Erstes Blatt
1893
’M 157
Gießener Anzeiger
Kmerat-Anzeiger
Zlints- und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gietzen
Hratisöeikage: Gießener Aamitienökätter
Amtlicher Theil
"'lchte Anzeige».
(1 Gentner), Bahnhof Marienwerder, angeboten hat.
Die
der Landesfürstlichen
(L. S.)
Ernst Ludwig.
Berlin, 5. Juli. Der Beginn der
Freitag den 7. Juli
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für dm folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
den Ständen des Großherzogthums, mit Huld und Gnade stets wohlgewogen.
Gegeben Darmstadt, den 28. Juni
Die Gießmer
»erden dem Anzeiger »Hchcntlich dreimal beigelegt.
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, ■rit Ausnahme deS Montags.
Altona, 6. Juli. Ein gestern Abend 8 Uhr im vierten Boden der Kaffeefortiranstalt von Stücken u. Andersen in der Elbstraße ausgebrochenes großes Feuer verbreitete sich zu beiden Seiten, ergriff den großen Getreidespeicher von Georg Wohnert, sowie andere Nebenhäuser. Um Mitternacht hoffte man das Feuer an seiner Wetterverbreitung zu verhindern. Von Hamburg sind mehrere Dampfer-Schiffspritzen herbeigeeilt. Der Schaden wird auf mehrere Millionen geschätzt.
die Militärvorlage ist auf Freitag angesetzt. Ob die Discussion zu einer Fortsetzung der weiteren Berathung gleich im Plenum oder zum Beschluß einer nochmaligen Commissions- berathung der Vorlage führen wird, erscheint zur Stunde noch einigermaßen ungewiß. Die ganze Sachlage spricht indessen für ersteres, denn die dem jetzigen Reichstage unterbreitete Vorlage deckt sich in allen wesentlichen Punkten mit den Bestimmungen des Antrages Huene, so daß es bei einer so bekannten und klaren Sache wohl schwerlich einer nochmaligen Erörterung des Entwurfes in einer besonderen Commission bedarf. Die Stimmung im Reichstage soll denn auch vorwiegend dahingehen, die Specialberathung der Vorlage gleich im Plenum vorzunehmen, in welchem Falle der Schluß der Session gewiß schon im Laufe der nächste Woche stattfinden könnte.
. — Einen Tag nach dem Zusammentritte des neugewählten Reichstages ist der preußische Landtag geschlossen worden- auch diesen Act vollzog der Kaiser und König in Person. Als das bei Weitem hervorragendste Er- gebniß der nunmehr beendigten Landtagssession, mit welcher
zugleich auch die laufende Legislaturperiode ihren Abschluß erfahren hat, erscheint die Annahme der drei Steuerreformgesetze, betr. die Aushebung directer Staatssteuern, betr. die Vermögenssteuer und betr. die Reform der Communalabgaben. Beide Häuser haben diesem zweiten Theil der Steuerreform nach allerdings langen und lebhaften parlamentarischen Kämpfen im Großen und Ganzen zugestimmt, sodaß jetzt die vom Finanzminister vr. Miquel im Jahre 1890 begonnene Steuerreform zur endgiltigen Durchführung gelangt ist. Der Kaiser- Hat seiner Genugthuung über die Vollendung dieses großen, aber schwierigen Werkes dadurch besonderen Ausdruck gegeben, daß er Herrn Dr. Miquel in einer ungemein huldvollen Depesche beglückwünschte und ihm außerdem das Großkreuz des Rothen Adlerordens mit Eichenlaub und der Königlichen Krone verlieh, welche seltene Auszeichnung von einem gleichfalls überaus gnädigen Handschreiben des Monarchen begleitet war.
— Im preußischen Abgeordnetenhause kam es am Dienstag noch zu lebhaften Debatten über die Choleragefahr und über die Lage der Landwirthschaft anläßlich verschiedener gestellter Anträge. Die Discussion über letzteren Gegenstand nahm sogar einen allgemeinen Character an, da sie sich nicht nur über verschiedene speciell die Landwirthschaft betreffende Fragen, sondern auch über das Alters- und Jnva- lidengesetz, über die letzte Reichstagswahl, über Manchester- thum und Schutzzollpolitik usw. verbreitete.
— Am 1. Juli ist das provisorische Handelsabkommen zwischen Deutschland und Spanien abgelaufen, ohne daß bis dahin der neue Vertrag zwischen beiden Ländern zu Stande gekommen wäre. Es muß demnach einstweilen der autonome Zolltarif zwischen ihnen zur Anwendung kommen, doch gilt der Abschluß des neuen deutsch-spanischen Handelsvertrages im Laufe der nächsten Monate für gewiß.
Depeschen brt Bure«u .Herold".
Berlin, 5. Juli. Die Nordlandsreise des Kaisers ist für dieses Jahr definitiv aufgegeben. Es liegt in der Absicht des Kaisers, gegen 1. August, bis wohin jedenfalls die Militärvorlage entschieden ist, sich nach Cowes in England zu begeben.
Berlin, 5. Juli. Es besteht die Absicht, die erste Lesung der Militärvorlage nächsten Freitag auf die
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Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 3. d. M. wird veröffentlicht, daß die Firma Hermann von Marienwerder nunmehr das Pferdeheu zu 3 50 pro 50 Kilo
Tagesordnung des Reichstages zu setzen. In Reichstagskreisen ist man der Ansicht, daß die Vorlage nicht der Commission überwiesen, sondern sofort zur zweiten Berathung im Plenum gestellt werden wird.
Berlin, 5. Juli. Die Centrumsfraction des Reichstages hat sich dafür entschieden, sofort den Antrag auf Wiederzulassung der Jesuiten wieder etnzubringen. Der Antrag wird von den Mitgliedern des Centrums, den Elsaß- Lothringern, Protestlern und Welfen unterzeichnet.
Berlin, 5. Juli. Der Abgeordnete Fusangel wurde gestern in die Centrumsfraction ausgenommen.
Berlin, 6. Juli. Im Centrum erheben sich immer noch Stimmen für die Verweisung der Militär Vorlage an eine Commission. Man nimmt aber an, daß die Fraction trotzdem von der Stellung eines entsprechenden Antrages Abstand nehmen wird.
Wien, 5. Juli. Die Wiener Blätter begrüßen die deutsche Thronrede außerordentlich enthusiastisch und glauben, die Majorität für die Militärvorlage werde ziemlich groß sein.
Paris, 5. Juli. Nach 11 Uhr fand eine Ansammlung auf dem Platze vor dem Chatelet-Theater statt, wo die Manifestanten einen Blumenkiosk zerstörten, Kupferplatten abriffen und damit die Soldaten bewarfen. Das Ministerium blieb während der Nacht versammelt. — Polizeipräfect Lozs telegraphirte an Dupuy, er könne die Bewegung nicht mehr bemeistern, worauf Dupuy aus Melun, Compiögne und Versailles 300 Mann Verstärkung herbeirief. Die Zahl der Verwundeten übersteigt bereits 100. Gegen 4 Uhr wurde heute früh die Leiche Nugers heimlich nach der Station Vincennes gebracht, um neue Unruhen zu verhüten. — Dreyfuß interpellirte heute über die Stellung Lozös, dessen Entlassung nicht offiziell ist, und über die Maßregeln, welche die Regierung zu nehmen gedenkt.
Paris, 5. Juni. Infolge der Vorgänge an der Charits zog eine große Menge nach dem Place Saint-Germain, wohin Cavallerie die Manifestanten verfolgte. Diese warfen Wagen und Omnibusse um und errichteten Barrikaden, auf welken blutige Zusammenstöße mit der Polizei stattsanden. Die republikanische Garde mußte wiederholt angreifen. Auf dem Boulevard St. Michel machte die Cavallerie ebenfalls einen Angriff, wobei zahlreiche Personen verwundet wurden- hierauf steckten die Tumultuanten die Barrikade in Brand. Die Studenten protestiren gegen diese Vorgänge, welche sie nicht verschuldet und welche sie verhindert hätten, wenn sie stark genug wären. — Heute Morgen 7 Uhr wird die Leiche Nugers von Paris nach Clermont gebracht- der Gemeinderath beschloß, sich am Leichenzug zu betheiligen.
Paris, 6. Juli. Dem „Jour" zufolge ist der Polizet- agent, welcher Nuger eine tödtliche Verwundung beibrachte und welcher seit zwei Tagen verschwunden war, verhaftet worden.
Fracht beträgt per Waggon bis Gießen circa 219 «W. und, falls ermäßigt, für Gemeinden circa 155 JL
Derselbe wünscht jedoch ebenfalls Drahtordre.
Gießen, den 5. Juli 1893.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.
Jost.
Bekanntmachung,
betreffend Maul- und Klauenseuche zu Weitershain.
Nachdem seit dem Erlöschen der Maul- und Klauenseuche bis jetzt in der Gemarkung Weitershain Seuchenfälle nicht mehr aufgetreten sind, haben wir der Großh. Bürgermeisterei Weitershain die Erlaubniß zur Ausstellung von Gesundheitsscheinen für Rindvieh, Schafe, Ziegen und Schweine wieder ertheilt. Insoweit die bezeichneten Thiere von anderen Personen ausgeführt werden, bedarf es der Ausstellung von Gesundheitsscheinen nicht.
Gießen, den 3. Juli 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. G a g e r n.
Deutscher Reichstag.
1. Sitzung: Mittwoch, 5. Juli 1893.
Eingegangen ist ein schleuniger Antrag von Mitgliedern der Freisinnigen Volkspartet, betreffend Einstellung des gegen Abg. Müller - Glogau schwebenden Strafverfahrens für die Dauer der Sesfion. Bei der hierauf vorgenommenen Präsidentenwahl wurde Levetzow mit 310 gegen 9 Stimmen zum Präsidenten gewählt. Ahl warbt erhielt eine Stimme. (Große Heiterkeit.) Buol-Beren- berg (Ctr.) wurde zum ersten Vicepräses, Bürklin (nl.) zum zweiten mit großer Mehrheit gewählt. Zu Schriftführern wurden M erb ach, Kropatschek, Kiesel, v. Cegtelski, Hermes, Schultze, Bueb und Holleuffer per Acclamation gewählt, zu Quästoren Rtntelen und Böttcher: Freitag: Anträge auf Einstellung und Vertagung der Strafverfahren gegen verschiedene Abgeordnete. Erstlesung der Mtlitäroollage.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 4. Juli. Der Landtagsabschied hat folgenden Wortlaut:
Ernst Ludwig von Gottes Gnaden Großherzog von Heffen und bei Rhein rc. rc.
Wir haben mit großer Befriedigung davon Kenntniß genommen, daß unsere getreuen Stände die Vorlage Unserer Regierung aus Anlaß des eingetretenen Nothstandes so rasch und entgegenkommend erledigt haben. Die bewilligten Geldmittel werden Wir den in der Vorlage, sowie den in den ständischen Beschlüssen bezeichneten Zwecken gemäß verwenden lassen. Den Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes, die Waldstreu betreffend, werden Wir in der den übereinstimmenden Beschlüssen der beiden Kammern entsprechenden Fassung vollziehen und verkünden lassen. Die von Unseren getreuen Ständen geäußerten Wünsche, insbesondere die von denselben beschlossenen Anträge, werden wir in reifliche Erwägung ziehen und darauf nach Befund das Geeignete verfügen. Indem Wir hiermit die gegenwärtige Ständeversammlung schließen, bleiben Wir Unseren Lieben und Getreuen,
Neueste
Wolffs telegraphisches Eorrefpondenz-Bureau.
Berlin, 5. Juli. Der Statthalter der Reichslande, Fürst zu Hohenlohe, und dessen Sohn, Reichstagsabgeordneter Prinz Alexander zu Hohenlohe, nahmen gestern an der Kaiserlichen Frühftückstafel Theil. Wie die „Post" hört, sprach sich der Kaiser gegenüber dem Statthalter sehr befriedigt über den Ausfall der Wahlen in Elsaß-Loth- ringen aus.
Berlin, 5. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Verbot, betr. die Ausfuhr von Heu, frischen und getrockneten Futterkräutern, Stroh und Häcksel bis auf Weiteres. Der Reichskanzler ist ermächtigt, Ausnahmen zu gestatten. Die Verordnung tritt am 5. Juli, also heute, in Kraft.
Berlin, 5. Juli. Nach Meldung der Blätter sind an den Bund der Landwirthe 194 von 994 vor drei Tagen versendeten Fragebogen, betreffend Futterverhält- nisse, zurückgekommen- 61 derselben sprechen von Futter- noth, 77 von Futtermangel, 56 halten Besserung durch Regen möglich.
London, 5. Juli. Die Socialisten Londons beschlossen, trotz des ergangenen Polizeiverbots, morgen, am Tage der Hochzeit des Herzogs von Aork mit der Prinzessin Teck, auf dem Wege, den der königliche Zug nimmt, eine Kundgebung zu veranstalten.
1893.
Finger.
Generaldebatte über
Locales und provinzielles.
Gießen, 6. Juli 1893.
* * Bon der Universität. Se. Königliche Hoheit der Großherzog haben geruht, den Profeffor der philosophischen Fakultät der Landes-Universität Dr. Adolph Philippi auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treuen und gewiffenhaften Dienstführung und unter gleichzeitiger Ernennung zum Geheimen Hofrath mit Wirkung vom l.Octbr. 1893 an in Ruhestand zu versetzen.
* * Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Generalmajor Perthes, Commandeur der 44. Infanterie-Brigade, das Comthurkreuz zweiter Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.
* * Bahnpostbriefkastev. Nachdem eine Zeit lang dem Publikum infolge der Bahnsteigsperre die Möglichkeit benommen war, Briese rc. in den am Bahnsteig angebrachten Briefkasten zu werfen, ist nunmehr Abhülfe geschaffen worden. Das Kaiserliche Postamt hat an der Südseite des Bahnhofsgebäudes einen Jedermann zugänglichen Briefkasten anbringen
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Bekanntmachung.
Klagen und fonftige Erklärungen und Anträge sind bei unseren Gerichtsschreibereien an allen Wochentagen, Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr vorzubringen. Wer einen Amtsrichter sprechen will, ohne vorgeladen zu sein, hat sich Mittwochs Vormittag einzufinden.
Gießen, am 4. Juli 1893.
Großherzogliches Amtsgericht.
(kämmte Haare
KavlanSgaffe 2, f5O2« iWt strebsamer Wirth Inntre, möglichst inmitten der iegene Wirthschast baldigst zu übernehmen. B ngtbote unter G G an die Bl. erbeten.
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