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Das Gewerbegericht besteht künftig durchweg aus Social- demokraten.
* Aus Cftyrenfcen, 1. März. In der Nähe von Inster« bürg ist ein Mord verübt worden. Ein Händler kam auf dem Heimwege durch einen Forst. Da er hungrig war, lud er sich bei drei Holzfällern zu Gast und aß mehrere Kartoffeln und einige Stücke Häring. Trotzdem er hierfür reichlich zahlte, wollten die Leute noch Geld zu Schnaps. Es kam zum Streit, und einer der Arbeiter erschlug den Händler mit der Axt. Die noch warme Leiche wurde von einem Förster unter einem Reisighaufen gefunden. Die Leute sind verhaftet.
* Weibliche Mitglieder einer Tchülerverbinduug. In Würzburg wurde eine geheime Schülerverbindung aufgehoben und die Theilnehmer an derselben, Schüler des dortigen Realgymnasiums, sofort entlassen. Das Merkwürdige an dieser Sache aber ist, daß dieser Schülerverbindung, die studentisches Gebühren nachahmte, auch zwei Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren angehörten, welche bei den Kneipereien gleichfalls mit Mütze und Band präsi- dirten.
* Zm Karzer. Aus Köthen im Anhaltischen wird folgende Humoreske aus der Wirklichkeit berichtet: Ober schulraihKrüger aus Dessau besichtigte dieser Tage unter Führung des Directors Nikolai die Räumlichkeiten des nenerbauten Ludwigs-Gymnasiums, wobei auch der Karzer nicht vergessen wurde. Hierbei passirte beiden Schulmonarchen das Mißgeschick, daß ein Windstoß die mit Schnappschloß versehene, von Innen nicht zu öffnende Thür zuschlug und sie zwang, eine volle Stunde im Karzer zu „brummen", bis der Schuldiener die Vermißten aufspürte und dieselben aus ihrer unfreiwilligen Gefangenschaft erlöste! Die Gymnasiasten betrachten den Vorfall als günstiges Omen und hoffen, daß sie thunlichst von der Benutzung jenes für alle Zeiten geweihten „Festraumes" ausgeschlossen bleiben.
* Die Tochter des Hauses. Vor etwa 20 Jahren fand man in einem Hause des Bezirks Stara Miasta in Warschau ein ausgesetztes kleines Mädchen. Der Hausbesitzer, welcher selbst eine große Familie besaß, sah sich außer Stande, das Kind bei sich aufzuziehen, machte jedoch seinen Miethern den Vorschlag, die Erziehungskosten gemeinsam zu bestreiten. Der Vorschlag wurde angenommen und sämmtliche Miether verpflichteten sich, monatlich ein Gewisses beizutragen, worauf das Kind einer in dem Hause wohnenden Wittwe anvertraut wurde. Die kleine Besteuerung der Bewohner zum Besten der Tochter des Hauses wurde obligatorisch, und auch die neu hinzugekommenen Miether unterwarfen sich ihr freiwillig. Das Mädchen wuchs heran, besuchte eine Elementarschule, worauf sie in einem Wäschemagazin beschäftigt war, während sie stets unter der Aussicht der ältesten Miether stand, und heirathete dieser Tage. Vor der Trauung legt'.n die Bewohner für die Tochter des Hauses zum letztenmal Geld zusammen und schafften ihr eine Aussteuer.
* Ertappt. „Liebes Kind, falls ich heute, durch dringende Geschäfte verhindert, nicht zu Tische kommen kann, sende ich Dir eine Depesche". — Frau: „Um Dir Mühe und Kosten zu ersparen, hab' ich mir bereits die Depesche aus der Tasche Deines Ueberziehers genommen."
* Blaffer Neid. Primaner (einen Schlüssel betrachtend): „O, Du Glücklicher, Dich ziert doch ein Bart!"
* Umschreibung. „Sieh, Adolf, dorr bi üben sitzt Dein Schneider!" — „Bitte, schau nicht hinüber, sonst grüßt er." '
I — „Stehl Ihr nicht gut miteinander?" — „O doch — I aber er ist mir noch die Quittung über zwei Anzüge schuldig!"
Scbiffsnacbricfytcm
Bremen, 6. März. Der Norddeutsche Lloyd in Bremen erläßt nachstehendes Cticulair: Die Herren Agenten werden hierdurch ermächtigt, von jetzt ab alle Personen, welche sich zur Fahrt im Zwischendeck nach Amerika melden, ohne Weiteres anzunehwen und zwar zum Fahrpreise von
Mark 150 für Schnelldampfer nab Newyork,
Mark 140 für Postdampfer nach Newyoik, Mark 140 für Postdampier nach Baltimore, lieber Annahme von Passagieren hat die übliche Anmeldung sofort zu erfolgen.
Zur Beachtung! Nach dem Einwanderungs-Gesetze der Vereinigten Staaten von Nordamerika ist nur solchen Personen die Landung gestattet, welche erwerbs- und arbeitsfähig sind. Die Landung ist verboten allen Schwachsinnigen, Blödsinnigen, Wahnsinnigen, Krüppeln, Lahmen, Blinden, Taubstummen, Personen mit ansteckenden ober unheilbaren Krankheiten, schwangeren unverheiratheten Frauenspersonen, mittellosen unverheiratheten Frauenspersonen mit ihren Kindern, sowie Sträflingen und Verbrechern. — Die amerikanische Einwanderungsbehörde stellt für die Erlaubniß zur Landung im Allgemeinen als Bedingung Gesundheit, Rüstigkeit, anständige Kleidung und Nachweis des Unterhaltes.
Verkehr, Land- nnd Volkswirthschaft.
Gießen. 7. März. Der am 28. Februar und 1. März dahier abgehaltene Vieh markt war sehr stark befahren. Es waren auf- getrieben: 1544 Stück Rindvieh und 462 Stück Schweine. Der Handel bei Zucht- und Arbeitsvieh war lebhaft, namentlich bei Ochsen, es zeigte sich am Tage vor dem Markte schon große Kauflust und wurden am selben Tage viele Käufe abgeschloffen. Eine merkliche Aenderung in den Preisen bet Rindvieh war jedoch nicht eir getreten, dagegen waren die Preise bei Schweinen höher als an den letzten Märkten. Nächster Markt Dienstag den 28. und Mittwoch den 29 d. Mts., am letzteren Tage auch Krämermarkt (erster in 1893), und findet an diesem Tage, Morgens 8 Uhr, die Verloosung der Kiämerstände für dieses Jahr statt.
Gieße«, 7. März. Marktbericht. Auf bem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter vr. Pfd. x 1,00—1,10, Hühnereier per Stück 6— 4, 2 Stück 11— 4, Käse vr. St. 5—8 4, Käfematte pr. St. 3 4, Erbsen vr. Liter 24 4, Linsen pr. Liter 30 4. Tauben pr. Paar X 0,70—1,00, Hühner pr. Stück X 1,00—1 20, Hahnen pr. St X 1,40-2,00, Enten pr. St. X 1,70 bis 2,00, Ochsevfleisch vr. Vst. 65—72 4- Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 50—56 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 60 -70 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 40—50 4. Hammelfleisch pr. Pfd. 40-70 4, Kartoffeln or. 100 Kilo 4,40—5,00 X, Weißkraul pr Stück 5-12 V Zwiebeln pr- Centn er 12,50—0,0) x, Milch m. Liter 12 18 4, Enteneier pr. St. 6 4.
Bei der Redaction eingegangene Bücher re.:
— Der Himmel der «ocialdemokratie in Traum und Wirklichkeit. Von Rhenanus. 80 Seiten Octao. Verlag von Levy & Müller in Stuttgart. Preis 75 Psg.
— Aufgesprungene Hände, rissige Haut wie Hautleiden im Allgemeinen werden heute am besten mit Apotheker A. Flügges Myrrhen - Cröme (Deutsches Reichspatent Nr. 63 592) behandelt, wie die Versuche zahlreicher Aerzte ergeben haben. Apotheker A. Flügges Myrrhen-Erdme ist ü Dose Mk. 1.— in Gießen in allen Apotheken erhältlich. Apotheker A. Flügges Myrrhen-ErSme ist der pat ntirte ölige und verdickte Auszug des Myrrhenharzes. (2145
— Zu jeder Jahreszeit, Sommer oder Winter, ist jedes Bad erquickend, dem eine gehoiige Einfeifung des ganzen Körpers vorausgeht. Grundbedingung ist natürlich die Verwendung einer anerkannt reinen und schärfefreien Seife, weil die Sodaseifen zu sehr brennen und die Haut attaquiren. Ein Bad ohne Einfeifung erfrischt zwar, belebt aber nicht Wer den Vortheil eines Bades voll profitiren will, verwende, weil die weniger abge- härteten Körpertheile auch um so empfindlicher sind, beim Baden Doerings unverfälscht reine und milde Fettseife. Diese bringt nicht
allein die Ilnreinlichkeiten und Schärfen des Körpers alsbald zur Ausscheidung, sie beseitigt auch die Nachtbeile erhöhter Schweißabsonderung als das lästige Jucken und Wundsein, namentlich bei den Wohlbeleibteren, und begünstigt die normale Thäligkeit der feinen Hautporen. Die Wohltbat, die ein solches Bad bietet, wiegt tausendfach die Ausgabe von 40 Pfg. auf, für welche Doerings Leise mit der Eule zu haben ift. [92
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— Mens sana in corpore sano. Wer den Spruch, daß nur in einem gesunden Körper ein frischer Geist thätig fein kann, an sich selbst erfüllt sehen will, muß vor Allem baiür sorgen, daß durch regelmäßige Verdauung reichlich-r Meng«n vonNährstoffen, im Organismus womöglich etwas mehr Nährstoffe abgelagert werden, als solche durch die Tbätigkeit des Lebens zum Verbrauch gelangen. Wem aber aus irgend welchen Gründen die Erfüllung dieser Bedingung nicht leicht wird, der veriäume nicht, durch den Genuß von Kemmerichs Fleisch-Pepton bannige zu thun, was er sich und seinen Angehörigen schuldig ist. Der Fleischbrühe, den Saucen, wie den meisten anderen Speisen zugesrtzt, liefert es eine leicht verdauliche, angenehm schmeckende und dabei sehr ausgiebige Nahrung, die ein Gefühl der Behaglichkeit und erhöhte 9Ii betlsfraft per Vcbafft,______________>2146
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Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verloscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Die Geidenfabrik G. Henneberg, (K. u. K. Hoflieferant) Zürich versendet gern Muster von ihren echten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ins Haus. 1970
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'und mehrere offene Wagen, theils fertig, theils im Rohbau.
A. Kilbinger, Wagenbauer, Seltersweg 18.
Reish Wellen 660
morgen und Venusberg.
Die Zusammenkunft ist auf der Grünbergerstraße, 1. Schneise rechts. Gießen, am 6. März 1893. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen.
16 4450
29 10410*)
Parthie Durch
feine Victoria, Coups,
Süßrahm-
Tafelbutter
täglich frischer Sendung bei
Holzversteigeruny
tw Gießener Stadtwalde.
Montag den 13. März 1893, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in den Districten Venusberg, Stolzenrnorgen, Ursulum, Sand und Philosophenwald nachver- zeichnete« Holz versteigert werden:
A. Bau-, Werk- und Nutzholz.
1 gebrauchte Decimalwaage,
1 gebrauchter Röder'scher Herd noch gut erhalten, billig abiugeben. 2147]Alicestraße 19-
♦ Zur Berufsfrage!
♦ Was sollen untere Kinder werden?
I. H. Tchorer AG.
Ein Achtes Familienblatt!
Mittwoch den 8. Mär;, Nachm. von 2 Uhr an wird der Nachlaß der Frau B a st Wwe., Südanlage Nr. 22 (Hinterhaus) meistbietend versteigert. — Es kommt zum Ausgebot: 1 gutes Bett, 1 gute Decke, Unterbett, 1 Kommode, 1 Kommode mit Glasaufsatz, 1 runder Tiscb, 1 kleine Kommode, 2 Nachttische, 3 Stühle, 1 Sopha, 2 Spiegel, 1 Kleiderschrank, Weißzeug, dabei 12 Bettücher, Frauenkleider u. s. w.
Brühigen Druckerei
Schulstrasse 7.
B. Brennholz.
Scheith. Knüppelh. Stockh.
Zu verkaufen:
1 eleganter Herrschasts-Landauer, 1 hochfeines Mylord,
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 7. März 1893.
Großh. Ortsgertcht Gießen.
I. A.: Bogt. 2172
Heinrich Arnold II.,
2164]_______Marktftraße 2«.
Tiill-Vorhänge'
sind in neuer großer Auswahl eingetroffen.
Billigste Preise. 2169
k Fritz Nowack,Ansßntluilgs-Geschiift.^
Mittwoch den 19. April,
Nachmittags 2*/i Uhr,
sollen auf dem hiesigen Ortsgertcht die den > Friedrich Valentin Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur 2 Nr. 1O4m/IOo — 173 Meter Hof-; raithe, Caggärten in b hintersten Schießgärten,
Nur 2 Nr. 104:5/ioo — 224 Meter Grabgarten daselbst.
Nur 2 Nr. 104 b — 57 Meter Straße daselbst . öffentlich meistbietend versteigert werben.
Gießen, 7. März 1893.
Großh. Ortsgericht Gießen.
Z. A-: Bogt. [2171 J
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Berlin SW. 46, Defsauerftraße 4.
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Nachmittags 2'/, Uhr. ri)1 7Q
soll auf bem hiesigen Orttzgericht die den Freibank. [/l/o
Friedrich GrooS Eheleuten in Gießen Heute und motflCil: gehörige Hofraithe:
Flur 34 Nr.586'/,o-801 Meter zwischen ClluCtV tD« I
dem Wäldchen und dem Schieß-, haus nicht ladenrem, per Pfd. 50 Pfg.'
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