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Ter Gtetze»rr A«»ei«er «rschnnl täglich, eit Uulnahme br« Montags.
Die Gießener W«mttte»ßtt11er »trbm brm Kngtigtr »Schentlich dreimal bestiegt.
Erstes Blatt. Mittwoch den 8. Mälz
1893
Eichener Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
Vierteljähriger A-onncmratspreiA» 2 Morl 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Riedactton, Expeditto» und Druckerei:
-«»kllr.teMr.^ Fernsprecher 61.
2lintr- und Anzeigeblutt für den Ttreis Gietzen.
Hratisöeikage: chießmer Aamilienötätter
Amtlicher Tbeil
Betr.: Wie oben.
Gießen, den 6. März 1893.
«unohme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Da, erscheinenden Nummer bii Bonn. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux de« In» und Ausländer nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
tu die Grssth. Bürgermeistereien des «reifes.
Unter Hinweis auf vorstehende Bekanntmachung beauftragen wir Sie, dieselbe alsbald zur Kenntniß der Pächter Ihrer Gemeindejagden zu bringen. Nach dem 15. April l. I. (präeis) sehen wir Ihren Berichten entgegen, ob Seitens der Iagdpächter ein angemessener Abschuß der Raben rc. vorgenommen worden oder ob die Anordnung des Wegschießens durch polizeilich bestellte Personen noch erforderlich ist.
Für jeden geschossenen Raben haben die Gemeinden dem Jagdpächter nach Art. 12 der Verordnung vom 7. April 1837 ein Schußgeld von 11 Pfg. zu entrichten. Es steht jedoch nichts im Wege, daß mit Rücksicht auf die Schwierigkeit des Abschußes das Schußgeld auf 20 Pfg. erhöht wird. Der gleiche Betrag wie für Raben ist auch für Krähen, Häher usw., sowie auch für Eichhörnchen zu bezahlen.
Weiter beauftragen wir Sie, zu veranlaßen, daß die Rester der Raben usw. im Frühjahr zur Brutzeit durch zuverlässige Personen im Beisein der Forst- und Feldschützen ausgehoben werden. Die hierdurch erwachsenden Kosten sind auf die Gemeindekaffe zu übernehmen.
Ende Juni l. I. wollen Sie berichten, wie viele Raben und rabenartige Vögel, alte, junge und Eier, sowie Eichhörnchen im laufenden Jahre vertilgt worden sind.
v. Gagern.
Deutscher Reich.
Berlin, 5. März. Die Entscheidung in der Militär- Commission betreffs § 2 der Militärvorlage (Zahl der Cadres) ist durch den Entschluß der Commission, sich nach Abschluß der Erörterungen über § 2 zunächst zu vertagen, vorläufig hinauSgeschoben worden. Diese fortgesetzte Verzögerung in den entscheidenden Schritten der Militär-Commission macht es allmältg zweifelhaft, ob sie mit ihren Arbeiten bis Ostern fertig werden wird. Sollte die Commission dieses Ziel wirklich noch erstreben, so müßte sie doch endlich ein rascheres Tempo in ihren Verhandlungen einschlagen, als das bisher beliebte, welches beinahe den Verdacht aufkommen laßen könnte, daß die Commission die Borberathung des Entwurfs absichtlich so sehr in die Länge ziehe.
— Bei der Reichstags-Stichwahl im Wahlkreise Liegnitz-Goldberg zwischen dem Freisinnigen Jungfer und dem Antisemiten Herlwig waren bis Samstag für ersteren 10,760, für letzteren 6330 Stimmen gezählt worden. Die Wahl Jungfers gilt als gesichert.
— Der langjährige erste Bürgermeister von München, Dr. v. Widemayer, ist am Sonntag Nachmittag gestorben. Die bayerische Hauptstadt hat unter dem Regiment des Verewigten einen bemerkenswerthen Aufschwung nach verschiedenen Richtungen hin genommen und überhaupt durch die Widemayer'sche Verwaltung ein wirklich großstädtisches Aussehen eigentlich erst erhalten. Politisch gehörte Dr. v. Widenmayer zur nationalliberalen Pattei.'
Ausland.
— Die Franzosen können es' nicht verwinden, daß aus dem von ihnen so sehnsüchtig erwarteten Besuch eines russischen Geschwaders in einem französischen Hafen nichts werden soll. Offenbar will darum das „XIX. Siöcle" in Paris die französischen Russenschwärmer in diesen ihren Hoffnungen stärken, wenn es behauptet, trotz aller gegen-- theiligen Meldungen dürfe man in Frankreich mit Sicherheit dem Gegenbesuche eines russischen Geschwaders entgegensetzen, wenn auch vielleicht erst zu einer späteren Zeit. Vorläufig berechtigen aber die Petersburger Dispositionen für die bevorstehende Amerikafahrt russischer Kriegsschiffe das genannte Blatt durchaus noch nicht zu seiner Behauptung. Im Ueb- rigen erscheint dem Revanchedichter und Abgeordneten Döroulöde die ganze Sache so wichtig, daß er sich bewogen fühlte, eine Interpellation in der Deputirtenkammer wegen der Angelegenheit des russischen Flottenbesuches und weiter über den Stand des französisch-russischen Verhältnisses anzukündigen.
— Eine Annäherung zwischen Vatikan und Ouirinal stellen römische Gerüchte in Aussicht. Es heißt, es sei deß- wegen zwischen beiden Parteien in letzter Zeit ein wiederholter privater Meinungsautausch gepflogen worden. Speziell soll vom Ouirinal aus eine solche Verständigung lebhaft gewünscht werden, und wird behauptet, eine dem Hause Savoyen durch Familienbande nahestehende Persönlichkeit sei an den betreffenden Verhandlungen beteiligt. Es heißt sogar schon, der Staatssecretär Cardinal Rampolla habe in Hinblick auf diese Unterhandlungen der vaticanischen Preße Mäßigung in ihrer bisherigen so heftigen Sprache gegen die italienische Regierung anempfohlen. — Einstweilen kann man diese ganze Meldung nur mit Zurückhaltung aufnehmen.
— Der Präfidentenwechsel in Nordamerika hat mehrfache Kundgebungen Clevelands, des jetzigen Staatsoberhauptes der Union, gezeitigt, so die Antrittsbotschaft Clevelands und dann die Ansprache bei seiner Eidesleistung. Die Rede Clevelands entsprach seinen bekannten Grundsätzen. Besonders betonte er, seine Regierung werde bemüht fein, die durch die übertriebene Schutzzollpolitik entstandenen Hebel zu beseitigen und daher alle Prämien und Unterstützungen verweigern. Weiter erklärte er sich gegen eine Ueberstürzung der Tarifreform, wie gegen jede Beutewirthschaft und berührte weiter die wichtigsten nationalen Fragen. Die Rede Cievelands hat im amerikanischen Volke großen Eindruck gemacht.
Zleaefte Nachrichten.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 6. März. Der „Kreuzzeitnng" zufolge gedenkt das Kaiser paar der am 23. April stattfindenden silbernen Hochzeit des italienischen Königspaares in Rom beizuwohnen.
Berlin, 6. März. Wie der „Post" auS F r i e d r i ch s r u h gemeldet wird, soll Fürst Bismarck in letzter Zeit an Venenentzündung gelitten haben. Nachdem sich das Befinden des Fürsten wieder gebessert, reist Professor Schwenninger Anfangs April inS Ausland.
Berlin, 7. März. Am kommenden Donnerstag, dem Todestage Kaiser Wilhelm I., findet in der GanisonS- kirche eine religiös - musikalische Gedächtnißfeier statt, welcher zahlreiche hohe Herrschaften und Militärs beiwohnen werden.
Graudenz, 7. März. Aus der Weichsel wurde die Schifffahrt eröffnet und die Eiswachen eingezogen.
Hamburg, 7. März. Laut eingetroffenem Telegramm ist daS deutsche Segelschiff „Margarethe" bei Tamatave auf Madagaskar untergegangen. Die Mannschaft wurde gerettet.
Köln, 6. März. Der „Köln. VolkSztg." zufolge con* statitte der Ländergeologe Grebe, daß die Kohlenfunde bei Neunkirchen bauwürdige Anthracitfettkohlen bei neun Meter Tiefe seien. Die erste Besichtigung war zweifelhaft geblieben.
Mannheim, 6. März. Soeben legten die B rauer - geHilfen theilweise die Arbeit nieder, weil die Brauereien, mit Ausnahme der Badischen Brauerei, die gestellten Forderungen ablehnten.
Brüssel, 6. März. In mehreren Gemeinden des Centrums, sowie den Provinzstädten ergab sich bei der Wahl eine Majorität zu Gunsten deS allgemeinen Stimm,- rechts.
Madrid, 6. März. Eine Verfügung Sa gast as beseitigt das Verbot, welches gegen die Abhaltung von Gottesdiensten in der hiesigen protestantischen Kirche von der katholischen Geistlichkeit, und den durch die ultra» montane Partei geleiteten Madrider Stadtbehörden erlassen worden war.
Bekanntmachung, betreffend Verminderung der Raben, rabenartigen Vögel und Eichhörnchen.
Im Jntereffe der Landwirthschaft und des Vogelschutzes erscheint es geboten, die in den Jahren 1889, 1890, 1891 betriebene Verminderung der Raben und rabenartigen Vögel auch im laufenden Jahre durchzuführen. Wir fordern deshalb hierdurch die Pächter von (Sommunal» wie von Dornanial- jagden auf, sich während der bevorstehenden Brutzeit ein fleißiges Wegschießen der Raben, Krähen und Häher usw. in ihren Jagdbezirken angelegen sein zu lasten. Wird dieser Aufforderung nicht bis zum 15. April d. I. in wirksamer Weise entsprochen, so werden wir anordnen, daß der Abschuß durch polizeilich bestellte Personen vorgenommen wird. Wegen Bezugs eines Schußgeldes wende man sich in Communal- jagden an die betr. Bürgermeisterei, in Domanialjagden an die betr. Oberförsterei.
Was vorstehend b^üglich der rabenartigen Vögel verfügt ist, gilt auch bezüglich der Eichhörnchen in den Bezirken, in welchen dieselben häufig vorkommen.
Gießen, den 6. März 1893.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Deutscher Reichstag.
59. Sitzung. Montag, 6. März 1893.
Die Berathung des Postetats wird fortgesetzt.
Abg. Bebel (Soc.): Der Staatssecretär habe mit einer Hartnäckigkeit, die einer besieren Sache würdig wäre, seinen Standpunkt in der Pofi-Assistenten-Frage festgehalten. Was die Beamten außerhalb des Dienstes thun, gehe dem Staatssecretär gar nichts an, vorausgesetzt, daß sie sich anständig führten. Ihre staatsbürgerlichen Rechte würden durch die Beamtenqualität nicht berührt, soweit nicht die Gesetze ausdrücklich solches vorschrieben. Der Reichstag habe fast einmüthig das Verhalten des Staatssecrelärs dem Post-Assistenten- verbande gegenüber, der nicht '.einmal eine politische Tendenz habe, verurtheilt; wenn hier alle Jahre solche Klagen laut würden, ohne daß Abhülfe geschehe, werde der Reichstag künftig zu erwägen haben, ob er nicht eine Resolution beschließen solle, in der dem Staatssecretär daS Mißtrauen ausgesprochen werde. In keiner Verwaltung würden den Beamten solche Erschwernisse in Bezug auf den Beitritt zu Vereinen gemacht. Die Postverwaltung sei auf Kosten der unteren Beamten unausgesetzt bestrebt, Ueberschüffe zu machen, damit die Militärwirthschast erhalten bleiben könne. Diese Ueberschußsucht gehe so weit, daß schon die Gerichte für einen wegen Unterschlagung verurtheilten Post-Unterbeamten die Gnade des Königs angerufen haben, weil der Vermtheilte aus Roth gehandelt. Redner verlangt Erhöhung der Wohnungs-Entschädigung für die Unterbeamten in Berlin und beschwert sich über die Rigorosität der Postärzte und die Erschwernisse bei UrlaubSertheilungen. Selbst zu Beerdigungen von Angehörigen und zu Trauungen sei die Urlaubserthellung von der Stellung eines Ersatzmanns abhängig gemacht worden. Der Sonntag- Nachmtttag-Dtenst an den Postschaltern könne ganz gut ohne Weiteres eingestellt werden. Erst dann werde auch die Sonntagsruhe für die kaufmännischen Geschäfte vollständig werden.
Director im Reichspostamt Dr. Fischer: Die Verwaltung habe nie das Recht beansprucht, den Beitritt zum Asststenten-Ver- bande zu verbieten, auch weide niemals Jemand wegen eines solchen Beitritts bestraft. Angesichts eines Verkehrs von 20 Milliarden an Postsendungen, für welche die Post die Verantwortung trage, habe die Verwaltung aber die Pflicht, darüber zu wachen, daß die Beamten nicht in ungeregelte Verhältnisse kommen. Daß die Postbeamten bei der Gehaltsverbesserung vor zwei Jahren berücksichtigt worden seien, hätten sie vor Allem dem Eintreten der Verwaltung zu danken. Der Wohnungszuschuß sei nur ein Zuschuß zur Mtethe. Die Einrichtung der Amtsärzte wirke segensreich. Die Beamten seien im Allgemeinen zufrie^m (netI j befürwortet nochmals Verbesserungen und
Erleichterungen im Fernsprechverkehr, namentlich im Verkehr mit den Nachbarorten.
Abg. v. d. Schulenburg (conf.) dankt dem Staatssecretär für die Entschlossenheit, mit der er da« Ansehen seiner Stellung gewahrt habe. Abg. Stöcker habe nur in seinem eigenen Namen gesprochen. In der Frage der PostzettungSgebühren habe er keineswegs verschiedene Behandlung der Zeitungen nach der Partetstellung verlangt, sondern gleiches Recht für Alle. Heute jDÜrben die conser- vativen Blätter schlechter behandelt als die umstürzlerischen. Beim Vertriebe der „Berliner Morgenzettung" setze die Post jährlich circa 100000 Thaler zu. r
Abg. Vollrath (dsrO: Hoffentlich würden zu der Conserenz über die Reform der Postzeitungsgebühren auch Interessenten zu- gezogen. Daß man die Postbeamten nicht in eigenen Häusern unter- brtnge, sie also kaserntren wolle, sei ihm sehr sympathisch. Er habe von den Postbeamten nicht als von Proletariern gesprochen, sondern ihre Proletarisirung beklagt. Nach dem, waS der Staatssecretär über die zahlreichen an Beamte gewährten Unterstützungen gesagt, könnte man ihm fast den Titel eines Großalmoseniers der nothleidenden Postbeamten beilegen. .
Abg. Bebel legt aus die Aeußerung StockerS, der mit den Verhältnissen Bescheid wisse, mehr Gewicht, als auf die Auffassung v. d. Schulenburgs. _ ,
Abg. Dr. v. Marguardsen (natl.): Seine Freunde erkennen auf jeden Fall die großen Verdienste Dr. v. Stephans an, wenn ihm auch das Verfahren gegenüber dem Pofiasfistentenverband nicht entsprechend erscheine. , r . , . .
Abg. Vollrath (bfr): Jebenfalls habe er von benproletatt- sirten Beamten nicht wegwerfend gesprochen.
DaS Gehalt bes Staatssecretär s wirb bewilligt.
Beim Titel „Oberpostbirectoren rc." wünscht,Abg. Vollrath (bfr.) nicht zu große Sparsamkeit bet Postbauten im Jntereffe der Archttcckur und befürwortet Aufbesferung der Postarchitecten.
Zum Titel „Unterbeamte" wird folgende Resolution angenommm: den Reichskanzler zu ersuchen, die Ausdehnung des Systems der Dienstaltersstufen auf die Unterbeamten der ReichSpost- und Tele- graphenverwaltung ohne Schädigung derselben in ihren Bezügen wiederholt in Erwägung zu ziehen.
Beim Titel „Landbriesträger" befürwortet Abg. Schmidt- Sachsen (Soc.) eine Gehaltsaufbesserung für diefe.
Director im Reichspostamt Dr. Fischer erwidert, daß die Verwaltung diesem Wunsche nicht ablehnend gegenüberstehe; man bürte aber nicht außer Betracht lassen, daß die Landbriesträger für gewisse Leistungen besondere Entschädigungen erhielten.
Der Rest des Ordinariums wird ohne erhebliche Debatte be- E^Beim Extraordinarium werden gestrichen die ersten Raten für neue Postdienstgebäude in Apolda und Perleberg, sowie dre Forderung für Erwerbung eines Bauplatzes für ein neues Dienstgebaude in Greifswald. Zur Vergrößerung des Postgrundstücks in Apolda wurden 108 430 Mark bewilligt.
Der Etat der RetchSdruckeret wird ohne Debatte angenommen.
Morgen: Marine Etat.


