mann- Dr. Heller telegraphirte aus Jglau, daß er den Distanzmarsch wegen einer Fußverwundung aufgebe. Auch der Naturmensch Drütschel telegraphirte, daß er in Folge geschwollener Kniee den Marsch aufgebe und mit der Eisenbahn in Wien eintreffe.
* Eltville, 3. Juni. Zu dem hier stattgefundenen Saalei n stürz wird Folgendes gemeldet: Vor einigen Jahren hatte Herr Hotelbesitzer Emmel („Mainzer Hos") in seinem Garten einen Saal errichten lassen, der jedoch ziemlich klein war. Ueber dem Saal befand sich eine Mansardenwohnung, in welcher der penfionirte Bahnwärter L. Butz und dessen Schwiegersohn, der Eisenbahnarbeiter Deckhaus mit Familien wohnten. Um den Saal zu vergrößern, ließ Herr Emmel einen größeren Anbau errichten. Zu diesem Zwecke war die hintere (Backstein)-Mauer durchbrochen worden, so daß daselbst nur noch zwei als Pfeiler dienende Mauerreste stehen blieben. Ueber diese Mauer wurden als Stütze für den neuen Saal eiferne Schienen von 45 Zentimeter gelegt. Die Zeichnungen waren von der Baubehörde geprüft und der im Rohbau fertig- gestellte Neubau war von der Behörde bereits revidirt und genehmigt worden. Die Ausführung des Baues war ganz nach Vorschrift geschehen. An dem Unglüäsabend kurz nach 6 Uhr, als gerade Schreiner und Tüncher im Saale beschäftigt waren, gaben die obenbezeichneten Mauerpfeiler unter der Last der Schienen und des Daches nach und beide Säle (der alte wie der neue) stürzten nach der Mitte zu ein. Die Arbeiter konnten sich fast alle noch schnell retten. Ein Schreiner (Ditter von hier) wurde verschüttet, ebenso wurde der Bahnwärter Butz mit Frau und Tochter (Frau BeckhauS) milberfdjüttet. Am schlimmsten erging es Fräulein Emmel und dem Dienstmädchen. Beide waren in der im Souterrain des alten Saales befindlichen Waschküche beschäftigt, als fie
das Schreien und Tosen über sich hörten. Erschrocken eilten sie hinaus und wurden von den herabstürzenden Trümmern verschüttet. Die schnell alarmirte Feuerwehr konnte alle Personen, wenn auch schwer verwundet, lebend herauS- schaffen. Das Dienstmädchen hat Schädelbruch und ein bis zur Unkenntlichkeit zerquetschtes Gesicht davongetragen und wird wohl bald sterben. Fräulein Emmel hat zwei Beinbrüche und eine Kopfwunde davongetragen, ihr sollen beide Beine abgenommen werden. Herr Butz ist an der Brust schwer getroffen, ebenso Frau Deckhaus. Frau Butz und der Schreiner Ditter sind etwas minder schwer verwundet. Den Bauführer soll kein Verschulden treffen.
* Ein kleines Familieudrama spielte sich in Frankfurt ab. DaS alte Schwanenpaar der dortigen Anlagen hatte kürzlich Nachkommenschaft erhalten. Eins der sechs Jungen mußte nun den Zorn des gestrengen Herrn Papa in höchstem Maße erregt haben, denn dieser züchtigte das Kleine derartig, daß es bald seinen Geist aufgab. Kurze Zeit darauf verschied aber auch, mitten im Wasser, der Schwanenvater selbst und zwar, wie ärztlich festgestellt wurde, in Folge eines Herzschlages. Wahrscheinlich hatte er sich feine Miffethat und den hierdurch verursachten Tod seines Sprößlings sehr zu Herzen genommen oder sich bei der Züchtigung zu sehr aufgeregt.
* Von Stufe zu Stufe. Im Landkrankenhause zu Schmalkalden starb vor einigen Tagen der ehemalige königlich württembergische Oberfilieutenant M. Infolge unglücklicher Verhältnisse und wohl auch durch eigene Schuld war er von Stufe zu Stufe gesunken und zuletzt beim Eisenbahnbau als Streckenarbeiter beschäftigt.
* Neuester Londoner Ehic. Wie vor Jahren die Herren von dem lästigen Handschuhzwang befreit wurden, so kommt jetzt die Kunde aus London, daß die Damen der Aristokratie eS für den höchsten Chic erklären, ohne Handschuhe auf der Straße zu erscheinen und Handschuhe nur noch für Visiten und Kirchenbesuch zulässig sind. Die Handschuhfabrikanten dürften freilich über diese neueste Modelaune weniger erbaut sein.
Unixxrfität» -
Marburg, 6. Juni. Von der Universität. Nach der vorläufigen Feststellung der Zabl der Studirenden auf unserer Universität im Sommer-Semester 1893 sind in diesem Semester immatrikulirt 418 Studenten, verblieben aus dem W.-S. 1892/93: 523, sodaß die Zahl der Studirenden z. Z. 941 beträgt. Die evangelisch-theologische Facultät zählt 154, die juristische 223, die medicintsche 254, die philosophische 340 Hörer. Hierzu diejenigen, welche mit Eilaubntß des Rectors Vorlesungen hören: 30. Die Gesammtzahl der Berechtigten ist mithin 971.
Eingesandt.
ES wird mir mitgetheilt, daß in der gestrigen socialdemokratischen Versammlung behauptet worden ist, ich fei anwesend und wage den Rednern nicht entgegenzutreten. Die Herrm Socialdemokraten wisien sehr gut aus den Versammlungen in Dollar und Wieseck, daß ich mich vor ihnen nicht fürdjte; allen übrigen Wühlern aber tbeile ich mit, daß ich gestern Abend in Sderstadt uud Grüningen ge sprachen habe und deshalb unmöglich hier im Leib'schen Saale gewesen sein kann. Ich glaubte auf diese Weise, meinen Abend nützlicher und für unsere Sache ersprießlicher zu verwenden, al» durch Anhören einer Rede, die mir Neue« nicht bringen konnte und bei den meisten der wahlberechtigten Zuhörer einer Widerlegung nicht bedurfte.
Kietzen, 6. Juni 1898.
Dr. Fuhr, Rechtsanwalt.
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Am 11. Juni er., Nachmittags 3 Uhr
Grosse Hindernissrenuen zu Frankfurt am Main auf der Rennbahn am Foryha«-.
0 Rennen mit 94 Meldungen, darunter: Großes Hürdenrennen Preis Mark 4000. Große Frankfurter Subscriptions-Steeple Chase Mark 11500.
1. Tribüne Mark 6, Damenkarte Mark 4, 2. Tribüne Mark 1.50, Stehplatz 50 Vfg., Wagenkarten Mark 6. [6113
Temperatur der Lahn und Luft nach Reaurnur gemessen am 7. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr : Wasser 14'/,. Lust 17 Grad.
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Versteigerung.
Dienstag den 13. Juni l. I., von Morgens 87« Uhr an, soll in der Wohnung des verstorbenen Gerhardt Schön II. dahier dessen Nachlaß, bestehend in 3 Kühen, 11 Stück Hühnern, 7 Stück Gänsen, 2 Wagen, 1 Pflug, 2 Eggen, 1 Fuller-
schneidmaschine, 1 Fruchtmühle, 1 Dreschmaschine mit Göpelwerk, ca. 12 rm Buchenholz, ca. 240 Liter Branntwein verschiedener Sorten, 1 Kleiderschrank, 1 Bett und sonstige Mobiliargegenstände, Haus-, Küchen« und Wirthschastsgeräthfchüften meist« bietend versteigert werden.
Staufenberg, am 6. Juni 1893.
Großh. Ortsgericht Staufenberg.
_________Stephan.______5131
Bekanntmachung.
In dem Concurs über das Vermögen des Mofes Grünewald in Lollar soll Schlußoertheilung erfolgen. Der verfügbare Massebe- fftand beträgt 681,50 Mark. Nach Lem auf der GerichtSschreiberei Großh. Amtsgerichts Gießen niedergelegten Verzeichniß sind 12,391.10 Mark Nicht bevorrechtigte Forderungen zu Lerücksichtigen. Auf dieselben ent« stallen sonach 5ya %. [5149
Gießen, den 6. Juni 1893.
I. Bocck, Concursverwalter.
Bekanntmachung, betreffend Verwerthung der Gras« Nutzung von den Wieseckböschungen, Wegen rc.
Die rubricirten Gras« und Klee- Nutzungen sollen Montag, den 12. d. Mts. versteigert werden und zwar:
-ß. Vormittags 9 Uhr mit Zusammenkunft am Neuen- wegerthor von den Wiefeck- boschungen, sowie die Kleenutzung von zwei Grundstücken am Wismarerweg und von Grundstücken auf dem Seltersberg.
b. Nachmittags 2 Uhr im Saale des alten Rath- haufes die Grasnutzung von den städtischen Wegen.
Gießen, den 7. Juni 1893. Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth. [5137
Oeffentliche Aufforderung.
Ansprüche an die unten mit Flur und Nr. bezeichneten, den beibemerkten Namen in den Grundbüchern zugeschriebenen Liegenschaften, die theils veräußert, theils überschrieben werden sollen, sind so gewiß binnen 4 Wochen
vom Erscheinen in den Blättern gerechnet, dahier vorzubringen und zu begründen, als sonst die vorliegenden Verträge bestätiat, die Beschränkungen gelöscht und die Einträge in die Mutationsverzeichnisse verfügt werden.
I. Gemarkung Allendorf a. d. Lda.
Vorm Namen: Schultheiß Henkel zu Nordeck: XIV/68.
Vorm Namen: Heinrich Krieb und Frau, geb. Pfeiff, zu Gießen: V/77.
Vorm Namen: Matthäus Kormann zu Nordeck: XIII/5.
Vorm Namen: Abraham Grünewald: 1/144.11/300. XI/229a. XIII/126.
II. Gemarkung Annerod.
Vorm Namen: Heinrich Kröck: 1/52. 445. 459. 489. 516. 648. 701. 745. 873. 882. 11/112. 227. 259. 397. 498. 550. 700. 815. 906. 941. 943. 944. III/206. 298. 312. 317. 318. IV/182. 201. 261. 370. 424. 803. V/17. 27. 224. 323. 372. 497. 501. 532. 533. 599. VI/85. 365. 371. VII/73-
III Gemarkung Beuern.
Vorm Namen : Kaspar Wißner I.: 11/258. VIII/166. IX/325. 403. X/1158. IV/406. XVIII/270.
Vorm Namen: Philipp Stein II.: VI/305. 306.
Vorm Namen: Philipp Stein II. und Frau Elisabeths Katharina geb. Schomber: 1/602.
IV. Gemarkung Daubringen.
Vorm Namen: Gotthard Euler und Wilhelm Euler, Kinder II. Ehe des Ludwig Euler: 1/399.
V. Gemarkung Gießen.
Vorm Namen: Heinrich Kröck zu Annerod: XLVIII/49,3.
VI. Gemarkung Großen-Bufeck.
Vorm Namen: KaSvar Wißner I. zu Beuern: V/530.
VII. Gemarkung Groffen-Linden.
Vorm Namen: Johannes Bork und Frau, geb. Ohly, zu Hörnsheim: X/5. 41,3.
Vorm Namen: Johannes Schmidt II.: 1/477.111/5,3. IV/4. 702. XII/483.
VIII. Gemarkung Lang-Göns.
Vorm Namen: Johannes Lang III. und dessen Ehefrau, geb. Müller: VII/290.
IX. Gemarkung Leihgestern.
Vorm Namen: Georg Will, Veth. Eid.: XVDI/584,/2-
Vorm Namen: Joh. Peter Faber V. und Frau, geb. Krick: VII/53. XVIII/998. 999.
Vorm Namen: Balthasar Waldschmitt Wittwe, Katharine geb. Krick: V/334. VLU/13.
Vorm Namen: Paulus Gibb, Adam Sohn: V/378,5. 207. XV/37.
X. Gemarkung Mainzlar.
Vorm Namen: Konrad Schön und Ehefrau, geb. Becker: 1/26.
Vorm Namen: Heinrich Spaar I. und Frau, geb. Spaar: IV/524.
XI. Gemarkung Staufenberg.
Vorm Namen: Heinrich Spaar erster und Frau, geb. Moos, zu Mainzlar: X/78.
Gießen, den 6. Juni 1893. 5127
Großherzogliches Amtsgericht.
Fresenius. Dörr.
Vorficht beim Einkäufe von Zacherlin, (dieses staunenswert!! wirkenden Mittels gegen jederlei Insecten).
Kunde: „ .... Warum reichen Sie mir denn offene» Insectenpulver 1t • • Ich bade doch „Zacherlin" verlangt und solches rrifttri bekanntlich mit in
Flaschen! — Offene- Pulver nehme ich nicht an ...., denn ich weiß gar gut, daß es blos ein arger Mißbrauch des mit Recht gerühmten Ramms „Zacherlin" ist, wenn gewöhnliches Jnfectenpuloer in Briefen, Düten oder Schachteln für „Zacherlin" ausaegeben wird. — Entweder geben Sie mir eine versiegelte Flasche mit dem Namen „Aacherl*--oder mein Geld retour.
Jrreführ en lasse ich mich nicht!!"
Verkaufsstellen:
In Hießen bei
Anhkach chroßen-Ainde« Hrünberg Aeröorn Lauvach Lang-Äöns ^ich Manheim Schotten Äehkar
Herrn Gart Aieker.
„ Otto Schaaf,
„ Heinrich Wassack).
„ Aenuer &. Jirnmm,
„ August Aalt.
„ 2acob Steinhäuser.
„ A. 2M.
„ tz. Laberkoms Dachfotger.
„ A. PoeniL.
„ (Mio Jeteffer.
„ cheorg Aeöv.
„ Heinrich Aimmer 2Blw.
„ ?Y. A. Weiß.
„ S. Aaufmann's Söhne.
„ A. Bergauder.
3362
Bekanntmachung.
Wegen Reparatur einer Brücke ift für den Fuhroerkehr der Vicinalweg zwischen Waldgirmes und Dorlar vom 12. bis 16. ds. Mts. gesperrt.
Waldgirmes, den 5. Juni 1893.
Der Bürgermeister: 5123_________Bernhardt.
Abbruchs-Versteigerung.
Donnerstag de« 8. Juni, Nachmittags 2 Uhr, soll hinter der alt n Stadtkirche in dem ehemals BourgeoiS- schen Hause eine Parthie alteS Brenn« und Werkholz meistbietend gegen Baarzahlung versteigert werden. [5126
Ieikgeöotenes.
ML Schlachthaus.
Freibank. [5124 Heute und morgen:
Ochfenfieifch,
nicht ladenrein, per Pfd. 48 Pfg.
Gartenkies und -Sand
kann auS meiner Kieskaute an der Kreis- straße (Leibgeflerner Weg) täglich abgefahren werden; auch kann derselbe geliefert werden. [5147
I Nickel, Licherstraße 5.
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