/ ,< totales nnö provinzielles.
Gieße», 7. März 1893.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 9. März 1893, Nachmittags 5 Uhr pünktlich: 1. Mittheilungen. 2. Gesuch des Bäckers Ernst Muth um pachtweise Ueberlassung eines Holzlagerplatzes am Rodtberg. 3. Die Beleuchtung im Hofe der höheren Mädchenschule. 4. Gesuch des Prokop Schadeck dahier um Concesfion zum WirthschaftSbetrieb im Hauke Weidengaffe 1 (Schray).
Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberhesieu am 6. März 1893. Unter Vorsitz deS Großherzogl. Landgerichts- raths Dr. Linkenheld wurden gestern die Schwurgerichtssitzungen für das erste Quartal 1893 eröffnet. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Friedrich Manschwitat aus Norutschetschen wegen Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung. Die Anklage vertrat der Großh. Staatsanwalt Schilling-TrygophoruS, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. Jung; als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Heinrich Scheerer, Georg Philipp Feuerbach, Heinrich Walther IX., Jacob Conrad Winter, Georg Schwarz, Adam Hofmann IV., Heinrich Heß, Balthasar Christian Schaub, Wilhelm Rumpf, Karl Martini, Peter Schneider II. und Heinrich Dieffenbach I. — Der Dienstknecht Friedrich Manschwitat steht unter der Anklage, daß er am 6. December 1892 zu Steinfurt 1) die ledige Katharina Götz daselbst vorsätzlich mittels eines hinterlistigen Ueberfalls und eines gefährlichen Werkzeugs körperlich mißhandelt und an der Gesundheit beschädigt habe, 2) zwei daselbst gelegene, an einander stoßende Hofraithen des Johannes Stock daselbst, welche — Scheuer, Stallgebäude und Wohnhaus unter einem Dach — zur Wohnung von Menschen dienten, vorsätzlich in Brand gesetzt habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Friedrich Manschwitat stand mit der Katharina Götz, die, wie er, bei dem damaligen Bürgermeister Stock zu Steinfurt in Diensten stand, schon seit längerer Zeit auf gespanntem Fuße, insbesondere, seitdem er sie im Herbste 1892 bei der gemeinschaftlichen Feldarbeit körperlich mißhandelt halte und hier- wegen vor daS Schöffengericht Herbstein zur Aburtheilung verwiesen worden war. Am Vormittag des 6. December v. I. zwischen 8 und i/3 9 Uhr war nun die Katharina Götz, nachdem sie den Mist aus den Schweineställen auf die hinter dem Kuhstall und außerhalb der Gebäulichkeiten belegcne Miststätte verbracht hatte, gerade im Begriffe, durch den Kuhstall in den Hof zurückzukehren, als sie Manschwitat, der ihr in dem Stalle aufgelauert hatte, unversehens mit einem versteckt gehaltenen starken Stocke überfiel. Er schlug ihr mit demselben von hinten in rascher Aufeinanderfolge mehrmals auf den Kopf und die Schulter, so daß sie zu Boden taumelte und auf den Rücken stürzte. Dann kniete er sich ihr mit beiden Beinen auf die Brust, packte sie mit der Hand an der Kehle und würgte sie unter fortgesetzten Faust- schlagen so stark, daß sie nicht einmal schreien konnte. Nachdem er sie einige Augenblicke in dieser Stellung festgehalten hatte, gelang eS ihr, nach ihrer Darstellung, mit einem alle Kräfte anspannenden Ruck, sich von ihm zu befreien, ihn zurückzustoßen und durch die hintere Thüre des KuhstallS, durch die sie eingctrelen war, ins Freie zu entfliehen. Bei ihrer Flucht aus dem Kuhstall verfolgte er sie bis an die Thüre und rief ihr wuthschnaubend nach: „So! das hast Du für Deine Anzeige!" Katharina Götz hatte von der Mißhandlung eine nicht unerhebliche Wunde auf dem Kopse, sowie mehrere Quetschungen und Schwellungen davongetragen, die indessen einen bleibenden Nachtheil nicht zurückgelassen haben. — Friedrich Manschwitat war nicht minder gegen seinen Dienst- Herrn feindselig gesinnt und hatte nach seinem eigenen Ge- ständniß schon seit längerer Zett den Gedanken bei sich erwogen, ihm, um sich an ihm zu rächen, das Haus anzustecken, wie er auch hier und da Drohungen gegen ihn hatte laut werden lassen. Sein Dienstherr befand sich an diesem Vormittag auf einer Reise nach Herbstein und Lauterbach. So schien dem Manschwitat die Gelegenheit besonders günstig, nachdem er soeben seine Rache an der Katharina Götz genommen, um auch zugleich seine Rachegelüste gegen seinen Dienstherrn in die That umzusetzen, da seines Bleibens bei diesem nun doch nicht mehr sein konnte. Er begab sich daher, nachdem die Katharina Götz entflohen war, aus dem genannten Kuhstall in die daran stoßende, durch eine Thür mir demselben verbundene Scheuer und steckte dort mit einem Streichholz, das er in seiner Westentasche bei sich getragen, ein Bündel Heu an, das am Abend zuvor zur Derfütterung an diesem Tage auf die Tenne bereit gelegt worden war. Dicht daran saß der gesammte, in dieser Scheuer untergebrachte Heuvorrath, der sofort Feuer fangen mußte und in wenigen Augenblicken über und über in Flammen stand. Nachdem er diesen Erfolg noch wahrgenommen hatte, verließ er Scheuer und Stall und begab sich nach der Gesindestube. Bon einem an derselben befindlichem Gang beobachtete er dann noch, wie in wenigen Minuten die ganze Scheuer von den Flammen ergriffen wurde, wie eS alsbald Feuerlärm gab und wie die Dorfbewohner zur Hülfeleistung herbei- cilten. Dann raffte er seine Sacken in seine Reisetasche und ging mit derselben flücktig. Als er sich entfernt, stand außer Scheuer und Stall bereits daö eine unter demselben Dache befindliche Wohnhaus in Flammen. Sodann sprangen dieselben auch auf die andere Hofraithe über, die ebenfalls unter einem Dacke Stallgebäude, Scheuer und Wohnhaus umfaßte. Trotz sofortiger Hilfe brannten die beiden Hofraithen bis auf die Fundamente nieder, nur von dem anderen Wohnhaus und dem einen Stallgebäude blieben die unteren Mauern stehen. Der Schaden »Stocks war wegen niedriger Versicherung deffelben ein sehr erheblicher, er belief sich aus etwa 8000 Mark. — Nachdem die Geschworenen (Obmann: Herr Wilhelm Rumpf) die sämmtllchen ihnen vorgelegten Fragen bejaht hatten, wurde der Angeklagte von dem Gerichtshöfe in eine GesammtzuchthauSstrase von fünf Jahren und einem Monat nebst Kosten verurtheilt. Auch wurden
dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf 4* ren aberkannt, auch die Zulässigkeit der Polizei- auffich': uSgesprochen.
♦♦ Dem Bericht über die Sitzung der Großh. Handels, kommet Dom 24. Februar (s. Nr. 55 des Anzeigers, 2. Blatt) ist folgendes nachzutragen: Da zur Zeit die Herstellung der Fernsprechverbindungsanlage Frank.furt a. M—Berlin betrieben wird und der Kammer seiner Zeit von der Kaiser!. Oberpostdirection Darmstadt für diesen Fall telegraphische Verbindung Gießens mit Frankfurt a. M. in Aussicht gestellt worden war, so beschließt die Kammer, unter Bezugnahme auf jene Versprechungen einen dahingehenden Antrag bei der Kaiser!. Oberpostdirection einzureichen und mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln auf die Herstellung dieser für den hiesigen Platz hochwichtigen Verbindung hinzuwirken.
*♦ Coacert Verein. In schöner Einmüthigkelt haben sich beim verflossenen Wittich-Concerte Ausübende, Hörer und Kritik befunden. Die Sängerin, die Direction, daS Orchester gaben ihr Bestes und die Zuhörer lohnten, electrisirt durch die vollendete Wiedergabe aller Nummern des Programms, mit reichem, ungekünsteltem Beifall. Noch zehren wir an diesem köstlichen musikalischen Genuß und schon wieder ruft unS der Verein in den Concertsaal. Zum vorliegenden Sonntage, den 12. März, ist eine Künstlerschaar geladen, die die vornehmste Gattung der Musik, daS Streichquartett, pflegt. Die Meininger dürsten als Quartettvereinigung zu den Berufensten gezählt werden, die es mit der Kunst sehr ernst nehmen. Die Herren sind keine Neulinge mehr bei uns, erst im vorigen Concertjahre erfreuten sie unS durch ihre Leistungen. Gerade deshalb aber begrüßen wir dieses Wiedcrkommen mit lebhaftester Bestiedigung, einmal im Jahre möchte sich wohl Jeder, der geläuterten musikalischen Geschmack besitzt, solchen hohen Genuß gönnen. Eine nicht hoch genug zu schätzende Abwechselung bietet dieses Quartett durch Hinzutritt des Kammervirtuosen Mühlfeld, des bedeutendsten Clarinettisten der Gegenwart, dem selbst andere Virtuosen, auf dem gedachten Instrument, neidlos den ersten Platz einräumen. Infolge besten hat sich denn auch das Programm in einer Weise gestalten können, daß auch selbst eine Zuhörerschaft, die sich sonst der Kammermusik gegenüber zurückhaltender verhält, unbedingt bis zum letzten Accord in Spannung gehalten werden muß. Wünschen wir auch diesem (Soncert einen gleich großen ZuhörerkceiS, wie dem Wittich-Concerte.
** In der in voriger Nr. von uns veröffentlichten Vergleichung ber Sleuervethältnisie bet hessischen Stabte hat
sich ein Ziffernfehler unter dem für Mainz berechneten
Coösficienten ergeben; es muß anstatt 30,09 Pfg. heißen
38,09 Pfg. Der Vergleichung wegen drucken wir die
Zufammenstellung nochmals hier ab:
Wirklicher: Berechneter CoLsficient
Ausschlags- (wenn die Octroieinnahme
Goefffcient: gleichfalls au« direkter
Steuer gedeckt würde):
Mainz 29,40 Pfg. 38,09 Pfg.
Darmstadt 25,00 „ 36,49 „
Offenbach 25,74 „ 36,36 „
Worms 25,10 „ 34,83 „
Gießen 26,40 „ 33,29 „
** Feuerprobe. Von welch außerordentlich vorzüglicher Beschaffenheit die Steine der „Gail'schen Dampfziegelei" sind, geht daraus hervor, daß gestern bei den Buderusffchen Eisenwerken in Lollar ein Versuch auf die Feuerfestigkeit der Steine in der Weise gemacht wurde, daß ein gewöhnlicher Stein zweiter Sorte in den Ofen gebracht unb einer Hitze von über 5000 0 2 Stunden ausgesetzt wurde. Der Stein war in der glühend weibflüssigen Masse nicht mehr zu sehen, aber nach dem Erkalten vollständig unverändert, -wie er in den Ofen gekommen war, wieder herausgenommen worden.
■ tonten (gegen 1029) und 271 Hörer (gegen 198), im Ganzen also 6677 Besucher (gegen 6110). Nack einer Zusammenstellung deS „Centralblatts der Bauverwaltung" kommen von den 5645 Studirenden auf die technische Hochschule in Aachen 230 (gegen 210 im Vorjahre), Berlin 1987 (1756), Braun- schwerg 270 (237), Darmstadt 394 (334 , Dresden 347 <241), Hannover 570 (514), Karlsruhe 669 (568), München 762 642), Stuttgart 416 (363). Die Zahl der Studirenden hat hiernach an allen technischen Hochschulen gegen daS Vorjahr nicht unerbeblid) zugenommen.
— Tie Bewegung in frischer Lust ist die Grundbedingung zur Erhaltung der- Gesundheit und deshalb keineswegs zu vernachlässigen. Am empfehlenSwerthesten, für die Reinigung deS Blutes und zur Anregung und Stärkung aller Functionen :m Körper sogar von unberechenbarem Werthe, ist sie des Morgens. Die Bewegung beschleun gt da-Athmen unb durch die tieferen und öfteren Athemzüge wird viel deS so sehr nöthigen Sauerstoffes in der Lunge vom Blute ausgenommen, welcher dasselbe hellroth färbt und in der erforderlichen Weise verdünnt, eS überhaupt auf den normalen Stand bringt. Die erschreckend große Zahl der bleichsüchtigen Mädchen leidet an verdicktem und falsch zusammengesetztem Blut, die bleiche Hautfarbe zeigt nicht wenig Blut an, sondern daß dasselbe wegen seiner Verdickung nicht in die Adern, die sich an der äußersten Haut befinden, zu bringen vermag. Eme Morgenbewegung ist hier von viel besterer Wirkung als Eisentropien; das zeigen die sich röthendcn Wangen; daS einzige dabei zu Vermeidende ist jetzt im Winter Erkältung und Durcknaffung der Füße und bei Kranken Anstrengung. Wie weit bei diesen die Bewegung ausgedehnt werde, zeigt die Beobachtung des körperlichen Wohlbefindens. Den Gesunden dagegen ist eine kleine Anstrengung gleich deS Morgen» nur dienlich, dec genaue Beobachter seines Körpers wird eine Stärkung des Appetites deutlich wahrnehmen. Die vermeintliche Unannehmlichkeit am frühen Morgen sofort hinaus zu müssen, wird nicht nur belohnt durch erhöhten Genuß beim Nehmen der Speisen, sondern wird bei einiger Gewöhnung selbst eine Freude gewähren.
A Aus dem Ohmthal. 6. März. Die Anzeichen deS Frühlings mehren sich. Die Kraniche und Schneegänse sind nach dem Norden gezogen und der Storch ist zurückgekehrt in sein altes Nest. Im Felde tönt schon bau Jubellied der Lerche und auch die übrigen kleinen Sänger stimmen ihre Instrumente zum großen FrÜhlingSconcert. Wohl ist die Erde noch öd und kahl, aber an feuchten, geschützten Stellen sproßt schon das junge GraS hervor. Die Wintersaat hat ausgezeichnet überwintert. DaS Korn steht in üppigstem Grün und auch der Weizen zeigt prächtigen Ansatz. Der WinterrapS (Wintersamen) hat sich vortrefflich unter der schützenden Schneedecke während der ungewöhnlichen Winterkälte erhalten. Die meisten Befürchtungen hegte der Landwirth für den Klee, weil er im Herbste durch bir trockene Witterung sehr in seiner Entwickelung zurückgeblieben war, aber zur Verwunderung des Beobachter« hat er sich ganz vorzüglich bestockt und erhalten. Der Saatenstand ist ein zu den besten Hoffnungen berechtigender. Die im vorigen Jahrgang ungewöhnlich ausgetrockneten Wiesen haben durch die letzten starken Niederschläge, die ein mehrmaliges lieber- treten aller Bäche über ihre Ufer verursachten, eine gründ liche Durch- und Bewässerung erfahren. Die Aussichten auf ein gutes Futterergebniß sind mithin in ihrer ursächlichen Bedingung gleichfalls gegeben.
Mainz. 6. März. Bei dem gestern früh nach Alzey- Kirchheimbolanden abgelaffenen Perionenzug 234 fand der Wagenwärter Schmelzeisen auf furchtbare Weise seinen Tod. Der Mann hatte während der Fahrt an der Zugleine sich zu schaffen gemacht und schlug hierbei mt dem Kopfe gegen eine Stegüberführung an, was den sofortigen Tod zur Folge hatte. Der Verstorbene ist ledig.
— Zur Warnung. Gegenwärtig reisen Agenten im Lande herum, um deutsche Mädchen nach Chicago zu verlocken. Das Anpretscn verstehen diese Kunden aus dem ff, aber man thut gut, diesen Leuten fein Gehör zu schenken, denn die Gefahren, die drüben lauern, sind große und schwere. Also Vorsicht!
— Die Petition der Inhaber des Eisernen Kreuzes um Erhöhung des Ehrensoldes und Ausdehnung desselben auf alle Inhaber hat in der Budgetcommission des Reichstags keinen Anklang gesunden. Es wird über die Sitzung dieser Commission berichtet: Im Jahre 1863 wurde unter Zustimmung aller Parteien ein Ehrensold von 450 Mk. für die Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. Klaffe und von 150 Mk. für die Inhaber deS Eisernen Kreuzes 2. Klasse jährlich auSgesetzt. 50 Jahre nach Stiftung dieses Ehrenzeichens, im Jahre 1870, wurde auch ein Ehrensold von Kaiser Wilhelm in Aussicht gestellt. Im Jahre 1878 wurde ein solcher von 36 Mk. jährlich für alle Inhaber mit Ausnahme derjenigen 2. Klaffe, die kein anderweitiges Ehrenzeichen erhalten hatten, auSgesetzt. Die dafür aufzuwendende Summe beträgt noch 35,000 Mk. Referent v. Keudell beantragt Ueberroeifung an die Regierung, Korreferent Abg. Hinze Uebergang zur Tagesordnung. Vom Centrum und Konservativen wird letzterer Standpunkt vertreten, da eS gewiß größtcntheilS Zufall gewesen, wem unter den vielen Würdigen daS Ehrenzeichen zu Theil geworden sei. Von der Regierung wird erklärt, daß im vorigen Jahre der BundeSrath bc- schloffen habe, den zur Erwägung überwiesenen ähnlichen Petitionen keine Folge zu geben. Die Regierung thetlt mit, daß 45,700 Eiserne Kreuze 2. Klaffe verliehen worden sind; bis 1891 waren 5 Procent der Inhaber verstorben. ES wird fast einstimmig Uebergang zur Tagesordnung beschlossen.
— Frequenz der technischen Hochschulen. Der Besuch der technischen Hochschulen deS deutschen Reiches betrug im gegenwärtigen Winterhalbjahr 1892/93 inSgesammt 5645 Studirende (gegen 4883 im Winter 1891/92), 761 Hospi-
Vermischte».
♦ Wetzlar. 3. März. DaS unter dem Vorsitze de» Herrn ProvinzialschnlrathS Dr. Münch heute beim hiesigen Königl. Gymnasium abgehaltene Abiturientenexamen ergab ein sehr erfreuliches Resultat, indem von 9 Examinanden nicht weniger als 6 von der mündlichen Prüfung entbunden werden konnten; auch die anderen 3 bestanden. Wie man hört, wollen 4 der Abiturienten RechtSwiffenschast, 2 Heil- Wissenschaft und einer Philologie studieren, während 2 sich dem militärischen Beruf zuwenden dürften.
ft Homberg a. d. Efze, 6. März. In der Gemeinde DickerShausen, zum hiesigen Kreise gehörig, hat sich vorgestern eine schwere Blutthat zugetragen. Die Holzhauer deS Försters Pfeiffer aus Ostheim hatten ihre Arbeiten für diesen Winter beendigt unb wurde, wie üblich, in einem Hause der Beteiligten ein AbschiedStrunk veranstaltet. Hierbei geriethen nun die Köpfe, durch den übermäßigen Branntweingenuß erhitzt, in Streit, wobei namentlich der einige siebzig Jahre alte Schäfer Bischoff au» DickerShausen daS große Wort führte und heftig zu krakehlen anfing. Die andern Holzhauer, schwer gereizt, fielen über den alten Mann her und schlugen so lange auf ihn ein, bis er blutüberströmt zu- sammenbrach und tobt vom Platz getragen werden mußte. Die Hauptbetheiligten wurden fcflgenommen.
tt Bad Wilduugeu. 6. März. Eine freudige Botschaft, die allseitig mit großer Freude erfüllt hat, ist hier endlich eingetroffen. Auf die verschiedenen Petitionen hat neulich der Eisenbahnminister geantwortet. Er hat bei der Eisenbahn- direction Hannover Auftrag ertheilt, die mit Beginn de» WinterfahrplaneS ausgefallenen beiden Frühzüge Wabern- Wil düngen mit dem 1. April wieder einzuführen.
• Frankfurt a. M.. 5. März. Bei den Wahlen zum Gewerbegericht in Frankfurt a. M. haben die Social- bemofraten nicht nur in ber Klaffe ber Arbeitnehmer, fonbern auch in der der Arbeitgeber einen vollständigen Sieg errungen.


