tionen über die Abgrenzung der Operationen in Kamerun versehen, auf seinen Posten zurück.
Arras, 3. Juni. Durch das Umfallen einer Lampe entstand in der Kirche von Gommecourt eine Feuersbrunst, wodurch dieselbe vollständig zerstört wurde.
Loudon, 3. Juni. Bei Gelegenheit der 7 4. Geburtstagsfeier der Königin ist eine große Anzahl von Mit« gliedern der Presse mit hohen Auszeichnungen bedacht. Der Chefredacteur der „Daily News" wurde zum Ritter, der Besitzer der „Jlluftrated London News" zum Baronet ernannt.
Neueste Ilacbsiebtem
Wolff» telegraphische» Corresponden»-Bureau.
Berlin, 5. Juni. Bei der gestrigen Weihe der Himmelfahrtskirche zog der Kaiser den Oberbürgermeister Zelle in ein längeres Gespräch und sprach den Wunsch aus, daß in der Peripherie Berlins statt großer Miethskasernen mehr landhausartige Bauten aufgeführt werden möchten, da er erstaunt gewesen sei über das Anwachsen der Straßen im Norden der Stadt und sich ihm die Frage aus- gedrängt habe, ob das Weichbild der Stadt noch Platz zu weiterem Anwachsen biete.
Depeschen oe» Bureau „^ctoIO*.
Berlin, 5. Juni. Dem Herrenhaus ist ein Gesetzentwurf zugegangen betreffend die Abänderung des § 211 des allgemeinen Be rggesetzes vom Jahre 1865.
Berlin, 5. Juni. Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, will der technische Ausschuß des Vereins 'zur Förderung des Gewerbefleißes den Reichskanzler ersuchen, von einer Preis - vertheilung an die deutschen Aussteller in Chicago abzusehen und dafür Sachverständige zur Berichterstattung über die von den deutschen Ausstellern vertretenen Gewerbezweige zu ernennen.
Rottenburg, 5. Juni. Bischof Hefele, ein bedeutender Kirchenhistoriker, ist heute Vormittag gestorben.
München, 5. Juni. Vom Jnfanterie-Leibregiment sind an Influenza und typhösen Erscheinungen zur Zeit 4 00 Mann erkrankt. Die gesunde Mannschaft bezieht morgen die Zeugremisen auf Oberwiesenfeld.
München, 5. Juni. Nach den neuesten Nachrichten dürfte auch der neue Landtag über die Verwendung reicher Ueberschüsse zu beschließen haben, für den nicht wahrscheinlichen Fall, daß die Kosten einer neuen Militärvorlage auf die Marricularbeiträge übergestellt würden.
München, 5. Juni. Das Staatsministerium des Innern legt dem nächsten Landtag einen Gesetzentwurf vor zur Beschränkung der gewerbsmäßigen Güter-Zer- splitterung.
Genua, 6. Juni. Der Dampfer „Kaiser Wilhelm" Ist wieder flott geworden.
London, 6. Juni. Einer Meldung des „Standard" aus Kopenhagen zufolge ist daselbst nichts bekannt über die beabsichtigte dortige Zusammenkunft Kaiser Wilhelms und des Zaren.
CocaUs und provinzielles.
Siebe», 6. Juni 1893.
♦ * Provinzialausschub Sitzung. Samötag den 10. Juni l. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regieruugs- gebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberheffen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Gesuch des L. Muhl zu Großen-Linden um Erlaubniß zum Betrieb einer Sckankwirth- schäft. 2. Recurs der H. L. Stern Wittwe zu Alsfeld gegen einen Polizeibefehl deS Großherzoglichen Kreisamts Alsfeld wegen Beseitigung gesundheitsschädlicher Mißstände,- hier Beschwerde wegen der Kosten. 3. Antrag der Gemeinde Wölfersheim aus Enteignung der Hofraithe des Krd. Klee und Ehr. Dauernheim von da behufs Verbreiterung der Ortsdurchfahrthier Antrag auf AuSspruch der Enteignung. 4. Reclamation gegen die Beigeordnetenwahl zu Laubach- hier Recurs des Reclamatanten Rudolf Ritter gegen die Kostenfestsetzung. 5. Beanstandung der Beigeordnetenwahl zu Holzhausen v. d. H. 6. Reclamation gegen die Bürgermeisterwahl zu Vilbel. 7. Gelände-Erwerb für die Nebenbahn Grünbcrg-Londorf - hier Vertheilung der Kosten auf die interessirten Gemeinden.
* ♦ Bon der Universität. Der ordentliche Professor an der juristischen Facultät der Landes-Universität, Herr Dr. Rehm, hat einen Ruf an die Universität Erlangen erhalten und angenommen.
* ♦ Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 8. Juni 1893, Nachmittags 4 Uhr pünktlich: 1. Gesuch der Frau Commerzienrath Noll Wittwe um Erlaubniß zur Herrichtung einer Vorrichtung zum Waffer- schöpfen in der Wieseck. 2. Gesuch des H. Schmoll LEI. um Bauerlaubntß für die Grunbergerstraße. 3. Gesuch des Buchhändlers Otto Roth um Erlaubniß zum Bauen an der Marburgerstraße. 4. DeSgl. deS H. Winn zum Bauen an dem Aulweg. 5. Den Ausbau der Gartenstraße. 6. Erbauung von Marktlauben. 7. Den WirthschastSplan über die Waldungen der Stadt Gießen für 1894/95.
•* Sitzungen des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu vom 6. Juni 1893. Heute wurden unter Vorsitz des Großh. LandgerichtSrathS Dr. Schäfer die Schwurgerichtssitzungen für das zweite Quartal eröffnet. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Johannes Geiß von Hain-Gründau wegen Meineids und Körperverletzung. Die Anklage vertrat der Großh. Staatsanwalt Element, vertheidigt wurde der Angeklagte von dem Großh. GerichtS-Accessisten Glässing als Stellvertreter de» Rechtsanwalts Dr. Gutfleisch. Als Geschworene wurden auSgeloost die Herren: Wilhelm Hanstein, Gemeinderechner Greb, Philipp Hofmann VI., Erich Wafferschleben, Philipp Amendt III., Wilhelm AlthauS, Ludwig Hanner, Louis Möller II., Heinrich Ramspeck II.,
Heinrich Schudt II., Wilhelm Zehner und Jacob Appel II. — Der Taglöhner Johannes Geiß von Hain-Gründau ist angeklagt, daß er am 21. Mai 1892 zu Hain Gründau mehrere Burschen von Mittel-Gründau, insbesondere den Gabriel Pfannmüller von da, mit Mehreren gemeinschaftlich mittels eines hinterlistigen UeberfallS und eines Prügels vorsätzlich körperlich mißhandelt und am 19. Dezember 1892 zu Büdingen an dem dortigen Schöffengericht den vor seiner Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Am 21. Mai 1892 zwischen 10 und 11 Uhr wurde eine Anzahl Burschen von Mittel-Gründau, als sie auf dem Heimwege von Hain-Gründau nach Minel- Gründau sich befanden, von dem Johannes Geiß und dem Johannes Brill von Hain-Gründau, die die That vorher Der- abredet und zu ihrer Ausführung hinter einer Hecke sich ver- borgen hatten, unvermuthet überfallen und mit dicken Prügeln geschlagen. Der Verdacht lenkte sich auf den Johannes Brill und auf den Wilhelm DöngeS von Hain-Gründau. Letzterer hatte den Brill und Geiß bis hinter die Hecke begleitet und mit Geiß die Kopfbedeckung zu dem Zwecke vertauscht, damit sie weniger leicht erkenntlich seien, sich aber an der Schlägerei nicht betheiligt. Gegen Brill und DöngeS wurde nach voraus- gegangenem Ermittelungsverfahren die Anklage wegen Körperverletzung erhoben und über dieselbe in der Sitzung des Großh. Schöffengerichts Büdingen am 19. September 1892 verhandelt. In dieser Sitzung wurden die von Herrn Rechtsanwalt Kraft verbeistandeten Angeklagten Brill und Dönges zu Gefängnißstrafen von vier bezw. zwei Wochen verurtheilt. Dieses Urtheil wurde Seitens der Staatsanwaltschaft und des Verurtheilten DöngeS angefochten. Die Entscheidung des Berufungsgerichts ist noch nicht erfolgt. Johannes Geiß war von dem Vertheidiger deS Brill und Dönges unmittelbar geladen, in der vorerwähnten Schöffengerichtssitzung als Zeuge vernommen, vor seiner Vernehmung beeidigt und während seiner Vernehmung unter Hinweis auf den § 54 der Strafprozeßordnung von dem Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht worden, daß er die Auskunft auf solche Fragen verweigern dürfe, deren Beantwortung ihm selbst die Gefahr strafgerichtlicher Verfolgung zuziehen würde. Er sagte nun unter Eid aus, er sei an dem fraglichen Abend — 21. Mai 1892 — in der Wohnung des Christian Wolf in Hain- Gründau gewesen, wohin die beiden Angeklagten Brill und Dösiges auch gekommen wären. Nach dem Zehn-Uhr-Blasen habe er mit denselben das Haus verlassen, um nach Hause zu gehen. Unterwegs hätten sie sich noch aufgehalten und dann sei Dönges am Heimweg nach seiner Wohnung ^gegangen. Brill habe ihn später verlassen und sei in seinen Hof gegangen. Unterwegs um 1jlA. 1 Uhr hätten sie noch beisammen gestanden, die Zeit habe er nach der Uhr nicht controlirt. Auf Anfragen und nach Belehrung über das ihm nach § 54 der Strafprozeßordnung zustehende Recht gab er weiter an, er sei nicht bei der Schlägerei betheiligt gewesen und habe auch nicht gehört, daß die Angeklagten Brill und DöngeS die fragliche Schlägerei beabsichtigt gehabt hätten. Im Gegensatz zu dieser Aussage spielte sich die Sache nach dem glaubhaften durch die Angaben der übrigen Zeugen wesentlich unterstützten Geständnisse der Angeklagten folgendermaßen ab: Gegen i/zll) Uhr kamen Brill und Dönges zu Wolf und machten dem Geiß den Vorschlag, die Mittel- Gründauer Burschen durchzuhauen, womit Geiß sofort einverstanden war. Jeder versah sich mit einem Prügel, Geiß und DöngeS vertauschten die Kopfbedeckung und versteckten sich dann hinter der Hecke, an der die Mittel-Gründauer Burschen vorbei mußten. Als dieselben die Hecke passirten, sprangen sie hinter derselben hervor nnd Geiß sowie Brill schlugen mit ihren Prügeln auf die Mittel-Gründauer ein, unbekümmert darum, wen und wohin sie trafen. Nach der Schlägerei gingen Brill und Geiß nach Hain-Gründau zurück, wobei sie mit Dönges wieder zusammentrasen, von dem Geiß seine Kopfbedeckung wieder eintauschte. Nachdem die Geschworenen (Obmann: Herr Erich Wasserschleben) die ihnen vorgelegten Schuldftagen bezüglich der Körperverletzung und des Meineids nebst der zu letzteren gestellten Nebenfrage aus § 157 des Strafgesetzbuchs bejaht hatten, erfolgte Verurtheilung des Angeklagten in eine Gesammtgefängnißstrafe von einem Jahre und acht Monaten, abzüglich drei Monate Untersuchungshaft.
*♦ Wühler Versammlung. Die erste der aus Anlaß der bevorstehenden ReichStagswahl für Gießen in Aussicht genommenen Wähler-Versammlungen hatten die Socialdemokraten auf gestern Abend einberufen. ES war vorauSzuseh-n, daß das Auftreten des Herrn Liebknecht in dieser Versammlung eine große Zuhvrerschaar herbeiführen würde, und so war beim schon eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung der Leib'sche Saal bis auf den letzten Platz besetzt, so daß später Kommende wieder umkehren mußten. Herr Liebknecht, von der Versammlung stürmisch begrüßt, ver- breitete sich in ber zweistündigen Rede eingehend über daS die bevorstehenden ReichStagSwahlen behandelnde Thema. Indem er zunächst auf die Entstehung der Militärvorlage ein- ging, bezeichnete er eS als eine Nothwendigkeit, daß daS deutsche Volk, dessen Vertretung im Reichstage übrigens eine einseitige, die Besitzlosen majorifireude sei, entschieden gegen eine weitere Belastung, wie sie die Militärvorlage mit sich bringe, protestire. Die Angst vor den Wählern habe die Mehrheit der ReichStagSvertreter verhindert, sofort nach der ersten Vorlage über dieselbe zu entscheiden. Die von Richter, Hitze, Bachem im Reichstage berührte Frage über den ZukunstS- staat bezeichnete Redner als eine Narrenftage, er ging indeß doch näher, als dies bis jetzt von irgend einem Abgeordneten seiner Partei geschehen, auf daS ein, was die Socialdemo- kratie von der Zukunft erwarte, waS sie für daS Heil ber Menschheit hält. Der weiteren Belastung beS Volkes burch ben Militarismus könne nur burch Uebergang zum Milizsystem nach schweizerischem Muster vorgebeugt, damit aber auch eine größere Garantie für Erhaltung deS Friedens gegeben werden, denn ein Volk in Waffen greife Niemand an, für einen Angriffskrieg aber sei ein VolkSheer nicht da. Der
heutige Militarismus verschulde die schlechten Erwerb»Verhältnisse, er führe Deutschland zum Bankerott. — Auf die Politik des Reichskanzlers Caprivi, die er als eine Politik ber Ehrlichkeit bezeichnete, übergehenb, bewerbe Herr Liebknecht, baß ein Krieg nach zwei Fronten, mit dessen Möglichkeit ja die Militärvorlage rechne, nicht kommen werde. Frankreich fei allein ein gefährlicherer Gegner, al» in Gemeinschaft mit Rußland, dessen Interessen ganz andere seien als d,e Frankreichs, Rußland sei nicht» al» em Stein, ber Frankreich mit in bie Tiefe ziehe. Rußland gehe darauf auS, Mitteleuropa zu zerschmettern, um in den Besitz von Konstantinopel zu kommen, eS habe kein Interesse an dem Bestände Frankreichs, übrigen» sei seine Armee nicht nur nicht stärker al» bie DeutschlanbS, sonbern in Bezug auf Qualität gleich Null. Deutschland könne innerhalb wenigen Tagen seine Armee an einen Punkt bringen, in Rußlanb vergingen Monate, ehe eS nur 100,000 Mann conccntrire. Die angebliche Allianz RußlanbS mit Frankreich habe ein mächtiges Gegengewicht in England, daS sofort mit einer Kriegserklärung kommen würde, wenn eS Rußland wagen sollte, in Gemeinschaft mit Frankreich Deutschland anzugreifen. Deutschland wie Oesterreich hätten seit Langem eine Waffe in Bereitschaft, die sofort hervorgeholt würde, wenn Rußland an greife, dies sei bie Jniurrection Polens. Im Falle eines Krieges würbe Englanb bie französische Küste blokiren, bie Zufuhr von NahrunxSmitteln ab- schneiben unb bamit burch Hunger Frankreich auf bie Kniee bringen, ehe nur ein Schuß gefallen. Frankreich denke auch gar nicht an den Krieg, eS leide ebenso schwer unter ber Last ber Rüstung als Deutschland!. Herr Liebknecht folgerte auS bem sehr ausführlich bargelegten Stande ber europäischen Politik, daß die Militärvorlage durch nichts begründet sei. Sie berge aber eine Gefahr für daS Volk in sich, denn alle Diejenigen, die hinter ihr ständen, seien Feinde deS allgemeinen und gleichen Stimmrechts. In Deutschland müsse aber daS allgemeine und gleiche Stimmrecht unb, wie in Amerika, in bet Schweiz rc., bie Souveränität beS Volkes hochgehalten werden. Herr Liebknecht richtete sich nun gegen ben Antisemitismus. Wie ungerecht es sei, bie Juben für baS Zurückgehen deS Bürger- unb BauernstanbeS verantwortlich zu machen, baS zeige ein Blick auf Englanb. Dort fei ein Rothschild gleich einer Null unb trotzdem sei in keinem Lande das Capital mehr conccntrirt als in England, der Mittelstand sei fast ganz verschwunden. Auch an dem Zurückgeben deS amerikanischen FarmerthumS seien die Juden nicht schuld, von ben 36 Milliarden Mark, mit dem der Besitz der amerikanischen Farmer belastet sei, rühre nicht ein »Dollar von Juden her, bart seien bie Wucherer die christlich germanischen.Agrarier. Es solle deshalb nicht gegen die Juden, sondern gegen ben CopitaliSmus der Kampf geführt werden. Die Gaiantic für eine befriedigende Umgestaltung der heutigen socialen Verhältnisse läge allerdings in der Erhaltung deS Großkapitals, eS müsse aber dafür gesorgt werden, daß dasselbe in gleichem Maße allen zu Gute käme- besonders für bie Landwirthschaft fei der Kleinbetrieb, daS Kleincapital ohne Werth. wollte man die gesammte Landwirthschaft Deutschlands in Kleinbetriebe theilen, so würde deren Production noch nicht hinreichen, auch nur 20,000,000 Menschen zu ernähren. Der CapitaliSmuS, der keinen Unterschied zwischen Christen und Juden kenne, würde auch den Kleinbürger- und ftteinbauernftanb vernichten, deshalb sollten sich die Kleinbauern von den Antisemiten ab und der Socialbemokratie zuwenden, denn nur in der socialistischen Gesellschaft werde Freiheit und Wohlstand zu finden sein. Die Rede, ab unb zu von anwesenden Gegnern durch Zwischenrufe, von ben Anhängern ber Socialbemokratie burch Bravos unterbrochen, gipfelte in ber Auf- forberung Liebknechts an bieWähler,am Wahltage seinem Freunbe und altbewährten Parteigenossen Drbig ihre Stimmen zu geben. — Nach der hier nur kurz skizzirten Rede Liebknechts forderte Herr Drbig etwa erschienene Gegner auf, sich zum Worte zu melden. Als dies nicht geschah, erstattete Herr Orbig kurzen Bericht über die Ergebnisse der bisher an verschiedenen Orten des Wahlkreise- abgehaltenen Versammlungen; er conftatirte, daß sich allenthalben eine Wenbm g zu Gunsten der Socialdemokratie vollzogen habe- überall sei er freudig empfangen worden, selbst da, wo man früher der Sache feind- lich gegenüberftanb. Er gab der Hoffnung Ausdruck, baß in nicht zu ferner Zeit ber Wahlkreis der Socialbemokratie zufallen werbe- es werde auch da Licht werden, wo durch den Antisemitismus eine Verrohung herbeigeführt worden sei. — Herr Katzenstein wendete sich an die ebenfalls zahlreich er schienene geistige Arbeiterschaft - nicht geistige unb Handarbeit stünden in Gegensatz zu einander, beide würden vom Capital nicht nur auSgenützt, sondern auch entwürdigt- in England gehe die geistige Arbeit Hand in Hand mit der Handarbeit. Künstler, Ingenieure, Lehrer, besonder- die Volk-schullehrer, Studenten, alle geistig thätigen Personen müßten Socialtsten werden, denn der SocialiSmuS biete allein Gewähr dafür, daß für alle Arbeiter, geistige wie Handarbeiter, befriedigende Verhältnisse geschaffen würden. — Herr Krämer erklärte, er wolle heute einem in der Versammlung anwesenden politischen Gegner Ausklärung geben über einen gegen bie Socialbemokratie in einer auswärtigen Versammlung erhobenen Vorwurf in Betreff der Attentate von 1878, die man ber Socialbemokratie an bie Rockschöße hängen wolle. Nachdem Herr Strömer den erhobenen Vorwurf zurückgewiesen, forderte er ben Gegner auf, seine vorwürfe hier zu begrünben. Da sowohl auf diese, wie auf die nachfolgende Aufforderung de- Herrn Orbig Gegner sich nicht meldeten, schloß letzterer mit einem Hoch auf bie internationale Socialbemokratie bie Versammlung, an diese noch bie Aufforberung richtend, am 15. Juni Mann für Mann ihre Stimmen einem Social- bemofraten zu geben.
* Wählet Bersammlunqe». Da- freisinnige WahlcomitS hatte Wählerversammlungen einberufen auf Dam-tag den 3. I. MtS. AbenbS 8 Uhr nach Gebern unb auf Sonntag ben 4. l. MtS. 3 Uhr nach Nidba und 8 Uhr nach Drtenberg. In Gedern entwickelte Herr Rechtsanwalt Dr. Jung von Gießen da- Programm der freifinnigen Partei, wahrend in


