Folgende Ordensgeschichte von der Flottenparade im Hafen von New.York findet sich in einer amerikanischen Plauderei der „Burschenschaftlichen Blätter": Capitän Büchse! mit seinem Stab wurde vom New-Yorker Deutschthum sehr gefeiert und bekam Mancherlei zu sehen, sogar einen amert. konischen Ritter des Ordens pour le mtirite. Der, Deutsche Kriegerbund von New.York" trat besuchsweise auf der „Kaiserin Augusta" an. Sein Lommandeur, im Privatleben ein biederer Schlächtermeister, meldete seine Mannschaft ,zur Stelle" und zu seinem Erstaunen bemerkte Capitän Büchsel daß er einen Ritter des hohen Ordens pour le merite vor ^ch hatte. Auf Befragen bekam er im schönsten Dürkheimer Deutsch die ehrliche Antwort: „Des isch bloß e nachaemachter, Mischter Lptn!", ö '
km Ehecaudidat. Im Kurgarten von WieS-
baden gab eS kürzlich am Hellen Nachmittag eine recht aufregende Scene, wie sie nicht alle Tage Vorkommen dürfte.
Proben folgende Ansichten auSsrrechen: Es giebt wenig Gebunde. Die FrühiahrSfeuchtigkeir fehlte, das Korn konnte sich nicht bestocken, die Halme gingen vereinzelt in die Höhe. Die Gelege find dünn und zahnlückig. Der Kornhalm ist hell und klar, aber um einen halben Meter zu kurz geblieben. Feuchte, schwere Lagen, die aber die Ausnahme bilden, bringen größere Gebundzahl und längere Halme. Wenn da und dort Halme von 2 Meter Länge in die ZeitungSredactionen gebracht worden find (auch der „Gießener Anzeiger" erhielt solche Proben) so waren das seltene Ausnahmen. Die Regel bleibt für 1893: Die Gebundzahl und die Halmlänge nnd ziemlich weit unter Mittel. Der Körnerertrag läßt gleichfalls zu wünschen übrig, es giebt also auch nicht viel ins Timmer. Der Kern ist aber hübsch gebildet, die durchschnittenen Körner zeigen ein schönes Mehl. Hinsichtlich der Roggenernte, die bei der heißen, trockenen Witterung rasch im ganzen Lande eintreten wird, ist dieses Jahr zu beachten nöthig, daß man daS Korn nicht überreif werden lassen soll. Geschieht es dennoch, dann sind empfindliche Verluste durch Ausfallen der Körner zu befürchten. Was die übrigen Halmfrüchte betrifft, so geht in erster Linie die Gerste der Reife mit raschen Schritten entgegen. Wahrscheinlich wird in der zweiten Juliwoche mit dem Schneiden der Gerste ebenfalls schon begonnen werden können. Weizen und Hafer sind noch etwas zurück. Spätgesäter Hafer ist zum Theil noch nicht aus den Hosen heraus und will nicht recht voran. Die Haferernte fällt wahrscheinlich am ungünstigsten von allen Halmfrüchten aus, was auf dem Getreidemarkt einen deutlichen Ausdruck dadurch erhält, daß der Hafer gegenwärtig höher im Preise steht als der Weizen.
Friedberg, 5. Juli. Die gestrige Jubiläumsvorfeier des Hessischen Gustav,'«A bjol f»Dercin S nahm einen vortrefflichen Verlauf. Die besonderen JubtläumSgaben erreichen nahezu 5000 Mk., die den Gemeinden Lorsch, Groß- steinheim, Bretzenheim, Gernsheim, Bieber, Bürgel und Kostheim zugewiesen wurden. Der Großherzog verlieh dem Präsidenten Heinzerltng daS Comturkreuz deS Philipps-Ordens. I
§ Aus dem Kreise Alsfeld, 5. Juli. In Zell hat man I vorgestern das erste neue Gebäude nach dem großen Brande I aufgeschlagen.
Groß Eieinheim, 30. Juni. Ein hiesiger junger Mann I wollte gestern Pfuhl mittelst eines Stoßkarrens auf das Feld I fahren. Der Stoßkarren stand auf der Straße und war das I darauf befindliche Faß nahezu voll, als sich Kinder an dem I Karren zu schaffen machten und insbesondere die unter I die Räder gelegten Steine zu entfernen suchten. Die Folge I davon war, daß der Karren umkippte und daS 4 Jahre I alte Söhnchen des Christian Rosenberger von da hierbei | derart traf, daß das unglückliche Kind sofort eine ! Leiche war.
Worms, 4. Juli. Heute schlug der Blitz auf der I Bürgerweide in eine Baumgruppe ein und tödtete von I einer Anzahl dort Schutz suchender Arbeiter zwei, während ] einem dritten der Leib aufgeriffen wurde- der letztere ist I ebenfalls lebensgefährlich verletzt.
Vermischter.
* Aus dem Herzogthum Meiningen, 4. Juli. Daß in hiesiger Gegend in Bezug auf Futtermittel ein wirklicher Nothstand herrscht, kann man aus folgendem Vorkommniß ersehen: Eine Frau in Heldburg hat von einem Stück Wiesenland, für welches sie 46 Mk. Pachtgeld zahlen muß, gegen 23 Pfund Heu geerntet.
* Fritzlar, 28. Juni. Eine eigenartige Ueber- ra sch ung wurde heute früh einem hiesigen begüterten Land- wirth zu Theil. In seinen Stallungen fand er den Viehbestand um zwei Kühe vermehrt. An dem Horn eines der fremden Gäste flatterte ein Zettel folgenten Inhalts: „Ich kann die Kühe nicht mehr füttern, erbarme Dich ihrer und mache damit was Du willst!" Unterschrift fehlte- der bisherige Besitzer der beiden Thiere wird sich hoffentlich nach der Futternoth wieder melden.
* Münster, 4. Juli. Ein Reserve - Unteroffizier des 13. Infanterie-Regiments ist gestern bei eines Felddienstübung vom Sonnenstich getroffen worden- er starb nach wenigen Stunden.
* Emsdetten, 4. Juli. In der vergangenen Nacht wurde ein hiesiger Kaufmann von einem ihm unbekannten Mann geweckt, da das Nachbarhaus in Flammen stehe. Während der Kaufmann sich an den Rettungsarbeiten bc« theiligte, stieg der Strolch in das Schlafzimmer desselben und stahl für 700 Mk. Werthgegenstände. Wahrscheinlich hat der Mensch das HauS angesteckt, um den Diebstahl aus« führen zu können.
* Schueidemühl, 1. Juli. Bei den AufräumungSarbeiten hat stch der erste Unfall ereignet. Die Seitenwand eines Gebäudes stürzte plötzlich nach innen und begrub zwei Arbeiter unter den Trümmern. Dem einen wurden beide Beine zer« schmettert, dem anderen der Brustkasten und daS Rückgrat schwer verletzt, so daß man feinen Tod befürchtet.
* Mannheim, 4. Juli. In dem Ort Mahlberg bei Lahr schlug der B l i tz tn einen Kirschbaum, unter welchem acht Personen standen. Zwei Personen wurden getödtet, vier schwer verletzt. ö '
' Das Kaiser Wilhelm - Denkmal auf dem Kyffhaufer, dessen Grundsteinlegung am 10. Mai v. I. erfolgte, ,st letzt feiner Vollendung erheblich näher gerückt. Der Terrassenbau in seiner gewaltigen Ausdehnung ist vollendet, und auf demselben erhebt sich bereits der Unterbau des Thurmes, welcher noch in diesem Jahre bis zur Höhe deS “ ^gg- lellt werden soll. Der kolossale Thurmbau wird in leinen derben formen des romanischen Baustils und bei seiner gewaltigen Höhe — von der Ringterrasse bis zur mickn cinc Fernwirkung
erjtelen. Das projeenrte Wegenetz, das durch die prächtigen Waldungen zur Höhe führt, ist fertiggestellt. Professor
^läsien^ der fünf Minuten vor Abgang einer jeden Bahnpoft entleert wird.
•• Die RathstaudsCammiffiaa i» Darmstadt hat dem Bernehmen nach außer Torfstreu, FuttermaiS, Palmkernmehl, Erdnußwehl und Bauwwollsaatmehl, die Beschaffung folgender Düngemittel und Sämereien effectuirr resp. in Aussicht genommen: CHUisalpeter, SuperphoSphal, Lainit, Wicken«, Erbsen-, weiße Senf-, Weißrüben« und Buchweizen-Saaten.
’• Aus der (Samifon Heute wurden beim Jnfanterie- Regimenr Kaiser Wilhelm 8 Offiziere und 588 Mann der Landwehr zur vierzehntagigen Uebung eingezogen.
Militär Transport. In vergangener Nacht kam ein Sonderzug aus Betzdorf hier durch, welcher einige hundert zu einer vierzehntägigen Uebung beim 81. Infanterie-Regiment einberufene Landwehrmänner nach Frankfurt a. M. brachte.
•* Tieustdereichnung. Die characterifierten Forstinfpectoren sollen fortan statt dieses Titels die Characterbezeichnung Forstmeister erhalten und die Großherzoglichen Forstmeister in Zukunft den AmtStitel Oberforstmeister führen. Eine Aenderung in den Rang« und UniformSverhältnissen tritt hierdurch nicht ein. Die dermalen im Ruhestand 6c« findlichen Forft6eamten führen ihren seitherigen Titel fort.
♦* Schutzen Verein. Nachdem ein erfrijchender Regen die dürstenden Fluren erquickt, die Hoffnungen neu deseelt und die Temperatur erträglicher gemacht hat, verspricht auch die Feftstimmung eine frischere und freudigere zu werden. Gestern Abend hatten die Feftreiter am Schützenhaus bei Trommel« und Paukenschlag unter Anweisung des Obmanns deS Ordnungsausschusses eine Probe zu bestehen, welche zur Zufriedenheit verlief. Die Umzäunung des Festplatzes, die Decorirung der Festhalle rc. sind im Werk und für Sitzplätze wird ausgiebigste Sorge getragen. Die Betheiligung der Vereine an dem Festzug (welcher punkt 2 Uhr am Wallthor Aufstellung nimmt) ist eine wie gewünscht recht zahlreiche und eines Volksfestes würdige. Die Eintheilung der Vereine ist durchs Loos geregelt worden. Die bis jetzt angekauften und gestifteten Preise sind, soweit die Raumverhältnisse es gestatteten, im Erker des Herrn A. Kilbinger zur Ansicht ausgestellt. Gestützt auf die guten Wünsche zum Gelingen des Festes, welche dem Schützen-Verein von Leitern der Vereine und (Korporationen zugekommen sind, sind die Schützen zu der Hoffnung berechtigt, daß die Einwohnerschaft an dem bevorstehenden Feste regsten Antheil nehmen wird.
* * Ueberfahreo. Gestern Nachmittag wurde ein unbeaufsichtigtes zweijähriges Kind auf dem Lindenplatz überfahren, ohne jedoch glücklicher Weise erheblichen Schaden zu nehmen. Den Kutscher, der nur Schritt fuhr, soll fein Verschulden treffen.
* * Lichtscheue. Bei der Arbeit unbefugten La ter ne n- ausmachenS wurden in vergangener Nacht verschiedene junge Leute betroffen und zur Anzeige gebracht.
"Verhaftet. Wegen Verdachts des Dieb stahls wurde gestern Abend ein hiesiger Taglöhner verhaftet.
* * Die hessischen Landtagswahlen sollen erst Ende August oder Anfang September vorgenommen werden. Inzwischen haben die Wähler genügende Zeit, nach den geeigneten Personen Umschau zu halten, ober sich für die Wiederwahl der seitherigen ordnungsmäßig ausgcfchiedenen Abgeordneten zu entscheiden. Wenn die Fragen großer politischer, wirthschaftlicher und socialer Natur vor den Reichstag gehören, so sind, wie man täglich sehen kann, noch so wichtige Interessen der Gemeinden, der Schulen, der birectcn Steuern, ber Eisenbahnen, des allgemeineren Wohlbefindens und jeglicher Art von (Kultur in dem Landtag zu wahren und zu vertreten, daß es vor Allem gilt, tüchtige, vorurtheilslose und unterrichtete Manner in die Zweite Kammer zu wählen. Auch hier muß über der Partei und deren Forderungen das Wohl des ganzen Landes, der Gesammtheit stehen.
•* Die GerichtSserieu beginnen am 15. b. Mts. und bauern bis zum 15. September. Währenb biefer Zeit ruhen bie Verhanblungen in sämmtlichen bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, mit Ausnahme derjenigen, welche im Urkunden- und Wechselrecht zur Erledigung anstehen, sowie de- Mahn« und Zwangsverfahrens. Feriensachen sind: die Strafsachen, Arreftsachen und bie eine einstweilige Verfügung betreffenden Sachen, Meß- und Marktfachen, Streitigkeiten zwischen Vermiethern und Miethcrn von WohnnngS« und anderen Räumen, wegen Ueberlassung, Benutzung und Räumung b^'klben, sowie wegen Zurückhaltung ber vom Miether in die Miethräume eingebrachten Sachen, Wechselsachen, Bau- suchen, wenn über bic Fortsetzung eines angefangenen Baues geiiritten wird. DaS Gericht kann aus Antrag auch andere Sachen, soweit sie besonderer Beschleunigung bedürien, als ^enensachen bezeichnen'. Aus das Mahnverfahren, das Zwangs- vollftreckungSverfahrcn und das ConcurSverfahrcn sind bic Serien ohne Einfluß.
«ul dem Kreise Friedberg. 3. Juli. Die Kornernte hat begonnen Die Ge6unbzahl ist an ben meisten Orten - JW so grob al» auf der gleichen Fläche in früheren StÖTn« bCr ^rnerertrag sehr ergiebig. Die
b °"b"bem, wie immer, wenn bei trockener - wtnfk .S m dünnschalig unb ist ber Mehlgehalt < begatt ein sehr hoher, autzerdem auch in qualitativer Hinsicht , vorzüglich. v 1 1
hi, de« Kreise Friedberg. 5. Juli. Die Sichel und I
bie «ense erklingen, wir sind in die Roa gen ernte einae« treten. Die ersten drei Julitage waren fo heiß daß daS imh *ß?' äUm?1 Qn Abhängen mit leichterem Boden i
SJr «T °k Neigung. Dem Einsender, !
mltthäLfl ift hCb,1 biennsl't° Jahren in der Landwirthschast 1
mitthätig ist, denken in dieser langen Zeit nur wenige Jahr- \
9ön0e, welche einen ebenso frühen Erntetermin brachten, I
nämlich, die drei bewährten 50er Jahre 1857-1859, so- !
.bQ"n J.8b5' i8b8 und 1874. lieber den 1893er Roggen , Wen sich, nach den von verschiedenen Aeckern entnommenen ’
। Hundriefer, dessen Entwurf zum Reiterftandbild deS Kaisers I mit dem ersten Preis gekrönt wurde, Hal daS Hilfsmodell I (ein Sechstel der wirklichen Größe) vollendet. Ende 1895 soll I das Reiterftandbild, das in Kupfer getrieben wird, mit seinen I Nebenfiguren zur Aufstellung fertig sein. Aber schon jetzt I bildet daS Denkmal einen Anziehungspunkt für Biele. Der I Bauplatz wurde im vergangenen Jahre von 10,568 Personen I besucht und das DenkmalSmodell von 4317 Besuchern be- I fichtigt, ferner wurden 10,000 Postkarten mit dem Denkmals- I bilde verkauft. Einen weiteren Anziehungspunkt bietet auch I die nach den Plänen deS Architecten Bruno Schmitz erbaute I KyffhLuser-Wirthfchaft. Die Herstellungskosten deS Denkmals sind auf 800,000 Mark veranschlagt, während die bisher von I den deutschen Kriegervereinen gesammelten Beiträge er ft 600,000 Mark erreicht haben, sodaß noch etwa 230,000 Mark I aufzubringen find.
* Ein Gutspächter im Orlathal besitzt ein „Heubuch", I in welchem die alljährlichen Futterernten feit 1823 verzeichnet I find. Als futterärmsteS, trockenstes Jahr ist 1842 vermerkt - I doch wurden in diesem Jahre auf dem Gute immer noch I 58 Fuder Heu unb 12 Fuder Klee geerntet, während heuer I nur 17 Fuder Heu, Klee aber fast gar nicht eingebracht I wurde.
• Berlin, 2. Juli. Wenn man bisher zuweilen davon I hörte, daß abenteuerlustige deutsche Jungen nach Afrika durch« I gingen, so scheint jetzt schon die deutsch-afrikanische I Jugend das Durchgehen nach Deutschland gelernt zu | haben. Ein in Berlin wohnender Beamter, Herr Z., der I mehrere Jahre im Verwaltungsdienste in Kamerun thätig ge» I wesen, erhielt dieser Tage, wie die „Freis. Ztg." berichtet, I von einem noch dort weilenden AmtSgenossen einen Brief mit I der Mittheilung, daß der Sohn eines Dorfhäuptlings in I Kamerun, ein 14jähriger Knabe, der den Namen Willy I King Bell trägt, ohne Wissen der ©einigen auf einem nach I Deutschland schwimmenden TranSportdawpfer „auSgerückt" I sei. Der junge Neger, der geläufig deutsch sprechen unb I schreiben kann, jeboch völlig mittellos ist, dürste sich nach I Berlin begeben wollen, und Herr Z. wird gebeten, falls der I Knabe, ber ihn genau kennt, bei ihm vorfpricht, sich feiner | anzunehmen unb ben abenteuerlichen kleinen Afrikaner, bis I weitere Verfügungen getroffen sinb, bei sich zu behalten.
* Wien. 4. Juli. Im StephanSbome, wo heute I eine 2000 Personen starke, vom Gnabenorte Maria Zell I zurück kehrenbe Procefsion einzog, entstaub heute eine I furchtbare Panik infolge FeucrlärMS. Die Fahnen- I bänber einer Kirchensahne fingen Feuer, baS jeboch sofort I erbrüeft würbe. Da aber Feuerrufe laut würben, bemächtigte sich der Menge eine furchtbare Angst. Unter ungeheurem Jammergeschrei drängten die Massen zu den Ausgängen. I Mehr als 100 Personen wurden niedergestoßen. Priester stiegen auf die Kirchenbänke und versuchten vergeben-, zu beruhigen, bis der Organist auf den glücklichen Einfall kam, mit aller Macht die Orgel ertönen zu lassen. DieS wirkte beruhigend, sodaß sogar -der Gottesdienst beginnen konnte. Mittlerweile war die Feuerwehr und die freiwillige Rettungs- gesellschaft angefahren, die sich mit den Verletzten beschäftigte. Außer zahlreichen Quetschungen waren acht leichtere und vier schwere Verletzungen vorgekommen. — Die hiesigen Arbeiterorgane wollen das Verbot der für nächsten Sonntag | auf dem Rathhausplatz einberufenen Massenversammlungen außer acht lassen unb laben zu zahlreichem Erscheinen ein. — In Groß-Jedlersbors bei Wien sind heute 30 Häuser niebergebrannt; bei ben Löschungsarbeiten würben brei Feuer wehrleute verletzt.
* Für Radfahrer! Vor dem Schwurgericht zu Potsdam erschien ein Zeuge im Radsahrercostüm. Er war per Zweirad von Brandenburg a. H. gekommen unb erhielt beShalb von bem Vorsitzenben, Landgerichtsrath Stüde, einen entschiedenen Verweis, da es nicht tactvoll fei, im Radfahrercostüm vor Gericht zu erscheinen. AlS schließlich die Verhandlung bis zum Dienstag vertagt wurde, bat der Radfahrer um Entbindung von seinem Erscheinen im Termin, da er die Distanz« fuhrt nach Wien mitmachen müsse. ES wurde ihm nun energisch klar gemacht, daß die Justitia dem Sport vorgehe.
* Zum Reise», welches zum Vergnügen geschieht, gehört außer gutem Wetter vor Allem der bekannte nervus rerum den man prosaisch „Geld" zu nennen pflegt. Daß eS hieran heutzutage vielfach fehlt, zeigt der Reiseverkehr auf dem Rhein, welcher von Tag zu Tag stiller wird. Die meisten der Dampfschiffe zeigen eine große Leere, und zwar nicht allein die großen Salonboote, sondern auch die Personenschiffe welche in der jetzigen Jahreszeit immer den kleineren Rheinorten zahlreiche Fremde brachten. Ausländer sind unter den Reisenden gleich Null. Einige Belgier, ein paar Russen ab und zu ein Franzose, daS ist Alles. Engländer und Amerikaner fehlen ganz. Derhältmßmäßig am meisten sieht man unter ben Rcisenben Norbbeutsche unb Oesterreich er. Selbstrebend führen sämmtliche Hoteliers lebhafte Klagen' unb zwar nicht nur über bie geringe Zahl ber Fremben. pudern mehr noch über ben geringen Consum unb die qroße Sparsamkeit berselben.


