1>er Bücher zu verdecken die Thatsache, daß er die MonarSauS- gabe pro Juli 1892, obwohl bereits in Abzug gebracht, weiter mit addirte und Ausgaben im ganzen Betrage der Belege eingestellt hatte, während noch Theilbeträge hierauf zu bezahlen waren. Der im Wesentlichen geständige Ange- klagte entschuldigte seine That damit, daß er durch lang an- daurrnde Krankheiten seiner Angehörigen und die damit verbundenen Sorgen oft ganz kopflos gewesen, so daß seine Buchführung und das Rechnungswesen immer mehr in Unordnung und Verwirrung gerathen seien. Die Geschworenen (Obmann: Herr Gernond Wilhelm Küchel) bejahten die ihnen vorgelegte Hauptfrage mit der Modification, daß sie den Ge- sammtbetrag der unterschlagenen Gelder auf nur 1800 Mark festftellten, sowie die Nebenfrage nach mildernden Umständen. Der Gerichtshof sprach sodann gegen den Angeklagten eine Gefängnißstrafe von einem Jahre nebst Kosten aus.
** Neues Theater. Das Benefiz der Frau Anni Reiners, welches Anfangs für Freitag den 8. December bestimmt war, ist Umstände halber auf morgen, Donnerstag den 7. December verlegt worden. Die Benefiziantin, welche em neues Schauspiel von dem talentvollen, jugendlichen Schriftsteller Oskar Waltherr zu ihrem Ehrenabend gewählt hat, erfreut sich einer großen Beliebtheit des Gießener Publikums und glauben wir, derselben ein ausverkauftes Haus versichern zu können.
Ueber die Entdeckung, Eroberung und Colonifiruug Amerikas hielt gestern Abend Herr Prof. Dr. v. Pslugk- Harttung in der Universitäts-Aula einen Vortrag. Der Vortragende entwarf zunächst eine Lebensskizze des Entdeckers, Christoph Columbus, gab dabei aber^.durch Darlegung von Sitten und Gebräuchen, die in andern Ländern herrschten, der Ueberzeugung Ausdruck, daß das, was man heute unter Amerika verstehe, schon vor Columbus anderen Seefahrern bekannt gewesen sei. Nach den Eroberungen von Mexiko und Peru ging die Besiedelung Amerikas langsam von Statten, Spanier und Portugiesen bemächtigten sich des Südens, Fran- zosen, Engländer, Italiener und Deutsche des Nordens. Natürlich ging diese Besiedelung, wie alle Colonisations- Versuche, nicht ohne heftige Kämpfe mit den Eingeborenen ab. Der hohen Bedeutung, welche die Entdeckung Amerikas für dieses selbst, sowie besonders für Europa in wissenschaftlicher, socialer und wirthschaftlicher Beziehung hat, gab der Vortragende in eingehenden Darlegungen Ausdruck.
** Wir machen unsere Leser auch an dieser Stelle auf die Bekanntmachung Großh. Bürgermeisterei Gießen in Nr. 286 unseres Blattes aufmerksam, wonach in diesen Tagen eine Revision der Ouittungskarlen der unständigen Arbeiter in den Wohnungen der Arbeiter bezw. der Arbeitgeber durch einen Beamten der Versicherungsanstalt ftattfindet. Wir empfehlen Arbeitgebern wie Arbeitern, sich ungesäumt zu ver- gewisiern, ob die Ouittungskarten in Ordnung sind und etwa Versäumtes sofort nachzuholen. Die Arbeitgeber sind für das Einkleben und die Kassirung der Versicherungsmarken verantwortlich und haben für Versäumnisse Strafe zu erwarten.
** Ernennungen. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 1. December l. Js. sind die Lehramtsaccessisten Christian Herbeck zu Offenbach, August Messer zu Bensheim, Ernst Schierholz zu Heppenheim a. d. B. und Dr. Hans Reis zu Darmstadt zu Lehramtsaffefforen ernannt worden.
** Militärisches. Die Entscheidung des Kaisers über die Einführung der grauen Offiziers-Mäntel ist am 16. November dahin erfolgt, daß die Offiziere und Sanitätsoffiziere der Armee Paletots und Mäntel von grauem Tuch tragen sollen. Die jetzigen Paletots sind bis zum 1. April 1896 gestattet, die Mäntel bis auf Weiteres aufzutragen. Gendarmerieoffiziere, sowie Zeug- und Feuerwerksoffiziere sind hiervon ausgeschloffen.
** Gesuche um Zulassung zu den im Frühjahr 1894 stattfindenden allgemeinen Prüfungen in dem Finanzfach und in den technischen Fächern, sowie der speziellen Prüfung der 1. Kategorie des Finanzfaches sind mit den vorgeschriebenen Bescheinigungen und den in der Bekanntmachung vom 28. November 1839 (Reg.-Bl. Nr. 36 von 1839) geforderten Anlagen bei der Großh. Prüfungs-Commission für daö Finanz- und das technische Fach unter Beobachtung der gesetzlichen Stempelvorschriften binnen vier Wochen einzureichen. Den Meldungen zu den allgemeinen Prüfungen sind die Zeugnisse über besonderen Aeceß und Vollendung des prac- tischen CursuS beizufügen. Dagegen ist die Vorlage eineß Sittenzeugnisses nicht erforderlich. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß der sp eziellen Prüfung nach der Verordnung vom 27. August 1881 (Reg.-Bl. Nr. 19 von 1881) nur solche Aspiranten zugelassen werden können, welche am Tage deö Beginns der Prüfung das 20. Lebensjahr zurückgelegt haben.
•• verein zur Beschäftigung Arbeitsloser. Unter dem Borsitz deö Herrn Oberconsistorial - Präsidenten Wirklichen Geheimeraths Dr. Goldmann fand am Mittwoch den 29. November im Sitzungssaale deö Magistrats zu Frank- furt a. M. die Generalversammlung des Vereins für das Großherzogthum Hessen und die Provinz Heffen-Nassau zur Beschäftigung Arbeitsloser statt. Der Vorsitzende wieS zu Beginn darauf hin, daß eö in wenigen Wochen zehn Jahre feien, daß der Verein begründet wurde. Wenn eß auch nicht gelungen sei, alle Arbeitslosen durch Arbeit wieder als nützliches Glied in die Kette der menschlichen Gesellschaft einzufügen, so müffe man eß doch mit Dank nach oben an- erkennen, daß eß mit einem Bruchtheile gelungen, und daß erzielte Resultat müffe zum Weiterschreiten auf der begonnenen Bahn ermutigen. Wenigstens habe man erreicht, daß die seßhafte Bevölkerung nicht mehr so großen Belästigungen auSgeletzt sei. Der Vorsitzende konnte über die Entwickelung Neu Ulrichsteins nur Günstiges berichten. — Herr Pfarrer Seidel theilte mit, daß ein Drittel derColonisten katholisch
sei. Die Früchte, die erzielt würden, müffe man wägen, nicht zählen. Ein großer Theil der Colonisten gehe nur durch die Anstalt hindurch, ohne weitere Anhänglichkeit zu haben, ein anderer Theil danke ihr, waS sie in ihr gefunden, und bleibe in brieflicher Verbindung mit ihr. Im Ganzen sei eS bester geworden und ermuntere zum AuSharren. — Her* Dr- Goldmann fügte bei, daß sich eben mehr bessere Elemente einfänden, und conftatirte, daß der katholische und der protestantische Geistliche Hand in Hand gingen und con- fesfionelle Störungen nie eingetreten seien. — Herr Land- rath Beckhaus berichtete über den Stand der Narural- Verpflegungsstationen im Vereinßbezirke und theilte mit, daß verschiedene Stationen hätten eingezogen werden wüsten und noch eingezogen werden müßten. Der Verband hat 63 Per- pflegungSstationen, von welchen sich die meisten in Herbergen zur Heimath oder in Privathäusern befinden, 24 in Wirths» Hausern, letztere mußten geräumt werden. Circa 200,000 Unbemittelte wurden von den Verpflegungsstationen verpflegt.
Auf Grund des Berichts der Revisoren wurde RechnungS- decharge für 1892—93 ertheilt. — Die Einnahmen für 1893—94 wurden in derselben Höhe wie voriges Jahr eingesetzt. Die aus dem Vorstände ausgetretenen seitherigen Mitglieder wurden wiedcrgewählt und an Stelle des verstorbenen Herrn Justizraths Stamm zu Wiesbaden Herr Provinzialdirector Geheimerath Rothe in Mainz. Freiherr v- Heyl zu Herrnsheim bei Worms bat, unter Hinweis auf feine vielen Arbeiten, ihn seines Amtes zu entbinden, was geschah. An seiner Statt wurde Herr Oberbürgermeister Gebe schuß in Hanau gewählt. Der seitherige Verwaltungß- ausschuß wurde wiedergewählt und an Stelle zweier verstorbenen Herren Polizeidirector und Landrath v. Oertzen in Hanau und Provinzialdirector Freiherr v. (Sagern in Gießen. Excellenz Dr. Goldmann wurde unter Verdankung für feine seitherige Müheverwaltung wieder an die Spitze der Verwaltung berufen. Dem ganzen Vorstand, den Geistlichen und Beamten wurde der Dank ausgesprochen.
*»* Nieder-Ohmen, 3. December. Der Gemeinderath hat, um in Nieder-Ohmen die Niederlassung eines practischen Arztes zu ermöglichen, ein jährliches Fixum von 1200 Mark bei Uebernahme der Ortskrankenkaste bewilligt. Da Nieder- Ohmen mit den in ca. Stunde in nächster Umgebung liegenden Gemeinden über 3000 Einwohner zählt, so dürfte diese Stelle ihrem Uebernehmer eine ausgedehnte Praxis sichern.
§ Au8 dem Ohmthal, 5. December. Die Preise für das Wild stehen gegenwärtig auf einer ungewöhnlich niedrigen Stufe. Für Hasen erster Qualität bezahlen die Händler per Stück 2,20 Mark bis höchstens 2,50 Mark. Früher kosteten sie gewöhnlich 3 Mk. Für das Pfund Rehfleisch wird nur 40 Pfg. bezahlt, in anderen Jahrgängen 50 bis 60 Pfg. Das Rehfleisch ist mithin billiger als das Rindfleisch, welches mit 50 Pfg. per Pfund bezahlt wird. Diese niedrigen Preise stehen ganz im Gegensatz zu dem Ergebniß der Jagden, das nach Mittheilung der Jagdpächter in diesem Jahre nichts weniger als günstig bezeichnet werden kann. Namentlich wird auf manchen Jagden über den schlechten Hasenstand Klage geführt. Der Rehstand wird dagegen als ein guter bezeichnet. Die Jagd auf Feldhühner ist mit dem l.d. Mts., dem Beginne ihrer Hegezeit, erloschen. Auch mit dem Resultat der Hühnerjagd war man für die diesjährige Jagdperiode vielfach nicht zufrieden, da der Abschuß der Hühner durch den späten Futterbestand im Felde sehr erschwert ward. Auffallend war das zahlreich bemerkte Vorkommen der Schnepfen bei ihrem Rückstrich.
□ JlSdorf (Kreis Alsfeld), 5. December. Das seltene Fest ! der „diamantenen Hochzeit" feierte heute der hiesige Bürgermeister Kaspar Bast mit seiner Ehegattin in ungewöhnlicher Rüstigkeit des Körpers und Frische des Geistes. Selbst der sprudelnde, allseitig bekannte Humor des diamantenen Ehegatten hat durch die hohe Zahl der Jahre noch keine Einbuße erlitten. Gin großer Kreis von Freunden und Bekannten, worunter die Bürgermeister und Beigeordneten der benachbarten Gemeinden, hatte sich heute um daß kinderlose Jubelpaar versammelt, um das seltene Fest mit ihm in schöner Weise zu feiern.
Darmstadt, 5. December. Anläßlich seines fünfundzwanzigjährigen Jubiläums als Redacteur der „Neuen Hessischen „Volksblätter" wurden Herrn R u d o l f R a m s p e ck zahlreiche ehrende Anerkennungen und Auszeichnungen von nah und fern zu theil. Am Samstag Abend sand in der Restauration „Zur Stadt Pfungstadt" zu Ehren des Jubilars eine solenne interne Feier statt, an welcher sämmtliche Angestellte der DerlagSdruckerei theilnahmen. Am Sonntag liefen von allen Seiten Glückwünsche, begleitet von Geschenken, Gedichten, Telegrammen, Schreiben usw. ein. Ihre Durchlaucht die Frau Prinzessin Battenberg verehrte dem Jubilar ein Bild des verstorbenen Fürsten von Bulgarien, Grasen von Hartenau^ die Gräflich Erbach'schen Herrschaften sprachen in warmen Worten telegraphisch ihren Glückwunsch auß, außerdem gingen zahlreiche Glückwünsche von hiesigen Vereinen, Privatpersonen, Abonnenten rc. ein. Am Montag Vormittag fand in der „Restauration Zenner", Elisabethenstraße, noch eine Nachfeier in engerem Kreise statt, an der eine Anzahl geladener Gäste theilnahmen. Mögen alle Wünsche, welche dem Jubilar anläßlich seineß Ehrentages in solcher Anzahl und so herzlicher Kundgebung dargebracht worden sind, in Erfüllung gehen!
Hospital Hofheim. Die Neubauten sind in den nächsten Tagen fertig gestellt und werden gleich nach Neujahr bezogen werden. Eß sind wieder 31 Morgen zum Verbauen den Pächtern beß Hospitalseldeß abgenommen werden. Eß find biß jetzt in den letzten Jahren neugebaut: Ein Frauenbau für ungefähr 100 Personen - sodann 2 Männerbäue für 300 Personen,' 1 Derwaltungsbau,' 1 Maschinenbau; 1 Wasserthurm und ein Klärbecken. Die Mauererarbeiten wurden von Herrn Groh in Castell außgeführt; die Zimmer- arbeit von Herrn Holz in Darmstadt, die Schlofferarbeiten
von Herrn Nold in Stockstadt und Koch in Darmftadt, die Schreinerarbeit wurde von einer Hanauer Firma außgeführt ; die Dampfheizung von einer Frankfurter Firma.
Mainz, 5. December. Letzte Nacht hat sich der Schlaffer- meister St. auf dem Flachsmarkc erschossen. Der Mann, der früher in sehr guten Verhältnissen lebte, war ohne eigenes Verschulden in seinen Verhältnissen zurück- gekommen und hatte kürzlich auch seine Frau verloren?
Dmmfcbtci.
München, 5. December. Die älteste Tochter des Prinzen Leopold, Prinzessin Elisabeth, hat sich mit de» SecondlieutenantFreiherrn Otto von Seefried-Butten- heim in aller Stille in Genua vermählt.
* Echneidemühl, 5. December. Der Außflufc deö WaffcrS auß dem Sandhügel findet nach wie vor statt. Die Quelle ist seitlich außgebrochen, was Brunnenmacher Beher vorauß- gefagt hatte. In mehrere Nachbarkeller ist Waffer eingedrungen, welches einen immer höheren Stand gewinnt. Seit drei Tagen ist dasselbe um 7 Zentimeter gestiegen.
* Hamburg, 3. December. Die für den März 1894 hier- orts geplante Deutsche Molkerei-AuSstellung ist vorläufig vertagt worden, weil das zur Einleitung derselbe« eingesetzte ßomite sich überzeugen mußte, daß „unter de« Druck, der auf Handel und Verkehr nicht minder, als auf Der probucirenben Lanbwirthschaft lastet, ber Muth unb bte Freubigkcit zu einem solchen Unternehmen beeinträchtigt werbe." Man hofft jeboch, bie Ausstellung entweder in 1895 ober 1896 abzuhalten.
* Berlin, 5. December. Die gemischte Deputation für Kunstzwecke beschloß gestern bie Verwendung der in den Stadthaushalt eingestellten 100 000 Mk. dahin, baß Hundriesers Coloffalstatue Berolina, bekannt vom Einzug König Umbertoß 1889, in Kupfer getrieben unb auf bem Alexanberplatz aufgestellt werbe.
'Dortmund, 4. December. Ein schreckliches Bor- kommniß ist von hier zu melden. In dem benachbarten Dorfe Brambauer lebte ber Bergmann Höffelmann seit Langem mit seiner Frau in Unfrieben. Gestern hat er feine Drohung, bie Frau zu töbten, wahr gemacht, er erschoß dieselbe unb verletzte auch sein Rinb. Dann schnitt er sich selbst bie Kehle burch, boch war er nicht tobt, als man ihn fand. Er liegt schwerverletzt im Krankenhause zu Lünen.
* Paris, 4. December. In Limoges hat eine junge Frau Zwillinge männlichen Geschlechts geboren, bie nach Art ber siamesischen Zwilling e zusammengewachsen sinb. Die beiben ftinber sinb sonst wohlgebilbet, kräftig und lebensfähig.
* Fremdwörter. Wie schwer eß hält, alte, in der deutschen Sprache festgewurzelte Fremdwörter, welche durch deutsche Wörter ersetzt sind, sich in der gewöhnlichen Sprache anzueignen, zeigt folgender Fall. Kommt da ein Reisender auf eine Station und fragt einen Beamten: „Wo bekommt man hier die Billetß?" Beamter: „Billetß giebtß nicht mehr '" Reisender: „Nun waß denn?" Beamter: „Fahrkarten." Reisender (ärgerlich): „Nun, wo bekomme ich denn die Fahrkarten?" Beamter: „Dann gehen Sie an den Billetschalter."
• Ein Amerikaner über deutsche Landstreicher und Bettler. Ein amerikanischer Schriftsteller, Josiah Flint, in Landstreichertracht, hat kürzlich diese edle Zunft aufgesucht, mit ihnen gewohnt und ist von Stadt zu Stadt betteln gegangen. So durchwanderte er Hannover, Braunschweig, die Rheinlande rc. Der Bericht, den er über diese kühne Unternehmung soeben im „Century" veröffentlicht, ist sehr interessant. Nach längeren Schilderungen schließt ber Bericht mit folgenben Bemerkungen: Alß ich nach Berlin zurückgekehrt war unb meine Rechnung zusammenstellte, sand ich, baß ich fünfzehn Tage „auf ber Walze" gewesen, über 1000 km gereift war, mehr alß 70 Stäbte unb Dörfer ftubirt unb mit 341 Lanbstreichern verkehrt hatte. Wenn diese Zeilen mich berechtigen, über den deutschen Landstreicher ein Unheil abzugeben, so geht daßselbe dahin, daß er ein intelligenter Bursche, aber nicht so pfiffig unb lebhaft ist wie sein amerikanischer Bruder. Er ist zu viel Bohemien, um Social- demokrat zu sein, aber er hat keinen Patriotißmuß und ist egoistisch im höchsten Grade. Waß die Bevölkerung anbelangt, von welcher die deutschen Landstreicher leben, so ist dieselbe freigebiger als diejenige in den Vereinigten Staaten. Trotz der Last der Steuern nimmt sie nichtsdestoweniger freiwillig die Bürde der Erhaltung beß Landstreichers auf sich/ bei Mannes, ber nicht arbeiten will." Interessant ist auch fol» genbe Bemerkung Flintß: „Daß Betteln in Bayern unb Sachsen ist ergiebiger alß irgenbtoo in Deutschlanb. In Bayern förbert sogar bie Frömmigkeit insofern baß Betteln, als ber Lanbstreicher nur an einem ©onntagßmorgen vor irgenb einem Kirchthore zu stehen braucht, um einer guten Einnahme sicher zu sein."
* Zm Doktorexamen. Auß Zürich wirb gemeldet, baß bei ber Promotion eineß Juristen biefer folgende Satze zur Vertheibigung ausgestellt hatte: „1. Die durch daß Einwerfen eineß Hosenknopfeß in einen Verkaufs - Automaten bewirkte Vermogensbeschädigung sei nicht als Betrug zu strafen. 2. Die Verabrebung eineß Herrn mit einer Dame, mit ihr den Cotillon tanzen zu wollen, ist nach den Bestimmungen beß schweizerischen Obligationenrechtes als Vertrag aufzunehmen." Der Canbibat hat sein Examen übrigens summa cum laude bestanden.
Sd> i ff» nad> richten»
(Mitgetheilt durch den Agenten bei Norddeutschen LloydeS, Herrn Carl LooS In Gießen.)
Bremen, 5 December. sPer.tranSatlantttchen relegraph.j Der Schnelldampfer Irave, ßapttän N. Sander, vom ^lorbbeutftbai Lloyd in Bremen, welcher am 25. November von Bremen unb am 26. November von Southampton abgegangen war, ist gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.


